DEUTSCHE REVIDIERTE AUSGABE Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt Band 1 und Band 2 Shangguan Yuhua Historische Arbeitsgrundlage · v2.2 · Oktober 2026 Redigierte Textfassung · 21. Oktober 2026 · Mit gekennzeichneten Inhaltsbegrenzungen und textkritischen Anmerkungen Mit gekennzeichneten Auslassungen und redaktionellen Anmerkungen. Hinweise zu dieser Ausgabe Diese Überarbeitung baut auf der historischen deutschen Fassung v2.2 und der bereitgestellten chinesischen TXT-Vorlage auf. Alle 1.631 stabilen Quellabschnittsnummern bleiben erhalten. Die Kapitel und Anhänge wurden inhaltlich geprüft und von einer weiteren KI unabhängig gelesen; die entsprechenden Nachweise liegen im Prüfmaterial vor. Die Bestätigung gilt für den tatsächlich bearbeiteten Umfang, nicht für eine bestimmte verstrichene Arbeitszeit. Ein vollständiger Abgleich mit einer englischen Referenzausgabe wird nicht behauptet; belegte Teilvergleiche sind in den Kapitelberichten dokumentiert. Die Überarbeitung und die unabhängige Gegenprüfung wurden durch KI durchgeführt. Eine menschliche Begutachtung oder Zertifizierung wird nicht beansprucht. Unklare Formulierungen, unterschiedliche Angaben und nicht belegte Aussagen der Vorlage werden nicht durch vermutete Originalformulierungen ersetzt. Auch die textlichen Unklarheiten im Zitat von Kapitel 10 des zweiten Bandes bleiben mit Anmerkungen erhalten; sie gelten damit nicht als gelöst. Bei ZH-L0251, ZH-L0286, ZH-L0739 und ZH-L0741 bleiben vier gekennzeichnete Inhaltsbegrenzungen bestehen. Wegen dieser Begrenzungen ist dies keine ungekürzte Übersetzung. Die nichtsexuellen medizinischen Gewaltschilderungen ZH-L0488 und ZH-L0489 wurden ohne Kürzung wiederhergestellt. Die religiösen, moralischen und gesundheitsbezogenen Aussagen sowie Wertungen über Personengruppen gehören zur Vorlage. Ihre Wiedergabe bedeutet keine Zustimmung der Redaktion und stellt keine medizinische oder wissenschaftliche Beratung dar. 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Wie das Buch „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ entstand (I) – Mit der göttlichen Kraft des Tathāgata zum Himmel der Dreiunddreißig aufsteigen 2. Wie das Buch „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ entstand (II) – Erneute Audienz beim Kaiser von Fengdu, dem obersten Herrscher der Unterwelt 3. Als Zuhörerin bei einer Gerichtsverhandlung in der siebten Halle 4. Der Richter sagt: „Erst nach dem Tod zu bereuen, ist bereits zu spät!“ 5. Grausame Vergeltung in der großen Hölle der Selbstbefriedigung – der Richter enthüllt alle Geheimnisse des Himmels! 6. Die Vergeltung für Freier: 100.000 Jahre in einer großen Hölle 7. Die tatsächlichen Zustände in der Hölle des umgekehrt drehenden Rades unter dem Eishimmel und in der Hölle der bunten Blumen und des Schwerterwaldes, in denen inzestuöses Fehlverhalten bestraft wird 8. Ein Jugendlicher verfiel pornografischen Websites und büßte alle Segnungen und seine ganze Lebensspanne ein – bei seinem Tod war er erst in den Zwanzigern! 9. Die grausame Bestrafung für Selbstbefriedigung – die Hölle der elektrischen Augen und Eisenkugeln 10. Noch ehe die Lebenszeit in der Menschenwelt endet, werden die drei Hun-Seelen mit Haken fortgerissen!!! 11. Der Richter der Unterwelt antwortete ernst: „Unser Herrscher der Unterwelt hat gesehen, dass in der Welt der Lebenden bereits mehr verderbliches Qi freigesetzt wurde, als sie verkraften kann!“ 12. Die Hölle der Zahnräder, Wölfe und Schlangen 13. Die erste Begegnung mit dem obersten Befehlshaber der Unterwelt, dem Kaiser von Fengdu 14. Die elektrischen Leuchtschirme – eine neue Hölle, die elektrische Eisnadeln abschießt 15. Ein Blick hinter den geheimnisvollen Schleier des Lebens im Wohnviertel der gewöhnlichen Bewohner der Unterwelt 16. Schöpfer pornografischer Bilder aus der mehr als 1.900 Jahre zurückliegenden Westlichen Han-Zeit sind bis heute in der großen Hölle gefangen und leiden! 17. Zum zweiten Mal bei einer Gerichtsverhandlung – Mit eigenen Augen sehe ich die beiden in alten Büchern beschriebenen Ämter zur Belohnung des Guten und zur Bestrafung des Bösen 18. Die karmische Vergeltung in der Hölle für das Weiterreichen und Teilen pornografischer Bücher, Zeitschriften und optischer Datenträger 19. Den ursprünglichen Yang-Körper der Wesen wiederherstellen – Die maßgebliche Sicht der Unterwelt auf den Umgang mit pornografischen Gegenständen in der Menschenwelt 20. Die karmische Vergeltung für Abtreibung und die Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen für Säuglingsgeister 21. Die schwere Anklage der Säuglingsgeister – König Yanluos gelbes Befehlszeichen 22. Die Vergeltung für Abtreibungsärzte im jetzigen und im nächsten Leben – 100.000 Jahre Strafhaft in der Hölle des Zerstückelns 23. Kind, bitte weine nicht – Der Richter der Unterwelt erklärt ausführlich, wie sich die Folgen einer Abtreibung wiedergutmachen lassen 24. Kind, Mama liebt dich – Mit ernsten, fürsorglichen Worten belehrt der Richter der Unterwelt alle Mütter der Welt! 25. Weibliche Keuschheit und vorehelicher Geschlechtsverkehr in den Gesetzen der Unterwelt 26. Das Rätsel tödlicher Blitzschläge in der Menschenwelt nach den Gesetzen der Unterwelt 27. Das Schicksal der Homosexuellen – die große Lianxiang-Hölle 28. Verehrung Kṣitigarbhas in der Halle Mingguang Chuzhuan 29. Die grenzenlose Macht des Juwels und des heiligen Mantras – Ich sehe mit eigenen Augen, wie die Drei Heiligen des Südens die Wesen von den großen Qualen der Hölle befreien 30. Der Richter der Unterwelt enthüllt die Wahrheit über das Yuli – Mit ganzer Kraft „Yuli Baochao“ und „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ unterstützen und schützen 31. Die unerträglich grausamen Strafen der großen Avīci-Hölle – Das göttliche Tier Di Ting unterweist in der Praxis zum Wohl anderer 32. Der Richter der Unterwelt sagt: „Die Gottesmutter Maria ist eine Manifestation Avalokiteśvaras“ – Avalokiteśvara besucht die Höllen, um vom Leid zu befreien Nachwort Die Gesetze der Unterwelt sind unerbittlich, doch der Buddha ist voller Mitgefühl Das Land schützen, das Volk lieben und Ursache und Wirkung klar verstehen Vorwort Unsere Dharma-Schwester Shangguan Yuhua hat all ihre Kraft und ihr Herzblut in das Buch Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt gelegt. Die drei Bereiche – der obere, der mittlere und der untere – wirkten zusammen; Himmel, Erde, Geister und Gottheiten setzen große Hoffnungen darauf. Es soll die Welt zum Guten wenden und die Herzen der Menschen auf den rechten Weg bringen. Nach dem früheren Yuli Baochao ist es ein weiteres wichtiges Werk der Unterwelt. Heute verschlechtern sich die Herzen der Menschen, und die Moral verfällt. Deshalb wurde beschlossen, die tatsächlichen Verhältnisse in der Hölle und der Unterwelt bekannt zu machen, um jene Menschen mit einer Verbindung zu diesem Werk zu retten, deren Wurzeln des Guten noch nicht völlig abgestorben sind. Diesmal gewährt die Unterwelt eine besondere Gnade: Auf Anweisung Kṣitigarbhas darf alles, was in der Hölle gesehen und gehört wurde, in der Menschenwelt veröffentlicht werden. Diese weitreichende Ausnahme soll es ermöglichen, noch in diesem Jahr eine erste Fassung des Buches fertigzustellen und dadurch eine gewaltige Katastrophe in der Menschenwelt abzuwenden. Wer die Gesetze der Unterwelt unterstützt, wird zum Himmel aufsteigen und aus den Registern der Hölle gestrichen werden. Widmet er das Verdienst dieser rettenden Tat dem Wunsch nach einer Wiedergeburt im Reinen Land der Höchsten Glückseligkeit im Westen, wird seine Lotusgeburt einen höheren Rang erreichen. Alle Schüler der Drei Juwelen werden dies gewiss unterstützen und befolgen. Wenn ein Mensch die Lehre erlangt, können seine Jiuxuan Qizu aufsteigen, dem Leiden entkommen und Freude erlangen. Nichts übertrifft die Verbreitung dieses Werkes darin, nach oben die vier Arten empfangener Wohltat zu vergelten und den Wesen in den drei Daseinsbereichen nach unten zu helfen!20 Im Jahr Renchen – Miaozheng, mit aneinandergelegten Handflächen 0. Vorwort der Autorin Amitābha Buddha! Seid alle gegrüßt! Möge Frieden in der Welt herrschen und mögen die Waffen ruhen! Mögen alle fühlenden Wesen im ganzen Raum und im Dharmadhātu glücklich, ruhig und friedlich sein! Mögen alle fühlenden Wesen im Dharmadhātu aus dem Kreislauf von Geburt und Tod befreit werden, die drei Welten verlassen, dem Leid entkommen und Freude erlangen! Mögen alle fühlenden Wesen im Dharmadhātu den rechten Dharma hören und durch das Einhalten reiner Gebote Vollendung erlangen; mögen ihre Gebote rein und unbefleckt sein wie eine leuchtende Perle! Möge unsere Mutter Erde bald wieder das Gleichgewicht und die Harmonie ihres Magnetfelds vom Beginn des Kalpa erreichen. Mögen alle fühlenden Wesen, die mit diesem Text in Berührung kommen, ihren Verwandten und Freunden davon erzählen. Mögen sie den kostbaren menschlichen Körper schätzen, den sie durch das Einhalten der fünf Gebote in früheren Leben erlangt haben, und sich ernsthaft in der Praxis üben. Mögen sie dieses menschliche Leben mit seinen günstigen Bedingungen nutzen, um weiterhin reine Gebote einzuhalten, das Licht ihrer inneren Natur zu stärken und bald das andere Ufer der Befreiung zu erreichen! Lassen wir unser geistiges Wesen zum Licht streben. Wenn alle fühlenden Wesen innerlich leuchten, bringt das dem Universum und der Natur ein natürliches Gleichgewicht; dann gäbe es auch nicht so viele Naturkatastrophen, die aus unserem gemeinsamen Karma entstehen. Man kann also sagen: Um des ganzen Universums willen muss jeder zuerst bei sich selbst anfangen. Jeder ist ein kleines Universum; das kleine ist mit dem großen Universum verbunden. Das Eine ist alles, und alles ist das Eine. Zwischen uns gibt es keine Trennung; alles ist eng miteinander verbunden. Glaubt nicht, eine sehr private Handlung bliebe unbekannt. Ein einziger guter oder böser Gedanke wird unmittelbar in das Register guter und böser Taten der Unterwelt eingetragen. Buddhas und Bodhisattvas sehen voller Mitgefühl, wie die Welt heute verfällt: Durch den Fortschritt von Wissenschaft und Technik erhalten die Menschen materiellen Überfluss; dadurch beginnen sich ihre Gedanken und Herzen rasch zum Schlechten zu verändern. Die meisten Menschen von heute glauben nicht an Ursache und Wirkung und halten dies für eine überholte Vorstellung. Selbst Kinder sind nicht mehr so gutherzig, wie die Menschen es einst am Anfang des Kalpa waren, von Erwachsenen ganz zu schweigen. Sie erkennen nicht, dass dies am Verlust der guten alten Tradition von Konfuzius und Menzius und der Bildung durch die Vier Bücher und Fünf Klassiker liegt. Die Menschen von heute sind in ihrem Denken und ihrer Lebensweise offen. Kleidung, wie sie in großen Einkaufszentren verkauft wird – etwa Tanktops und Oberteile mit schmalen Trägern –, gilt heute als normal; in alter Zeit wäre es völlig undenkbar gewesen, dass Frauen sich so kleideten. Sexshops gibt es inzwischen überall. Die Zeitungen an den großen Kiosken und die Titelbilder der Zeitschriften zeigen fast nur noch Bikinis oder tief ausgeschnittene Kleidung. Kinder sehen das zwangsläufig jeden Tag; da fällt es ihnen schwer, nicht schlechte Dinge zu lernen. Buddhas und Bodhisattvas haben festgestellt, dass es der Welt inzwischen stark an geistiger Bildung mangelt. Sie sorgen sich um den geistigen Verfall der Lebewesen, auf den unweigerlich eine Katastrophe nach der anderen folgen werde. Zwar verbreiten wohlmeinende Menschen weiterhin Botschaften und Texte, die die Welt zum Guten wenden sollen. Doch wenn die Lebewesen nicht vom Bösen zum Guten übergehen, werden sie am Ende ihres Lebens gewiss in die Hölle fallen, dort alle Arten grausamer Strafen erleiden und keinen Tag der Befreiung erleben. Der Himmlische Kaiser sieht voller Mitgefühl, dass viele große Höllen bereits völlig überfüllt sind und weitere gebaut werden müssen. Besonders in den Höllen für sexuelles Fehlverhalten leiden viele sehr junge Kinder, weil ihnen eine gute Erziehung im Denken und eine Unterweisung über Ursache und Wirkung in hohem Maße fehlen. Das ist ein großes Leid für die Lebewesen der Menschenwelt! Deshalb bat der Himmlische Kaiser Buddha ausdrücklich, einen geeigneten Schüler aus der Menschenwelt auszuwählen, der reine Gebote einhält. Dieser sollte bei vollem Bewusstsein die Höllen besichtigen, danach in die Menschenwelt zurückkehren und ein Buch schreiben, das die Zustände dort genau festhält und den Menschen davon berichtet. Es sollte Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt heißen. Nach jedem Besuch in der Hölle werden die Berichte in vergleichsweise einfachen Worten niedergeschrieben. Jeder Bericht muss anschließend überarbeitet und darauf geprüft werden, ob er den tatsächlichen Verhältnissen entspricht, bevor er veröffentlicht werden darf. Um einen Bericht gut zu schreiben, muss Ayu manchmal mehrmals in die Hölle reisen und den Inhalt überprüfen. Das unterscheidet sich völlig von den erbaulichen Büchern, die früher in der Menschenwelt durch Geisterschrift oder Besessenheit entstanden, und ebenso von Berichten über übernatürliche Erlebnisse im Traum. Der Himmlische Kaiser hofft, dass es den Menschen eine Warnung sein wird, wenn er mir, Shangguan Yuhua, diesmal auf beispiellose Weise erlaubt, die Zustände in der Hölle öffentlich bekannt zu machen. Sie sollen an ihrem Geist und Charakter arbeiten und fortan keine Gebote und Gesetze mehr brechen. Dadurch lässt sich das Risiko, nach dem Tod zur Bestrafung in die Hölle zu gelangen, gewiss erheblich verringern. Wenn diese wirklichen Zustände der Hölle weitererzählt werden, können noch mehr Menschen zur Einsicht kommen, das Schlechte aufgeben, sich dem Rechten zuwenden und eifrig Gutes tun und Segnungen ansammeln. Vielleicht entgehen sie so der Vergeltung für früher geschaffene böse Ursachen, die sie in die Hölle führen würden, und werden an einem gesegneten Ort wiedergeboren; vielleicht erlangen sie auch als Frau einen männlichen Körper. Über die Einzelheiten entscheiden selbstverständlich Buddhas und Bodhisattvas sowie Ursache und Wirkung. Im Leben jedes Einzelnen gibt es gewiss Stufen, die zum Licht führen und auf denen fühlende Wesen, die aufrichtig bereuen, Schritt für Schritt hinaufsteigen können. So sollen sie verstehen: Wer gute Ursachen schafft, erntet gute Folgen; wer böse Ursachen schafft, erfährt böse Vergeltung. Die karmische Vergeltung folgt einem wie der eigene Schatten. Sie bleibt nicht aus – ihre Zeit ist nur noch nicht gekommen! Vor einiger Zeit gab Buddha Ayu die Anweisung, die Höllen zu besichtigen und danach darüber zu schreiben, damit alle Ursache und Wirkung verstehen und reine Gebote einhalten. Wer noch keine Gebote einhält, soll sie gewissenhaft einhalten; wer sie bereits einhält, soll sich weiterentwickeln, sich ständig verbessern und mehr zum Wohl aller tun. Ayu ist eine Schülerin Buddhas, die zu den Drei Juwelen Zuflucht genommen hat und die fünf Gebote einhält. Ich fühle mich geehrt, dass Buddha mir aus Mitgefühl die Gelegenheit gibt, mich an dieser Aufgabe zu versuchen. Im Sutra von den ursprünglichen Gelübden Kṣitigarbhas heißt es: „Wenn es nicht göttliche Macht ist, muss es karmische Kraft sein.“ Ohne Buddhas Beistand hätte Ayu in Wahrheit bei Weitem nicht genügend Verdienst und Weisheit, um diese heilige Aufgabe zu übernehmen. Doch ich werde sie sehr schätzen und alles daransetzen, Buddhas mitfühlenden Auftrag zu erfüllen. Es gibt einen Spruch: „Wer die Lehre verbreitet, ist ein Bodhisattva; wer sie schützt, ist ein Buddha.“ Tatsächlich stammen alle Verdienste von Buddha. Im Hintergrund hat er sehr, sehr viel vorbereitet und uns seinen Beistand gegeben, ohne dass wir es bemerkt haben. Darum sollten alle sich bemühen, die Gebote einzuhalten und so Buddha und ihren Lehrern für ihre Güte zu danken! Ehrerbietig niedergeschrieben von der demütigen Schülerin Shangguan Yuhua 1. Wie das Buch „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ entstand (I) – Mit der göttlichen Kraft des Tathāgata zum Himmel der Dreiunddreißig aufsteigen Dankbar für den Beistand durch Buddhas Kraft! Auf einer weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha Buddha! Ayu grüßt den Richter der Unterwelt mit aneinandergelegten Handflächen! Ayu fragt den Richter der Unterwelt: „Als der Kaiser von Fengdu, der Herrscher der Unterwelt Yanwang, dem Himmlischen Kaiser vortrug, er wolle das Buch Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt schreiben lassen, um die Menschen zu ermahnen: Welche Weisung gab der Himmlische Kaiser dazu?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Ich muss dem Himmlischen Kaiser ohnehin eine dienstliche Angelegenheit im Himmel melden! Ich nehme dich mit, damit wir ihn besuchen können!“ Voller Freude dankte ich dem Richter der Unterwelt, und wir flogen zum Himmel. Als ich etwa 6.000 Meter über dem Erdboden war, spürte ich bereits deutlich eine Reinheit und Ruhe. Ich sah einige Himmelswesen fliegen und erblickte auch Paläste und Häuser. Die Paläste und Häuser im Himmel strahlen Licht aus und sind wunderschön, anders als die glanzlosen Häuser der Menschenwelt. Nun kamen wir vor dem Tor eines großen Palastes an. Darüber standen drei große Schriftzeichen: „Di Shi Tian“. Zwei himmlische Generäle mit Waffen in den Händen standen dort; sie wirkten kräftig und ehrfurchtgebietend. Sie schienen uns beide zu kennen und begrüßten uns lächelnd und sehr höflich. Der Richter der Unterwelt sagte, wir wollten den Himmlischen Kaiser sehen. Die beiden Generäle erwiderten, der Kaiser habe ihnen gerade aufgetragen, uns bei unserer Ankunft ohne weitere Anmeldung unmittelbar einzulassen. Als sie zur Seite traten, öffnete sich das Tor von selbst, und wir gingen hinein. Dieser Palast war nicht nur groß, sondern auch besonders ehrfurchtgebietend und funkelte überall. Ich sah himmlische Frauen. Jede von ihnen war schön und hatte eine außergewöhnliche Ausstrahlung. Selbst die schönste Miss World aus der Menschenwelt würde hier sofort verblassen. Auch die Körper der Himmelswesen entstehen durch spontane Geburt. Das Gefühl hier ist ganz anders als im Höllenbereich. Die Himmelswesen sind frei und unbeschwert, und alle sehen glücklich aus. Im Himmel gibt es keinerlei Leid. Ihre Kleider sind leicht und luftig, und man sieht keine Naht – wahrhaftig nahtlose Himmelsgewänder. Als ich in den Himmel kam, erschien mir die Menschenwelt überaus schmutzig; wenn ich dagegen in die Hölle komme, erscheint sie mir wunderbar. Wir Menschen sollten uns also stets nach oben entwickeln: Je höher man gelangt, desto reiner ist es; je tiefer, desto größer ist das Leid. Eine himmlische Frau kam und führte uns weiter; der Palast war tatsächlich riesig. Vor uns erschien nun eine prächtige, golden glänzende Halle, und wir traten ein. Die himmlische Frau meldete dem Himmlischen Kaiser, der Richter der Unterwelt und Shangguan Yuhua, eine einfache Frau aus der Menschenwelt, seien gekommen, um ihm ihre Aufwartung zu machen. Derjenige, der ganz oben in der Mitte der Halle saß, war der Himmlische Kaiser. Seine Erscheinung war würdevoll und gütig. Er trug eine Krone nach altem chinesischem Vorbild: Sie war rechteckig, und vorn und hinten hingen einige Behänge herab. Sein Anblick flößte einem sofort Achtung ein. Seine Kleidung strahlte sanft in sieben Farben. Obwohl es sieben waren, blendeten sie überhaupt nicht; sie wirkten fein abgestuft und räumlich. Ihr Anblick machte mich ruhig und unbeschwert. Das Licht aus dem Herzen des Himmlischen Kaisers vermochte den ganzen Himmel zu umhüllen. Der Richter der Unterwelt erwies dem Himmlischen Kaiser seine Ehrerbietung. Auch ich kniete in der Halle nieder und verneigte mich mit gesenktem Kopf. Da sagte der Himmlische Kaiser mit gütiger Stimme: „Steh auf, Shangguan Yuhua. Du möchtest wissen, was ich davon halte, dass die Unterwelt Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt verfassen lässt, nicht wahr?“ Die Farbe der Kleidung des Himmlischen Kaisers veränderte sich! Eben hatte sie noch in sieben Farben geleuchtet, jetzt war sie weiß, cremeweiß, hellgrün und goldgelb. Diese nahtlosen Himmelsgewänder sparen schon viel Zeit beim Zuschneiden, und nun können sie sich auch noch nach Belieben verändern. Unglaublich! Ich sagte: „Ja! Ich möchte Euch fragen, aus welchen Gründen das Buch Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt verfasst wird.“ Der Himmlische Kaiser sagte bewegt: „Unter den Lebewesen der Menschenwelt und der drei niederen Daseinswege sind nur sehr wenige Buddhas und Bodhisattvas, die aus anderen Welten ihrem Gelübde folgend in die Menschenwelt herabgestiegen sind, um leidende Wesen zu retten, mit denen sie verbunden sind. Alle übrigen Lebewesen unterhalb des Himmels sind meine Untertanen. Seit sie in die Menschenwelt hinabgefallen sind, werden ihre Gewohnheiten durch den Kreislauf des Lebens dort verunreinigt. Sie entfernen sich immer weiter vom Himmel, und immer weniger schaffen es, in ihre himmlische Heimat zurückzukehren. Die schlechten Gedanken, die die Menschen täglich aussenden, haben die Wohnumgebung im Himmel bereits schwer beschädigt und meinem Palast seinen Glanz genommen. In den letzten Jahren haben sich die Herzen der Menschen plötzlich und rasch verändert. Sie missachten Ursache und Wirkung und halten sexuelles Fehlverhalten für modern. Dadurch steigt eine äußerst verderbliche, von Begierde erfüllte Energie wie ein scharfes Schwert bis in die Wolken. Ihre giftigen Dämpfe umhüllen den Himmel. Wenn das so weitergeht, werden bald alle Menschen in die Hölle fallen. Während ich darüber nachdachte, wie ich diese große Katastrophe in der Menschenwelt bewältigen könnte, sandte der Kaiser von Fengdu ein dringendes amtliches Schreiben aus der Unterwelt und trug mir seine Bitte vor. Er berichtete, dass die Höllen bereits überfüllt seien und es auch stark an Personal fehle. Daher habe er beschlossen, himmlische Geheimnisse in großem Umfang preiszugeben: Er wolle einen geeigneten lebenden Menschen finden, der die Höllen besichtigt und danach ein Buch schreibt. Es soll Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt heißen und in der Menschenwelt verbreitet werden, um die Welt zum Guten zu wenden und die Herzen der Menschen zu reinigen. Daraufhin bat ich Buddha, der vollkommen an Verdienst und Weisheit ist, für mich einen geeigneten Menschen zu suchen, der den Weg praktiziert. Dieser muss die Höllen bei vollem Bewusstsein besichtigen und nach seiner Rückkehr in die Menschenwelt wahrheitsgetreu aufschreiben, was er gesehen und gehört hat. Du musst diese heilige Aufgabe daher gewissenhaft übernehmen und dem Auftrag gerecht werden, den ich dir erteilt habe! Die ursprüngliche Heimat aller Lebewesen ist der Himmel. Ihr seid jetzt der Menschenwelt zugeordnet; auch jene, die in die Hölle gefallen sind, wurden gesondert der Hölle zugeordnet. Die Hölle ist wie ein Gefängnis, das Lebewesen festhält. Wenn sie aufrichtig bereuen und sich bessern, kehren sie in den Himmel zurück. Im chinesischen Titel Yinlü Wuqing bezeichnet Yin die Unterwelt und Lü die Gesetze: die Gesetze Buddhas sowie die Gesetze des Himmels, der Erde und der Menschen. Wenn Menschen Gebote oder Gesetze brechen, müssen sie in die Hölle der Unterwelt fallen und die ihnen gebührende unerbittliche Vergeltung erleiden. Wer zu Lebzeiten Gutes tut, wird also gewiss nicht hinabfallen; gegenüber denen, die böse Taten begehen, sind die Gesetze der Unterwelt gewiss unerbittlich. Wer dieser Vergeltung entgehen will, muss Gutes tun, seinen Geist reinigen und den Weg praktizieren. Dann kann auch sein Leben gewiss bis zum Himmel erhoben werden. Ich habe bereits Himmelswesen beauftragt, dich beim Schreiben dieses kostbaren Buches zu beschützen. Ich hoffe, dass Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt bald veröffentlicht und in der Menschenwelt verbreitet wird, damit die Herzen der Menschen gereinigt werden und alle Lebewesen zur vorgesehenen Zeit in ihre himmlische Heimat zurückkehren können. Wenn Menschen dieses kostbare Buch lesen und es danach immer weiter nachdrucken und verbreiten, werde ich Himmelswesen, mit denen sie verbunden sind, beauftragen, ihnen bei der Erfüllung all ihrer guten Wünsche zu helfen. Ich hoffe, die Lebewesen verstehen meine Absicht von Herzen! Shangguan Yuhua, iss diese Frucht!“ Ich nahm sie voller Freude mit beiden Händen entgegen, aß sie aber nicht. Stattdessen überlegte ich, welches Geschenk ich dem Himmlischen Kaiser machen könnte. Dann hörte ich den Himmlischen Kaiser fragen: „Warum isst du sie nicht?“ Dankbar antwortete ich: „Ich würde Eure Gabe gern in die Menschenwelt mitnehmen, damit mein alter Vater sie genießen kann!“ Der Himmlische Kaiser sagte: „Deine kindliche Fürsorge ist lobenswert. Aber dein Vater verfügt vorerst noch nicht über genügend Segnungen, um diese Frucht essen zu können. Iss diese himmlische Frucht selbst! Das Buch Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt gut zu schreiben und in der Menschenwelt zu verbreiten ist für mich das beste Geschenk!“ Also aß ich die himmlische Frucht voller Dankbarkeit. Sie sah frisch und saftig aus, und nach dem Essen blieb ein reiner, süßer Geschmack in meinem Mund. Ich fühlte mich leicht und wohl. In der Menschenwelt hatte ich wirklich noch nie eine so reine und süße Frucht gegessen! Ayus Körper war auf einmal voller Kraft. Nach meiner Rückkehr musste ich gewissenhaft aufschreiben, was ich gesehen und gehört hatte. Ich dankte dem Himmlischen Kaiser für seine Fürsorge. „Amitābha Buddha! Eure Untertanin Shangguan Yuhua dankt Euch hiermit ehrerbietig, Himmlischer Kaiser! Ich ziehe mich zurück!“ Endlich konnte der Richter der Unterwelt seine Arbeit aufnehmen. Ich hatte ihn lange aufgehalten. Ich danke dem Richter der Unterwelt! Ayu grüßt ihn mit aneinandergelegten Handflächen! Müsste ich nicht eilig zurückkehren, um meinen Bericht zu schreiben, würde ich mich in diesem reinen Himmel nur zu gern hinsetzen und mich ein wenig in Meditation üben. Aber die Zeit drängte, also flog ich zuerst auf der weißen Lotusblüte zurück! 2. Wie das Buch „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ entstand (II) – Erneute Audienz beim Kaiser von Fengdu, dem obersten Herrscher der Unterwelt Dankbar für den Beistand durch Buddhas Kraft! Auf einer weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha Buddha! Ayu grüßt den Richter der Unterwelt mit aneinandergelegten Handflächen! „Richter, Ayu möchte wissen, wie das Vorhaben der Unterwelt, das Werk Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt zu verfassen, ursprünglich begann.“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Vor einiger Zeit hielten wir in der Unterwelt eine Dringlichkeitssitzung ab. Die Könige der zwölf Hallen und alle Beamten erhielten eine dringende Mitteilung in einem amtlichen Schreiben vom Kaiser von Fengdu, Yanwang, dem obersten König der Unterwelt. Unser höchster Herrscher in der Unterwelt ist der Kaiser von Fengdu. Es gibt nur einen obersten König der Unterwelt; unter ihm stehen die Könige der zwölf Hallen. Früher gab es in den Höllen nur zehn Hallen mit zehn Königen. In dem neu errichteten Höllengebiet sind jetzt zwei Könige hinzugekommen. Diese zwölf Könige stehen jeweils einer der zwölf Hallen und deren großen und kleinen Höllen vor. Sie unterstehen ihrerseits dem Kaiser von Fengdu, dem obersten König der Unterwelt. Die dringende Mitteilung in dem amtlichen Schreiben lautete: Yanwang, der oberste König der Unterwelt, sieht, dass die Höllen stark überfüllt sind und derzeit ständig neue gebaut werden. Auch herrscht bereits ein schwerer Mangel an Beamten und Mitarbeitern der Unterwelt. Zudem kann er es nicht ertragen, dass immer mehr Menschen in die Höllen fallen. Deshalb hat er dem Himmlischen Kaiser vorgeschlagen, einen lebenden Menschen zu bestimmen, der reine Gebote einhält. Dieser soll die Strafen der Höllen besichtigen und nach seiner Rückkehr in die Menschenwelt ein Buch mit dem Titel Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt schreiben. Damit sollen die Herzen der Menschen gereinigt und diejenigen, die vom Weg abgekommen sind, wieder auf den rechten Weg gebracht werden. Sie sollen Gutes tun und Verdienste sammeln, ihre natürliche Lebensspanne friedlich ausschöpfen und nach dem Tod aufsteigen, statt in die Hölle zu fallen. Dieser Mensch bist du, Shangguan Yuhua. Du trägst eine von der Unterwelt ausgegebene Befehlstafel bei dir und darfst während der Arbeit an dem Buch die Unterwelt nach Belieben betreten und verlassen. Die Unterwelt hat einen Richter eigens damit beauftragt, Shangguan Yuhua, also Ayu, durch die Höllen zu führen und deine Fragen zu beantworten. Sollte der Richter keine Zeit haben, müssen alle Beamten der Unterwelt Shangguan Yuhua helfen. Die Höllen sind so groß, dass eine vollständige Besichtigung sehr lange dauern würde. Da Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt aber möglichst bald in großer Zahl unter den Menschen verbreitet werden muss, sollen alle dir geeignete, besonders repräsentative Fälle schuldiger Seelen für Befragungen vorschlagen. In der dringenden Mitteilung stand auch, dass du, Ayu, bei vollem Bewusstsein in einer durch meditative Kraft manifestierten Gestalt in die Höllen kommst, um sie zu besichtigen. Wir hoffen, dass nach der Veröffentlichung des Buches Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt täglich viel weniger Lebewesen in die Höllen fallen und dadurch auch unsere derzeitige tägliche Arbeitsüberlastung nachlässt. Im Augenblick sind alle Beamten und Mitarbeiter der Unterwelt äußerst beschäftigt. Doch wann immer du kommst, werden wir uns Zeit nehmen, dich zu empfangen und dir alle Informationen zu geben, die du brauchst. Der Anlass zur Abfassung des Buches Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt war der Befehl des Kaisers von Fengdu, Yanwangs, des obersten Königs der Unterwelt. Wenn du Näheres wissen möchtest, führe ich dich zu ihm. Er wird deine Fragen beantworten.“ „Gut! Ayu ist dem Richter wirklich sehr dankbar!“ Wir gingen los. Die Höllen sind wirklich riesig; bei jedem Besuch nehmen wir einen anderen Weg. Mögen alle fühlenden Wesen davor bewahrt bleiben, in die Höllen zu fallen! Wenn sie dorthin kommen, dann mögen sie es tun, weil sie ihrem Gelübde folgend Lebewesen retten wollen! In der Richtung, in die wir jetzt gingen, waren keine Schmerzenslaute zu hören, und ich empfand auch keine Angst. Vor uns lagen kleine Brücken über fließendem Wasser und kleine Wäldchen; es fühlte sich angenehm an. Der Richter der Unterwelt sagte, hier wohne Yanwang, der Herrscher der Unterwelt. Wir würden nun den Sitzungssaal aufsuchen, in dem er seine Beamten empfange und mit ihnen Angelegenheiten bespreche. Die Wohnstätten der Beamten der Unterwelt sind eigentlich recht schön; wie die Beamten in der Menschenwelt genießen auch sie gewisse Vergünstigungen. Ein Stück weiter stand ein großes Gebäude. Seine Inneneinrichtung hatte etwas von der schlichten Eleganz alter Zeiten. Ganz oben in der Haupthalle hing eine waagerechte Tafel mit vier großen Schriftzeichen: „Aufrichtig und untadelig“. Unter dieser Tafel saß Yanwang, der Herrscher der Unterwelt. An den Wänden zu beiden Seiten hingen Bilder von Menschen in altertümlicher Kleidung, die gute Taten vollbrachten. Einige Beamte der Unterwelt saßen auf beiden Seiten. Der Kaiser von Fengdu, Yanwang, der Herrscher der Unterwelt, besprach gerade mit ihnen Fragen zum Ausbau der Höllen. Er war wirklich sehr beschäftigt! Sogleich kniete ich nieder und sagte: „Ich, Shangguan Yuhua, eine einfache Frau aus der Welt der Lebenden, verneige mich vor dem Kaiser von Fengdu, Yanwang! Ich danke dem Kaiser von Fengdu dafür, dass er ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ verfasst und mir damit ermöglicht, mein Wissen und meine Erfahrungen zu erweitern, Karma abzubauen und Segnungen zu mehren. Darf ich den Kaiser von Fengdu fragen, welche Ursachen und Umstände ihn dazu bewogen haben, dieses Werk, ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘, zu verfassen?“ Der Kaiser von Fengdu, Yanwang, der Herrscher der Unterwelt, antwortete: „In der frühesten Zeit der Menschenwelt waren alle Menschen von Natur aus gut und hielten die fünf Gebote ein und übten die zehn heilsamen Handlungen. Damals waren Himmel und Erde, Yin und Yang im Gleichgewicht. Regenbogen leuchteten, die fünf Getreidearten brachten reiche Ernten hervor, und die Menschenwelt war von friedlicher Harmonie erfüllt. Es gab weder Naturkatastrophen noch von Menschen verursachtes Unheil. Alle genossen in Frieden ihre natürliche Lebensspanne und kehrten an deren Ende in die Himmelswelt zurück. Doch leider wurde die grundlegende Veranlagung der Menschen immer weiter verunreinigt, und sie sanken immer tiefer. Die gewohnheitsmäßigen Neigungen der Menschen sind seit anfangslosen Kalpas aus sexueller Begierde hervorgegangen und lassen sie immer wieder durch die sechs Daseinsbereiche kreisen. Weil das Verhalten der Menschen immer weiter entartete, sie die Gebote brachen und die zehn unheilsamen Handlungen begingen, begann der Himmel in einer mittleren Epoche der alten Zeit, Höllen zu errichten. Dort sollten die Menschen aus der Welt der Lebenden, die verkommen waren und die Gebote verletzt hatten, bestraft und belehrt werden, damit sie in den Höllen über sich selbst nachdächten. Damals waren die Höllen sehr klein, und auch die Zahl der Menschen aus der Welt der Lebenden, die in sie hinabstürzten, war gering. Durch die Verunreinigungen im Laufe der Zeit ist die ursprünglich gute Natur der Menschen aus der frühesten Zeit nahezu vollständig verschwunden. Heute haben sich die Herzen der Menschen drastisch verändert. Die unheilvolle Energie ihrer Gedanken steigt unmittelbar bis zum Himmelshof auf. Besonders die Energie sexuellen Fehlverhaltens verletzt die natürlichen Gesetze des Gleichgewichts im Universum noch schwerwiegender und trübt die Energie von Himmel und Erde so sehr, dass sich Himmel und Erde nicht mehr unterscheiden lassen. Yin und Yang haben ihr Gleichgewicht längst verloren. Die Menschen in der Welt der Lebenden sind jedoch auf das Zusammenspiel der verschiedenen Gleichgewichte in der natürlichen Umwelt der Erde angewiesen, um in Frieden leben und ihrer Arbeit nachgehen zu können. Zu Beginn des Kalpas waren alle Menschen gutherzig und hielten die fünf Gebote ein und übten die zehn heilsamen Handlungen. Himmel und Erde waren von Harmonie erfüllt. Diese Harmonie entstand dadurch, dass die Gedanken der Menschen mit der Natur im Einklang standen. Die Natur erwiderte dies mit klarem Wetter, reichen Ernten der fünf Getreidearten und leuchtenden Regenbogen. Dass es heute auf der Erde Missernten gibt, in den verschiedenen Regionen allerlei Naturkatastrophen und von Menschen verursachtes Unheil auftreten, der Himmel schwarz ist und sich die Temperaturen innerhalb weniger Tage stark verändern können, wird ebenfalls durch die starken Veränderungen der bösen Gedanken in den Herzen der Menschen verursacht. Gefühllosigkeit und Treulosigkeit in den Gedanken der Menschen ziehen kalte Luft in die Welt der Lebenden herab. Wenn alle Menschen ein lauteres Herz hätten, würden sie leuchtende Regenbogen herbeirufen. Die häufigen Naturkatastrophen in der Welt der Lebenden sind bereits eine Warnung. Künftig werden noch mehr Naturkatastrophen unablässig aufeinanderfolgen. Keine menschliche Technologie kann ihr Eintreten verhindern. Was die fühlenden Wesen retten kann, ist keine Hochtechnologie, sondern das aufrichtige Einhalten der fünf Gebote, das Üben der zehn heilsamen Handlungen, die aufrichtige Reue über frühere böse Taten und das Beschreiten des Weges der Reinheit. Wenn es so weitergeht, verfügt die Natur des Universums über eigene Wege, ihr Gleichgewicht wiederherzustellen. In der Menschenwelt wird es dann gewiss gewaltige Naturkatastrophen und von Menschen verursachtes Unheil geben, und sämtliche Menschen, die dem Bösen folgen, werden gewiss in die Höllen hinabstürzen. Die Höllen sind inzwischen völlig überfüllt, und auch wir sind mit unserer Arbeit weit überlastet. Ich kann es nicht ertragen, mitanzusehen, wie die Menschenwelt ihrem Untergang entgegengeht und die sittlichen Beziehungen verfallen. Deshalb enthülle ich in großem Umfang die Geheimnisse des Himmels. Ich habe dem Himmlischen Kaiser eine Eingabe vorgelegt und ihn gebeten, einen Menschen aus der Welt der Lebenden zu entsenden, der die Gebote rein einhält. Dieser Mensch soll bei wachem Bewusstsein die verschiedenen Strafen der Höllen besichtigen und nach seiner Rückkehr in die Welt der Lebenden ein Buch schreiben, um die Menschen zu ermahnen und zum Guten zu führen, damit sie das Böse aufgeben, dem Guten folgen und die ursprüngliche Klarheit ihres geistigen Wesens bald wiedererlangen. Wer nach der Lektüre von ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ das Buch von einem zum anderen weitergibt oder es kostenlos nachdruckt und weit verbreitet und dabei auch den eigenen Geist reinigt, dessen gute Wünsche werden sämtlich erfüllt. Die Unterwelt wird im persönlichen Buch von Leben und Tod dieses Menschen ein großes Verdienst aus einer guten Tat verzeichnen. Dadurch kann er von dem früheren schlechten Karma befreit werden, das ihn in die Höllen führen würde, und am Ende seiner Lebensspanne kraft dieses großen Verdienstes in die Himmelswelt aufsteigen. Wer dagegen dieses zur Güte mahnende Buch, ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘, verleumdet oder seine Verbreitung behindert, dem wird im persönlichen Buch von Leben und Tod in der Unterwelt eine schwere karmische Verfehlung eingetragen. Am Ende seiner Lebensspanne wird er in die Hölle des Heulens, die Hölle des Zungenausreißens, die Hölle des Augenausgrabens und andere Höllen kommen und dort die Höllenstrafen erleiden. Noch bevor seine Lebensspanne abgelaufen ist, wird er zudem die Vergeltung von Krankheit und einem schließlich dadurch verursachten Tod erfahren. Welche Strafen konkret verhängt werden, richtet sich nach den genauen Umständen der Verleumdung oder Behinderung der Verbreitung des zur Güte mahnenden Buches ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘. Wenn viele fühlende Wesen den Verleumdungen Glauben schenken, wird der Verleumder zusätzlich zu den Strafen in den genannten Höllen auch in die große Avīci-Hölle geworfen. Dann wird es äußerst schwer sein, durch Wiedergeburt daraus zu entkommen! Nun gut! Wir sind gerade sehr beschäftigt. Kehre für heute zurück und schreibe die Ursachen und Umstände der Veröffentlichung nieder, die ich dir eben erläutert habe. Ich hoffe, dass die Menschen einander ermutigen, diese Worte weitergeben, gewissenhaft ihren Charakter und ihr Wesen kultivieren, Verdienste ansammeln und Gutes tun.“ Amitābha! Ayu verneigt sich in Dankbarkeit vor dem Kaiser von Fengdu, Yanwang, dem Herrscher der Unterwelt! Mit zusammengelegten Händen danke ich allen Richtern und Beamten! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück! 3. Als Zuhörerin bei einer Gerichtsverhandlung in der siebten Halle Ich danke allen Buddhas und Bodhisattvas für ihren Segen, durch den diese Reise in die Höllen nicht nur mein Wissen und meine Erfahrungen erweitert, sondern auch meine Entschlossenheit gestärkt hat, die Gebote einzuhalten. Solche besonderen Wahrnehmungen habe ich eigentlich schon seit meiner Kindheit. Ereignisse, die unmittelbar bevorstehen oder irgendwann in der Zukunft eintreten werden, erscheinen in meinen Träumen. Es fühlt sich wie ein Traum an, ist aber eigentlich kein Traum. Ich kann deutlich erkennen, dass meine Seele meinen Körper verlassen hat, und ich sehe meinen eigenen Körper auf dem Bett liegen. An die Ereignisse, die ich nach dem Austritt meiner Seele sehe, kann ich mich klar erinnern. Gewöhnlich bewahrheiten sich solche Dinge später. Manchmal handelt es sich auch um einen Hinweis oder Ähnliches, sodass ich mich bereits darum gekümmert habe, bevor das Ereignis eintritt. Früher betrafen diese Dinge immer mich selbst oder meine Familie. Diesmal ist es etwas Besonderes: Ich muss meine Erfahrungen mit allen fühlenden Wesen teilen, damit alle erkennen, wie wichtig die Gedanken sind. Wie es so treffend heißt: Wenn du nicht willst, dass andere davon erfahren, dann tu es gar nicht erst. Jeden Tag geschehen um uns herum viele Dinge, bei denen die Menschen vielleicht gar nicht wissen, dass sie damit etwas Falsches tun. So hat etwa ein rechtmäßig verheiratetes Paar, bei dem keiner der beiden eine außereheliche Beziehung hat, dennoch beiderseits gegen das Gebot verstoßen, sexuelles Fehlverhalten zu unterlassen. Warum? Weil beide die Vorschriften zu unzulässigen Zeiten, unzulässigen Orten und unzulässigen Körperstellen nicht eingehalten haben. Gestern Abend verließ ich, wie in einem Traum, wieder meinen Körper und ging in die Höllen. Gleich bei meiner Ankunft spürte ich eine sehr starke Yin-Energie. Die Männer und Frauen hier litten alle. Sie schrien und brüllten und stießen herzzerreißende Schmerzensschreie aus. Es gab kein Lächeln und keine Freiheit. Manche waren mit Eisenketten gefesselt, andere wurden von Geisterschergen mit Folterinstrumenten weitergezerrt, geschlagen, mit Gabeln aufgespießt und dergleichen. In den Höllen gibt es Geisterschergen und Richter. Auch sie lächeln nicht, sondern sind sehr ernst; manche sehen sogar ausgesprochen grimmig aus. Nur ein Teil der Beamten der Unterwelt wirkt etwas weniger grimmig. Die übrigen Geisterschergen sehen alle furchterregend aus. Anders als in der Menschenwelt gibt es in den Höllen kein Sonnenlicht. Der Himmel ist schwarzgrau mit einem leichten Rotton. Es lässt sich schwer beschreiben und vermittelt ein sehr unangenehmes Gefühl. Als ich damals in die siebte Halle der Höllen kam, verhandelte das Gericht der Unterwelt gerade den Fall einer männlichen Seele, die sich des sexuellen Fehlverhaltens schuldig gemacht hatte. Mit Erlaubnis des Richters durfte ich eintreten und zuhören. In der Mitte dieser großen Halle saß ein Herrscher namens König Taishan, der diese Halle verwaltete. Zu ihr gehören 16 kleine Höllen, für die König Taishan ebenfalls zuständig ist. Der höchste Herrscher der Höllen ist König Yanluo. Er verwaltet das gesamte Höllenreich einschließlich seiner zwölf Hallen. Jede Halle hat einen König, und jeder dieser Hallenkönige verwaltet 16 kleine Höllen. Neben König Taishan befanden sich zwei Beamte der Unterwelt, einer davon war ein Richter. Außerdem waren Geisterschergen anwesend, die die Strafen vollstreckten und große Säbel sowie Eisenketten trugen. Alle verfolgten die Verhandlung mit großer Ernsthaftigkeit. Die Atmosphäre war unheimlich und düster, und es fühlte sich kühl an. Ich sah, wie König Taishan mit grimmiger Miene eine männliche Seele verhörte, die zu Lebzeiten sexuelles Fehlverhalten begangen hatte. Die Seele versuchte gerade, sich herauszureden. König Taishan machte mit der Hand eine zeichnende Bewegung in der Luft, und augenblicklich erschien das Podest des Schuldspiegels. Darin wurden die Verfehlungen dieser männlichen Seele in ihrer Jugend sichtbar: sexuelle Handlungen mit ihrer Ehefrau sowie außerhalb der Ehe zu unzulässigen Zeiten, an unzulässigen Orten und an unzulässigen Körperstellen, das Betrachten pornografischer Bücher und das Anschauen pornografischer Discs sowie weiteres sexuelles Fehlverhalten. Die männliche Seele zitterte am ganzen Körper vor Angst, kniete nieder und flehte um Gnade. Doch es war zu spät. König Taishan hatte den Geisterschergen bereits befohlen, sie hinauszuführen und zur Bestrafung in die Hölle des Umarmens der Kupfersäulen zu bringen. Ein Geisterscherge mit einem großen Säbel zerrte die männliche Seele an einer Eisenkette aus der Halle, um sie zur Bestrafung zu bringen. Ich folgte ihnen, um zu sehen, was geschehen würde. Hätte ich nur nicht hingesehen! Doch als ich hinsah – oh, wie erschreckend! Sämtliche Geisterseelen in dieser Hölle schrien vor Schmerz, und es waren sehr, sehr viele. Ihre durchdringenden Schreie hörten keinen Augenblick auf, und auch ihre Schmerzen hielten ununterbrochen an. Es gab keinerlei Ruhepause. Ich sah die männliche Seele von eben freudig auf eine Kupfersäule zugehen. Doch sobald sie diese umarmte, schrie sie vor Schmerz auf. Ich fragte den Richter nach dem Grund. Er erklärte, die männliche Seele habe die glühend rote Kupfersäule für eine schöne Frau gehalten und sei deshalb so erfreut gewesen. Doch als sie sie umarmte, verbrannte die Kupfersäule ihren ganzen Körper, und so schrie sie vor Schmerz. Ich fragte den Richter weiter, was mit unzulässigen Zeiten, unzulässigen Orten und unzulässigen Körperstellen gemeint sei. Es stellte sich heraus, dass selbst rechtmäßig verheiratete Eheleute diese Vorschriften einhalten müssen, sonst gilt ihr Verhalten ebenfalls als sexuelles Fehlverhalten. „Unzulässige Zeiten“ bedeutet, dass man an den Geburtstagen der Buddhas und Bodhisattvas, an den sechs monatlichen Fastentagen und während der drei langen Fastenmonate des Jahres auf Geschlechtsverkehr verzichten muss. An solchen Tagen, beispielsweise am ersten, zehnten und fünfzehnten Tag jedes Mondmonats und an weiteren Tagen, bereisen die vier Himmelskönige die Menschenwelt, zeichnen gute und böse Taten auf und kehren dann an den Himmelshof zurück, um dem Jadekaiser Bericht zu erstatten. „Unzulässige Orte“ bedeutet, dass sich die eheliche Intimität in angemessenen Grenzen halten soll. Außer im Ehebett darf der Geschlechtsverkehr nirgendwo stattfinden, etwa im Wohnzimmer, in der Küche, auf der Toilette, im Freien oder vor einer Buddha-Darstellung. „Unzulässige Körperstellen“ bedeutet, dass Eheleute außer an den Geschlechtsorganen an keinen anderen Körperstellen sexuelle Handlungen vollziehen dürfen. Andernfalls müssen sie alle in die Höllen hinabsteigen und leiden. Nachdem sie die Höllenqualen erlitten haben, müssen sie noch als Tiere wiedergeboren werden, etwa als Schweine, Hunde, Mandarinenten oder Schlangen. Heute ist die Technik weit entwickelt, und im Internet gibt es viele pornografische Websites. Auch diese darf man nicht ansehen; schon das Ansehen gilt als Verstoß und wird mit Gewissheit Segnungen mindern, die Lebensspanne verkürzen und Wohlstand schmälern. Selbst wenn man den Gedanken nicht in die Tat umsetzt, zeichnen die mitgeborenen Gottheiten ihn sofort auf, sobald er sich regt. Jeder Mensch hat zwei mitgeborene Gottheiten: Eine zeichnet das dunkle Karma auf, die andere das gute Karma. Natürlich werden manche sagen, dass sie ihr ganzes Leben lang nur mit ihrem eigenen Partner zusammen sind und ein solches Verhalten deshalb kein Fremdgehen sei. Doch auch das ist falsch. Der Richter sagte: „Als Mensch muss man seine wahre Essenz und Lebensenergie bewahren. Übermäßiger Geschlechtsverkehr zehrt das eigene aufrechte Qi auf. Wenn Männer und Frauen sexuelle Handlungen vollziehen, verströmen sie zudem verderbliches Qi und schädigen damit das aufrechte Qi zwischen Himmel und Erde.“ Wenn rechtmäßig verheiratete Eheleute gegen die oben genannten Vorschriften zu unzulässigen Zeiten, unzulässigen Orten und unzulässigen Körperstellen verstoßen haben, sollen sie bitte so bald wie möglich bereuen und sich bessern. Außerdem sollen sie diese Nachricht allen fühlenden Wesen in der Menschenwelt weitergeben, damit alle einander darin unterstützen, sich rein zu halten, sich selbst zu achten, die Regeln des Anstands und die sittlichen menschlichen Beziehungen zu wahren und so das aufrechte Qi zwischen Himmel und Erde ins Gleichgewicht zu bringen. Wenn jemand früher gegen die Vorschriften zu unzulässigen Zeiten, unzulässigen Orten und unzulässigen Körperstellen verstoßen hat, weil der rechtmäßige Ehepartner ihn dazu zwang, und dabei im Herzen nicht die geringste sexuelle Lust empfand, rechtzeitig bereut und sich gebessert hat sowie zugleich das Gelübde abgelegt hat, künftig andere zu ermahnen und zum Guten zu führen, dann darf er von den Qualen dieser Hölle befreit werden. Wer dagegen die Gebote absichtlich auf der Suche nach Lust verletzt hat, muss zur Bestrafung in die Hölle des Umarmens der Kupfersäulen hinabsteigen. Nach Ablauf dieser Vergeltung wird er in den Tierbereich geworfen und danach in der Menschenwelt als gering geachtete Frau wiedergeboren. Im Folgenden geht es weiter um die unterschiedlichen Strafen für Verstöße gegen das Gebot, sexuelles Fehlverhalten zu unterlassen. Zunächst zu unverheirateten Männern und Frauen: Wenn alleinstehende, unverheiratete Männer und Frauen ihre Jungfräulichkeit noch bewahrt haben – also männliche beziehungsweise weibliche Jungfrauen sind, ihre Jungfräulichkeit nicht verloren und noch keine sexuellen Handlungen mit dem anderen Geschlecht vollzogen haben –, gilt es dennoch als sexuelles Fehlverhalten, wenn sie pornografische Bücher oder Websites ansehen. Dies mindert ihre Segnungen, verkürzt ihre Lebensspanne und schmälert ihren Wohlstand. Schon einmaliges Ansehen verkürzt die Lebensspanne um einen Monat. Wer weiter solche Inhalte ansieht, verliert ein Jahr oder mehr. Wenn jemand nur geschaut, aber nichts in die Tat umgesetzt hat, kann rechtzeitige Reue seine karmische Schuld mindern. Wenn unverheiratete Menschen vor der Ehe sexuelle Beziehungen eingehen, dabei aber nur mit einer einzigen Person verkehren, werden dennoch die Segnungen beider gemindert, selbst wenn sie später heiraten, weil sie die Regeln des Anstands nicht gewahrt haben. Andere Unverheiratete haben wahllos sexuelle Beziehungen, wechseln also häufig ihre Partner: heute A, morgen B und übermorgen C. Heute ist die Vorstellung sehr verbreitet, ein Mann gewinne umso mehr Ansehen, je mehr Freundinnen er habe, während Frauen mit unzähligen Männern schlafen und dergleichen. Wer sich so verhält, stürzt nach dem Tod in diese Hölle und muss die glühenden Kupfersäulen noch länger umarmen. Danach wird er als Tier wiedergeboren und kehrt anschließend in die Menschenwelt zurück, um alte Schulden zu begleichen. Wenn Verheiratete außereheliche Beziehungen eingehen, werden Dauer und Schwere der Strafe für ihre karmische Schuld danach bemessen, welchen Schaden sie angerichtet haben. Sie müssen die glühenden Kupfersäulen mindestens 10.000 Jahre lang umarmen. Wer eine Vergewaltigung begeht, durch eine List bewirkt, dass eine Frau ihre Keuschheit verliert, oder als Frau der sexuellen Begierde frönt, stürzt nach dem Tod für 20.000 Jahre in diese Hölle. Danach muss die betreffende Person weitere 10.000 Jahre in der Hölle des Heulens Vergeltung erleiden und kehrt anschließend in die Menschenwelt zurück, um alte Schulden zu begleichen. Wer neben sexuellem Fehlverhalten auch jemandem in böser Absicht Schaden zufügt und dadurch dessen Tod verursacht, stürzt für 40.000 Jahre in diese Hölle und kehrt danach in die Menschenwelt zurück, um alte Schulden zu begleichen. Amitābha! Sollte etwas nicht gut geschrieben sein, liegt der Fehler bei mir als Lernender und hat nichts mit den Lehren des Richters zu tun. Ich danke den Buddhas und Bodhisattvas für ihren Segen, durch den ich die Höllen besuchen und diesen Text schreiben konnte, um meine Erfahrungen mit allen zu teilen. Falls daraus Verdienst erwächst, widme ich es allen fühlenden Wesen im ganzen Raum und im Dharmadhātu. Mögen sie sich von Begierden fernhalten, die reinen Gebote einhalten und gemeinsam das unübertroffene vollkommene Erwachen verwirklichen. 4. Der Richter sagt: „Erst nach dem Tod zu bereuen, ist bereits zu spät!“ Ich danke den Buddhas und Bodhisattvas für ihren großen Segen, durch den ich erneut persönlich in die Höllen gelangen und mein Wissen und meine Erfahrungen erweitern konnte. Die Höllen fühlen sich immer leidvoll und düster an und sind von negativen Magnetfeldern erfüllt. Ich hoffe, dass niemand durch das Schaffen schlechten Karmas in die Höllen kommen muss. Die Qualen dort sind wirklich unerträglich und unbeschreiblich. Ich gelangte sogleich in die siebte Halle, wo gerade über eine männliche Seele gerichtet wurde. Sie wirkte recht kultiviert. Ich wusste zunächst nicht, welches Vergehen sie begangen hatte, doch der Richter verurteilte sie dazu, 500 Jahre lang Kupferkugeln zu schlucken. Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass dieser Mann zu Lebzeiten eine rechtmäßige Ehefrau und zwei feste Geliebte gehabt hatte. Er hatte gern sexuelle Handlungen zu unzulässigen Zeiten, an unzulässigen Orten und an unzulässigen Körperstellen vollzogen. Diese drei Personen hatten seine Begierden genau befriedigen können. Sein ganzes Leben lang hatte er nur mit diesen drei Personen intime Beziehungen gehabt. Nun hörte ich die männliche Seele zu ihrer Verteidigung sagen: „Warum kann meiner rechtmäßigen Ehefrau die Strafe von 500 Jahren Umarmen der Kupfersäulen erlassen werden, während mir die Strafe von 500 Jahren Schlucken von Kupferkugeln nicht erlassen werden kann?“ Der Richter sagte: „Sieh dir die Aufzeichnung an!“ Es stellte sich heraus, dass der Mann damals von seiner Ehefrau sexuelle Handlungen an unzulässigen Körperstellen verlangt hatte. Sie hatte dies abgelehnt und ihm außerdem zugeredet, es nicht zu tun, weil es gegen den Anstand verstoße. Seine Ehefrau hatte mit ihm nur zu unzulässigen Zeiten und an unzulässigen Orten sexuell verkehrt. Außerdem war ihre Begierde gering gewesen. Deshalb war ihre Schuld etwas leichter, und lediglich ihre Segnungen wurden gemindert. Weil sie sexuelle Handlungen an unzulässigen Körperstellen abgelehnt und ihm davon abgeraten hatte, hatte sie auch wieder einige Segnungen angesammelt. Der Mann hatte seine rechtmäßige Ehefrau zwar nicht gezwungen, doch mit seinen beiden außerehelichen Geliebten hatte er alle drei Arten sexuellen Fehlverhaltens begangen. Der Richter sagte, da er Reue zeige, seine Eltern ehrerbietig behandelt, seine öffentlichen Pflichten treu erfüllt und die Gesetze eingehalten habe und lediglich diese drei Arten sexuellen Fehlverhaltens begangen habe, würden ihm die 500 Jahre des Umarmens der Kupfersäulen erlassen. Darauf wusste die männliche Seele nichts mehr zu erwidern und wurde von den Geisterschergen in die Hölle des Schluckens von Kupferkugeln gebracht. Als ein Geisterscherge sie hineinstieß, sah sie eine dieser beiden Personen kommen und ging sofort auf sie zu. In Wirklichkeit war es ein großer Vogel, dessen großer Schnabel das Geschlechtsorgan der männlichen Seele ganz umfassen konnte. Sobald er es umfasst hatte, zog er nach vorn und riss es ab. Die männliche Seele schrie laut vor unermesslichem Schmerz. Weil die Szene so blutig war, konnte ich nicht länger hinsehen. Nachdem ich die Halle verlassen hatte, stellte ich dem Richter einige Fragen zu den Strafen für sexuelles Fehlverhalten. Wie er mir erklärte, müsse man zunächst rechtes Erkennen und rechte Achtsamkeit bewahren und sich jederzeit dazu anhalten, sich rein zu halten und sich selbst zu achten. Wenn man sexuelles Fehlverhalten nur in Gedanken begeht, ohne zu handeln, werden die Segnungen um eine Woche gemindert. Wenn man pornografische Publikationen betrachtet, werden schon durch das bloße Betrachten Segnungen und Lebensspanne um eine Woche vermindert. Setzt man sexuelles Fehlverhalten in die Tat um, werden Segnungen und Lebensspanne um einen Monat vermindert. Begeht man ein zweites Mal tatsächlich sexuelles Fehlverhalten, werden Segnungen und Lebensspanne um zwei Monate vermindert, und so weiter. Voreheliche sexuelle Handlungen von Männern und Frauen führen sämtlich zu einer Minderung der Segnungen und einer Verkürzung der Lebensspanne. Die Einzelheiten unterscheiden sich von Fall zu Fall; grob lassen sich drei Kategorien unterscheiden. Erstens: Jemand hat im ganzen Leben nur einen Partner, dessen Begierde zudem gering ist, und heiratet ihn später. Wenn in einem solchen Fall nicht gegen die Verbote zu unzulässigen Zeiten, unzulässigen Orten und unzulässigen Körperstellen verstoßen wird, werden lediglich die Segnungen gemindert. Durch möglichst frühzeitige Reue kann man außerdem das Karma abbauen. Zweitens: Jemand hat vor und nach der Heirat nur einen Partner, verstößt jedoch gegen die Verbote zu unzulässigen Zeiten, unzulässigen Orten und unzulässigen Körperstellen und hat starke Begierden. Sowohl vor als auch nach der Heirat werden Segnungen und Lebensspanne gemindert. Nach dem Tod kommt dieser Mensch in die Höllen und muss 500 Jahre lang Kupfersäulen umarmen und 500 Jahre lang Kupferkugeln schlucken. Wenn er noch zu Lebzeiten bereut, ist die Wirkung etwas stärker. Wenn er darüber hinaus anderen eindringlich von solchen Verstößen abrät und durch Verdienste seine Verfehlungen ausgleicht, kann er möglicherweise von der Vergeltung in den Höllen befreit werden. Drittens: Jemand begeht sowohl vor als auch nach der Heirat wahllos sexuelles Fehlverhalten, hat besonders starke Begierden und verbringt seine Tage in Rausch und gedankenlosem Genuss. In diesem Leben werden ihm mit Gewissheit Segnungen und Lebensspanne gemindert. Nach dem Tod kommt er in die Höllen, wo er Kupfersäulen umarmen, auf Eisenbetten schlafen, Kupferkugeln schlucken und weitere Strafen erleiden muss. In jeder dieser Höllen beträgt die Strafe mindestens 10.000 Jahre; das Urteil richtet sich nach dem jeweiligen Einzelfall. Wenn die Vergeltung in den Höllen beendet ist, wird er anschließend in den Tierbereich geworfen. Manche erfahren die Vergeltung einer Wiedergeburt als Mandarinenten, andere werden als Hunde, Schlangen und andere Tiere geboren. Gegenwärtig ist in den Höllen die dritte Kategorie am stärksten vertreten. Außerdem sind die Höllen inzwischen gegenüber früher stark erweitert worden. Auch in der Menschenwelt gehören derzeit viele Menschen zur dritten Kategorie. Sie alle werden künftig in die Höllen kommen müssen, um Vergeltung zu erleiden. Der Richter sagte weiter, während der Menstruation der Frau sei Eheleuten der Geschlechtsverkehr streng verboten. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit dürften sie keinen Geschlechtsverkehr haben, sonst würden ihre Segnungen gemindert. Außerdem locke Geschlechtsverkehr während der Menstruation allerlei Geister an, die Lebensessenz und Blut verschlingen und zum Blutsaugen kämen. Bei jedem sexuellen Verkehr kämen Geister, die Essenz und Lebensenergie verschlingen, um diese auszusaugen. Danach erkrankten die Menschen und erlebten häufig Unglück. Der Richter erklärte außerdem, wenn Frauen im Sommer allzu freizügige Kleidung trügen, würden ihre Segnungen ebenfalls um eine Woche gemindert, weil sie dadurch beim anderen Geschlecht Gedanken an sexuelles Fehlverhalten weckten. Nachdem ich die Worte des Richters gehört hatte, empfand ich es als wirklich außerordentlich wichtig, welche Regungen und Gedanken in einem aufkommen. Es gibt also tatsächlich unsichtbare Geister und Gottheiten, die dafür zuständig sind, unser Verhalten zu überwachen und aufzuzeichnen! Ich danke dem Richter von Herzen für diese wichtigen Mitteilungen und die Enthüllung der Geheimnisse des Himmels. Hier verabschiede ich mich mit einer Verneigung! Mögen alle fühlenden Wesen unter dem Himmel einen reinen, keuschen Lebenswandel pflegen und von den Qualen der Höllen verschont bleiben. 5. Grausame Vergeltung in der großen Hölle der Selbstbefriedigung – der Richter enthüllt alle Geheimnisse des Himmels! Die Buddhas und Bodhisattvas retten die fühlenden Wesen unablässig, so wie das Meer nicht von seinen Wellen zu trennen ist: ohne Unterbrechung, ein Gedanke folgt auf den anderen, eine Welle auf die nächste. Mögen alle fühlenden Wesen unter dem Himmel dies immer tiefer verstehen, ihre eigenen Pflichten gewissenhaft erfüllen, durch das Einhalten der fünf Gebote die menschliche Daseinsform bewahren, sich rein halten und sich selbst achten. Möge auch ich als Lernende das große Mitgefühl der Buddhas und Bodhisattvas zum Vorbild nehmen und ohne Schlaf und Ruhe den vielen fühlenden Wesen dienen können. Gestern durfte ich durch die Kraft der Buddhas erneut eine Reise in die Höllen unternehmen. In tiefer Verneigung danke ich für den Beistand der Buddha-Kraft! Kaum hatte ich den Namen des Buddha rezitiert, war ich schon in den leidvollen Höllen. Ohne den Beistand der Buddha-Kraft und den Lichtring, der mich umgab, wäre ich gewiss sehr erschöpft gewesen. Die negativen Magnetfelder der Höllen stürmen unablässig heran, als könnten sie Berge niederreißen und Meere umwälzen. Wenn es in der Menschenwelt sieben Tage hintereinander regnet, der Himmel bedeckt ist und man dazu noch erkältet ist, würden wohl schon viele Menschen sagen, wie sehr sie leiden. Jeden Tag trüber Regen, man ist krank, fühlt sich benommen und schwach und muss trotzdem zur Arbeit gehen. Tatsächlich sind die Qualen der Höllen mindestens Hunderte bis Tausende Male so groß wie die Leiden der Menschenwelt, und sie hören niemals auf. Ich höre Schreie, schmerzerfülltes Stöhnen! Gehen wir den Lauten nach und sehen wir nach! Oh! Viele nackte männliche Seelen waren von zweiköpfigen Schlangen umwunden, die feuerrotes Flammenlicht ausstrahlten und weich wirkten. Was die männlichen Seelen sahen, waren schöne Frauen, die sie streichelten. Doch sobald eine zweiköpfige Schlange das Geschlechtsorgan einer männlichen Seele berührte, biss sie es augenblicklich ab. Die männliche Seele heulte rasend vor Schmerz und verlor das Bewusstsein. Die zweiköpfige Schlange blies einmal ihren Atem aus, und sofort erwachte die männliche Seele wieder. Auch das verstümmelte Geschlechtsorgan war plötzlich wieder völlig unversehrt. Dann strahlte die zweiköpfige Schlange erneut feuerrotes Flammenlicht aus, und die eben erlebte qualvolle Szene wiederholte sich. Ich wollte wirklich nicht länger hinsehen. Wie bedrückend war das für mein Herz! Hier gab es viele solcher männlichen Seelen, und alle erlitten diese große Qual. Ich ging zum Richter der Unterwelt und fragte ihn, warum sie diese Vergeltung erleiden müssten. Er sagte, dies sei eine der karmischen Vergeltungen in den Höllen für Menschen, die zu Lebzeiten gern Selbstbefriedigung betrieben hätten. Die Vergeltung durch zweiköpfige Feuerschlangen müsse nach der Zeitrechnung der Höllen ganze 10.000 Jahre lang erlitten werden! Dies sei eine der schlimmen Vergeltungen für gewöhnliche Selbstbefriedigung. Es gibt noch eine andere schlimme Vergeltung für Selbstbefriedigung, die 20.000 Jahre lang erlitten werden muss. Wer zu Lebzeiten nach Sinnesreizen sucht und Eis, warmes Wasser, Chilischoten, Gleitmittel oder andere Dinge beziehungsweise eigene Lieblingsgegenstände verwendet, um selbst durch Selbstbefriedigung sexuelles Fehlverhalten zu begehen oder es anderen beizubringen, wird nach dem Tod in diese Hölle der fünf Ebenen von Eis und Feuer kommen. Ich fragte, warum Selbstbefriedigung so schwer bestraft werde und selbst leichte Verstöße mit 10.000 Jahren geahndet würden. Der Richter der Unterwelt sagte, Selbstbefriedigung schade dem Körper und verderbe die Tugend in besonderem Maße. Sie zehre die drei Schätze des menschlichen Körpers auf: Jing, Qi und Shen. Auch komme sie einer schweren Verletzung der kindlichen Pietät gegenüber den Eltern gleich. Es sei wie beim Selbstmord: Obwohl man dabei keinen anderen verletze, sei auch das eigene Leben, das man beende, ein Leben. Deshalb falle die Strafe schwer aus. Wesen, die Selbstbefriedigung liebten, täten dies gewöhnlich in kurzen Abständen und begingen diese Verfehlung häufig. Wer zu Lebzeiten einmal Selbstbefriedigung begehe, dessen Lebensspanne und Segnungen würden um einen halben Monat gekürzt; beim zweiten Mal würden Segnungen und Lebensspanne um einen Monat gekürzt. Nach dem Tod werde man zur Vergeltung in die Hölle geworfen. Wenn man zu Lebzeiten mit aller Kraft bereue, könne einem das Leid eines Höllenaufenthalts nach dem Tod möglicherweise erspart bleiben. Dies müsse anhand des tatsächlichen Einzelfalls beurteilt werden. Der Richter der Unterwelt fragte mich, ob ich die Hölle der fünf Ebenen von Eis und Feuer besichtigen möchte. Ich dachte: Gut, dann sehe ich sie mir an. Hier war es noch viel grausamer als in der Hölle der zweiköpfigen Feuerschlangen. Es gab hier viele Geräte – genauer gesagt, viele Foltergeräte. Sie waren durchsichtig, beinahe etwas weißlich, von rundlich zugespitzter Form und scharf. Sie sahen unvorstellbar eisig und scharf aus. Sobald sie einen männlichen Geist berührten, froren seine Geschlechtsteile durch die Eisgeräte sofort ab und zerfielen in Stücke. Kaum waren sie abgefroren, wurden sie sogleich vollständig wiederhergestellt. Nach der Eisfolter folgte ohne Unterbrechung sofort die Vergeltung durch den niederdrückenden Feuerberg. Diese Strafe mit dem Feuerberg galt dafür, dass man bei sexuellem Fehlverhalten durch Selbstbefriedigung gern warmes Wasser, Chilischoten und Ähnliches zur Steigerung der Lust eingesetzt hatte. Ein feuerrotes Foltergerät, das einem kleinen Berg glich, flog dem männlichen Geist frontal entgegen. Es wirkte wie maßgeschneidert: Genau an der Stelle seiner Geschlechtsteile befand sich eine Klammer, die sie niederpresste und in glühender Hitze durchbrennen ließ. Wieder erfüllten Schmerzensschreie, Stöhnen und die Laute derer, die das Bewusstsein verloren, den ganzen Ort. Danach erwachten sie durch die Kraft ihres Karmas wieder und wurden vollständig wiederhergestellt, um dasselbe im Kreislauf erneut zu erleiden. Es war wirklich allzu schmerzhaft und erbarmungswürdig! Der Anblick dieser Hölle heute Abend war wirklich zum Erbrechen. Der Richter der Unterwelt teilte mir mit, diese Hölle sei neu errichtet worden, reiche aber bereits nicht mehr aus und müsse noch erweitert werden. In der Menschenwelt gebe es zu viele Wesen dieser Art, die nach dem Tod zur Vergeltung in diese Hölle kommen würden. Außerdem sah ich, dass noch zahlreiche weitere Schönheitshöllen angebaut wurden, eigens für diejenigen, die Schönheitssalons betrieben, bei Frauen Brustvergrößerungen, Operationen zur Verengung des Intimbereichs und dergleichen vornahmen. Viele unseriöse Schönheitsunternehmen oder medizinische Zentren verleiten Frauen gezielt dazu, ihren Begierden zu verfallen, sexuelles Fehlverhalten zu begehen und die Gebote zu verletzen. Dafür werden ihnen zu Lebzeiten Segnungen und Lebensspanne gekürzt, und nach dem Tod kommen sie für 10.000 Jahre zur Vergeltung in diese Hölle. Der Richter der Unterwelt wusste, dass ich eine Frage hatte; tatsächlich verständigten wir uns durch Gedanken. Ich wollte fragen, warum auch Geschlechtsverkehr an unzulässigen Orten gegen die Gebote verstößt. Daraufhin zeigte mir der Richter einen Film. Es stellte sich heraus, dass es im Freien, auf Toiletten oder in Nächten mit Blitz und Donner viele Geister und ähnliche Geistwesen gibt, die kommen, um Jing und Qi aufzusaugen oder mittels Feijing von einem Körper Besitz zu ergreifen. Wenn man unter solchen Umständen an unzulässigen Orten Geschlechtsverkehr hat, schadet dies einem selbst und zerstört außerdem das Magnetfeld des aufrechten Qi der Natur. Es bringt hundert Nachteile und keinen einzigen Nutzen. Deshalb müssen Wesen, die dagegen verstoßen, selbst die leidvolle Vergeltung ertragen. Vor meiner Abreise trug mir der Richter der Unterwelt auf: „Diesmal sind Sie durch die Kraft des Buddha hierhergekommen. Sie haben auch die gnädige Erlaubnis unseres erhabenen Herrschers in der oberen Welt und Yanwangs, des Königs der Unterwelt, erhalten. Mir wurde aufgetragen, Ihnen die wahren Verhältnisse in den Höllen zu erklären. Man kann sagen, dass damit sämtliche Himmelsgeheimnisse offengelegt wurden – etwas völlig Einmaliges. Ich hoffe außerdem, dass Sie nach Ihrer Rückkehr in die Welt der Lebenden diese Botschaft weitergeben und die Menschen warnen: Sie sollen kein sexuelles Fehlverhalten mehr begehen, das die menschlichen Beziehungen schädigt und die Tugend verdirbt. Damit schaffen sie sich selbst eine Hölle, vermehren die Arbeit hier erheblich und ebenso die Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Unglücke in der Welt der Lebenden. Sie sehen, wie furchterregend ich aussehe. Ich hoffe, die Menschen müssen mir nach ihrem Tod nicht begegnen. Das wäre ein großes Glück!“ Unter allen Übeln steht die sexuelle Ausschweifung an erster Stelle! Hier verabschiedete ich mich ehrerbietig vom Richter der Unterwelt und dankte ihm für seine Unterweisung. Bis zu einem späteren Wiedersehen. 6. Die Vergeltung für Freier: 100.000 Jahre in einer großen Hölle Ich danke dem Buddha dafür, dass er mich auf einer weißen Lotusblüte aufbrechen ließ. Warum fühlte sich die Hölle heute anders an? Hatte ich mich verirrt? Sonst lag über der Hölle ein düsteres Yin-Qi, doch heute erschien ein starkes goldgelbes Licht, ein sehr wohltuendes Buddha-Licht. Als ich den Kopf hob, sah ich, dass es Kṣitigarbha, der Bodhisattva des großen Gelübdes, war. Beinahe kamen mir die Tränen. Sofort warf ich mich so nieder, dass fünf Körperteile den Boden berührten, und verehrte Kṣitigarbha ehrerbietig. Kṣitigarbha unterwies mich darin, meine menschliche Existenz gut zu schätzen und diese sinnvolle Arbeit gewissenhaft auszuführen. Ich solle ernsthaft den rechten Dharma verbreiten, das Leid der Höllen offenlegen und nach meiner Rückkehr die Wesen der Menschenwelt ermahnen, damit sie vom falschen auf den rechten Weg zurückkehrten, das Böse aufgäben und dem Guten folgten. Freudig erwiderte ich dem Bodhisattva, dass ich ganz gewiss mein Möglichstes tun und nach seiner Unterweisung handeln werde. Zunächst begrüßte ich den Richter der Unterwelt mit zusammengelegten Händen! Heute wollte ich den Richter nach „der karmischen Vergeltung für Freier, Prostituierte und Zuhälter“ fragen. Der Richter der Unterwelt erklärte mir, dass Freier in zwei Gruppen eingeteilt würden: Zur ersten Gruppe gehören diejenigen, die ihre körperlichen Bedürfnisse nicht beherrschen können und deren Ehefrau sie nicht befriedigen kann, sodass sie regelmäßig ihre gewohnten Prostituierten zum Geschlechtsverkehr aufsuchen. Für jeden solchen Verstoß werden ihnen zu Lebzeiten Segnungen und Lebensspanne um einen Monat gekürzt. Nach dem Tod kommen sie zur Vergeltung in die Hölle für das von ihnen begangene sexuelle Fehlverhalten. Die Dauer der Vergeltung richtet sich nach dem konkreten Einzelfall; gewöhnlich beträgt die Strafzeit in den meisten Fällen 800 Jahre. Zur zweiten Gruppe gehören diejenigen, deren Begierden heftig brennen, die über lange Zeit Prostituierte bestellen und sexuelles Fehlverhalten begehen. Sie vergeuden ihre menschliche Existenz, ohne sie zu schätzen, leben wie im Rausch und im Traum dahin und verwenden Hilfsmittel zur Luststeigerung, um körperliche Sinnesreize zu suchen. Menschen dieser Art werden zu Lebzeiten für jeden Verstoß Segnungen und Lebensspanne um eineinhalb Monate gekürzt. Nach dem Tod kommen sie für 100.000 Jahre zur Vergeltung in die Hölle für das von ihnen begangene sexuelle Fehlverhalten. Wenn die Vergeltung in der Hölle beendet ist, werden sie in den Daseinsbereich der Tiere geworfen und erleiden 1.000 Jahre lang die Vergeltung als niedere Tiere. Selbst wenn sie danach wieder als Menschen geboren werden können, müssen sie anschließend noch als Vergeltung einen getrübten, nicht klaren Verstand hinnehmen. Die karmische Vergeltung für Prostituierte wird in drei Gruppen unterteilt: Zur ersten Gruppe gehören diejenigen, die vollständig unter der Kontrolle anderer stehen und zur Prostitution gezwungen werden, sich vorerst nicht selbst daraus befreien können und beim Geschlechtsverkehr keinerlei Genuss empfinden. Wenn sie später gerettet und daraus befreit werden, müssen sie ihre karmischen Verfehlungen bereuen und dürfen sie danach keinesfalls wieder begehen. Dann kann ihnen die Vergeltung in der Hölle möglicherweise erspart bleiben. Zur zweiten Gruppe gehören diejenigen, die des Geldes wegen als Prostituierte leben. Ihnen werden zu Lebzeiten jedes Mal Segnungen und Lebensspanne um einen Monat gekürzt. Nach dem Tod kommen sie für 80.000 Jahre zur Vergeltung in die Hölle für das von ihnen begangene sexuelle Fehlverhalten. Wenn die Vergeltung in der Hölle beendet ist, werden sie in den Daseinsbereich der Tiere geworfen und erleiden dort 800 Jahre lang Vergeltung. Selbst wenn sie danach wieder als Menschen geboren werden können, erleiden sie die Vergeltung einer niedrigen und verachteten Stellung. Die dritte Gruppe von Prostituierten gleicht der zuvor genannten zweiten Gruppe von Freiern. Auch bei ihnen brennen die Begierden heftig. Sie vergeuden ihre menschliche Existenz, ohne sie zu schätzen, leben wie im Rausch und im Traum dahin und verwenden Hilfsmittel zur Luststeigerung, um körperliche Sinnesreize zu suchen. Ihnen werden zu Lebzeiten jedes Mal Segnungen und Lebensspanne um zwei Monate gekürzt. Nach dem Tod kommen sie für 150.000 Jahre zur Vergeltung in die Hölle für das von ihnen begangene sexuelle Fehlverhalten. Wenn die Vergeltung in der Hölle beendet ist, werden sie in den Daseinsbereich der Tiere geworfen und erleiden 2.000 Jahre lang die Vergeltung als niedere Tiere. Danach werden sie wieder als Menschen geboren und erleiden die Vergeltung einer niedrigen und verachteten Stellung. Zuhälter werden in zwei Gruppen eingeteilt: Zur ersten Gruppe gehören diejenigen, die diese Tätigkeit vorübergehend des Geldes wegen ausüben, später zur Einsicht kommen, sie aufgeben und danach niemals wieder ausüben. Wenn sie darüber hinaus mit aller Kraft bereuen, kann die karmische Vergeltung in der Hölle möglicherweise etwas gemildert werden. Doch für jeden Verstoß werden ihnen zu Lebzeiten Segnungen und Lebensspanne um eineinhalb Monate gekürzt. Nach dem Tod kommen sie für 100.000 Jahre zur Vergeltung in die Hölle Yanhua Fangun. Zur zweiten Gruppe gehören diejenigen, die böse Absichten hegen, Prostituierte kontrollieren, selbst von heftigen Begierden erfüllt sind, selbstsüchtig nur den eigenen Vorteil suchen, gezielt Ränke schmieden, um anderen zu schaden, und Ähnliches tun. Ihnen werden zu Lebzeiten Segnungen und Lebensspanne gekürzt. Nach dem Tod kommen sie zur Vergeltung in die Hölle Yanhua Fangun. Erst wenn alle von ihnen bedrängten und misshandelten Prostituierten wieder als Menschen geboren worden sind, haben sie eine Möglichkeit, die Hölle zu verlassen. Danach werden sie in den Daseinsbereich der Tiere geworfen, um Vergeltung zu erleiden. Wenn die Vergeltung im Daseinsbereich der Tiere erschöpft ist, erleiden sie als Menschen noch die Vergeltung einer niedrigen und verachteten Stellung. „Oh, Richter der Unterwelt! Das schlechte Karma der Zuhälter zieht eine sehr schwere Vergeltung nach sich! Nachdem ich Ihre Erklärung gehört habe, tut mir das Herz weh und ich bin sehr traurig. Ich empfinde großes Mitgefühl für die Wesen in diesem Gewerbe.“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Dieses Gewerbe verdirbt das gesellschaftliche Klima schwer, zerstört Moral, Anstand und die Ordnung der menschlichen Beziehungen und beeinträchtigt die gute ursprüngliche Natur des Menschen erheblich. Deshalb muss der Herrscher der Unterwelt solche Wesen, die Böses begehen, streng bestrafen. Doch soweit ich weiß, empfinden Buddhas und Bodhisattvas Mitgefühl mit diesen Wesen. Sie nehmen menschliche Gestalt an und begeben sich unter sie, um diejenigen, die gute Wurzeln besitzen, zu läutern und dazu zu führen, umzukehren und sich dem Guten zuzuwenden.“ Für heute blieb es vorerst dabei. Ich danke dem Richter der Unterwelt! Amitābha! Ich kehrte zunächst auf der weißen Lotusblüte sitzend zurück. Diesmal freute ich mich sehr, dass ich in der Hölle tatsächlich Kṣitigarbha, dem Bodhisattva des großen Gelübdes, begegnet war. Sein ganzer Körper war von goldenem Licht umgeben, und auch mir gewährte er seinen Segen. Wie unermesslich und wahrhaft unfassbar ist die Kraft seines Gelübdes! Als ich in die Menschenwelt zurückkehrte, war ich bereits sehr erschöpft. Da jede Reise in die Hölle viel von meinem ursprünglichen Geist und meiner ursprünglichen Lebensenergie verbraucht, muss ich nach der Rückkehr Mantras rezitieren, um beides sofort wieder aufzufüllen. Ich hoffe, dass ihr Leser dies nicht wie einen Roman lest. Dann bleibt Kṣitigarbhas aufopferungsvolle Mühe nicht vergeblich. Ich, Ayu, danke euch allen noch einmal. Namo Kṣitigarbha, Bodhisattva-Mahāsattva des großen Gelübdes! 7. Die tatsächlichen Zustände in der Hölle des umgekehrt drehenden Rades unter dem Eishimmel und in der Hölle der bunten Blumen und des Schwerterwaldes, in denen inzestuöses Fehlverhalten bestraft wird Ich, Ayu, werfe mich ehrerbietig vor Kṣitigarbha nieder! Wie glücklich ich bin, erneut die Wohltat des Dharma zu empfangen! Kṣitigarbha unterwies mich, Ayu, in den fünf Geboten. Die fünf Gebote einzuhalten kann einem die menschliche Existenz bewahren; es ist die Grundlage des Menschseins und bewahrt vor dem Fall in niedere Daseinsbereiche. Sie erscheinen sehr einfach, doch viele Wesen verstoßen gegen sie, ohne es zu merken. Wir hören oft Menschen in unserer Umgebung sagen: Ich habe noch nie gemordet, Feuer gelegt oder anderen geschadet; ich bin ein ganz gewöhnlicher Bürger. Tatsächlich sind Mord und Brandstiftung bereits sehr schwere Verfehlungen des Körpers, für die man in die Hölle hinabsteigen und Vergeltung erleiden muss. Hören wir nun Kṣitigarbhas mitfühlende Unterweisung. Wenn ich etwas falsch verstanden habe, liegt das an mir, Ayu. Ich gebe die Unterweisung des Bodhisattvas im Folgenden kurz wieder: Erstens: Nicht töten – Es ist untersagt, irgendeinem fühlenden Wesen das Leben zu nehmen. Eine reine vegetarische Ernährung ist die Grundlage für die Einhaltung dieses Gebots. Was bedeutet rein? Man muss sich streng an die Lehre des Śūraṅgama-Sūtra halten und darf nichts einnehmen oder verwenden, das mit Tieren in Verbindung steht. Das heißt, dass man keinerlei Lebensmittel essen darf, die mit Tieren in Verbindung stehen. Zum Beispiel muss man auf Milch, Butter, Eier, Honig und alles andere verzichten, das mit Tieren in Verbindung steht. Auch viele Kosmetikprodukte enthalten tierische Bestandteile und dürfen nicht verwendet werden. Wenn wir krank sind und Medikamente einnehmen, enthalten auch diese häufig tierische Bestandteile, insbesondere Arzneien der chinesischen Medizin.35 Zweitens: Nicht stehlen – Sich Gegenstände ohne die Zustimmung anderer anzueignen, ist Diebstahl. Viele Menschen verwenden am Arbeitsplatz Büromaterial der Firma für sich selbst oder nehmen es sogar mit nach Hause. Andere führen in der Firma Privatgespräche am Telefon, laden dort ihr Mobiltelefon auf oder verwenden den Kopierer und das Faxgerät der Firma für private Unterlagen und Ähnliches. Ohne Zustimmung der Firma verstößt all dies gegen das Gebot, nicht zu stehlen. Drittens: Kein sexuelles Fehlverhalten – Dazu gehören sexuelle Beziehungen außerhalb der Ehe. Sexuelle Handlungen zur unzulässigen Zeit, am unzulässigen Ort oder an unzulässigen Körperstellen, das Anschauen pornografischer Discs und die Verwendung von Hilfsmitteln zur Luststeigerung verstoßen ebenfalls gegen dieses Gebot. Viertens: Nicht lügen – Man soll die Wahrheit sagen und andere nicht täuschen. Was vorhanden ist, soll man als vorhanden bezeichnen; was nicht vorhanden ist, soll man nicht als vorhanden ausgeben. Absichtliche Täuschung ist ein noch schwererer Verstoß gegen dieses Gebot. Auch zweckdienliche Lügen sollte man möglichst vermeiden, denn häufiges Lügen wirkt sich ungünstig auf das Bewusstsein aus und wird leicht zur Gewohnheit. Fünftens: Keinen Alkohol trinken – Man soll auf Alkohol und berauschende Mittel verzichten. Auch Produkte, die mit Alkohol in Verbindung stehen, darf man nicht essen. Fermentierter Tofu beispielsweise enthält meistens Alkohol und darf deshalb nicht gegessen werden. Selbst wenn der Verkäufer sagt, es sei nur sehr, sehr wenig Alkohol verwendet worden: Auch ein winziges bisschen ist Alkohol. Nur bei einer medizinischen Anwendung zur Lebensrettung kann eine Ausnahme zugelassen werden. Außerdem enthalten viele Kosmetikprodukte Alkohol; diese sollte man am besten nicht verwenden. Nachdem ich, Ayu, Kṣitigarbhas Unterweisung ehrfürchtig angehört hatte, ging ich weiter zum Richter der Unterwelt. Richter der Unterwelt, Amitābha! Heute möchte ich Sie um Auskunft über die karmische Vergeltung für Inzest bitten. Der Richter der Unterwelt sagte, Inzest sei ein Verhalten, das die Moral verderbe, das gesellschaftliche Klima störe und das aufrechte Qi der menschlichen Beziehungen zerstöre. Die Unterwelt werde solche Wesen streng bestrafen. Allen Wesen, die sexuelles Fehlverhalten dieser Art begingen, würden zu Lebzeiten jedes Mal Segnungen und Lebensspanne um zweieinhalb Monate gekürzt. Nach dem Tod müssten sie in den Höllen für sexuelles Fehlverhalten leiden: 500 Jahre in der Hölle des umgekehrt drehenden Rades, 500 Jahre in der Hölle des Umarmens von Kupfersäulen, 500 Jahre in der Hölle der Eisenbetten, 500 Jahre in der Hölle Yanhua Fangun und 500 Jahre in der Hölle des Schwerterwaldes. Dies seien lediglich die Strafen, die gewöhnlich für Inzest verhängt würden. Natürlich müsse die konkrete Strafe anhand des tatsächlichen Geschehens abschließend festgelegt werden. In einem Augenblick war ich auf der weißen Lotusblüte bereits in der Hölle des umgekehrt drehenden Rades angekommen. Hier gab es mehr männliche als weibliche Geister. Die wegen Inzests in dieser Hölle befindlichen Geister hatten alle mit andersgeschlechtlichen Angehörigen derselben Generation Geschlechtsverkehr gehabt. Bei Männern waren dies die Frau des älteren oder jüngeren Bruders, die ältere oder jüngere Schwester oder verheiratete andersgeschlechtliche Angehörige derselben Generation aus der Familie der Ehefrau. Bei Frauen waren es der Mann der älteren oder jüngeren Schwester, der ältere oder jüngere Bruder oder verheiratete andersgeschlechtliche Angehörige derselben Generation aus der Familie des Ehemanns. In der Hölle des umgekehrt drehenden Rades unter dem Eishimmel gibt es ein sehr großes Rad, das sich dreht. Auf allen vier Seiten stehen sehr kalte Eiswände, und darüber befindet sich Eis, das ein wenig wie ein Spiegel aussieht. Nennen wir es einen Eisspiegel. Das Eis dieses Eisspiegels unterscheidet sich von dem der vier Eiswände. Es besitzt eine besondere Durchsichtigkeit und Reflexionsfähigkeit; jedenfalls erfüllt es die Funktion eines Spiegels, in dem man die Vorgänge im Inneren des Rades sehen kann. Aus diesem Spiegel fliegen unaufhörlich durchsichtige Eisstücke heraus und treffen die Geistleiber der Wesen, die im drehenden Rad ihre Strafe erleiden. In diesem Moment sah ich einen männlichen Geist völlig nackt auf das große Rad zugehen. Das Rad sog ihn an, schloss ihn ganz in sich ein und wirbelte ihn herum. Der Eisspiegel schleuderte Eis auf seinen Körper. Jedes Eisstück ließ den schuldigen Geist bluten und trennte ihm Hände und Füße ab. Unter unvorstellbaren Schmerzen versuchte er mit aller Kraft, nach draußen zu fliehen. Doch wenn es ihm unter großen Mühen gelang, seinen verletzten Körper vorübergehend aus dem Rad zu schleppen, spießten ihn die draußen stehenden Geisterschergen mit ihren Gabeln auf, hoben ihn hoch und warfen ihn wieder hinein. Es war ein entsetzlich grausamer Anblick. Amitābha! Dann forderte mich der Richter der Unterwelt auf, mir auch die benachbarte Hölle der bunten Blumen und des Schwerterwaldes anzusehen. Diese Hölle ist für die Verfehlung bestimmt, zu Lebzeiten mit Verwandten in gerader Linie sexuelles Fehlverhalten begangen zu haben, sei es unter Zwang oder freiwillig. Wenn jemand gezwungen wurde und dabei keinerlei Lust empfand, braucht er nach aufrichtiger Reue keine Strafe zu erleiden; wer jedoch Lust empfand, muss ebenfalls Vergeltung ertragen. Männer, die mit ihrer Tochter, Enkelin, Großmutter mütterlicherseits, Großmutter väterlicherseits oder andersgeschlechtlichen Verwandten in gerader Linie aus der Familie ihrer Ehefrau sexuelles Fehlverhalten begehen, müssen Vergeltung erleiden. Ebenso Frauen, die dies mit ihrem Vater, Enkel, Großvater väterlicherseits, Großvater mütterlicherseits oder Verwandten in gerader Linie aus der Familie ihres Ehemanns tun. In dieser Hölle gab es unzählige Blumen, die schön aussahen. Sie besaßen viele verborgene Mechanismen und konnten ihre Farbe verändern. Ihr Anblick wirkte sehr verlockend.19 Da wollte ein nackter männlicher Geist, voller lüsterner Gedanken, eine Blume pflücken. Die Blume veränderte rasch ihre Gestalt und wand sich um seinen Körper. Als sie sich langsam nach unten bis zu seinen Geschlechtsteilen wand, schnitt sie diese augenblicklich ab. Blut spritzte über den Boden; das Fleisch war blutüberströmt. Danach verwandelte sich die Blume in unzählige harte Blütenstücke, die immer wieder heranflogen und den schuldigen Geist schlugen, bis er das Bewusstsein verlor. Daraufhin kamen Geisterschergen und gossen ihm eine eiskalte Flüssigkeit ins Gesicht, sodass er wieder zu Bewusstsein kam. Anschließend musste er unaufhörlich dieselben Qualen erleiden und immer wieder Erfahrungen unermesslichen Schmerzes durchmachen. Hätte er gewusst, dass es so enden würde, warum hätte er es dann überhaupt getan! Der Richter der Unterwelt sagte: „Inzestuöses Fehlverhalten in der Menschenwelt wird von Himmel und Erde nicht geduldet. Es ist eine äußerst schwere Verfehlung und ein äußerstes Übel. Dafür werden unweigerlich harte Urteile gefällt und strenge Strafen verhängt; eine Begnadigung ist ausgeschlossen. So zeigt sich die Unparteilichkeit der Gesetze der Unterwelt.“ Für heute war hier Schluss. An einem anderen Tag würde ich wiederkommen. Ich verabschiedete mich ehrerbietig vom Richter der Unterwelt. Vielen Dank für Ihre Führung! 8. Ein Jugendlicher verfiel pornografischen Websites und büßte alle Segnungen und seine ganze Lebensspanne ein – bei seinem Tod war er erst in den Zwanzigern! Ich danke allen Buddhas und Bodhisattvas! Ich, Ayu, brach auf der weißen Lotusblüte auf. Richter der Unterwelt, Amitābha! Ich, Ayu, grüße Sie mit zusammengelegten Händen! Heute führte mich der Richter der Unterwelt zur Besichtigung der Hölle der elektrischen Augenblitze, einer der Höllen für sexuelles Fehlverhalten. In diese Hölle kommen nach dem Tod jene Wesen zur Vergeltung, die zu Lebzeiten gern pornografische Bücher gelesen oder pornografische Websites angesehen haben. Die Wesen, die hier Vergeltung erleiden, werden nach ihrem Alter und der Häufigkeit ihres Betrachtens verurteilt. Die kürzeste Strafzeit in dieser Hölle beträgt 50 Jahre. Je jünger jemand ist, der dem verfällt, desto schwerer fällt die Strafe aus. Die meisten Menschen begehen nach dem Anschauen pornografischer Websites weiteres sexuelles Fehlverhalten, etwa Selbstbefriedigung oder sexuelle Handlungen zur unzulässigen Zeit, am unzulässigen Ort oder an unzulässigen Körperstellen, und verwenden sogar Hilfsmittel zur Luststeigerung. Solche pornografischen Bücher zu lesen zerstört die gute ursprüngliche Natur des Menschen in schwerwiegender Weise, besonders bei Kindern, deren Wesen von Natur aus rein ist und deren Körper von reinem Yang geprägt ist. Schon Erwachsene sollten sich solche Dinge nicht ansehen, um wie viel weniger erst minderjährige Kinder.36 In der Menschenwelt gibt es heute viele Jugendliche, die sich solche pornografischen Websites am Computer ansehen. Wer auch immer sexueller Begierde verfällt, beeinträchtigt damit zwangsläufig und unmittelbar seine gesunde Entwicklung in allen Bereichen von Körper, Geist und Seele. Der Mensch lebt jeden Tag durch sein Denken und seine Gedanken. Denken und Gedanken treiben das Handeln an, das Handeln schafft gutes oder schlechtes Karma, gutes oder schlechtes Karma bestimmt das Schicksal, das Schicksal bringt karmische Kraft hervor, und aus der karmischen Kraft entsteht Vergeltung, die erlitten werden muss. Wer häufig pornografische Websites ansieht, dessen Denken wird träge und benommen, und er handelt nicht mehr klar überlegt. Besonders auf Kinder sind die Auswirkungen sehr weitreichend: Sie zerstören die gute Gelegenheit, in menschlicher Gestalt den spirituellen Weg zu üben. Wie es heißt: Über dem Schriftzeichen für sinnliche Begierde hängt ein Messer. Wie viele berühmte Menschen, Feldherren und Soldaten aller Zeiten und Länder sind doch an der Prüfung durch die sinnliche Begierde gescheitert. Der Richter der Unterwelt sagte: „Zunächst werden einem jedes Mal Segnungen und Lebensspanne gekürzt, wenn man pornografische Bücher oder Websites ansieht. Wenn man danach noch weitergeht und anderes sexuelles Fehlverhalten begeht, werden einem ebenfalls Segnungen und Lebensspanne gekürzt. Das kommt auch einem langsamen Selbstmord gleich. Heute ist die Technik in der Menschenwelt weit entwickelt. Schon kleine Kinder benutzen Computer, und viele Kinder sehen sich pornografische Websites an. Manche Eltern wissen nichts davon, weil sie selbst nicht mit Computern umgehen können. Sie lassen ihre Kinder den Umgang mit dem Computer allein lernen und fragen niemals nach. Auch sind sie jeden Tag sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt und haben überhaupt keine Zeit übrig, sich um die Angelegenheiten ihrer Kinder zu kümmern. Wer finanziell etwas besser gestellt ist, stellt vielleicht eine Haushaltshilfe ein, um die Kinder zu betreuen. Doch auch diese betreut sie nicht unbedingt angemessen. Deshalb werden auch solchen Eltern Segnungen gekürzt. Sie können nicht einfach sagen, sie hätten nichts gewusst, und sich deshalb nicht darum kümmern. Ein Kind aufzuziehen, ohne es zu erziehen, ist die Schuld des Vaters. Eltern sollten sich selbst um die Erziehung und das gesunde Heranwachsen ihrer Kinder kümmern. Andere Eltern wissen genau Bescheid, unterbinden es aber nicht, oder sie betrachten es als Sexualerziehung und lassen ihre Kinder gewähren. Manche sagen sogar, die Zeiten hätten sich geändert, wir lebten heute in einer freizügigen Zeit, und selbst an Schulen gebe es verpflichtende Kurse zur Sexualerziehung für kleine Kinder. Das sind schwerwiegend falsche Ansichten. Die Unterwelt hofft, dass Sie, Ayu, nach dieser Besichtigung der Höllen in die Menschenwelt zurückkehren und die fühlenden Wesen ermahnen, vom falschen auf den rechten Weg zurückzukehren, die wenigen Jahrzehnte in der Menschenwelt zu schätzen und mehr Dinge zu tun, die dem gesellschaftlichen Leben und den Herzen der Menschen zugutekommen. Sie sollen keine Machenschaften betreiben, die anderen und ihnen selbst schaden. Andernfalls genügt es, dass ihnen ein Atemzug ausbleibt, und nach ihrem Tod kommen sie zu mir!“ Schon waren entsetzliche Schreie zu hören. Sie kamen von den Wesen in der Hölle der elektrischen Augenblitze, die dort grausame Folter erlitten. In dieser Hölle standen viele große Computer mit verborgenen Mechanismen, ein Computer für jeden Geist. Auf den Computern gab es etwas anzusehen, und jeder Geist schaute auf seinen eigenen Computer. Hätten sie nicht hingesehen, wäre es noch gut gewesen; doch sobald sie hinsahen, schrien sie laut vor Qual. Ein männlicher Geist war sehr jung; er sah aus, als wäre er in den Zwanzigern. Sein Computer sandte rote elektrische Blitze in Hakenform aus, die sich unmittelbar in seine beiden Augen hakten und seine Augäpfel nach außen herausrissen. Der ganze Boden war voller frischen Blutes. Der männliche Geist wirkte von äußerster Qual und Trauer erfüllt! Dies war die karmische Vergeltung dafür, dass er auf Websites pornografische Filme, Bilder, Romane und Ähnliches angesehen hatte. Der Richter der Unterwelt sagte, dieser männliche Geist habe schon als Kind begonnen, pornografische Websites anzusehen, und habe sich auch selbst befriedigt. Da er die Verstöße so häufig begangen habe, seien die Segnungen seines ganzen Lebens sehr schnell aufgezehrt worden, und so sei er in die Hölle gestürzt. Seine Eltern weinten und klagten noch in der Menschenwelt über den schmerzlichen Verlust ihres geliebten Sohnes. Daneben saß ein schuldiger Geist auf einem Tisch und las ein pornografisches Buch. Er erlitt dieselbe Strafe und ebenso schwere Qualen wie bei der eben gesehenen Vergeltung des Augenheraushakens, doch vollzog sich die Vergeltung etwas langsamer. Ich fragte den Richter der Unterwelt, warum sich die Geschwindigkeit der Bestrafung unterschied. Der Richter sagte: „Wer am Computer pornografische Websites ansieht, betrachtet gewöhnlich in kurzer Zeit eine große Menge und verbringt insgesamt auch verhältnismäßig lange Zeit damit. Wer dagegen pornografische Bücher, Bildhefte, Romane und dergleichen liest, hat nur diese wenigen pornografischen Bücher zur Verfügung. Wenn Wesen zu Lebzeiten nicht viel davon angesehen haben, später zur Einsicht kommen, bereuen und es danach nicht wieder tun, sondern stattdessen diesen zur Güte mahnenden Artikel tatkräftig verbreiten und die Wesen dazu anhalten, keine pornografischen Websites, Discs und Bücher mehr anzusehen; wenn sie mit ihrem eigenen Geld nach Kräften pornografische Bücher, Discs und Ähnliches aufkaufen und verbrennen, um ihre Verfehlungen durch Verdienste auszugleichen, dann kann ihnen die Vergeltung in dieser Hölle erspart bleiben.“ Der Richter der Unterwelt sagte streng: „Die Wesen, die in der Hölle der elektrischen Augenblitze Vergeltung erleiden, müssen gewöhnlich anschließend noch in anderen Höllen für sexuelles Fehlverhalten weiter bestraft werden. Wer Selbstbefriedigung begeht oder gegen die Verbote sexueller Handlungen zur unzulässigen Zeit, am unzulässigen Ort oder an unzulässigen Körperstellen verstößt, wird nach dem Tod unweigerlich in die Hölle des Schluckens von Eisenkugeln, die Hölle des Umarmens von Kupfersäulen, die Hölle Yanhua Fangun und weitere Höllen sowie in die verschiedensten anderen Höllen für sexuelle Handlungen an unzulässigen Körperstellen geworfen, um dort Strafe zu erleiden.“ Für heute blieb es vorerst dabei. Ich verabschiedete mich ehrerbietig vom Richter der Unterwelt! Ich, Ayu, verneigte mich mit zusammengelegten Händen vor dem Richter der Unterwelt. Ich danke Ihnen! Auf der weißen Lotusblüte kehrte ich zurück. Pornografische Websites und Discs richten wahrlich großen Schaden an. Der Blutgeruch in den verschiedenen großen Höllen ist für mich, Ayu, völlig unerträglich. Bei der Besichtigung der verschiedenen großen Höllen habe ich so viele entsetzliche, blutige Szenen gesehen: Geistersoldaten schlugen schuldigen Geistern die Köpfe und Hände ab, schnitten ihnen Fleisch heraus und die Füße ab, während die gequälten Geister laut schrien und brüllten. Nach meiner Rückkehr nach Hause muss ich mich jedes Mal seelisch erst wieder sammeln, bevor ich mich davon erholen kann! 9. Die grausame Bestrafung für Selbstbefriedigung – die Hölle der elektrischen Augen und Eisenkugeln Ich danke allen Buddhas und Bodhisattvas! Auf der weißen Lotusblüte brach ich auf. Richter der Unterwelt, Amitābha! Ich, Ayu, grüße Sie mit zusammengelegten Händen! Heute führte mich der Richter der Unterwelt zur Besichtigung der Hölle der elektrischen Augen und Eisenkugeln, einer der Höllen für sexuelles Fehlverhalten. In die Hölle der elektrischen Augen und Eisenkugeln kommen nach dem Tod diejenigen zur Bestrafung, die zu Lebzeiten dem Anschauen pornografischer Websites, Bilder und Veröffentlichungen verfallen waren und am Computer während des Anschauens Selbstbefriedigung betrieben hatten. Die Strafzeit beträgt 800 Jahre. Danach wird anhand der Veränderung ihres Geistbewusstseins entschieden, ob sie hier weiter bestraft werden müssen. Wie bereits erwähnt, verliert man jedes Mal, wenn man pornografische Veröffentlichungen anschaut, einen Monat an Segnungen und Lebenszeit. Nur beim ersten Mal beträgt der Verlust einen halben Monat; danach ist es jedes Mal ein ganzer Monat. Wer sie häufig anschaut und sich dabei auch noch selbst befriedigt, hat tatsächlich sehr schnell die Segnungen seines ganzen Lebens aufgebraucht. Diese Hölle liegt neben der Hölle der elektrischen Augenblitze, doch das Leiden ist hier noch zehnmillionenfach größer. Hier sind fast ausschließlich Jugendliche. Ach, wie erbarmungswürdig! Sie sind alle noch so jung. Ich erinnere mich, dass ich in ihrem Alter noch zur Schule ging, naiv war und von nichts eine Ahnung hatte. Warum lernen sie nicht, obwohl sie die Möglichkeit dazu haben, und sind stattdessen alle zur Bestrafung in die Hölle gekommen? Mit einem Wort: Bei diesem Anblick wird mir kalt ums Herz! Ihr Jungen müsst unbedingt rein leben und euch selbst achten. In der Hölle ist das Leiden so entsetzlich, so entsetzlich groß. Kommt bloß nicht hierher! Lernt fleißig in der Menschenwelt, übt euch auf dem spirituellen Weg und schätzt euer schönes Leben. Hier entdecke ich einen Schüler der Sekundarstufe, dessen Gesicht mir sehr bekannt vorkommt. Wo habe ich ihn schon einmal gesehen? Jetzt fällt es mir ein: Vor etwa einem halben Jahr habe ich im Bestattungsinstitut sein Totenporträt gesehen. Damals kümmerte ich mich um die Beerdigung eines Verwandten, und sein Aufbahrungsraum lag direkt neben dem unseres Verwandten. Bei uns waren viele Menschen, darunter auch viele Kinder, sodass eine warme, lebhafte Atmosphäre herrschte. Sein Aufbahrungsraum dagegen war still und verlassen; dort waren nur seine Eltern und zwei oder drei Angehörige. Unsere Verwandten sprachen damals darüber, wie jung dieser Junge noch war, und fragten sich, was wohl geschehen sein mochte. Die Eltern waren sehr zu bedauern, und seine Mutter war zutiefst betrübt. Ich sprach vor seinem Totenporträt nur ein paarmal den Namen Amitābha und widmete ihm die Verdienste daraus. Nie hätte ich gedacht, dass ich ihm in der Hölle begegnen würde. Das menschliche Leben ist wahrlich vergänglich! Der Richter der Unterwelt erzählte mir, dass dieser Junge das einzige Kind seiner Eltern war. Zu Lebzeiten war er dem Anschauen pornografischer Websites und Veröffentlichungen verfallen, hatte sich außerdem die schlechte Gewohnheit der Selbstbefriedigung angewöhnt und benutzte auch selbst erfundene Hilfsmittel dazu. Mit sechs Jahren begann er, sich selbst zu befriedigen, und mit zehn litt er bereits an einer „Nierenschwäche“ (Shenkui). Seine Mutter suchte mit ihm überall berühmte Ärzte auf. Er nahm viele chinesische Arzneimittel ein und musste beim Gehen wie ein alter Mann einen Stock benutzen. Weil er selbst weder sein Leben noch seine Gesundheit schätzte, setzte er sogar während der Behandlung die Selbstbefriedigung fort. Deshalb waren seine Segnungen und seine Lebenszeit bereits mit zwölf Jahren aufgebraucht, und er wurde in die Hölle der elektrischen Augen und Eisenkugeln geworfen, um dort 800 Jahre lang bestraft zu werden.37 [Redaktionelle Auslassung: Neben dem Jungen steht ein Computer als Strafwerkzeug. Rot leuchtende Haken verletzen seine beiden Augen. Gleichzeitig fügen ihm eine Feuerschlange und zwei große, wilde Wölfe weitere schwere, schmerzhafte Strafen zu. Explizite sexuelle Verletzungsdetails werden nicht wiedergegeben.] Ich fragte den Richter der Unterwelt, warum der Junge mehrere Arten der Vergeltung gleichzeitig erleiden müsse. Warum wartete man nicht, bis seine Augen wiederhergestellt waren, bevor er die Vergeltung durch die Feuerschlange und die wilden Wölfe erlitt? Der Richter der Unterwelt sagte: „Diese Strafen dürfen keinesfalls getrennt vollzogen werden. Denn zu Lebzeiten befriedigte er sich bereits unmittelbar am Computer selbst, während er zuschaute. Danach beging er mit seinen selbst angefertigten Hilfsmitteln erneut sexuelles Fehlverhalten. Deshalb kam er so schnell in die Hölle, um die Vergeltung zu erleiden. Nachdem er die Vergeltung in dieser Hölle erlitten hat, muss er noch in die große Hölle des Heulens, um dort weiter bestraft zu werden. Durch seine Selbstbefriedigung hat er seine gesamten Segnungen vorzeitig aufgezehrt und seinen Eltern tiefen Kummer und Schmerz bereitet. Die Weißhaarigen mussten den Schwarzhaarigen zu Grabe tragen. Damit war er ein Sohn, der die kindliche Pietät verletzte, und deshalb erleidet er diese Strafe. Die Menschen in der Welt der Lebenden halten sich heutzutage schon in ganz jungen Jahren nicht mehr an die Regeln des Anstands und der Rechtschaffenheit. Sie widersetzen sich ihren Eltern, widersprechen ihnen trotzig, beschimpfen sie und schlagen und treten sie sogar. Ihr Verhalten ist schlimmer als das mancher niederen Tiere. Wer zwischen Himmel und Erde die kindliche Pietät auf solch schwere Weise verletzt, muss nach dem Tod hierherkommen und bestraft werden. Sein Geistbewusstsein wird geläutert und sein Urgeist gereinigt, bis er vollkommen aufrichtig bereut und sich bessert.“38 „Für heute ist es genug. Ich habe noch wichtige Amtsgeschäfte zu erledigen. Kommen Sie an einem anderen Tag wieder.“ „Ich, Ayu, verabschiede mich ehrerbietig von Ihnen, Richter der Unterwelt. Vielen Dank!“ 10. Noch ehe die Lebenszeit in der Menschenwelt endet, werden die drei Hun-Seelen mit Haken fortgerissen!!!39 Dankbar für den Beistand durch Buddhas Kraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf. Amitābha! Ayu grüßt den Richter der Unterwelt mit aneinandergelegten Handflächen. Heute führte mich der Richter der Unterwelt zur Besichtigung der Hölle der Peitschen und Stöcke, einer der Höllen für sexuelles Fehlverhalten. Was ist die Hölle der Peitschen und Stöcke? Ein kleiner Teil des Geistbewusstseins jener Wesen, deren Lebenszeit in der Menschenwelt noch nicht abgelaufen ist, die also noch unter den Menschen leben und sexuelles Fehlverhalten begehen, wird von den Geisterschergen der Unterwelt ergriffen und zur Bestrafung in die Hölle gebracht. Der Mensch hat drei Hun-Seelen und sieben Po-Seelen. Die Geisterschergen ergreifen die drei Hun-Seelen der schuldigen Wesen und bringen sie zur Vollstreckung der Strafe in die Hölle. In der Menschenwelt empfinden diese Wesen Schwindel und Kopfschmerzen; sie fühlen sich sehr benommen und verwirrt. Manche spüren, wie sie in ihrer Benommenheit geschlagen werden, doch die meisten glauben, sie hätten einen Albtraum. In schweren Fällen bekommen sie Fieber und müssen im Bett liegen und schlafen. Wenn sie nach der Bestrafung in die Welt der Lebenden zurückkehren, haben manche am ganzen Körper heftige Schmerzen, die ihnen bis in die Knochen zu gehen scheinen.2139 Diese Hölle der Peitschen und Stöcke ist wirklich riesig! Man kann geradezu sagen, dass sie sich bis zum Horizont erstreckt. Es ist wie beim Blick auf das Meer in der Menschenwelt: Nirgendwo ist ein Ende zu sehen. Von allen Höllen, die ich bisher besichtigt habe, ist sie die größte. In dieser Hölle der Peitschen und Stöcke befinden sich Menschen aus vielen verschiedenen Ländern, etwa aus China, Großbritannien, den USA, Frankreich, Japan und Thailand, aber auch aus Indien, Afrika, Pakistan und so weiter. Es sind Menschen so vieler Nationalitäten! Besonders traurig ist, dass auch unzählige Jugendliche und kleine Kinder in dieser Hölle bestraft werden.41 Ich fragte den Richter der Unterwelt, warum hier so viele Menschen seien. Diese Hölle war wirklich erschreckend groß! Der Richter der Unterwelt sagte: „Gerade weil die Technik so weit fortgeschritten ist und die Menschen Computer erfunden haben, vergiftet und verunreinigt eine erschreckend große Zahl pornografischer Websites die Jugendlichen und kleinen Kinder. Sie begehen alle sexuelles Fehlverhalten und schaffen damit die Ursachen für die Hölle. Die Zahl dieser Wesen, die unheilsames Karma schaffen, steigt unaufhörlich rasant an. Deshalb hat der Buddha gerade Sie zur Besichtigung der Höllen entsandt, damit Sie nach Ihrer Rückkehr die Wesen ermahnen, die fünf Grundtugenden und die acht Tugenden gewissenhaft zu wahren. Besonders die jungen Menschen dürfen keinesfalls meinen, all dies sei veraltet und überholt. Sie müssen unbedingt rein leben und sich selbst achten, vom falschen auf den rechten Weg zurückkehren und das Böse zugunsten des Guten aufgeben. Sonst werden sie später den grausamen Strafen der Hölle kaum entkommen können. Dann wird es für Reue zu spät sein!“40 Da sah ich, wie sämtliche Wesen in der Hölle der Peitschen und Stöcke von den Geisterschergen heftig mit Peitschen und Stöcken geschlagen wurden. Die Geisterschergen hier schlagen die schuldigen Seelen ohne Unterlass. Diese schreien vor Schmerz, und ihre Schreie steigen in immer neuen Wellen auf. Die Schläge sollen die schuldigen Seelen dazu bringen, über ihre eigenen Verfehlungen nachzudenken. Ein kleiner Teil von ihnen bereut nach der Rückkehr der Seele in die Welt der Lebenden, sobald sie wieder bei klarem Bewusstsein sind, gründlich die früheren Fehler und bessert sich. Die meisten jedoch begehen nach der Rückkehr ihrer Seele in die Welt der Lebenden dieselben Verfehlungen erneut. Ich, Ayu, möchte den Richter der Unterwelt fragen: Wie kann man die Wesen in der Welt der Lebenden dazu bringen, zu glauben, dass das Buch „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ die heutigen Zustände in der Hölle vollkommen wahrheitsgetreu schildert? Manche halten vielleicht alles, was ich erzähle, für meine eigene Einbildung oder für frei erfunden. Sie lesen es wie einen Roman und können es nur schwer glauben. Der Richter der Unterwelt sagte: „Im Verborgenen unterliegt alles Ursache und Wirkung. Etwas ist nicht schon deshalb unwahr, weil man es nicht sehen kann. Keiner von uns kann sehen, wie die eigene Mutter ihn zur Welt bringt, und doch ist dies eine unumstößliche Tatsache. Dass man etwas nicht sehen kann, bedeutet nicht, dass es nicht existiert. Drei Chi über unseren Köpfen sind göttliche Wesen. In dieser großen Welt gibt es sehr viele Dinge, die wir nicht sehen können und die dennoch eng mit unserem Leben verbunden sind und es unmittelbar berühren. Wir nehmen die Existenz der Buddhas, Bodhisattvas, Geister und Gottheiten lediglich nicht wahr. Jeder Mensch hat andere Gelegenheiten und andere Segnungen; deshalb unterscheiden sich auch seine Empfindungen und Erfahrungen. Ursache und Wirkung von Gut und Böse folgen einem wie der Schatten dem Körper. Wenn die Vergeltung ausbleibt, dann nur, weil ihre Zeit noch nicht gekommen ist. Das Netz des Himmels ist weit gespannt; seine Maschen sind groß, doch nichts schlüpft hindurch. Auch dass Sie, Ayu, diesmal die tatsächlichen Zustände in den verschiedenen großen Höllen besichtigen, wurde vom Buddha bestimmt und angeordnet. Sie sind eine buddhistische Schülerin, die die Gebote hält und die Voraussetzungen mitbringt, diese Aufgabe zu übernehmen. Vollbringen Sie diese gute Tat zum Nutzen aller gewissenhaft und mit ganzem Ernst.“42 Vielen Dank für Ihre Ermutigung, Richter der Unterwelt. Ich, Ayu, werde gewiss alles in meiner Macht Stehende tun, um diese heilige Aufgabe zu erfüllen. In diesem Moment sah ich einige Beamte der Unterwelt auf die Hölle der Peitschen und Stöcke zukommen. Ah! Yanwang, der Herrscher der Unterwelt, war gekommen. Ich, Ayu, legte die Hände zusammen und grüßte ihn ehrerbietig! Es stellte sich heraus, dass die Unterwelt diese Hölle der Peitschen und Stöcke noch weiter ausbauen musste und der Herrscher Yanwang zu einer Besichtigung vor Ort gekommen war. Yanwang verfolgte aufmerksam das große gesellschaftliche Problem des sexuellen Fehlverhaltens Jugendlicher in der Menschenwelt. Nun stellte sich heraus, dass dies nicht allein ein Problem der Menschenwelt war: Auch die Unterwelt war unmittelbar davon betroffen und musste weiter ausgebaut werden. Erstaunt sagte ich: „Diese Höllenebene ist doch jetzt schon so groß, dass sie keinerlei Grenzen erkennen lässt. Muss sie trotzdem noch weiter ausgebaut werden?“ Yanwang, der Herrscher der Unterwelt, sagte: „Weil in der Welt der Lebenden ständig neue Jugendliche zu den Wesen hinzukommen, die das Gebot gegen sexuelles Fehlverhalten verletzen. Sie schauen pornografische Websites, optische Datenträger und Veröffentlichungen an, befriedigen sich selbst und so weiter. Ihre Lebenszeit in der Menschenwelt ist jedoch noch nicht abgelaufen. Da dieses Verhalten sowohl die Tugend als auch den Körper schädigt, muss es streng bestraft werden. In der Menschenwelt gibt es keine Gesetze, die dieses schwerwiegende Fehlverhalten unter Strafe stellen. So bleibt nur mir als Herrscher, die Höllen auszubauen und die Seelen der Lebenden festnehmen zu lassen, um diese karmischen Folgen abzugelten. Unsere Unterwelt wird seit Jahren ununterbrochen ausgebaut, und auch die Arbeitslast nimmt ständig zu. Gemessen daran ist diese Hölle der Peitschen und Stöcke noch immer viel zu klein. Wie sollte sie die unzähligen schuldigen Seelen aufnehmen können, die täglich hereinströmen? Ich sage Ihnen: Menschen, die in der Welt der Lebenden ihre öffentlichen Pflichten erfüllen und die Gesetze achten, die buddhistischen Gebote halten und in hohem Maße Gutes tun, kann die Unterwelt nicht festnehmen. Wer jedoch irgendeine Tat begangen hat, die gegen die Gebote oder die Gesetze verstößt, entgeht gewiss nicht meinem Register über Leben und Tod, Gut und Böse. Den Gesetzen der Welt der Lebenden kann man leicht entkommen, den Gesetzen der Unterwelt jedoch nicht. Auf eine solche Ursache folgt eine solche Wirkung. Bis in den letzten Winkel der Erde werden die Geisterschergen der Unterwelt Sie aufspüren können, sofern Sie nicht frei von Gebotsverletzungen und Vergehen sind. Ayu, erfüllen Sie Ihre Aufgabe als Überbringerin dieser Botschaft gewissenhaft. Diesmal gewährt die Unterwelt Nachsicht und legt alle himmlischen Geheimnisse offen, damit die Menschen die Wahrheit über die Hölle erfahren. Wir hoffen damit, dass die Wesen ihren Irrweg erkennen und umkehren, Gutes tun und Tugend ansammeln. Dadurch sollen die großen Katastrophen gemindert oder beseitigt werden, die in der Welt der Lebenden durch allerlei schweres böses Karma ausgelöst werden, damit die Lebewesen nicht ins Elend gestürzt werden. Ermahnen Sie nach Ihrer Rückkehr alle Menschen, die fünf Grundtugenden und die acht Tugenden gewissenhaft zu wahren, nicht gegen die Gesetze ihres Landes zu verstoßen, ihren Eltern mit kindlicher Pietät zu dienen, Lehrer und Ältere zu achten, moralische Integrität und Anstand zu wahren und keine weiteren Ursachen für die Vergeltung in der Hölle zu schaffen. Nun gut, ich habe noch Amtsgeschäfte zu erledigen. Kehren Sie zunächst in die Welt der Lebenden zurück.“40 Dank sei Ihnen, Yanwang! Dank sei Ihnen, Richter der Unterwelt! Amitābha! 11. Der Richter der Unterwelt antwortete ernst: „Unser Herrscher der Unterwelt hat gesehen, dass in der Welt der Lebenden bereits mehr verderbliches Qi freigesetzt wurde, als sie verkraften kann!“ Dankbar bin ich für den Segen aller Buddhas! Beinahe hätte ich heute keinen Bericht schreiben können. In den letzten Tagen gab es viele Hindernisse, die mich, Ayu, davon abhalten sollten, in die Hölle zu gehen. Kaum war eine Welle verebbt, erhob sich schon die nächste. Zuerst gab es Probleme mit dem Computer, sodass ich nicht mehr tippen konnte. Danach nutzten nichtmenschliche Wesen meinen Schlaf, um mich heftig zu stören und meine Lebenskraft aufzuzehren. Da bekam ich bereits leichtes Fieber und Kopfschmerzen und fühlte mich ziemlich erschöpft. Heute Morgen hatte ich schon eine richtige Erkältung. Wenn ich erkältet bin, brauche ich selbst bei eifriger Mantrarezitation jedes Mal mindestens sieben Tage, um wieder gesund zu werden; andernfalls dauert es einen halben Monat. Gerade eben sagte ich mir mit der Kraft meiner Gedanken, dass ich heute bestimmt nicht krankheitsbedingt ausfallen würde. Ich musste unbedingt in die Hölle gehen und den Bericht schreiben und glaubte fest daran, dass ich es schaffen konnte. Also setzte ich mich hin und begann, das Pfauenmantra zu rezitieren. Nach ungefähr 30 Minuten war das Fieber zurückgegangen, meine Nase lief nicht mehr, mein Hals tat allmählich weniger weh, und auch die Kopfschmerzen waren verschwunden. Die Erkältung begann bereits abzuklingen. Unendlich dankbar bin ich für den Segen des Pfauen-Weisheitskönigs und aller Buddhas der zehn Richtungen. Ich, Ayu, werde gewiss mein Möglichstes tun, um diese heilige Arbeit gut auszuführen und so die Güte des Buddha zu vergelten! Andernfalls wäre ich des Beistands aller Buddhas nicht würdig!43 Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf. Richter der Unterwelt, Amitābha! Heute führte mich der Richter der Unterwelt zur Besichtigung einer weiteren Hölle für sexuelles Fehlverhalten: der Hölle der Schattenseelen und Schwertblumen. Ich fragte den Richter der Unterwelt: „Was ist die Hölle der Schattenseelen und Schwertblumen?“ Der Richter der Unterwelt antwortete ernst: „Diese Hölle ist für Wesen, deren Lebenszeit in der Menschenwelt noch nicht abgelaufen ist und die dort der Selbstbefriedigung und dem sexuellen Fehlverhalten verfallen sind. Die Männer wechseln täglich oder häufig absichtlich ihre Sexualpartnerinnen und sind auch noch stolz darauf; die Frauen wechseln täglich oder häufig absichtlich ihre Sexualpartner und halten sich dafür auch noch für besonders großartig. Solche Wesen, die das Gebot gegen sexuelles Fehlverhalten verletzen und diesem Verhalten verfallen sind, stören schwerwiegend das Gleichgewicht des aufrechten Yin- und Yang-Qi zwischen Himmel und Erde. Denn bei jedem Geschlechtsakt setzen die Gedanken der Wesen viel Qi des Verlangens nach sexuellem Fehlverhalten frei. Dieses verderbliche Qi lockt Geister, Geistwesen und dergleichen an. Die Menschen, die den Geschlechtsakt vollziehen, werden im Verborgenen geschädigt, ohne es selbst zu bemerken. Wenn dieses verderbliche Qi in zu großer Menge auftritt und zu stark wird und sich zu einer ungeheuer großen Macht verdichtet, treten in der Menschenwelt zwangsläufig unzählige Katastrophen verschiedenster Art auf, um dem entgegenzuwirken und das Gleichgewicht wiederherzustellen. Die Menschen verletzen die natürlichen Gesetze des Universums schwerwiegend, doch in der Welt der Lebenden gibt es dafür keine gesetzlichen Sanktionen. Die Gesetze einiger westlicher Länder befürworten sogar die Legalisierung des unverheirateten Zusammenlebens und Ähnliches. Die Urheber solcher Gesetze müssen unermessliche, grenzenlose karmische Vergeltung in der Hölle erleiden. Erst wenn diese Gesetze in der Welt der Lebenden vollständig aufgehoben sind, können ihre karmischen Folgen in der Hölle abgegolten sein. Wie es heißt: Bodhisattvas fürchten die Ursachen, gewöhnliche Menschen fürchten die Folgen. Alles, was wir jeden Tag tun, muss mit dem Gesetz von Ursache und Wirkung im Einklang stehen. Wir müssen uns hüten, durch einen Augenblick der Unachtsamkeit üble Vergeltung in späteren Leben auf uns zu ziehen. Unser Herrscher der Unterwelt hat gesehen, dass in der Welt der Lebenden bereits mehr verderbliches Qi freigesetzt wurde, als sie verkraften kann. Ein großer Teil dieses bösen Karmas wurde zudem von minderjährigen Jugendlichen geschaffen. Deshalb hat unser Herrscher der Unterwelt dort weitere und neuartige Höllen errichten lassen, um solche Wesen zu bestrafen, die die Gebote verletzt haben, deren Lebenszeit aber noch nicht abgelaufen ist. Indem die Seelen lebender Menschen zur Bestrafung in die Hölle geholt werden, hofft er, die Menschen zu warnen und ihr schuldhaftes Karma zu tilgen. Dadurch lässt sich auch die Dauer der Strafen verkürzen, die sie nach ihrem Tod in der Hölle erleiden müssen.“ Vielen Dank, Richter der Unterwelt, für Ihre ausführliche Erklärung. Ich, Ayu, habe wieder viel gelernt. Ich danke Ihnen wirklich sehr! Als ich die Hölle der Schattenseelen und Schwertblumen erreichte, sah ich, dass auch diese Hölle sehr weitläufig war. Es befanden sich viele kleine Kinder darin, besonders aus westlichen Ländern, die ebenfalls bestraft wurden. Es waren wirklich unglaublich viele! Sie kamen zum Beispiel aus Großbritannien, den USA, Frankreich und auch aus China. Kurzum, Menschen nahezu jeder Nationalität und Volksgruppe waren zu sehen. [Redaktionelle Auslassung: Viele Jungen werden von Höllenwächtern hinausgezerrt und mit eisenblumenartigen Geräten schmerzhaft bestraft. Weibliche Geister werden mit solchen, stark erhitzten Geräten bestraft; sie schreien. Diese Stelle ist eine nichtgrafische Zusammenfassung; explizite sexualisierte Verletzungen werden nicht wiedergegeben.] Hier waren so viele Verurteilte, und ihr Weinen und Schreien war ohrenbetäubend. Es zu hören war mir äußerst unangenehm. Nachdem ich nur kurz zugesehen hatte, verließ ich den Ort sofort; innerlich war ich tief erschüttert. Wenn ich nicht meinen Teil dazu beitragen wollte, die Menschen zu warnen, würde ich, Ayu, keinesfalls hierherkommen! Die Wesen in der Welt der Lebenden, die diese Strafe erleiden, fühlen sich, als hätten sie Fieber. Sie liegen im Bett und schlafen benommen und verwirrt. Weil ihre drei Hun-Seelen in die Hölle geholt worden sind, können diese Menschen auch kein normales Leben führen. Manche glauben, sie hätten einen Albtraum, doch es ist noch viel qualvoller als ein Albtraum. Die meisten können die körperlichen Schmerzen spüren, besonders die heftigen Schmerzen im Unterleib und das unerträgliche starke Stechen. Ein kleiner Teil wird nach der Bestrafung in der Hölle durch die körperlichen Schmerzen aufgerüttelt und bessert sich daraufhin. Der Richter der Unterwelt sagte, dass Yanwang diesen großen gesellschaftlichen Problemen erhebliche Bedeutung beimesse. Die Bestrafung der schuldigen Seelen solle verhindern, dass die weitere Ausbreitung schlechter Sitten schwere Katastrophen über die Welt der Lebenden bringt. Ich, Ayu, möchte den Richter der Unterwelt noch etwas fragen: „Warum scheinen die Strafen in diesen Höllen für sexuelles Fehlverhalten alle so modern zu sein? Es gibt sogar Computer als Foltergeräte, leuchtende Eisspiegel und ähnliche Dinge.“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Die Hölle ist das Spiegelbild der Menschenwelt. Sobald die Wesen in der Menschenwelt moderne Dinge hervorbringen, mit denen die Gebote verletzt werden, werden in der Hölle sofort entsprechende Foltergeräte geschaffen, um diese Wesen zu bestrafen. Wie fortschrittlich sind heute die kosmetischen Verfahren in der Welt der Lebenden! Man braucht nur etwas Geld auszugeben und kann jederzeit sein gesamtes Aussehen von Kopf bis Fuß verändern, ohne dass jemand davon weiß. In der Welt der Lebenden mag man damit erfolgreich täuschen und entkommen. Doch gegenüber den Gesetzen der Unterwelt hilft selbst ein verändertes Aussehen nicht. Sogar wenn jemand bereits über mehrere Leben hinweg wiedergeboren wurde, kann unser Herrscher der Unterwelt ihn sofort aufspüren und zur Hinrichtung zurückbringen lassen. Ayu, ermahnen Sie nach Ihrer Rückkehr die Wesen in der Welt der Lebenden eindringlich: Sie müssen ihre öffentlichen Pflichten erfüllen und die Gesetze achten, ihren Eltern mit kindlicher Pietät dienen und Menschlichkeit, Rechtschaffenheit, Anstand, Weisheit und Vertrauenswürdigkeit pflegen. Sie dürfen dies nicht als veraltete, abgedroschene Redensarten abtun. Sie müssen wissen, dass dies die Gesetze sind, die das normale Wirken von Himmel und Erde im Gleichgewicht halten. Wer sie nicht befolgt, wird von der Natur ausgesondert und durch Ursache und Wirkung bestraft. Nun gut! Für heute ist es genug. Kehren Sie bitte zunächst zurück und kommen Sie ein anderes Mal wieder.“ Ich, Ayu, werfe mich ehrerbietig nieder und verabschiede mich vom Richter der Unterwelt! 12. Die Hölle der Zahnräder, Wölfe und Schlangen Dankbar bin ich für den Beistand der Kraft des Buddha! Es gibt wirklich so vieles, wofür ich dankbar bin! Dank sei dem Buddha! Dankbar bin ich für die Schriften der unübertroffenen großen Lehre, die der Buddha hinterlassen hat! Ich, Ayu, liebe die buddhistischen Schriften und studiere besonders gern unmittelbar die ursprünglichen Sutren. Dabei ist mir, als nähme ich selbst an einer Dharma-Versammlung teil, als befände ich mich vor 2.500 Jahren auf dem Geierberg in Indien und hörte persönlich, wie der Buddha die unübertroffenen, wunderbaren Dharma-Worte des Erwachens darlegt. Dieses Gefühl lässt sich mit schlichten Worten nicht beschreiben. Am besten studiert ihr alle regelmäßig die ursprünglichen Sutren. Darin findet ihr Antworten auf so viele tiefgründige und wunderbare Fragen des Lebens. In all seinen Schriften lehrt uns der Buddha, wie wir selbst zu guten Menschen werden können. Die Gebote zu halten ist eine Ursache für das Erwachen. Jedes Detail der Übung in den sechs Vollkommenheiten und den zehntausend Praktiken, des unermüdlichen Übens bis hin zur Verwirklichung des unübertroffenen, rechten und vollkommenen Erwachens wird darin sehr klar erklärt. Anfangs verstehen manche Dharma-Gefährten vielleicht noch nicht, was die Schriften bedeuten. Das macht aber nichts. Solange man sie beharrlich jeden Tag weiter studiert, wird man sie ganz gewiss allmählich verstehen lernen. Am wichtigsten ist es, täglich dranzubleiben. Als ich, Ayu, mit dem Studium begann, empfand ich jede Lektüre als außerordentlich erhaben. Doch danach hatte ich sofort wieder alles vergessen. In meinem Kopf blieb nur, wie erhaben es gewesen war; was der Inhalt gewesen war, konnte ich nicht sagen. Meine karmischen Hindernisse waren schwer! Weil ich die Schriften aber liebte, wollte ich sie auch dann täglich rezitieren, wenn ich alles wieder vergaß. Nachdem einige Jahre so vergangen waren, stellte ich fest, dass ich mir allmählich manches merken konnte oder unter anderen zeitlichen und räumlichen Umständen ganz von selbst bestimmte Einsichten gewann. Deshalb ist Beharrlichkeit so wichtig. Mögen wir alle die Zeit nutzen, in der wir noch einen gesunden menschlichen Körper haben! Wir müssen viel in den Schriften studieren. Das menschliche Leben ist vergänglich. Bleibt ein einziger Atemzug aus, ist schon das nächste Leben da. Wenn wir die Güte des Buddha wirklich vergelten wollen, müssen wir ernsthaft praktizieren und die Gebote halten. Erst dann sind wir wahrhaft buddhistische Schüler! Lasst uns alle gemeinsam eifrig danach streben, die Gebote zu halten!44 Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ich, Ayu, lege vor dem Richter der Unterwelt die Hände zusammen! Heute führte mich der Richter der Unterwelt zur Besichtigung einer Hölle der Zahnräder, Wölfe und Schlangen. Die Wesen, die hier bestraft werden, sind Männer, die zu Lebzeiten gern mit zwei Frauen gleichzeitig Geschlechtsverkehr hatten, oder Frauen, die mit zwei Männern gleichzeitig Geschlechtsverkehr hatten. Wir waren angekommen, und wieder hörte ich heftige Schmerzensschreie! Ich sah einen nackten Mann, der an ein drehbares Rad gefesselt zu sein schien. Zu beiden Seiten des Rades befanden sich zwei geschmeidige Schlangen, die beinahe an ihm klebten. Eine war rot, die andere dunkelblaugrün. Eine Schlange umschlang ihn fest und ließ ihn nicht los. Sie biss ihm in den Kopf, ins Gesicht und in die Ohren und riss Stück um Stück heraus. Überall auf dem Boden war Blut. Die andere Schlange biss ihm in den Unterleib. Der Mann schien unter äußersten Qualen zu leiden und heulte vor Schmerz. Dann sah ich die Frau daneben an. Auch sie war nackt an ein drehbares Rad gefesselt. Zu beiden Seiten des Rades standen zwei äußerst wilde eiserne Wölfe, die sie unablässig zerfleischten. Ein Wolf biss ihr in die Brust, der andere in den Unterleib. Die Frau schrie laut um Hilfe, doch niemand kümmerte sich um sie. Es war ein überaus blutiger Anblick. Die beiden Wesen, der Mann und die Frau, waren noch nicht sehr alt. Sie waren erst in den Dreißigern und mussten bereits in der Hölle Vergeltung erleiden. Wie erbarmungswürdig! Der Richter der Unterwelt sagte mit strenger Miene zu mir: „Solche Wesen schädigen nicht nur ihr eigenes geistiges Wesen, sondern verderben auch die gesellschaftlichen Sitten schwerwiegend. Deshalb muss die Unterwelt sie unbedingt streng bestrafen. Sie müssen hier 500 Jahre lang bestraft werden und werden danach in andere Höllen überstellt, um dort gerichtet zu werden. Auch die Zahl solcher Wesen nimmt heute immer weiter zu. Diese Hölle wurde vor Kurzem erneut vergrößert. Sie müssen künftig häufiger zur Besichtigung kommen. Neben dieser Hölle für sexuelles Fehlverhalten müssen Sie auch andere Höllen besichtigen und ihre tatsächlichen Zustände aufzeichnen, damit das Buch möglichst bald gedruckt werden kann. Es soll den Wesen in der Welt der Lebenden zugutekommen, damit sie so früh wie möglich vom Bösen ablassen und bereuen, Gutes tun und Segnungen ansammeln. So können sie die Gefahr verringern, in die Hölle zu kommen, und die Katastrophen in der Welt der Lebenden vermindern.“ Ja, Richter der Unterwelt, ich, Ayu, werde Ihrer Weisung folgen! Ich werde gewiss mit all meiner Kraft daran arbeiten. Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück. 13. Die erste Begegnung mit dem obersten Befehlshaber der Unterwelt, dem Kaiser von Fengdu In das Schreiben dieses Buches, „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“, habe ich, Ayu, wirklich all meine Kraft gelegt! Zwar habe ich nicht viel Schulbildung, und mein Schreibstil ist schlicht und unbeholfen. Doch mein beständiger Wunsch, dass alle fühlenden Wesen die buddhistischen Gebote gewissenhaft halten, ist vollkommen aufrichtig. Vor Kurzem habe ich gesehen, wie eine Dharma-Schwester Lehrer Tan immer wieder verleumdete. Sie trat äußerst angriffslustig auf und ließ mit ihren Worten keinerlei Spielraum! Lehrer Tan hat mir viel Gutes erwiesen. Aus seinen Texten habe ich viele lebendige Einsichten in die buddhistische Lehre gewonnen, und dafür bin ich ihm sehr dankbar! Außerdem hat Yanwang, der Herrscher der Unterwelt, Lehrer Tan persönlich mit der Manuskriptprüfung von „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ beauftragt, und er hat freudig zugesagt. Wenn es darum geht, fühlenden Wesen zu helfen, sich vom Leid zu lösen und Glück zu erlangen, wird der Lehrer gewiss nichts ablehnen. Sollte die Veröffentlichung und Verbreitung von „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ durch solche Verleumdungen beeinträchtigt werden, wäre das ein äußerst ernstes Problem. Deshalb möchte ich meinen Teil beitragen und dem Lehrer gerade jetzt zur Seite stehen. Ich werde den Richter der Unterwelt persönlich aufsuchen und ihn bitten, alles zu erläutern. Dankbar für den Beistand durch Buddhas Kraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf. Ich lege vor dem Richter der Unterwelt die Hände zusammen! Heute möchte ich den Richter der Unterwelt fragen: „Ist das, was Lehrer Tan lehrt, der rechte Dharma?“ Der Richter der Unterwelt antwortet: „Was Lehrer Tan lehrt, ist der rechte Dharma. Daran brauchst du nicht zu zweifeln. Wie hätte ihn der Herrscher der Unterwelt sonst mit der Manuskriptprüfung beauftragen können? Ayu, mit einer solchen Frage scheinst du die Weisheit des Herrschers der Unterwelt zu missachten.“ „Ach! Es tut mir leid, Richter der Unterwelt! Meine Frage war falsch. Bitte vergeben Sie mir mein Vergehen.“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Als der Buddha damals unter dem Bodhi-Baum unmittelbar vor seiner Buddhaschaft stand, kam Māra und störte ihn aufs Heftigste. Mit seiner Sammlungskraft im Samādhi und der erhabenen geistigen Macht seiner aus Mitgefühl erwachsenen Verdienste schlug der Buddha Māras Heer zurück. Māra musste sich damals geschlagen zurückziehen, gelobte aber beim Rückzug: ‚Jetzt kann ich deine Sammlungskraft nicht zerstören. Doch wenn in Zukunft die Zeit des Niedergangs des Dharma kommt, werde ich meine Kinder und Kindeskinder aussenden. Sie werden deine Gewänder tragen und deinen Dharma zerstören.‘ Erst dann zog Māra zornig davon. Der Buddha vergoss damals Tränen des Mitgefühls. Tatsächlich sorgte er sich nicht darum, dass Māra den rechten Dharma zerstören könnte. Vielmehr empfand er Mitgefühl mit Māras Kindern und Kindeskindern, weil sie nach der Zerstörung der buddhistischen Lehre und der Verleumdung des rechten Dharma unermessliche, grenzenlose karmische Vergeltung in den Höllen erleiden würden. Vor seinem Eintritt ins Nirvāṇa unterwies der Buddha seine Schüler auch darin, dass die Buddha-Schüler späterer Zeiten die Gebote zum Lehrer nehmen und sich auf den Dharma, nicht auf Personen stützen müssen. Entscheidend ist, ob das, was jemand lehrt, mit den buddhistischen Sutren übereinstimmt. Im Śūraṅgama-Sūtra heißt es: ‚Was mit dieser meiner Darlegung übereinstimmt, wird als Wort des Buddha bezeichnet; was damit nicht übereinstimmt, ist das Wort Pāpīyas’.‘ Schon in der Zeit des wahren Dharma, als der Buddha noch anwesend war, kamen Dämonen, um zu stören. Wie viel mehr gilt dies jetzt, in der Zeit des Niedergangs des Dharma, in der falsche Lehrer, die ihre Lehren verkünden, so zahlreich sind wie die Sandkörner des Ganges! Wo der rechte Dharma ist, wird es gewiss auch Dämonen geben. Auch das ist auf dem Weg der Übung eine Prüfung und eine Gelegenheit, den Geist zu läutern und weiterzuentwickeln. Selbst der Buddha wurde damals von seinem jüngeren Vetter väterlicherseits Devadatta verleumdet, der ihn überall zu behindern und ihm zu schaden suchte. Später kam Devadatta hierher in die Hölle, um seine Strafe zu erleiden.“45 Plötzlich erscheint ein Beamter der Unterwelt und meldet: „Der Kaiser von Fengdu hat befohlen, die Lebende Shangguan Yuhua unverzüglich zu einer Audienz vorzuladen.“ Ach! Ich erschrecke heftig! Der Kaiser von Fengdu ist der höchste Herrscher hier und will mich sehen. Was für eine große Sache ist geschehen? Sofort mache ich mich mit dem Richter der Unterwelt auf den Weg. Wir erreichen die große Halle! Sogleich knie ich nieder, um dem Kaiser von Fengdu meine Ehrerbietung zu erweisen. „Ich, Shangguan Yuhua, eine einfache Frau aus der Welt der Lebenden, aus dem Land Zhendan auf dem südlichen Kontinent Jambudvīpa, verneige mich bis zum Boden vor dem Kaiser von Fengdu! Möge der Kaiser von Fengdu mir meine Vergehen vergeben.“46 Der Kaiser von Fengdu, den ich vor mir sehe, trägt ein Hofgewand und eine kostbare Krone auf dem Kopf. Er sitzt auf einem hohen Thron. Sein Gesicht ist tiefschwarz, sein Ausdruck außerordentlich streng. Sein Anblick flößt Ehrfurcht und Angst ein. Ich bleibe die ganze Zeit in der großen Halle knien, stehe nicht auf und wage nicht einmal, den Kopf zu heben und zu ihm aufzublicken. Da beginnt der Kaiser von Fengdu zu sprechen: „Ich kenne bereits den Grund deines Kommens und habe dir deshalb gnädig eine Audienz gewährt. Herr Tan in der Welt der Lebenden, der unter dem Namen Wenshu Mojie schreibt, verkündet den rechten Dharma. Er unterweist die fühlenden Wesen in der Zeit des Niedergangs des Dharma und läutert die Herzen der Menschen. Inzwischen ist die Welt der Lebenden an einem Punkt angelangt, an dem die moralischen Vorstellungen von Tag zu Tag weiter verfallen. Es fehlt in schwerwiegendem Maße an Unterweisung über Ursache und Wirkung. Die Menschen wissen nicht, was es bedeutet, dass Gutes mit Gutem und Böses mit Bösem vergolten wird. Deshalb verbreiten sie völlig ungehemmt freizügige Vorstellungen, töten Lebewesen, begehen sexuelles Fehlverhalten und verleumden andere Menschen. Sie halten das für Meinungsfreiheit und ahnen nicht, dass sie sich damit bereits der Verleumdung anderer und der heiligen Lehre schuldig gemacht haben. Was Herr Tan lehrt, ist der rechte Dharma, der die Herzen der Menschen retten und sie dazu führen soll, sich zum Besseren zu wenden, ihre Fehler zu berichtigen und neu anzufangen. Jedem, der den vom Buddha verkündeten rechten Dharma schützt und unterstützt, kann ich zusätzliche Verdienste anrechnen und ihn entsprechend belohnen. Wer sein Leben lang den Lehren des Buddha folgt und nicht dagegen verstößt, braucht gewiss nicht in die Hölle zu kommen und zu leiden, auch wenn er die Lehre nicht verbreitet, sondern nur selbst praktiziert. Wer sie nicht nur selbst ein Leben lang ohne Verstoß praktiziert, sondern auch anderen davon erzählt, sodass sie weiter verbreitet wird, wird gewiss zusätzliche Segnungen und eine längere Lebensspanne erhalten. Diese Segnungen werden auch seinen Nachkommen zugutekommen. Wer dagegen selbst nicht praktiziert und darüber hinaus absichtlich zerstört und verleumdet, wird unweigerlich schon in diesem Leben Segnungen und Lebenszeit einbüßen. Nach dem Ende seiner Lebensspanne kommt er in die Hölle des Zungenausreißens und in die Hölle des Heulens und muss außerdem Höllenqualen wie das Ausstechen der Augen, das Zerstören des Herzens und das Abhacken der Ohren erleiden. Was die Dauer der Strafe betrifft, so muss er warten, bis alle fühlenden Wesen, die diesen den rechten Dharma verleumdenden Worten Glauben geschenkt haben, erneut rechten Glauben entwickeln und wieder beginnen, den rechten Dharma zu praktizieren. Erst dann hat diese schuldige Seele, die ihn verleumdet hat, eine Möglichkeit, die Hölle zu verlassen. Wird sie danach wieder als Mensch geboren, so erleidet sie eine niedrige Geburt oder unvollständige Sinnes- und Körperorgane, Blindheit auf beiden Augen, Taubheit oder einen ausgemergelten Körper; oder sie erfährt harte Vergeltung in Form von Armut und niedrigem Stand, schlechten Lebensbedingungen, Mangel an Gütern, familiärer Zwietracht und allerlei Fehlschlägen. Kehre rasch zurück und schreibe meine Worte auf. Ich hoffe, damit die in ihrer Verblendung verharrenden fühlenden Wesen dazu zu bewegen, den rechten Dharma nicht zu verleumden, umzukehren und ihre Vergehen zu bereuen.“ Ich werfe mich ehrerbietig nieder und danke dem Kaiser von Fengdu, Yanwang und den hohen Richtern der Unterwelt! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück. 14. Die elektrischen Leuchtschirme – eine neue Hölle, die elektrische Eisnadeln abschießt Dankbar für den Beistand durch Buddhas Kraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf. Ich lege vor dem Richter der Unterwelt die Hände zusammen! Der Richter der Unterwelt sagt, dass er mich heute zur Besichtigung der Hölle der elektrischen Leuchtschirme führen wird. Was ist die Hölle der elektrischen Leuchtschirme? Sie ist für jene bestimmt, die sich zu Lebzeiten der Herstellung pornografischer Publikationen, optischer Datenträger, Bilder, Kurzfilme, Tonaufnahmen, Äußerungen und dergleichen schuldig gemacht haben – kurz, pornografischer Produkte, die bei den fühlenden Wesen in der Welt der Lebenden schlechte Fantasien oder unmittelbar Gedanken an sexuelles Fehlverhalten hervorrufen können. Sie stellen solche Produkte absichtlich auf Internetseiten, damit die fühlenden Wesen sie nach Belieben ansehen können, verderben dadurch deren Gedanken und bringen sie so dazu, sich karmisch durch sexuelles Fehlverhalten schuldig zu machen. Auch fühlende Wesen, die solche pornografischen Produkte, welche die Gedanken anderer verwirren, gern auf Internetseiten weiterverbreiten, müssen nach dem Ende ihrer Lebensspanne zur Bestrafung in diese Hölle kommen. Alle fühlenden Wesen, die in dieser Hölle Strafe erleiden, müssen dort bleiben, bis die von ihnen hergestellten pornografischen Produkte vollständig und restlos von den Internetseiten verschwunden sind. Auch jene, die sie weiterverbreitet haben, müssen warten, bis die davon beeinflussten fühlenden Wesen dem Bösen abschwören und zum rechten Weg zurückkehren und fortan kein sexuelles Fehlverhalten mehr begehen, das durch das Betrachten solcher pornografischen Produkte ausgelöst wurde. Erst dann können sie diese Hölle verlassen. Ich frage den Richter der Unterwelt: „In dieser Hölle sind ja ziemlich viele Menschen! Gibt es so viele Hersteller?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Alle fühlenden Wesen, die solche Inhalte weiterverbreiten, machen sich desselben Vergehens schuldig und müssen in dieser Hölle Strafe erleiden. Natürlich ist ihre Schuld dennoch etwas geringer als die der Hersteller. Internetseiten können innerhalb kurzer Zeit zahllose unschuldige, unwissende Kinder vergiften und ihren Weg der seelischen Entwicklung schwer beschädigen. Die Entwicklung der jungen Seele jedes Menschen legt den Grundstein für sein Verhalten als Erwachsener. Doch die Menschen von heute haben schon in ganz jungen Jahren derart schlechte Neigungen. Wie es im Kṣitigarbha-Sūtra heißt: ‚Treffen sie auf schädliche Bedingungen, nimmt das Böse mit jedem Gedanken weiter zu.‘ Gewohnheit wird zur zweiten Natur. Wenn sie erwachsen sind, fällt es ihnen sehr schwer, Reue zu entwickeln und ihre Fehler zu berichtigen, es sei denn, sie begegnen einem großen geistigen Lehrer, der sie zum Guten führt. In der heutigen Welt entwickelt sich die Computertechnik Tag für Tag weiter. Da es den Kindern an Unterweisung über Ursache und Wirkung fehlt, sehen sich bereits zahllose Minderjährige täglich solche pornografischen Produkte auf Internetseiten an. Für all diese Ursachen und Folgen müssen die Hersteller solcher pornografischen Produkte und die fühlenden Wesen, die sie weiterverbreiten, Verantwortung tragen. Deshalb hat die Unterwelt eigens diese Hölle errichtet, um solche fühlenden Wesen streng zu bestrafen.“ Ich sehe die fühlenden Wesen in dieser Hölle. Sie gehen alle völlig nackt auf die einzelnen Computer zu. Was sie in den Computern sehen, sind ausschließlich pornografische Produkte; ich hingegen sehe Folterinstrumente in Gestalt von Computern. Diese Computer scheinen feuerrot zu leuchten. Wenn sich die schuldigen Seelen ihnen lüstern nähern, schießen feuerrote Haken aus den Computern und reißen ihnen sofort beide Augen heraus. Außerdem durchbohren elektrische Eisnadeln sie so, dass sie am ganzen Körper bluten. Zuerst stechen sie in den Kopf und dann immer weiter abwärts, bis der ganze Körper davon übersät ist. Es ist ein entsetzlich grausamer Anblick! Solche Qualen müssen sie auch noch auf unbestimmte Zeit ertragen, bis die pornografischen Produkte vollständig aus der Welt verschwunden sind. Das ist wahrhaftig unermessliches, grenzenloses Leid! Verlassen wir diese Hölle lieber erst einmal! Ich kann diesen schrecklichen Anblick nicht ertragen! Der Richter der Unterwelt erklärt weiter: „Ayu, noch bevor ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ als Buch erscheint, sollst du den Inhalt vorab auf Internetseiten veröffentlichen. So können fühlende Wesen, die eine entsprechende karmische Verbindung haben, einander davon erzählen und ihn weiterverbreiten, damit die Herzen der Menschen geläutert werden. Im persönlichen Register der guten und bösen Taten, das die Unterwelt für jedes fühlende Wesen führt, wird denen, die den Inhalt weiterverbreiten, eine große gute Tat verzeichnet. Ihr Verdienst ist dem der Ehrerbietung und Fürsorge gegenüber den Eltern vollkommen gleich. Unter den zahllosen Übeln steht die sexuelle Ausschweifung an erster Stelle; unter den hundert tugendhaften Handlungen gebührt der Ehrerbietung gegenüber den Eltern der Vorrang. Mein Gebieter, der Herrscher der Unterwelt, schätzt und lobt unter den Menschen der Welt der Lebenden ganz besonders jene, die ihren Eltern Ehrerbietung und Fürsorge entgegenbringen. Für heute ist es genug. Kehre nun zurück.“ Mit zusammengelegten Händen verabschiede ich mich ehrerbietig vom Richter der Unterwelt! Ich kehre auf der weißen Lotusblüte zurück. 15. Ein Blick hinter den geheimnisvollen Schleier des Lebens im Wohnviertel der gewöhnlichen Bewohner der Unterwelt Seit „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ erschienen ist, halten manche Menschen die Texte für das Ergebnis von Geisterschrift mit einer Planchette oder von Besessenheit. Deshalb muss ich hier noch einmal betonen: Nachdem ich mich zur Meditation niedergesetzt habe und zur Ruhe gekommen bin, muss mein Geist frei von ablenkenden Gedanken sein, damit ich meine geistige Kraft sammeln kann! Dann gelange ich dank des Beistands der Kraft des Buddha in vollkommen klarem Bewusstseinszustand auf einer weißen Lotusblüte in einem einzigen Augenblick in die Hölle. Der Inhalt von „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ wurde also durch wiederholte Reisen in die Hölle überprüft und ist als Informationsquelle von sehr hohem Wert! Sollte etwas falsch sein, liegt es daran, dass meine spirituelle Übung noch begrenzt ist und ich deshalb etwas falsch gehört habe. Doch mein Wunsch, für die Buddhas und Bodhisattvas tätig zu sein und zum Wohl aller fühlenden Wesen die Gebote zu halten, ist vollkommen aufrichtig!47 „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ unterscheidet sich somit grundlegend von Werken, die durch volkstümliche Geisterschrift mit einer Planchette, Besessenheit, Qiling oder Träume entstanden sind. Ich bitte alle Leserinnen und Leser, dies zu beachten.48 Dankbar für den Beistand durch Buddhas Kraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf. Ich lege die Hände zusammen und begrüße den Richter der Unterwelt ehrerbietig! Heute möchte ich den Richter der Unterwelt fragen: „Gehört das Wohngebiet der einfachen Bewohner der Unterwelt zum Daseinsbereich der Geister?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Das Wohngebiet der einfachen Bewohner gehört zum Daseinsbereich der Geister. Es ist für fühlende Wesen bestimmt, die zu Lebzeiten als Menschen weder gut noch schlecht waren, weder besonders große gute noch besonders große böse Taten begangen und ihr ganzes Leben unauffällig verbracht haben. Wenn ihre Lebensspanne endet, werden sie zunächst vom Schwarzen und vom Weißen Wuchang in die große Gerichtshalle geführt, wo ihr Register der guten und bösen Taten geprüft wird. Fühlende Wesen ohne Karma, das sie in die Hölle führt, können diesem Wohngebiet zugewiesen werden. Wer großes gutes Karma besitzt, kann dagegen aufsteigen oder zur Wiedergeburt in die Menschenwelt zurückkehren.“49 Heute besichtigen wir also das Wohngebiet der einfachen Bewohner. Ah! Innerhalb eines Gedankens sind wir dort angekommen. Hier fühlt sich alles so sehr viel besser an als in der Hölle. Zumindest muss man keine Strafen erleiden. Die fühlenden Wesen, die ich hier leben sehe, sind denen in der Welt der Lebenden recht ähnlich. Alle sind sehr frei. Die fühlenden Wesen in diesem Wohngebiet können sich frei bewegen und nach Belieben einfache Kauf- und Handelsgeschäfte betreiben. Hier gibt es Erwachsene, Kinder und Geschäfte. Der Himmel ist grau. Es gibt keine Sonne und erst recht keine Sterne und keinen Mond. Ihre Kleidung wirkt dunkel. Sie haben keinen Körper aus Fleisch und Blut. Ihre Gestalt scheint mir etwas schwerelos und schwebend; beim Gehen vermitteln sie nicht das Gefühl von Erdanziehung wie die fühlenden Wesen in der Welt der Lebenden. Das ist einer der Unterschiede. Ich gehe hinüber, um mich umzusehen. Vor mir hat sich eine Gruppe einfacher Bewohner aus dem Daseinsbereich der Geister versammelt. Ah! Es ist ein Verkaufsbereich für Waren aller Art, der sich durch einen langen Gang erstreckt. Dieser Gang ist sehr lang, und auf beiden Seiten stehen Verkaufsstände. An jedem Stand sind zwei oder drei Inhaber tätig, an manchen treibt auch nur einer Handel. Hier gibt es auch einen Bereich mit Speisen. Sehen wir uns an, was sie essen. Ah! Warum stelle ich fest, dass keines ihrer Lebensmittel Wärme besitzt und alles eiskalt ist? Sämtliche Speisen scheinen sehr leicht zu sein. Genauer gesagt: Sie sehen wie Gegenstände aus, doch wenn ich sie in die Hand nehme, spüre ich keinerlei materielles Gewicht. Nimmt man in der Welt der Lebenden ein Glas Wasser in die Hand, spürt man sein Gewicht; bei den Dingen hier fehlt dieses Gefühl. Sehen wir uns nun an, wie die Geistwesen im Wohngebiet Nahrung zu sich nehmen! Es sieht aus, als würden sie die Dinge einsaugen, und zwar sehr schnell. Da höre ich plötzlich, wie eine Standinhaberin nach mir ruft. „Guten Tag! Was ist das denn?“ „Das ist eine frisch zubereitete kühlende und befeuchtende Suppe. Wenn Sie sie getrunken haben, brauchen Sie erst nächstes Jahr wieder davon zu trinken.“ Wow! Einmal im Jahr trinken? Nicht einmal Lingzhi hat eine solche Wirkung! Einmal davon zu trinken reicht für ein ganzes Jahr – was für eine gewaltige Nährkraft!50 In diesem Moment berührt die Hand der Standinhaberin meine Hand. Sie sagt: „Fräulein, Ihre Körpertemperatur ist aber hoch! Sie müssen auf sich achten. Kommen Sie, trinken Sie eine Schale! Danach wird Ihre Temperatur sinken, und Sie werden sich wohlfühlen.“ Lächelnd sage ich: „Vielen Dank! Heute möchte ich nichts trinken.“ In der Welt der Lebenden ist meine Körpertemperatur schon seit meiner Kindheit eher niedrig. Hier im Wohngebiet der einfachen Bewohner gilt sie tatsächlich als hoch. Unterwegs sehe ich Geistwesen, die ungehindert einkaufen. Dieses Wohngebiet vermittelt ein eintöniges Gefühl. Auch hier ist noch Yin-Qi zu spüren, doch es ist sehr, sehr viel besser als die Hölle. Ich möchte den Richter der Unterwelt fragen: „Wie lang ist die durchschnittliche Lebensspanne der fühlenden Wesen in diesem Wohngebiet? Nehmen sie ihre Nahrung durch Einsaugen zu sich?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Die kürzeste Lebensspanne beträgt 300 Jahre, die längste 1.500 Jahre. Bei Wesen, die Wurzeln des Guten besitzen und praktizieren, kann die Lebensspanne vorzeitig enden, und sie können in die Menschenwelt oder in die Himmel aufsteigen. Was die Nahrung betrifft, so müssen sie nicht wie die fühlenden Wesen in der Welt der Lebenden jeden Tag drei Mahlzeiten essen. Sie ernähren sich durch Berührung und nehmen dabei die Essenz der Nahrung auf. Eine einzige Mahlzeit kann sie ungefähr ein Jahr lang sättigen. Wenn ihre Nachkommen in der Welt der Lebenden ihnen einmal im April zum Qingming-Fest Opfergaben darbringen, können sie davon ein Jahr lang satt sein. Man muss jedoch unbedingt daran denken, den Vorfahren niemals Fleisch als Opfergabe darzubringen. Dadurch würde sich die karmische Schuld der Vorfahren im Daseinsbereich der Geister vergrößern. Ihre Nachkommen in der Welt der Lebenden sollten vegetarische Speisen, frische Blumen, Obst und dergleichen als Opfergaben verwenden. Am besten ist es natürlich, Sutren zu rezitieren, den Namen des Buddha anzurufen, Verdienste zu sammeln und Gutes zu tun. Diese Verdienste sollten sie den Vorfahren widmen, um ihnen ihre Fürsorge und Erziehung zu vergelten und ihnen zu ermöglichen, bald aus ihrem Dasein befreit zu werden und aufzusteigen. Für heute ist es genug. Vergiss nach deiner Rückkehr nicht, den Menschen zu sagen, dass sie ihren Vorfahren kein Fleisch mehr als Opfergabe darbringen sollen. Fleischopfer lassen die Vorfahren nur leiden.“ Dieser Besuch im Wohngebiet der einfachen Bewohner der Unterwelt hat mir wahrhaftig die Augen geöffnet, meinen Horizont erweitert und mich vieles gelehrt. Wenn Menschen nach dem Tod zu Geistern werden, gibt es tatsächlich einen anderen Lebensraum und eine andere Welt, in der sie ihr noch nicht abgeschlossenes Leben unter karmischer Vergeltung fortsetzen. Ich danke dem Richter der Unterwelt für seine Unterweisung! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich nach Hause zurück. 16. Schöpfer pornografischer Bilder aus der mehr als 1.900 Jahre zurückliegenden Westlichen Han-Zeit sind bis heute in der großen Hölle gefangen und leiden! Ich bin dankbar für die vielfältigen mitfühlenden, geschickten Mittel, mit denen der Buddha die Wesen führt und erlöst und für alle Menschen unterschiedliche Gelegenheiten zur Übung schafft. Wer in der Übung nicht voranschreitet, fällt zurück. Ich schäme mich wirklich: Eigentlich wollte ich gestern Abend in die Hölle gehen, habe es aber wegen meiner Müdigkeit aufgeschoben. Deshalb bitte ich hier vor den Buddhas und Bodhisattvas reumütig um Vergebung. In vielen Sutren lehrt uns der Buddha, wie wir uns eifrig bemühen und die Gebote halten sollen. Ich schäme mich, ich schäme mich! Im Avataṃsaka-Sūtra sagt der Buddha: „Kinder des Buddha! Ein Bodhisattva-Mahāsattva besitzt zehn Arten eifrigen Bemühens. Welche zehn? Eifriges Bemühen, alle fühlenden Wesen zu unterweisen und zu wandeln; eifriges Bemühen, tief in alle Dharmas einzudringen; eifriges Bemühen, alle Welten zu schmücken und zu läutern; eifriges Bemühen, alles zu praktizieren, was die Bodhisattvas lernen; eifriges Bemühen, das Böse aller fühlenden Wesen zu beseitigen; eifriges Bemühen, alles Leid in den drei leidvollen Daseinsbereichen zum Erlöschen zu bringen; eifriges Bemühen, sämtliche Dämonen zu überwinden; eifriges Bemühen um die Verwirklichung des Wunsches, allen fühlenden Wesen ein reines Auge zu sein; eifriges Bemühen, allen Buddhas Gaben darzubringen; eifriges Bemühen, alle Tathāgatas zu erfreuen. Dies sind die zehn. Wenn die Bodhisattvas fest in diesen Dharmas verweilen, erlangen sie die unübertroffene Vollkommenheit des eifrigen Bemühens der Tathāgatas in ihrer ganzen Fülle.“ Ich habe das Gefühl, dass mir beim Lernen und Praktizieren noch immer der nötige Eifer fehlt. Ich muss mich wirklich doppelt anstrengen, um voranzukommen.51 Betrachten wir auch das Kapitel „Versammlung zum Schatz der Bodhisattvas“ im Mahāratnakūṭa-Sūtra. Der Buddha sagt: „Ohne Furcht, ohne Schrecken, ohne Bestürzung, ohne Angst. Sie entfalten die mutige Macht der vier Arten von Standfestigkeit. Sie bemühen sich immer eifriger um die subtilen Dharma-Zugänge des Bodhisattva-Schatzes. Sie geben sie nicht auf, verlassen sie nicht, entfernen sich nicht von ihnen und trennen sich nicht von ihnen. Sie erlangen in vollkommener Fülle kraftvolles gläubiges Verständnis, standfestes gläubiges Verständnis, standfeste Geduld und standfestes rechtes Bemühen. Śāriputra, ich werde dir anhand eines Gleichnisses das geschickte Mittel für standfeste Geduld und standfestes rechtes Bemühen darlegen, damit die Bodhisattvas standfeste Geduld und standfestes rechtes Bemühen erlangen und den Bodhisattva-Weg ohne Rücksicht auf Leib und Leben gehen.“27 Ich schäme mich wirklich. Schon nach einigen aufeinanderfolgenden Reisen in die Hölle bin ich müde. Ich werde der großen Güte der Buddhas und Bodhisattvas, die mich unterweisen und führen, nicht gerecht. Ich muss mich weiter bemühen, die Gebote gewissenhaft halten und eifrig praktizieren, um die Güte der Buddhas und Bodhisattvas zu vergelten. Mögen auch alle anderen grenzenlose Kraft erlangen, sich mutig und eifrig bemühen, im rechten Bemühen voranschreiten und ihre Gebotstreue wie eine leuchtende Perle bewahren. Vor dem Aufbruch entdecke ich eine weitere Lotusblüte unter meinen Füßen. Dank den Dharma-Beschützern! Die Buddhas und Bodhisattvas sind immer mitfühlend! Mit der zusätzlichen Lotusblüte geht es heute sehr viel schneller. In einem einzigen Augenblick bin ich in der Hölle. Ich begrüße den Richter der Unterwelt ehrerbietig; er wartet bereits auf mich. Heute möchte ich den Richter der Unterwelt nach der karmischen Vergeltung für jene fragen, die pornografische Bücher schreiben, drucken oder verkaufen, für die Unternehmer, die pornografische Filme drehen oder pornografische optische Datenträger herstellen, für die Darsteller in pornografischen Filmen und für jene, die Mittel zur Förderung sexuellen Fehlverhaltens, etwa Aphrodisiaka, verkaufen. Der Richter der Unterwelt führt mich sofort zur Besichtigung einer Hölle namens „Hölle Yanhua Fangun“. Schon während unseres Gesprächs spüren wir eine andersartige Atmosphäre, eine sehr negative – man sollte wohl sagen: Qi sexueller Begierde. Die gesamte Hölle ist ohnehin von unendlichem Yin-Qi erfüllt, doch in dieser Hölle ist das Qi sexueller Begierde noch sehr, sehr viel stärker. Es überlagert das Yin-Qi geradezu. Dazu kommt ein durchdringender faulig-fischiger Gestank. Wenn ich nicht den Menschen davon berichten wollte, würde ich mir das wirklich nicht ansehen wollen.52 Wir sind angekommen. Wieder ertönen lautes Heulen und schmerzerfülltes Stöhnen. Hier befinden sich viele männliche und weibliche Seelen. Sie sprechen nicht miteinander, verständigen sich nicht, begrüßen einander nicht und trösten sich auch nicht gegenseitig. Nicht einmal einen einfachen Satz wie „Leidest du?“ sagen sie zueinander, denn alle erleiden unablässig die Vergeltung der Hölle. Unter ihnen sehe ich eine Seele auf einem sehr kleinen Stuhl. Sie stützt beide Hände auf den Stuhl und macht einen Handstand, mit dem Kopf nach unten und den Füßen nach oben. Das sieht völlig übertrieben aus! Dann stürzt sie zu Boden und stirbt, wird wieder lebendig und beginnt von Neuem. Der Richter der Unterwelt sagt, dies sei die karmische Vergeltung dafür, zu Lebzeiten gern in pornografischen Büchern Stellungen beschrieben zu haben, bei denen die Frau kopfüber und der Mann aufrecht sexuelles Fehlverhalten begehen. Eine Seele stützt sich ununterbrochen mit einer einzigen Hand auf den Boden. Ich sehe, dass sie vor Erschöpfung bereits schwitzt und zittert. Sobald sie aufhört, fliegt ein riesiger Vogel herab und frisst sie auf. Danach wird sie wieder lebendig, und die Strafe wiederholt sich. Das ist, wie sich herausstellt, die Strafe für Menschen, die zu Lebzeiten gern besonders übertriebene Handlungen sexuellen Fehlverhaltens beschrieben haben, etwa Auspeitschen und dergleichen, mit denen Sinnesreize gesucht werden. Eine Seele dreht sich unablässig auf dem Boden im Kreis. Sobald sie aufhört, kommen viele riesige Wölfe, zerreißen sie und fressen sie auf. Dies ist die karmische Vergeltung dafür, zu Lebzeiten gern halluzinogene Mittel hergestellt zu haben, die die sexuelle Lust anregen. Eine Seele wird damit bestraft, ununterbrochen auf einem Bein stehen zu müssen. Es sieht aus, als vollführe sie Bewegungen des Geschlechtsverkehrs. Sobald sie aufhört, stürzt ein großer eiserner Vogel herab und stößt sie zu Tode. Dann weht ein Wind über sie, sie wird wieder lebendig und erleidet erneut die Strafe. Auch dies ist karmische Vergeltung für das Schreiben pornografischer Bücher. Eine Seele nimmt ununterbrochen Arzneimittel ein. Sobald sie aufhört, muss sie sich heftig erbrechen, bis sie halb tot ist. Dann wird sie gezwungen, erneut davon einzunehmen. Dies ist die karmische Vergeltung dafür, zu Lebzeiten gezielt Aphrodisiaka und luststeigernde Mittel erforscht und hergestellt zu haben. Eine Seele hält ein Folterinstrument in der Hand, das einer Fackel oder Leuchtröhre ähnelt, und verbrennt damit unablässig ihre eigenen Geschlechtsteile, bis diese verbrannt und zerfallen sind. Ein Wind stellt sie wieder her, und der Kreislauf des Leidens beginnt von Neuem. Dies ist die Vergeltung dafür, zu Lebzeiten gern Hilfsmittel zur Förderung sexuellen Fehlverhaltens verkauft zu haben. Zwei Seelen halten gemeinsam einige kleine Schlangen, die vibrieren können, und vollziehen damit die Strafe neben ihren eigenen Geschlechtsteilen. Beide erleiden die furchtbaren Schmerzen zertrümmerter und zerfetzter Geschlechtsteile. Zu Lebzeiten waren sie Geschäftsinhaber, die sich auf den Verkauf von Sexartikeln spezialisiert hatten. Eine Seele sitzt auf einem sehr kleinen, spitzen und heißen Stuhl und schreibt an einem rotglühenden Tisch, der Feuer speit. Ich versuche, ihre Gedanken wahrzunehmen. Es stellt sich heraus, dass sie darüber nachdenkt, wie sie pornografische Bücher schreiben kann. Sobald sie zu schreiben ansetzt, werden ihr sofort beide Hände weggebrannt. Danach erwacht sie wieder zum Leben und erleidet diese Feuerstrafe erneut. Auch dies ist die karmische Vergeltung für das Schreiben verschiedenster pornografischer Bücher. Hier scheinen einige männliche und weibliche Seelen voller Begeisterung pornografische Bücher zu betrachten. (Aufgrund ihrer verkehrten, wahnhaften Vorstellungen ist ihr Geist voller sexueller Begierde, weshalb sie pornografische Bücher sehen. Ich sehe dagegen etwas, das wie ein leeres Blatt Papier aussieht.) Hier steht eine Druckmaschine, die einem riesigen Computer ähnelt. Sobald sie die pornografischen Bücher drucken wollen, saugt diese gewaltige Maschine sie ein. Sie werden vollständig durch die Maschine gezogen und zu Fleischbrei zerquetscht. Blut spritzt umher, sie heulen und schreien wie wahnsinnig. Diese ungeheuren Schmerzen lassen sich weder in Worte fassen noch ertragen. An einem einzigen Tag müssen sie diese Strafe zehn Millionen Mal erleiden. An diesem Punkt kann ich nicht mehr weiter zusehen; auch ich selbst fühle mich außerordentlich elend. Dies ist die gewaltige karmische Vergeltung, die jene erleiden müssen, die zu Lebzeiten pornografische Filme gedreht oder pornografische optische Datenträger hergestellt haben. Ich hole tief Luft und frage dann den Richter der Unterwelt: „Wie viele Jahre müssen diese schuldigen Seelen denn eigentlich diese Vergeltung erleiden?“ Der Richter der Unterwelt antwortet: „Wie lange sie diese Vergeltung erleiden müssen, lässt sich schwer sagen. Grundsätzlich kann man sagen: Erst wenn sämtliche pornografischen Bücher, die sie geschrieben und gedruckt haben, sämtliche pornografischen Filme und optischen Datenträger, die sie hergestellt haben, sowie alle von ihnen hergestellten Aphrodisiaka, Potenzmittel und ähnlichen Mittel zur Förderung sexueller Ausschweifungen aus der Menschenwelt verschwunden sind, kann für sie der Tag kommen, an dem sie die Hölle verlassen dürfen. Selbst wenn sie wieder als Menschen geboren werden, müssen sie als Vergeltung ein äußerst niedriges, verachtetes Dasein führen. Die genaue tatsächliche Dauer ihrer Bestrafung können nur die Buddhas und Bodhisattvas angeben. Diese Hölle wurde inzwischen um viele Ebenen erweitert, und es sind auch verschiedenste Strafen hinzugekommen. Früher nahm sie keine so gewaltige Fläche ein. Durch den heutigen technischen Fortschritt lassen sich solche Produkte des sexuellen Fehlverhaltens mit hoher Geschwindigkeit und in erschreckenden Mengen drucken und herstellen. Auch gibt es in der Menschenwelt sehr viele Sexshops. Die Zahl der Menschen, die Verbrechen begehen und die Gebote verletzen und deshalb zum Leiden in die Hölle geworfen werden, ist kaum noch zu zählen. Tatsächlich ist die Hölle ein Spiegelbild der Menschenwelt. Sobald dort etwas Neues auftaucht, das gegen die Gebote verstößt, wird die Hölle unverzüglich erweitert, um dem Bedarf an entsprechender Vergeltung gerecht zu werden. Wenn das Leben der Wesen endet, die solche Vergehen begangen haben, kommen sie hierher und erleiden die schmerzliche Vergeltung.“ Ich sage: „Sind diese Strafen ohne absehbares Ende nicht genauso qualvoll wie die Hölle der ununterbrochenen Leiden?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Die Leiden hier reichen noch bei Weitem nicht an die der großen Hölle der ununterbrochenen Leiden heran! Diese Bücher und Produkte des sexuellen Fehlverhaltens können unermesslich vielen Wesen Schaden zufügen. Besonders pornografische Internetseiten verunreinigen sogar unschuldige Kinder, deren Körper noch von reinem Yang geprägt sind. Das können die Gesetze der Unterwelt weder dulden noch verzeihen. Ich sage dir: Bei den eben erwähnten Darstellern ist die Vergeltung etwas milder, wenn sie zu den pornografischen Filmaufnahmen gezwungen wurden; sie beträgt dann 100 Jahre. Allerdings müssen sie zusichern, künftig keinesfalls wieder ein solches Vergehen zu begehen, und außerdem ihre schuldhaften Taten bereuen. Wer des Geldes wegen nur in einem einzigen solchen Film mitwirkt und danach in keinem weiteren, erleidet 1.000 Jahre Vergeltung. Kauft die Person später selbst sämtliche pornografischen optischen Datenträger mit diesem Film auf und verbrennt sie und bereut ihre Verfehlungen aufrichtig, kann die Strafe um 500 Jahre verringert werden. Regisseure pornografischer Filme sowie Menschen, die pornografische optische Datenträger vertreiben oder herstellen, kommen nach dem Ende ihres Lebens in diese Hölle. Sie können sie erst verlassen, wenn die pornografischen Filme und Datenträger vollständig verschwunden sind. Andere daran beteiligte Mitarbeiter werden für 50.000 Jahre zur Vergeltung in diese Hölle geworfen. Allen, die pornografische Bücher schreiben, drucken oder verkaufen, sowie allen Unternehmern, Darstellern, Regisseuren und beteiligten Mitarbeitern, die Filme über sexuelles Fehlverhalten drehen oder pornografische optische Datenträger herstellen, werden ausnahmslos schon zu Lebzeiten die Segnungen gemindert und die Lebensspanne verkürzt. Für jedes pornografische Buch oder jeden solchen Film werden ihre Segnungen und ihre Lebensspanne um ein Jahr gekürzt.“ Ich frage den Richter der Unterwelt weiter: „Welche Vergeltung erwartet jemanden, der eine Website einrichtet, um pornografische optische Datenträger oder Filmaufnahmen zu verkaufen oder sie öffentlich zum Herunterladen anzubieten, ob gegen Bezahlung oder kostenlos?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Es gilt derselbe Grundsatz. Auch solche Menschen werden in diese Hölle geworfen. Erst wenn die pornografischen optischen Datenträger, die sie verkauft haben, für immer aus der Menschenwelt verschwunden und auch die betreffenden pornografischen Websites restlos geschlossen sind, können sie der Vergeltung in der Hölle entkommen. Wenn du zurückkehrst, musst du alle eindringlich ermahnen, die Gesetze und die Regeln des Anstands zu achten und die Gebote zu befolgen. So bleiben sie von der Strafe des Himmels verschont! Für heute belassen wir es dabei. Kehre zunächst auf der Lotusblüte zurück und komm an einem anderen Tag wieder.“ Euch, meinen Leserinnen und Lesern, möchte ich erklären: Wenn ich die Hölle besuche und Einblicke in ihre inneren Verhältnisse gewinne, reist mein Bewusstsein im wachen Zustand mithilfe der Kraft des Buddha dorthin. Ich gehe nicht im Traum dorthin, und ich erfrage diese Dinge auch nicht durch Geisterschrift, wie es etwa Tiandao, Yiguandao und andere tun. Ich selbst habe im Buddhismus Zuflucht genommen, ernähre mich dauerhaft vegetarisch, halte die fünf Gebote ein und bin eine Schülerin der Drei Juwelen. Ich heiße Ayu. Jeder Satz des oben Gesagten ist wahr. Ich widme die Verdienste allen Wesen, auf dass sie den Buddhaweg vollenden.53 17. Zum zweiten Mal bei einer Gerichtsverhandlung – Mit eigenen Augen sehe ich die beiden in alten Büchern beschriebenen Ämter zur Belohnung des Guten und zur Bestrafung des Bösen In letzter Zeit habe ich, Ayu, immer wieder die Hölle für sexuelles Fehlverhalten besucht. Von allen Höllen nimmt sie die größte und weitläufigste Fläche ein. Daran lässt sich erkennen, dass sexuelles Fehlverhalten derzeit ein gewaltiges, äußerst schwerwiegendes Problem in der Menschenwelt ist. Der Buddha, der große Weisheit besitzt, hat dieses Problem schon vor langer Zeit in vielen Schriften vorausgesagt und ausführlich dargelegt. Er hat uns auch sehr genau erklärt, wie wir diese angeborene, uns umschlingende grundlegende Anhaftung vollständig überwinden können. Wir alle sollten die Schriften eingehend studieren, um zu verstehen, woher sexuelle Ausschweifungen kommen und wie wir sie überwinden können. Es gibt zu viele Schriften, um sie hier auf einmal vollständig aufzuzählen. Zum Beispiel: Im Sūtra über das vollständige Erlöschen des Dharma, gesprochen vom Buddha, heißt es: „Es gibt keine Sittlichkeit mehr; sexuelle Ausschweifungen, Verunreinigung und Unordnung herrschen, Männer und Frauen werden nicht mehr unterschieden … Weil sich der Kalpa seinem Ende nähert, werden die Tage und Monate kürzer und die Lebensspannen der Menschen nehmen ab; mit vierzig sind die Haare weiß. Männer leben in sexuellen Ausschweifungen, erschöpfen ihre Essenz und sterben vorzeitig; manche erreichen sechzig Jahre. Männer leben kurz, Frauen leben lang: siebzig oder neunzig Jahre, manche sogar hundert.“54 Im Sūtra der zweiundvierzig Kapitel, gesprochen vom Buddha, heißt es: „Begierde entsteht in deinem Geist, der Geist entsteht durch Gedanken; kommen beide Regungen des Geistes jeweils zur Ruhe, gibt es weder sinnliche Form noch Handeln.“ Im Śūraṅgama-Sūtra vom großen Buddha-Scheitel, der verborgenen Ursache des Tathāgata, der endgültigen Bedeutung von Übung und Verwirklichung sowie den zehntausend Praktiken aller Bodhisattvas wird es noch deutlicher ausgesprochen: „Wenn die Wesen der sechs Daseinswege in allen Welten keine sexuelle Begierde im Herzen tragen, folgen sie nicht mehr dem fortgesetzten Kreislauf von Geburt und Tod. Du übst Samādhi, um den Mühen und Verstrickungen der Welt zu entkommen; beseitigst du die sexuelle Begierde im Herzen nicht, kannst du der Welt nicht entkommen. Magst du noch so viel Einsicht besitzen und mag sich meditative Versenkung einstellen: Wenn du die sexuelle Begierde nicht durchtrennst, wirst du unweigerlich auf den Weg der Dämonen geraten …“ In den Schriften erklärt der Buddha allen mit unermüdlicher Geduld, dass sexuelle Ausschweifungen den verkehrten Vorstellungen im eigenen Geist entspringen. Die geistige Regung entsteht durch Gedanken; jeder trägt diesen Samen des Kreislaufs von Geburt und Tod in sich. Der Buddha lehrt uns, die Triebkraft der sexuellen Begierde sowohl im Körper als auch im Geist vollständig zu durchtrennen. In einer buddhistischen Schrift heißt es: „Ich schaffe unheilsames Karma und bin wie ein verkohlter Holzpfahl; in diesem Leben fehlt mir die Würde, und in einem anderen Leben wird es ebenso sein. Im Haus fehlt mir die Würde, und außerhalb ist es ebenso; aus bösen Ursachen schaffe ich böses Karma und gelange dadurch auf die schlechten Daseinswege. In einem späteren Leben erleide ich Schmerzen und weiß nicht, wo ich verweilen werde; alle Himmelswesen hören mein Schluchzen und Weinen; niemand ist da, der mich rettet und beschützt, unweigerlich werde ich in die Hölle gelangen.“55 Ich hoffe, dass alle, die durch ihre karmischen Verbindungen diesen Text zu Gesicht bekommen, rechten Glauben und rechte Achtsamkeit entwickeln, den rechten Dharma praktizieren und sich vom Leid befreien und Glück erlangen können. Dankbar für den Beistand durch Buddhas Kraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und erweise dem Richter der Unterwelt meine Ehrerbietung! Der Richter der Unterwelt sagt mit ernster Miene: „Heute sind zwei schuldige Seelen in die Gerichtshalle gekommen, ein Mann und eine Frau, über die verhandelt werden soll. Der Mann war Zuhälter, die Frau Bordellwirtin.“ Ich sage: „Gut! Danke, Richter der Unterwelt, dass Sie es mir, Ayu, ermöglichen, bei der Verhandlung zuzuhören.“ Ah! Wir sind da. Sofort höre ich einen heftigen Schlag auf den Richtertisch. Ah! Ich sehe König Taishan aus der siebten Halle der Unterwelt. Er wirkt äußerst zornig und wütend. Er hält es kaum noch auf seinem Sitz aus, steht auf, beugt sich nach unten vor und herrscht die schuldigen Seelen laut an: „Ihr unverschämten schuldigen Seelen! Nun sind eure Seelen in die Unterwelt zurückgekehrt, und noch immer verdreht ihr mit fadenscheinigen Argumenten das Recht! Was soll das heißen: beide Seiten seien einverstanden, Essen und Sexualität gehörten zur menschlichen Natur, und ihr hättet die Sorgen des Lebens gelindert? Das ist nichts als Unsinn! Ihr beide habt als Ehepaar in der Menschenwelt in bescheidenem Wohlstand gelebt und ein gesichertes Leben geführt. Doch statt einer ehrbaren Arbeit nachzugehen, habt ihr des Geldes wegen unwissende Mädchen und Frauen angeworben und getäuscht, damit sie sich prostituierten. Das ist euer erstes Vergehen. Außerdem habt ihr sie mit ausgeklügelten Täuschungen in eure Fallen gelockt und sie anschließend um das Geld gebracht, das sie mit ihrem eigenen Fleisch und Blut verdient hatten. Das ist euer zweites Vergehen. Ihr habt die Mädchen und Frauen absichtlich dazu gebracht, Drogen zu nehmen, um Geld zu spielen, zu trinken und zu rauchen, sodass sie hohe Schulden anhäuften. Damit habt ihr sie unter Kontrolle gehalten und verhindert, dass sie die Prostitution aufgeben konnten. Das ist euer drittes Vergehen. Wenn sie unglücklicherweise schwanger wurden, habt ihr gezielt Abtreibungen für sie organisiert und unschuldiges Leben geschädigt. Das ist euer viertes Vergehen. Solche Handlungen verletzen die Ordnung des Himmels und die menschliche Moral. Sie sind zutiefst schändlich!“ Neben König Taishan befinden sich zwei hohe Beamte der Unterwelt. Einer ist der Leiter des Amtes zur Belohnung des Guten. Ich sehe, dass er ein purpurschwarzes langes Gewand trägt. Sein Gesicht ist friedlich, mit einem leichten Lächeln. In der Hölle ist ein solcher Gesichtsausdruck schon eine große Seltenheit. Alle Beamten der Unterwelt, die ich, Ayu, bisher gesehen habe, sehen sehr streng, furchteinflößend und äußerst grimmig aus. Der andere ist der Leiter des Amtes zur Bestrafung des Bösen. Er trägt ein dunkelgrünes langes Gewand und hat einen äußerst grimmigen, zornigen Gesichtsausdruck. Seine Augen verströmen ein fahles weißes, geisterhaftes Licht. Schon ein einziger Blick von ihm lässt einen am ganzen Körper Unbehagen verspüren. Die Kopfbedeckungen der beiden Amtsleiter haben dieselbe Form und stimmen jeweils farblich mit ihren Gewändern überein. Da höre ich König Taishan sagen: „Legt das Register zur Bestrafung des Bösen vor und lest es unverzüglich vor!“ Nun sehe ich das Aufzeichnungsbuch, das der Leiter des Amtes zur Bestrafung des Bösen hervorholt. Oh! Es ist wirklich ein sehr langes Register. Auch dieser Amtsleiter wirkt äußerst streng. Er beginnt, sämtliche Vergehen dieser beiden schuldigen Seelen vorzulesen. Das Maß ihrer bösen Taten ist wahrhaft übervoll. Ich möchte euch einen Teil davon erläutern, damit ihr es versteht. Um einige schöne junge Mädchen als Werkzeuge ihres Gelderwerbs unter Kontrolle zu halten, hatten diese beiden schuldigen Seelen sie zu Lebzeiten immer wieder zu zahlreichen Abtreibungen gebracht und ihnen schlechte Gewohnheiten angewöhnt. Einige wurden später von Männern, mit denen sie karmisch verbunden waren, geheiratet und als Ehefrauen oder Nebenfrauen nach Hause geholt. Bei manchen zerbrach jedoch die Familie, weil sie keine Kinder bekommen konnten. Andere litten infolge ihres früheren Drogenkonsums und der Abtreibungen an lebenslangen Folgeschäden, etwa chronischen gynäkologischen Erkrankungen, Störungen des zentralen Nervensystems oder Taubheits- oder Lähmungserscheinungen an Händen und Füßen. Eine von ihnen wurde wegen einer geistigen Störung von ihrem Mann verlassen. Danach verstieß auch ihre Familie sie, und sie landete auf der Straße. Es gab wirklich viel zu viele solcher Geschehnisse, die man kaum mit anhören konnte.56 König Taishan sagt: „Ihr beiden grimmigen Geisterschergen mit den Fangzähnen, hört meinen Befehl! Führt sie sofort ab! Bringt sie in die Hölle Yanhua Fangun. Dort sollen sie zunächst 100.000 Jahre bestraft werden. Dann sehen wir, ob sich in ihrem Herzen Reue zeigt, und entscheiden weiter.“ Nun zittern die Beine der beiden schuldigen Seelen heftig, und ihre Körper beben unaufhörlich. Doch inzwischen ist alles zu spät. Der Richter der Unterwelt sagt: „Schuldige Seelen dieser Art müssen gewöhnlich sehr, sehr lange in der Hölle Strafen erleiden. Erst wenn alle Wesen, denen sie jemals geschadet haben, vollständig von sämtlichen Folgeschäden befreit sind, die dadurch entstanden sind, dass diese beiden sie zum Drogenkonsum, zu Abtreibungen und Ähnlichem angestiftet haben, und all diese Folgeschäden verschwunden sind, besteht für sie die Möglichkeit, die große Hölle zu verlassen.“ Ich, Ayu, frage den Richter der Unterwelt: „Wenn manche Handlungen das Denken eines Menschen tiefgreifend beeinflussen und vergiften, kann es vielleicht mehrere Leben dauern, bis die Schäden vollständig geheilt sind. Dann muss man also auch mehrere Leben lang warten, oder?“ Der Richter der Unterwelt antwortet: „Richtig! Wie lange jemand braucht, um sich von einer Schädigung zu erholen, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Bei manchen dauert es länger, bei anderen kürzer. Je kürzer die Zeit, desto besser natürlich. Manche Seelen halten jedoch besonders hartnäckig an etwas fest und brauchen schon 1.000 Jahre, um ein einziges Problem zu lösen. Eine solche Seele kann in einem bestimmten Raum verweilen und sich weigern, ihn zu verlassen. Der Grund dafür ist ihre Anhaftung. Früher gab es einmal eine junge Prostituierte. Sie war recht hübsch und hatte sich glücklicherweise keine besonders schlechten Gewohnheiten angewöhnt; sie hatte lediglich das Rauchen und Trinken gelernt. Eigentlich mochte sie weder rauchen noch trinken, sondern hatte es nur wegen ihrer Arbeit gelernt. Auf Betreiben und unter der Organisation des Zuhälters und der Bordellwirtin ließ sie innerhalb von nur anderthalb Jahren ganze sechs Abtreibungen vornehmen. Später heiratete ein Kaufmann, mit dem sie karmisch verbunden war, die Prostituierte und nahm sie als seine Ehefrau zu sich nach Hause. Er wusste nicht, dass sie in so jungen Jahren bereits sechs Abtreibungen hinter sich hatte. Nach der Heirat zeigte sich, dass sie infolge der Abtreibungen lebenslang keine Kinder bekommen konnte und an einer gynäkologischen Erkrankung litt. Deshalb heiratete der Kaufmann bald eine andere Geliebte, um seine Familienlinie fortzuführen. Weil die Prostituierte wegen ihrer Unfruchtbarkeit verlassen worden war, konnte sie sich innerlich nicht damit abfinden. Nach dem Ende ihres Lebens blieb ihre Seele 1.000 Jahre lang im Daseinsbereich der Geister. Erst als sie dem rechten Dharma begegnete, zu dem sie eine karmische Verbindung hatte, verließ sie diesen Daseinsbereich.“56 Der Richter der Unterwelt fährt fort: „Ich schildere dir das nur in groben Zügen. Denn bei jeder schuldigen Seele, die zur Bestrafung in die Hölle kommt, spielen auch die Probleme anderer Seelen eine Rolle, denen sie geschadet hat. Grundsätzlich muss jedes einzelne Wesen, das von dieser schuldigen Seele geschädigt worden ist, zuerst von seinem Leid befreit sein, ganz gleich, auf welchem der sechs Daseinswege es sich befindet. Erst dann darf die schuldige Seele die Hölle verlassen. Wie lange die beiden schuldigen Seelen von eben tatsächlich in der Hölle die Vergeltung für ihre Vergehen erleiden müssen, lässt sich derzeit noch nicht abschließend bestimmen. Dies ist erst der Anfang.“ „Gut! Für heute belassen wir es dabei. Kehre erst einmal zurück!“ „Ja, Richter der Unterwelt!“ Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und verneige mich zum Abschied vor dem Richter der Unterwelt! Ich danke ihm! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück! 18. Die karmische Vergeltung in der Hölle für das Weiterreichen und Teilen pornografischer Bücher, Zeitschriften und optischer Datenträger In letzter Zeit hatte ich, Ayu, wegen vieler Angelegenheiten alle Hände voll zu tun und musste mich außerdem zur inneren Übung zurückziehen. Deshalb hatte ich keine Gelegenheit, in die Hölle zu gehen, um Material für meine Artikel zu sammeln. Es tut mir sehr leid, dass ich euch so lange habe warten lassen! Um einen Artikel zu schreiben, gehe ich nur dann in die Hölle, wenn ich mich geistig in bester Verfassung befinde. Jeder Besuch dort kostet mich etwas Lebenskraft. Nach meiner Rückkehr muss ich unablässig Mantras rezitieren, um sie wieder aufzufüllen. Heute bin ich geistig gut in Form, doch wieder behindern mich Kräfte aus einer anderen Dimension und wollen mich nicht schreiben lassen. Ihre Kraft ist keineswegs gering, und sie haben mich erneut einen halben Tag gekostet. Hält man die Gebote auch nur einen Tag lang nicht ein, gehört man bereits zum Gefolge der Dämonen. Man muss die Gebote unbedingt einhalten. So denke ich, Ayu, darüber. Wenn ich auf irgendein Hindernis stoße, überwinde ich es mit der geistigen Praxis des Einhaltens der Gebote. Diese Praxis stammt aus dem Buddhismus und ist sehr wirksam. Ich, Ayu, möchte sie mit euch teilen. Bis heute kann ich sagen: bei jedem Versuch wirksam. Bevor der Buddha ins Nirvāṇa einging, sagte er zu Ānanda: „In der Zeit des Niedergangs des Dharma nehmt die Gebote zum Lehrer; stützt euch auf den Dharma, nicht auf Personen.“ Im zweiten Band der Abhandlung über die Große Vollkommenheit der Weisheit heißt es: „Der Buddha nimmt Geduld als Panzer, beharrlichen Einsatz als stählerne Rüstung, das Einhalten der Gebote als großes Pferd, meditative Versenkung als guten Bogen und Weisheit als trefflichen Pfeil. Nach außen schlägt er das Heer des Dämonenkönigs, im Inneren vernichtet er die Räuber der geistigen Verunreinigungen. Daher wird er Arhat genannt.“ Und im Sūtra über die Fragen Śakras, gesprochen vom Buddha, heißt es: „Wer sich nicht an die vom Buddha gesetzten Gebote hält, sollte sich nun schämen.“ Die Gebote einzuhalten ist wirklich außerordentlich wichtig!57 Kraft des Geistes, komm! Verehrung dem Großen Pfauen-Weisheitskönig! Verehrung dem Großen Pfauen-Weisheitskönig! Jetzt werde ich diese Hindernisse durchbrechen und sofort in die Hölle gehen. Dank für den Segen der Buddhas und Bodhisattvas! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Gleich bin ich in der Hölle! Amitābha! Ayu grüßt den Richter der Unterwelt mit aneinandergelegten Handflächen! Heute möchte ich, Ayu, den Richter der Unterwelt nach der karmischen Vergeltung für das Weiterreichen pornografischer Bücher, Zeitschriften und optischer Datenträger fragen. Der Richter der Unterwelt sagt: „Eine gute Frage. Derzeit zeigen viel zu viele Jugendliche in der Welt der Lebenden ein solches schlechtes Verhalten. Ayu, denke nach deiner Rückkehr daran, die Wesen in der Welt der Lebenden, die diese schlechte Gewohnheit haben, zu ermahnen: Sie sollen ihre bisherigen Fehler unverzüglich und entschlossen ablegen, tugendhaft handeln und gute Taten ansammeln, damit sie der furchtbaren Vergeltung in der Hölle entgehen und weder sich selbst noch anderen schaden. Diese Botschaft ist äußerst wichtig. Behalte sie gut im Gedächtnis!“ „Ja, Richter der Unterwelt! Sobald ich, Ayu, zurück bin, werde ich es aufschreiben.“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Alle Wesen, die in der Welt der Lebenden pornografische Bücher, Zeitschriften und optische Datenträger persönlich weiterreichen oder über den Computer verbreiten, erfahren dieselbe karmische Vergeltung wie diejenigen, die solche Bücher, Zeitschriften und Datenträger verkaufen: Sie erleiden 100.000 Jahre lang Vergeltung in der Hölle. Das ist die gewöhnliche Strafe. In schweren Fällen müssen sie warten, bis die von ihnen verbreiteten pornografischen Bücher, Zeitschriften und Datenträger aus der Menschenwelt verschwunden sind. Erst dann können sie den Leiden der Hölle entkommen. Es sind unermessliche, grenzenlose Leiden. Bei Wesen, die gerade erst mit dem Weiterreichen pornografischer Bücher, Zeitschriften und Datenträger begonnen haben, wird jede einzelne Weitergabe sofort von den schwarzen und weißen, mit ihnen geborenen Gottheiten für Gut und Böse an ihrer Seite aufgezeichnet. Ihre Segnungen werden gemindert und ihre Lebensspanne verkürzt. Schon zu Lebzeiten ergreifen die Geisterschergen der Unterwelt zunächst ihre lebenden Seelen und bringen sie zur Bestrafung in die Hölle der Peitschen und Stöcke. Diese Hölle wurde bereits früher vorgestellt, deshalb gehe ich hier nicht näher darauf ein. Die Wesen in der Welt der Lebenden verspüren dabei Kopfschmerzen, und ihr Bewusstsein ist getrübt, verwirrt und unklar. Die meisten fühlen sich, als hätten sie Fieber und Albträume; beim Erwachen spüren sie stechende Schmerzen am ganzen Körper. Wer sich bessert und einen neuen Anfang macht, nachdem seine lebende Seele noch zu seinen Lebzeiten zur Bestrafung in die Hölle der Peitschen und Stöcke verschleppt worden ist, dem kann die karmische Vergeltung in der Hölle gemildert oder erlassen werden. Die abschließende Entscheidung muss jedoch anhand des tatsächlichen Einzelfalls getroffen werden. Menschen, die uneinsichtig an ihrem Irrweg festhalten, gelangen unmittelbar in die Hölle für sexuelles Fehlverhalten, sobald ihre Segnungen aufgebraucht sind, und erleiden dort die Vergeltung. Dabei kommt es auch darauf an, welcher Art die pornografischen Bücher, Zeitschriften und Datenträger sind, die sie verbreitet haben. Wer ausschließlich Material über Selbstbefriedigung weitergereicht hat, kommt zur Vergeltung in die Hölle des Kugelschluckens. Wer ausschließlich pornografische Bilder über den Computer verbreitet hat, kommt zur Vergeltung in die Hölle der elektrischen Augenblitze. Wer ausschließlich Datenträger mit sexuellem Fehlverhalten zwischen einem Mann und zwei Frauen oder einer Frau und zwei Männern weitergereicht hat, kommt zur Vergeltung in die Hölle der Zahnräder, Wölfe und Schlangen. Wer ausschließlich Datenträger mit inzestuösem sexuellem Fehlverhalten weitergereicht hat, kommt zur Bestrafung in die Hölle des umgekehrt drehenden Rades unter dem Eishimmel. Es gibt noch weitere, die sich nicht alle aufzählen lassen. Wer sämtliche oben genannten Arten weitergereicht und damit all diese Vergehen begangen hat, muss in jeder einzelnen Hölle für sexuelles Fehlverhalten der Reihe nach die Vergeltung erleiden. Die eben genannten Höllen für sexuelles Fehlverhalten hast du, Ayu, alle schon besucht. Nun kannst du zurückkehren und den Wesen in der Welt der Lebenden sagen: Wer pornografische Bücher, Zeitschriften und optische Datenträger weiterreicht, schafft unermessliches, grenzenloses böses Karma, das in die Hölle führt. Sie sollen diese schlechte Gewohnheit so schnell wie möglich ablegen und weder anderen noch sich selbst schaden. Die Technik ist heute weit entwickelt; ein Computer braucht nur wenige Sekunden, um Informationen auf der ganzen Welt zu verbreiten. Aber haben sie darüber nachgedacht? Mit solchen Informationen, die der geistigen Natur der Menschen schaden, säen sie unbemerkt innerhalb eines Augenblicks die Samen unermesslichen, grenzenlosen bösen Karmas, das in die Hölle führt. Mögen die Wesen in der Welt der Lebenden ihre schwer zu erlangende menschliche Daseinsform mehr wertschätzen! Andernfalls gerät das aufrechte Qi von Himmel und Erde aus dem Gleichgewicht, und unweigerlich werden Katastrophen über die Menschenwelt kommen, um die Wesen zur Selbstprüfung zu bewegen. Dann wird es bereits zu spät sein. Wenn die Katastrophen kommen, ist das böse Karma schon herangereift. Die Menschenwelt wird unweigerlich unsägliches Leid erfahren, und überall wird Trauer zu sehen sein. Unser Buddha ist voller Mitgefühl und hat eigens dich, Ayu, zur Besichtigung in die Unterwelt geschickt. Kehre nun möglichst schnell zurück und berichte den Wesen in der Welt der Lebenden von all den tatsächlichen Verhältnissen, die du gesehen hast!“5859 Ich, Ayu, werfe mich voller Dankbarkeit vor dem Richter der Unterwelt nieder! Vielen Dank für Ihre Mühe! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück. 19. Den ursprünglichen Yang-Körper der Wesen wiederherstellen – Die maßgebliche Sicht der Unterwelt auf den Umgang mit pornografischen Gegenständen in der Menschenwelt Dankbar für den Beistand durch Buddhas Kraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf. Amitābha! Ayu grüßt den Richter der Unterwelt mit aneinandergelegten Handflächen! Heute möchte ich den Richter der Unterwelt fragen: „Wie soll man mit pornografischen Gegenständen umgehen, und welche Verdienste entstehen durch ihre Vernichtung und ähnliche Maßnahmen?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Pornografische Gegenstände müssen durch Vernichtung beseitigt werden. Solche Gegenstände dürfen nicht in der Menschenwelt zurückbleiben; sie müssen unbedingt restlos ausgemerzt werden. Solange es solche Gegenstände gibt, wird die angeborene geistige Natur des Menschen verunreinigt. Diese Verunreinigung zerstört unmittelbar und rasch das Leuchten seiner angeborenen geistigen Natur.“ Das ursprüngliche Yang, mit dem jeder Mensch geboren wird, ist von höchster Reinheit, ganz und gar Yang und voller Licht. Wenn das Licht der geistigen Natur eines Menschen schwindet, sich verdunkelt oder verschwindet, tritt damit ein einzelnes Leben in seine Endphase ein. Manche meinen, bloßes Anschauen schade nicht; solange sie nicht danach handelten, könnten sie es als Sexualwissen oder Sexualaufklärung betrachten. Dieser Gedanke ist jedoch falsch.60 Pornografische Gegenstände darf man nicht einmal ein einziges Mal ansehen. Schon ein einziges Anschauen verunreinigt das Licht der angeborenen geistigen Natur des Menschen. Außerdem wird dadurch bereits ein Samen der Pornografie in das Feld des Herzens gesät. Treffen später erneut ungünstige karmische Bedingungen zusammen, wird es sehr schwer, das eigene Herz und Wesen so zu beherrschen, dass sie nicht wieder ins Wanken geraten. Wenn Jugendliche mit einem Körper von reinem Yang pornografische Gegenstände ansehen, geraten ihr Herz und Wesen unweigerlich ins Wanken. Nur das Ausmaß ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Besonders im heutigen Zeitalter hochentwickelter Computertechnik breiten sich pornografische Websites hemmungslos aus. Die Herzen eines beträchtlichen Teils der Menschen geraten dadurch derart ins Wanken, dass es sich nicht mehr aufhalten lässt. Dies führt zu Selbstbefriedigung und Ähnlichem, und das vollkommen reine ursprüngliche Yang geht sofort verloren. Selbst wenn es nicht vollständig verloren geht, geht unbemerkt ein Teil davon verloren. Mit der Zeit führt dies dazu, dass sie sexuelles Fehlverhalten begehen. Pornografische Gegenstände untergraben die Keuschheit und Moral der Menschen schwerwiegend. Sie lassen die Wesen jedes Schamgefühl verlieren und führen zum Verfall der Moral. Die betroffenen Wesen büßen dadurch schon in diesem Leben Segnungen und Lebensspanne ein, bringen Schande über ihre Vorfahren und lassen ihre Familienlinie erlöschen. Darüber hinaus schaffen sie die bösen karmischen Früchte des sexuellen Fehlverhaltens, die in die Hölle führen, wo sie alle Arten ungeheurer Qualen erleiden werden. Zuvor wurden die vielfältigen, unermesslichen und grenzenlosen karmischen Vergeltungen in den großen Höllen für sexuelles Fehlverhalten bereits ausführlich vorgestellt. Es ist wahrhaftig kein Zeitpunkt der Befreiung abzusehen. Der Zerfall vieler Familien und der Tod ihrer Angehörigen werden durch sexuelles Fehlverhalten ausgelöst. Pornografische Gegenstände sind die Hauptverursacher sexuellen Fehlverhaltens. Sie vergiften die Herzen der Menschen, zerstören die himmlische Ordnung und zerrütten die sittliche Ordnung menschlicher Beziehungen. Sie wirken noch schlimmer als die Gifte dieser Welt und vergiften die geistige Natur und das Weisheitsleben der Menschen. Gift zerstört lediglich ein einzelnes Leben. Pornografische Gegenstände hingegen zerstören den Körper mit seinem reinen, unverfälschten ursprünglichen Yang, beenden das Leben vorzeitig und führen in die Hölle, wo unermessliche, grenzenlose Strafen zu erleiden sind. Und selbst wenn man sich schließlich unter größten Schwierigkeiten aus der Hölle befreit hat, muss man weiterhin für viele karmische Folgen des sexuellen Fehlverhaltens einstehen. Dazu gehören etwa verschiedene Krankheiten, die mit dem begangenen sexuellen Fehlverhalten zusammenhängen, sowie vielfältige seelische Leiden und vieles mehr, das sich nicht vollständig aufzählen lässt. Wesen, die über finanzielle Mittel verfügen, können nach Kräften pornografische Gegenstände aufkaufen und vernichten. Verlage und Buchhandlungen sollen pornografische Gegenstände weder herausgeben noch verkaufen. Regisseure und Darsteller sollen weder Aufträge für pornografische Filme annehmen noch selbst solche Filme drehen. Schriftsteller, Maler und alle anderen, die Bücher veröffentlichen, sollen weder pornografische Bücher und Zeitschriften verfassen noch pornografische Bilder malen. Firmeninhaber, Oberhäupter bestimmter Gebiete oder Könige, die über erheblichen Einfluss verfügen, sollen das Vorhandensein pornografischer Gegenstände streng verbieten und unterbinden. Sobald sie erfahren, dass es solche Gegenstände gibt, sollen sie unverzüglich deren vollständige Beseitigung und Vernichtung anordnen. Wer weder finanzielle Mittel hat noch eine der genannten Voraussetzungen erfüllt, kann sich nach den jeweiligen Umständen und karmischen Gelegenheiten richten und sich nach Kräften bemühen, die betreffenden Personen zur Vernichtung pornografischer Gegenstände zu bewegen. Jedes Wesen, das sich mit irgendeiner der genannten Methoden nach Kräften darum bemüht, pornografische Gegenstände zu vernichten, wird bereits in diesem Leben mehr Segnungen und eine längere Lebensspanne erhalten, von anderen geachtet werden, sein Vermögen bewahren und an Weisheit zunehmen. Wenn ein spirituell Praktizierender im Einklang mit dem Dharma nach der Erfüllung eines Wunsches strebt, der über das Weltliche hinausgeht, wird dieser Wunsch in Erfüllung gehen, und er wird auch schrittweise vorankommen. In seinem persönlichen Verzeichnis von guten und bösen Taten, Leben und Tod in der Unterwelt wird ein großes Verdienst aus einer guten Tat eingetragen. Dieses große Verdienst reicht aus, um die früher geschaffenen schlechten karmischen Ursachen für einen Höllenaufenthalt zu mindern oder aufzuheben. Über die Einzelheiten des jeweiligen Falls müssen die Buddhas, Bodhisattvas und hohen Amtsträger der Unterwelt urteilen. „Ayu! Für heute belassen wir es dabei. Geh schnell zurück und schreibe einen Bericht für alle.“ „Ja, Richter der Unterwelt!“ Ayu legte dankbar die Handflächen aneinander! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück! 20. Die karmische Vergeltung für Abtreibung und die Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen für Säuglingsgeister Dank für den Segen des Buddha! Auf der weißen Lotusblüte ging es los! Amitābha! Richter der Unterwelt! Heute möchte ich, Ayu, Sie nach der karmischen Vergeltung für Abtreibung fragen. Der Richter der Unterwelt: „Abtreibung wird von der Unterwelt streng bestraft. Die Gesetze der Unterwelt bestimmen drei Arten verborgener Tugend: erstens Menschenleben retten; zweitens Witwen dabei unterstützen, ihre Keuschheit zu bewahren; drittens das höchste Gute tun, ohne dass andere davon erfahren. Nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung reicht verborgene Tugend aus, um das Schicksal zu verändern. Von alters her bis heute gibt es viele berühmte Beispiele von Menschen, die durch verborgene Tugend in der Menschenwelt zu hohen Würdenträgern und angesehenen Persönlichkeiten wurden und deren Nachkommen große Ehren erlangten. Als Di Renjie, der spätere Kanzler der Tang-Dynastie, in jungen Jahren zur Prüfung in die Hauptstadt reiste und in einem Gasthaus übernachtete, versuchte die schöne verwitwete Wirtin, ihn spät in der Nacht zu verführen. Das ließ ihn wachsam werden. Dank seiner aufrechten Gesinnung hütete er sich nicht nur streng vor sexuellem Fehlverhalten, sondern ermahnte die schöne Witwe auch, die sittlichen Regeln für Frauen einzuhalten. Er lehrte sie geduldig die Betrachtung der Unreinheit des Körpers, mit der er selbst sein sexuelles Begehren zum Erlöschen brachte. Nachdem die Frau den Körper auf diese Weise betrachtet hatte, empfand sie Scham und hielt ihr Leben lang an Treue und Rechtschaffenheit fest. Gerade weil Di Renjie der unverhofft gebotenen Verlockung nicht nachgegeben hatte, wurde sein Name später im ganzen Reich berühmt. Wenn Menschen in der Welt der Lebenden die ihnen durch ihr Schicksal bestimmten karmischen Prüfungen überwinden, die reinen Gebote standhaft einhalten und ihre edle Persönlichkeit unversehrt bewahren, wird der Himmel sie gewiss nicht benachteiligen. Auch nach den Gesetzen der Unterwelt werden ihnen in ihrem persönlichen Buch von Leben und Tod gewiss große verborgene Verdienste aus guten Taten als zusätzliche Belohnung eingetragen, wodurch ihre Segnungen und ihre Weisheit zunehmen. Abtreibung bedeutet in Wahrheit, einem Wesen das Leben zu nehmen und gegen das Gebot zu verstoßen, nicht zu töten. Das Kind wird noch vor seiner Geburt getötet, obwohl seine angeborene Natur gut ist. Dies ist ebenso schwerwiegend wie das Töten der Eltern oder das Vergießen des Blutes eines Buddha. Außerdem schafft man dadurch eine schlechte karmische Verbindung zum Kind. Es heißt: Ohne Dankesschuld oder Groll wird man nicht zu Angehörigen. Die karmische Verbindung zwischen Kindern und Eltern kennt zwei Arten von Beziehungen: Schulden einfordern und Schulden zurückzahlen. Wenn ein Kind kommt, um Schulden zurückzuzahlen, aber durch seine Tötung Groll entwickelt, wird daraus eine schlechte karmische Verbindung. Wenn das Kind ohnehin gekommen ist, um Schulden einzufordern, wird es noch schwieriger: Zur schlechten karmischen Verbindung tritt Hass hinzu, wodurch die karmische Bindung der Verschuldung noch tiefer wird. Bei Abtreibungen gibt es drei Fälle. Erstens: Die Eltern führen die Abtreibung nicht absichtlich herbei, sondern die karmischen Segnungen des Kindes reichen nicht aus. Verschiedene Ursachen, etwa der Tod der Leibesfrucht im Mutterleib, eine Blasenmole oder eine Erkrankung der Schwangeren, verhindern, dass das Kind geboren werden kann. Liegt eine solche Ursache vor, müssen die Erwachsenen Reue üben, Sutren rezitieren, um dem Kind zur Befreiung zu verhelfen, und ihm die Verdienste widmen, damit es bald dem Leid entkommt und Glück erlangt.1 Zweitens: Eine Abtreibung erfolgt wegen schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse. Das ist nach den Gesetzen der Unterwelt nicht erlaubt; man darf nicht wegen wirtschaftlicher Probleme töten. Es ist sehr wichtig, wie man mit einer Angelegenheit umgeht. Wie beschwerlich das Leben in der Menschenwelt auch sein mag, es ist immer noch zehnmillionenmal besser, als nach einer Abtreibung in die Hölle zu kommen und dort Vergeltung zu erleiden. Merkt euch das gut! Es ist auch möglich, dass dieses Kind kommt, um eine Wohltat zu vergelten, und dass sich nach seiner Geburt die wirtschaftlichen Verhältnisse ändern und die Familie wohlhabend oder gut situiert wird. Natürlich kommt es auf den konkreten Einzelfall an. Bei einer solchen Abtreibung werden bereits zu Lebzeiten die karmischen Segnungen geschmälert – Gesundheit, berufliches Fortkommen, finanzielles Glück und alles Weitere nehmen ab –, und man muss 1.000 Jahre lang in der Hölle des Schwerterwaldes Vergeltung erleiden. Wer unverheiratet ist, muss zuvor 500 Jahre lang in der Hölle der Peitschen und Stöcke Vergeltung erleiden. Nach der späteren Wiedergeburt als Mensch muss außerdem die verbleibende Vergeltung für das Töten abgetragen werden. Frauen bekommen beispielsweise gynäkologische Erkrankungen, und auch Männer bekommen Krankheiten im Bereich der Fortpflanzungsorgane. Drittens kommt der Fall, der heutzutage in der Menschenwelt am häufigsten ist. Viele unverheiratete Männer und Frauen lassen eine Abtreibung vornehmen, sobald sie ein Kind erwarten. Dieses Verhalten zieht die schwerste karmische Vergeltung nach sich. Zu Lebzeiten werden ihre karmischen Segnungen geschmälert; nach dem Tod kommen sie zunächst in die Hölle der Peitschen und Stöcke und erleiden dort 800 Jahre lang Vergeltung, anschließend 2.000 Jahre lang in der Hölle des Schwerterwaldes. Die Schuld der Frau, die abtreibt, wiegt schwerer als die des Mannes, denn sie trifft letztlich die Entscheidung für die Abtreibung. Deshalb ist ihre Schuld etwas schwerer. Wenn dagegen der Mann von der Frau eine Abtreibung verlangt, sie das ungeborene Kind aber schließlich schützt und zur Welt bringt, wird dem Mann eine böse Tat eingetragen, der Frau hingegen ein verborgenes Verdienst aus einer guten Tat. Wenn der Mann später Reue empfindet, gut für das Kind sorgt und Menschen in der Welt der Lebenden nachdrücklich davon abrät, abzutreiben, kann dieses schlechte Karma der Anstiftung anderer zur Abtreibung aufgehoben werden. Ayu, möchtest du es dir ansehen?“ Ich sagte: „Ja, gern!“ Sehr schnell waren wir dort. Hier war es anders als in der Hölle für sexuelles Fehlverhalten. Diese ist voller lüsterner Gedanken an sexuelles Fehlverhalten und Schmerzenslaute; hier hingegen waren die Schreie und das Weinen von tiefem Groll und Schmerz erfüllt. Ich sah nach oben, wo vier große Schriftzeichen standen: „枉死哭城“ – „Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen“. Oh! So viele kleine Menschen! Sie waren dicht an dicht gedrängt und weinten alle. Ihr Weinen war so herzzerreißend! Als ich sie sah, kamen auch mir die Tränen. Manche Säuglinge schrien laut, andere sahen wie eine Kugel aus Blut aus. Der Richter der Unterwelt sagte, der Arzt habe dieses Wesen bei der Abtreibung so zugerichtet. Ein Säuglingsgeist hatte sich so sehr gefürchtet, dass er noch immer zusammengerollt dort lag. Eigentlich konnte er sich jetzt schon ausstrecken, doch er verharrte noch immer in jener schmerzlichen Anhaftung und konnte sich nicht daraus lösen. Ich fragte den Richter der Unterwelt, wann er denn nicht mehr so leiden müsse. Der Richter sagte, das hänge davon ab, ob die Eltern dieses Säuglingsgeistes ihm gegenüber Reue zeigten oder Verdienste erwarben und sie ihm widmeten. Da war noch ein anderer, ein Mädchen, das nach seiner Mutter rief. Ich fragte den Richter der Unterwelt, wie ein Säuglingsgeist, der noch gar nicht geboren worden war, schon „Mama“ rufen könne. Der Richter sagte, würden diese Kinder als Menschen in der Welt der Lebenden geboren, müssten sie erst ein Jahr alt werden, bevor sie sprechen lernten. Doch nun seien sie nicht mehr in der Menschenwelt. In die Hölle seien sie als Geistwesen gekommen, und Geistwesen hätten übernatürliche Fähigkeiten und verständigten sich durch Gedanken. Jedenfalls waren die Säuglingsgeister hier wahrhaftig erbarmungswürdig; sie weinten und schrien unaufhörlich. Ach! Der Himmel besitzt die Tugend, das Leben zu lieben. Wir dürfen auf keinen Fall aus bloßem Eigennutz unschuldiges junges Leben grausam töten. Der Richter der Unterwelt sagte mir, diese „Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen“ sei neu errichtet worden. Während wir sprachen, kamen fortwährend weitere Säuglingsgeister herein. Es waren wirklich so unendlich viele! Da sah ich eine große Schar von Säuglingen herausfliegen, die jeweils ein gelbes Blatt Papier in der Hand hielten. Während ich mich noch darüber wunderte, sagte der Richter der Unterwelt, sie hielten ein von Yanwang, dem Herrscher der Unterwelt, genehmigtes Befehlszeichen in Händen. Mit diesem Befehlszeichen würden die Geisterschergen sie von hier fortlassen, damit sie ihre Eltern aufsuchen könnten. Meistens setzten sie sich im Körper ihrer Mutter fest und verursachten ihr körperliche Beschwerden. An welcher Stelle genau sie sich festsetzten, hänge von den Vorlieben des Säuglingsgeistes ab. Manche wollten gern in den Bauch ihrer Mutter zurück und setzten sich deshalb in der Gebärmutter fest. Andere setzten sich gern im Brustbereich ihrer Mutter fest und so weiter. Manche folgten ständig ihrer Mutter oder ihrem Vater, andere ließen ihre Eltern nicht schlafen. Kurzum, sie verursachten jederzeit Schwierigkeiten. Wenn weitere Kinder geboren würden, störten die Säuglingsgeister die Harmonie der Familie, indem sie zum Beispiel ihre jüngeren Geschwister schlügen und absichtlich allerlei Unruhe stifteten, um ihren Eltern ihren Groll zu zeigen. Rechts davon lag eine ältere Stadt, die vor 70 Jahren entstanden war und „Stadt der Blutbefleckung“ hieß. Inzwischen reichte die „Stadt der Blutbefleckung“ nicht mehr aus. Bei den Säuglingsgeistern in dieser Stadt spürte ich ein stärkeres Gefühl der Einsamkeit. Der Richter der Unterwelt sagte, alle Säuglingsgeister, deren Abtreibung nicht absichtlich herbeigeführt worden sei, würden hier untergebracht. Ah! So war das also. Kein Wunder, dass sie alle für sich allein weinten. Der Richter der Unterwelt sagte außerdem, vor 70 Jahren hätten nur wenige Menschen absichtlich abgetrieben. Damals seien es meist Säuglingsgeister gewesen, die wegen unzureichender karmischer Segnungen nicht hätten geboren werden können. In der heutigen Menschenwelt hingegen überwögen die absichtlichen Abtreibungen. Auch die Einnahme der Pille danach in der Menschenwelt gelte als Verstoß gegen das Gebot, nicht zu töten. Die Säuglingsgeister seien bereits empfangen worden, und unzählige Abtreibungen seien durch die Einnahme der Pille danach erfolgreich herbeigeführt worden.61 Der Richter der Unterwelt sagte weiter: „Heutzutage kommen jeden Tag Säuglingsgeister aus der Menschenwelt hierher, um sich nach einer Abtreibung zu melden. Und bei 90 Prozent erfolgte die Abtreibung aufgrund sexuellen Fehlverhaltens. Dies ist eine schwere karmische Übeltat des Tötens. Sexuelles Fehlverhalten zusammen mit Töten führt zu einer Katastrophe aus gemeinsamem schlechtem Karma. Sobald diese karmische Kraft ein Ausmaß erreicht, bei dem Himmel und Erde ihr Gleichgewicht verlieren, wird in der Menschenwelt unweigerlich eine Katastrophe eintreten. Sie wird durch diesen Groll verursacht. Diese Geister müssen ihrer Wut Luft machen; dieser Anteil schweren schlechten Karmas muss sich durch eine Katastrophe auflösen. Ayu! Geh schnell zurück und warne die fühlenden Wesen in der Menschenwelt vor dieser karmischen Vergeltung für Abtreibung!“62 Ja! Vielen Dank für Ihre Mühe heute, Richter der Unterwelt! Ayu legte vor dem Richter der Unterwelt die Handflächen aneinander! Auf der weißen Lotusblüte ging es zurück. Ich, Ayu, möchte mit euch eine Passage aus Band 56 des „Sutra von der großen Juwelensammlung“ teilen, aus „Die vom Buddha gelehrte Versammlung über den Eintritt in den Mutterschoß, vierzehnte Versammlung, erster Teil“. Der Buddha sprach: „Entsprechend dem Ort, an dem ein Wesen aufgrund seines früheren Karmas geboren werden soll, nimmt das dadurch hervorgebrachte Zwischenwesen bereits dessen Gestalt an. Bei einem Zwischenwesen für die Himmelswelt zeigt der Kopf nach oben; Zwischenwesen für eine Geburt als Mensch, Tier oder Geist bewegen sich waagerecht fort; bei einem Zwischenwesen für die Hölle zeigt der Kopf gerade nach unten. Alle Zwischenwesen besitzen übernatürliche Fähigkeiten. Sie bewegen sich durch die Luft und sehen, wie mit dem himmlischen Auge, aus der Ferne den Ort ihrer Geburt.“63 „Nur wenn zwischen Eltern und Kind ein Karma besteht, durch das sie einander anziehen, tritt das Kind in den Mutterschoß ein. Wenn jenes Zwischenwesen in den Mutterschoß eintreten will, gerät sein Geist in Verblendung. Ist es männlich, empfindet es Liebe zur Mutter und Abneigung gegen den Vater; ist es weiblich, empfindet es Liebe zum Vater und Abneigung gegen die Mutter.“ Jedes Leben, das zu uns kommt, muss vielfältige karmische Verbindungen zu beiden Eltern besitzen; ohne eine solche Verbindung tritt es nicht in den Mutterschoß ein. Kommt es aufgrund einer karmischen Verbindung zu uns, sollten wir es wertschätzen. Ob die Verbindung gut oder schlecht ist: Wenn Ursachen und Bedingungen zusammentreffen, muss man die karmischen Folgen selbst tragen. Mögen alle fühlenden Wesen, die jemals abgetrieben haben, aufrichtig Reue üben, den Namen des Buddha rezitieren und die Verdienste den armen kleinen Säuglingsgeistern widmen. Mögen diese bald im Reinen Land des Westens wiedergeboren werden, dem Leid entkommen und Glück erlangen! 21. Die schwere Anklage der Säuglingsgeister – König Yanluos gelbes Befehlszeichen Dankbar für den Beistand durch Buddhas Kraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ayu grüßt den Richter der Unterwelt mit aneinandergelegten Handflächen! Der Richter der Unterwelt bearbeitete gerade Einzelfälle von Säuglingsgeistern aus der „Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen“. Ich hörte einen weiblichen Säuglingsgeist laut schreien: „Ich hasse euch, ich hasse euch abgrundtief! Ich werde euch niemals davonkommen lassen! Leben um Leben sollt ihr einen schlimmen Tod sterben! Ich werde euch niemals davonkommen lassen! Ich werde euch ganz bestimmt wieder aufsuchen und mich an euch rächen.“ Sie schrie unablässig vor Schmerz. Oh! Wie konnte ein so kleiner Säuglingsgeist einen derart starken Groll hegen! Dieser weibliche Säuglingsgeist wirkte etwas größer als die anderen. Der Richter der Unterwelt sagte, sie sei seit mehr als sechs Monaten im Mutterleib herangewachsen. Nachdem ihre Eltern erfahren hatten, dass sie ein Mädchen war, war sie zum zweiten Mal abgetrieben worden. Beide Male war die Abtreibung nach mehr als sechs Monaten Schwangerschaft erfolgt. Deshalb hatte sie bei Yanwang, dem Herrscher der Unterwelt, Klage erhoben, und Yanwang hatte ihr gestattet, erneut in den Mutterschoß einzutreten, um Schulden einzufordern. Ich wollte zu dem weiblichen Säuglingsgeist hinübergehen und mit ihr sprechen. Ich rezitierte ihr einmal „Amitābha“ und fragte sie, warum sie ihre Eltern so sehr hasse. Wäre es nicht besser, es dabei zu belassen und sie nicht noch einmal aufzusuchen? Schließlich wollten sie kein Mädchen. Auch wenn sie bei ihnen wiedergeboren würde, würden sie sie nicht gut behandeln. Warum sich also dieses Leid antun? Daraufhin begann der weibliche Säuglingsgeist wieder laut zu weinen. Sie sagte, das komme nicht infrage. Und wenn sie bis ans Ende der Welt gehen müsste, müsse sie diese Tat rächen; sie werde ihre Eltern auf keinen Fall davonkommen lassen. Sehr aufgewühlt und voller Schmerz sagte sie, ihre Eltern hätten sie schon zum zweiten Mal getötet. Bei der zweiten Abtreibung habe sogar die Ärztin gesagt, dass dieses Vorgehen gefährlich sei. Doch ihre Eltern hätten gesagt, das Wichtigste sei, dass die Mutter unversehrt bleibe. Das Kind wollten sie ohnehin nicht mehr, deshalb solle man die Methode anwenden, die für die Mutter am günstigsten sei. Der weibliche Säuglingsgeist erzählte weinend, sie habe damals im Bauch ihrer Mutter mit Händen und Füßen mit aller Kraft gestrampelt, in der Hoffnung, etwas früher herauszukommen. Doch nachdem die Ärztin ihr mit der Hand den Kopf festgehalten und ihr eine Spritze gegeben habe, sei sie plötzlich benommen geworden; ihr ganzer Körper habe geschmerzt, und sie habe keine Kraft mehr gehabt. Danach habe die Ärztin zunächst ihre rechte Hand mit einer Schere in zwei Stücke geschnitten und diese mit einer Zange herausgeholt. Anschließend habe sie ihre Füße in vier Stücke geschnitten und sie mit einem Saugnapf herausgesaugt. Sie habe dabei heftige Schmerzen und eine Kälte bis in die Knochen gespürt. Ihrem übrigen Körper sei es ebenso ergangen. Der weibliche Säuglingsgeist erzählte weinend weiter: „Mein Kopf, meine Ohren und meine Augen wurden Stück für Stück abgeschnitten. Besonders das Zerschneiden des Kopfes tat am meisten weh. Die Ärztin schnitt viele Male an meinem Kopf, zog mich auch mit einem Haken in Form eines spitzen Messers heraus, packte mich mit einer Zange und so weiter. Jedes Mal, wenn die Ärztin mich schnitt, hatte ich schreckliche Schmerzen. Mein ganzer Körper hatte keine Kraft mehr, sich zu wehren, und das Blut hörte nicht auf zu fließen. Dieses Leid werde ich niemals, niemals vergessen. Besonders die Ärztin, die diese Abtreibung vornahm, hatte nicht viel Erfahrung. Ihre Bewegungen waren langsamer als die des Arztes bei der vorigen Abtreibung, und ihr unterliefen auch Fehler. Eigentlich hätte sie weniger Schnitte machen können, doch weil ihr Fehler unterliefen und sie schlecht vorging, benutzte sie zusätzliche Werkzeuge, wodurch ich noch mehr litt. Zum Beispiel benutzte sie den Rührstab, den Saugnapf, den Haken und weitere Werkzeuge öfter als bei der vorigen Abtreibung. All diese Qualen habe ich erlitten, weil die beiden mich nicht haben wollten. Ich werde der Ärztin keinen Ärger machen, denn sie hatte vorgeschlagen, mich zur Welt kommen zu lassen, doch meine Eltern hörten nicht auf sie. Sie waren es, die mich nicht das Sonnenlicht sehen ließen. Es ist ihre Schuld. Immer wieder wollten sie meinen Tod. Ich werde die beiden für immer abgrundtief hassen! Sie sollen niemals friedlich sterben, niemals friedlich sterben! Ich werde sie niemals davonkommen lassen.“ Wieder ertönte schmerzliches Weinen. Ach! Wirklich! Welch tiefer Groll und Wunsch nach Rache! Offenbar müssen diese beiden Eltern in der Menschenwelt wirklich mit aller Kraft Reue üben. Welchen Unterschied macht es denn eigentlich, ob man einen Jungen oder ein Mädchen zur Welt bringt!64 Der Richter der Unterwelt sagte: „Yanwang hat diesem weiblichen Säuglingsgeist erneut gestattet, bei denselben Eltern wiedergeboren zu werden, um Schulden einzufordern. Dieses Mal darf sie mit einem gelben Befehlszeichen in der Hand in der Gebärmutter ihrer Mutter wohnen. Wenn sie menschliche Gestalt angenommen hat, wird sich dieses gelbe Befehlszeichen genau an der Stelle der Geschlechtsorgane befinden, sodass der Arzt sie irrtümlich für einen Jungen halten wird. Während der Schwangerschaft ihrer Mutter wird dieser weibliche Säuglingsgeist die liebevolle Zuwendung beider Eltern erhalten, und sie werden ihre Ankunft freudig erwarten. Natürlich werden sie am Ende enttäuscht sein, denn bei der Geburt wird es ein Mädchen sein. Das ist Yanwangs Urteil. Sie haben sich nicht pflichtgemäß verhalten, die Rechtsordnung der Unterwelt verletzt und das Verbrechen der Tötung begangen. Ursprünglich waren die familiären Verhältnisse und die karmischen Segnungen dieser Eltern recht gut. Weil sie aber durch zwei Abtreibungen getötet haben, wurden ihre Segnungen und ihre Lebensspanne bereits umfassend gekürzt. Später müssen sie außerdem Vergeltung erleiden, die darin besteht, dass dieser weibliche Säuglingsgeist ihnen gegenüber keine kindliche Pietät zeigen wird. Tatsächlich ist es auch nicht so, dass Yanwang diesen Eltern durch sein Urteil auferlegt hätte, in Zukunft Schuld abzubüßen und Leid zu ertragen. Vielmehr haben diese Eltern selbst das universelle Gesetz missachtet, dass man Menschen nicht töten darf. Hätten sie diesen Säuglingsgeist bei der ersten Schwangerschaft zur Welt gebracht, wären ihre Segnungen und ihre Lebensspanne nicht umfassend gekürzt worden. Wer eine solche Ursache schafft, erntet eine solche Wirkung. Welches Wesen man auch tötet, künftig muss man die karmischen Folgen ertragen, von ihm getötet zu werden, ein kurzes Leben zu haben und häufig krank zu sein. Wie rasch sich die Technik im Lauf der Zeit auch entwickelt, die drei grundlegenden Bestimmungen der Gesetze der Unterwelt über die großen verborgenen Tugenden – Menschenleben retten, Witwen dabei unterstützen, ihre Keuschheit zu bewahren, und das höchste Gute tun, ohne dass andere davon erfahren – werden sich niemals ändern. Auch die Maßstäbe von Himmel und Erde sowie der sittlichen Ordnung menschlicher Beziehungen werden sich niemals ändern. Jedes Leben hat das Recht zu existieren. Jeden Tag melden sich in der Unterwelt viel zu viele Säuglingsgeister, weil die werdenden Eltern in der Menschenwelt sie absichtlich haben abtreiben lassen. Die Gesetze der Unterwelt werden Wesen, die auf diese Weise Menschen töten, streng bestrafen. Schon wer andere zur Abtreibung anstiftet, verliert Segnungen und Lebenszeit – um wie viel mehr gilt dies für jemanden, der selbst abtreibt. Wer dagegen anderen von einer Abtreibung abrät, kann mehr Segnungen und eine längere Lebensspanne erhalten. Die Unterwelt wird ihm ein großes verborgenes Verdienst aus einer guten Tat in sein persönliches Buch von Leben und Tod eintragen. Damit nützt man sich selbst und anderen.“ Der Richter der Unterwelt belehrte Ayu weiter: „Heutzutage fehlt den Wesen in der Menschenwelt in erschreckendem Maß das Verständnis von Ursache und Wirkung. Sie glauben, ein Kind wisse noch gar nichts, solange es nicht geboren sei. In Wirklichkeit ist ein Leben von der Empfängnis an einem Menschen gleich; nur ist es noch sehr zerbrechlich. Diese Wesen haben Erinnerungen und können auch Schmerz empfinden. Besonders Säuglingsgeister, die bereits menschliche Gestalt angenommen haben, empfinden Schmerz stärker als solche, deren Empfängnis erst einen Monat zurückliegt, und so weiter. Ayu, wenn du dir die Anklagen der Säuglingsgeister in der ‚Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen‘ anhörst, wirst du verstehen: Die gynäkologischen Erkrankungen, Kreuzschmerzen, Kopfschmerzen und vielerlei hartnäckigen körperlichen Leiden, die bei Müttern in der Menschenwelt nach einer Abtreibung trotz langer Behandlung nicht heilen, stehen alle mit diesen Säuglingsgeistern in Verbindung.“65 Ich betrachtete diese „Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen“. Sie war wirklich unermesslich groß; mit meinen Fähigkeiten konnte ich ihre Grenzen nicht erkennen. Das Weinen darin hielt ununterbrochen an und war ohrenbetäubend. Es war wirklich unendlich erbarmungswürdig! Vor meiner Abreise wollte ich noch einmal den weiblichen Säuglingsgeist besuchen, der bald wieder in einen Mutterschoß eintreten würde. Ich sagte: „Amitābha! Kleine Schwester, weine nicht mehr. Denk daran, nach deiner Wiedergeburt deinen Eltern kindliche Pietät zu erweisen! Schließlich ist es auch für deine Mutter sehr beschwerlich, dich zehn Monate lang auszutragen. Und wann soll das gegenseitige Vergelten von Unrecht jemals enden? Da Yanwang dir nun ein Befehlszeichen verliehen hat und du dieses Mal nicht noch einmal das Leid einer Abtreibung ertragen musst, lass es dabei bewenden.“ Der weibliche Säuglingsgeist antwortete sofort zornig, das sei unmöglich; sie werde sie auf keinen Fall davonkommen lassen.66 Ich sagte: „Dann sieh es einmal so! Ohne Yanwangs Befehlszeichen müsstest du womöglich noch wer weiß wie lange warten, bis du wieder in einen Mutterschoß eintreten könntest. Du solltest Yanwang dankbar sein!“ Auf diese Worte hin hörte sie auf zu weinen. Sie schien zuzustimmen, dass sie Yanwang dankbar sein sollte. Ich sagte, sie solle Yanwang für seine Güte danken. Sie antwortete, sie wolle Yanwang danken, werde ihre Eltern aber trotzdem nicht davonkommen lassen. „Nun gut! Kleine Schwester, ich, Ayu, muss jetzt gehen. Amitābha! Ich hoffe, dass dir künftig nichts Unangenehmes mehr widerfährt. Pass gut auf dich auf.“ Ich legte vor dem Richter der Unterwelt die Handflächen aneinander! Vielen Dank, Richter der Unterwelt! Für heute verabschiede ich mich. Auf der weißen Lotusblüte ging es zurück! 22. Die Vergeltung für Abtreibungsärzte im jetzigen und im nächsten Leben – 100.000 Jahre Strafhaft in der Hölle des Zerstückelns In der Stadt, in der ich lebe, berichten die Zeitungen häufig von jungen Mädchen, die nach einer Abtreibung zu Hause zusammenbrechen und mit dem Krankenwagen zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Oder davon, dass sie ihr gerade geborenes Kind töten und wegwerfen. Manche töten es nicht vorher, sondern werfen es direkt aus zwanzig bis dreißig Stockwerken Höhe. Das ist wirklich unerhört. Der Grund liegt in den schlechten Sitten der heutigen Gesellschaft. Überall gibt es Werbung mit verderblichen Botschaften. Selbst Werbung für Armbanduhren zeigt Mädchen mit tief ausgeschnittener Kleidung und sagt dann noch so etwas wie: Es kommt nicht darauf an, dass es ewig dauert, sondern nur darauf, es einmal gehabt zu haben. Andere Werbung, etwa für Unterwäsche oder zum Abnehmen, ist noch unerträglicher anzusehen. Es gibt wirklich viel zu viele Bilder und Werbevideos über allerlei Liebeslust zwischen Männern und Frauen, die das Bewusstsein der Menschen betäuben. Dazu verbreiten die Medien ständig Nachrichten über das ausschweifende Privatleben von Stars und Idolen, über sexuelle Zügellosigkeit und außereheliche Affären. Dadurch sinken die moralischen Maßstäbe, und heutige Jugendliche werden zu der falschen Ansicht verleitet, damit an der Spitze der Zeit zu stehen. So haben Jugendliche zwar unzureichende Kenntnisse über Sexualität, verhalten sich sexuell aber kühn und freizügig. In Wahrheit ist dies ein Verfall ihrer geistigen Natur. Gerade der Einfluss solcher negativen Medienberichte trägt dazu bei, dass das Problem der Abtreibungen von Tag zu Tag schwerwiegender wird, und verursacht darüber hinaus viele gesellschaftliche Probleme. Nur wissen die Menschen nichts davon, weshalb dem keine Beachtung geschenkt wird. Soweit bekannt, gibt es in Japan mindestens zweitausend Tempel, die eigens dazu dienen, Säuglingsgeistern Opfergaben darzubringen. Daran lässt sich erkennen, wie erschreckend hoch die Zahl der Abtreibungen in Japan ist. In Taiwan wurde die jährliche Zahl der Abtreibungen 1997 auf 300.000 geschätzt; 1999 waren es 400.000 und 2000 waren es 500.000. Diese Zahlen beruhen lediglich auf Hochrechnungen aus Stichproben; die tatsächlichen konkreten Zahlen werden jedoch nicht öffentlich bekannt gegeben.70 Eine Studie im US-Bundesstaat Minnesota zeigt: Der Anteil junger Mädchen, die innerhalb eines halben Jahres nach einer Abtreibung Suizid begehen, ist zehnmal so hoch wie bei Mädchen, die keine Abtreibung hatten. Andere einschlägige Studien weisen ebenfalls darauf hin, dass bei Mädchen, die bereits mehrfach abgetrieben haben, das Risiko eines Suizids und psychischer Störungen innerhalb eines halben Jahres nach der Abtreibung noch stärker erhöht ist.267 Sehen wir uns nun an, was die buddhistischen Sutren über die karmische Vergeltung für das Töten sagen. Dazu gibt es wirklich sehr viele Schriften. Betrachten wir zunächst das „Sutra über die Gebote für Upāsakas“. Darin heißt es: „Alle Wesen erlangen aufgrund des Tötens schon im gegenwärtigen Leben ein schlechtes Aussehen, geringe Körperkraft, einen schlechten Ruf und ein kurzes Leben; ihr Besitz schwindet, ihre Angehörigen werden voneinander getrennt, Weise und Heilige tadeln sie, die Menschen vertrauen ihnen nicht, und wenn andere Verbrechen begehen, werden sie unversehens von deren Unheil getroffen. Dies nennt man die Früchte schlechten Karmas im gegenwärtigen Leben. Nachdem sie diesen Körper abgelegt haben, werden sie in die Hölle fallen und viel Leid und Bedrängnis ertragen. Sie leiden Hunger und Durst, leben lange und haben ein schlechtes Aussehen, geringe Körperkraft, einen schlechten Ruf und dergleichen. Dies nennt man die Früchte schlechten Karmas im späteren Leben. Wenn sie wieder einen menschlichen Körper erlangen, haben sie erneut ein schlechtes Aussehen, ein kurzes Leben und Armut zu erdulden. Durch die Macht der karmischen Ursachen und Bedingungen dieses einen bösen Menschen werden draußen in der Welt die Erträge sämtlicher fünf Getreidearten sowie der Baum- und Feldfrüchte vermindert. Das Unheil dieses Menschen breitet sich über einen ganzen Weltkontinent aus.“ Sehen wir uns auch an, was der Buddha im „Brahmajāla-Sutra“ sagt: „Alle Männer sind meine Väter. Alle Frauen sind meine Mütter. In jedem meiner Leben bin ich durch sie geboren worden.“ Der Buddha sprach: „Kind des Buddha! Ob man selbst tötet, andere zum Töten anweist, durch geeignete Mittel tötet, das Töten lobt, sich mitfreut, wenn man es geschehen sieht, oder gar durch Beschwörungen tötet: die Ursachen des Tötens, die Bedingungen des Tötens, die Methoden des Tötens und das Karma des Tötens – kein Wesen, das Leben besitzt, darf absichtlich getötet werden. Ein Bodhisattva soll beständig Mitgefühl und kindliche Ehrerbietung im Herzen hegen und mit geeigneten Mitteln alle Lebewesen retten und schützen. Wer stattdessen seinen Regungen freien Lauf lässt und nach Belieben Lebewesen tötet, begeht damit ein Pārājika-Vergehen eines Bodhisattvas.“ In vielen Sutren hat der Buddha bereits ausführlich über die karmische Vergeltung in der Hölle für das Töten von Lebewesen gesprochen.68 Nun gehe ich in die Hölle, um den Richter der Unterwelt zu fragen: Welche karmische Vergeltung erwartet Ärzte, die bei anderen Abtreibungen vornehmen? Ich bitte um den Schutz der Kraft des Buddha! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und verneige mich vor dem Richter der Unterwelt! Heute möchte ich den Richter der Unterwelt fragen: Welche karmische Vergeltung erwartet Ärzte, die bei anderen Abtreibungen vornehmen? Der Richter der Unterwelt sagte: „Vor 70 Jahren mussten Ärzte, die Abtreibungen vornahmen, lediglich für 1.000 Jahre in die Hölle des Heulens, für 1.000 Jahre in die Hölle der Schwertblätter, für 1.000 Jahre in die Hölle der Herzzerstörung, für 1.000 Jahre in die Eishölle und für 1.000 Jahre in die Hölle der Augenbeschießung. Erst wenn alle geschädigten Säuglingsgeister erfolgreich in der Menschenwelt wiedergeboren worden waren, konnten die betroffenen Ärzte vom Leiden in der Hölle befreit werden. Anschließend musste man sehen, wie gut sich ihr Geist erholt hatte, um zu entscheiden, wann sie wieder in der Menschenwelt geboren werden konnten. Bei ihrer Wiedergeburt in der Menschenwelt hatten sie ein kurzes Leben und viele Krankheiten. Gewöhnlich litten sie unter Taubheitsgefühlen an Schultern, Nacken, Händen, Füßen und anderen Körperstellen, Nervosität, Kopfschmerzen, Kreuz- und Rückenschmerzen, Epilepsie, chronischer Rhinitis, verschiedenen Frauenkrankheiten, der Unfähigkeit, ehelichen Geschlechtsverkehr zu vollziehen, Brustkrebs, Gebärmutterkrebs, nächtlichem Harndrang und so weiter. Es ist unmöglich, sämtliche Krankheitsbilder auf einmal vollständig darzulegen. Kurz gesagt: Welche Schmerzen die abtreibenden Ärzte den Säuglingsgeistern damals auch zugefügt hatten, bei ihrer Wiedergeburt als Menschen mussten sie dieselben Schmerzen in Form von Krankheiten selbst ertragen. Mit Arzneimitteln der Menschenwelt ließen sie sich nicht heilen. Erst wenn diese karmische Kraft beseitigt war, heilte auch die Krankheit. Dies war vor 70 Jahren die karmische Vergeltung für Ärzte, die bei anderen Abtreibungen vornahmen. Heute besteht die karmische Vergeltung für abtreibende Ärzte in der Menschenwelt darin, dass ihnen schon zu Lebzeiten auf ganzer Linie Segnungen und Lebenszeit abgezogen werden. Ihr Glück in Familie, Beruf und finanziellen Angelegenheiten wird insgesamt vermindert. Als Erstes treten Kopfschmerzen, Kreuz- und Rückenschmerzen sowie Schulter- und Handschmerzen auf. Nach ihrem Lebensende müssen sie zunächst für 100.000 Jahre in die Hölle des Zerstückelns, um ihre Vergeltung zu erleiden. Danach werden sie zur Bestrafung jeder der eben genannten Höllen zugewiesen. Ärzte, die heute bei anderen Abtreibungen vornehmen, töten täglich in großer Zahl; es sind viele Leben betroffen. Außerdem verursachen die heute verwendeten Abtreibungsinstrumente bei den Säuglingsgeistern größere Schäden und schwerere Folgewirkungen als früher. Deshalb säen die heutigen abtreibenden Ärzte auch schwereres schlechtes Karma. Tatsächlich gibt es auch sehr viele Fälle, in denen die Abtreibung bei den Säuglingsgeistern Groll hervorruft und dadurch bei diesen werdenden Eltern Störungen durch Geister entstehen. Die Säuglingsgeister mit den gelben Befehlszeichen in den Händen, die du zuvor gesehen hast, gehen alle hinaus, um die werdenden Eltern aufzusuchen und ihren Groll zu vergelten. Genau das ist mit solchen Störungen durch Geister gemeint. Die dabei auftretenden Unglücksfälle umfassen ein breites Spektrum: In leichteren Fällen führen Besessenheit und anhaltende Krankheit dazu, dass man lange Medikamente einnehmen muss; in schweren Fällen besteht Lebensgefahr und dergleichen. Zudem waren viele dieser Kinder ursprünglich eigene Vorfahren, die zur Wiedergeburt gekommen waren.69 Ayu, besichtige jetzt einmal die ‚Hölle des Zerstückelns‘! Schreibe nach deiner Rückkehr ausführlich darüber, um die Menschen zu warnen!“ Ja, gern! Ich danke dem Richter der Unterwelt! Sofort begebe ich mich zur „Hölle des Zerstückelns“. Mir fällt auf, dass jede Hölle ein bestimmtes Merkmal besitzt: Noch bevor man durch das Tor tritt, hört man ohrenbetäubende Schmerzensschreie und Stöhnen. Dies ist ein unveränderliches Merkmal der Hölle. Deshalb ist es keineswegs falsch zu sagen, dass das größte Leiden in der Hölle herrscht. Kommt auf keinen Fall in die Hölle! Nun sehe ich einige weibliche Geister, die von vielen Yakṣas in sehr kleine, runde, rote Eisenhöhlungen getrieben werden, in denen ein widerlicher Blutgeruch herrscht. Jeder Geist bekommt eine eigene Eisenhöhlung. Diese Höhlungen sind so klein – wie man sie auch hineinzuzwängen versucht, die Körper der weiblichen Geister passen einfach nicht hinein! Die weiblichen Geister machen kehrt und laufen davon, doch es nützt nichts. Die Yakṣas sind äußerst grausam! Laut und wütend brüllend spießen sie die weiblichen Geister mit ihren spitzen Gabeln auf und zwängen sie gewaltsam in die Eisenhöhlungen. Die weiblichen Geister bluten am ganzen Körper, Hände und Füße werden abgetrennt. Schließlich sind sie vollständig hineingepresst. Dann fächeln die Yakṣas mit einem Fächer auf die Eisenhöhlungen zu, und die weiblichen Geister sind vollständig wiederhergestellt, als wäre ihnen nichts geschehen. Nun holen die Yakṣas Haken hervor, die wie spitze Messer geformt sind, und zerren die weiblichen Geister damit heraus. Diese schreien vor Schmerzen entsetzlich auf, doch es ist überhaupt nicht möglich, sie herauszuziehen. Die Yakṣas nehmen daraufhin Scheren und schneiden die weiblichen Geister Stück für Stück heraus. Blut bedeckt den Boden. Sobald alle Körperteile draußen sind, saugen die Yakṣas sie mit einem Saugnapf wieder zusammen, und die Geister werden erneut lebendig. So wiederholt sich der Kreislauf, und diese qualvolle Strafe geht immer weiter. Ach! Es ist wirklich zu entsetzlich. Ich möchte nicht weiter zusehen. Es ist einfach zu schmerzhaft! Amitābha! Tut niemals etwas, das anderen schadet. Diese Qual ist wer weiß wie viele Hundert- oder Tausendmal schlimmer als die Schmerzen einer Geburt! Vielen Dank für Ihre Mühe, Richter der Unterwelt! Ich, Ayu, lege vor Ihnen die Handflächen zusammen! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück. 23. Kind, bitte weine nicht – Der Richter der Unterwelt erklärt ausführlich, wie sich die Folgen einer Abtreibung wiedergutmachen lassen Dankbar für den Beistand durch Buddhas Kraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ich, Ayu, werfe mich ehrerbietig vor dem Richter der Unterwelt nieder! Heute möchte ich den Richter der Unterwelt fragen: „Welche Möglichkeiten gibt es, die Folgen einer Abtreibung wiedergutzumachen, und wie betrachten Sie diese Frage der Wiedergutmachung?“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Aus welchem Grund es bei Eltern in der Menschenwelt auch zu einem Abort kommt: Sobald dieser eingetreten ist, ist das Karma des Tötens entstanden. Im Buch von Leben und Tod der Hölle wird bereits verzeichnet, in welchem Jahr und Monat sie einen noch ungeborenen Säuglingsgeist getötet haben. Nach ihrem Lebensende werden sie in die große Halle der Unterwelt in der Hölle gebracht, um gerichtet und bestraft zu werden. Wenn es jedoch daran lag, dass der Säuglingsgeist selbst nicht genügend Segnungen für eine Geburt in der Menschenwelt besaß, müssen solche Eltern nicht zur Bestrafung in die Hölle. Doch auch sie müssen ihr eigenes Karma und ihre geringen Segnungen bereuen, derentwegen sie das Kind nicht erfolgreich in die Menschenwelt bringen konnten. Sie müssen bereuen und Verdienste widmen, in der Hoffnung, dass der Säuglingsgeist bald aufsteigen und auf einem guten Daseinsweg wiedergeboren werden kann. Alles ist durch Ursache und Wirkung miteinander verbunden. Wenn ein Säuglingsgeist in einen Mutterleib eintreten kann, bestehen zwischen ihm und den werdenden Eltern unzählige karmische Verbindungen aus guten und schlechten Taten vergangener Leben. Stirbt er jedoch vor der Geburt, so liegt dies an festgelegtem Karma gemäß den Gesetzen der Unterwelt, das sich nicht ändern lässt. Es ist dadurch verursacht, dass sowohl der Säuglingsgeist als auch die werdenden Eltern in vergangenen Leben bereits Karma des Tötens, des Stehlens und des sexuellen Fehlverhaltens geschaffen haben.71 Eine Abtreibung ist für den Säuglingsgeist schmerzhaft. In den meisten Fällen müssen die werdenden Eltern später dieselben Schmerzen, die der Säuglingsgeist ertragen hat, noch einmal selbst erleiden. Zudem gibt es zwei Faktoren, durch die sich die Dauer der Strafe verdoppelt. Der erste ist ein langer zeitlicher Abstand: Dann muss die Dauer verdoppelt werden. Mit einem langen zeitlichen Abstand ist die Zeit gemeint, die seit der Abtreibung verstrichen ist. Wenn die werdenden Eltern weiterhin keine Reue zeigen, so tun, als wäre nichts geschehen, und nicht an den Kreislauf von Ursache und Wirkung und karmischer Vergeltung glauben, während allein der Säuglingsgeist in der ‚Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen‘ in der Hölle schmerzvoll weint, leidet und Groll hegt, dann zieht sich sein Leiden immer weiter hin und sein Groll wird immer tiefer. In manchen Fällen besitzen die werdenden Eltern in der Menschenwelt große Segnungen, weshalb sie vorerst nicht sofort von der Vergeltung getroffen werden. Man muss warten, bis ihre Segnungen aufgebraucht sind. Bei manchen tritt die Vergeltung vielleicht erst im nächsten Leben ein. In solchen Fällen vergeht entsprechend mehr Zeit. Doch die in den Gesetzen der Unterwelt wirkenden Zusammenhänge von Ursache und Wirkung geraten niemals durch den Wandel von Zeit, Epoche oder äußerer Gestalt durcheinander. Es bleibt nicht ohne Vergeltung; nur ist die Zeit dafür noch nicht gekommen. Das Gesetz von Ursache und Wirkung kennt nicht die geringste Abweichung. All die karmischen Kräfte, die sich in dieser Zeit durch Ursache und Wirkung bilden, werden auf die Eltern zurückfallen, die die Abtreibung vornehmen ließen. Deshalb müssen alle werdenden Eltern, die eine Abtreibung vornehmen ließen, so bald wie möglich aufrichtige Reue entwickeln und sich diesem Problem stellen, um es zu lösen. Andernfalls werden sie unweigerlich von der karmischen Kraft getroffen, mit der der Säuglingsgeist Schulden einfordert, und können auch der unerbittlichen Vergeltung nach den Gesetzen der Unterwelt nur schwer entgehen. Der zweite Faktor ist ein Säuglingsgeist mit besonders starker Anhaftung: Auch dann muss die Dauer der Strafe verdoppelt werden. Bei den Eltern in der Menschenwelt wiegt nach einer Abtreibung besonders die Schuld der Mutter schwerer, denn sie ist es, die letztlich über die Abtreibung entscheidet. Viele Mütter in der Menschenwelt beschließen erst im letzten Augenblick, doch keine Abtreibung vornehmen zu lassen. Solche Mütter können die Verdienste und guten Taten einer Lebensrettung ansammeln. Trifft man jedoch auf einen Säuglingsgeist mit starker Anhaftung, handelt es sich meistens um ein Kind, das zur Wiedergeburt gekommen ist, um eine Schuld einzufordern, unglücklicherweise aber erneut das Schicksal einer Abtreibung erfährt. Dadurch wird diese unheilvolle karmische Verbindung sehr tief. Das heißt: Schon beim Eintritt in den Mutterleib bestand tiefer Groll. Dazu kommen nun noch die Schmerzen und der Groll infolge der Abtreibung. Diese unheilvolle Verbindung wird dadurch so tief, dass sich beim Eintritt der Vergeltung die Dauer der Strafe verdoppeln muss. Es gibt zwei Möglichkeiten, die Folgen einer Abtreibung wiedergutzumachen. Die eine beruht auf innerer Kraft, nämlich darauf, sie durch die Kraft aufrichtiger Reue im Herzen aufzulösen. Die andere beruht auf äußerer Kraft: Man sammelt Segnungen und tut Gutes, um den Groll des Säuglingsgeistes über das Geschehene allmählich zu vermindern und aufzulösen. Nur mit diesen beiden Methoden ist Wiedergutmachung möglich. Wie viel Zeit in einem einzelnen Fall benötigt wird, lässt sich nicht pauschal sagen. Natürlich dauert es bei einer größeren Zahl von Abtreibungen entsprechend länger, denn jede Abtreibung knüpft eine unheilvolle karmische Verbindung zu einem Säuglingsgeist. Wie tief diese Verbindung reicht, hängt vom Karma ab, das die werdenden Eltern und dieser Säuglingsgeist in vergangenen Leben miteinander geschaffen haben. Bestand eine gute karmische Verbindung, ist es etwas günstiger. Er kam, um empfangene Güte zu vergelten, und so wird es später von selbst weniger Schwierigkeiten geben. Doch da die Abtreibung dem Säuglingsgeist Schmerzen zufügt, verwandelt sich die ursprünglich gute Verbindung in eine unheilvolle. Kam er aufgrund einer unheilvollen Verbindung, wird durch die Abtreibung das Leid noch verschlimmert und der Groll noch tiefer. Jede Abtreibung verursacht dem Säuglingsgeist große Schmerzen. Wie groß diese Schmerzen sind, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Grundsätzlich nehmen sie mit der Größe des Fötus allmählich zu: Je größer der Fötus, desto größer die Schmerzen und desto stärker auch der Groll.72 Das Karma einer Abtreibung entsteht auf vielfältige Weise. Bei den meisten Säuglingsgeistern, die gegenwärtig abgetrieben werden, ist die Abtreibung eine Folge sexuellen Fehlverhaltens der Menschen. Darin liegt ein schwerwiegendes Problem. Alle Personen, die am Karma einer Abtreibung beteiligt sind – die werdenden Eltern, die Ärzte und diejenigen, deren Anstiftung dazu führt, dass andere tatsächlich eine Abtreibung vornehmen lassen –, müssen die karmische Vergeltung in der Hölle erleiden. Wurde ein Säuglingsgeist abgetrieben, muss man sehen, wie stark sein Groll und seine Anhaftung sind. Doch ob tief oder oberflächlich: Die unheilvolle Verbindung ist bereits geknüpft. Wer die Glocke angebunden hat, muss sie auch wieder lösen. Aus welchem Grund eine Abtreibung auch erfolgt ist, die werdenden Eltern in der Menschenwelt müssen tiefe Scham und Reue empfinden. Nach der Abtreibung müssen sie den Säuglingsgeist jeden Tag mit vollkommen aufrichtigem Herzen um Vergebung bitten, um so seinen Groll zu vermindern und aufzulösen. Da Säuglingsgeister Geister sind, besitzen sie die Fähigkeit, die Gedanken anderer zu erkennen, und wissen, was die Eltern in der Menschenwelt denken. Deshalb muss die Reue unbedingt aufrichtig sein. Handelt es sich bloß um eine formelhafte Pflichterfüllung und nicht um echte Reue, ist sie nutzlos. Man muss dies jeden Tag mit vollkommen aufrichtigem Herzen, mit ausreichender Aufrichtigkeit und innigem Ernst tun. Anfangs können viele unangenehme Empfindungen auftreten. Zu den häufigsten zählen Kopfschmerzen, Schmerzen in der Brust, in Händen und Füßen, Kreuz- und Rückenschmerzen, innere Anspannung und vieles mehr, das sich nicht vollständig aufzählen lässt und von Mensch zu Mensch verschieden ist. Ein kleiner Teil der werdenden Eltern in der Menschenwelt muss besondere körperliche Schmerzen ertragen. Dies hängt von ihrem Karma mit dem Säuglingsgeist ab. Die eben genannten Schmerzempfindungen treten grundsätzlich bei allen werdenden Eltern auf. Manche werdenden Eltern erleben sämtliche der genannten Schmerzen. Bei anderen ist das Karma der Abtreibung nicht allzu schwer: Der Verlust der Schwangerschaft war nicht beabsichtigt, sondern trat ein, weil der Fötus selbst nicht genügend Segnungen für eine Geburt in der Menschenwelt besaß. Solchen Eltern wird es entsprechend etwas besser ergehen. Doch auch sie müssen bereuen, damit der Säuglingsgeist bald aufsteigen kann. Denn die Säuglingsgeister in der Hölle befinden sich seit ihrer Abtreibung in der ‚Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen‘. Voller Trauer und Zorn warten sie darauf, dass Yanwang, der König der Unterwelt, bald sein Urteil fällt und die gelben Befehlszeichen der Unterwelt zur Ausgabe freigibt. Sobald diese Befehlszeichen ausgegeben werden, können sie in die Menschenwelt kommen, um Rache zu nehmen. Dann wird das Glück der werdenden Eltern in der Menschenwelt unweigerlich auf ganzer Linie nachlassen. Bei der Arbeit, im Beruf, in der Gesundheit, in den zwischenmenschlichen Beziehungen und so weiter werden überall vielfältige Hindernisse auftreten. Auch entstehen in der Menschenwelt zahlreiche Krankheiten, weil dort jeden Tag so viele werdende Eltern eine Abtreibung vornehmen lassen. Dazu gehören etwa Migräne, die trotz wiederholter Behandlung nicht heilt, verschiedene hartnäckige Frauenkrankheiten, Geschlechtskrankheiten, psychotische Störungen und so weiter. All dies wird durch Abtreibungen hervorgerufen. Solche Krankheiten lassen sich nur durch die Kraft aufrichtiger Reue, durch gute Taten und das Ansammeln von Verdiensten beheben. Andernfalls werden lediglich Geld, Zeit und die Arzneimittel der Menschenwelt verschwendet. Möglicherweise lässt sich das Problem ein ganzes Leben lang nicht lösen, sodass sich das unerledigte Karma bis ins nächste Leben hinzieht und dort fortsetzt. Die Wiedergutmachung muss im Herzen und in den Gedanken erfolgen. Was sich im Herzen eines Menschen regt und welche Gedanken er hervorbringt, ist äußerst wichtig. Ein einziger Gedanke eines Menschen vermag Zeit und Raum zu durchqueren und gute oder schlechte Geschehnisse hervorzubringen. Denkt daran: Nach einer Abtreibung muss man selbst bereuen, statt andere dafür zu bezahlen, stellvertretend Reueübungen zu vollziehen und Sutren zu rezitieren. In der Menschenwelt gibt es viele Orte, an denen Säuglingsgeistern Opfer dargebracht werden. Tatsächlich haben die meisten davon jedoch keine Wirkung; man verschwendet lediglich sein Geld.73 Die werdenden Eltern, die eine Abtreibung vornehmen ließen, sollten einerseits täglich den Säuglingsgeist mit vollkommen aufrichtigem Herzen reuevoll um Vergebung bitten und andererseits selbst das ‚Kṣitigarbha-Sutra‘ oder andere buddhistische Sutren rezitieren. Wer dazu in der Lage ist, sollte häufig Lebewesen freilassen und die Verdienste dem Säuglingsgeist widmen. Eine Abtreibung ist eine Handlung des Tötens, die schlechtes Karma anhäuft und Leiden herbeiführt. Jede werdende Mutter verspürt nach einer Abtreibung unweigerlich ein unerklärliches Schuldgefühl im Herzen. Dieses Schuldgefühl wird durch das Karma der Abtreibung verursacht. Es muss durch die Kraft innerer Reue und durch die Vergebung des Säuglingsgeistes beseitigt und aufgelöst werden. Manche werdenden Mütter mögen sagen, dass sie kein solches Gefühl haben. In Wahrheit fehlt es ihnen nicht; vielmehr sind ihre gewohnheitsmäßigen Neigungen und geistigen Verblendungen zu grob und schwer. Das heißt, ihre karmischen Hindernisse sind so schwer, dass sie diese Empfindung verdecken. Lebewesen freizulassen hingegen rettet Leben und zieht Glückverheißendes an. Bei einer Freilassung sind die befreiten Lebewesen glücklich und dankbar, und zugleich entstehen gute karmische Verbindungen. Man sollte Lebewesen freilassen und die Verdienste den Säuglingsgeistern widmen, damit sie bald vom Leiden befreit werden, Glück erlangen und ins Reine Land aufsteigen.7475 Auch die Unterwelt legt großen Wert auf die Methoden zur Wiedergutmachung nach Abtreibungen. Die Menschenwelt befindet sich inzwischen in einem Zeitalter der Verwirrung durch sexuelles Fehlverhalten. Abtreibungen als dessen Folge sind für junge Menschen bereits alltäglich geworden. Gerade weil das verderbliche Qi sexuellen Fehlverhaltens und das Qi des Grolls aus Abtreibungen die Menschenwelt erfüllen, wird das Gleichgewicht der Natur schwer beeinträchtigt. Dies wird unweigerlich Naturkatastrophen und von Menschen verursachtes Unheil herbeiführen. Der König der Unterwelt hat verfügt: Allen Wesen in der Menschenwelt, die aufrichtig bereuen und sich um die Wiedergutmachung einer Abtreibung bemühen, die nicht nur geloben, selbst von nun an für immer jede Abtreibung zu unterlassen, sondern diese Botschaft auch weiterverbreiten und andere von Abtreibungen abhalten, wird gestattet, durch Verdienste ihre Schuld zu sühnen. In ihrem persönlichen Buch von Leben und Tod in der Unterwelt wird eine große gute Tat verzeichnet. Zudem können die Strafen der karmischen Vergeltung für Abtreibungen in der Hölle nach Ermessen vermindert oder erlassen werden. Das abschließende Urteil über die Einzelheiten hängt vom konkreten Fall ab.“ „Gut, Ayu! Für heute ist es genug. Kehre zurück und schreibe rasch deinen Bericht!“ Amitābha! Ich, Ayu, werfe mich ehrerbietig nieder und danke dem Richter der Unterwelt! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück! 24. Kind, Mama liebt dich – Mit ernsten, fürsorglichen Worten belehrt der Richter der Unterwelt alle Mütter der Welt! Dankbar für den Beistand durch Buddhas Kraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und verneige mich vor dem Richter der Unterwelt! Der Richter der Unterwelt sagte: „Ayu! Du bist eine Weile nicht mehr hier gewesen!“ „Ja, Richter der Unterwelt! Ich, Ayu, schäme mich. In letzter Zeit haben mich weltliche Angelegenheiten sehr beschäftigt. Ich muss mir an Ihnen ein Beispiel nehmen und Tag und Nacht den Lebewesen dienen. Künftig werde ich öfter kommen.“ Heute möchte ich, Ayu, dem Richter der Unterwelt einige Fragen zu den Geistern abgetriebener Kinder stellen. „Darf ich Sie fragen, Richter der Unterwelt: Können die Säuglingsgeister in der Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen die Verdienste empfangen, die ihre Mütter in der Menschenwelt nach einer Abtreibung durch das Rezitieren von Sutren und das Freilassen von Lebewesen erwerben? Welches Sutra sollte man am besten rezitieren? Wie oft muss man es rezitieren, damit es wirkt? Wohin gehen die Säuglingsgeister, nachdem sie die Verdienste empfangen haben? Müssen die Menschen für die Säuglingsgeister zu Hause oder in einer buddhistischen Andachtshalle Gedenktafeln aufstellen, damit sie Räucheropfer empfangen und Sutren hören können? Ist das von Nutzen? Wachsen die Säuglingsgeister in der Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen heran? Wovon ernähren sie sich?“ Der Richter der Unterwelt antwortete: „Ja, sie empfangen sie. Wir weisen den Säuglingsgeistern die Verdienste aller guten Taten zu, die ihre Eltern oder Angehörigen in der Menschenwelt ausdrücklich ihnen gewidmet haben, etwa das Freilassen von Lebewesen, das Rezitieren von Sutren, Opfergaben an die Buddhas, Spenden, den Bau von Brücken, das Anlegen von Straßen und so weiter. Sind die Verdienste groß, erhalten die Säuglingsgeister entsprechend mehr; sind sie klein, erhalten sie entsprechend weniger. Die Größe des Verdienstes einer jeden guten Tat hängt vom Beweggrund des Handelnden ab. Das heißt: Wer Gutes tut, um Lebewesen zu helfen, sich vom Leiden zu befreien und Glück zu erlangen, um sie aus Not und Bedrängnis zu retten, dabei nicht den geringsten Gedanken an eine Gegenleistung hegt und nach der guten Tat innerlich nicht daran haftet, erlangt Verdienste von selbst, ohne danach zu streben. So kann man unermessliche, grenzenlose Verdienste erwerben. Werden diese unermesslichen, grenzenlosen Verdienste einem Säuglingsgeist in der Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen gewidmet, kann dieser mit Gewissheit innerhalb von 49 Tagen nach seiner Abtreibung zu einer guten Daseinsform aufsteigen. Was die Verteilung der Verdienste betrifft: Von sieben Anteilen erhält der Mensch, der in der Menschenwelt Gutes tut, sechs Anteile, und der Säuglingsgeist in der Unterwelt erhält einen Anteil.“76 „Was das Rezitieren von Sutren angeht, so eignet sich das ‚Kṣitigarbha-Sutra‘ am besten, um den Geistern Verstorbener zur Befreiung zu verhelfen. In seiner großen Güte und seinem großen Mitgefühl hat Kṣitigarbha gelobt: ‚Solange die Höllen nicht leer sind, werde ich kein Buddha.‘ Kṣitigarbha besitzt die engste karmische Verbindung zu den Wesen in der Hölle. Man muss das Sutra mindestens 49-mal vollständig rezitieren. Der schnellste Aufstieg, der in unseren Aufzeichnungen der Unterwelt vermerkt ist, betraf den Säuglingsgeist einer Mutter in der Menschenwelt, die nach einer Abtreibung das ‚Kṣitigarbha-Sutra‘ 49-mal vollständig rezitierte und darüber hinaus unablässig große Gelübde ablegte und Gutes tat. Ihr Säuglingsgeist ist inzwischen aufgestiegen. Auch diese Mutter in der Menschenwelt wurde später zu einer reinen Praktizierenden, die tatsächlich sich selbst und anderen Nutzen bringt. Vom ersten Tag der Abtreibung an gerechnet erfolgte der Aufstieg am 49. Tag. Doch solche Mütter sind in der Menschenwelt äußerst selten; man kann sagen, es gibt nicht einmal eine unter zehntausend. Um fast alle Säuglingsgeister, die gegenwärtig in die Unterwelt kommen, kümmert sich niemand. Es gibt wirklich viel zu wenige Eltern in der Menschenwelt, die nach einer Abtreibung bereit sind, aus eigenem Herzen Reue zu entwickeln! Viele meinen, solange man nichts sehe, sei auch nichts geschehen. Das ist in Wahrheit ein Irrtum. Diese Säuglingsgeister in der Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen in der Unterwelt verbringen jeden Tag in Schmerzen. Wenn ihre Eltern in der Menschenwelt weiterhin nicht den Entschluss fassen, diesen Groll und diese Verstrickung aufzulösen, wird der Knoten des Grolls mit der Zeit nur immer größer. Sobald die Segnungen der Eltern in der Menschenwelt aufgebraucht sind, kommen die karmischen Ursachen und Bedingungen zusammen. Dann wird der Säuglingsgeist sie unweigerlich zu Hause aufsuchen, um seinen Groll zu vergelten. Ebenso wenig können sie dem Netz der Gesetze der Unterwelt entkommen. Dann ist das Süße wahrlich zu Ende, und das Bittere beginnt. Wie sie die leidvolle Vergeltung erfahren werden, lässt sich kaum mit wenigen Worten sagen. Von Kopf bis Fuß können alle möglichen Krankheiten auftreten, bis hin zum Zerfall der Familie und zum Tod ihrer Angehörigen und dergleichen.“7779 „Die Menge an Verdiensten, die jeder Säuglingsgeist benötigt, ist unterschiedlich. Da sich Güte und Groll in jedem Fall unterscheiden, ist natürlich auch die Zeit zu ihrer Auflösung verschieden. Kam er, um empfangene Güte zu vergelten, ist es etwas leichter. Doch auch dann entsteht durch die Abtreibung neuer Groll. Deshalb heißt es, dass Güte und Groll unentwirrbar miteinander verflochten sind. Wir können jederzeit neue Verbindungen von Güte und Groll schaffen. Kam er jedoch, um Groll zu vergelten, wird das Leid nur noch verschlimmert und unerträglich.“ „Nachdem ein Säuglingsgeist Verdienste empfangen hat, steigt er entsprechend seinem eigenen Karma auf und verlässt die Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen in der Unterwelt. Dabei lassen sich ungefähr drei Arten des Aufstiegs unterscheiden. Erstens: Wer genügend Segnungen besitzt, kann mithilfe dieser Verdienste ins Westliche Reine Land aufsteigen. Doch Säuglingsgeister, die so ins Reine Land aufsteigen, sind sehr, sehr selten. Zweitens: Manche steigen in die Himmelswelt auf und werden Himmelswesen. Drittens: Manche steigen in die Menschenwelt auf. Ob sie nun ins Westliche Reine Land, in die Himmelswelt oder in die Menschenwelt aufsteigen: Je nach den eigenen Segnungen des Säuglingsgeistes ergeben sich Unterschiede zwischen höheren und niedrigeren Stufen. Im Westlichen Reinen Land gibt es neun Lotus-Ränge; in der Himmelswelt unterscheidet man die Himmel des Bereichs der Begierde, des Bereichs der Form und des formlosen Bereichs. Auch in der Menschenwelt gibt es Unterschiede zwischen Reichtum und hohem Stand einerseits und Armut und niedrigem Stand andererseits. Wohin ein Säuglingsgeist nach dem Empfang der Verdienste geht, hängt davon ab, wie viele Verdienste die Eltern in der Menschenwelt nach der Abtreibung besitzen und ob genügend davon vorhanden sind, um ihm einen ausreichenden Anteil für seinen Aufstieg zuzuteilen. Je früher der Säuglingsgeist aufsteigt, desto früher werden auch die Unglücksfälle der Eltern in der Menschenwelt behoben. Mögen alle werdenden Eltern in der Menschenwelt, die je eine Abtreibung vornehmen ließen, so bald wie möglich den Entschluss fassen, das zur Hölle führende schlechte Karma der Abtreibung zu bereuen, in großem Umfang Gutes zu tun und Verdienste anzusammeln, um ihrem armen eigenen Fleisch und Blut in der Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen zur Befreiung zu verhelfen.“ „Was das Aufstellen von Gedenktafeln für Säuglingsgeister betrifft, so brauchen die werdenden Eltern in der Menschenwelt zu Hause keine solchen Tafeln aufzustellen. Das würde den Aufstieg des Säuglingsgeistes nur verzögern und könnte sogar andere Geister dazu verleiten, in die Tafel einzuziehen. Eine Gedenktafel in einer buddhistischen Andachtshalle aufzustellen, damit der Säuglingsgeist Räucheropfer empfängt und Sutren hört, hat durchaus eine Wirkung. Doch diese Andachtshalle muss rein sein und im Einklang mit den Grundsätzen und dem Dharma geführt werden, damit sie den Aufstieg bewirken kann. Gegenwärtig gibt es in der Menschenwelt viele Einrichtungen, die sich als buddhistische Andachtshallen dieses oder jenes Namens ausgeben und behaupten, bei ihnen wirke ein Dharma-Meister von hoher Weisheit und mit übernatürlichen Fähigkeiten, der sich insbesondere der Befreiung von Säuglingsgeistern widme und dergleichen. Betrachtet man ihr Handeln, zeigt sich, dass sie in Wahrheit nur darauf aus sind, Geld zu erschwindeln. Die Auftraggeber verschwenden dabei lediglich Geld, Zeit sowie geistige und körperliche Kraft. Es kann sogar geschehen, dass sie Dämonen anziehen, die von ihnen Besitz ergreifen. Denn der Groll der abgetriebenen Säuglingsgeister richtet sich gegen die werdenden Eltern in der Menschenwelt. Wer die Glocke angebunden hat, muss sie auch wieder lösen. Statt andere dafür zu bezahlen, stellvertretend vor dem Säuglingsgeist Reue zu bekunden, ist es schneller und wirksamer, selbst aufrichtig zu bereuen.“ „Wenn Säuglingsgeister nach einer Abtreibung in die Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen gelangen, nehmen die meisten die Gestalt eines etwa sechs Monate alten Kindes der Menschenwelt an. Diese Gestalt behalten sie bei, bis sie wiedergeboren werden oder aufsteigen. In der Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen ernähren sich Säuglingsgeister durch Berührung. Wenn die werdenden Eltern in der Menschenwelt ihnen Opfergaben darbringen, können sie die Essenz der Speisen aufnehmen. Leider bringt diesen verlassenen Säuglingsgeistern überhaupt niemand Opfergaben dar. Nur der Schmerz leistet ihnen Gesellschaft, und deshalb weinen sie jeden Tag laut vor Leid. Der Groll der Säuglingsgeister zehrt im Verborgenen unablässig an den Segnungen und Verdiensten ihrer Eltern. Wenn das Leben der Eltern in der Menschenwelt zu Ende geht, beginnt erneut eine leidvolle Verstrickung aus Verbundenheit und Groll. Deshalb ermahne ich alle Wesen in der Menschenwelt, keine Abtreibungen vorzunehmen. Wer je eine Abtreibung vorgenommen hat, muss Gutes tun, Verdienste ansammeln und durch zahlreiche gute Werke seine Schuld sühnen. Wer diese Mitteilungen über die Gesetze der Unterwelt weiterverbreitet und dadurch Schuldige zu aufrichtiger Reue und Einsicht bewegt, dem kann die Unterwelt ebenfalls seine Schuld mindern.“78 Ich, Ayu, lege zum Dank an den Richter der Unterwelt die Handflächen aneinander! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück! 25. Weibliche Keuschheit und vorehelicher Geschlechtsverkehr in den Gesetzen der Unterwelt Amitābha! Ich, Ayu, begrüße den Richter der Unterwelt mit aneinandergelegten Handflächen! Heute möchte ich den Richter der Unterwelt fragen, wie die Unterwelt weibliche Keuschheit und vorehelichen Geschlechtsverkehr beurteilt. Der Richter der Unterwelt sagt: „Frauen sollten die drei Gehorsamspflichten und vier Tugenden beachten. Mit Tugend ist hier die Keuschheit gemeint. Wenn eine Frau nach dem Verlust ihres Ehepartners oder nach einer Scheidung fest entschlossen bleibt, einem einzigen Partner bis zum Ende treu zu sein, allein zu leben und ihre Keuschheit bis ans Lebensende zu bewahren, verzeichnet die Unterwelt in ihrem persönlichen Buch von Leben und Tod das Bewahren der Keuschheit als gute Tat. Hat sie in der Menschenwelt keine anderen schweren Verfehlungen begangen, kann sie nach ihrem Tod in die Himmelswelt aufsteigen oder eine gute Vergeltung erfahren, etwa die Wiedergeburt in einem männlichen statt einem weiblichen Körper. Eine Frau, die ihre Keuschheit nicht bewahrt, büßt schon zu Lebzeiten Segnungen und Lebenszeit ein und gibt auch der nächsten Generation ein schlechtes Vorbild. Doch die Frauen von heute legen bereits keinen Wert mehr auf Keuschheit!80 In der heutigen Gesellschaft mangelt es stark an Unterweisung über Ursache und Wirkung sowie an der moralischen Erziehung früherer Zeiten. Früher mussten Frauen die drei Gehorsamspflichten und vier Tugenden einhalten. Sie mussten auf ihre Tugend, ihre Rede, ihre häuslichen Fertigkeiten und ihr Erscheinungsbild achten. Es gab sogar Anforderungen daran, wie Frauen gingen, wie sie auftraten und mit welcher Stimme sie sprachen. Die Frauen von heute bleiben jedoch nicht mehr wie früher so eng ans Haus gebunden, dass sie keine drei Schritte vor die Tür setzen. Heute gehen die meisten Frauen einer Arbeit in der Gesellschaft nach. Sie besitzen auch hohe Bildungsabschlüsse und können sehr effizient arbeiten. Manche sind den Männern bei der Arbeit sogar in jeder Hinsicht überlegen. Es ist nicht mehr wie früher, als es hieß, für eine Frau sei es eine Tugend, keine Begabungen zu besitzen. Doch vielen Frauen von heute fehlt eine innere Erziehung zu tugendhaftem Denken. So gehen sie mit diesem technologisch fortgeschrittenen Zeitalter mit, werden durch Fernsehen und Internetmedien verunreinigt und missachten die Keuschheit. Als Frau muss man unbedingt auf sein Verhalten achten. Wenn sich im eigenen Gefühlsleben etwas verändert, sollte man sich besonders sorgfältig selbst prüfen und keine Grenzen überschreiten. Denn wer auf diese Weise die Keuschheit verliert, begeht sexuelles Fehlverhalten. Sexuelles Fehlverhalten schafft schlechte karmische Ursachen für unermessliches und grenzenloses Höllenleid. Mögen alle Frauen auf der ganzen Welt ihre Keuschheit bewahren. Vorehelicher Geschlechtsverkehr schädigt die leuchtende geistige Natur von uns Menschen schwer. Bei der Geburt und während der Zeit der Jungfräulichkeit ist die eigene geistige Natur eines jeden Menschen hell; nur das Ausmaß dieser Helligkeit ist bei jedem verschieden. Durch die Verunreinigungen in der Menschenwelt nimmt dieses Licht später allmählich ab und kann sogar grau und dunkel werden. Wenn es grau und dunkel geworden ist, beginnt der Mensch von Unglück heimgesucht zu werden. Natürlich können manche Menschen durch spirituelle Praxis ihre verdunkelte geistige Natur noch in diesem Leben wieder zum Leuchten bringen.81 Die Ehe soll uns Menschen eigentlich die Möglichkeit geben, die Familienlinie fortzusetzen. Geschlechtsverkehr im Rahmen der menschlichen sittlichen Ordnung dient der Fortpflanzung und darf auch im Alltag nicht im Übermaß stattfinden, sonst werden unsere Segnungen und unsere Lebensspanne verkürzt. Nach den Gesetzen der Unterwelt müssen Menschen das Verbot vorehelichen Geschlechtsverkehrs streng einhalten und dadurch ihre Tugend schützen. Erst vom Tag der Eheschließung an dürfen sie Geschlechtsverkehr haben. Wer bereits vor der Ehe Geschlechtsverkehr hat, begeht sexuelles Fehlverhalten. Selbst wenn man später genau dieselbe Person heiratet, gilt dies als Verstoß und mindert Segnungen und Lebensspanne. Wer vor der Ehe mit mehr als einer Person des anderen Geschlechts Geschlechtsverkehr hat, büßt noch mehr Segnungen ein und schafft zudem schlechte karmische Ursachen, die in die Hölle führen. Für eine genaue Beurteilung muss man den einzelnen Fall betrachten und feststellen, welche Formen sexuellen Fehlverhaltens konkret begangen wurden. Wenn wir Menschen vor der Ehe zum ersten Mal Geschlechtsverkehr haben, beginnt das Licht unserer eigenen geistigen Natur in dem Augenblick zu verblassen, in dem wir unsere Jungfräulichkeit verlieren. Dieses Verblassen führt auch in anderen Bereichen zu einem Niedergang, unter anderem zu einer Minderung unserer Segnungen, unseres finanziellen Glücks und unserer Lebensspanne. Deshalb sollten alle auf dieses Problem achten. Man darf nicht aus einem augenblicklichen Liebes- oder Leidenschaftsimpuls heraus einfach tun, wonach einem gerade ist, und damit den kostbaren menschlichen Körper vergeuden, mit dem man in der Menschenwelt geboren wurde. Vieles muss bereits in der Jugend aufgebaut werden. Unsere geistige und körperliche Kraft sollten wir für sinnvolle Dinge einsetzen, statt sie in unserer eigenen Anhaftung an Liebe und Leidenschaft zu verbrauchen. Das ist nicht nur sinnlos, sondern sät auch schlechte karmische Ursachen, die in die Hölle führen.“ „Gut, Ayu! Für heute ist es genug. Kehre erst einmal zurück und komm beim nächsten Mal wieder.“ „Amitābha! Ich danke dem Richter der Unterwelt für seine Unterweisung!“ Ich, Ayu, lege die Handflächen aneinander und verbeuge mich zum Dank! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück! 26. Das Rätsel tödlicher Blitzschläge in der Menschenwelt nach den Gesetzen der Unterwelt Amitābha! Ich, Ayu, begrüße den Richter der Unterwelt mit aneinandergelegten Handflächen! Heute möchte ich den Richter der Unterwelt fragen: „In früheren Zeiten gab es Fälle, in denen Menschen wegen sexuellen Fehlverhaltens vom Blitz erschlagen wurden. Warum geschah das? Warum ereilte sie die Vergeltung nicht auf andere Weise, etwa durch eine schwere Krankheit?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Dass Menschen in früheren Zeiten wegen sexuellen Fehlverhaltens vom Blitz erschlagen wurden, hatte zwei Gründe. Erstens: Die Unterwelt bestrafte Wesen, die sexuelles Fehlverhalten begingen, durch Blitzschläge, um den Wesen in der Menschenwelt zu zeigen, dass sexuelles Fehlverhalten noch im gegenwärtigen Leben die karmische Folge eines schlimmen Todes nach sich ziehen kann. Diese konkrete, sichtbare Form tatsächlicher Bestrafung sollte den fühlenden Wesen untereinander als Warnung dienen. Zweitens: Die schlechten Gedanken der Menschen, die sexuelles Fehlverhalten begingen, waren zu schwerwiegend. Sie bereuten nicht und besserten sich nicht. Ihr sexuelles Fehlverhalten und ihr sonstiges dunkles Karma wogen so schwer, dass sie die Vergeltung eines Blitzschlags auf sich zogen. Nach ihrem Tod kamen sie in die Hölle, um dort über zehntausend Kalpas hinweg alle möglichen Leiden zu erdulden, ohne Aussicht auf ein Ende. Der Donnergott ist in Wahrheit eine rechtmäßige Gottheit der Himmelswelt. Seine besondere Aufgabe ist es, bei Regen oder schlechtem Wetter Blitz und Donner hervorzubringen. Auch wie oft dies jeweils geschieht, ist vorgeschrieben. Wenn jemand vom Blitz erschlagen wird, ist das keinesfalls ein Zufall. Dann hat der Donnergott gewiss einen nach den Gesetzen der Unterwelt genehmigten Bescheid erhalten, wonach eine bestimmte Person aus einem bestimmten Haushalt an einer bestimmten Adresse an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Stunde im Freien vom Blitz erschlagen werden soll. Bei Menschen, denen diese Vergeltung bestimmt ist, lässt der Donnergott gewöhnlich zuerst Blitze aufleuchten und Donner ertönen. Danach holt er den schuldbeladenen Geist ganz gezielt heraus und erschlägt ihn unter freiem Himmel. Warum holt er den schuldbeladenen Geist heraus, um ihn im Freien zu erschlagen? Weil Blitze Feuerschein hervorbringen und er keine Unschuldigen verletzen will. Deshalb holt er den schuldbeladenen Geist gewöhnlich heraus und vollzieht die Strafe unter freiem Himmel.82 Bei vielen Fällen, in denen Menschen in früheren Zeiten vom Blitz getroffen wurden, handelte es sich um die Vollstreckung dieser Strafe. Damals gab es weniger Menschen, die sexuelles Fehlverhalten begingen, als heute. Ein einziger solcher Blitzschlag konnte viele Wesen so erschüttern, dass sie ihren Geist und ihr Wesen läuterten. Doch die Herzen der heutigen Menschen besitzen nicht mehr die Schlichtheit früherer Zeiten. Unter allen Übeln steht sexuelles Fehlverhalten an erster Stelle, unter allen guten Handlungen die kindliche Pietät. Menschen, die sexuelles Fehlverhalten begehen, mindern nicht nur ihre eigenen Segnungen und ihre Lebensspanne, sondern schädigen auch die gesellschaftlichen Sitten schwer. Sie schaden anderen und sich selbst, und ihr Verhalten verstößt auch gegen die kindliche Pietät. Wie viele Helden und tüchtige Männer haben zu allen Zeiten und in allen Ländern ihre glänzende Zukunft durch sexuelles Fehlverhalten zunichtegemacht! Sexuelles Fehlverhalten lässt Menschen verfallen und den Zugang zu ihrer Herzensnatur verlieren; wer darin versinkt, kann sogar sterben. Die Gesetze der Unterwelt behandeln Menschen, die kindliche Pietät üben, am wohlwollendsten und bestrafen jene, die sexuelles Fehlverhalten begehen, streng. Deshalb ermahne ich alle, Menschlichkeit, Rechtschaffenheit, Anstand, Weisheit und Vertrauenswürdigkeit streng zu wahren, viel Gutes zu tun und Verdienste anzusammeln. Bewahrt das angeborene Licht eurer eigenen geistigen Natur und schafft keine schlechten karmischen Ursachen, die in die Hölle führen.“ Ich, Ayu, lege zum Dank an den Richter der Unterwelt die Handflächen aneinander! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück! 27. Das Schicksal der Homosexuellen – die große Lianxiang-Hölle Ich danke den Buddhas und Bodhisattvas für ihre mitfühlende Rettung! Jeder ihrer Gedanken gilt den fühlenden Wesen. In der Menschenwelt sind bereits 24 Stunden vergangen. Auf der weißen Lotusblüte komme ich, Ayu, erneut in die Hölle. Kṣitigarbha ist noch immer dabei, die Wesen in der Hölle zu retten. Die gestrige Dharma-Versammlung über Ursache und Wirkung ist also noch gar nicht zu Ende! Ich bin so glücklich, Kṣitigarbha wiederzusehen! Stellvertretend für alle Wesen im ganzen Raum und im Dharmadhātu werfe ich, Ayu, mich vor Kṣitigarbha nieder! Das Buddha-Licht des Bodhisattvas erfüllt den Raum – wie rein, wie kühlend, wie mitfühlend es ist! Es erinnert mich an die Worte des Buddha im Avataṃsaka-Sūtra: „Reine Güte, die in der Welt auf kein Hindernis stößt, denn sie strahlt großes Licht aus und beleuchtet alles gleichermaßen; reine Güte, die den Raum erfüllt, denn sie rettet und beschützt die Wesen und erreicht jeden Ort; reine Güte, die die Dharmas zum Bezug hat, denn sie verwirklicht den wahren Dharma der Soheit; reine Güte ohne bedingten Bezug, denn sie tritt in die vom Entstehen freie Natur des Bodhisattvas ein; reine Güte, die Nutzen bringt, denn alles, was sie tut, lässt Freude entstehen. Reines Mitgefühl ohne Ermüdung oder Überdruss, denn es nimmt das Leiden aller Wesen auf sich, ohne es als Mühsal zu empfinden; reines Mitgefühl, das an schwierigen Orten Geburt annimmt, um die Wesen zu retten; reines Mitgefühl, das in guten Daseinsbereichen Geburt annimmt, um die Vergänglichkeit sichtbar zu machen; reines Mitgefühl für Wesen, die im Falschen gefestigt sind, denn es gibt seine großen Gelübde auch über Kalpas hinweg nicht auf. Es übt den Weg des Bodhisattvas unablässig weiter und nimmt die Wesen mit einem Herzen großen Mitgefühls auf.“83 Kṣitigarbha besitzt wahrhaftig große Güte ohne bedingten Bezug und großes Mitgefühl aus dem Einssein mit allen Wesen. Im reinen, mitfühlenden Buddha-Licht des Bodhisattvas erklingen unermesslich viele Dharma-Klänge. Auch ich, Ayu, möchte Kṣitigarbhas großes mitfühlendes Herz zum Vorbild nehmen und den Wesen dienen. Durch den Segen seines reinen, mitfühlenden Lichts wird die Hölle kühl und erfrischend. Ich, Ayu, möchte allen etwas erläutern: Die Hölle ist ungeheuer weit und in verschiedene Bereiche gegliedert. Gegenwärtig besuche ich die Hölle des sexuellen Fehlverhaltens. „Hölle des sexuellen Fehlverhaltens“ ist eine Gesamtbezeichnung für eine der großen Höllen innerhalb des gesamten Höllenreichs. Zu ihr gehören wiederum 18 kleinere Höllen. Diese 18 kleineren Höllen entsprechen den unterschiedlichen Arten sexuellen Fehlverhaltens und den unterschiedlichen Vergeltungen, die man dafür erleidet. Manche Menschen haben vielleicht in ihrem ganzen Leben nur die Verfehlungen des Geschlechtsverkehrs zur unzulässigen Zeit begangen (das heißt am ersten oder fünfzehnten Tag des Mondmonats, an den sechs Fastentagen, an den Geburtstagen der Buddhas und Bodhisattvas sowie an den Tagen, an denen die Himmelsgottheiten die guten und schlechten Taten in der Menschenwelt überprüfen, bei Tageslicht, an Freudentagen oder Todestagen von Angehörigen oder wenn einer der beiden Partner krank ist), am unzulässigen Ort (außerhalb des Mittelpunkts des Ehebetts; selbst wenn der Mann neben dem Bett auf dem Boden steht und die Frau am Bettrand liegt, gilt dies als unzulässiger Ort, umso mehr andere Orte) oder an unzulässigen Körperstellen (alle Körperstellen außer dem weiblichen Geburtskanal gelten als unzulässig). Dann müssen sie nur die Vergeltung des Schluckens von Eisenkugeln erleiden. Tatsächlich sind die Strafen in jeder Hölle ausgesprochen schmerzhaft. Ich, Ayu, begrüße den Richter der Unterwelt! Heute möchte ich ihn zum Thema Homosexualität befragen. Der Richter der Unterwelt sagt: „Auch Homosexualität fällt unter das Vergehen des sexuellen Fehlverhaltens. Nach dem Tod kommt man für 500 Jahre zur Bestrafung in die Lianxiang-Hölle, die zur Hölle des sexuellen Fehlverhaltens gehört. Hat man auch andere Formen sexuellen Fehlverhaltens begangen, wird man anschließend nacheinander in weitere Höllen des sexuellen Fehlverhaltens gebracht, um dort die Vergeltung zu erleiden.“84 Sofort führt mich der Richter der Unterwelt in die Lianxiang-Hölle. Alle männlichen und weiblichen Geister hier erleiden dieselbe karmische Vergeltung. Ich sehe, dass es bei ihnen gewisse Unterschiede in der Dauer der Bestrafung durch die Menschenbäume gibt. Vielleicht werde ich es verstehen, wenn ich weiter zusehe. Einen der männlichen Geister kenne ich. Ist das nicht BLX? Er war ein sehr berühmter Gesangsstar, hatte zu Lebzeiten viele weibliche und männliche Fans und gab zahlreiche Konzerte. Jetzt sieht es aus, als denke er über etwas nach. Da kommt ein menschenförmiger Baum heran, der laufen kann. Als er ihn sieht, nimmt er glücklich seine Hand und will ihn dann umarmen und mit ihm zärtlich werden. Sofort fesselt ihn der Baum mit Zweigen und Blättern und schlägt ihm mit seinen Zweigen unablässig auf den Kopf. Nachdem er so geschlagen worden ist, dass er eine offene Wunde am Kopf hat, Blut strömt und er bewusstlos zusammensinkt, wehen die Blätter des Baums auf ihn zu, und er wird langsam wiederhergestellt. Dann geht der Menschenbaum fort.85 Als ich das sehe, frage ich den Richter der Unterwelt: „Bedeutet das Fortgehen des Baums, dass die Strafe verbüßt ist?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Nein! Denn Homosexualität ist eine Form fehlgeleiteter Liebe im Denken. Bei all den Geistern, die du gerade gesehen hast, ging zuerst ein sehnsüchtiger Gedanke voraus, durch den sie dann den Menschenbaum anzogen. Bei manchen sind die Abstände zwischen diesen Gedanken länger. Das zeigt, dass dieses Liebesbegehren etwas schwächer ist. Kehren die Gedanken rasch zurück, fällt die Vergeltung schwerer aus.“ Ich frage den Richter der Unterwelt: „Wenn der schuldbeladene Geist nicht daran denkt, erleidet er dann keine Vergeltung?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Wenn er überhaupt nicht mehr daran denkt, kann er diese Hölle verlassen. Jede karmische Kraft entsteht aus verkehrten, verblendeten Vorstellungen. Außerdem wiegt bei manchen Homosexuellen das zur Hölle führende Karma etwas weniger schwer. Zum Beispiel hat jemand einen männlichen Körper, war aber in vielen früheren Leben eine Frau. Nachdem er in diesem Leben einen männlichen Körper angenommen hat, bleibt sein Unterbewusstsein noch bei weiblichen Denkmustern und kann sich nicht umstellen. Deshalb fühlt er sich nicht zu Frauen hingezogen, sondern liebt wie früher Männer. Im umgekehrten Fall, bei einem weiblichen Körper, gilt dasselbe. Das ist der Hauptgrund dafür, dass sich in der Menschenwelt Menschen gleichen Geschlechts ineinander verlieben und sexuelles Fehlverhalten begehen. Wenn solche Homosexuellen keine anderen Formen sexuellen Fehlverhaltens begehen und lediglich einen Gefährten für das gemeinsame Leben brauchen, sich aber als Eheleute bezeichnen, besteht ihre Strafe darin, für 50 Höllenjahre in die Lianxiang-Hölle zu kommen und dort Vergeltung zu erleiden. Wenn während dieser 50 Jahre der Bestrafung alle Samen homosexuellen sexuellen Fehlverhaltens in dem schuldbeladenen Geist beseitigt werden können, darf er diese Hölle vorzeitig verlassen. Gelingt dies jedoch nicht, muss die Strafe um weitere 30 Jahre verlängert werden.“ Neben der Lianxiang-Hölle liegt eine große Hölle, in der sich überhaupt nichts befindet. Das kommt mir sehr seltsam vor, denn jede Hölle ist voller leidender Wesen. Noch nie habe ich eine völlig menschenleere Hölle gesehen. Deshalb frage ich den Richter der Unterwelt: „Warum ist diese Hölle ganz leer?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Einige Wesen in der Menschenwelt erforschen zurzeit eine bestimmte Art von Aphrodisiakum. Sie befinden sich noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase. Sobald sie Erfolg haben, werden sie es auf den Markt bringen und verkaufen. Diese Hölle ist dafür vorbereitet, dass künftig alle an der Erforschung dieses Aphrodisiakums beteiligten Wesen hier bestraft werden.“ Ich frage den Richter der Unterwelt weiter: „Heißt das, dass auch ein gedanklicher Verstoß gegen das Gebot, sexuelles Fehlverhalten zu unterlassen, als Verstoß zählt?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Ja! Jedes Mal, wenn sich ein solcher Gedanke regt, hat er bereits das wahre Qi des menschlichen Körpers in Bewegung gesetzt, und das aufrechte Qi ist schon geschädigt!“86 Heute habe ich wieder viel gelernt. Ich, Ayu, danke dem Richter der Unterwelt! Ich werfe mich vor dem Richter der Unterwelt nieder! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück. 28. Verehrung Kṣitigarbhas in der Halle Mingguang Chuzhuan Dankbar für den Beistand durch Buddhas Kraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ayu grüßt den Richter der Unterwelt mit aneinandergelegten Handflächen! „Richter der Unterwelt! Wie rettet Kṣitigarbha die Wesen in der Hölle? Darf ich mir das einmal ansehen?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Kṣitigarbha rettet unablässig die leidenden Wesen in der Hölle und führt sie aus dem Meer des Leidens heraus. Nicht einmal für eine Sekunde hat er damit aufgehört. Hier in unserer Unterwelt gibt es eine Halle für Dharma-Versammlungen namens ‚Mingguang Chuzhuan‘. In dieser Halle lehrt Kṣitigarbha unablässig den Dharma und unterweist die Wesen der Unterwelt.“ Neugierig frage ich: „Leiden die Wesen in der Hölle nicht jeden Augenblick? Woher nehmen sie dann die Zeit, den Dharma zu hören? Und wer seine Vergeltung bereits vollständig erlitten hat, verlässt doch sofort die Hölle und setzt seinen Weg im Kreislauf der Wiedergeburten fort, oder?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Die Wesen in der Hölle sind eigentlich genauso wie die Wesen in der Menschenwelt. Sie sind alle im Kreislauf der sechs Daseinsbereiche hierher herabgesunken. Manche kommen aus den höheren Bereichen der Himmelswesen, Asuras oder Menschen, andere aus den Geister- oder Tierbereichen, die zu den drei niederen Daseinswegen gehören. Sie sind durch den Kreislauf der Wiedergeburten hierhergelangt. Ihre Herzensnatur ist dieselbe; sie alle besitzen das angeborene Licht ihrer ursprünglichen Natur in vollem Umfang. Nur haben sie sich durch verkehrte, verblendete Vorstellungen von ihrer Herzensnatur entfernt und alle möglichen Verstöße gegen die Gebote begangen, etwa Lebewesen getötet und Leben vernichtet. Dadurch sind sie herabgesunken. Für jeden Geist wird der Tag kommen, an dem er zum Licht seiner eigenen Natur zurückkehrt. Doch wie lange das dauert, kann sich unterscheiden wie Himmel und Erde. Alle Wesen, die in die Hölle gelangen, benötigen sehr, sehr lange, um das angeborene Licht ihrer geistigen Natur wiederherzustellen. Denn die verunreinigenden Gewohnheiten der Geister in der Hölle sind zu stark, und auch ihr schlechtes Karma wiegt schwer. Selbst wenn in äußerst seltenen Fällen ein einziger Gedanke der Reue in ihnen aufkommt, werden sie bald wieder vom leidvollen schlechten Karma fortgerissen. Kṣitigarbha hat deshalb das große Gelübde abgelegt: ‚Solange die Höllen nicht leer sind, gelobe ich, kein Buddha zu werden; erst wenn alle Wesen gerettet sind, werde ich Bodhi verwirklichen!‘ Voller Mitgefühl sagte der Bodhisattva zu Yanwang, dem König der Unterwelt: ‚Jeder Geist, der in der Unterwelt eine Strafe erleidet und in dem auch nur für einen Augenblick ein Gedanke der Reue entsteht, darf in die Halle Mingguang Chuzhuan kommen, um den Dharma zu hören, und ist vorübergehend von der Bestrafung befreit.‘“87 Ich sage: „Das ist wirklich wunderbar! Dann müssten doch sehr viele Höllenwesen bereits aufgestiegen sein.“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Die Zahl der Wesen, die in der Hölle Strafen erleiden, ist tatsächlich unendlich. Ayu, du hast die Hölle des sexuellen Fehlverhaltens schon besucht. Bereits in einer ihrer Höllen, der ‚Hölle der Peitschen und Stöcke‘, gibt es so viele Wesen, dass kein Ende abzusehen ist. Und es gibt noch sehr viele Höllen, die du noch nicht besucht hast. Im Verhältnis dazu sind diejenigen, in denen auch nur ein Gedanke der Reue aufkommen kann, wirklich äußerst, äußerst wenige. Die Buddhas und Bodhisattvas sind mitfühlend. In jedem Augenblick unterweisen sie die leidenden Wesen entsprechend deren Voraussetzungen, um sie zu retten, und treffen dafür zudem alle möglichen geschickten Vorkehrungen. Doch haben die Wesen das je von Herzen nachempfunden? Ayu, auch deine Arbeit, für die du in die Hölle kommst, wurde vom Buddha aus Mitgefühl ermöglicht. Die Unterwelt hofft ebenfalls, diese Gelegenheit nutzen zu können, um die Herzen der Menschen zu reinigen, damit die Wesen fest an Ursache und Wirkung glauben und kein schlechtes Karma schaffen, das in die Hölle führt.“ Wir sind in der Halle Mingguang Chuzhuan in der Hölle angekommen. Ich werfe mich vor Kṣitigarbha nieder! Sobald ich ihn sehe, füllen sich meine Augen mit heißen Tränen, und Dankbarkeit steigt ganz von selbst in mir auf! Erneut werfe ich mich stellvertretend für alle Wesen vor Kṣitigarbha nieder! Mögen alle Wesen vom Leiden frei werden und Glück erlangen. Mögen alle Wesen froh und glücklich sein. Mögen alle Wesen eifrig praktizieren und bald Bodhi und die Buddhaschaft verwirklichen. Gerade unterweist Kṣitigarbha die Versammelten in den fünf Geboten. Ich sehe sehr viele Dharma-Meister in der Halle Mingguang Chuzhuan! Kaum ist dieser Gedanke in mir aufgekommen, erklärt mir der Richter der Unterwelt den Grund. Der Richter der Unterwelt sagt: „Viele dieser Dharma-Meister haben gegen die Gebote verstoßen, sexuelles Fehlverhalten und Diebstahl zu unterlassen. Alle, die hierherkommen, um den Dharma zu hören, haben bereits Strafen in der Hölle erlitten; manche verbüßen ihre Strafen noch. Sie sind nur deshalb hierhergekommen, um den Dharma zu hören, weil in ihnen ein Gedanke der Reue aufgekommen ist. Wenn in einem Geist Reue entsteht, verändert sich das Licht seines Herzens ein wenig. Die Geisterschergen der Unterwelt setzen dann die Bestrafung des schuldbeladenen Geistes aus und bringen ihn in die Halle Mingguang Chuzhuan, um den Dharma zu hören. Alle Geister, die hierherkommen, um den Dharma zu hören, haben eines gemeinsam: Sie wissen, dass sie hier keine Strafe erleiden müssen. Deshalb schätzen sie diese Gelegenheit außerordentlich, und fast alle werden von Kṣitigarbhas Mitgefühl aufgenommen.“ Ich sehe, dass das Licht der Körper der Geister hier größtenteils dunkelgrau ist. Manche leuchten dunkelblaugrün, andere dunkelrot, einige sind schwarz. Sie wirken alle leicht und schwebend. Da sehe ich einen Geist, der bitterlich weint und tiefe Scham und Reue empfindet. Das Licht seines Körpers beginnt sich nun von Dunkelgrau zu einem blassen Grau zu wandeln. Der Geist wirkt deutlich leichter. Der Richter der Unterwelt erklärt: „Dieser schuldbeladene Geist war in seinem vorherigen Leben ein Geist, der Lebensessenz und Qi stahl. Bevor er zu einem solchen Geist wurde, war er ein spirituell Praktizierender. Er war freigebig, hielt aber die Gebote nicht ein. Weil er die Gebote nicht einhielt, fiel er in den Geisterbereich und wurde zu einem Geist, der Lebensessenz und Qi stahl. Nachdem er in den Geisterbereich gefallen war, stahl er fortwährend Lebensessenz und Qi von Menschen in der Welt der Lebenden und von Praktizierenden, die die Gebote nicht einhielten, um sich davon zu ernähren. So fiel er sehr bald in die Hölle.“ Nun sehe ich, wie der schuldbeladene Geist bitterlich weint, vor Kṣitigarbha niederkniet und darum bittet, seine Reue bekunden zu dürfen. Er legt das Gelübde ab: „Mitfühlender Kṣitigarbha! Ich, dein Schüler, habe gefehlt! Ich will Leben um Leben den rechten Dharma praktizieren und schützen. Ich will Kṣitigarbhas Dharma für immer bewahren und unterstützen.“ Kṣitigarbha nimmt die Reue dieses Geistes freudig an. Daraufhin führen ihn die Geisterschergen hinaus. Der Richter der Unterwelt sagt, dass er bald in der Menschenwelt wiedergeboren werde. Diese Halle Mingguang Chuzhuan ist der einzige Ort in der Hölle, der nicht düster und unheimlich wirkt. Sie ist ein wenig wie ein wärmender Ofen in der Hölle. Wenn ich mich sonst zu lange in der Hölle aufhalte, ist meine Körpertemperatur immer sehr niedrig. Heute fühle ich mich jedoch recht wohl. Ich bin Kṣitigarbha für die Kraft seines mitfühlenden Segens so dankbar!88 Mithilfe von Kṣitigarbhas gewaltiger spiritueller Kraft betrachte ich die Geister hier weiter und stelle fest, dass das Licht im Herzen vieler Geister bereits heller wird. Sie schweben alle nach oben. Der Richter der Unterwelt sagt: „Alle Geister, deren Herzenslicht heller geworden ist, können in der Menschenwelt wiedergeboren werden. So erhalten sie erneut die Gelegenheit, ihre Herzensnatur zu läutern.“ Ich freue mich so sehr! Ich, Ayu, wünsche ihnen allen, froh und glücklich zu sein, vom Leiden frei zu werden, Glück zu erlangen und den rechten Dharma eifrig zu praktizieren. Ich schaue noch einmal zum Eingang. Wieder sind viele neue Geister gekommen. Offenbar kann Kṣitigarbha keine Ruhe finden, denn es gibt noch so viele Wesen. Außerdem sind die Höllen grenzenlos weit. Ich weiß wirklich nicht, wann alle Wesen daraus befreit sein werden. Ich, Ayu, möchte den Richter der Unterwelt fragen: „Wie wird das nächste Leben des Geistes aussehen, den die Geisterschergen gerade fortgeführt haben?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Ich führe dich hin, damit du es dir ansehen kannst!“ Sofort gelangen wir in die große Gerichtshalle der Unterwelt. Dort sehen wir den Geist, der bitterlich geweint hat. Er kniet auf dem Boden und dankt Yanwang für dessen Urteil. Ich höre ihn sagen: „Ich danke Yanwang für sein Urteil! Ich danke Kṣitigarbha für sein Mitgefühl! Von nun an werde ich ganz gewiss mein Herz reinigen, mich von Grund auf ändern und wahrhaftig den rechten Dharma praktizieren.“ Danach wird der Geist fortgeführt, um Meng-Po-Suppe zu trinken und wiedergeboren zu werden. Ich frage den Richter der Unterwelt: „Was wird künftig aus diesem Geist werden?“ Daraufhin schlägt der Richter das Buch von Leben und Tod auf, sieht hinein und sagt: „Der Geist wurde dazu verurteilt, in einer Familie ohne rechte Erkenntnis und rechte Sichtweise wiedergeboren zu werden. Er wird in Wohlstand leben, doch sein Leben lang bei schlechter Gesundheit sein. Schwere Krankheiten wird er nicht haben, dafür unablässig kleinere Leiden. Es ist ihm vorherbestimmt, immer wieder von anderen betrogen zu werden. Mit dreißig Jahren wird er zu praktizieren beginnen und einer auf Erden lebenden Manifestation Kṣitigarbhas begegnen, die ihn auf den Weg der Befreiung führen wird. In diesem Leben wird er bei seiner Praxis vielen dämonischen Hindernissen begegnen und keinen Sohn haben, der ihm am Lebensende das letzte Geleit gibt. Dies sind die verbleibenden karmischen Folgen seines Daseins als Geist, der Lebensessenz und Qi stahl. Sein Wohlstand hingegen ist die karmische Frucht der Gaben, die er als Praktizierender gespendet hat. Seine schlechte Gesundheit und die vielen dämonischen Hindernisse bei seiner Praxis sind die karmischen Früchte davon, dass er anderen Essenz, Lebenskraft und geistige Energie ausgesaugt hat. Dieses Leben wird für ihn eine große Bewährungsprobe sein – eine Prüfung seines Herzens. Trotz seines Wohlstands wird in ihm häufig der Wunsch zu stehlen aufkommen; das bewirkt seine karmische Kraft. Wenn er sich an seine Pflichten hält, die Gebote gewissenhaft einhält, bei schlechter Gesundheit nicht klagt, sich nicht rächt, wenn er betrogen wird, auch dämonischen Hindernissen mit Gelassenheit begegnet und bereut, sobald in ihm der Gedanke ans Stehlen aufkommt, kann sich sein Geist nach diesem Leben weiterentwickeln. Verhält er sich dagegen entgegengesetzt, könnten wir uns in der Hölle wiedersehen.“88 Ich sage: „Das kann doch nicht sein! Wieder in die Hölle?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Daran sind wir längst gewöhnt. Wesen, die Kṣitigarbha gerade erst aus der Hölle befreit hat und die erfolgreich in der Menschenwelt wiedergeboren wurden, kehren schon nach kurzer Zeit zurück. Deshalb befreit Kṣitigarbha hier unablässig die Wesen. Weil der Geist von eben den großen Entschluss gefasst hat, den rechten Dharma zu schützen und zu unterstützen, hat Kṣitigarbha sogar eigens eine Manifestation in die Menschenwelt entsandt, um ihn auf den Weg der Befreiung zu führen. Deshalb dürfen wir auch einen einzigen Gedanken großen Bodhicittas in uns nicht unterschätzen. Schon dieser eine Gedanke bewegt die Buddhas und Bodhisattvas dazu, zu kommen und euch zu befreien. Nur wissen die Wesen nicht, dass die Buddhas und Bodhisattvas an ihrer Seite sind.“ „Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar, Richter der Unterwelt! Heute habe ich, Ayu, wieder vieles gelernt!“ Ich lege die Hände zusammen und danke dem Richter der Unterwelt! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück. 29. Die grenzenlose Macht des Juwels und des heiligen Mantras – Ich sehe mit eigenen Augen, wie die Drei Heiligen des Südens die Wesen von den großen Qualen der Hölle befreien Seit ich, Ayu, beschlossen habe, „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ zu schreiben, begegnen mir ständig viele Hindernisse. Wenn wir den Entschluss fassen, eine Arbeit zu leisten, die die Herzen der Menschen läutert und sie zum Guten ermahnt, werden wir gewiss allerlei Prüfungen begegnen. Doch ein vollkommen aufrichtiges und reines Herz, das dem Guten folgt, fürchtet keinerlei Prüfungen oder Hindernisse. Ich glaube fest daran: Wenn ich mit standhaftem, vollkommen aufrichtigem und reinem Herzen die Gebote wahre, werden die Buddhas und Bodhisattvas mir gewiss ihren Segen schenken, sodass ich die Hindernisse durchbrechen kann. All diese Hindernisse sollen mich davon abbringen, „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ weiterzuschreiben. Als ich mit dem Schreiben begann, gab es besonders viele dämonische Hindernisse. Ich schlief ohnehin schon wenig, und nichtmenschliche Wesen nutzten stets meinen Schlaf, um mich heftig zu stören und meine Kräfte aufzuzehren. Als ich später ihre Absicht erkannte, ließ ich mich im Traum nicht mehr auf sie ein. Das Einlassen auf sie vergeudete nur meine Kräfte und beeinträchtigte die Arbeit am Buch. Denn „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ kann ich nur schreiben, wenn ich in bester Verfassung bin.89 In letzter Zeit habe ich einige körperliche Schmerzen erlitten und muss nun beginnen, meine innere Kraft selbst zu stärken. Heute will ich, Ayu, alle Hindernisse und körperlichen Schmerzen in Antrieb für meine Praxis verwandeln. Möge ich allein stellvertretend die Hindernisse und Leiden aller Wesen unter dem Himmel auf mich nehmen und sie sämtlich in Antrieb für meine Praxis verwandeln. Ich werfe mich ehrerbietig vor meinem verehrten Lehrer nieder, der mich so gewissenhaft unterweist! Ich werfe mich ehrerbietig vor allen ehrwürdigen Meistern der Überlieferung und allen großen Tugendhaften nieder, die den rechten Dharma praktizieren und große Verwirklichung erlangt haben! Ich werfe mich ehrerbietig vor allen Buddhas und Bodhisattvas der zehn Richtungen nieder! Ich werfe mich ehrerbietig vor dem großen Bodhisattva Kṣitigarbha nieder! Heute will ich, Ayu, gestützt auf Kṣitigarbhas übernatürliche Macht und Segenskraft, die Hindernisse durchbrechen und die Hölle besuchen, um unmittelbar mitzuerleben und aufzuzeichnen, wie Kṣitigarbha die dortigen Wesen befreit! Namo Kṣitigarbha! Namo Kṣitigarbha! Namo Kṣitigarbha! Namo Kṣitigarbha, Bodhisattva des großen Gelübdes! Namo Kṣitigarbha, Bodhisattva des großen Gelübdes! Namo Kṣitigarbha, Bodhisattva des großen Gelübdes! Auch ich, Ayu, will Kṣitigarbhas Beispiel folgen und die leidenden Wesen aus dem Meer des Leidens befreien. „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ muss unbedingt so bald wie möglich erscheinen, damit die verblendeten und irrenden Wesen der Menschenwelt umkehren und das rettende Ufer erreichen, das Böse aufgeben und dem Guten folgen und bald das ursprüngliche Leuchten ihres Geistes wiedererlangen. Ich danke Kṣitigarbha für den Segen seiner Buddhakraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Ich bin in der Hölle angekommen! Ich werfe mich ehrerbietig vor Kṣitigarbha nieder! Kṣitigarbha lächelt voller Mitgefühl! Stets strahlt der Bodhisattva in seinem großen Mitgefühl helles Licht aus! Kṣitigarbha zeigt sich in der mitfühlenden Gestalt eines Mönchs und sitzt im vollen Lotussitz. Diesmal ist die Lotusblüte, auf der er sitzt, blaugrün. Zum ersten Mal sehe ich ihn auf einer blaugrünen Lotusblüte sitzen. In der linken Hand hält der Bodhisattva ein rosafarbenes Juwel, in der rechten einen goldenen Ringstab. Neben ihm befindet sich auch sein Reittier namens Di Ting. Zu seiner Linken steht ehrerbietig der Dharma-Meister Daoming, zu seiner Rechten der Dharma-Beschützer Min Gong. Ich werfe mich ehrerbietig vor dem Dharma-Meister und dem Dharma-Beschützer nieder! Diesmal bin ich, gestützt auf Kṣitigarbhas übernatürliche Macht und Segenskraft, unmittelbar in die Hölle gelangt, ohne die anderen Wege in ihrem Inneren zu durchqueren. Wir schauen aus der Luft hinunter. Ich stehe unterhalb Kṣitigarbhas, bin der Hölle also etwas näher. Schon höre ich traurige Schreie und sehe, wie Kṣitigarbha sein Licht in die Hölle strahlen lässt und seinen Segen spendet. Dharma-Meister Daoming teilt mir mit, dass diese Hölle „Hölle des Wehgeschreis“ heißt. Heute ist Kṣitigarbha hierhergekommen, um einen schuldigen Geist zu befreien und in einen höheren Daseinsbereich aufsteigen zu lassen. Welch gewaltige karmische Segnungen, dass Kṣitigarbha ihm sein Mitgefühl und Erbarmen schenkt! Dharma-Meister Daoming sagt, dass die Nachkommen des schuldigen Geistes Tag und Nacht das „Kṣitigarbha-Sutra“ rezitieren und dadurch den Bodhisattva zum Kommen bewegt haben. In einem seiner früheren Leben war dieser schuldige Geist ein Mönch, der den buddhistischen Weg praktizierte. Weil er in jenem Leben die Gebote nicht hinreichend rein eingehalten hatte, erlangte er keine Befreiung. Danach wurde er in einer reichen und angesehenen Familie der Menschenwelt wiedergeboren und begann, moralisch zu verfallen. Nachdem er gegen die Regel verstoßen hatte, die sexuelles Fehlverhalten untersagt, sank er immer weiter hinab, bis er in die Hölle gelangte. Nun gibt Kṣitigarbha Min Gong ein Zeichen, hinabzugehen. Min Gong geht hinunter und sagt zu zwei Geisterschergen der Unterwelt: „Kṣitigarbha möchte den männlichen schuldigen Geist XXX sehen.“ Nach einer Weile führen die Geisterschergen einen männlichen Geist heraus, der leidet, blutet und am ganzen Körper zittert. Vor Schmerzen kann er überhaupt nicht sprechen. Er sieht kaum noch wie ein Geist aus, geschweige denn wie ein Mensch. Sein Geistkörper ist so zerbrechlich, dass ich das Gefühl habe, ein heftiger Windstoß könnte ihn jetzt wer weiß wohin fortwehen. Kṣitigarbha unterweist den männlichen Geist: „Heute ist Ayu, eine Frau aus der Welt der Lebenden, zu einem Besuch in die Hölle gekommen. Sie soll ein von der Unterwelt in Auftrag gegebenes Buch zur Ermahnung zum Guten schreiben, ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘. Es soll die Wesen in der Welt der Lebenden befreien und sie dazu bringen, die fünf Gebote einzuhalten und die zehn heilsamen Handlungen zu üben, ihre Herzen zu läutern, Gutes zu tun und Tugend anzusammeln, damit sie nach dem Ende ihres Lebens die qualvollen karmischen Folgen in der Hölle vermeiden. Erzähle Ayu nun: Wie bist du in die Hölle gelangt? Wie fühlst du dich jetzt?“ Der männliche Geist nickt, bringt aber kein Wort hervor. Da nimmt Dharma-Meister Daoming das rosafarbene Juwel aus Kṣitigarbhas Hand und steigt zu dem schuldigen Geist hinab. Der Dharma-Meister rezitiert rasch Kṣitigarbhas Mantra des Dharmakaya-Siegels: „Oṃ. Bōluómòlíntuóníng. Svāhā.“ Sofort strahlt das Juwel helles Licht aus, das die ganze Hölle des Wehgeschreis erhellt. Die Qualen in dieser Hölle werden augenblicklich unterbrochen und gelindert, und alle schuldigen Geister fühlen sich auf einmal an Leib und Geist ruhig und geborgen. Der männliche Geist leidet sofort keine Schmerzen mehr. Es ist, als durchströme ein mächtiger warmer Strom seinen Körper. Endlich kann er sprechen. Selbst ich spüre den Segen dieser Wärme.90 Der männliche Geist sagt, er habe zu Lebzeiten sexuelles Fehlverhalten begangen. Außerdem sei er auf einen Laienanhänger neidisch gewesen, der den rechten Dharma praktizierte. Es habe ihm missfallen, dass dieser überall den rechten Dharma verbreiten konnte und dafür verehrt wurde. Deshalb habe er ihn verleumdet und behauptet, er halte die Gebote nicht rein ein. Wegen dieser Verleumdung hätten sich viele Gläubige abgewandt, wodurch er ihre Praxis und ihr spirituelles Leben der Weisheit abgeschnitten habe. Obwohl er selbst im Alltag den Buddha-Dharma praktiziert habe, sei er nach seinem Tod dennoch in die Hölle gefallen, um die karmischen Folgen zu erleiden. Jede Minute und jede Sekunde sei von äußersten Qualen erfüllt. Zum Glück sei sein Sohn in der Welt der Lebenden inzwischen erwachsen und habe begonnen, den Buddha-Dharma zu lernen. Er praktiziere mit großem Eifer und rezitiere täglich das „Kṣitigarbha-Sutra“, dessen Verdienste er ihm widme. Da kniet der männliche Geist nieder und ruft laut unter bitterlichem Weinen: „Kṣitigarbha von großem Mitgefühl, bitte rettet mich hier heraus! Die Qualen hier sind wirklich unerträglich! Ich werde gewiss ein neuer Mensch werden und durch Verdienste meine Schuld wiedergutmachen. Ich schwöre, Leben für Leben den rechten Dharma zu praktizieren und zu schützen. Bitte rettet mich hier heraus! Jetzt weiß sogar mein Kind, dass es seinen Eltern kindliche Ehrfurcht erweisen soll, und rezitiert täglich das ‚Kṣitigarbha-Sutra‘, dessen Verdienste es mir widmet. Ich dagegen habe die unheilsamen karmischen Früchte geschaffen, die in die Hölle führen. Auch ich will Leben für Leben in der Menschenwelt wiedergeboren werden, die Gebote rein einhalten, ein guter Mensch sein und einen Beitrag zur Gesellschaft leisten.“ Durch Kṣitigarbhas Segen erinnert sich der schuldige Geist daran, dass er früher einmal Kṣitigarbhas heiligen Namen rezitiert hat. Nun wiederholt er im Herzen unablässig „Namo Kṣitigarbha“, und auch das Licht seines Herzens wird heller. Der männliche Geist bemerkt, dass sein Körper leichter zu werden beginnt. Umso unablässiger rezitiert er „Namo Kṣitigarbha“, und sein Körper beginnt emporzuschweben. Ich frage Kṣitigarbha: „Warum kann dieser männliche Geist so schnell in einen höheren Daseinsbereich aufsteigen?“ Kṣitigarbha erklärt: „Als der männliche Geist in einem früheren Leben Mönch war, hielt er die Gebote zwar nicht durchweg rein ein, doch gab es auch Zeiten, in denen er die Bhikṣu-Regeln rein wahrte. Gerade durch diese karmischen Segnungen wurde er in der Menschenwelt wiedergeboren, sieben Leben lang in reichen und angesehenen Familien, und hatte Kinder, die ihm kindliche Ehrfurcht erwiesen. Doch als er im siebten Leben gegen die Regel verstieß, die sexuelles Fehlverhalten untersagt, und Verleumdung beging, fiel er in die Hölle und erlitt dort Strafen. Dass er diesmal aufsteigen kann, liegt an der großen Kraft der Verdienstwidmung seines ehrerbietigen Sohnes: Dieser tut in der Menschenwelt für ihn Gutes, sammelt Tugend an und hat großes Bodhicitta erweckt. Hinzu kommt, dass der männliche Geist selbst aufrichtig bereut. Die Buddhas und Bodhisattvas geben kein einziges Wesen auf, das befreit werden kann.“ Kṣitigarbha sagt weiter, dass dieser männliche Geist nach seiner Wiedergeburt in der Menschenwelt weiterhin die verbleibenden karmischen Folgen seines sexuellen Fehlverhaltens und seiner Verleumdungen erleiden muss. Er wird als Frau wiedergeboren werden und als karmische Folge eine Scheidung erleben. Niemand wird ihr glauben, wenn sie die Wahrheit sagt. Doch nachdem dieser männliche Geist als Frau wiedergeboren worden ist, wird sie gewiss den Buddha-Dharma praktizieren. Wenn sie mit festem Vertrauen praktiziert, den rechten Dharma schützt und unterstützt und die in der Hölle gegebenen Versprechen verwirklicht, wird ihr Geistkörper nach und nach sein Leuchten wiedererlangen.91 Nun sehen wir uns einen zweiten Geist in dieser Hölle an, einen weiblichen. Die Geisterschergen führen sie heraus. Dharma-Meister Daoming rezitiert das Mantra, und erneut strahlt das Juwel Licht aus, um der Frau seinen Segen zu spenden. Ihr Geistkörper ist in etwas schlechterem Zustand, weshalb der Dharma-Meister länger rezitieren muss. Durch den Segen der Dharma-Kraft beginnt sie, ihre Fähigkeit zu sprechen wiederzuerlangen. Sie sagt, sie habe zu Lebzeiten gewöhnlich mit allen Menschen bissig und gehässig gesprochen. Besonders eifersüchtig sei sie auf das Kind gewesen, das die frühere Frau ihres Mannes geboren hatte. Sie habe es oft geschlagen und beschimpft, sodass es verletzt wurde und blutete. Nachdem sie das Kind so lange hatte hungern lassen, bis es ohnmächtig wurde, habe sie es zu Tode geprügelt. Auch ihrer Schwiegermutter gegenüber habe sie keine kindliche Ehrfurcht gezeigt. Sie habe sie nicht nur schlecht behandelt, sondern auch auf den Kopf geschlagen, manchmal so heftig, dass die Schwiegermutter eine offene Wunde am Kopf hatte und blutete. Um des Familienfriedens willen habe die Schwiegermutter nicht einmal zu sagen gewagt, dass ihre Schwiegertochter sie schlug. Schließlich habe sie die alte Frau durch den zugefügten Kummer ebenfalls in den Tod getrieben. Die alte Frau und das Kind hätten in Yanwangs Gerichtshalle Klage erhoben. Nach ihrem Tod sei sie nicht nur zu Strafen in der Hölle des Wehgeschreis verurteilt worden, sondern auch zu Strafen in anderen Höllen. Jetzt sei sie gerade erst in der Hölle des Wehgeschreis angekommen und leide schon äußerste Qualen. Wie solle sie nur die kommenden Tage überstehen! Auch der weibliche Geist kniet nieder und bittet Kṣitigarbha, sie aus der Hölle zu befreien. Kṣitigarbha unterweist sie: „Hättest du gewusst, wohin es führt, warum hast du damals so gehandelt? Dies ist das Urteil Yanwangs. Unter allen Tugenden steht die kindliche Ehrfurcht an erster Stelle. Yanwang achtet in der Welt der Lebenden jene Menschen am meisten, die ihren Eltern kindliche Ehrfurcht erweisen. Selbst wenn man seine Eltern ein Leben lang ehrerbietig versorgt, kann man ihnen die Güte, mit der sie einen großgezogen haben, nicht vergelten. Wie könnte man es da wagen, sie grob zu behandeln? Mangelnde kindliche Ehrfurcht ist nach den Gesetzen der Unterwelt ein Vergehen, das nicht begnadigt wird. Du solltest tief und nachdrücklich bereuen. Der Himmel besitzt die Tugend, das Leben zu lieben. Das Kind aus der früheren Ehe deines Mannes hatte seine leibliche Mutter verloren und trug damit bereits eine tiefe seelische Wunde. Du hättest es wie dein eigenes Kind behandeln und fürsorglich betreuen sollen, um diese Wunde zu heilen. Doch du hast es tatsächlich fertiggebracht, das Kind deines früheren Ehemanns zu schlagen und zu beschimpfen, es bis zur Ohnmacht hungern zu lassen und zu Tode zu prügeln. Ein wehrloses kleines Kind totzuschlagen zeugt wahrlich von einem grausamen Herzen. Wie die Ursache, so die Frucht. Du musst tief und nachdrücklich bereuen. Nur du selbst kannst dir helfen.“3 Der weibliche Geist kniet leidend nieder und fleht um Erbarmen: „Bodhisattva, rettet mich! Ich werfe mich vor Euch nieder. Zu Lebzeiten durfte mir niemals jemand meine Fehler vorhalten. Sobald mir jemand auch nur einen einzigen Vorwurf machte, beschimpfte ich ihn sofort und schlug ihn sogar. Am liebsten schlug ich Menschen auf den Kopf. Schläge auf den Kopf konnten den anderen bewusstlos machen, und dann hatte ich gewonnen. Ich gewann gern und gab mich niemals geschlagen. Heute habe ich die Worte des Bodhisattvas gehört und erkannt, dass ich schwere Fehler begangen habe. Ich sehe mein Unrecht ein. Bitte, Bodhisattva, rettet mich! Ich will die Hölle verlassen.“ Daraufhin bringen die Geisterschergen den weiblichen Geist zurück. Ich sehe, dass das Licht ihres Herzens nicht mehr so düster ist wie zuvor, aber noch immer nicht besonders hell. Deshalb frage ich Kṣitigarbha: „Muss dieser weibliche Geist unbedingt alle karmischen Folgen in der Hölle vollständig erleiden, bevor sie die Hölle verlassen kann?“ Kṣitigarbha erklärt: „Die karmische Verbindung von heute kann dazu führen, dass sie bei einer künftigen Wiedergeburt in der Menschenwelt dem rechten Dharma begegnet und praktiziert. Doch das liegt noch in sehr ferner Zukunft. Säen wir jetzt erst einmal eine heilsame Verbindung!“ Ich danke Kṣitigarbha für diese Unterweisung, die wie feinste geklärte Butter und süßer Nektar unmittelbar Leib und Geist durchströmt! Ich verneige mich dankend vor dem Bodhisattva und verabschiede mich vorerst! Ich werfe mich ehrerbietig nieder: Namo Kṣitigarbha! Ich werfe mich ehrerbietig vor Dharma-Meister Daoming nieder! Ich werfe mich ehrerbietig vor Dharma-Beschützer Min Gong nieder! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück! 30. Der Richter der Unterwelt enthüllt die Wahrheit über das Yuli – Mit ganzer Kraft „Yuli Baochao“ und „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ unterstützen und schützen Ich danke für den Segen der Buddhakraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ich lege vor dem Richter der Unterwelt die Hände zusammen! Ich frage den Richter der Unterwelt: „Wie steht es um die Echtheit des Buches ‚Yuli Baochao‘, das schon seit Langem in der Welt der Lebenden verbreitet wird?“ Der Richter antwortet: „Das ‚Yuli Baochao‘ ist echt. Es ist ein kostbares Werk, das der Kaiser von Fengdu, Yanwang, der Herrscher der Unterwelt, aus großem Mitgefühl eigens unter den Menschen verbreiten ließ. Ein Praktizierender des Dao namens Danchi besuchte während einer meditativen Versenkung die Unterwelt und verfasste anschließend darüber ein Manuskript, das ‚Yuli Baochao‘. Später übergab er das Manuskript seinem Schüler, dem Dao-Praktizierenden Wumi. Von Wumi ausgehend begann seine Verbreitung in der Menschenwelt. Nachdem Danchi damals die Hölle besucht hatte, veröffentlichte er das Buch nicht sofort, um es unter den Menschen zu verbreiten. Erst kurz vor seinem Tod und seinem Aufstieg in einen höheren Daseinsbereich vertraute er seinem Schüler Wumi die Aufgabe an, es in der Menschenwelt zu verbreiten.92 Früher war die Hölle viel kleiner als heute. Es gibt nur einen Kaiser von Fengdu, Yanwang, den höchsten König und Herrscher der Unterwelt. Er ist ihr oberster Gebieter. Unter ihm standen die Könige der zehn Hallen, die die zweithöchste Führungsebene bildeten und den Weisungen des Kaisers von Fengdu, des höchsten Königs und Herrschers der Unterwelt, unterstanden. Diese zehn Hallenkönige verwalteten jeweils die großen und kleinen Höllen, die ihrer Halle zugeordnet waren. Auch heute gibt es als obersten Gebieter der Unterwelt nur einen höchsten König und Herrscher. Doch zu den früher zehn untergeordneten Königen sind zwei weitere hinzugekommen, sodass es nun insgesamt zwölf Hallenkönige gibt. Diese zwei zusätzlichen Könige haben das Arbeitsaufkommen jedoch keineswegs verringert. Besonders der König, der für die Höllen des sexuellen Fehlverhaltens zuständig ist, ist in hohem Maße überlastet. Selbst die zehn bestehenden Hallen der Hölle haben ihre Fläche inzwischen erheblich vergrößert. Die Höllen des sexuellen Fehlverhaltens, die du, Ayu, vor einiger Zeit besucht hast, liegen im Westen und Norden der Hölle. Dort gibt es jetzt auch einen König namens König Qingping, der eigens die großen und kleinen Höllen innerhalb dieses Gebiets verwaltet. Die Hölle des sexuellen Fehlverhaltens nimmt gegenwärtig die größte Fläche aller Höllen unserer Unterwelt ein. Um den Bau zusätzlicher Höllen in ihrem Inneren zu ermöglichen, wurden einige dortige Höllen bereits verlegt. Außerdem gibt es in der Unterwelt einen König namens König Haishan, der für die Lingxing-Höllen im Süden zuständig ist. Dieser Bereich umfasst acht Höllen. Dazu gehört die große ‚Hölle der Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen‘, die du bereits besucht hast. Hinzu kommen die große Hölle für die Verschwendung von Lebensmitteln mit dem Namen ‚Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten‘, die große ‚Hölle der falschen Ansichten und der Verleumdung‘, die ‚Vajrayāna-Hölle‘ und weitere. Sehr viele Menschen der heutigen Zeit gelangen in diese Höllen. König Haishan verwaltet diese neu errichteten Höllen im Süden, die Danchi allesamt nicht besucht hat. In früheren Zeiten waren die Herzen der Menschen noch vergleichsweise rein und gut. Die Entwicklung war noch nicht so weit fortgeschritten, dass man so viele Höllen des sexuellen Fehlverhaltens zur Bestrafung gebraucht hätte. Natürlich gab es auch früher Menschen, die Böses taten, doch sie handelten nicht so zügellos und unverhohlen wie heute. Früher genügten die Höllen der zehn Hallen, um die verschiedenen Wesen zu bestrafen, die in der Menschenwelt moralisch verfallen waren und die zehn unheilsamen Handlungen begangen hatten. Heute gibt es unter den Menschen viele, die Böses tun, und äußerst wenige, die Gutes tun. Unter fünfhundert Menschen findet sich nicht einmal einer, der Gutes tut und die Gebote einhält. Menschen, die Böses tun und gegen die Regeln verstoßen, sind dagegen überall anzutreffen.493 Die beiden Bücher ‚Yuli Baochao‘ und ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ sind wichtige Werke, die aus der Unterwelt stammen und die Herzen der Menschen zum Guten führen sollen. ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ wird jedoch klarere und ausführlichere Beschreibungen enthalten und die gegenwärtigen Verhältnisse in der Unterwelt am wirklichkeitsgetreuesten darstellen. Außerdem trägst du jetzt eine große Verantwortung. Sowohl der Himmlische Kaiser als auch Yanwang, der Herrscher der Unterwelt, hoffen darauf, dass ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ so bald wie möglich unter den Menschen verbreitet wird. Es soll möglichst rasch die Herzen der Menschen zur Umkehr bewegen und die Menschenwelt läutern, damit die gewaltige Zahl der Lebenden sinkt, die Tag für Tag unablässig weiter in die Hölle fallen. Für heute wollen wir es dabei belassen. Wenn du Fragen hast, komm wieder.“ Amitābha! Ich danke Ihnen, Richter der Unterwelt! Ich lege die Hände zusammen und verneige mich vor dem Richter der Unterwelt! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück! 31. Die unerträglich grausamen Strafen der großen Avīci-Hölle – Das göttliche Tier Di Ting unterweist in der Praxis zum Wohl anderer Ich danke für den Segen der Buddhakraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ich lege die Hände zusammen und verneige mich vor dem Richter der Unterwelt! Ich frage den Richter der Unterwelt: „Darf ich heute beobachten, wie Kṣitigarbha in der Hölle vom Leiden befreit?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Kṣitigarbha hat viele Manifestationen, die in verschiedenen großen und kleinen Höllen vom Leiden befreien. Welche Hölle möchtest du denn besuchen, Ayu?“ „In der Menschenwelt habe ich gehört, dass Kṣitigarbha drei Manifestationen hat: eine in der Hölle, eine in der Menschenwelt und eine im Himmel. Ist das so?“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Kṣitigarbha ist ein großer Bodhisattva, der das weitreichende Gelübde abgelegt hat: ‚Solange die Höllen nicht leer sind, schwöre ich, kein Buddha zu werden.‘ Obwohl die Höllen noch nicht leer sind, sind seine Verdienste tatsächlich bereits vollendet. Der Bodhisattva befreit nicht nur die Wesen in der Hölle, der Menschenwelt und der Himmelswelt, sondern entsendet auch Manifestationen in die Höllen anderer Welten, um die leidenden Wesen dort zu befreien. Auch diese anderen Höllen sollen durch die Befreiung ihrer Bewohner geleert werden. Ebenso entsendet er Manifestationen, um Wesen in anderen Zeiten und Räumen zu befreien. Der Bodhisattva hat mehr als nur drei Manifestationen. Er hat Tausende, Millionen und Hunderte von Millionen Manifestationen, und jede begibt sich in eine andere Welt, um alle fühlenden Wesen zu befreien. Kṣitigarbha hat eine besonders enge karmische Verbindung zu den Wesen der Menschenwelt. Da unter den in die Hölle gefallenen Wesen diejenigen aus der Menschenwelt die Mehrheit bilden, sollten wir für die mitfühlenden Unterweisungen des Bodhisattvas dankbar sein.94 In der Menschenwelt gibt es viele Manifestationen Kṣitigarbhas. Manche sind erst kürzlich geboren worden und noch keine drei Jahre alt, manche gehen noch zur Schule, und andere sind bereits erwachsen. Sie werden künftig im Stillen daran arbeiten, das Weisheitsleben des Buddha fortzuführen, und den jeweiligen karmischen Bedingungen entsprechend alle fühlenden Wesen auf den Weg der Befreiung führen. Manche Manifestationen Kṣitigarbhas befreien ihr ganzes Leben lang unauffällig die Wesen, ohne dass jemand davon weiß. Andere werden an einer Stätte der Praxis wirken und den rechten Dharma verbreiten. Welche Form es auch annimmt, all dies sind die verborgenen Fügungen des Bodhisattvas. Vielleicht befindet sich unmittelbar unter uns eine Manifestation Kṣitigarbhas, die uns unmerklich beeinflusst, durch ihr eigenes Verhalten ein Beispiel gibt und uns im Stillen lehrt, unsere fehlerhaften Charakterzüge zu berichtigen. Nur können wir den Bodhisattva nicht erkennen und halten ihn für einen gewöhnlichen Menschen; auch er selbst wird seine Identität nicht enthüllen. Wir sollten von Kṣitigarbha lernen, weitreichende Herzenswünsche zu haben. Der Bodhisattva gelobt, die Wesen zu befreien, und setzt aufgrund dieses Gelübdes sein Handeln in Gang. Deshalb umfasst sein Herz die zehn Richtungen, und auch sein Gelübde durchdringt den Raum und den Dharmadhātu der zehn Richtungen. Selbst wenn der Raum ein Ende hätte, hätte sein Gelübde kein Ende. Wenn wir beispielsweise einmal geloben, Bettlern Gaben zu spenden, legen wir das Gelübde nur einmal ab. Doch die Handlungen des Gebens erfolgen unzählige Male, Leben für Leben. So wird in unserem Herzen Leben für Leben der Same des Gebens an Bettler bestehen. Das Gelübde ist eines, die Handlungen sind viele. Wenn wir auch nur einmal einem Bettler begegnen und ihm nichts geben, handeln wir bereits der Kraft unseres Gelübdes zuwider. Wir sollten von Kṣitigarbha lernen, das heilsame Gelübde abzulegen, die Wesen zu befreien. Der Bodhisattva verwirklicht sein Gelübde in jedem Gedanken. Wenn wir es in jedem Gedanken verwirklichen, gelangen wir immer wieder zur Verwirklichung. Aus dieser wiederholten Verwirklichung entstehen übernatürliche Kräfte. Je mehr Wesen wir befreien, desto größer werden unsere übernatürlichen Kräfte und auch die Kraft unserer Segnungen und unserer Verdienste. Wenn wir in jedem Gedanken unablässig Wesen befreien, werden auch die übernatürlichen Kräfte unermesslich und grenzenlos. Mit dieser unermesslichen, grenzenlosen übernatürlichen Macht können wir uns in unermesslich viele, grenzenlose Manifestationen aufteilen und in unermesslich viele, grenzenlose Welten gehen, um die Wesen zu befreien. Hier in unseren Höllen gibt es noch mehr Manifestationen Kṣitigarbhas. Bei deinem letzten Besuch hast du die ‚Dharma-Versammlungshalle Mingguang Chuzhuan‘ gesehen. Kṣitigarbha lehrt in der Hölle jeden Tag dreimal den Dharma: morgens, mittags und abends. Nachdem die schuldigen Geister den Dharma gehört haben, beginnen ihre heilsamen Wurzeln zu keimen. Dadurch entsteht in ihren Herzen Reue. Sobald sie bereuen, geleitet Kṣitigarbha sie aus der Hölle. In manchen Fällen, wenn die karmischen Segnungen eines schuldigen Geistes ausreichen, lässt Kṣitigarbha eine Manifestation an seiner Seite erscheinen, um ihn auf den Weg der Befreiung zu führen. Dies ist eine der Methoden, mit denen Kṣitigarbha die Wesen in der Hölle befreit. Jeden Tag gelingt es ihm, unzählige schuldige Geister aus der Hölle zu retten. Würden die leidenden Wesen der Hölle nicht durch Kṣitigarbha befreit, wäre ihre Zahl wohl um ein Vielfaches größer – wer weiß, um wie viel. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Kṣitigarbha je nach dem Maß der kindlichen Pietät der Nachkommen die Rettung ihrer verstorbenen Angehörigen veranlasst. Die Nachkommen rezitieren also in der Welt der Lebenden das Kṣitigarbha-Sutra, sprechen Kṣitigarbhas Namen, erweisen dem Buddha Verehrung, verneigen sich vor ihm, bringen ihm Gaben dar, lassen Lebewesen frei, drucken buddhistische Sutren und Bücher zur Förderung des Guten, um die Menschen zum Guten zu bewegen, helfen einsamen Menschen ohne Angehörige, Verwitweten und Armen und vollbringen allerlei weitere Taten, die Menschen zum Guten führen und durch gutes Handeln Verdienste ansammeln. Wenn die Nachkommen die Kraft dieser Verdienste ihren Vorfahren in der Hölle widmen, wird der Bodhisattva die Rettung solcher schuldigen Geister aus der Hölle veranlassen. Kṣitigarbha prüft auch, ob bei den schuldigen Geistern selbst alle Ursachen und Bedingungen für ihre Rettung gegeben sind. Manche schuldigen Geister haben keine Angehörigen oder Nachkommen, die durch gute Taten zu ihrer Befreiung beitragen. Doch sie besitzen aus früheren Leben gewisse heilsame Wurzeln, Verdienste und entsprechende karmische Verbindungen. So gibt es beispielsweise viele Ordinierte, die zwar wegen Verstößen gegen die Gebote in die Hölle gefallen sind, aber auch Zeiten hatten, in denen sie die Gebote rein hielten und Gutes taten. Manche haben in einem früheren Leben auch nur einen Augenblick ehrfürchtig zu Kṣitigarbha aufgeblickt, vielleicht beiläufig einen Augenblick mit stillem Herzen zugehört oder seinen heiligen Namen ausgesprochen. Zu all diesen Wesen kommt der Bodhisattva ungebeten, um sie auf den Weg der Befreiung zu führen.“ Ich sagte: „Dann wollen wir heute die Avīci-Hölle besichtigen, vor der sich jeder schon fürchtet, wenn er nur von ihr hört! Ob Kṣitigarbha wohl heute auch in die Avīci-Hölle kommen wird?“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Kṣitigarbha besucht jede Hölle. Ayu, du hast die Avīci-Hölle noch nicht besichtigt. Dann folge mir!“ Um zur Avīci-Hölle zu gelangen, mussten wir mehrere Gänge durchqueren. Schon unterwegs waren unablässig die verschiedensten Schmerzensschreie und Klagerufe zu hören. Die Hölle war voller tiefster Trauer, Angst und Qual. Nun verstand ich, weshalb der Bodhisattva mich vor dem Schreiben von Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt dazu angehalten hatte, ernsthaft und mit Eifer zu praktizieren: Wer etwas weniger meditative Festigkeit besitzt, wird von dem stark negativen Magnetfeld der Hölle überwältigt. Dies ist wahrhaftig kein Ort für Menschen. Mögen die leidenden Wesen der Hölle bald daraus befreit werden und emporsteigen! Wäre ich nicht von der Kraft des Buddha umgeben und durch ihren Segen davor bewahrt worden, überwältigt zu werden, hätte ich auch mehr als die Hälfte meiner Lebenskraft aufgebraucht. Ich bin dankbar für den Beistand der Kraft des Buddha! Ich muss diese Arbeit unbedingt gut machen, um die Güte des Buddha zu vergelten!95 In diesem Augenblick begann mein Herz schneller zu schlagen! Ein entsetzliches Geräusch drang zu uns. Hier sah es menschenleer und sehr primitiv aus, ganz anders als in der vergleichsweise modernen Hölle des sexuellen Fehlverhaltens. Diese Hölle lag hinter mehrfachen, fest verschlossenen Toren. Ach! Die Temperatur war sehr hoch! Es fühlte sich unglaublich heiß an! Der Richter der Unterwelt sagte: „Für die schuldigen Geister hier gibt es einen Weg hinein, aber keinen hinaus. Alle, die in diese Hölle kommen, sind schuldige Geister, deren Maß an Übeltaten voll ist. Das unterirdische Magma hier hat eine Temperatur von über tausend Grad. Man kann dies wohl als eine der äußersten Strafen unserer Höllen bezeichnen!“96 Was! Tausend Grad? Wie schrecklich! Um Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt schreiben zu können, musste ich meinen ganzen Mut zusammennehmen und hinsehen! Dank des Beistands der Kraft des Buddha konnte ich durch ein kleines Eisenfenster in die Avīci-Hölle schauen. Diese Hölle war nicht besonders groß. Ihre äußere Form erinnerte ein wenig an eine menschliche Nase, und innen befand sich eine schwarze Öffnung. Diese schwarze Öffnung führte zum unterirdischen Magma. Das Magma rauchte und sah unvorstellbar heiß aus. Die schuldigen Geister wurden darin durch und durch gekocht und dann wieder hochgeschleudert. Mit Hochgeschleudertwerden ist nicht gemeint, dass sie an einen anderen Ort geschleudert wurden. Sie wurden vielmehr in die glühend heißen Rauchschwaden über dem Magma geschleudert, um darin versengt zu werden. Noch bevor sich ihre Geistkörper erholt hatten, während sie vor äußerster Qual noch jammerten und schrien, wurden sie erneut von dem glühend heißen Magma eingesogen, um weiter bestraft zu werden. Dabei stießen ihre Geistkörper wieder einen entsetzlichen Schrei aus. So wurden sie in der Avīci-Hölle ohne jede Unterbrechung immer wieder gequält. Es war unbeschreiblich grausam!96 Eben war es noch so dunkel und heiß gewesen. Woher kam plötzlich dieses Gefühl unvergleichlicher Kühle? Ich blickte auf und sah, dass der verehrte Kṣitigarbha in seinem Mitgefühl herabgekommen war. Ich warf mich ehrerbietig vor Kṣitigarbha nieder! Heute zeigte er sich nicht in einer sanftmütigen Gestalt, sondern als stehender, zornvoller Kṣitigarbha. Hinter ihm erschien ein großer, runder, goldgelber Lichtkranz. Seine Füße ruhten auf einer blaugrünen Lotusblüte, unter der heftige Flammen loderten. Doch diese Flammen verbreiteten keinerlei drückende Hitze; im Gegenteil, sie vermittelten das Gefühl, verblendete Gedanken zu vertreiben. Das Juwel in Kṣitigarbhas linker Hand war feuerrot, und an der Spitze des goldenen Ringstabes in seiner rechten Hand befand sich heute zusätzlich eine rote Lotusblüte. Kṣitigarbha strahlte heute eine machtvolle übernatürliche Kraft aus, die Dämonen bezwang. Bei seinem Anblick wagte man keinen einzigen verblendeten Gedanken zu hegen. Man empfand tiefen Respekt und ehrfürchtige Scheu. Zum ersten Mal sah ich Kṣitigarbha so streng. Der Dharma-Meister Daoming und der Dharma-Beschützer Min Gong unterschieden sich dagegen kaum von ihrem sonstigen Erscheinungsbild. Dharma-Meister Daoming zeigte sich in der würdevollen Gestalt eines Bhikṣu und kreuzte die Hände zur Mudra der Dämonenbezwingung. Der Dharma-Beschützer Min Gong stand mit zusammengelegten Händen neben dem Bodhisattva. Kṣitigarbhas Reittier Di Ting war heute jedoch größer und zeigte ebenfalls eine zornvolle Gestalt. Plötzlich kam ein Beamter der Unterwelt und meldete, dass es in der Gerichtshalle eine Angelegenheit gebe, um die sich der Richter kümmern müsse. Daraufhin sagte mir der Richter, ich solle mich allein weiter umsehen. Bei Fragen könne ich mich an Kṣitigarbha wenden. Ich legte die Hände zusammen, verneigte mich und dankte dem Richter! Nun gab mir Kṣitigarbha ein Zeichen, nach oben zu fliegen. Da gleich die Tore der Avīci-Hölle geöffnet werden sollten, sorgte er sich, dass mich das glühende Magma verletzen könnte. Auf Kṣitigarbhas mächtige übernatürliche Kraft gestützt, stieg ich zu einer Stelle unterhalb des Bodhisattva empor und stand dort mitten in der Luft. Währenddessen ließ sich der Dharma-Beschützer Min Gong vor den mehrfachen Eisentoren der Avīci-Hölle nieder. Zwei Geisterschergen öffneten ein Tor, kamen heraus und schlossen es sofort wieder vorsichtig. Sie sagten, sie befürchteten, das Magma könnte auf den Dharma-Beschützer Min Gong spritzen. Min Gong sagte, der Unterweltskönig habe angeordnet, einige schuldige Geister herauszulassen, damit ihre Fälle Ayu als Material dienen könnten. Kṣitigarbha wies an, drei schuldige Geister vorzuführen. Normalerweise konnte aus der Avīci-Hölle kein einziger schuldiger Geist herausgelassen werden. Die Geisterschergen gingen also wieder hinein und führten drei schuldige Geister heraus. Es waren zwei männliche und ein weiblicher Geist. Ihre Schmerzen waren so groß, dass sie nicht stehen konnten. Sie konnten überhaupt kein Wort hervorbringen. Ihre ganzen Körper waren von Schlamm bedeckt, wund und bis zur Unkenntlichkeit zerfallen. Sie waren so erbarmungswürdig, dass ich bei ihrem Anblick hätte weinen mögen! In diesem Augenblick nahm Dharma-Meister Daoming das rote Juwel aus Kṣitigarbhas Hand entgegen und begann, ein Mantra zu rezitieren. Das Juwel des Bodhisattva strahlte hell auf und durchleuchtete die Avīci-Hölle. Sofort wurde es in der gesamten Avīci-Hölle unvergleichlich kühl und still. Kein Schmerzenslaut war mehr zu hören, und auch das Magma war nicht mehr heiß. Meine ganze Anspannung verschwand ebenfalls. An ihre Stelle trat ein Gefühl der Ruhe, der Geborgenheit und der Leichtigkeit. Als ich genau hinhörte, erkannte ich die Dhāraṇī Kṣitigarbhas. Dieses Mantra mag ich sehr. Nachdem der Dharma-Meister eine Weile rezitiert hatte, kehrte bei den drei schuldigen Geistern allmählich das Empfindungsvermögen zurück, und sie kamen wieder zu sich. Ein männlicher Geist konnte nun auf dem Boden knien. Kṣitigarbha sagte: „Shangguan Yuhua aus der Welt der Lebenden soll im Auftrag der Unterwelt das Buch zur Förderung des Guten Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt verfassen, um die Menschen dazu zu bewegen, vom Bösen abzulassen und zum rechten Weg zurückzukehren. Erzähle Ayu nun, wie du in die Avīci-Hölle gekommen bist. Was hast du zu Lebzeiten getan?“ Unter bitterem Weinen und Tränen sagte der männliche Geist, er habe zu Lebzeiten gezielt aphrodisierende Mittel für sexuelles Fehlverhalten entwickelt und außerdem selbst einige sexuell anstößige Bücher sowie Discs mit Darstellungen von Selbstbefriedigung hergestellt. Damit habe er zu Lebzeiten viel Geld verdient. Dies seien die einzigen Dinge gewesen, die er in seinem ganzen Leben falsch gemacht habe. Jetzt wisse er, dass es falsch gewesen sei, und flehe den Bodhisattva an, ihn zu retten. Kṣitigarbha belehrte den männlichen Geist: „Aphrodisierende Mittel für sexuelles Fehlverhalten sowie entsprechende Bücher und Discs zerstören die gute Herzensnatur der Menschen. Besonders Discs mit Darstellungen von Selbstbefriedigung erschüttern die Herzensnatur von Jungen, deren Körper noch reines Yang besitzen. Wenn sie diese schlechte Gewohnheit annehmen, beschreiten sie fortan einen Weg zur Hölle, der den Körper schädigt, das Leben gefährdet und das Leben ihrer Weisheit abschneidet. Dafür gewähren die Gesetze der Unterwelt keine Vergebung. Erst wenn die von dir in der Welt der Lebenden hergestellten Gegenstände des sexuellen Fehlverhaltens vollständig verschwunden sind, darfst du die Hölle verlassen.“ Kaum hatte der Bodhisattva seine Belehrung beendet, wurde der schuldige männliche Geist sofort wieder hineingestoßen.97 Nun war der weibliche Geist an der Reihe. Sie sagte: „Zu Lebzeiten war ich schön, hatte eine hohe Bildung und konnte mich gut ausdrücken. Doch meine Gier und mein Hochmut waren sehr groß, und ich war stark von Neid erfüllt. Obwohl ich verheiratet war, verachtete ich meinen Mann. Auch seinen alten Eltern erwies ich keine kindliche Pietät. Ich beschimpfte sie oft und sprach bissig und verletzend. Mit meiner Schönheit begann ich heimlich mehrere außereheliche Beziehungen. Durch geschickte Worte brachte ich die Männer dazu, mir ihr ganzes Geld zu geben. Danach weckte ich in ihnen Minderwertigkeitsgefühle und kränkte sie so sehr, dass sie starben. Ich hielt mich für klug und glaubte, niemand wisse davon. Die drei Männer, die durch meine Kränkungen gestorben waren, erhoben am Ende ihrer Lebenszeit bei Yanwang Anklage gegen mich. Yanwang befahl ihnen dreien, in die Menschenwelt hinaufzugehen, meine Seele zu holen und mich zur Bestrafung in die Hölle zu bringen. Bevor ich in die Avīci-Hölle kam, hatte ich bereits in anderen Höllen allerlei Strafen erlitten. Ich flehe den Bodhisattva an, mich hier herauszuholen. Wenn ich draußen bin, werde ich ganz gewiss ein neuer Mensch werden und niemanden mehr betrügen.“ Kṣitigarbha sagte: „Deine wohlgestalteten Gesichtszüge sind die Frucht davon, dass du in einem früheren Leben dem Buddha mit aufrichtigem Herzen Blumen dargebracht hast. Deine Redegewandtheit und deine Weisheit sind die Frucht davon, dass du in einem früheren Leben Sutren gelesen und den Dharma gehört hast. Doch dein Hochmut hat dein Leben steil abwärtsgeführt. Du musst bereuen und tief darüber nachdenken, wie groß die vier Arten empfangener Wohltat sind. Verbleibe hier in der Avīci-Hölle und übe aufrichtige Reue!“ Kaum hatte Kṣitigarbha zu Ende gesprochen, wurde der weibliche Geist von einem Geisterschergen mit einer Gabel hineingestoßen. Nur noch ein entsetzlicher, gellender Schrei war zu hören. Dann kam der andere männliche Geist an die Reihe. Er sagte, er habe zu Lebzeiten gefälschte Arzneirohstoffe hergestellt und selbst verkauft. Außerdem habe er gefälschte alkoholische Getränke verkauft und heimlich mit Waffen gehandelt. Nachdem er viel Geld verdient hatte, habe er sein Unternehmen immer weiter vergrößert. Er habe auch den Ruf anderer durch Verleumdungen geschädigt, um sein eigenes Unternehmen bekannter zu machen. Nach seiner Ankunft in der Hölle habe er sein Unrecht erkannt, doch da sei es bereits zu spät gewesen! Der männliche Geist sagte: „Bodhisattva, bitte rettet mich und holt mich hier heraus! Ich flehe Euch an, die Qualen hier sind wirklich zu groß! Selbst wenn ich nur ein weiterer Hund an Eurer Seite sein dürfte, wäre ich einverstanden. Ich könnte hinter diesem Hund von Euch herlaufen und als kleiner Hund an Eurer Seite jede Mühe und jede Kränkung klaglos hinnehmen. Bodhisattva, bitte holt mich hier heraus!“ Kṣitigarbha belehrte ihn: „Der Verkauf gefälschter Arzneirohstoffe und der Waffenhandel gefährden das Leben der Menschen schwer. Schon die Gesetze der Welt der Lebenden verbieten dies streng; die Gesetze der Unterwelt bestrafen es noch härter. Wer dies tut, wird am Ende seiner Lebenszeit in die Avīci-Hölle geworfen und kann niemals daraus emporsteigen. Du musst in der Avīci-Hölle aufrichtig bereuen! Dieses Wesen an meiner Seite ist kein Hund. Es heißt Di Ting. Di Ting übt sich auf dem spirituellen Weg. Es ist eine Manifestation meiner Herzensnatur und kein Tier, das aus dem Kreislauf der Wiedergeburten in den sechs Daseinsbereichen hervorgegangen ist.“ „Verehrter Kṣitigarbha, darf ich, Ayu, mit Di Ting sprechen?“ Kṣitigarbha sagte: „Ayu, sprich nur!“ Ich sagte: „Amitābha! Di Ting! Sie üben sich also ebenfalls auf dem spirituellen Weg! Ich hatte gedacht, Sie würden dem Bodhisattva jeden Tag nur folgen. Wie sehr ich Sie beneide! Sie können Kṣitigarbha Tag und Nacht überallhin begleiten, um die Wesen auf den Weg der Befreiung zu führen. Ich, Ayu, freue mich mit Ihnen über Ihre Verdienste!“ Di Ting sagte: „Ayu, du bist zu freundlich! Wir alle üben uns auf dem spirituellen Weg. Wie es heißt: An jeder Stelle erfüllt man die Aufgaben, die dieser Stelle entsprechen. Jedes fühlende Wesen sollte seine Kräfte nach besten Möglichkeiten einsetzen und seine Pflichten gut erfüllen. Während man alle eigenen Pflichten gut erfüllt, ohne dabei irgendeinen Fehler zu machen, sollte man zugleich anderen helfen, also zum Nutzen anderer handeln. Anderen zu helfen bedeutet tatsächlich, sich selbst beim Ansammeln von Verdiensten zu helfen. Solange wir die Buddhaschaft noch nicht verwirklicht haben, dient alles, was wir als Handeln zum Nutzen anderer bezeichnen, zugleich unserem eigenen Nutzen. Denn unsere eigene Fülle an Segnungen und Verdiensten ist noch nicht vollkommen. Solange sie noch nicht vollkommen ist, müssen wir weiterhin Segnungen und Verdienste als geistige Wegzehrung ansammeln. Anderen zu helfen und ihnen zu nützen heißt also, die Grundlage für die eigene spirituelle Praxis anzusammeln. Nur bei einem Buddha sind Segnungen und Verdienste vollkommen. Deshalb kann nur von einem Buddha gesagt werden, dass er vollständig zum Nutzen anderer handelt. Ich, Di Ting, habe das Glück, vom Bodhisattva mitfühlend beschützt und umsorgt zu werden. So habe auch ich die Gelegenheit, nach und nach zu lernen.“ Ich sagte: „Vielen Dank für diese Worte, Di Ting! Sie sind wahrhaftig ein Dharma-Beschützer an der Seite eines großen Bodhisattva. Auch Ihre Worte sind außergewöhnlich. Ich freue mich mit Ihnen, ich freue mich mit Ihnen!“ Ich, Ayu, fragte Kṣitigarbha ehrerbietig: „Von dem weiblichen Geist vorhin habt Ihr gesagt, dass sie in einem früheren Leben den buddhistischen Weg gelernt habe. Doch nun wurde sie in die Avīci-Hölle geworfen und kann niemals daraus emporsteigen. Bedeutet das, dass sie überhaupt keine Hoffnung mehr hat?“ Kṣitigarbha erklärte: „Vorhin habe ich sie aufgefordert zu bereuen. Obwohl sie mit dem Mund sagte, sie wolle sich bessern, ist ihre Herzensnatur derzeit noch nicht so weit, dass sie wirklich aufrichtig bereut. Sie will lediglich sofort fort, weil die Avīci-Hölle zu qualvoll ist. Nach einiger Zeit, wenn ihre Herzensnatur reiner geworden ist, werde ich wieder hierherkommen und sie retten. Jetzt muss sie ihre Herzensnatur in der Avīci-Hölle noch weiter läutern.“ Ich sagte: „Kṣitigarbha verwirklicht wahrhaftig das Gelübde: Solange die Höllen nicht leer sind, werde ich kein Buddha! Wie gern würde ich dem Bodhisattva folgen und von ihm lernen!“ Ich, Ayu, bin Kṣitigarbha für seine Unterweisung und Belehrung unendlich dankbar! Ich, die Schülerin Ayu, werfe mich von ganzem Herzen vor meinem gütigen Schutzherrn nieder, dem überaus heiligen, überaus mitfühlenden Bodhisattva-Mahāsattva Kṣitigarbha mit seinem großen Gelübde, der mit den zehn Rädern das Leid beseitigt und sowohl den Toten als auch den Lebenden zum Wohl gereicht!98 Auf einer weißen Lotusblüte kehrte ich zurück. 32. Der Richter der Unterwelt sagt: „Die Gottesmutter Maria ist eine Manifestation Avalokiteśvaras“ – Avalokiteśvara besucht die Höllen, um vom Leid zu befreien Ich bin dankbar für den Beistand der Kraft des Buddha! Auf einer weißen Lotusblüte brach ich auf! Amitābha! Ich, Ayu, legte vor dem Richter der Unterwelt die Hände zusammen! „Verehrter Richter! Ich, Ayu, möchte fragen: Gibt es außer Kṣitigarbha, der sich häufig in den Höllen aufhält, noch andere Heilige, die dort vom Leid befreien?“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Ja! Auch Avalokiteśvara, der Bodhisattva Mañjuśrī, Buddha Amitābha, der Medizinbuddha und andere. Obwohl Avalokiteśvara, Mañjuśrī, Kṣitigarbha und andere in der Gestalt von Bodhisattvas erscheinen, besitzen sie tatsächlich bereits sämtliche Verdienste eines Buddha und unterscheiden sich in nichts von einem Buddha. Wie es heißt: ‚Wenn ein Buddha in der Welt erscheint, stehen ihm tausend Buddhas schützend zur Seite.‘ Avalokiteśvara hat bereits vor weit zurückliegenden Kalpas die Buddhaschaft erlangt und trägt den Namen Tathāgata des Lichtes des rechten Dharma. Mañjuśrī ist die Mutter der sieben Buddhas. Unter Buddhas und Bodhisattvas gibt es keinen Ersten und keinen Zweiten. Alle sind gleich, ihr Licht erhellt einander und steht miteinander in Einklang. Buddhas sind die reinste, höchste Weisheit und die höchsten Lichtkörper im Universum. Ein Buddha besitzt große übernatürliche Kräfte; es gibt nichts, was er nicht vermag, und nichts, was er nicht weiß. Alle Buddhas besitzen gleichermaßen große Güte ohne Vorbedingungen und großes Mitgefühl aus der Einheit mit allen Wesen. Diese große Güte ohne Vorbedingungen und dieses große Mitgefühl aus der Einheit mit allen Wesen bedeuten, dass Weisheit und Empfindung eines Buddha stets in einem Zustand höchsten Gleichgewichts bleiben. Beide sind miteinander verschmolzen und wirken zugleich. Die liebevolle Güte, die sich in diesem gemeinsamen Wirken von Mitgefühl und Weisheit ausdrückt, gilt allen gleichermaßen. Sie unterscheidet nicht zwischen Feinden und Angehörigen, zwischen ethnischen Gruppen oder Glaubensrichtungen. Selbst Tieren und Pflanzen, deren Leben kurz und schwach ist, werden gleichermaßen Mitgefühl und rettende Hilfe zuteil. Darin liegt der Unterschied zwischen Buddhas und Menschen. Menschen können Weisheit und Empfindung nicht in ein solch hohes Gleichgewicht bringen. Deshalb können Menschen nicht in die Hölle kommen, um Wesen zu retten, während Buddhas jederzeit in die Hölle kommen können.99 Wenn Buddhas und Bodhisattvas in die Hölle kommen, um Wesen zu retten, folgen sie dem Gesetz von Ursache und Wirkung und setzen es nicht außer Kraft. In der Hölle gibt es eine Gruppe von Wesen, die aus der Welt der Lebenden hierher gefallen sind. Sie haben zu Lebzeiten zwar eifrig praktiziert, aber die Gebote nicht eingehalten und erleiden deshalb die schweren Höllenfolgen ihres schlechten Karmas. Wenn sie in die Gerichtshalle der Unterwelt kommen, rezitieren manche bei ihrer Befragung oder Verurteilung auswendig Mantras von Buddhas und Bodhisattvas. Sobald sie diese Mantras sprechen, entsteht eine mächtige übernatürliche Kraft, die die schuldigen Geister schützen kann. Dann befiehlt Yanwang den Geisterschergen, sie abzuführen und zum Meng-Po-Pavillon zu bringen, damit sie Meng-Po-Suppe trinken. Unmittelbar danach nehmen sie in der Menschenwelt im Mutterleib wieder Geburt an und sterben noch im Bauch der Mutter. Nach der Empfängnis müssen alle Geistkörper die Qualen des zehnmonatigen Gefängnisses im Mutterleib erleiden. Sie verbringen sieben bis zehn Monate zusammengekrümmt in der engen Gebärmutter ihrer Mutter. Wie lange ein Geistkörper im Mutterleib bleibt, ist unterschiedlich und hängt von seinem Karma ab. Schon das Verweilen in diesem engen Gefängnis ist für den Geistkörper sehr leidvoll. Darüber hinaus muss er Tag und Nacht die wechselnden Gemütszustände der Mutter ertragen. Ob die Nahrung der Mutter kalt oder heiß ist, bereitet dem ungeborenen Kind Qualen wie in den kalten und heißen Höllen. Unter all diesen Qualen des Gefängnisses im Mutterleib vergessen Geistkörper leicht die Mantras, die sie im früheren Leben praktiziert haben. Nur weit fortgeschrittene Praktizierende müssen während ihres Aufenthalts im Mutterleib diese Qualen nicht erleiden. Solche Praktizierenden können nach dem Eintritt in den Mutterleib frei hinein- und hinausgehen. Sie bleiben vorübergehend außerhalb und unterstützen von dort durch ihren Segen die normale Entwicklung und das Wachstum des fleischlichen Körpers im Mutterleib. Erst bei der Geburt treten sie endgültig ein. Alle gewöhnlichen Geistkörper können nach dem Eintritt in den Mutterleib nicht wieder heraus und müssen bis zur Geburt die Qualen dieses Gefängnisses erleiden.100 Nachdem die schuldigen Geister im Mutterleib gestorben sind und dadurch die Mantras vergessen haben, gelangen sie erneut in die Hölle, wo über ihre Schuld gerichtet wird. Wenn ein schuldiger Geist die Mantras noch immer nicht vergessen hat, durchläuft er diesen Vorgang des Sterbens im Mutterleib mehrfach, bis er sie vollständig vergessen hat und wieder die Höllenfolgen erleidet. Buddhas und Bodhisattvas kommen erst dann in die Hölle, um schuldige Geister zu retten, wenn diese nach dem Erleiden der Höllenfolgen Reue im Herzen entwickeln. Sie kommen entsprechend den von ihnen erkannten Ursachen und Bedingungen für die Wiederherstellung der Herzensnatur dieser Geister.100 Avalokiteśvara befreit häufig Wesen in den Höllen vom Leid. Vor Kurzem kam der Bodhisattva in die Hölle des sexuellen Fehlverhaltens, um Wesen zu befreien. Ich werde dich hinführen, damit du es dir ansehen kannst. Nur sehr wenige Eltern der jungen Menschen in der Hölle des sexuellen Fehlverhaltens sammeln in der Welt der Lebenden für sie Verdienste und widmen sie ihnen, um dadurch Avalokiteśvaras Kommen zur Rettung aus der Hölle zu erwirken. Im Kapitel vom universellen Tor sagt der Buddha: ‚Der Buddha sprach zum Bodhisattva Unerschöpfliche Absicht: Guter Sohn! Wenn unermesslich viele Hunderte, Tausende, Zehntausende und Hunderte Millionen Wesen allerlei Leid und Bedrängnis erdulden, von diesem Bodhisattva Avalokiteśvara hören und mit ungeteiltem Herzen seinen Namen anrufen, nimmt Avalokiteśvara sogleich ihre Stimmen wahr, und sie alle erlangen Befreiung.‘“101 Wir waren angekommen! Ich spürte, dass Buddhalicht diesen Ort erhellte. Sofort wurde es kühl und still. Alles war so rein, dass sich Körper und Geist wohlfühlten! Der Richter der Unterwelt sagte, Avalokiteśvara sei gerade dabei, einen Jungen in der Hölle der elektrischen Augen und Eisenkugeln zu retten! Ich, die Schülerin Shangguan Yuhua, warf mich vor Avalokiteśvara nieder, mit beiden Knien, beiden Händen und der Stirn auf dem Boden! Ich sah, dass der Bodhisattva in der mitfühlenden Gestalt der katholischen Gottesmutter Maria erschien. Der Richter der Unterwelt sagte, die Gottesmutter Maria sei tatsächlich eine der Erscheinungsformen Avalokiteśvaras.102 Im Kapitel vom universellen Tor sagt der Buddha: „Der Bodhisattva Unerschöpfliche Absicht sprach zum Buddha: ‚Weltverehrter! Wie wandelt der Bodhisattva Avalokiteśvara durch diese Sahā-Welt? Wie legt er den Wesen den Dharma dar? Wie wirkt seine Kraft der geschickten Mittel?‘ Der Buddha sprach zum Bodhisattva Unerschöpfliche Absicht: ‚Guter Sohn! Wenn es in einem Land Wesen gibt, die durch die Gestalt eines Buddha befreit werden können, erscheint Avalokiteśvara sogleich in der Gestalt eines Buddha und legt ihnen den Dharma dar. Wenn sie durch die Gestalt eines Pratyekabuddha befreit werden können, erscheint er sogleich in der Gestalt eines Pratyekabuddha und legt ihnen den Dharma dar.‘“ Avalokiteśvara befreit die Wesen entsprechend den jeweiligen Bedingungen und zeigt sich dabei in der jeweils passenden Gestalt.101 Der Junge in der Hölle der elektrischen Augen und Eisenkugeln kam mir sehr bekannt vor. Ach! Jetzt erinnerte ich mich! Vor einem Jahr hatte ich in der Trauerhalle eines Bestattungshauses sein Totenporträt gesehen. Sein Aufbahrungsraum lag direkt neben dem meines Angehörigen. Seine Eltern hatten die Trauerfeier damals nach katholischem Ritus abgehalten. Sie zündeten keine Räucherstäbchen an und ließen keine buddhistischen Zeremonien durchführen, sondern lasen nur religiöse Texte und beteten. Beim letzten Mal hatte der Richter der Unterwelt mir erklärt, dass dieser Junge bereits mit zwölf Jahren das Ende seiner Lebenszeit erreicht hatte. Er war der einzige Sohn seiner Eltern. Sie weinten jeden Tag und hatten sich seelisch noch immer nicht erholt. Sie waren katholisch und wussten nur, dass sie täglich zur Gottesmutter Maria beten und durch gute Taten armen Menschen helfen konnten. Damit hatten sie das Kommen des mitfühlenden Avalokiteśvara erwirkt, der nun den Jungen unterwies.105 Nun sah ich, wie die Gottesmutter Maria erneut ein reines, weißes Licht des Mitgefühls aus ihrem Körper ausstrahlte. Das Licht erhellte die ganze Hölle. In der Hölle war es bereits kühl geworden, und sämtliche Strafen waren vorübergehend ausgesetzt. Ich erinnerte mich daran, wie elend es diesem Jungen bei meinem Besuch in der Hölle der elektrischen Augen und Eisenkugeln im vergangenen Jahr ergangen war. Überall auf dem Boden war sein Blut geflossen; der Anblick war kaum zu ertragen gewesen. Der Junge machte mit der Hand ein Kreuzzeichen über seinem Körper und dankte der heiligen Gottesmutter Maria. Er sagte, nicht einmal im Traum hätte er daran gedacht, dass er die Gottesmutter persönlich sehen könnte. Nun sprach die Gottesmutter Maria mit einer mitfühlenden, sanften Stimme zu ihm: „Deinen Körper, dein Haar und deine Haut hast du von deinen Eltern empfangen. Mein Kind, deine Lebenszeit in der Welt der Lebenden war noch nicht zu Ende, und doch war deine Seele bereits in die Unterwelt zurückgekehrt. Weißt du, dass deinen beiden Eltern in der Welt der Lebenden zumute ist, als würden zehntausend Pfeile ihre Herzen durchbohren?“105 Der Junge konnte seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Mit tränenüberströmtem Gesicht sagte er weinend: „Wenn sich die Zeit zurückdrehen ließe, würde ich mir nie wieder irgendwelche pornografischen Publikationen ansehen. Heute will ich vor der heiligen Gottesmutter Maria von Grund auf bereuen. Auch meinen Eltern gegenüber möchte ich so gern meine Reue ausdrücken, aber ich kann nicht mehr mit ihnen sprechen. Ich habe meine kindlichen Pflichten verletzt! Ich verdiene den Tod! Meine Eltern liebten mich über alles. Was immer ich brauchte, sie erfüllten mir jeden Wunsch. Materiell hatte ich schon mehr als genug. Wir wohnten in einem großen Haus, und zwei Hausangestellte kümmerten sich Tag und Nacht um mich. Ich spürte auch tief, wie sehr meine Eltern mich liebten und umsorgten. Jetzt kann ich nur noch hoffen, ihnen im nächsten Leben ihre liebevolle Fürsorge und Erziehung zu vergelten.“ [Nicht explizite Zusammenfassung: Der Junge berichtet, dass er mit sechs Jahren aus Neugier auf pornografische Internetinhalte stieß und schwer kontrollierbare Gewohnheiten entwickelte. Seine Eltern waren beruflich stark beansprucht, gingen früh fort und kamen spät zurück. Nach dem Unterricht betreuten ihn zwei Hausangestellte. Wenn die Eltern abwesend waren, telefonierten sie oft mit Freunden. Sie sahen ihn in seinem Zimmer, hielten ihn für brav und störten ihn nicht.]104 Der Junge fährt fort: „Das ging bis zu meinem zehnten Lebensjahr so weiter. Dann bekam ich Rückenschmerzen; mein ganzer Körper war erschöpft, ich hatte keine Kraft und hatte ständig das Gefühl, nicht richtig wach zu werden. Beim Gehen musste ich mich sogar auf einen Stock stützen – ich war ganz wie ein kleiner alter Mann. Meine Mutter brachte mich zu vielen Ärzten, doch keiner konnte mich heilen. Schließlich stellte ein Arzt für traditionelle chinesische Medizin einen schweren Nierenmangel und vorzeitiges Altern fest. Erst dann erfuhren meine Eltern, dass ich masturbierte. Sie schimpften mit mir, doch weil sie ihren Sohn so sehr liebten, suchten sie weiter nach berühmten Ärzten. Auch ich spürte nun, wie schädlich die Masturbation war, und hörte eine Zeit lang damit auf. Als meine Eltern sahen, dass ich wieder brav war, lockerten sie ihre Aufsicht.“103 [Nicht explizite Zusammenfassung: Der Junge berichtet von aufdringlichen Gedanken, Kontrollverlust, starker Müdigkeit und Schwindel während seiner Behandlung. Der Erzählung zufolge zerren ihn Ochsenkopf und Pferdegesicht mit zwölf Jahren mit einer großen Eisenkette zur Bestrafung in die Hölle. Er beschreibt, dass er seine Not lange verheimlichte und nun erleichtert ist, darüber zu sprechen. Viele Mitschüler sähen ebenfalls pornografische Internetseiten, ohne Wissen ihrer Eltern. Er möchte diesen Ort verlassen und bittet die heilige Jungfrau, ihn ins Himmelreich zu bringen, damit er von dort seine Mitschüler warnen kann.]104 Die heilige Gottesmutter Maria lehrte: „Deine Eltern in der Menschenwelt denken noch jeden Tag voller Sehnsucht an dich!“ Der Junge sagte: „Heilige Gottesmutter! Ich flehe Euch an, rettet mich von hier. Ich möchte nun doch nicht ins Himmelreich gehen. Ich will meinen Mitschülern helfen und alle Jungen dazu ermahnen, keine pornografischen Websites anzusehen und nicht zu masturbieren. Wenn ich das nicht schaffe, sollen mir beide Hände abbrechen und der Mund verfaulen.“ Die heilige Gottesmutter Maria lehrte: „Es ist gut, dass du dich von Grund auf bessern willst! Alle Verfehlungen entspringen dem Geist und werden allein vom Geist hervorgebracht. Du musst schon dort ansetzen, wo sich Gedanken und Regungen bilden, und stets rechte Achtsamkeit bewahren; dann wirst du ganz von selbst nicht von unrechten Gedanken verunreinigt. Dein Gelübde, die fühlenden Wesen dazu anzuhalten, die üble Gewohnheit sexuellen Fehlverhaltens aufzugeben, ist ein gutes Gelübde. Zu geloben, dass dir beide Hände abbrechen und der Mund verfault, wenn du es nicht schaffst, ist ein schlechtes Gelübde. Wer ein schlechtes Gelübde ablegt, verliert die rechte Achtsamkeit. Wir können Gelübde ablegen, doch es sollen gute und keine schlechten sein. Ob ein Gelübde gut oder schlecht ist, es bildet immer eine Ursache. Wo eine Ursache ist, gibt es auch eine Wirkung. Sobald ein Gelübde abgelegt wurde, wird der Tag kommen, an dem es sich erfüllt. Ein Gelübde ist eine unsichtbare Kraft. Diese unsichtbare Kraft treibt uns Leben um Leben voran. Gute Gelübde können wir immer wieder ablegen; sie lassen das Licht unseres geistigen Wesens zur Entfaltung kommen und wachsen. Schlechte Gelübde dürfen wir keinesfalls ablegen. Sie setzen einen üblen Kreislauf in Gang, in dem wir die Früchte unseres eigenen Tuns ernten; im schlimmeren Fall schaden wir anderen Menschen und Wesen, anderen und uns selbst. Schlechte Gelübde sind Ursachen des Niedergangs, gute Gelübde sind das Fundament auf dem Weg zu einem lichten Leben.“ Durch den Segen und die erlösende Führung des Bodhisattvas hatte sich das Licht im Herzen des Jungen von seinem anfänglichen Dunkelrot in ein blasses Weiß verwandelt. Sein Geistkörper stieg bereits in höhere Bereiche auf. Ich fragte den Richter der Unterwelt, warum der Junge so schnell aufsteigen konnte, obwohl er erst vor Kurzem in die Hölle gefallen war und seine Strafe noch nicht vollständig verbüßt hatte. Der Richter der Unterwelt sagte: „Die Herzensnatur des Jungen ist an sich nicht besonders schlecht. Nur waren seine Eltern zu beschäftigt, um ihm rechtzeitig eine gute, förderliche Erziehung zu geben. So geriet er in einer Umgebung ohne rechtes Wissen und rechte Sicht auf Abwege und fiel in die Hölle. Nun ist ihm die rettende Hilfe Avalokiteśvaras begegnet, und durch die mächtige göttliche Kraft des Bodhisattvas kann er erlöst werden. Dazu kommt seine aufrichtige Reue. Nur weil beides zusammenkommt, kann er so schnell aufsteigen.“ Heute habe ich wieder sehr viel gelernt! Vielen Dank, verehrter Richter der Unterwelt, für die Mühe, mir all das zu erklären! Ich, Ayu, legte vor dem Richter der Unterwelt die Handflächen zusammen und kehrte auf der weißen Lotusblüte zurück. Nachwort Die Gesetze der Unterwelt sind unerbittlich, doch der Buddha ist voller Mitgefühl Ein Internetnutzer fragte, warum die Gesetze der Unterwelt „unerbittlich“ seien. Die Gesetze der Unterwelt lassen sich auch als Ursache und Wirkung bezeichnen: die Unveränderlichkeit von Ursache und Wirkung, ein Gesetz des Universums. „Unerbittlich“ bezeichnet die Zwangsläufigkeit von Ursache und Wirkung, die sich durch nichts ändern lässt. Wer eine bestimmte Ursache setzt, erntet die entsprechende Wirkung. Ursache und Wirkung erstrecken sich über vergangene, gegenwärtige und künftige Leben, weshalb ihre Folgen nicht immer schon im gegenwärtigen Leben sichtbar werden müssen. Doch Ursache und Wirkung sind wirklich und keineswegs trügerisch. Unterschiede in Identität, Stellung, Reichtum, Ansehen, Geschlecht, Alter oder Hautfarbe führen weder zu Ausnahmen noch zu einer unterschiedlichen Behandlung. Vor Ursache und Wirkung sind alle Wesen gleich. Deshalb kann man sie auch unerbittlich nennen. Doch die Gesetze der Unterwelt sind unerbittlich, während der Buddha voller Mitgefühl ist. Das Gesetz von Ursache und Wirkung bleibt zwar unverändert, aber solange sich die guten oder schlechten karmischen Folgen noch nicht herausgebildet haben, lässt sich das Dazwischen, das man die mitwirkenden Bedingungen nennt, durch die Besserung eigener Fehler und die Hinwendung zum Guten umgestalten. Alle Buddhas und Bodhisattvas sind von großer Güte und großem Mitgefühl erfüllt. Sie wirken beständig und unermüdlich zum Wohl aller Wesen, lehren entsprechend deren Anlagen, weisen ihnen je nach den gegebenen Bedingungen den Weg und drehen unablässig das Rad des rechten Dharma. Dadurch haben die Wesen einen Halt, um sich vom Leid zu lösen und Glück zu erlangen, einen Weg zur endgültigen Befreiung und ein leitendes Licht, um rasch das andere Ufer zu erreichen. In unserer heutigen Zeit gibt es zwar Menschen, die Gutes tun, doch noch stärker ist die Tendenz, aus Unkenntnis von Ursache und Wirkung schlechtes Karma zu schaffen. Katastrophen, Kriege und Krankheiten treten immer wieder auf. Selbst wenn die Kräfte göttlicher Macht, des Verdienstes, des Mitgefühls, guten Karmas und der Verdienstwidmung zusammenwirken, werden damit weiterhin nur die Symptome behandelt. Will man an die Wurzel gehen, muss jeder Ursache und Wirkung verstehen, vom falschen auf den rechten Weg zurückkehren, das Böse aufgeben und dem Guten folgen. Weil sich die äußeren Verhältnisse mit dem Geist wandeln, drehen die Buddhas unablässig das Rad des Dharma. Das Buch „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ ist den Erfordernissen dieser Zeit entsprechend erschienen. Es entstand durch das Erbarmen der Buddhas und Bodhisattvas mit den Wesen und ihre mitfühlende Fügung. Die verehrte Shangguan Yuhua scheute zudem keine Mühe, übernahm mutig diese schwere Verantwortung und setzte sich mit ganzem Herzen und aller Kraft für die Gemeinschaft ein. Manche schaffen aus Unkenntnis von Ursache und Wirkung schlechtes Karma und hören selbst auf wiederholte Ermahnungen nicht. Doch die Buddhas und Bodhisattvas können es weiterhin nicht ertragen, die Wesen leiden zu sehen. Deshalb lassen sie sie die Wirklichkeit der Hölle erblicken, damit in ihnen aufrichtige Reue und der Wunsch nach Besserung entstehen. Wer solche Taten noch nicht begangen hat, kann durch dieses Wissen davon abstehen. Es ist, als würde vor der Hölle eine letzte Verteidigungslinie errichtet, gleichsam an ihrem Tor, in der Hoffnung, dich hier aufzuhalten, damit du nicht hineingehst und leidest. Wie könnte man jemals die rettende Fürsorge der Buddhas und Bodhisattvas erschöpfend beschreiben, die uns zu jeder Zeit und an jedem Ort zuteilwird? Wenn du nach der Begegnung mit „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ aufrichtig bereust, dich besserst, die Taten künftig nicht wiederholst, das Buch weithin bekannt machst und verbreitest und anderen hilfst, sich zu bessern, dann wird sich das Tor zur Hölle von selbst schließen. Wenn du dagegen weiterhin weder hören noch glauben willst und hemmungslos handelst, öffnest du das große Tor zur Hölle selbst, und niemand kann dich daran hindern. Doch du sollst wissen: Wenn Kṣitigarbha dich dann in der Hölle sieht, hofft er, dass du den Bodhisattva-Weg gehst und in die Hölle kommst, um die Wesen zu retten – und nicht, dass er dich wiedersieht, weil du für das von dir geschaffene schlechte Karma Vergeltung erleidest! Gebt gut auf euch acht! Amitābha! Daolan, ehrerbietig mit zusammengelegten Handflächen Das Land schützen, das Volk lieben und Ursache und Wirkung klar verstehen Wozu leben wir eigentlich auf dieser Welt? Die Leidenden müssen ihr Leid hilflos ertragen. Die Glücklichen schaffen im Schutz ihrer Segnungen neues Karma und müssen anschließend ebenfalls leiden. So geht es unbeständig hin und her. Wenn wir die Ursachen nicht erkennen und ihre Wirkungen nicht verstehen, lassen wir dann nicht unsere kostbare menschliche Existenz ungenutzt verstreichen? Meister Yinguang lehrte einst bei einer Dharma-Versammlung zum Schutz des Landes und zur Abwendung von Katastrophen, dass es beim Schutz des Landes und bei der Liebe zum Volk vor allem auf den tiefen Glauben an Ursache und Wirkung, vegetarische Ernährung, das Freilassen von Lebewesen, das Einhalten der Gebote und das Rezitieren des Buddha-Namens ankomme. Meister Yinguang sagte: „Die gegenwärtigen Katastrophen dieser Welt und all die Unglücke, die wir erleiden, wurden durch schlechtes Karma aus der Vergangenheit herbeigeführt, sodass wir nun ihre bitteren Früchte erfahren. Wer bittere Früchte vermeiden will, muss die Ursachen des Leids beseitigen. Was sind die Ursachen des Leids? Die drei Gifte Gier, Hass und Verblendung. Was sind gute Ursachen? Anderen Wesen zu helfen und den Menschen zu nützen. Wenn jeder das Prinzip von Ursache und Wirkung klar verstünde, würde man alles Böse unterlassen und alles Gute tun; dann könnten Katastrophen ganz von selbst nicht mehr entstehen. Doch die Menschen von heute verstehen das Prinzip von Ursache und Wirkung nicht. Ihre Herzen sind voller eigennütziger Begierden, sie begehen jede erdenkliche schlechte Tat, kennen nur sich selbst und beachten andere nicht. Ursache und Wirkung sind die große Grundlage, auf der die Weisen die Welt regieren und der Tathāgata die Wesen erlöst. Der Buddha sagte: Willst du die Ursachen aus deinem früheren Leben erkennen, so betrachte, was du in diesem Leben erfährst. Willst du die Wirkungen in deinem künftigen Leben erkennen, so betrachte, was du in diesem Leben tust. Im ‚Buch der Wandlungen‘ heißt es: Ein Haus, das gute Taten ansammelt, wird gewiss Segnungen haben, die noch darüber hinausreichen; ein Haus, das schlechte Taten ansammelt, wird gewiss Unglück haben, das noch darüber hinausreicht. Im ‚Buch der Urkunden‘ heißt es: Wer Gutes tut, auf den kommen hundert Segnungen herab; wer Schlechtes tut, auf den kommen hundert Unglücke herab. Dieses Prinzip entspricht genau der Lehre von Ursache und Wirkung unseres Buddha.“ Die aufrichtige Hingabe des Meisters an den Schutz des Landes und die Liebe zum Volk wird in seinen Worten lebendig. Jeder Satz spricht die wahre Lehre aus, jedes Wort birgt Mitgefühl.5106 Das Buch „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ führt den Menschen die leidvollen Folgen schlechten Karmas ausdrücklich vor Augen. Manche sagen: Wenn man sich umsieht, zeigt sich die Vergeltung für schlechte Taten in diesem Leben nicht; deshalb sei das Prinzip von Ursache und Wirkung nicht glaubwürdig. So geben sie ihren Begierden freien Lauf, tun, was ihnen beliebt, und schaden anderen wie sich selbst. Sie wissen nicht, dass das Netz des Gesetzes zwar weitmaschig ist, ihm aber nichts entgeht. Ursache und Wirkung erstrecken sich über vergangene, gegenwärtige und künftige Leben und verbinden Vergangenheit und Gegenwart. Es ist nicht so, dass die Vergeltung ausbleibt; ihre Zeit ist nur noch nicht gekommen. Eigens dafür wird dieses Tor eines geschickten Mittels geöffnet, damit die Menschen die bitteren Früchte erkennen und die Ursachen des Leids beseitigen, in der Hoffnung, dass sie das Böse aufgeben und Gutes tun. Über sexuelles Fehlverhalten, eine der Ursachen des Leids, sagte Meister Yinguang: „Es widerspricht der himmlischen Ordnung und zerrüttet die menschlichen Beziehungen. Zu Lebzeiten ist man ein Tier in menschlicher Kleidung; nach dem Tod fällt man in die drei schlechten Daseinsbereiche und kann Abermillionen von Kalpas lang nicht daraus entkommen.“ Die Zukunft eines Landes liegt in seinen fähigen Menschen. Entscheidend an fähigen Menschen ist ihre Qualität, und deren Kern bilden Tugend und Begabung. Wenn die Menschen häufig sexuelles Fehlverhalten begehen, verderben sie ihre Tugend und schädigen ihre Fähigkeiten; das Unheil nimmt kein Ende. Schon in diesem Leben wird der Körper kraftlos und schwach, man altert rasch, ist oft krank und erkrankt leicht an schwer heilbaren gynäkologischen Leiden, bis hin zur Unfähigkeit, Kinder zu bekommen. Häufiges sexuelles Fehlverhalten führt zum Zerbrechen von Familien und zu viel Unfrieden, zur Trennung von Frau und Kindern und zu vielerlei angestautem Groll, zu Rückschlägen im Beruf, zum völligen Verlust des Ansehens, zur Abnahme von Segnungen und Vermögen und zur Verkürzung der Lebensspanne. Wenn Jugendliche pornografische Inhalte ansehen, masturbieren und sexuelles Fehlverhalten begehen, verkürzen und schädigen sie ihre kostbaren Jugendjahre, verderben ihre Tugend und ruinieren ihren Körper. Die Jugendlichen sind doch gerade die Zukunft des Landes – muss uns das nicht schmerzen? Es ist wahrhaftig eine verborgene Waffe, die das Land und seine Menschen ins Verderben führt! Unsichtbar richtet sie Menschen zugrunde, unsichtbar fügt sie ihnen Schaden zu!17107108 Frage: Das mag ja stimmen. Aber man kann die Menschen doch auch durch vernünftige Erklärungen überzeugen und ihre Herzen lenken. Warum muss man unbedingt so viele Höllenstrafen und blutige Szenen beschreiben, die Angst, Beklemmung, Furcht und Unbehagen auslösen? Außerdem glauben die meisten Menschen gar nicht an die Existenz einer Hölle. Versperrt man sich damit nicht selbst den Weg? Antwort: Nur eine Arznei, die zur Krankheit passt, ist eine gute Arznei. Schon heute glauben viele Menschen nicht mehr an Ursache und Wirkung; erst recht sagen sie, dass Ursache und Wirkung über vergangene, gegenwärtige und künftige Leben hinweg kaum zu erkennen seien. Diese besondere Möglichkeit wird als geschicktes Mittel eröffnet, um zu zeigen, dass schlechtes Karma unausweichlich schlechte karmische Früchte trägt. So können die Menschen noch in dieser Welt ihre vergangenen Fehler berichtigen und ihr künftiges Handeln verbessern, damit sie nicht in die schlechten Daseinsbereiche fallen. Zudem enthält das Buch viele Unterweisungen über die Gesetze von Ursache und Wirkung. Prinzip und konkrete Geschehnisse werden gleichermaßen berücksichtigt, ergänzen sich und erhellen einander. So lernen die Menschen, sich zu fürchten und innezuhalten, und durch das Innehalten, sich zu bessern. Dann wird das Tor der Hölle aufgebrochen und der Weg zum Erwachen geöffnet. Frage: Ist das Buch „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ wahr? Wer daran glaubt, für den gibt es das; wer nicht daran glaubt, für den gibt es das nicht. Wenn ich es gar nicht erst lese, habe ich es noch leichter. Antwort: Wer daran glaubt, für den gibt es das; wer nicht daran glaubt, für den gibt es das nicht. Das gilt für alle gleichermaßen. Ob das, was in „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ steht, wahr ist, muss anhand der vom Buddha gelehrten Gesetze von Ursache und Wirkung beurteilt werden. Das Buch beschreibt für die heutige Zeit einen kleinen Teil der schlechten karmischen Vergeltung in der Hölle ausführlich, um die Menschen zum Guten zu führen. Maßgeblich ist dabei nicht, ob man selbst etwas gesehen hat. So existieren auch die Himmelskörper im Weltraum nicht etwa deshalb nicht, weil wir sie aufgrund früherer wissenschaftlicher Grenzen noch nicht entdeckt hatten. Bedeutet etwas vorläufig nicht zu sehen schon, dass es nicht existiert? Streng genommen kann ein Mensch etwas also vorerst noch nicht gesehen haben, aber daraus nicht schließen, dass es mit Sicherheit nicht existiert.6 Wenn jeder überall seinen menschlichen Pflichten nachkommt, finden Körper und Geist zu Ausgeglichenheit, die Familien leben in Frieden und Freude und die Gesellschaft in Harmonie. Die Grundlage eines Landes sind seine Menschen, und die Wurzel des Menschen liegt in der Tugend. Genau deshalb gilt: Ohne Tugend kann ein Land nicht gedeihen, und ohne Tugend kann ein Mensch keinen festen Stand gewinnen! Daolan, ehrerbietig mit zusammengelegten Handflächen Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt – Band 2 Inhaltsverzeichnis 0. Vorwort der Autorin 1. Das Buch von Leben und Tod 2. Es war also alles längst niedergeschrieben! – Der Schicksalscode der Menschen und die Verlängerung oder Verkürzung ihrer Lebensspanne: Ein Blick in das Buch von Leben und Tod enthüllt himmlische Geheimnisse! 3. Endlich sehe ich den seit Langem überlieferten Schuldspiegel – Vor dem Podest des Schuldspiegels steht kein guter Mensch! 4. Der oberste Befehlshaber der Unterwelt: der große Kaiser und Unterweltherrscher, Yanwang 5. „Amtliche Mitteilung der Unterwelt über Geistkörper“ – Ochsenkopf und Pferdegesicht erläutern ausführlich den gesamten Ablauf beim Ende der Lebensspanne eines Menschen 6. Seit alters sind Recht und Unrecht wie Eis und glühende Kohlen; bei Schmähung und Lob wird heute Falsch von Wahr geschieden! – Besuch bei General Yue Fei, einem Nationalhelden seiner Zeit, und ausführliches Gespräch über die damaligen Ereignisse 7. Eine Schale Suppe von Meng Po, und Zuneigung wie Groll sind vergessen! – Besichtigung der Plattform des Vergessenstranks 8. Die qualvolle Vergeltung für die Verschwendung von Lebensmitteln – die Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten 9. Der Buddha lehrt persönlich: Wer Speisen und Getränke verschwendet, wird unweigerlich in die Hölle hinabstürzen und leiden! 10. Der Buddha sagt: Wer an köstlichen Speisen hängt und sich überisst, gerät leicht auf schlechte Daseinswege! 11. Die Segnungen und die Lebensspanne, die ein Mensch mühsam angesammelt hat, werden durch das Rauchen einfach vergeudet! 12. Die Beförderung des Kaisers von Dongyue und die Katastrophen auf dem südlichen Kontinent Jambudvīpa 13. Tudigong, die rechtmäßige Gottheit des Segens und der Tugend 14. Eine Lüge kann schwer oder leicht wiegen – Besuch in der Eishölle des Zungenausreißens und der Körperzertrümmerung 15. Die qualvolle Strafe für Qiyu – Die Hölle der gläsernen Computer, in der Stachelschlangen die Zungen umwinden und abtrennen 16. Fliegende Nägel schneiden die Zunge ab – Erste Einblicke in die Höllenstrafen für Doppelzüngigkeit 17. Die Vergeltung für verletzende Rede – die äußerst schmerzhafte Hölle der Giftschlangen und der mit Nägeln durchbohrten Därme 18. Auf keinen Fall angeln – die Hölle Guhun Dudiao Jianhaiyu 19. Ayu besucht den Chenghuang Anhang Strafen der Unterwelt: Gesetze gegen sexuelles Fehlverhalten Kommentar zur „Schrift des Heiligen Herrn Guandi gegen sexuelles Fehlverhalten“ Kostbare Unterweisungen des Kaiserlichen Herrn Wenchang zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten Tabelle der Zeiten sexueller Enthaltsamkeit zum Schutz des Körpers und zur Sicherung des Lebens sowie der Tabutage von Himmel, Erde und Mensch aus dem von Meister Yinguang ergänzten und überarbeiteten „Kostbaren Spiegel für Langlebigkeit und Gesundheit“ Meine Geschichte mit „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ 0. Vorwort der Autorin Amitābha! Seid alle gegrüßt! Ich danke dem Buddha dafür, dass er mir, einer bescheidenen Lernenden, die heilige Gelegenheit gegeben hat, das Buch „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ zu verfassen. Ich, Ayu, schäme mich sehr, weil ich wegen der vielfältigen Hindernisse meines eigenen Karmas dieses Buch nicht so schnell vollenden konnte, wie es dem Willen des Buddha und des Himmels entsprochen hätte. Hiermit möchte ich vor euch allen meine tiefe Reue ausdrücken. Ich werde mir die bedingungslose große Güte und das große Mitgefühl der Mahāyāna-Bodhisattvas zum Vorbild nehmen, die sich mit allen Wesen als eins erkennen, und in diesem Geist die verbleibende Arbeit an „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ fortsetzen. Seit ich begonnen habe, „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ zu schreiben, habe ich nicht nur meine Kenntnisse und Erfahrungen erweitert. Ich, Ayu, habe auch allerlei Dinge erlebt, die mir in diesem Leben noch nie widerfahren waren. Sie stellten meine innere Kraft wirklich sehr auf die Probe und zehrten stark an meiner geistigen Energie. Wenn meine geistige Kraft nicht ausreichte, konnte ich nicht in die Hölle gehen. Dadurch verzögerte sich das Schreiben der Texte, was unmittelbar dazu führte, dass „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ so lange nicht vollendet werden konnte. Der stärkste Eindruck, den mir das Schreiben von „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ vermittelt hat, ist die tiefe Erkenntnis, wie wichtig das Einhalten der Gebote ist. Viele meinen, das Einhalten der Gebote liege ihnen allzu fern; das sei Sache von Menschen, die das Hausleben verlassen haben und praktizieren, und habe mit uns gewöhnlichen Menschen nichts zu tun. Diese Vorstellung steht wirklich weder mit Ursache und Wirkung noch mit den Gesetzen der Unterwelt im Einklang. Tatsächlich mussten alle, die große spirituelle Verwirklichung erlangt haben, schon in der ursächlichen Phase, als sie noch gewöhnliche Menschen waren, die verschiedenen Gebote sorgfältig im Einklang mit den Prinzipien und dem Dharma hüten. Das Einhalten der Gebote ist die Grundlage des Menschseins. Jeder, der die fünf Gebote einhält, wird mit vielerlei Verdiensten ausgestattet sein. Wer die Gebote verletzt, kann den unerbittlichen Gesetzen der Unterwelt nicht entkommen, die Segnungen mindern und die Lebensspanne verkürzen. Wenn ein Buddhist, der die Gebote einhält, gegen sie verstößt, kommt noch eine zusätzliche Schuld aus diesem Gebotsverstoß hinzu. Alle bitteren Früchte wird man künftig selbst tragen müssen.109 Eine weitere tiefe Erkenntnis war für mich die große Kraft des Mitgefühls des Buddha. Diese unübertreffliche Kraft großen Mitgefühls kann uns leidende Wesen aus dem Leid zum Glück führen. Wir brauchen nur Dankbarkeit im Herzen zu tragen, aufrichtig den Buddha-Namen zu rezitieren und zu bereuen; das genügt, um das leidbringende schuldhafte Karma der finsteren Hölle zu tilgen. Wir alle sind gewöhnliche Menschen, und als solche haben wir natürlich schon allerlei falsche Gedanken und Verhaltensweisen gehabt. Sobald wir erkennen, dass unser Verhalten falsch oder unangemessen ist, sollten wir es unverzüglich berichtigen und von da an nicht wiederholen. Solange wir leben, sollten wir die Gebote gewissenhaft einhalten, Gutes tun und Verdienste sammeln, den Buddha-Namen rezitieren und Lebewesen freilassen, bis unsere Lebensspanne endet. Selbst wenn es uns dann wider Erwarten nicht gelingt, im Reinen Land wiedergeboren zu werden, wird Yanwang, der Herrscher der Unterwelt, uns gewiss milde behandeln und uns unsere karmische Schuld erlassen.110 Dies sind einige bescheidene Eindrücke von mir, Ayu, einer beschämten Lernenden. Ich habe sie aufgeschrieben, um sie mit allen Glaubensgefährten zu teilen! Hiermit wünsche ich von Herzen, dass alle fühlenden Wesen auf unserem südlichen Kontinent Jambudvīpa ein reines Leben führen können, ihr ganzes Leben lang kein sexuelles Fehlverhalten begehen, als Ehepartner in Reinheit gemeinsam praktizieren und mit allen förderlichen Bedingungen ausgestattet sind! Ebenso wünsche ich, dass alle fühlenden Wesen im gesamten Raum und Dharmadhātu durch das reine Einhalten der Gebote Verwirklichung erlangen, den großen Geist des Erwachens entfalten, alles Böse unterlassen und alles Gute tun, eifrig den Buddha-Namen rezitieren und praktizieren, Reinheit von Körper und Geist erlangen und durch Verwandlung aus einer Lotusblüte geboren werden!111 Ehrerbietig niedergeschrieben von der beschämten Lernenden Shangguan Yuhua 1. Das Buch von Leben und Tod So wie ich, Ayu, es gesehen habe, ist das Buch von Leben und Tod hellgelb. Auf dem Einband befinden sich einige Linienornamente und die drei Schriftzeichen 「生死簿」, „Buch von Leben und Tod“. Gestaltung und Bindung entsprechen einem alten, mit Fäden gehefteten Buch. In dem hellgelben Band ist alles verzeichnet, was dem Geistkörper während seines Lebens an Glück und Unglück, Unheil und Segnungen widerfahren ist. Der Richter der Unterwelt hält außerdem einen dunkelroten Band des Buches von Leben und Tod in der Hand. Darin stehen die ausführlichen Angaben zu den Geistkörpern in der Unterwelt. Gestaltung und Bindung sind dieselben wie bei dem hellgelben Band; nur die Farbe ist anders. 2. Es war also alles längst niedergeschrieben! – Der Schicksalscode der Menschen und die Verlängerung oder Verkürzung ihrer Lebensspanne: Ein Blick in das Buch von Leben und Tod enthüllt himmlische Geheimnisse! Dank für den Segen und Schutz durch die Kraft des Buddha! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und begrüße den Richter der Unterwelt ehrerbietig! „Verehrter Richter der Unterwelt! Heute möchte ich einige Fragen stellen: Es heißt, dass manche lebenden Menschen das Buch von Leben und Tod in der Unterwelt einsehen können. Stimmt das? Existiert das Buch von Leben und Tod wirklich, und was für ein Buch ist es? Ich habe gehört, dass man den Menschen durch Wahrsagerei die Dinge voraussagen kann, die im Buch von Leben und Tod verzeichnet sind. Steht schon vor der Geburt fest, wie viel jemand zu essen und anzuziehen haben wird? Wenn die Lebensspanne bei der Geburt bereits festgelegt ist, kann man dann die ursprünglich bestimmte Lebensdauer verlängern, indem man auf die Gesundheit achtet, einen geregelten Tagesablauf hat, maßvoll isst und sich viel bewegt? Oder lässt sich das Festgelegte überhaupt nicht ändern? Kann das Schicksal verändert werden? Kann eine Bitte um Verlängerung des Lebens erfüllt werden? Gibt es eine zahlenmäßige Grenze dafür, um wie viel die Lebensdauer verlängert oder verkürzt werden kann? Vielen Dank, verehrter Richter der Unterwelt!“ Der Richter der Unterwelt antwortete: „In der Menschenwelt gibt es tatsächlich Menschen, die in die Unterwelt kommen können, um das Buch von Leben und Tod einzusehen. Lebende Menschen, die dazu in die Unterwelt gelangen können, sind natürlich keine gewöhnlichen Menschen. Dafür müssen besondere karmische Bedingungen vorliegen. Lebende Menschen, deren Lebensspanne noch nicht abgelaufen ist, können nicht in die Unterwelt kommen. Im Wesentlichen kommen zwei Arten von Menschen hierher: Die einen werden von ihrer karmischen Kraft hergeführt. Das heißt, sie haben zu Lebzeiten die verschiedenen schlechten Taten begangen, die zur Hölle führen, und kommen entsprechend ihrem Karma hierher, um die Vergeltung zu empfangen, ohne selbst darüber bestimmen zu können. Zusammenfassend gehören ihre Verfehlungen zu den drei Kategorien körperliches, sprachliches und geistiges Karma. Körperliches Karma umfasst die drei Hauptarten Töten, Stehlen und sexuelles Fehlverhalten. Sprachliches Karma umfasst die vier Hauptarten Lügen, ausschweifende Rede, verletzende Rede und Zwietracht säende Rede. Geistiges Karma umfasst die drei Hauptarten Gier, Hass und Verblendung. 112 Die Seelen der eben genannten Wesen aus der Menschenwelt, die Verfehlungen der drei körperlichen, vier sprachlichen und drei geistigen Arten begangen haben, kehren nach dem Ende ihrer Lebensspanne in die Unterwelt zurück. Hier gebe ich nur einen kurzen, groben Überblick; im Einzelnen gibt es noch viele weitere Einteilungen, auf die ich hier nicht näher eingehe. Es gibt auch Wesen, deren Handlungen zu Lebzeiten weder gut noch schlecht waren; bei ihnen hielten sich Gutes und Schlechtes die Waage. Nach dem Ende ihrer Lebensspanne werden sie im Wohngebiet der einfachen Bewohner des Geisterreichs wiedergeboren. Auch sie gehören zur ersten Art. Die zweite Art kommt durch die Kraft des Buddha, die Kraft der Gelübde und die Kraft von Segnungen und Verdiensten hierher. Solche lebenden Menschen sind stets Praktizierende mit einem besonderen Auftrag in der Menschenwelt. Sie halten die reinen Gebote streng ein und helfen überall dort, wo sich die Bedingungen ergeben, den Leidenden, damit die fühlenden Wesen sich vom Leid lösen und Glück erlangen. Um die Wesen zu retten, verbreiten sie überall den rechten Dharma. Wenn solche Praktizierenden die Wesen retten wollen, können sie in die Unterwelt kommen, um das Buch von Leben und Tod einzusehen. Solche Fälle sind jedoch äußerst selten. 112 In der Unterwelt wird das Buch von Leben und Tod vom Richter der Unterwelt verwaltet, der es gewöhnlich in den Händen hält. Darin ist verzeichnet, ob die Segnungen jedes Menschen gering oder groß sind: wie viel er zu essen und anzuziehen hat, sein Land- und Hausbesitz, sein Familienvermögen, seine Eltern, Brüder, Schwestern und übrigen nahen Angehörigen, Krankheiten, Katastrophen und Schicksalsschläge sowie die Länge seiner Lebensspanne. All dies ist ausführlich darin festgehalten. Beispielsweise steht dort, dass ein bestimmter Mensch in einem bestimmten Jahr und Monat, an einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Stunde und Minute an einem bestimmten Ort sterben wird. All dies wird schon vor seiner Geburt in der Menschenwelt in das Buch von Leben und Tod eingetragen und darf nicht beliebig geändert werden. Für eine Änderung müssen die Angaben der mitgeborenen Gottheiten vorliegen, die jedes Wesen begleiten. Erst nach der Genehmigung durch Yanwang, den höchsten Herrscher der Unterwelt, darf die Änderung vorgenommen werden. Durch Wahrsagerei lassen sich den lebenden Menschen durchaus die Dinge voraussagen, die im Buch von Leben und Tod verzeichnet sind. Ein Wahrsager braucht nur die genauen acht Zeichen der Geburtszeit eines Menschen, um Glück und Unglück, Segnungen und Unheil in dessen Leben zu berechnen. Doch er kann sie nur berechnen, nicht verändern. Überall in der Menschenwelt behaupten Leute, sie könnten das Schicksal, das Vermögensglück, die Ehe, die berufliche Laufbahn und dergleichen verändern. Meist ist das eine auf Geldmacherei angelegte Geschäftsmethode. Viele Menschen sind tief beeindruckt, weil ein Wahrsager vergangene Ereignisse oder etwa die Zahl ihrer Familienangehörigen genau nennen kann, und meinen, einem außergewöhnlich befähigten Menschen begegnet zu sein. Manche Wahrsager beherrschen zwar die Weissagungskünste so gut, dass sie dies berechnen können, doch in vielen Fällen ist der Wahrsager tatsächlich von einem Geistkörper besessen. 113 Geistkörper verfügen über übernatürliche Fähigkeiten wie das Erkennen der Gedanken anderer. Sie können die Gedanken und Vorstellungen der Person, der geweissagt wird, sowie einige vergangene Ereignisse kennen. Die lebenden Menschen können jedoch überhaupt nicht erkennen, was dahintersteckt, und schätzen sich noch glücklich, einem außergewöhnlich befähigten Menschen begegnet zu sein. So gehorchen sie dem Wahrsager aufs Wort. Danach beginnt eine ganze Reihe sogenannter Maßnahmen zur umfassenden Verbesserung des Schicksals: das Glück wenden, zwischenmenschliche Beziehungen verbessern, das Glück im Beruf, bei der Partnersuche und in Gesundheitsfragen steigern, Feng-Shui-Anordnungen aufstellen und vieles mehr. Ohne es zu merken, geben sie viel Geld aus und verschwenden reichlich Zeit. Tatsächlich hat sich das festgelegte Schicksal jedoch kein bisschen verändert. Die Katastrophen kommen genauso, man wird weiterhin krank und muss am Ende dennoch sterben. Wer sein Schicksal verändern will, sollte nicht einen Wahrsager aufsuchen, damit dieser es für ihn verändert. Wer sein Schicksal wirklich neu schreiben will, muss sich auf sich selbst verlassen. Vollbringt viele gute und verdienstvolle Taten und erwirkt euch selbst mehr Segnungen, dann braucht ihr euch nicht wahrsagen zu lassen. Wer Segnungen besitzt, findet von selbst wohlwollende Helfer; Gesundheit, Familie, Beruf, Partnerschaft und anderes entwickeln sich von selbst nach seinen Wünschen. Andere können höchstens unterstützend Hinweise geben. Gute Taten muss man selbst tatsächlich vollbringen, sie stets im Sinn behalten und ihnen morgens wie abends ohne Unterbrechung nachgehen. Dann kann sich das festgelegte Schicksal verändern, und das persönliche Buch von Leben und Tod kann von da an neu geschrieben werden! Ayu, du musst wissen: Selbst wenn manche Menschen ihr ganzes Leben lang auf ihre körperliche Gesundheit achten, einen geregelten Tagesablauf haben, maßvoll essen, ausreichend schlafen, sich viel bewegen und dergleichen, verlängert keiner dieser Faktoren ihre ursprünglich festgelegte Lebensspanne. Das bereits Festgelegte lässt sich dadurch grundsätzlich nicht verändern. Natürlich erleidet jemand, der seinen Körper im Alltag gut pflegt, weniger körperliche Schmerzen durch Krankheiten. Tatsächlich können die allermeisten Lebewesen ihr Schicksal nicht in großem Umfang verändern. Ihr ganzes Leben lang gehen sie unspektakulär dem Tod entgegen und geraten ihrem Karma entsprechend erneut in den Kreislauf, auf den ihnen entsprechenden Weg. Wenn jedoch irgendein Lebewesen Gutes tut, selbst eine scheinbar winzige und unbedeutende gute Tat, kann die künftige gute Vergeltung sehr groß sein, sofern es wirklich aus dem Wunsch handelt, anderen zu nützen. Dadurch kann es sein eigenes Schicksal wenden. Zwei Arten von Menschen können den Verlauf ihres festgelegten Schicksals beeinflussen: Menschen, die sehr viel Böses tun, und Menschen, die sehr viel Gutes tun. Die äußerst Bösen sinken nach ihrem Tod geradlinig hinab und gelangen unmittelbar in die Höllen, um ihre Vergeltung zu erleiden. Die äußerst Guten hingegen rühren mit ihrer kindlichen Pietät den Himmel, sammeln reichlich verborgenes Verdienst und retten andere aus Leid und Not. Ihre Segnungen wachsen unermesslich und grenzenlos. Auch sie können die Grenzen ihres ursprünglich festgelegten Schicksals durchbrechen und allmählich aufsteigen. Nach ihrem Tod werden sie in der Himmelswelt wiedergeboren und genießen dort Glück und Wohlergehen. Was deine Frage nach dem Erbitten eines längeren Lebens betrifft: Das lässt sich erreichen. Doch der Verlängerung der Lebensspanne sind Grenzen gesetzt, und man muss auf eine Weise darum bitten, die den rechten Grundsätzen und dem Dharma entspricht. Damit ist gemeint: Wenn wir beispielsweise gesundheitlich angeschlagen sind und zusätzliche Nahrung brauchen, um unseren physischen Körper zu kräftigen, dürfen wir dafür keinesfalls Tieren das Leben nehmen. Der Himmel besitzt die Tugend, das Leben zu lieben. Wer das Leben anderer Lebewesen schädigt, um das eigene zu pflegen, tut etwas, das die Gesetze der Unterwelt strengstens verbieten und unterbinden. Dadurch lässt sich das Leben nicht verlängern; vielmehr lädt man eine Lebensschuld auf sich, die künftig schlechte Folgen nach sich zieht. Wer um ein längeres Leben bittet, muss sich vor allem eines einprägen: Er muss sich unbedingt vegetarisch ernähren. Wie könnte man lange leben, wenn man anderen das Leben nimmt? Wird einem anderen das Leben genommen, wird er gewiss voller Groll und Empörung sein und auf eine Gelegenheit zur Vergeltung lauern. Deshalb ist vegetarische Ernährung der Grundstein für ein längeres Leben. Außerdem muss man großes Mitgefühl entwickeln, alle Lebewesen aus dem Leid retten und zum Glück führen, den großen Erleuchtungsgeist erwecken und umfassend alle Lebewesen zur Befreiung führen. Man muss sein Leben lang vegetarische Ernährung und die Freilassung von Lebewesen praktizieren. Wer dies wirklich tut, dessen im Buch von Leben und Tod verzeichnete Lebensspanne wird ganz gewiss verlängert. Um wie viel, hängt davon ab, wie weit seine Absicht reicht und wie groß seine Verdienste sind. Im Buch von Leben und Tod, das ich in Händen halte, gibt es auch einen Teil der Menschen, deren Leben verlängert wird, ohne dass sie darum bitten. Manche von ihnen sind gewöhnliche Lebewesen, die keinen großen Entschluss gefasst haben, fühlende Wesen zu retten. Sie handeln lediglich aus einem einzigen aufrichtigen Gedanken, aus dem Wunsch, anderen zu helfen: Wenn sie unterwegs Unrecht sehen oder in einem entscheidenden Augenblick einer Gefahr begegnen, empfinden sie Mitleid und retten einem leidenden Lebewesen das Leben. Über solche Lebewesen berichten die mitgeborenen Gottheiten regelmäßig, sodass ihnen eine Verlängerung des Lebens gewährt wird. Sie selbst wissen jedoch nicht, dass ihre Lebensspanne verlängert wurde. In solchen Fällen beträgt die Verlängerung gewöhnlich 6 bis 12 Jahre. Manche Lebewesen haben besonders viel verborgenes Verdienst angesammelt und können es womöglich in einem einzigen Leben nicht vollständig aufbrauchen. Dann wird es auf mehrere Leben verteilt, in denen sie die Vergeltung eines langen Lebens genießen. Die menschliche Lebensspanne hat ein festgelegtes Maß. Belohnungen und Strafen nach den Gesetzen der Unterwelt verletzen die Naturgesetze nicht.“ Da wollte ich, Ayu, den Richter der Unterwelt noch etwas fragen: „Der Buddha lehrt die Menschen in den Sutren, für die spirituelle Übung wenig zu essen, wenig zu schlafen oder sogar gar nicht zu schlafen. Beeinträchtigt das Gesundheit und Lebensspanne?“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Der Buddha ist ein Praktizierender von großer Weisheit im Universum. Den Weg, auf dem wir praktizieren, ist der Buddha einst selbst Schritt für Schritt gegangen. Da er ihn bereits gegangen ist, weiß er natürlich, wie er die Menschen auf diesem Übungsweg anleiten muss. Wenn der Buddha die Menschen auf diese Weise praktizieren lehrt, beeinträchtigt das weder Gesundheit noch Lebensspanne. Erst Verfehlungen in den drei Bereichen des Handelns durch Körper, Rede und Geist oder ein späterer Mangel an Fürsorge für den eigenen Körper, wahlloses übermäßiges Essen und Trinken, ein Tagesablauf, bei dem Tag und Nacht vertauscht sind, unbeherrschte Gefühle und ähnliche Ursachen beeinträchtigen die Lebensspanne. 114 Wenig zu essen und wenig zu schlafen ist eine sehr gute Pflege für den Körper. Wir Menschen können tatsächlich ohne Essen und Schlaf auskommen. Wenn ein Mensch es vermag, seinen Atem in jedem Augenblick mit der Natur in Einklang zu bringen und die Einheit von Himmel und Mensch zu erreichen, wird er von selbst gesund und langlebig sein. Dann kann er auch ohne Essen und Schlaf auskommen und in das Licht vor seiner Wiedergeburt zurückkehren. Gewöhnliche Menschen können dies jedoch nicht. Deshalb lehrt der Buddha die Menschen, schrittweise vorzugehen und zunächst weniger zu essen. Wer weniger isst, schläft von selbst weniger; danach geht man dazu über, nicht mehr zu schlafen und mit Eifer zu praktizieren. 114 Wie ich eben schon sagte, steht bereits vor der Wiedergeburt fest, wie viel ein Mensch essen wird. Wer jetzt weniger isst, spart damit die ursprünglich für dieses Leben vorgesehenen Segnungen an. Wer auf Dauer mit weniger Essen und Schlaf oder sogar ganz ohne Schlaf eifrig praktiziert, wird gewiss Tag für Tag und Monat für Monat größere Segnungen und größere gute Früchte erlangen. Wie könnte das seine Lebensspanne beeinträchtigen? Gut! Ayu, hast du das verstanden?“ Ich nickte zum Zeichen, dass ich verstanden hatte. 114 Der Richter der Unterwelt sagte: „Für heute ist es genug. Wenn du Fragen hast, bist du jederzeit wieder willkommen!“ „Gern! Amitābha! Ich danke Ihnen, Richter der Unterwelt!“ Ich, Ayu, legte die Handflächen zusammen und verneigte mich vor dem Richter der Unterwelt! Auf der weißen Lotusblüte kehrte ich zurück! 3. Endlich sehe ich den seit Langem überlieferten Schuldspiegel – Vor dem Podest des Schuldspiegels steht kein guter Mensch! Dankbar für den Beistand der Kraft des Buddha! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und verneige mich vor dem Richter der Unterwelt! „Heute möchte ich Sie, Richter der Unterwelt, fragen: Wie sieht das sagenumwobene Podest des Schuldspiegels aus? Als ich noch sehr klein war, hörte ich oft, wie die älteren Angehörigen meiner Familie im Gespräch sagten, dass Menschen nach ihrem Tod in die Unterwelt gehen müssten, um sich vor dem Schuldspiegel auf seinem Podest zu zeigen. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Ich würde es sehr gern einmal besichtigen.“ Der Richter der Unterwelt erklärte: „Das Podest des Schuldspiegels wurde eigens für jene geschaffen, die böses Karma erzeugen. Tief im Herzen eines jeden Menschen ist es, als befände sich dort ein Aufnahmegerät des Schuldspiegels. Alles Gute und Böse, das ein lebender Mensch täglich tut, wird von diesem Aufnahmegerät aufgezeichnet und gefilmt. Auch die mitgeborenen Gottheiten halten es im Verborgenen einzeln fest. Das Material des Schuldspiegelpodests stammt von heiligem Holz und kostbarem Glas aus der Menschenwelt. Dazu werden die geistigen Energien von Yin und Yang aus Himmel und Erde zusammengeführt und verdichtet. Bei diesen geistigen Energien von Yin und Yang aus Himmel und Erde steht Yang für Licht und gutes Karma. Wenn ein lebender Mensch sein Leben lang gutes Karma erzeugt, ist sein geistiges Wesen lichtvoll. Kommt er zum Podest des Schuldspiegels, ist dort alles hell, und es werden keinerlei Bilder abgespielt. Deshalb brauchen gute Menschen sich nicht im Schuldspiegel zu zeigen. Yin steht für Dunkelheit und Schatten, also für böses Karma. Begeht ein Mensch zu Lebzeiten irgendeine böse Tat, wie verborgen sie auch sein mag, weiß er selbst in seinem Herzen genau davon. Alles wird im Ālaya-Bewusstsein und auf dem tief im Herzen liegenden Geistesspiegel gespeichert und erscheint in seinem Inneren als Schatten. Das Podest des Schuldspiegels entstand aus der Verbindung der beiden Energien Yin und Yang. Sobald es auf die Yin-geprägte geistige Energie des bösen Karmas eines schuldbeladenen Geistes trifft, treten beide unmittelbar miteinander in Verbindung. Sofort werden die bösen Taten aus dem gesamten Leben dieses Geistes abgespielt. Sein wahres Wesen wird vollständig enthüllt; nichts bleibt zurückgehalten, und nichts lässt sich verbergen. So heißt es im Avataṃsaka-Sūtra: ‚Wer alle Buddhas der drei Zeiten verstehen möchte, sollte das Wesen des Dharmadhātu betrachten: Alles wird allein vom Geist geschaffen.‘ Es handelt sich also um eine Projektion des Geistes. 116 Sobald ein schuldbeladener Geist vor dem Podest des Schuldspiegels steht, werden sämtliche verborgenen großen und kleinen Verfehlungen seines Lebens eine nach der anderen abgespielt. Sobald die Wiedergabe beginnt, können alle Lebewesen rings um das Podest gleichzeitig sämtliche Verfehlungen und bösen Handlungen dieses Geistes sehen. Viele schuldbeladene Geister empfinden Scham und Reue, Furcht und Angst. Doch es gibt bereits kein Mittel mehr, das Geschehene durch Reue rückgängig zu machen. Hilflos können sie sich nur von den grausamen Geisterschergen fortzerren lassen, um die langwierigen, schmerzhaften Höllenstrafen weiter zu erleiden. Wenn ein Mensch sein Leben lang Gutes tut und Verdienste sammelt, aufrichtig und offen ist und in seinem Herzen nicht das Geringste verbirgt, trägt er die Energie höchster Güte und reinen Yangs in sich. Tritt er vor das Podest des Schuldspiegels, bleibt alles leer. Menschen, die ihr ganzes Leben lang Gutes tun, brauchen sich nicht vor dem Schuldspiegelpodest zu zeigen. Wenn ihre Lebensspanne endet, steigen sie entsprechend der Helligkeit ihres geistigen Wesens unmittelbar in höhere Bereiche auf. Je lichtvoller ihr geistiges Wesen ist, desto höher steigen sie. Manche gelangen in andere Buddha-Länder, zu denen sie eine karmische Verbindung haben. Andere werden von guten Gottheiten mit Segnungen und Verdiensten abgeholt und zur Wiedergeburt in der Himmelswelt geleitet. Geistkörper, die weder gut noch böse sind, werden nach der Verhandlung in den zehn Gerichtshallen zur Wiedergeburt in die Menschenwelt entlassen. Je nach dem Ausmaß ihrer Segnungen werden sie als Jungen oder Mädchen, reich und gesellschaftlich hochgestellt oder arm, mit langem oder kurzem Leben und so weiter wiedergeboren. Wer böses Karma erzeugt hat, muss vor das Podest des Schuldspiegels treten. Alle bösen Taten seines Lebens erscheinen vor seinen Augen. Danach wird er beschämt und hilflos von den Geisterschergen fortgeführt.“ 117 „Ayu, komm mit mir und besichtige die große Halle des Karmaspiegels in der Unterwelt.“ „Wie Sie befehlen, Richter der Unterwelt!“ Jetzt sehe ich viele Menschen vor uns. Dort steht ein sehr breiter, großer ovaler Spiegel. Der Richter der Unterwelt sagt, dies sei das Podest des Schuldspiegels. Ganz oben am Spiegel steht: „Vor dem Podest des Schuldspiegels steht kein guter Mensch.“ Der Richter der Unterwelt lässt mich seine Maße nehmen. Das Podest des Schuldspiegels ist etwa 3,3 Meter hoch und 1,8 Meter breit. Soweit ich sehen kann, wird der Schuldspiegel von einem rechteckigen blaugrünen Holzsockel mit eingeschnitzten Reliefmustern getragen. Die Vorderseite des Spiegels besteht aus kostbarem Glas. Sein Rand ist von blaugrünen hölzernen Reliefverzierungen eingefasst. Das kostbare Glas dient als große Leinwand, auf der die schuldhaften Handlungen aus dem gesamten Leben eines schuldbeladenen Geistes abgespielt werden. Die blaugrünen hölzernen Reliefverzierungen des Schuldspiegelpodests geben ein flackerndes, fahles Leuchten ab. Zusammen mit den grausamen, grimmigen Geisterschergen daneben wirkt das äußerst furchterregend! Dazu werden auf dem Schuldspiegelpodest die verborgenen bösen Taten mancher schuldbeladener Geister gezeigt, von denen zu ihren Lebzeiten niemand wusste. Nun stehen die Täter zusammen mit den Beweisen vor aller Augen. Bei diesem Anblick gefriert einem wahrhaftig das Blut in den Adern, und alles wird noch entsetzlicher! Die schuldbeladenen Geister hier haben alle gerade erst das Ende ihrer Lebensspanne erreicht. Sie spüren bereits die Atmosphäre der Unterwelt und machen größtenteils bekümmerte Gesichter. Eben hörte ich einen Mann sagen: „Ich habe mein ganzes Leben lang weder jemanden ermordet noch Feuer gelegt. Warum schleppt ihr mich hierher? Lasst mich hinaus!“ Ich sehe, wie zwei grausame Geisterschergen einen Mann heranzerren und ihn mit einem kräftigen Stoß vor das Podest des Schuldspiegels schieben. Unter großen Schmerzen wird er gezwungen, auf die Knie zu fallen. Sofort erscheinen auf dem breiten Schuldspiegel Szenen seines sexuellen Fehlverhaltens aus seinem ganzen Leben, und zwar mit mehr als einer Frau. Es ist schlicht unerträglich anzusehen. Das kann man nur extremes sexuelles Fehlverhalten nennen. Er hatte seine rechtmäßige Ehefrau damit so sehr gekränkt, dass sie ans Krankenbett gefesselt vor Kummer starb. Zum Glück können diese Dinge mich nicht beeinflussen, sonst müsste ich mir nach dem Ansehen die Augen auswaschen! Inzwischen zittern dem schuldbeladenen Geist beide Beine, und die Geisterschergen zerren ihn fort. Nun sehe ich mir den nächsten schuldbeladenen Geist an, eine Frau. Sie sieht kultiviert aus und hat ein anständiges Äußeres. Welche Verfehlung mag sie begangen haben? Der Schuldspiegel zeigt, dass die Frau sich einer befreundeten Person angeschlossen und einen männlichen buddhistischen Laien verleumdet hatte, der die Gebote streng einhielt und den Dharma verbreitete. Diese schuldbeladene Frau hatte selbst den Buddhismus studiert und besaß sogar sehr umfassende Kenntnisse der buddhistischen Lehre. Leider hatte sie aus Neid absichtlich diesen streng gebotstreuen Verkünder des Dharma verleumdet und behauptet, er habe eine gewisse Person vergewaltigt. Weil die Verleumdung Erfolg hatte, kam niemand mehr, um seine Darlegungen des Dharma zu hören. Dem Laien blieb nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen und in Abgeschiedenheit zu praktizieren. Die Verleumdung dieses Laien durch den schuldbeladenen Geist der Frau war noch schlimmer als die durch die befreundete Person. Diese Person besaß weniger Kenntnisse des Buddha-Dharma als der schuldbeladene Geist und gehörte zu den Menschen, denen Weisheit fehlt und die nur nachreden, was andere sagen. Die befreundete Person hatte sich lediglich der Verleumdung durch andere angeschlossen. Dieser schuldbeladene Geist jedoch hatte planvoll jede erdenkliche Methode eingesetzt, um den Laien zu verleumden, bis der Laie sich schließlich zum Praktizieren in die Abgeschiedenheit zurückzog. Wegen ihrer Verleumdung hatte die Frau auch Rachenkrebs bekommen und zugleich Komplikationen erlitten. Aus Mund und Nase war über lange Zeit Eiter geflossen. Sie hatte im Krankenhaus gelegen und intravenöse Infusionen erhalten, bis ihre Lebensspanne unter Schmerzen zu Ende gegangen war. Jetzt weiß der schuldbeladene Geist der Frau bereits, dass ihr großes Unheil bevorsteht. Sofort fällt sie auf die Knie und fleht um Gnade. Ein Geisterscherge stößt ihr grausam eine Gabel in den Mund und sagt: „Mal sehen, ob du es künftig noch wagst, den rechten Dharma zu verleumden und anderen das Weisheitsleben abzuschneiden! Jetzt gehst du vor Yanwang!“ 115 Der Geist dieser Frau ist wirklich bedauernswert! Hätte sie gewusst, dass es so kommen würde, warum hätte sie dann damals so gehandelt? Die Verbreitung des rechten Dharma zu zerstören bedeutet, fühlenden Wesen den Weg zur Befreiung abzuschneiden. Das ist böses Karma, das schwere Vergeltung in den Höllen nach sich zieht. Die Gesetze der Unterwelt sehen vielerlei Strafen vor, um Verleumder zu bestrafen. Doch wenn sie diese Höllenvergeltungen endlich vollständig erlitten haben, wer weiß, in welchem Jahr und Monat das dann sein wird und in was für einer Welt! Dahinter zieht sich noch eine lange Schlange hin. Alle schuldbeladenen Geister stehen an. Es sind so viele, dass die Schlange schier endlos erscheint. Sie alle müssen sich vor dem Schuldspiegelpodest zeigen. Daran sieht man, dass es in der Menschenwelt wirklich viel, viel zu viele gibt, die böses Karma erzeugen! Aus Zeitgründen habe ich heute nur wenige Fälle gesehen. Eigentlich ist es ziemlich belastend, sich dieses „Podest des Schuldspiegels“ anzusehen, denn dort werden ausschließlich Verstöße gegen die Gebote gezeigt. Neben Dingen, die für Kinder ungeeignet sind, gibt es auch viele entsetzliche, blutige Ereignisse: blutige Mordszenen, die verschiedensten Szenen, in denen Menschen misshandelt und verstümmelt werden, gegenseitige Intrigen und vieles mehr. Ach!!! Es ist mir unmöglich, in dieser kurzen Zeit jeden schuldbeladenen Geist einzeln zu befragen, und ich möchte auch nicht zu vieles ausführlich beschreiben. Würde ich alles genau beschreiben, würde dieses Buch „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ gewiss zu einem extrem schrecklichen Buch voller Grauen werden. Letztlich sollten wir alle unseren kostbaren menschlichen Körper wertschätzen, die fünf Gebote einhalten, die zehn heilsamen Handlungen ausüben und viele Segnungen und Verdienste sammeln. Zumindest müssen wir uns eine menschliche Daseinsform bewahren und dürfen auf keinen Fall in die Höllen hinabstürzen. In den Höllen herrscht wirklich so viel, so viel Leid, dass selbst eine halbe Minute Aufenthalt kaum zu ertragen ist! Der Richter der Unterwelt sagte: „Für heute ist es genug. Ayu, kehren Sie zunächst zurück und schreiben Sie Ihren Bericht. Ermahnen Sie die Menschen, sich selbst und ihren Charakter stärker zu kultivieren und entschlossen gute Taten zu vollbringen. Sie sollen kein böses Karma erzeugen, das sie in die Höllen stürzen lässt, weil sie meinen, weder die Menschen noch der Himmel wüssten davon. Sie müssen wissen, dass vor dem Podest des Schuldspiegels ausnahmslos alle bösen Taten, ob groß oder klein, sichtbar werden. Mögen die Menschen nicht selbst die unerbittliche Vergeltung der Gesetze der Unterwelt auf sich ziehen!“ „Amitābha! Ich danke Ihnen, Richter der Unterwelt!“ Ich, Ayu, legte die Handflächen zusammen und verneigte mich vor dem Richter der Unterwelt! Auf der weißen Lotusblüte kehrte ich zurück! 4. Der oberste Befehlshaber der Unterwelt: der große Kaiser und Unterweltherrscher, Yanwang Über das Aussehen des Kaisers von Fengdu berichte ich, Ayu, euch nun wahrheitsgetreu nach dem, was ich gesehen habe: Der oberste Befehlshaber der Unterwelt, der große Kaiser und Unterweltherrscher, Yanwang, ist der Kaiser von Fengdu. Er ist kräftig und stämmig, von hohem Wuchs und ehrfurchtgebietender Würde. Sein Anblick vermittelt einen äußerst ernsten Eindruck. Der Kaiser hat ein rundes Gesicht, ebenmäßige Züge und große, zornig blickende Augen. Sowohl seine Augenbrauen als auch seine Augen strahlen große Autorität aus. Menschen, die Gutes tun, lächelt der Kaiser an. Wenn er lächelt, wirkt sein Gesicht wiederum friedlich. Gegenüber den schuldbeladenen Geistern ist er jedoch außerordentlich streng und zornig. Augenbrauen und Augenwinkel ziehen sich nach oben, sodass sein Anblick Furcht einflößt. Wenn der Kaiser die schuldbeladenen Geister anschreit, ist seine Stimme ohrenbetäubend. Seine Augen sind ohnehin nicht klein, doch im Zorn reißt er sie noch weiter auf. Auch seinen Mund öffnet er sehr weit und schlägt heftig auf den Tisch, sodass die schuldbeladenen Geister völlig eingeschüchtert sind! Der Kaiser wirkt stets unnahbar. Auf der Kopfbedeckung des Kaisers befindet sich ein rechteckiger Aufsatz mit Behängen vorn und hinten. Das Rechteck ist schwarz, die Behänge sind weiß. Die Kopfbedeckung wirkt sehr imposant. Sie zeigt ein Muster aus Bergen, Flüssen und Landschaften der Menschenwelt, hat die Form einer Beamtenkopfbedeckung aus alter Zeit und weist insgesamt fünf Farben auf. In ihrer Mitte sitzt ein Rubin. Zu beiden Seiten des Rubins ist das blaue Meer in Wellenform dargestellt. Über dem Meer liegt ockergelbe Erde, auf der grüne Wälder und hohe Berge stehen. Das gesamte Muster ist äußerst eindrucksvoll zusammengestellt und vereint die Berge, Flüsse und Landschaften der Menschenwelt auf der Kopfbedeckung. Auf dem Hofgewand des Kaisers ist ein Bild des Kreislaufs der Wiedergeburten in den sechs Daseinswegen zu sehen, in sieben leuchtenden Farben. Das Bild ist kreisförmig und gleichmäßig in fünf Bereiche unterteilt. Ganz oben befinden sich der Weg der Himmelswesen und der Weg der Asuras. Männliche und weibliche Himmelswesen fliegen umher, während Asuras kämpfen und Krieg gegen die himmlischen Heerscharen führen. Dem Weg der Himmelswesen und dem Weg der Menschen gegenüber liegt der Höllenweg. In den Höllen werden schuldbeladene Geister in Ölkesseln gekocht, von Geisterschergen geschlagen oder müssen Kupfersäulen umarmen und dergleichen. Im Uhrzeigersinn neben der Himmelswelt befindet sich der Menschenweg. Die Menschen dort sind in drei Gruppen unterteilt: reiche und vornehme Menschen, Arbeiter und arme Bauern. Unterhalb des Menschenwegs folgt im Uhrzeigersinn der Geisterweg. Unter den Geistern gibt es Hungergeister mit dicken Bäuchen, hungernde Geister, äußerst dünne und kleine Geister, Rauch- und Feuergeister und andere. Dem Geisterweg gegenüber befinden sich allerlei Tiere, Geflügel, Wildtiere und so weiter. 5. „Amtliche Mitteilung der Unterwelt über Geistkörper“ – Ochsenkopf und Pferdegesicht erläutern ausführlich den gesamten Ablauf beim Ende der Lebensspanne eines Menschen In letzter Zeit habe ich den Eindruck, dass sich das Wetter in vielen Städten der Menschenwelt täglich von einem Augenblick zum nächsten verändert, besonders in Küstengebieten. Eben noch scheint überall die Sonne, und die große feuerrote Sonne lässt einem den Schweiß über den Rücken laufen; im nächsten Augenblick weht Wind und es regnet in Strömen. Ist man draußen unterwegs und hat einen etwas kleineren Regenschirm, wird er sogar umgestülpt, und man wird am ganzen Körper durchnässt. Solches Wetter gibt es in letzter Zeit praktisch mehrmals am Tag. Wer an der Küste wohnt, erlebt noch stärkere Veränderungen bei Wind, Wellen und Wetter. Ist die körperliche Widerstandskraft auch nur ein wenig schwächer, erkältet man sich leicht. Viele Menschen in meinem Umfeld beklagen sich über das schlechte Wetter, die schwüle Hitze und die schlechte Luft ringsum. 118 Betritt man große oder kleine Einkaufszentren oder Bürogebäude, ist es dort durch die Klimaanlagen wiederum sehr kalt. Einmal heiß, einmal kalt – dieser ständige Wechsel ist belastend. Alle hoffen, dass das Wetter besser und beständiger wird. Doch obwohl alle diese Hoffnung hegen, bleibt das Wetter in Wirklichkeit unverändert. Die Menschen wünschen sich immer, dass alles in ihrer Umgebung gut ist. Die meisten übersehen jedoch, wie sie selbst im Alltag mit unserer Natur umgehen. Wir verwenden täglich viele verschiedene Wegwerfprodukte, etwa Essstäbchen, Papiertücher und allerlei aufwendige Verpackungen, und erzeugen damit jeden Tag viele Dinge, die die Umwelt verschmutzen. Wenn wir im Alltag überaus schöne Gebrauchsgegenstände, Haushaltsgeräte, Einrichtungsgegenstände und Möbel, Echtledersofas, Lederbekleidung, Seidenkleidung und allerlei prachtvolle Schmuckgegenstände verbrauchen, bedenken wir dann, dass wir lediglich etwas Geld für den Kauf solcher Produkte ausgegeben haben, während hinter ihrer prachtvollen Herstellung viele erbarmungswürdige Leben geopfert wurden, von denen niemand weiß? Oder dass unzählige menschliche und materielle Ressourcen aufgewendet werden mussten, um einen solchen schönen Gegenstand herzustellen? Sind diese Leben, die im Hintergrund erbarmungslos geopfert werden und dafür mit in den Tod gehen, denn freiwillig bereit, den Menschen eine üppige Mahlzeit zu liefern oder sich die Haut abziehen zu lassen, damit Menschen sie am Körper tragen? Würde man diese kleinen Tiere fragen, wären sie, so glaube ich, gewiss nicht dazu bereit. Dies ist einer der Aspekte, die schwere Schäden anrichten und die Umwelt verschmutzen. Der zweite Aspekt sind die Gedanken der Menschen. Wenn wir täglich öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder auf der Straße unterwegs sind, sehen wir viele Menschen, deren Gesichtsausdruck Müdigkeit, Unglücklichsein, Verdruss, Sorgen und Angst verrät. Tatsächlich haften vielen Menschen Geistkörper an. Für sie ist es äußerst schwer, glücklich zu leben und alles nach ihren Wünschen und Vorstellungen verlaufen zu lassen. Unsere vielfältigen negativen Gedanken strahlen unablässig in die Umgebung aus. Auch die getöteten Tiere senden allerlei Gedanken des Grolls und Hasses angesichts von Leben und Tod aus, die im Raum ringsum widerhallen. Sie alle lauern auf eine Gelegenheit zur Vergeltung und können den Menschen jederzeit verschiedenste Katastrophen bereiten. Unsere Gedanken beeinflussen tatsächlich unmittelbar die klimatischen Veränderungen in der gesamten Natur. Die Veränderungen des natürlichen Klimas, die wir heute herbeirufen, sind genau die karmische Vergeltung für das, was unsere Gedanken täglich ausstrahlen. Deshalb heißt es im Sutra: „Man sollte das Wesen des Dharmadhātu 116 betrachten: Alles wird allein vom Geist geschaffen.“ 119 Namo Amitābha! Dankbar für den Beistand der Kraft des Buddha! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Vor mir sehe ich gerade Ochsenkopf und Pferdegesicht. Wohin sie wohl gehen? Ich gehe zu ihnen und begrüße sie! „Amitābha! Darf ich fragen, wohin Sie beide, Ochsenkopf und Pferdegesicht, gehen möchten?“ Bruder Ochsenkopf sagte: „Oh! Ayu, Sie sind gekommen. Haben Sie ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ schon fertig geschrieben?“ 120 „Ich schäme mich! Ich muss mich noch mehr anstrengen und werde es so schnell wie möglich fertigstellen. Vielen Dank Ihnen beiden für Ihre Anteilnahme! Jedes Mal, wenn ich Sie beide sehe, sind Sie sehr beschäftigt. Darf ich fragen, ob Sie bei Ihrer täglichen Arbeit unter Druck stehen? Würden Sie von Yanwang, dem Herrscher der Unterwelt, entlassen, falls Sie einmal den falschen Menschen ergreifen? Sie beide sehen immer so grimmig aus. Warum lächeln Sie nicht einmal? Fachleute sagen, dass eine beständig fröhliche Gemütsverfassung den Körper gesund hält und auch Stress abbauen kann!“ Bruder Ochsenkopf sagte: „Wir, Ochsenkopf und Pferdegesicht, gehören zum Außendienst der Unterwelt. Jeden Tag erhalten wir einen ganzen Stapel Mitteilungen der Unterwelt über das Ende der Lebensspanne lebender Menschen. Es handelt sich um die ‚Amtlichen Mitteilungen der Unterwelt über Geistkörper‘, kurz Unterweltmitteilungen. Die ‚Amtlichen Mitteilungen der Unterwelt über Geistkörper‘ gibt es in zwei Farben: hellgelb und dunkelrot. Die hellgelben Unterweltmitteilungen führen die Beamten der Unterwelt aus dem Amt zur Belohnung des Guten und dem Amt zur Bestrafung des Bösen mit sich, wenn sie in die Menschenwelt kommen, um die Seelen Verstorbener abzuholen und in die Unterwelt zu geleiten. Nur die dunkelroten Unterweltmitteilungen werden von uns, Ochsenkopf und Pferdegesicht, mitgeführt. Eine hellgelbe Unterweltmitteilung bedeutet, dass bei dem Menschen, dessen Lebensspanne endet, das gute Karma überwiegt. Eine dunkelrote Unterweltmitteilung bedeutet dagegen, dass das böse Karma überwiegt und er in die verschiedenen Höllen hinabstürzen muss, um dort Strafen zu erleiden. Die ‚Amtlichen Mitteilungen der Unterwelt über Geistkörper‘ enthalten folgende Angaben: Ein bestimmter Mensch erreicht an einem bestimmten Ort im Jahr XX, im Monat XX, am Tag XX, um X Uhr, X Minuten und X Sekunden das Ende seiner Lebensspanne. Auch das Ereignis, durch das sein Leben endet, wird genau verzeichnet. Wir ergreifen den Geistkörper zur angegebenen Zeit am angegebenen Ort und bringen ihn unmittelbar zur Bestrafung in die Unterwelt. Widerspenstige Geistkörper behandeln wir sehr grob und stoßen sie in die Unterwelt hinein. Ort und Umstände des Lebensendes sind bei jedem Menschen anders. Die meisten aber erkranken und sterben schließlich in einem Krankenhausbett. Deshalb sind Krankenhäuser Orte, an denen viele Menschen das Ende ihrer Lebensspanne erreichen, und gerade deshalb gehen wir häufig dorthin, um Geistkörper festzunehmen und ihrer Aburteilung zuzuführen. Normalerweise nehmen wir niemanden irrtümlich fest, denn in den ‚Amtlichen Mitteilungen der Unterwelt über Geistkörper‘ erscheint schon im Voraus der Ablauf des Sterbens des betreffenden Menschen. Wenn wir eine solche Mitteilung erhalten, sehen wir uns diesen Ablauf zunächst einmal an. Vor dem Ende seiner Lebensspanne strahlt jeder Mensch ein Körperlicht aus; nur dessen Helligkeit ist bei jedem anders. Je heller dieses Licht leuchtet, desto gütiger ist der Mensch; vielleicht ist er sogar ein reiner spirituell Übender. Wenn das Licht seines Körpers jedoch völlig erloschen ist und ihn zudem schwarzes Höllenlicht umhüllt, gehört sein Geistkörper zu denen, die wir, Ochsenkopf und Pferdegesicht, in die Unterwelt bringen müssen. Wenn diese beiden Merkmale auftreten, kommt es normalerweise zu keiner Verwechslung. Sollten wir tatsächlich einmal jemanden irrtümlich festnehmen, bringen wir den Geistkörper sofort in die Menschenwelt zurück. Auch der oberste Herrscher der Unterwelt, Yanwang, wird die Gründe für den Vorfall eingehend untersuchen und entsprechend verfahren. Der oberste Herrscher der Unterwelt, Yanwang, bestraft Lebewesen, die gegen die Gebote verstoßen, tatsächlich streng. Wenn wir jedoch nicht absichtlich einen Fehler begangen haben, gibt er uns Gelegenheit, uns zu bessern und neu anzufangen. Bei allen Dingen wirken verschiedene vorausgehende Ursachen und nachfolgende Wirkungen zusammen. Natürlich gehen wir bei unserer Arbeit sehr vorsichtig vor. Würden wir sonst ständig die falschen Geistkörper festnehmen, verursachten wir durch unsere eigene Nachlässigkeit nicht Tragödien in den Familien der Menschenwelt? Selbst wenn uns der oberste Herrscher der Unterwelt nicht bestrafte, hätten wir selbst eine schwere karmische Schuld zu tragen. Gewöhnlich treffen wir schon vor dem Lebensende des Menschen vor Ort ein, sehen uns die Umgebung an und überprüfen die Identitätsangaben des Geistkörpers, um niemanden irrtümlich festzunehmen. Unter den Geistkörpern, die wir heutzutage täglich am Ende ihrer Lebensspanne festnehmen, stammen fast alle von Menschen, die gegen das Gebot zur Vermeidung sexuellen Fehlverhaltens verstoßen haben. Geistkörper, die wir in die Unterwelt bringen, haben zu Lebzeiten mit Sicherheit verschiedene böse karmische Taten begangen, die in die Hölle führen. Von den unzähligen Menschen in der heutigen Menschenwelt haben die meisten die Schuld sexuellen Fehlverhaltens auf sich geladen. Das Magnetfeld und die Ausstrahlung ihrer Geistkörper sind davon schwer durchdrungen. Wie könnten wir noch lächeln, wenn wir sie sehen? Manche dieser schuldigen Geister, die böses Karma durch sexuelles Fehlverhalten geschaffen haben, strahlen selbst nach dem Ende ihres Lebens noch Gedanken sexuellen Fehlverhaltens aus. Das geschieht, wenn eine Gewohnheit zur zweiten Natur geworden ist. Wir müssen ihnen unbedingt mit Härte begegnen, um sie zur Besinnung zu bringen und ihnen klarzumachen, dass ihre Segnungen in der Menschenwelt aufgebraucht sind und sie nun aufrichtig bereuen und die Höllenstrafen erdulden müssen. Eigentlich würden auch wir gern lächeln, doch wir können es wirklich nicht. Erst wenn ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ in der Menschenwelt weite Verbreitung findet, alle nach der Lektüre die sittlichen Pflichten zwischen den Menschen wahren, keine bösen karmischen Taten mehr begehen, die in die Hölle führen, und sämtliche Höllen geleert sind, werden gewiss auch wir lächeln. Jetzt stürzen allzu viele Menschen in die Hölle, und unsere Arbeitslast wächst immer weiter. Ayu, Sie müssen ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ wirklich möglichst bald fertig schreiben. Wir hoffen, dass dieses Buch zur Förderung des Guten die Herzen der Menschen zum Guten wenden und die verschiedenen künftigen Katastrophen in der Menschenwelt abwenden kann. Amitābha! Wir haben Arbeit zu erledigen. Reden wir bei einer anderen Gelegenheit weiter! Setzen Sie Ihre Besichtigung fort; wir gehen jetzt schon. Auf Wiedersehen!“ Amitābha! Ochsenkopf und Pferdegesicht sind wirklich schnell! Schon sind sie nicht mehr zu sehen. Alle Beschäftigten der Unterwelt sehen zwar sehr grimmig aus, sind aber voller Gerechtigkeitssinn und sehr verantwortungsbewusst. Auch ich muss zurückkehren und meine Texte zügig fertig schreiben. Namo Amitābha! Auf dem weißen Lotus zurück! 6. Seit alters sind Recht und Unrecht wie Eis und glühende Kohlen; bei Schmähung und Lob wird heute Falsch von Wahr geschieden! – Besuch bei General Yue Fei, einem Nationalhelden seiner Zeit, und ausführliches Gespräch über die damaligen Ereignisse Dank für den Beistand der Kraft des Buddha! Auf dem weißen Lotus geht es los! Amitābha! Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und begrüße den Richter der Unterwelt ehrerbietig! „Herr Richter! Heute möchte ich Sie bitten, mich zu General Yue Fei zu führen, um ihn zu besuchen. In der Menschenwelt gibt es viele verschiedene Überlieferungen über den General. Schon als Kind habe ich in der Schule gehört, wie mein Lehrer General Yue Fei lobte.“ Der Richter der Unterwelt sagt: „Yue Fei ist General der Unterwelt. Ayu, folgen Sie mir. Ich bringe Sie zur Residenz des Generals, dann können Sie General Yue Fei selbst befragen.“ Wir sind angekommen! Ich bin zugleich aufgeregt und froh! Vor uns steht ein altes Gebäude, das einem Tempel ähnelt. In seiner Mitte steht die Aufschrift ‚Residenz des Generals Yue Fei‘. Vor dem roten Haupttor stehen vier bewaffnete Yakṣas. Einer von ihnen erblickt den Richter der Unterwelt und begrüßt ihn ehrerbietig. Der Richter weist den Yakṣa an, dem General zu melden, dass eine buddhistische Laienpraktizierende aus der Menschenwelt namens Shangguan Yuhua das von der Unterwelt in Auftrag gegebene Buch ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ schreiben soll. Es soll die gesellschaftlichen Sitten in der Menschenwelt läutern und die leidenden Lebewesen retten, die dort in Verblendung versunken gegen die Gebote verstoßen. Dafür müsse sie in der Unterwelt durch Besuche und Befragungen Material sammeln. Nun wolle Shangguan Yuhua dem General ihre Aufwartung machen und ihn befragen; er möge dies bitte melden. Der Yakṣa geht sofort voraus in die Residenz des Generals, um uns anzumelden. Ein anderer Yakṣa führt uns in die vordere Empfangshalle und lässt uns dort zunächst Platz nehmen, Tee trinken und ein wenig warten. Von dieser Halle führt eine Tür unmittelbar ins Innere. Wir bleiben sitzen und warten. Die Umgebung hier wirkt nicht wie eine Hölle, sondern ganz wie die Residenz eines Beamten. Diensthabende Yakṣas patrouillieren. Der Yakṣa, der eben am Tor stand, kommt wieder heraus. Er sagt, der General müsse bald an einer Besprechung teilnehmen, habe aber vorher noch etwas Zeit, uns zu empfangen. Daraufhin führt uns der Yakṣa in die innere Halle. Diese innere Halle ist viel größer als die vordere. In ihrer Mitte stehen vier große Schriftzeichen: ‚In vollkommener Treue dem Land dienen‘. Diese vier großen, offenbar in Halbkursivschrift geschriebenen Zeichen strahlen eine Atmosphäre und ein Magnetfeld des Eintretens für Gerechtigkeit aus. Sie wirken wie in lebhafter Bewegung, voller Dynamik und Gerechtigkeitssinn – sehr ergreifend! In der Mitte der großen Halle steht ein Schreibtisch, hinter dem der General sitzt. Ich lege die Handflächen zusammen und begrüße General Yue Fei ehrerbietig! Ich, Shangguan Yuhua, eine Frau aus dem einfachen Volk, erweise dem General meine Ehrerbietung! General Yue Fei: „Keine Förmlichkeiten! Shangguan Yuhua, Sie brauchen nicht so höflich zu sein. Stehen Sie auf! Sprechen Sie ruhig offen aus, was Sie zu sagen haben.“ General Yue Feis Gesichtsfarbe ist eher dunkel, sein Gesichtsausdruck sehr ernst. Doch er wirkt nicht so grimmig wie die vielen Höllenkönige der Unterwelt, sondern ernst und voller Gerechtigkeitssinn. Der General trägt die graue Amtstracht eines Beamten der Unterwelt. General Yue Fei: „Shangguan Yuhua, schreiben Sie dieses Buch ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ mit großer Sorgfalt, damit die Lebewesen der Menschenwelt wissen: Wer böse karmische Taten begeht, die in die Hölle führen, wird unweigerlich hinabstürzen und unermessliche, grenzenlose leidvolle karmische Folgen erdulden. Hinabzustürzen ist leicht, wieder herauszukommen aber sehr, sehr schwer. Welche Fragen möchten Sie mir stellen?“ Ayu: „Ja, General! In der Menschenwelt sind viele verschiedene Überlieferungen über Sie erhalten geblieben. Zum Beispiel: Wer hat Sie ins Verderben gestürzt? War es letztlich Qin Hui oder der Kaiser? Und wie sehen Sie heute das Unrecht, das Ihnen damals widerfuhr? Was denken Sie darüber? Stammt das allseits beliebte und über die Jahrhunderte überlieferte Ci-Gedicht ‚Man Jiang Hong‘ tatsächlich von Ihnen? Einer Überlieferung zufolge sollen Sie eine Wiedergeburt Zhang Feis aus der Zeit der Drei Reiche sein. Trifft das zu? Diese Fragen möchte ich Ihnen stellen. Außerdem: Sie sind jetzt General in der Unterwelt – wo befindet sich dann Qin Hui? Bitte seien Sie so freundlich, die Zweifel dieser Frau aus dem einfachen Volk zu klären.“ General Yue Fei: „Zu Lebzeiten wurde ich tatsächlich durch Qin Hui ins Verderben gestürzt. Damals war Qin Hui ständig eifersüchtig auf mich; anfangs war es bloß Eifersucht. Er beneidete mich darum, dass Seine Majestät meine Vaterlandsliebe schätzte. Deshalb sagte oder tat er vor Seiner Majestät häufig Dinge, um meine Feldzugspläne zu behindern. Auch unmittelbar vor Beginn einer Schlacht brachte er mehrfach Einwände gegen meine Pläne vor. Doch wiederholt blieb er damit erfolglos. Damals kam mir nicht in den Sinn, dass er die Absicht fassen könnte, mich zu töten. Ich dachte lediglich, dass Qin Hui aus Eifersucht in mancher Hinsicht anders vorging als ich. Bei der Arbeit entstehen durch unterschiedliche persönliche Ansichten immer wieder Reibungen. Eigentlich, so dachte ich, wollte er nur etwas leisten, damit Seine Majestät ihn mit anderen Augen sähe. Rückblickend muss ich sagen, dass ich Qin Hui damals tatsächlich falsch einschätzte. Ich glaubte stets, er unterscheide sich nur ein wenig in seiner Vorgehensweise von mir. Deshalb achtete ich kaum darauf, mich vor ihm in Acht zu nehmen. Mein einziger Gedanke war, dem Land aus aufrichtigem Herzen in vollkommener Treue zu dienen. Wenn Menschen unterschiedlich vorgehen, muss man einander etwas Geduld entgegenbringen und entgegenkommen; dann gehen die Schwierigkeiten vorüber. Mir ging es eher um die großen Zusammenhänge: Wie lassen sich Heimat und Land verteidigen? Persönliche Feindschaften und Auseinandersetzungen waren es überhaupt nicht wert, dass ich sie mir zu Herzen nahm. Auch war es unnötig, mit ihm über Kleinigkeiten zu streiten. Mein Herz war vollkommen aufrichtig; ich brauchte nichts zu erklären. Ein Mann sollte seine Unbescholtenheit durch konkrete Taten beweisen. Was das damalige Unrecht betrifft, so hege ich keinerlei Groll! Sieg und Niederlage gehören zum Krieg. Heute siege ich; wenn ich morgen unterliege, muss ich unweigerlich dem Tod ins Auge sehen. Das kann jederzeit geschehen. Wann dieser Augenblick kommt, ist nicht wichtig. Am wichtigsten ist, dass mein Opfer einen Wert hat und mein Tod dem Land keine Schande bringt. Obwohl ich damals durch Verleumdung zu Tode gebracht wurde, nahm ich den Tod innerlich als Befehl an. Vor dem Tod hatte ich überhaupt keine Angst. Vor meinem Tod dachte ich noch immer an die Ermahnung meiner Mutter, dem Land in vollkommener Treue zu dienen. Wie viele Seufzer löste dieser Gedanke in mir aus! Ich dachte daran, dass ich als Sohn meiner Mutter ihre Fürsorge und Erziehung noch nicht vergolten und auch meine Pflicht, dem Land in vollkommener Treue zu dienen, noch nicht erfüllt hatte. Nun würde das Land bald einen weiteren Krieger verlieren, der aufrichtig seine Heimat verteidigte. Mein letzter Gedanke war: Wenn es ein nächstes Leben gibt, werde ich meine Pflicht, dem Land in vollkommener Treue zu dienen, gewiss noch besser erfüllen. Danach wurde ich auf kaiserlichen Befehl getötet! Ich hasste niemanden. Ich hasste weder Qin Hui für seine Verleumdungen und seinen Plan, mir zu schaden, noch Seine Majestät dafür, dass er in seiner Verblendung einen treuen und rechtschaffenen Mann zum Tode verurteilte. All das war für mich nicht mehr wichtig. Als ich nach meinem Tod in die große Gerichtshalle der Unterwelt kam, sah der oberste Herrscher der Unterwelt, Yanwang, dass ich trotz des Unrechts weder Groll noch Rachegedanken hegte und selbst im Sterben noch den Wunsch hatte, Heimat und Land zu verteidigen. Deshalb ernannte er mich zum General der Unterwelt. Heute bin ich hier für die Leitung der militärischen Angelegenheiten zuständig. Wenn in der Menschenwelt ein Krieg bevorsteht, treffen wir in der Unterwelt drei Monate im Voraus die Vorkehrungen für das Kriegsgeschehen. Denn jeder Krieg in der Menschenwelt ist tatsächlich auch ein Teil des gemeinsamen und festgelegten Karmas, das die Menschen durch das Töten von Lebewesen in der Vergangenheit geschaffen haben. Festgelegtes Karma lässt sich unter gewöhnlichen Umständen nicht ändern. Soll es wirklich verändert werden, bedarf es äußerst starken guten Karmas, um es umzuwandeln. Gewöhnlich besteht nur durch die Kraft des Buddha zusammen mit einer sehr starken Kraft guten Karmas die Möglichkeit, festgelegtes Karma zu verändern. Diese Veränderung bedeutet lediglich, seine schädigende Wirkung auf das geringstmögliche Maß zu senken. Die Herzen der Menschen sind heutzutage nicht gütig, deshalb lässt sich festgelegtes Karma nur schwer ändern. Darum ist es sehr gut, dass das Buch ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ erscheint: Es kann die Herzen der Menschen zur Umkehr bewegen. Für einen Krieg in der Menschenwelt muss das Heer der Unterwelt schon im Voraus die verschiedenen Einzelheiten des Kriegsgeschehens festlegen. Zum Beispiel: Wer siegt und wer unterliegt? Wie viele werden verwundet oder getötet? All das ordnen und regeln wir nach den karmischen Ursachen und Wirkungen aus früheren Leben. Das heißt: Noch bevor in der Menschenwelt gekämpft wird, steht das Ergebnis in der Unterwelt bereits fest und ist im Voraus bekannt gegeben worden. Ich bin dafür zuständig, die Truppen einzuteilen und die verschiedenen Aufgaben zu erledigen, die beim Ausbruch eines Krieges anfallen. Kriege in der Unterwelt unterscheiden sich von Kriegen in der Menschenwelt. Wenn in der Menschenwelt Krieg herrscht, haben die Menschen Körper aus Fleisch und Blut. Verletzungen können zu lebenslanger Behinderung oder sogar zum Tod führen. Ein Krieg in der Unterwelt ist ein Kampf magischer und geistiger Kräfte – etwas völlig anderes. Qin Hui verbüßt gegenwärtig in der Taishan-Hölle seine Strafe für Verbrechen wie die Verfolgung und Tötung treuer, rechtschaffener Menschen und Korruption. Wenn seine Strafe in der Taishan-Hölle abgelaufen ist, muss er weitere Strafen in der Hölle des Zungenausreißens, der Hölle der Augenbeschießung und anderen Höllen erdulden. Zu Lebzeiten hat Qin Hui schweres böses Karma geschaffen. Bis er die Hölle verlassen und seine Freiheit wiedererlangen kann, wird wohl noch sehr, sehr lange Zeit vergehen. Doch auch ich hoffe, dass er sich bald von den Leiden der Hölle befreien kann. Schließlich dienten wir zu Lebzeiten zur selben Zeit demselben Herrscher und lebten gemeinsam auf dem Boden desselben Landes. Nur unsere Aufgaben und Ämter waren verschieden. Für mich bestand im Grunde kein Unterschied. Es genügt, wenn jeder seine eigenen Pflichten gut erfüllt, den Staat bewahrt und den Menschen ein sicheres Leben ermöglicht. Das eigene Leben oder Sterben, das persönliche Glück und Wohlergehen sind dagegen überhaupt nicht wichtig. Man isst doch nur drei Mahlzeiten und braucht zum Schlafen nur ein Bett. Man muss nicht nach allzu vielem streben; es genügt, der breiten Bevölkerung von Nutzen zu sein. Wie wichtig sind doch die Gedanken eines Menschen! Qin Hui und ich befinden uns jetzt beide in der Unterwelt, doch seine und meine Lage sind so verschieden wie Himmel und Erde. Ich bin weiterhin jeden Tag mit allerlei militärischen Vorkehrungen beschäftigt. Einige meiner früheren Untergebenen aus der Menschenwelt sind mir nach dem Ende ihrer Lebensspanne auch hier in der Unterwelt weiter gefolgt. Qin Hui hingegen befindet sich zwar ebenfalls in der Unterwelt, muss aber die unermesslichen, grenzenlosen qualvollen Strafen der Hölle über lange Kalpas hinweg erdulden. Ich ermahne die Menschen der Welt: Wer ein Amt bekleidet, darf keinesfalls Bestechungsgelder annehmen, das Recht beugen oder öffentliche Angelegenheiten zum eigenen Vorteil missbrauchen. Wer seine Amtspflichten nicht treu erfüllt, den Staat betrügt, sich am Volk bereichert, einfache Menschen wie wertloses Gras behandelt und nicht für das Wohlergehen seiner Landsleute sorgt, mag zu Lebzeiten dem Gesetz des Herrschers entkommen; nach dem Tod wird er den unerbittlichen Gesetzen der Unterwelt jedoch kaum entrinnen! Wer dagegen dem Land in vollkommener Treue dient, das Volk wie kleine Kinder liebt, überall dessen Wohlergehen an die erste Stelle setzt, die schwere Verantwortung für Frieden und Sicherheit des Landes trägt, den Herrscher nicht täuscht, auch im Verborgenen aufrichtig bleibt und entschlossen das Gute praktiziert, dessen treue Seele wird nach diesem Leben gewiss unmittelbar in den Himmel aufsteigen und dort Abertausende und Abertausende Jahre des Glücks genießen! Sie fragten nach dem Ci-Gedicht ‚Man Jiang Hong‘. Es ist tatsächlich ein Werk, das ich damals aus innerer Ergriffenheit verfasste. Die Erzählung, ich sei eine Wiedergeburt Zhang Feis aus der Zeit der Drei Reiche, ist hingegen nur eine Legende und entspricht nicht der Wahrheit. Wie könnte ich Zhang Feis Tapferkeit besitzen? Ich sage Ihnen: Die Gesetze der Unterwelt sind absolut gerecht und klar; es gibt darin nicht den geringsten Fehler und keine Auslassung. Es ist nicht wie in der Menschenwelt, wo es viele unaufgeklärte Fälle von Unrecht, falschen Beschuldigungen und Fehlurteilen gibt. Auch gibt es in der Unterwelt keine Antikorruptionsbehörde wie in der Menschenwelt. Sämtliche Beamten der Unterwelt erfüllen ihre öffentlichen Pflichten und halten sich an das Gesetz; es gibt keinerlei korrupte Beamte. Wer in die Unterwelt kommt, ist allen anderen gleichgestellt. Alle Fälle von Unrecht aus der Menschenwelt werden hier vor dem Podest des Schuldspiegels einzeln und wahrheitsgetreu sichtbar. Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt können nur diejenigen fest binden, die Böses begangen haben; einen Menschen von großer Güte können sie nicht festhalten. Shangguan Yuhua! Schreiben Sie ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ sorgfältig, denn heutzutage stürzen wirklich viel, viel zu viele Lebewesen in die Hölle! Ich hoffe, dass dieses Buch so bald wie möglich gedruckt wird, damit die Menschen nach der Lektüre vom Bösen ablassen und sich dem Guten zuwenden, sich selbst vervollkommnen und auch anderen dazu verhelfen. Dann werden Wind und Regen zur rechten Zeit kommen, und im Land wird kein Krieg herrschen. Gut! Für heute belassen wir es dabei. Ich habe noch Amtsgeschäfte zu erledigen. Wenn Sie Fragen haben, sind Sie bei einem nächsten Besuch willkommen!“ Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und danke General Yue Fei! Dank dem Richter der Unterwelt! Dank allen Yakṣa-Wächtern! Auf dem weißen Lotus zurück! Anhang: Beim Betrachten der Steinstatue des Markgrafen Yue – Liu Xianlun (Song-Dynastie) Einst schlug man die Trommeln zum Dienst an der Grenze; vom Mann in höchsten Ämtern hing das Gewicht des Landes ab, wie viele in den vier Meeren gedenken noch Wumu? Nach hundert Jahren erblicke ich heute seine Gestalt, 121 an der Pinselspitze Wind und Mond in dreitausend Schriftzeichen, in seiner Rede die Strenge von Eis und Reif – hunderttausend Krieger. Auch der Himmel weiß um den unerfüllten Schmerz dieses Mannes; gewiss sollte er ihm die Wiedererstarkung anvertrauen. Beim Lesen der Lebensbeschreibung Yue Wumus – Pan Yin (Yuan-Dynastie) Über zehntausend Li ziehen Wolken und verdunkeln den Blick, hinter tausend Bergen versinkt schwer die Abendsonne. Der herrschende Hof selbst ließ den Willen zur Wiedererstarkung erlahmen; jenseits der Grenze mühte sich das Herz des großen Feldherrn vergebens. Bis ans Lebensende blieb die Schmach des treuen Dieners ungerächt; die Verräter legten ihre Fallen mit überaus tiefer List. Nur eine Schatulle mit der Überlieferung seiner vollkommenen Treue ist geblieben; unter Tränen lese ich sie immer wieder und kann nicht an mich halten. ‚Man Jiang Hong‘ – Zur Tuschekopie eines eigenhändigen Erlasses des Song-Kaisers Siling an Yue Wumu – Wen Zhengming (Ming-Dynastie)7 122 Ich wische die verwitterte Stele ab; die an Fei gerichteten Worte des Erlasses lassen sich noch undeutlich lesen. Ach, wie sehr verließ man sich anfangs auf Fei, wie grausam war man später gegen ihn! Musste er denn wirklich sterben, sobald sein Werk vollbracht war? Ach, was geschehen war, ließ sich mit Worten kaum wiedergutmachen. Völlig schuldlos – wie empörend, wie beklagenswert: der Kerker von Fengbo! Dachte der Kaiser denn nicht an das bedrängte Zentralgebiet? Schmerzte ihn denn nicht die Schmach der Kaiser Hui und Qin? Doch wären Hui und Qin zurückgekehrt – wo hätte er selbst dann gestanden! Redet durch die Jahrtausende nicht mehr vom Fehler des Rückzugs nach Süden; damals fürchtete er selbst die Rückgewinnung des Zentralgebiets. Wie lächerlich: Was hätte ein unbedeutender Qin Hui allein vermocht? Er kam nur seinem Wunsch entgegen. Empfindungen beim Besuch des Schreins für Yue Wumu – Bazhi Toutuo (Qing-Dynastie) Nach dem Rückzug nach Süden suchte man Sicherheit in einem Restgebiet, das Reich war schon verloren; Schrein und Bäume am Grab stehen noch immer üppig grün. Ohne außergewöhnliche Standhaftigkeit wird der Name eines Mannes kaum berühmt; wo eine treue Seele weilt, duftet selbst das Gras. Wind und Regen über See und Bergen empfinden noch den Schmerz, auch die vorbeiziehenden Holzfäller und Hirten sind voll Trauer. Wären die beiden Kaiser noch zu Lebzeiten zurückgekehrt, wer hätte dann im Abendrot blutige Tränen vergossen? Drei Vierzeiler zum Gedenken an General Yue – Miaozheng I Ein treues Herz im Dienst des Landes, eine Lanze von neun Chi; blutgetränkt das Kriegsgewand auf dem alten Schlachtfeld; ein General vollendet sein Werk, Tränen fließen durch die Jahrtausende; zwölf goldene Befehlstafeln begraben den Treuen und Rechtschaffenen. II Leuchtend rot ist ‚vollkommene Treue‘ in seinen Rücken gestochen; von Zhou Tong lernte er das Bogenschießen, das ein Weidenblatt durchbohrt; Treue und kindliche Ehrfurcht ganz erfüllt, das kleine Ich aufgegeben – ein Mann, der so weit gelangt, ist ein Held. III Das Land zurückgewinnen und die beiden Kaiser heimgeleiten; sein offenbartes kühnes Streben lässt zehntausend Männer staunen; der rauschende Regen ist versiegt, ich hebe den Blick – wer kennt die Gefühle, die mich jetzt bewegen? 7. Eine Schale Suppe von Meng Po, und Zuneigung wie Groll sind vergessen! – Besichtigung der Plattform des Vergessenstranks Dank für den Beistand der Kraft des Buddha! Auf dem weißen Lotus geht es los! Amitābha! Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und begrüße den Richter der Unterwelt ehrerbietig! Ich frage den Richter der Unterwelt: „Müssen alle Lebewesen der Unterwelt vor ihrer Wiedergeburt Meng-Po-Suppe trinken?“ Der Richter sagt: „Meng-Po-Suppe gibt es nur in der Unterwelt. In den Himmelswelten, in der westlichen Welt der Höchsten Glückseligkeit oder in irgendeinem anderen Reinen Buddha-Land gibt es so etwas nicht. Alle Lebewesen, deren Seelen in die Unterwelt zurückkehren, müssen vor ihrer Wiedergeburt Meng-Po-Suppe trinken. Sie bewirkt, dass sie ihr früheres Leben vergessen und ihrem Karma folgend erneut mit neuen Angehörigen leben. Würden die Menschen Meng-Po-Suppe, die sie alles Vergangene vollständig vergessen lässt, nicht trinken, so könnten sie sich unter bestimmten Umständen und beim Zusammenwirken entsprechender Ursachen und Bedingungen an Bruchstücke früherer Leben erinnern. Denn der Mensch ist seiner ursprünglichen angeborenen Natur nach intelligent und besitzt vielfältige Fähigkeiten zu durchdringender Analyse. Das gilt selbst dann, wenn bei einer erneuten Geburt im Kreislauf der Wiedergeburten die karmischen Hindernisse beim Eintritt in den Mutterleib eine Verdunkelung des Erinnerns bewirken. Bevor die Göttin Meng Po ihren Dienst in der Unterwelt antrat, gab es hier keine Meng-Po-Suppe. Die Menschen des Altertums waren von Natur aus gütig. Die ersten Vorfahren der Menschen, die in die Menschenwelt kamen, waren Himmelswesen aus dem Himmel des Lichtklangs im Reich der Form. Sie flogen mit ihren übernatürlichen Kräften zur Erde, um sich hier zu vergnügen. Damals hatte die Erde schöne Berge und klare Gewässer, und die Luft war frisch. Sie war nicht wie heute überall von Luftverschmutzung sowie industrieller und chemischer Verschmutzung betroffen. Am stärksten aber schädigt die Verschmutzung durch falsche und schlechte Nachrichten verschiedenster Medien die Herzensnatur der Menschen. Damals wuchs auf der Erde eine Art Erdnahrung, die Difei, in Gestalt sehr frischer Früchte, deren Duft sich überall verbreitete. Diese Difei ähnelte ein wenig den Früchten der Himmelswelten. Die Himmelswesen fühlten sich von diesen Früchten angezogen; Menschen gab es damals auf der Erde noch nicht. Himmelswesen halten die fünf Gebote ein und verstoßen nicht gegen das Gebot, nicht zu stehlen. Da die Difei niemandem gehörte, sondern der Erde selbst, begannen die Himmelswesen davon zu kosten. Sie fanden sie überaus köstlich und aßen alle noch sehr viel mehr. Nachdem sich die Himmelswesen an der Difei satt gegessen hatten, stellten sie fest, dass ihr angeborenes geistiges Leuchten durch den Verzehr der groben Materie der Erde verblasst war. Ihre Körper fühlten sich schwer an, und sie verloren die übernatürliche Fähigkeit, frei zu fliegen, vollständig. Schließlich konnten sie nicht mehr zum Himmel des Lichtklangs zurückfliegen. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als auf der Erde Ackerbau zu betreiben, Nachkommen zu zeugen und sich dort niederzulassen und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Damit wurden sie zu den Vorfahren der Menschheit. Die Difei gehört der Erde. Indem die Himmelswesen etwas aßen, das aus der Erde gewachsen war, gingen sie eine unauflösliche Verbindung mit ihr ein. Deshalb mussten sie nun mit den Füßen auf dem Boden gehen und konnten nicht mehr fliegen. Obwohl die Himmelswesen die übernatürliche Fähigkeit zum freien Fliegen verloren hatten und nicht in die Himmelswelten zurückfliegen konnten, besaßen sie weiterhin übernatürliche Kräfte. Sie hatten lediglich die Fähigkeit zu fliegen verloren. Himmelswesen steigen in die Himmelswelten auf, weil sie die fünf Gebote einhalten und die zehn heilsamen Handlungen üben. Die Himmelswesen, die damals auf die Erde gekommen waren, um hier zu leben, bewahrten weiterhin ihren Willen, die Gebote einzuhalten. Sie glaubten an karmische Ursachen und Wirkungen und waren gütig und arglos. Alle lebten einträchtig miteinander; überall herrschte Frieden. Es gab keinerlei Handlungen, die böses Karma schufen oder gegen die Gebote verstießen. Doch dieser Zustand hielt nicht lange an. Je länger die Nachkommen der Himmelswesen auf der Erde lebten, desto weiter nahm ihr geistiges Leuchten allmählich ab. Mit der beginnenden Verschmutzung verlor die Erde auch die ursprüngliche Schönheit ihrer Berge, die Klarheit ihrer Gewässer und die Frische ihrer Luft. Trotzdem waren die Menschen damals noch viel besser als wir heute. Während sich die Menschheit über die Generationen hinweg immer weiter vermehrte und ihr angeborenes geistiges Leuchten schwand, nahmen auch ihre Segnungen stetig ab. Die Menschen begannen, die Gebote zu missachten, und wurden allmählich selbstsüchtig. Kleinere Katastrophen und Krankheiten folgten nun eine auf die andere, und mit dem bösen Karma begannen nach und nach auch die Höllen in Erscheinung zu treten. In alter Zeit waren die Höllen sehr klein, und nur wenige Menschen stürzten in sie hinab. Selbst wenn jemand zu einer Strafe verurteilt wurde, dauerte diese nur einige Jahre. Manche wurden nach einigen Jahren der Bestrafung in der Hölle wieder in der Menschenwelt geboren und besserten sich dann. Später stürzten immer mehr Menschen aus der Welt der Lebenden in die Höllen hinab, bis diese schließlich, wie heute, völlig überfüllt waren. Wer heute in eine Hölle hinabstürzt und zu einer Strafe verurteilt wird, erhält gewöhnlich hundert Jahre oder mehr; Strafen von nur wenigen Jahren gibt es nicht mehr. Das liegt daran, dass die Menschen sich falsch verhalten, falsche Gedanken hegen und ihnen das Verständnis von karmischen Ursachen und Wirkungen in hohem Maße fehlt.“ Der Richter der Unterwelt fuhr fort: „Ich habe gerade davon gesprochen, dass die Himmelswesen aus dem Himmel des Lichtklangs zur Erde herabkamen und durch den Verzehr der Difei ihre übernatürlichen Kräfte verloren, sodass sie nicht mehr in die Himmelswelten zurückfliegen konnten. Im Śūraṅgama-Sūtra lehrte der Buddha: ‚Wie bei Menschen, die allerlei Getreide essen und deren Füße den Boden nicht verlassen.‘ Daran erkennen wir, dass jeder von uns jederzeit sorgfältig auf sein alltägliches Verhalten und seine Gedanken achten muss. Schon ein einziger unachtsamer Gedanke lässt uns von den trügerischen äußeren Erscheinungen mitreißen. Die Himmelswesen aus dem Himmel des Lichtklangs verfügten frei über ihre übernatürlichen Kräfte. Doch sie sahen die Schönheit der gerade entstandenen Erde (Form) und flogen hierher, um sich zu vergnügen. Dabei empfanden sie die Difei als so frisch und saftig wie Früchte; zudem verströmte sie allerlei natürliche Düfte. Sie ließen sich von ihrem Duft anziehen (Geruch), aßen sie daraufhin (Geschmack) und nahmen sie in sich auf (Berührung). In den Herzen der Himmelswesen regte sich damals der Wunsch, davon zu essen. Sobald dieser Gedanke entstand, war er bereits ein verblendeter Gedanke, der ihre gute Herzensnatur behinderte (Geistesobjekt). Dieser verblendete Gedanke sollte sich in allerlei äußeren Verhaltensweisen entfalten und in die Tat umgesetzt werden. 124 Die Himmelswesen hatten zwar nicht gegen das Gebot verstoßen, nicht zu stehlen, doch die unauflösliche Verbindung mit der Erde erforderte eine gewisse Zeit der Abgeltung. Während dieser Zeit würden jedoch fortwährend weitere Ereignisse eintreten. Wenn sie nicht in jedem einzelnen Gedanken die rechte Achtsamkeit bewahren konnten, würde die Qualität ihres Daseins weiter sinken, und sie würden zudem die Saat allerlei bösen Karmas legen, das zu leidvollen Höllen führt. Ursprünglich waren die Himmelswesen aus dem Himmel des Lichtklangs jeweils ein Gebilde aus Licht. Sie konnten kraft ihrer übernatürlichen Fähigkeiten fliegen und nach Belieben ihre Gestalt wandeln; sie hatten keinen schweren Körper aus Fleisch und Blut wie die Menschen in der Welt der Lebenden. Dies waren bereits himmlische Segnungen, die sie durch ihre frühere eifrige spirituelle Übung und das Einhalten reiner Gebote erlangt hatten. Doch allein der aufkommende Gedanke, die Difei kosten zu wollen, ließ das geistige Leuchten ihres Daseins schwinden. Mit der Zunahme ihrer verblendeten Vorstellungen und Anhaftungen verschwanden allmählich auch ihre übernatürlichen Kräfte. Die damaligen Nachkommen der Himmelswesen, also die ersten Menschen, erinnerten sich an allerlei Wohltaten und Feindschaften, Liebesbeziehungen und andere Erlebnisse aus ihren früheren Leben. Dadurch wurde das normale Leben in der Menschenwelt beeinträchtigt und durcheinandergebracht. Nachdem sie jedoch Meng-Po-Suppe getrunken hatten, folgten sie dem Lauf ihres Karmas, vergaßen alle Menschen und Angelegenheiten ihres vorherigen Lebens und konnten ihre Herzensnatur erneut schulen. Meng-Po-Suppe enthält alle fünf Geschmacksrichtungen des menschlichen Lebens: süß, sauer, bitter, scharf und salzig. Diese fünf Geschmacksrichtungen stehen auch für das Schicksal nach der Geburt in der Menschenwelt, in dem Süßes, Saures, Bitteres und Scharfes vollständig vertreten sind. Jeder Becher mit Meng-Po-Suppe sieht gleich aus. Tatsächlich unterscheiden sich jedoch die Mengenverhältnisse der darin enthaltenen Zutaten, während die Zutaten selbst insgesamt dieselben sind. Manche Wesen haben beispielsweise ein besseres Schicksal und große Segnungen: Sie werden in vornehme Verhältnisse geboren, verfügen über Reichtum, werden von anderen geachtet, sind gesund und so weiter. In der Suppe, die solche Menschen trinken, ist der süße Geschmack stärker ausgeprägt. Wer hingegen geringe Segnungen hat, empfindet sie als sehr bitter und sauer. Bei gewöhnlichen Segnungen vermischen sich alle fünf Geschmacksrichtungen, und beim Trinken entsteht auch ein Gefühl, als werde der Durst gestillt. Da die karmischen Kräfte verschieden sind, empfindet jedes Wesen Meng-Po-Suppe anders. Auch die Göttin Meng Po stammt aus der Menschenwelt. Sie ist jedoch nicht in die Hölle hinabgestürzt, sondern wurde vom Himmlischen Kaiser zum Dienst in die Unterwelt entsandt. In der Menschenwelt war die Göttin Meng Po eine buddhistisch Praktizierende. Sie bewahrte ihr ganzes Leben lang ihre Keuschheit und führte einen reinen, enthaltsamen Lebenswandel. Zu Lebzeiten lautete ihr weltlicher Name Meng Po. Sie war von Natur aus gutherzig und half den armen, notleidenden Menschen in ihrer Umgebung mit großem Eifer. Meng Po sah, wie sehr die Wesen in der Menschenwelt unter Gefühlen, Liebe, Konflikten zwischen Familienmitgliedern und dergleichen litten. Besonders viele Frauen führten damals ein leidvolles Leben. In alter Zeit galt der Satz: ‚Bei einer Frau ist es eine Tugend, keine Bildung und Begabung zu besitzen.‘ Die Stellung der Frauen beschränkte sich darauf, die Familienlinie fortzuführen, Kinder zu gebären und aufzuziehen, dem Ehemann beizustehen und die Kinder zu erziehen. Gerade deshalb lebten viele Frauen voller Leid und Hilflosigkeit und vergossen allein Tränen der Trauer. All dies nahm Meng Po sich zu Herzen. Sie tat ihr Möglichstes, um einigen leidenden Frauen zu helfen, mit denen sie karmisch verbunden war. Dadurch legte Meng Po auch das Gelübde ab, allen Wesen zu helfen, ihr Leid zu vergessen, damit sie alle die Vergangenheit hinter sich lassen und ihr Leben neu beginnen könnten. Schon damals brachte Meng Po sehr viele Wesen durch ihre Ermahnungen auf einen besseren Weg. Überall ermahnte sie die Menschen, das Töten zu unterlassen, sich vegetarisch zu ernähren, Sutren zu rezitieren und des Buddha zu gedenken. Damals dachte Meng Po voller Hoffnung: Wie schön wäre es, wenn es eines Tages eine Suppe gäbe, die dem menschlichen Körper keinerlei Schaden zufügt und nach deren Genuss die Menschen all ihr Leid vergessen könnten! Als ihre Lebenszeit zu Ende ging, stieg sie kraft der Verdienste, die sie durch ihre Hilfe und spirituelle Anleitung für notleidende fühlende Wesen erworben hatte, in die Himmelswelten auf. Der Himmlische Kaiser erhob Meng Po zur Göttin. Sie besaß dort ihren eigenen Palast und genoss allerlei himmlische Segnungen. Später sah der Himmlische Kaiser, dass sich auch die Herzensnatur der Wesen in der Menschenwelt zu verschlechtern begann. Manche Menschen erinnerten sich nach ihrer Wiedergeburt an Personen, Angelegenheiten und Dinge aus ihrem früheren Leben. Dadurch kam es immer wieder zu Störungen der sittlichen Ordnung des menschlichen Zusammenlebens und ähnlichen Vorfällen. Meng Po hatte zu Lebzeiten gerade das gute Gelübde abgelegt, den Wesen zu helfen, ihr Leid zu vergessen. Diese Umstände boten zugleich die Gelegenheit, ihr gutes Gelübde zu erfüllen. Deshalb ließ der Himmlische Kaiser eigens in der Unterwelt die ‚Plattform des Vergessenstranks‘ errichten und übertrug der Göttin Meng Po ihre Verwaltung. Dort wird Meng-Po-Suppe eigens entwickelt und zubereitet, damit die Wesen, die kurz vor einer Wiedergeburt stehen, sie trinken können. Dort stehen Meng Po Geisterschergen, Yakṣas und andere zu Diensten. Ayu, ich führe Sie zur Besichtigung durch einen besonderen Durchgang; auf diesem Weg ist die Strecke viel kürzer. Die Plattform des Vergessenstranks liegt hinter der zehnten Halle der Unterwelt.“ Dankbar sagte ich: „Vielen Dank für Ihre Mühe, Richter der Unterwelt!“ Dieser besondere Durchgang ist wirklich außergewöhnlich. Hier hört man keinerlei schmerzerfülltes Wehklagen aus den Höllen. Die Schalldämmung scheint wirklich gut zu sein. Jetzt sehe ich ein Haus. Darin stehen Tische und Hocker, aber warum ist niemand da? Der Richter der Unterwelt sagte: „Dies ist der Sitzungssaal. Im Augenblick sind alle draußen beschäftigt; seit einigen Tagen findet keine Sitzung statt. Wäre gerade eine Sitzung, könnte ich Sie nicht über diese Abkürzung führen. Diese Dinge hier benutzen wir bei unseren Sitzungen. Bevor wir Sie beauftragten, Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt zu schreiben, haben wir hier getagt. Hier erhielt ich auch das amtliche Schriftstück der Unterwelt, das mich damit beauftragte, Sie, Ayu, bei Ihrem Besuch und Ihrer Besichtigung der Unterwelt zu betreuen und Ihnen himmlische Geheimnisse in weitem Umfang zur Offenlegung freizugeben. Nach Ihrer Rückkehr in die Welt der Lebenden sollten Sie aufschreiben, was Sie in der Unterwelt gesehen und gehört haben, um die Menschen dazu zu bewegen, Gutes zu tun und Verdienste zu sammeln.“ Ah! So war das also! Vor uns geht der Durchgang weiter, und wir durchqueren ihn sehr schnell. Jetzt sehe ich die drei großen Schriftzeichen für ‚Plattform des Vergessenstranks‘. Auch das Gelände der Plattform des Vergessenstranks ist sehr groß! Es erinnert mich ein wenig an einen riesigen Kräutertee-Laden in der Menschenwelt. Hier gibt es Behälter in drei verschiedenen Farben. Der Richter erklärt mir, dass die durchsichtigen Behälter die besonders süße Suppe enthalten, die für die Wesen mit den größten Segnungen bestimmt ist. Die weißen Behälter enthalten die Suppe für Wesen mit gewöhnlichen Segnungen, die schwarzen jene für Wesen mit den geringsten Segnungen. Selbst die Farben der Kleidung der drei Gruppen von Geisterschergen, die Meng-Po-Suppe verteilen, sind darauf abgestimmt: Die Schergen an den durchsichtigen Behältern tragen durchsichtige Kleidung, jene an den weißen Behältern weiße Kleidung und jene an den schwarzen Behältern schwarze Kleidung. Sehr viele Geisterschergen sind damit beschäftigt, Meng-Po-Suppe in Becher zu gießen. Die Becher sind rund und haben unten einen Fuß, der den Becherkörper trägt. Farbe, Größe und Form scheinen alle gleich zu sein. Wenn man jedoch genauer hinsieht, stellt man fest, dass sie zwar gleich wirken, tatsächlich aber kleine Unterschiede aufweisen. Alle Becher sind durchsichtig und gleich groß; sie unterscheiden sich jedoch durch die erhabenen Muster an ihren Füßen. Bei einer Art durchsichtiger Becher ist der Fuß glatt und ohne Muster. Wenn die Geistwesen sie aufnehmen, um Meng-Po-Suppe zu trinken, liegen sie angenehm in der Hand. Bei einer anderen Art hat der durchsichtige Becherfuß ein leicht erhabenes Muster, das man beim Anfassen spürt. Bei der letzten Art durchsichtiger Becher hat der Fuß dreieckige, hervortretende Muster. Wenn die Geistwesen sie aufnehmen, um Meng-Po-Suppe zu trinken, spüren sie ein leichtes Stechen in der Hand, das nicht besonders angenehm ist. Innerhalb der Anlage der Plattform des Vergessenstranks gibt es viele kleine Zimmer, die links und rechts angeordnet sind. Die linke Seite ist für diejenigen mit großen Segnungen bestimmt, die besonders süße Meng-Po-Suppe trinken. Zuerst schaue ich mir die kleinen Zimmer auf der linken Seite an. In jedem stehen ein Tisch und Hocker. Auf jedem Tisch steht ein Becher mit besonders süßer Meng-Po-Suppe, und zwei Dienerinnen reichen ihn dem Geistwesen zum Trinken. Wesen mit guten Segnungen dürfen also in einem Zimmer sitzen und trinken. Es ähnelt ein wenig einem Raum für Ehrengäste in der Menschenwelt, in dem man eine besondere Behandlung genießt. Dann schaue ich mir die kleinen Zimmer auf der rechten Seite an. Auch dort stehen jeweils ein Tisch und Hocker. Auf dem Tisch steht ein Becher Meng-Po-Suppe mit allen fünf Geschmacksrichtungen, doch nur eine Dienerin reicht ihn dem Geistwesen zum Trinken. Auch Wesen mit gewöhnlichen Segnungen dürfen also in einem Zimmer sitzen und trinken. Als wir weitergehen, kommen wir zu einem Meng-Po-Pavillon. Die Göttin Meng Po befindet sich also im Meng-Po-Pavillon. „Ich, Ayu, grüße die Göttin Meng Po mit zusammengelegten Händen!“ Die Göttin Meng Po lächelt mich an. Der Richter sagt, dass sie sich gewöhnlich im Meng-Po-Pavillon aufhält. Dort gibt es die meisten Zwischenfälle. Manchmal trifft man hier auf Geistwesen, die Meng-Po-Suppe nicht trinken wollen. Die Wesen, die zum Trinken in den Meng-Po-Pavillon kommen, haben alle eher geringe Segnungen, das heißt, ihre karmischen Hindernisse wiegen schwerer. Entsprechend gibt es hier auch sehr viel mehr Geisterschergen. Sie alle halten spitze Gabeln in den Händen. Ich sehe viele Geistwesen, die sich in einer Schlange zum Meng-Po-Pavillon bewegen. Sie wirken alle sehr erschöpft und äußerst durstig. Manche haben bereits überhaupt keine Kraft mehr. Die Geistwesen, die noch gehen können, gehen selbst, und wenn sie an der Reihe sind, nehmen sie sich selbst einen Becher und trinken. Die völlig Kraftlosen werden von Geisterschergen gestützt zum Meng-Po-Pavillon gebracht, und die Schergen flößen ihnen die Suppe ein. Da höre ich einen schrillen Schrei. Eine weibliche Seele will nicht trinken und wird von zwei Geisterschergen geschlagen. Ach! Wie schrecklich sie leidet! Ein Scherge schlägt mit seiner Gabel auf ihre Füße. Sie fällt zu Boden, und ihre Füße bluten. Als der andere Scherge dies sieht, spießt er die weibliche Seele sofort mit seiner Gabel auf und hebt sie hoch, um ihr gewaltsam drei Becher einzuflößen. Der Richter sagt, dass diese weibliche Seele später in der Menschenwelt unter Fußschmerzen und Beschwerden im Hals leiden werde. Geistwesen, die Meng-Po-Suppe nicht trinken wollen, werden also nicht nur von den Geisterschergen geschlagen, sondern müssen anschließend zur Strafe auch zwei zusätzliche Becher bitterer Meng-Po-Suppe trinken. Als Nachwirkung müssen sie später zusätzliche körperliche Schmerzen erdulden. Nachdem die Geistwesen Meng-Po-Suppe getrunken haben, sind sie alle benommen und werden von den Geisterschergen gestützt zur Wiedergeburt geführt. 123 Ich sehe vor dem Meng-Po-Pavillon einen großen Fluss. Wenn die Geistwesen in den Fluss fallen, werden sie wieder in der Menschenwelt geboren. Der Richter der Unterwelt sagte: „Für heute ist die Zeit um. Ayu, kommen Sie ein anderes Mal wieder!“ Ich, Ayu, lege die Hände zusammen und werfe mich ehrerbietig vor dem Richter der Unterwelt nieder! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück! 8. Die qualvolle Vergeltung für die Verschwendung von Lebensmitteln – die Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten Dankbar empfange ich den Beistand der Kraft des Buddha! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ich, Ayu, lege vor dem Richter der Unterwelt die Hände zusammen! „Richter der Unterwelt! Heute möchte ich fragen, welche karmische Vergeltung die Verschwendung von Lebensmitteln nach sich zieht.“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Wer Lebensmittel verschwendet, wird in eine Hölle hinabstürzen und dort karmische Vergeltung erleiden. Jeder Mensch sollte jeden Bissen Nahrung mit Dankbarkeit und einem Bewusstsein der eigenen Unzulänglichkeit zu sich nehmen: dankbar dafür, dass Himmel und Erde die Nahrung hervorbringen, dankbar für die harte Arbeit der Bauern, dankbar für die Fürsorge der Eltern und dankbar für die Segnungen in Gestalt von Nahrung, die man selbst in früheren Leben angesammelt hat. Um zu leben, brauchen Menschen Nahrung, Luft, Wasser und Sonnenlicht. Dies sind äußere Ursachen und Bedingungen. Ohne diese entsprechenden äußeren Ursachen und Bedingungen gäbe es in der Menschenwelt keine guten Lebensmittel. Deshalb müssen wir zuerst Himmel und Erde danken. Woher sollten die fünf Getreidearten und andere Lebensmittel kommen, wenn die Natur nicht Sonnenlicht und Luft bereitstellte und die Erde sie nicht hervorbrächte? Selbst wenn die natürlichen Voraussetzungen erfüllt sind, müssen die fünf Getreidearten noch durch die harte Arbeit der Bauern die entsprechenden Schritte durchlaufen: Bodenbearbeitung, Aussaat, Bewässerung, Ernte, Verpackung und so weiter. Im Frühling wird gesät, im Herbst geerntet; das dauert die drei Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst. Treffend heißt es: Beim Jäten des Getreides steht die Sonne im Zenit, Schweiß tropft auf die Erde unter den Halmen. Wer weiß schon bei der Mahlzeit auf dem Teller, dass jedes einzelne Korn harter Mühe entstammt! Wie mühsam lassen die Bauern unter sengender Sonne und strömendem Regen die Nahrung langsam und mit großer Sorgfalt heranwachsen! Wir müssen ihnen für ihre harte Arbeit danken! Jeder Mensch kommt aus dem Samen des Vaters und dem Blut der Mutter hervor und wird in der Menschenwelt als Mensch geboren. Als kleine Kinder mussten wir alle nur die Arme ausstrecken, um angezogen zu werden, und den Mund öffnen, um zu essen. Deshalb müssen wir unseren Eltern für ihre fürsorgliche Erziehung dankbar sein. Außerdem müssen wir die Segnungen schätzen, die wir in früheren Leben durch Geben, das Einhalten der Gebote und gute Taten allmählich angesammelt haben. Menschen mit unzureichenden Segnungen, etwa in Afrika, Äthiopien, im Kongo, in abgelegenen, dünn besiedelten und rückständigen Gebieten Chinas und in anderen armen Ländern und Regionen, leiden unter schwerem Nahrungsmangel. Viele Erwachsene und Kinder verhungern oder sind vor Hunger ausgezehrt und haben eine fahle Gesichtsfarbe. Sie leiden zudem unter schwerem Nährstoffmangel und müssen auf die Hilfe anderer warten. Manchmal verhungern sie bereits, bevor diese Hilfe sie erreicht! 125 Wenn ein Mensch in der Menschenwelt geboren wird, steht bereits fest, wie viel Nahrung und Kleidung er im Laufe seines Lebens verbrauchen wird, ob er groß oder klein, dick oder dünn sein wird, welchen hohen oder niedrigen gesellschaftlichen Rang er haben wird, welche Katastrophen ihn treffen werden, welchen Besitz er haben wird und wann seine Lebenszeit endet, und so weiter. Deshalb bedeutet jeder Bissen Nahrung, den wir zu uns nehmen, zugleich, dass wir einen Teil der für dieses Leben vorherbestimmten Segnungen genossen haben. Für unser verbleibendes Leben steht uns damit eine Gelegenheit weniger zur Verfügung, diese Segnungen zu genießen. Gewöhnliche Menschen in der Welt der Lebenden können dieses festgelegte Karma nicht durchbrechen. Nur zwei Arten von Menschen können es beeinflussen: Menschen von großer Güte und Menschen von großer Bosheit. Bei den Menschen von großer Güte gibt es zwei Gruppen. Zur ersten gehören die heiligen Wesen, Buddhas und Bodhisattvas, die aus Mitgefühl ihren Gelübden folgend wiederkommen, um die fühlenden Wesen in der Menschenwelt zur Befreiung zu führen. Buddhas und Bodhisattvas können frei kommen und gehen; sie sind nicht an festgelegtes Karma gebunden. Manchmal zeigen heilige Wesen absichtlich allerlei Leiden, um noch mehr fühlende Wesen in der Menschenwelt, mit denen sie karmisch verbunden sind, zur Befreiung zu führen. Durch ihr eigenes Beispiel legen sie die Lehre dar und führen die Menschen. Tatsächlich können solche Leiden den Geist eines heiligen Wesens überhaupt nicht binden. Nur gewöhnliche Menschen lassen sich von den fünf Sinnesbegierden und den leidbringenden Umständen der Menschenwelt verwirren. Zur anderen Gruppe von Menschen großer Güte gehören gewöhnliche Menschen, die jedoch ein Herz voller großer Güte und großen Mitgefühls besitzen und fortwährend große Segnungen und verborgene Verdienste ansammeln. Auch solche guten Menschen können die Fesseln des Schicksals sprengen und unmittelbar aufsteigen. Die andere Art sind Menschen von großer Bosheit. Wegen der Schwere ihres bösen Karmas sinken auch sie unmittelbar bis in die Hölle hinab. Deshalb sollten wir jede Art von Nahrung mit einem Bewusstsein der eigenen Unzulänglichkeit zu uns nehmen. Nahrung dient lediglich dazu, unseren physischen Körper zu nähren. Dieser Körper ist ein Werkzeug, das uns bei der Übung des Weges hilft. Wir sollten dem Essen keine übermäßige Bedeutung beimessen und nicht zu Sklaven köstlicher Speisen herabsinken, die sich vom Essen beherrschen lassen. Ebenso wenig dürfen wir Lebensmittel verschwenden und damit die fünf Getreidearten vergeuden. Früher gab es in der Unterwelt eine kleine Hungerhölle. Diejenigen, die zur Bestrafung in sie hinabstürzten, waren allesamt Menschen gewesen, die in der Welt der Lebenden verhältnismäßig gute Segnungen besessen hatten: wohlhabende Menschen aus reichen Häusern, Ehefrauen reicher Männer oder Geschäftsleute. Weil sie gute Segnungen hatten, verschwendeten und vergeudeten sie nach Belieben Getreide und andere Lebensmittel. Nach dem Ende ihres Lebens stürzten sie in die Hungerhölle hinab. Auch wer Geld hatte, aber Bettlern und Armen nichts geben wollte, würde nach dem Ende seines Lebens ebenfalls zur Bestrafung in die Hungerhölle hinabstürzen. Dort ließ man die schuldigen Seelen die Qualen des Hungers auskosten, damit sie die Kostbarkeit von Getreide und Nahrung erfuhren und zugleich ihre Gier und ihren Geiz ablegten. Früher waren die Strafen in der Hungerhölle stets sehr kurz: Sie begannen bei drei Jahren und dauerten höchstens fünfzig Jahre. Doch nur wenige Menschen stürzten dorthin hinab, und die meisten von ihnen waren ältere, wohlhabende Menschen. Gegenwärtig gibt es im Süden der Unterwelt einen Bereich der Lingxing-Höllen. In diesem Bereich befindet sich eine große Hölle namens ‚Reiche Ernte der fünf Getreidearten‘. In der Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten sind überwiegend junge Menschen. Dort findet sich jede Art verschwendeter Nahrung; sie hat sich in solchen Mengen angesammelt, dass sie endlosen Gebirgsketten gleicht. Früher wurden Menschen, die Lebensmittel verschwendeten, nach dem Ende ihres Lebens gemäß den Gesetzen der Unterwelt zur Bestrafung durch Hunger verurteilt. Wesen, die heute Lebensmittel verschwenden, werden nach dem Ende ihres Lebens hingegen die Vergeltung in der Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten erleiden. Jede Nahrung, die sie in der Welt der Lebenden verschwenden, wird von den mitgeborenen Gottheiten vollständig aufgezeichnet. Wenn sie nach dem Ende ihres Lebens in die Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten kommen, müssen sie dort alles, was sie zu Lebzeiten an Nahrung verschwendet haben, Stück für Stück vollständig aufessen. In der Welt der Lebenden kaufen viele junge Menschen gern immer wieder große Mengen an Lebensmitteln und werfen weg, was sie nicht aufessen können. Durch die Strafe nach den Gesetzen der Unterwelt sollen die schuldigen Seelen erfahren, dass sie nichts kaufen und verschwenden dürfen, was sie nicht aufessen können. Sobald sie es gekauft haben, gehört es zu ihren Segnungen und muss aufgegessen werden. Ayu, folgen Sie mir. Ich führe Sie jetzt zur Besichtigung dorthin.“ Schon rieche ich etwas Saures, den Gestank von Lebensmitteln und von Erbrochenem. Dazu höre ich Erbrechen und Husten. Jetzt sehe ich die großen Schriftzeichen für ‚Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten‘. Auch diese Hölle ist riesig! Darin herrscht wirklich eine reiche Ernte der fünf Getreidearten: Es gibt so viele Lebensmittel, dass man ihr Ende nicht sehen kann. Sie bilden Berge und Täler – ein erschreckender Anblick! Unzählige Mahlzeiten, Kekse und vieles mehr liegen dort, in großen und kleinen Packungen. Es gibt viel, viel zu viele Lebensmittel aller möglichen Arten, um sie einzeln aufzuzählen. Auch Wasser, Getränke und Ähnliches sind vorhanden, jeweils in ganzen Behältern. Der Richter sagt, dass jede schuldige Seele ihren eigenen Bereich mit Lebensmitteln hat. In jedem dieser persönlichen Bereiche befinden sich genau die Lebensmittel, welche die betreffende Seele zu Lebzeiten verschwendet hat; dabei gibt es nicht die geringste Verwechslung. Ich sehe viele junge Menschen in der Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten. Der Richter sagt, dass sie neben den Vergehen, für die sie zu dieser Hölle verurteilt wurden, auch sexuelles Fehlverhalten und andere Vergehen begangen haben. Jetzt gehe ich dort hinüber, um eine junge weibliche Seele zu befragen! Schon der Anblick der Lebensmittel in ihrem weitläufigen Bereich ist äußerst erschreckend. Wer weiß, in welchem Jahr und Monat sie das alles aufgegessen haben wird. Die weibliche Seele hat noch ein recht feines, hübsches Gesicht. Gerade erbricht sie sich unter großen Qualen! „Amitābha! Wie fühlen Sie sich? Können Sie mir sagen, weshalb Sie hierhergekommen sind?“ Die weibliche Seele sagte: „Es ist unendlich, unendlich qualvoll! Jede einzelne Sekunde empfinde ich als unerträglich schmerzhaft! Ich kann vor lauter Erbrechen kaum noch! Wer sind Sie? Bitte, können Sie mich retten und hier herausholen?“ „Können Sie mir sagen, weshalb Sie hierhergekommen sind?“ „Ich erzähle es! Ich erzähle es! Zu Lebzeiten kaufte ich gern viele Lebensmittel, besonders alle möglichen köstlichen Speisen. Doch ich selbst aß nicht besonders viel, weil ich Angst hatte, dick zu werden und meine Figur und mein Aussehen zu beeinträchtigen. Trotzdem kaufte ich jeden Tag die Lebensmittel, die ich mochte, und brachte sie nach Hause. Ich hatte die Gewohnheit, niemals ältere Lebensmittel zu essen, sondern ausschließlich frische. Sobald ich ein neues Produkt sah, musste ich es kaufen. Was ich nicht aufessen konnte, warf ich weg. So sammelte sich Tag für Tag immer mehr an. Jetzt bin ich deshalb in der Hölle und muss zur Strafe alles aufessen. Es ist wirklich schrecklich! Dazu kommt noch das viele Wasser, das ich beim Zähneputzen und Waschen meines Gesichts verschwendet habe, weil ich den Wasserhahn die ganze Zeit laufen ließ!“ Die weibliche Seele brach in lautes Weinen aus! Tatsächlich vergeht einem jeder Appetit beim Anblick dieser sauren, stinkenden, verschimmelten Lebensmittel, die voller großer Würmer sind. Nun schaue ich mir die etwas ältere weibliche Seele daneben an. Ihr Bereich mit Lebensmitteln ist noch um ein Vielfaches größer als der der eben befragten Seele und wirkt noch erschreckender! Ihr Bereich ist nicht nur groß; die Unmengen an Lebensmitteln stinken zudem extrem sauer und sind widerlich. Alles ist verdorben, stark verschimmelt, verfärbt und voller Würmer und Keime. Wie soll man so etwas nur essen! Schon beim Anblick schaudert es mich bis ins Herz! „Amitābha! Können Sie mir erzählen, wie Sie hierhergekommen sind?“ „Zu Lebzeiten war ich Hausfrau und machte die Hausarbeit nicht gern. Um Zeit beim Einkaufen zu sparen, kaufte ich oft viele Lebensmittel auf einmal und lagerte sie zu Hause. Lebensmittel lassen sich aber nicht allzu lange aufbewahren; nach einer gewissen Zeit verderben sie. Außerdem kochte ich häufig zu viel und warf weg, was wir nicht aufessen konnten. Viele Lebensmittel warf ich auch deshalb weg, weil sie beim Lagern verdorben waren. Mein Mann ermahnte mich oft, kein Wasser zu verschwenden und beim Geschirrspülen den Wasserhahn nicht ständig voll aufgedreht zu lassen. Jedes Mal, wenn er mich ermahnte, beschimpfte ich ihn und machte so lange ein großes Geschrei, bis er schwieg. Er sagte mir, ich solle keine Lebensmittel verschwenden. Ich hörte nicht nur nicht auf ihn, sondern kaufte absichtlich noch mehr, ließ sie verderben und warf sie dann weg. So wurde ich nach dem Ende meines Lebens von Yanwang in die Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten verurteilt, um all die Lebensmittel zu essen, die ich zuvor weggeworfen hatte. Jetzt bereue ich sehr, dass ich nicht auf meinen Mann gehört habe.“ In diesem Moment kam ein Geisterscherge und packte sie, um sie zum Weiteressen zurückzubringen. Ich, Ayu, möchte den Richter fragen: „Wenn Lebensmittel ohne Absicht verdorben sind, muss man sie dann trotzdem aufessen?“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Wenn Lebensmittel unbeabsichtigt oder ohne dass man es wusste verdorben sind, soll man sie nicht mehr essen. Wenn man nach dem Verzehr krank wird oder andere Probleme bekommt, wäre der Schaden größer als der Nutzen. Zuerst müssen wir diese unbeabsichtigte Verfehlung bereuen und künftig darauf achten, sie nicht erneut zu begehen, damit der Schwarze Wuchang nicht wieder eine Verfehlung aufzeichnet und wir uns dadurch eine Strafe nach den Gesetzen der Unterwelt zuziehen. Anschließend kann man über den verdorbenen Lebensmitteln den Namen des Buddha oder ein Mantra rezitieren und sie in ein Waldstück oder ins Gras legen, um sie kleinen Tieren zu spenden und eine gute karmische Verbindung mit ihnen zu knüpfen. Oder man kann sie ins Meer geben und sie den dort lebenden Wasserwesen spenden.“ 126 „Für heute beenden wir unseren Besuch hier. Ayu, kehren Sie zunächst zurück. Wenn Sie Fragen haben, sind Sie jederzeit wieder willkommen.“ Amitābha! Ich danke Ihnen, Richter der Unterwelt! Ich, Ayu, lege vor dem Richter die Hände zusammen und verneige mich! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück! 9. Der Buddha lehrt persönlich: Wer Speisen und Getränke verschwendet, wird unweigerlich in die Hölle hinabstürzen und leiden! Der Buddha sprach: „Die Schmerzen in der Niraya-Hölle sind so groß, dass selbst der milliarden- und abermilliardenfach vervielfachte Schmerz von Speerwunden noch nicht an sie heranreicht. Ein kleiner Stein in der Hand gleicht dem Schmerz von dreihundert Speerwunden; ein Berg gleicht dem Schmerz in der Niraya-Hölle. Törichte Menschen denken Böses, sprechen Böses und tun Böses mit ihrem Körper; nach dem Tod stürzen sie in die Niraya-Hölle. Dort gibt es Tierdämonen, die einen Menschen vor sich zerren, einen Haken in sein oberes Zahnfleisch und einen weiteren in seinen Unterkiefer schlagen und ihm so den Mund weit aufreißen. Dann nehmen sie geschmolzenes Kupfer und gießen es ihm in den Mund. Lippen, Zunge, Darm und Magen werden verbrannt und zerstört, und das Kupfer fließt nach unten hindurch. Der qualvolle Schmerz ist unerträglich. Weil dieser Mensch zu Lebzeiten in der Welt nach Reichtum und Gewinn trachtete und mit Speisen und Getränken falsch umging, wird ihm geschmolzenes Kupfer eingeflößt. So groß sind die Qualen in der Niraya-Hölle. Die Dämonen in der Niraya-Hölle ergreifen einen Menschen, schlagen Haken in seinen Ober- und Unterkiefer und reißen sie auseinander. Dann nehmen sie einen glühenden Eisenstößel und stoßen ihn in seinen Rachen. Lippen, Zunge, Darm und Magen werden verbrannt und zerstört; der qualvolle Schmerz ist unerträglich. Weil seine Verfehlungen noch nicht getilgt sind, stirbt er nicht. So groß sind die Qualen in der Niraya-Hölle.“ („Vom Buddha verkündetes Sūtra über die Niraya-Hölle“, übersetzt von Zhu Tanwulan, einem Śramaṇa aus den Westlichen Regionen, während der Östlichen Jin-Dynastie)18 Jiadong sagte: Wer unsaubere Speisen zubereitet und sie anderen zu essen gibt, erregt unweigerlich ihren Zorn; auch die Gottheiten verabscheuen dies. Unsaubere Speisen wegzuwerfen kommt der mutwilligen Verschwendung von Gaben der Natur gleich. Wasser und Getränke zu verschwenden und in Gräben oder Aborte zu schütten, schafft in besonderem Maße schlechtes Karma. Es gab eine alte Frau namens Qiu, die an einer Krankheit starb und wieder zum Leben erwachte. Sie berichtete, sie sei an einen Ort gelangt, an dem zwei Schiffsladungen weggeworfener, verdorbener Speisen lagen. Ein Dämon peitschte sie und sagte: „Das ist, was du zu Lebzeiten verschwendet hast. Wie könnte man dir erlauben, es nicht zu essen?“ Die alte Frau zwang sich, ein paar Bissen hinunterzuschlucken, fühlte sogleich ihren Bauch anschwellen und erwachte vor Schreck. Nachdem sie dies erzählt hatte, starb sie. („Kommentar zur Abhandlung über Wirkung und Vergeltung“) 128 Tadel für das Wegwerfen von Tofutrester Wer die Gaben der Natur mutwillig verschwendet, wird unweigerlich Unheil erleiden. Wer die fünf Getreidearten geringschätzt, wird oft vom Blitz getroffen. Dass Hunde und Schweine dieselbe Nahrung wie Menschen fraßen, bereitete Meister Meng großen Kummer. Der König von Shang ließ in seiner Verschwendungssucht einen Teich aus Wein und einen Wald aus Fleisch anlegen und verlor dadurch sein Reich. Die Menschen des Altertums aßen sogar Treber und Spreu; wie viel wohlschmeckender ist dagegen dieser Tofutrester, der mit Spreu gar nicht zu vergleichen ist! Selbst der Mahāsattva ernährte sich von Gräsern und Früchten; wie könnten Gräser an den Wohlgeschmack dieses Tofutresters heranreichen! Wie könnt ihr euch derart maßloser Überheblichkeit und Verschwendung hingeben, wie ein verkommener Sohn aus reichem Hause, verblendet und verwirrt wie ein Säugling in seinen Windeln? Zunächst muss die Mühle zur Strafe versiegelt werden; danach muss der Topf zerschlagen werden, um dies für immer zu unterbinden. („Nachgelassene Schriften des Meisters Yunqi“, Band 3) 127 10. Der Buddha sagt: Wer an köstlichen Speisen hängt und sich überisst, gerät leicht auf schlechte Daseinswege! Der Buddha sprach: Für Übende gibt es elf Ursachen und Bedingungen, die den Weg zunichtemachen. Sie zu zügeln verhindert, dass man auf schlechte Daseinswege fällt. Was man nicht erkennen soll, bezeichnet die vielfältigen Dinge. Erstens: große Versammlungen, das heißt Menschenmengen. Zweitens: viel essen, das heißt allerlei Köstlichkeiten, aber auch, sich zu überessen. Drittens: viel Tätigkeit, das heißt viele Unternehmungen. Viertens: viel Lärm, das heißt viel reden. Fünftens: viel schlafen. Sechstens: Zusammenkommen, das heißt bei der Meditation. Siebtens: gewohnheitsmäßiges Tätigsein, das heißt vielerlei Geschäfte. Achtens: am eigenen Körper hängen. Neuntens: Leichtfertigkeit, das heißt Reden, die nicht dem Dharma entsprechen. Zehntens: Gier, das heißt viele Begierden. Elftens: nicht gern an einem guten Ort wohnen, das heißt unter schlechten Menschen leben. Wer den Weg praktiziert, soll diese elf Ursachen und Bedingungen abschneiden; so erlangt er den Weg rasch. („Vom Buddha verkündetes Sūtra mit Lehrabschnitten zur Betrachtung des inneren Körpers“)8 11. Die Segnungen und die Lebensspanne, die ein Mensch mühsam angesammelt hat, werden durch das Rauchen einfach vergeudet! Dank für den Beistand der Kraft des Buddha! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und begrüße den Richter der Unterwelt ehrerbietig! Richter, heute möchte ich Sie etwas fragen: „Es geht um das Rauchen. In vielen Städten wird für Tabak geworben. In manchen etwas wohlhabenderen Städten ist es noch besser: Dort steht in der Werbung, dass Tabak Nikotin enthält und Rauchen der Gesundheit schadet, oder das Rauchen ist an öffentlichen Orten verboten. In manchen weniger entwickelten Städten dagegen stehen in Restaurants und Hotels Aschenbecher auf den Tischen, und überall sieht man Menschen rauchen. Stellt das Rauchen nach den Gesetzen der Unterwelt eine Verfehlung dar, und zieht es irgendeine Bestrafung nach sich?“ Der Richter sagte: „Rauchen hat überaus viele Nachteile, hundert Schäden und keinen einzigen Nutzen. Um es grob zu umreißen: Es schädigt unmittelbar die eigene Gesundheit, mindert Segnungen und Lebensspanne, lässt Vermögen schwinden, macht einen bei anderen unbeliebt, verursacht schlechten Mundgeruch, verdunkelt das Licht des Körpers, führt häufig zu verborgenen Erkrankungen und schwächt das aufrechte Qi. Außerdem verschmutzt es unmittelbar die Umwelt und schädigt die Gesundheit anderer. Bei Menschen, die den Buddha-Dharma studieren und praktizieren, entfernen sich die Dharma-Beschützer, und sie können nicht im Reinen Land wiedergeboren werden. E2 Nach den Gesetzen der Unterwelt zieht Rauchen bestimmte Strafen nach sich. Rauchende Menschen in der Menschenwelt mindern ihre eigenen Segnungen. Diese Minderung hat zwei Formen: Die erste besteht darin, die vielfältigen Funktionen sämtlicher innerer Organe des gegenwärtigen Körpers aus Fleisch und Blut zu beeinträchtigen. Zum Beispiel lassen die wichtigsten inneren Organe und Körperteile – Lunge, Leber, Gehirn, Augen, Nase, Bronchien sowie die großen und kleinen Arterien des Körpers und so weiter – durch das Rauchen rasch nach; darüber hinaus können verschiedene chronische Erkrankungen der inneren Organe entstehen. Bei solchen durch das Rauchen verursachten Krankheiten braucht man nur mit dem Rauchen aufzuhören, dann bessert sich die Krankheit allmählich. Auch die zuvor durch das Rauchen entstandene Minderung von Segnungen und Lebensspanne kann man durch Reue, das Ansammeln von Segnungen und dadurch ausgleichen, dass man andere ermutigt, mit dem Rauchen aufzuhören, und Ähnliches tut. E1 Die zweite Form besteht darin, das angeborene geistige Licht eines Menschen zu mindern. Die Auswirkungen dieser Minderung reichen weiter. Ein Mensch muss letztlich sein angeborenes Licht beständig stärken. Wird dieses angeborene Licht gemindert, wird sich das Leben eines jeden Menschen unweigerlich in Richtung Dunkelheit bewegen, und das bedeutet Leiden. Niemand möchte leiden; alle fühlenden Wesen wünschen sich Glück. Der Körper eines Rauchers wird ungesund, und Raucher leben kürzer als Nichtraucher. Rauchen bei Jungen und Mädchen führt zu Unfruchtbarkeit; insbesondere bei Mädchen führt es zu Störungen des Menstruationszyklus. Während der Menstruation treten dann verschiedene Beschwerden auf: Bauchschmerzen, Schmerzen im unteren Rücken und im Rücken, Kopfschmerzen, schlechte Stimmung, Kälte- und Hitzeempfindungen, Fieber und so weiter. Viele Menschen in der Menschenwelt halten dies für normal, doch tatsächlich wird all das durch das Rauchen verursacht. Wenn sie das Tabakgift aufgeben, wird sich ihre Menstruation gewiss bessern. Natürlich gibt es auch Fälle, die mit dem Rauchen überhaupt nichts zu tun haben. Die Menstruation von Frauen steht auch mit ihrem Karma aus früheren Leben in Verbindung. Bei einigen Frauen verläuft sie besonders: Sie rauchen nie, und dennoch ist gerade die Menstruation für sie eine Zeit äußerster Qual. Sie leiden unter schweren Menstruationsschmerzen, und wie oft sie auch ärztliche Hilfe suchen und Medikamente einnehmen, es bewirkt kaum etwas. Sie können nur warten, bis die schmerzhafte Menstruation jeden Monat von selbst vorübergeht. Dabei werden karmische Hindernisse auf qualvolle Weise abgetragen. Bei einer anderen Art hält die Menstruation über Monate und Jahre hinweg an. Diese Frauen leben ständig mit den vielfältigen Belastungen und Unannehmlichkeiten der Menstruation; das Blut fließt unaufhörlich langsam weiter, es tritt niemals eine Besserung ein, und auch ein Arztbesuch hilft nicht. E1 Die Menstruationsbeschwerden dieser beiden Gruppen von Frauen werden in diesem Leben durch die verbleibenden Folgen schweren Karmas aus Tötungstaten und sexuellem Fehlverhalten in früheren Leben verursacht. Diese Frauen müssen den Entschluss fassen, das Karma ihrer früheren Leben zu bereuen, und ihre innere Haltung ändern, um früheres Karma zu beseitigen. Zunächst müssen sie sich vegetarisch ernähren, den Namen des Buddha rezitieren, Gutes tun und Tugend ansammeln. Wenn sie zusätzlich ihre Ernährung auf die Bedürfnisse ihres Körpers abstimmen, können sie nach einiger Zeit allmählich wieder ins Gleichgewicht kommen. Frauen mit solchen Erkrankungen müssen zuerst den Entschluss fassen, das schlechte Karma früherer Leben zu beseitigen. Zur Kraft der Reue, mit der sie täglich das von ihnen früher geschaffene schlechte Karma bereuen, kommen die große Segenskraft der täglichen Rezitation des Buddha-Namens und die Kraft der Verdienste aus guten Taten und dem Ansammeln von Tugend hinzu. So vereinigen sich die Kraft der Reue, die Kraft des Buddha und die Kraft der Verdienste. Wenn sie das oben Gesagte jeden Tag beharrlich befolgen, können diese drei Kräfte ihre karmischen Hindernisse gewiss allmählich beseitigen und den normalen Zustand wiederherstellen. Wie lange es dauert, bis jemand wieder den normalen Zustand erreicht, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Weil das frühere Karma bei jedem anders ist, unterscheidet sich auch die Zeit, während der man die sichtbar gewordenen karmischen Folgen ertragen muss. Karmische Kräfte brauchen immer eine gewisse Zeit, in der die Wesen die vielfältigen körperlichen Leiden erfahren, bevor sie allmählich abgetragen werden können. Viele Menschen in der Menschenwelt können ihre vielfältigen Verstöße gegen die Gebote in früheren Leben nicht sehen. Sie sehen nur die gegenwärtigen karmischen Folgen in Form widriger Umstände und entwickeln deshalb viel Unzufriedenheit und Groll gegenüber den Menschen und Geschehnissen in ihrem Leben. Meist liegt dies daran, dass die Betroffenen Ursache und Wirkung über vergangene, gegenwärtige und künftige Leben hinweg nicht durchschauen. So entstehen in ihnen verschiedene Missverständnisse und falsche Ansichten. Auf diese Weise entwickeln sich auch Missverständnisse zwischen Menschen. Wenn ihr im Leben auf allerlei Widrigkeiten stoßt, solltet ihr zunächst die Hand aufs Herz legen und euch fragen, warum es bei anderen normal läuft und nur euch solche Widrigkeiten treffen. Hier treten eure eigenen karmischen Hindernisse zutage. Ihr müsst zuerst euer eigenes Karma bereuen und eure verschiedenen alltäglichen Verhaltensweisen berichtigen. Alles sollt ihr im Einklang mit den rechten Grundsätzen und dem Dharma tun. Selbst wenn eure Fähigkeiten nicht ausreichen: Solange ihr euer Bestes gebt, um gut zu handeln, ist dies im Sinne von Ursache und Wirkung dennoch vollständig und ohne Mangel. Die Gesetze von Ursache und Wirkung in der Unterwelt sind immer gerecht und streng. Wenn eine schwangere Frau raucht, mindert dies die angeborene Immunabwehr des Fötus, beeinträchtigt die normale Entwicklung seines Gehirns und wirkt sich auch unmittelbar auf die verschiedenen Funktionen seiner inneren Organe aus. Kinder rauchender Schwangerer haben eine schwache Immunabwehr und werden leicht krank, erkälten sich und bekommen Fieber. Ihre Atemwege sind schwach, sodass sie leicht husten. Auch ihr Temperament ist schlecht; beim Lernen können sie sich nicht ausreichend konzentrieren und lassen sich leicht ablenken. Solange sich ein Lebewesen im Mutterleib befindet, ist dies die Phase, in der seine angeborenen Grundlagen aufgebaut werden – also die Phase, in der die angeborenen Grundlagen des leiblichen Körpers eines Menschen für sein nächstes Leben entstehen. Noch bevor jemand in den Mutterleib eintritt, steht bereits fest, wie reich seine Segnungen im nächsten Leben sein werden. Obwohl dies vorherbestimmtes, festgelegtes Karma ist, lassen sich die später erworbenen guten und schlechten Verhaltensweisen und Gewohnheiten ändern; man kann also weiterhin aufsteigen oder absinken. Die zehn Monate, in denen eine Mutter ihr Kind im Leib trägt, sind überaus wichtig. Raucht die Mutter während der Schwangerschaft, weist der Fötus bereits angeborene Mängel auf. Wie groß diese Mängel sind, hängt davon ab, wie häufig die Schwangere raucht. Hat sie bei der vorgeburtlichen Erziehung gute Gedanken und verhält sie sich gut, schafft sie für die kommenden Jahrzehnte im Leben des Kindes eine gute angeborene Grundlage. Wesen, die durch ihre karmische Verbindung diesen Artikel zu lesen bekommen, besitzen durchaus Segnungen. Ich hoffe, dass ihr ihn weiterverbreitet und einander davon erzählt. E3 Wenn eine Schwangere während der zehn Monate der Schwangerschaft einen reinen, enthaltsamen Lebenswandel wahrt, also auch auf erlaubten Geschlechtsverkehr verzichtet, nicht raucht und keinen Alkohol trinkt, sich rein vegetarisch ernährt, den Namen des Buddha rezitiert und eine friedliche Gemütsverfassung bewahrt, ist dies für die Entwicklung des Kopfes und der verschiedenen inneren Organe des Fötus sowie für die spätere Entwicklung seines Charakters von größtem Nutzen und eine große Hilfe. Zwar enthalten vegetarische Lebensmittel in der heutigen Menschenwelt Pestizide, doch sind sie den vielfältigen Nachteilen des Fleischverzehrs immer noch vorzuziehen; außerdem vermeidet man dadurch, schlechte karmische Verbindungen mit anderen Wesen einzugehen. Über die Vorteile vegetarischer Ernährung werde ich hier nicht weiter sprechen. In der Menschenwelt gibt es viele Bücher über ihre verschiedenen Vorzüge, die man zu Rate ziehen kann. Ein vegetarisch ernährter Fötus wird auch als ‚schon im Mutterleib vegetarisch‘ bezeichnet. Die Weisheit eines schon im Mutterleib vegetarisch ernährten Kindes übertrifft gewiss die eines Fötus, der mit Fleisch ernährt wurde. Sein Körper wird gesünder sein, und außerdem lässt sich sein gutes angeborenes geistiges Licht bewahren. Dieser Punkt ist sehr wichtig. E1 Das angeborene Licht jedes Menschen wird nach seiner Geburt in der Menschenwelt nach und nach verunreinigt. Wenn das Rauchen einer Schwangeren beim Fötus zu angeborenen Mängeln führt, werden nach seiner Geburt mehr Zeit und verschiedene andere Ursachen und Bedingungen nötig sein, um diese angeborenen Mängel auszugleichen. Raucher mindern nicht nur ihre eigenen Segnungen und ihre Lebensspanne. Wenn sie über längere Zeit bestimmte Nichtraucher in ihrer Umgebung dazu bringen, ihren Tabakrauch unmittelbar mit einzuatmen, müssen ihre Segnungen zusätzlich gemindert werden. Denn sie schädigen unmittelbar die Gesundheit anderer und begehen damit Handlungen, die anderen schaden, ihnen selbst keinen Nutzen bringen und ihre Segnungen mindern. Jeden Menschen begleiten die mitgeborenen Gottheiten für das weiße, gute und das schwarze, schlechte Karma. Bei jeder Zigarette, die ein Raucher raucht, verzeichnet die für das schwarze Karma zuständige Gottheit sofort: eine Zigarette allein geraucht. Sobald sich dies zu einer Packung summiert hat, wird eine einmalige Minderung der Segnungen vermerkt. Diese Minderung äußert sich beispielsweise darin, dass man bei seinen Tätigkeiten auf verschiedene Hindernisse stößt, und dergleichen. Bei zwei oder mehr Packungen werden die Hindernisse größer. Sind beim Rauchen andere Menschen anwesend, wird die Minderung der Segnungen verstärkt. Dann kommt es beispielsweise zu schlechten zwischenmenschlichen Beziehungen, plötzlichen Beschimpfungen und ähnlichen zwischenmenschlichen Vorfällen. Bei langjährigen Rauchern wird neben den Segnungen auch die Lebensspanne gemindert. Wenn einem Raucher ursprünglich bestimmt war, in diesem Jahr eine Gehaltserhöhung zu bekommen, wird diese Segnung gestrichen. Oder nehmen wir einen Geschäftsmann: Eigentlich lief alles zu seiner Zufriedenheit, und er hätte eine bestimmte Summe verdienen können. Doch gerade im entscheidenden Augenblick tritt ein Problem auf, sodass er das Geschäft nicht abschließen kann, und Ähnliches. Das angeborene geistige Licht langjähriger Raucher wird allmählich schwinden. Am Ende ihres Lebens können sie nicht auf einem guten Daseinsweg wiedergeboren werden, sondern nur hinabstürzen, weil alles Licht ihres Körpers vom Rauch verdeckt ist.“ Ich sagte: „Richter! Ich möchte Sie etwas fragen: Mein Großvater väterlicherseits hat ebenfalls viele Jahre lang geraucht, und doch wurde er 92 Jahre alt! Das ist zum Schutzschild geworden, mit dem mein Vater meine Versuche abwehrt, ihn zum Aufhören zu bewegen!“ Der Richter sagte: „Ayu, Ihr Großvater war in seinem früheren Leben ein guter Mensch. Er hatte einige Segnungen angesammelt: ein langes Leben, zahlreiche Nachkommen und ein Haus voller Kinder und Enkel. In diesem Leben hätte seine Lebensspanne 102 Jahre betragen sollen. Leider wurden ihm durch das Rauchen bereits zehn Jahre davon abgezogen. Ihr Großvater war von vornherein ein Mensch, dem ein langes Leben bestimmt war. Die 92 Jahre waren bereits seine verkürzte Lebensspanne. Er starb, weil seine Lungenfunktion stark nachgelassen hatte, er hustete und verhungerte, bis sein Atem erlosch. Dass Ihr Großvater vorzeitig aus dem Leben schied, lag jedoch nicht ausschließlich an der Verkürzung durch das Rauchen. Ein weiterer Grund hatte mit der Frau Ihres jüngeren Onkels väterlicherseits zu tun: Als Ihr Großvater 90 Jahre alt war und Ihre Großmutter gestorben war, gab es niemanden, der sich persönlich um ihn kümmerte. Ihre Tante misshandelte ihn, gab ihm im Alltag häufig nichts zu essen und beschimpfte ihn mit bösen Worten. Sie hatte ursprünglich nachdrücklich verlangt, Ihren Großvater zu betreuen, einzig mit dem Ziel, sich mit aller Kraft sein Vermögen anzueignen. Sie verstand Ursache und Wirkung nicht und glaubte, damit erfolgreich gewesen zu sein. Ihr Großvater hingegen entschied sich, um den Frieden in der Familie zu bewahren, alles allein zu ertragen und niemandem etwas zu sagen, bis er einsam starb. Eine weitere tatsächliche Todesursache Ihres Großvaters war das Verhungern. In dieser Angelegenheit trug er nicht nur Karma ab, sondern sammelte auch einige Segnungen. Deshalb konnte Ihr Großvater später, kurz nachdem Sie, Ayu, begonnen hatten, die Lehre des Buddha zu studieren, durch ein wenig Rezitation des Buddha-Namens in die Himmelswelt hinübergeleitet werden. Dies war die gute karmische Frucht davon, dass er vor seinem Tod alles ohne ein Wort der Klage ertragen und dadurch einen Teil seines Karmas abgetragen hatte. Ihre Tante dagegen säte sehr schweres schlechtes Karma. Wegen eines derart schweren Verstoßes gegen die kindliche Pietät wird ihr einziger, über alles geliebter, braver Sohn sie in sechs Jahren verlassen. Damit sind ihre karmischen Folgen noch nicht erschöpft: Danach wird die Tochter Ihrer Tante ihr das gesamte Vermögen wegnehmen und sich ihr gegenüber ebenso pietätlos verhalten. Ihre Tante wird unter Schmerzen an einer Krankheit sterben. Wie es heißt: Gutes und Böses finden am Ende immer ihre Vergeltung; Ursache und Wirkung sind gerecht – wen ließen sie ungeschoren?! Ich als Richter ermahne die Menschen der Welt: Handelt niemals gegen euer Gewissen. Alles, was ein Mensch tut, wird von den Behörden der Unterwelt aktenkundig gemacht. Wer viel Unrecht begeht, wird unweigerlich vom Himmel bestraft; wer aufrichtig Gutes tut, dem wird der Himmel gewiss Segnungen schenken. Behaltet meine Worte im Gedächtnis.“ Ich sagte: „Was Sie mir sagen, Richter, überrascht mich wirklich sehr. Ein stechender Schmerz und Traurigkeit durchziehen mein Herz. Tatsächlich war die Lungenfunktion meines Großvaters damals stark zurückgegangen; er hustete, sein Atem setzte aus, und er starb. Was sein Vermögen betrifft, habe ich von Vater und Mutter ebenfalls gehört, dass meine Tante alles an sich genommen hat. Das hat meine Eltern auch etwas gekränkt. Dass er verhungert ist – jetzt erinnere ich mich! Kein Wunder, dass Großvater bei jedem meiner Besuche das Essen, das ich ihm mitbrachte, immer hastig aufaß. Meine Tante sagte damals nur, von allen in der Familie, ob groß oder klein, wüsste ich am besten einzukaufen. Das Essen, das ich kaufte, schmecke Großvater am besten; man merke eben, dass er mich großgezogen habe. Damals freute ich mich sogar darüber, als ich das hörte. Wie wenig Weisheit ich doch hatte! Außerdem fällt mir ein, dass meine Tante mir bei jedem Besuch bei Großvater ständig folgte. Damals dachte ich noch, beim nächsten Besuch würde ich mehr von den Lebensmitteln mitbringen, die er gern aß. Weil ich auswärts arbeitete, kam ich nur alle sechs Monate einmal in meinen Heimatort zurück. Als ich das nächste Mal zurückkam, war Großvater bereits … Wie traurig ich bin!!!“ Der Richter sagte: „Karma! Nichts lässt sich von Ursache und Wirkung trennen! Die Gesetze der Unterwelt beurteilen keinen der unzähligen, noch so kompliziert verflochtenen Zusammenhänge von Ursache und Wirkung falsch. Wie die Ursache, so die Frucht. Ihr Großvater musste die karmischen Folgen seines Rauchens tragen. Durch sein langjähriges Rauchen wurde die Lunge Ihrer Großmutter geschädigt. Sie starb, weil ihre Lungenfunktion nachgelassen hatte, sie hustete und Schleim im Hals stecken blieb, der nicht herauskam und die Atmung behinderte, sodass sie keinen weiteren Atemzug mehr tun konnte. Auch dafür muss Ihr Großvater einen Teil der karmischen Verantwortung tragen. Zugleich erwarb er durch das Üben von Geduld und Duldsamkeit die entsprechenden Verdienste. Niemand sollte rauchen. Rauchen beeinträchtigt unser normales Denken, und wer ein Schüler des Buddha ist, muss unbedingt damit aufhören. Rauchen fällt unter das Gebot, keinen Alkohol zu trinken, eines der fünf Gebote. Als der Buddha damals die fünf Gebote für Laien festlegte, sagte er nach den heute maßgeblichen Sutren zwar nicht unmittelbar, dass man nicht rauchen dürfe, sondern lehrte nur, dass man keinen Alkohol trinken dürfe. Alkohol jedoch betäubt unser Nervensystem, beeinträchtigt das normale Denken der Menschen und ihre spirituelle Praxis, bringt Wesen dazu, Böses zu tun, und führt sie schließlich in die Hölle. Außer zur äußeren Anwendung bei der Behandlung von Krankheiten oder wenn bei einer lebensbedrohlichen schweren Erkrankung ein Medikament unbedingt mit Alkohol vermischt eingenommen werden muss und es keinen Ersatz gibt, darf man keinen einzigen Tropfen Alkohol zu sich nehmen. Täuscht weder euch selbst noch andere, indem ihr meint, Alkohol zu trinken sei keine Verfehlung, solange man nicht betrunken wird. Deshalb ist der eigentliche Zweck dieses fünften Gebots, keinen Alkohol zu trinken, folgender: Man muss auf alle zum Konsum bestimmten Mittel verzichten, die betäuben und unser normales menschliches Denken beeinträchtigen. Es geht nicht nur um Alkohol. Wissenschaft und Technik in der heutigen Gesellschaft verändern sich ständig. Künftig werden in der Menschenwelt noch allerlei neue Produkte hergestellt werden, die Alkohol oder Tabak ähneln. Auf sämtliche zum Konsum bestimmten Mittel, die betäubend wirken und das normale Denken beeinträchtigen, muss man verzichten. Ich hoffe, dass ihr euch gewissenhaft daran haltet. Andernfalls verstoßt ihr gegen die Gesetze der Unterwelt, mindert eure Segnungen und eure Lebensspanne, und am Ende seid ihr selbst es, die leiden! Gut! Ayu, damit wollen wir unser Gespräch über das Rauchen für heute beenden. Kehren Sie jetzt erst einmal zurück! Sie sind beim nächsten Mal wieder willkommen!“ Ich sagte: „Mit zusammengelegten Handflächen danke ich Ihnen, Richter, dass Sie mir heute so viele karmische Zusammenhänge in meiner Familie erklärt haben, von denen niemand wusste. Das hat mir wirklich sehr viel gegeben!“ Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück! 12. Die Beförderung des Kaisers von Dongyue und die Katastrophen auf dem südlichen Kontinent Jambudvīpa Dank für den Beistand der Kraft des Buddha! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und begrüße den Richter der Unterwelt ehrerbietig! „Richter! Heute möchte ich Sie bitten, mich zu einem Besuch beim sagenumwobenen Kaiser von Dongyue zu führen.“ Der Richter sagte: „Der heutige Kaiser von Dongyue ist ein König der Unterwelt unter der Führung Yanwangs, des obersten Herrschers der Unterwelt. Vor der Song-Dynastie hieß der Kaiser von Dongyue auch Kaiser von Fengdu und war der höchste Herrscher der Unterwelt. Sein Amt entsprach dem heutigen Amt des obersten Königs der Unterwelt. Heute dagegen ist der Kaiser von Dongyue einer der Könige der zwölf Gerichtshallen, die dem obersten König der Unterwelt unterstehen. Die Ämter wurden verändert. Denn die Höllen wurden ständig erweitert, und nach der Song-Dynastie erfolgte dieser Ausbau noch schneller als zuvor. Vom Jahr 1995 in der Menschenwelt an wurden die Höllen noch rascher ausgebaut. Inzwischen haben sie beinahe ihre Kapazitätsgrenze erreicht, weil es in der Menschenwelt wirklich viel, viel zu viele Menschen gibt, die Vergehen begehen! Ich weiß, dass manche Gläubige nach der Lektüre von ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ sich fragen, warum es in der Unterwelt einen Ausbau der Höllen und Veränderungen der Ämter geben kann. Bedenken Sie: Auch in der Menschenwelt können die Zahl öffentlicher Einrichtungen und die Zahl der dort Beschäftigten zu- oder abnehmen. In der Yin- und der Yang-Welt gelten im Grunde ganz ähnliche Prinzipien; selbst in der Himmelswelt ist es nicht anders. Ayu, folgen Sie mir!“ Der Richter sagte: „Um das 350. Jahr nach der Song-Dynastie begannen in der Menschenwelt die großen und kleinen Fälle erlittenen Unrechts ständig zuzunehmen, die ohne Klärung im Sande verliefen. Wenn die Seelen der Betroffenen in die Unterwelt zurückkehrten, mussten sie alle beim Kaiser von Dongyue Klage erheben. In seiner Gerichtshalle sammelten sich viele solcher Seelen, und auch der Kaiser war überaus beschäftigt. Daraufhin wurde in der Unterwelt eine große, weitläufige Residenz für den obersten König der Unterwelt errichtet. Damit änderte sich auch die Bezeichnung ‚Kaiser von Fengdu‘ zu ‚Yanwang, oberster Herrscher der Unterwelt‘. In der neu errichteten Residenz wurden die Wohn- und Amtsräume des obersten Königs der Unterwelt in einem Anwesen vereint. So konnte er die Unterwelt noch leichter verwalten. Die höchste Gerichtshalle der Unterwelt, die Sie, Ayu, beim letzten Mal besichtigt haben, wurde in jener Zeit hinzugebaut. Auch der Kaiser von Fengdu zog in die Residenz des obersten Königs der Unterwelt um, um dort zu wohnen und seine Amtsgeschäfte zu führen.9 Der heutige Kaiser von Dongyue wurde aus dem Amt des Königs Qinguang der ersten Gerichtshalle in diese Stellung befördert. König Qinguang der ersten Gerichtshalle war in der Menschenwelt ein gerechter und gütiger Herrscher gewesen und wurde am Ende seines Lebens zum König der ersten Gerichtshalle ernannt. Die Aufgaben des Kaisers von Dongyue ähneln denen des obersten Königs der Unterwelt. Allerdings bestehen manche Geistwesen, nachdem ihre Seelen in die Hölle zurückgekehrt sind, darauf, ihre Klage beim höchsten König der Unterwelt vorzubringen. Solche Geistwesen werden im Grunde alle der Gerichtshalle in der Residenz des obersten Königs der Unterwelt zugewiesen, damit er persönlich über sie urteilt. Tatsächlich ist dies eine Gewohnheit, die die Menschen aus der Menschenwelt mitbringen. Für alle, die in die Unterwelt kommen, gilt: Jeder ihrer Könige urteilt gerecht und streng. Alle Könige bearbeiten die verschiedenen Fälle nach den Gesetzen der Unterwelt und den Gegebenheiten von Ursache und Wirkung. Es gibt dabei nicht die geringste Bevorzugung von Verwandten oder Freunden. Alle entscheiden anhand des Vergehens eines schuldigen Geistes, in welche Hölle er verurteilt wird, und stellen je nach dem erlittenen Unrecht das entsprechende rechtmäßige Befehlszeichen der Unterwelt aus, mit dem ein Leben eingefordert werden darf.“ Wenn wir diese rund gewölbte Brücke überquert haben, ist das Amtsgebäude dahinter die Residenz des Kaisers von Dongyue. Die Atmosphäre eines Amtssitzes ist deutlich zu spüren. Schon hier an der Bogenbrücke patrouillieren unablässig Yakṣas hin und her. Als sie den Richter der Unterwelt sehen, grüßen sie ihn ehrerbietig. Unter seiner Führung brauche ich nicht selbst überall nach Wegweisern zu suchen; so geht es viel einfacher und schneller. In der Hölle bewegen wir uns tatsächlich sehr schnell fort, anders als in der Menschenwelt, wo man langsam einen Fuß vor den anderen auf den Boden setzt. Manchmal geht der Richter so schnell, dass auch ich mein Tempo erhöhen muss. Wir bewegen uns durch die Kraft des Geistes, ohne dass unsere Füße den Boden berühren. Die Hölle ist wirklich ungeheuer groß, und diesen Weg bin ich noch nie gegangen. Doch ich möchte mir die Wege der Hölle gar nicht einprägen. Ich wünsche den Wesen in der Hölle, dass sie bald den rechten Dharma hören und praktizieren und dass sie alle bald aufsteigen und dem Leiden der Hölle entkommen. Jetzt ist die Residenz des Kaisers von Dongyue zu sehen. Am Eingang stehen Yakṣas aufrecht vor den beiden roten Torflügeln und halten große Säbel als Waffen in den Händen. Nachdem sie den Richter lächelnd ehrerbietig begrüßt haben, öffnen sie das Tor und lassen uns selbst hineingehen. Drinnen begrüßt ein weiterer Geisterscherge den Richter ebenfalls lächelnd. Er führt uns durch einen kleinen Garten und einen Korridor zur Gerichtshalle. Offenbar ist der Richter mit den Yakṣas in der Residenz des Kaisers gut vertraut. Diese Gerichtshalle ist deutlich kleiner als die höchste Gerichtshalle des obersten Königs der Unterwelt. Hier wirkt alles noch altertümlicher. Das Gebäude hat ein großes rotes Eisentor im alten Stil; auch die Möbel und die gesamte Ausstattung im Inneren sind von altertümlicher Anmut. Die Gemälde an den Wänden zeigen ebenfalls Menschen aus alter Zeit. Unten an den Wänden zu beiden Seiten stehen einige alte Waffen. Gerade gegenüber dem Eingang hängt eine Tafel mit den vier Schriftzeichen für ‚Kaiser von Dongyue‘. Dort sitzt ein König der Unterwelt; das muss wohl der Kaiser von Dongyue sein. Er trägt das Gewand eines Königs der Unterwelt, hat ein graues Gesicht und eine Krone auf dem Kopf. Aus seinen Augen strahlt schwarzes Licht. Ah! Wieder ein König der Unterwelt mit einem überaus ernsten und etwas furchteinflößenden Gesicht! Auch auf seinem Schreibtisch stehen die vier Schriftzeichen für ‚Kaiser von Dongyue‘. „Ich, Shangguan Yuhua, eine einfache Frau aus dem Volk, werfe mich ehrerbietig vor dem Kaiser von Dongyue nieder!“ Der Kaiser von Dongyue sagt: „Shangguan Yuhua, lassen Sie die Förmlichkeiten! Seien Sie willkommen! Welche Fragen Sie auch haben, sprechen Sie sie ruhig offen aus!“ Ayu: „Ja, erhabener Kaiser und König der Unterwelt! Ich, eine einfache Frau aus dem Volk, möchte Euch einige Fragen stellen: Erstens habe ich gehört, dass die Hölle bereits voll ist. Wenn sich sexuelles Fehlverhalten unter den Lebenden weiter ausbreitet und die Hölle bereits überfüllt ist, es also für diejenigen, die sexuelles Fehlverhalten begangen haben, keine neue Hölle gibt, der man sie zuweisen kann: Bedeutet das, dass ihnen nach dem Ende ihres Lebens die Höllenstrafen vorübergehend erspart bleiben, bis wieder Platz vorhanden ist? Oder werden die Wesen, die sich jetzt in der Hölle befinden, vorzeitig freigelassen, um Platz für die Bestrafung neuer schuldiger Geister zu schaffen? Zweitens werden den Menschen, die bereits viele Vergehen sexuellen Fehlverhaltens begangen haben, nach den Gesetzen der Unterwelt sowohl Segnungen als auch Lebenszeit gekürzt. Welche Möglichkeit gibt es, Wesen, die solches Fehlverhalten bereits begangen haben, vollständig von der Schuld zu befreien, die sie am Ende ihres Lebens in die Hölle stürzen lässt? Drittens: Wie kann man sexuelles Fehlverhalten vollständig ablegen?“ Der Kaiser von Dongyue sagt: „Ach! Eine gewaltige Strömung der Energie sexuellen Fehlverhaltens aus der Menschenwelt ist bereits bis über die Wolken zur großen Halle des Himmlischen Kaisers emporgeschossen. Sexuelles Fehlverhalten hat das Gleichgewicht des aufrechten Qi in der Natur schon schwer gestört. Wenn die Menschenwelt dieses natürliche Gleichgewicht weiter verliert, werden allerlei Naturkatastrophen eintreten. Zum Beispiel wird das Klima unbeständig, sodass es sich innerhalb eines Augenblicks auf vielerlei Weise verändern kann: Gerade scheint noch die Sonne, dann regnet es plötzlich. Die Temperaturen können an einem einzigen Tag außerordentlich stark schwanken, sodass man an einem Tag Frühling, Sommer, Herbst und Winter zu erleben meint. Die Tsunamis, Überschwemmungen, Brände, Erdbeben und die verschiedenen großen Epidemien in der Menschenwelt sind eine Mahnung. Ayu! Überlegen Sie doch einmal, weshalb all diese traurigen Ereignisse auf der Erde, dem südlichen Kontinent Jambudvīpa, geschehen. Gewiss gibt es dafür Ursachen im gemeinschaftlichen Karma, das die Menschen durch ihr späteres Handeln geschaffen haben. Deshalb hoffe ich, dass das Buch ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ die verblendeten Herzen in der Menschenwelt möglichst bald aufrütteln kann: Das Buch soll die Herzen retten, den gesellschaftlichen Umgang zum Guten wenden und die vielen Wesen dazu bringen, sich anständig zu verhalten und die sittlichen Pflichten der fünf grundlegenden menschlichen Beziehungen zu wahren. So sollen die verschiedenen Katastrophen abgewendet werden, die die Energie sexuellen Fehlverhaltens über die Menschenwelt bringt. Auch die überfüllten Höllen könnten dadurch entlastet werden, und die Menschenwelt müsste nicht in kurzen Abständen immer wieder große Katastrophen erleiden. Wenn die heutige Flut verschiedener Formen sexuellen Fehlverhaltens in der Menschenwelt anhält, werden schon bald große Katastrophen über sie hereinbrechen, allumfassend und eine nach der anderen. Alle Wesen, die sexuelles Fehlverhalten oder andere Vergehen begehen, werden dem unerbittlichen, lückenlosen Himmelsnetz der Gesetze der Unterwelt mit Sicherheit nicht entkommen. Bei den großen Katastrophen werden sie alle restlos von diesem unerbittlichen, lückenlosen Himmelsnetz erfasst werden und hinabstürzen, um unermessliche und grenzenlose Höllenstrafen zu erleiden. Auch wenn diese Hölle der Unterwelt bereits voll ist, wird die Unterwelt anderswo Plätze suchen lassen und dort weitere neue Höllen errichten. Selbst wenn diese Hölle vollständig zerfällt, werden wir die schuldigen Geister, deren Schuldkarma noch nicht erschöpft ist, in andere Höllen weiterleiten, damit sie dort ihre Strafe weiter erleiden. Erst wenn ihr gesamtes Schuldkarma vollständig getilgt ist, dürfen sie die Hölle verlassen. Für Wesen in der Hölle gibt es nur zwei Gründe, aus denen sie diese verlassen können. Der erste ist, dass die Dauer ihres eigenen Höllen-Schuldkarmas abgelaufen, also die Vergeltung für das zur Hölle führende schlechte Karma vollständig erschöpft ist. Erst dann können sie entsprechend den verbleibenden karmischen Folgen der Hölle nach und nach in einer entsprechenden Daseinsform wiedergeboren werden. In der Unterwelt gibt es auch eine Versammlungshalle für die mitfühlenden Unterweisungen des Bodhisattva Kṣitigarbha. Wenn in einer der großen Höllen ein Geistwesen auch nur einen einzigen aufrichtigen Gedanken wahrer Reue fasst, kann ein Yakṣa es dorthin führen, damit es die mitfühlenden Unterweisungen Kṣitigarbhas hört. So empfängt es den Beistand des Buddha, seine guten Wurzeln werden geweckt, und es kann in einen guten Daseinsbereich aufsteigen. Am erschreckendsten ist es, wenn die Wesen keinen Entschluss fassen, ihre früheren falschen Handlungen zu bereuen, sondern in ihrer Verblendung verharren, sich immer weiter in den Abstieg und das Leiden verstricken und ihr verschiedenartiges Schuldkarma sogar fortwährend vertiefen. Ein einziger von Herzen kommender Gedanke aufrichtiger Reue genügt, um unermessliches und grenzenloses Schuldkarma aufzulösen. Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt halten niemals ein fühlendes Wesen, das seine Verfehlungen aufrichtig bereut, erbarmungslos fest. Die meisten, die aus der Hölle herauskommen, werden im Tierreich als vergleichsweise niedrig stehende, kleine Wesen mit einfachem Denkvermögen wiedergeboren. Selbst wenn sie in der Menschenwelt wiedergeboren werden, besitzen sie nur geringe Segnungen, haben nicht alle fünf Sinnesvermögen vollständig oder erleiden Ähnliches. Der zweite Grund ist, dass jemand das Glück hat, von seinen Angehörigen in der Menschenwelt durch kraftvolle Erlösungsbemühungen emporgehoben zu werden; auch dann kann er die Hölle verlassen. Dass die Erlösungsbemühungen lebender Angehöriger die entsprechende Wirkung entfalten, ist verhältnismäßig schwierig, denn diese Erlösung hängt von den Bedingungen und Verbindungen ab, die durch die Kraft anderer zustande kommen. In der Unterwelt gibt es viele Aufzeichnungen darüber, dass schuldige Geister durch die Erlösungsbemühungen ihrer lebenden Angehörigen erfolgreich in gute Daseinsbereiche aufgestiegen sind. Manche wurden sogar in die Himmelswelt oder in das Reine Land im Westen emporgehoben. Doch auch das geschieht nicht zufällig. Diese schuldigen Geister hatten in früheren Leben, bevor sie in die Hölle stürzten, einige entsprechende Segnungen angesammelt. Sie wurden nicht unvermittelt erlöst; es müssen gute Ursachen und Bedingungen dazu geführt haben. Deshalb müssen alle Wesen die Zeit nutzen, in der ihre fünf Sinnesorgane noch vollständig und ihre Körper gesund sind: Sie sollen viele gute Taten tun, dem Gemeinwohl dienen und die Gesetze einhalten, die Gebote wahren, Verdienste ansammeln und so ihre eigenen segensreichen karmischen Früchte vermehren. Keinesfalls dürfen sie ihren gesunden Körper für allerlei Verstöße gegen die Gebote einsetzen, die sie in die Hölle stürzen lassen. Wer einmal in die Hölle gestürzt ist, wird unermessliches, grenzenloses Leid erfahren, ohne einen Tag der Entlassung in Aussicht zu haben. Für Wesen, die sexuelles Fehlverhalten begangen oder bereits schlechtes Karma geschaffen haben, das zur Hölle führt, gilt: Wo es eine Ursache gibt, gibt es auch eine Frucht. Wer solches schlechtes Karma geschaffen hat, muss in Zukunft unweigerlich die karmischen Folgen in der Hölle tragen. Um diese Folgen nicht erleiden zu müssen, muss man, bevor sie sich zeigen, sämtliche unterstützenden Bedingungen ausschließen, die sie zur Reife bringen könnten. Wer noch in diesem Leben vollständig verhindern möchte, wegen sexuellen Fehlverhaltens in die Hölle zu stürzen, hat nur eine Möglichkeit: jede Form sexuellen Fehlverhaltens restlos abzulegen. Zuerst muss man die eigenen Gedanken streng lenken und zügeln. Man darf keinesfalls nachlässig zulassen, dass auch nur der feinste Gedanke an sexuelles Fehlverhalten im eigenen Herzen aufkommt; nicht ein einziger ist erlaubt. Selbst wenn nur ein ganz feiner solcher Gedanke aufsteigt, muss man ihn sofort bereuen und unverzüglich einen uneingeschränkten Entschluss fassen, ihn künftig nicht wieder aufkommen zu lassen. Außerdem soll man die Lebenden unablässig dazu anhalten, voneinander ausgehend immer weitere Menschen zu ermahnen, kein sexuelles Fehlverhalten zu begehen. Dieser innere Entschluss ist sehr wichtig. Wesen, die durch günstige Fügung diesen Text lesen und wirklich entschlossen sind, sexuelles Fehlverhalten vollständig zu beenden, dabei aber immer wieder scheitern, können am ersten und am fünfzehnten Tag jedes Mondmonats vor dem Himmel schwören, von nun an in keinem ihrer künftigen Leben sexuelles Fehlverhalten zu begehen. Sie sollen das erbauliche Buch ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ weiterempfehlen und seinen Druck unterstützen. Auch im Alltag sollen sie streng darauf achten, jede Rede und jedes Verhalten im Zusammenhang mit sexuellem Fehlverhalten zu unterbinden. Sie sollen vegetarisch leben und keine Speisen essen, die das Begehren steigern. So steigern etwa gegarte Frühlingszwiebeln und Knoblauch das Begehren. Auch Heilmittel mit einer solchen Wirkung, beispielsweise Baji, sollen sie möglichst wenig verwenden. Das Begehren der Tiere ist stärker als das der Menschen. Deshalb soll man keine Nahrungsmittel tierischen Ursprungs zu sich nehmen: Sie beeinträchtigen nicht nur die Selbstbeherrschung, sondern man lädt damit auch eine Lebensschuld auf sich. Auch Alkohol soll man nicht zu sich nehmen, denn er beeinträchtigt ebenfalls die Selbstbeherrschung. Mit Augen und Ohren soll man keinerlei pornografische Veröffentlichungen ansehen oder anhören, die das Begehren aufwühlen. Im Alltag soll man sich unablässig und mit Eifer in der Buddha-Lehre üben, den Entschluss fassen, den rechten Dharma zu verbreiten und zu schützen, und das Schuldkarma früheren sexuellen Fehlverhaltens aufrichtig bereuen. Es ist sehr wichtig, von Herzen den Entschluss zu fassen, sexuelles Fehlverhalten vollständig abzulegen. Wer wirklich erreicht, dass ‚der schuldhafte Geist erlischt und die Schuld schwindet, bis beide leer sind‘, braucht das schlechte Karma der Hölle nicht mehr zu fürchten. Auch das Rezitieren des heiligen Namens ‚Namo Avalokiteśvara Bodhisattva‘ kann sexuelles Fehlverhalten allmählich beseitigen. Wer den heiligen Namen des Bodhisattvas täglich aufrichtig rezitiert, wird gewiss dessen unsichtbaren, mitfühlenden Beistand empfangen und das Schuldkarma sexuellen Fehlverhaltens vermindern, das zum Sturz in die Hölle führt. Wesen, die einen Schwur abgelegt haben und ihn danach streng einhalten, werden von dem schlechten Karma befreit, das sie am Ende ihres Lebens in die Hölle stürzen ließe, und können in einem guten Daseinsbereich wiedergeboren werden. In welchem Umfang die Höllenstrafen tatsächlich vermindert werden, wird letztlich nach der Kraft entschieden, mit der das fühlende Wesen den Entschluss zur Reue fasst.“ „Shangguan Yuhua! Haben Sie noch weitere Fragen?“ „Im Augenblick nicht. Ich danke Euch sehr für Eure Antworten, erhabener Kaiser. Ich werfe mich ehrerbietig nieder und nehme meinen Abschied!“ Ich, Ayu, werfe mich ehrerbietig vor dem Kaiser von Dongyue, dem Richter der Unterwelt und allen Beamten nieder! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück! 13. Tudigong, die rechtmäßige Gottheit des Segens und der Tugend Dank für den Beistand der Kraft des Buddha! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! Amitābha! Ich, Ayu, werfe mich ehrerbietig vor dem Richter der Unterwelt nieder! Heute möchte ich den Richter fragen: Was ist mit den Tudigong in den Erdgotttempeln, die die Menschen verehren? Sind sie Himmelsgötter oder Erdgottheiten? Werden sie vom Himmel entsandt, oder handelt es sich nur um Geistwesen, die sich dort angeheftet haben? Welche Aufgaben und welchen Zuständigkeitsbereich haben sie? Und worin unterscheiden sich die Tudigong im Inneren der einzelnen Häuser von denen an den Hauseingängen? Der Richter sagt: „Die Tudigong in den Erdgotttempeln sind Gottheiten, die Segnungen und Verdienste besitzen. Sie gehören zu den rechtmäßigen Gottheiten des Segens und der Tugend und dürfen die Weihrauchopfer empfangen, die die Lebenden bei ihrer Verehrung darbringen. Sie werden vom Himmel eingesetzt. Unter diesen Gottheiten gibt es Unterschiede im Ausmaß ihrer Segnungen und Verdienste. Ein Tudigong mit großen Segnungen und Verdiensten verwaltet ein größeres Gebiet. So sind manche Tudigong auf dem Land für ein ganzes Dorf zuständig; in Städten wird die Verwaltung dagegen auf mehrere Tudigong verteilt. Für diese bedeutenden Tudigong eines Gebietes errichten die Lebenden einen kleinen Erdgotttempel. Ein Tudigong mit einem solchen Zuständigkeitsgebiet verwaltet die Segnungen und Verdienste der dortigen Wesen und wacht darüber, dass sie sicher ein- und ausgehen. Sobald jemand geboren wird oder stirbt, schickt die Unterwelt dem Tudigong eine Mitteilung. Auch wenn jemand aus dem Gebiet fortzieht, für das er zuständig ist, erhält der Tudigong einen entsprechenden Eintrag. Die Aufgabe eines Tudigong besteht darin, für Sicherheit und Ordnung in der Wohnumgebung der fühlenden Wesen zu sorgen. Wenn etwa böse Geistwesen, Götter oder Geister in sein Zuständigkeitsgebiet eindringen wollen, kümmert er sich angemessen darum und erfüllt so seine Aufgabe, die Sicherheit der Lebenden zu schützen. Alle Tudigong waren zu ihren Lebzeiten in der Menschenwelt Menschen, die anderen gern halfen und einen Sinn für Gerechtigkeit hatten. Nach dem Ende ihres Lebens wurden sie als Tudigong eingesetzt und empfangen die Weihrauchopfer der Menschenwelt. Diese Tudigong mit ihren vergleichsweise großen Segnungen und Verdiensten sind würdig, die öffentliche Verehrung und die Opfergaben zu empfangen. Die Tudigong im Inneren der einzelnen Häuser und an deren Eingängen sind hingegen rechtschaffene Geister mit etwas geringeren Segnungen und Verdiensten. Die Lebenden stellen dort selbst eine Tafel für einen Tudigong auf und verehren sie; deshalb nennen sie diese Wesen Tudigong des Hauses oder Tudigong des Hauseingangs. Tatsächlich handelt es sich um Geister, die schon immer in dem Haus wohnen und länger leben als Menschen. Wenn keine Menschen in das Haus einziehen, erhalten die Geister keinerlei Opfergaben. Bringen die Lebenden ihnen Opfer dar, erweisen sich die Geister erkenntlich und schützen ganz von selbst das sichere Ein- und Ausgehen. Heutzutage kaufen und verkaufen die Lebenden häufig Häuser. Die Geister ziehen nicht mit den Menschen fort. Es wechselt lediglich der Besitzer des Hauses in der Menschenwelt; diese Geister sind keine vom Himmel entsandten Tudigong. Vom Himmel entsandt werden die Tudigong eines Gebietes, die der Einkaufszentren und die der großen Gebäude, also etwa eines der heutigen Wohnhochhäuser. Am Eingang solcher Gebäude befindet sich ein Tudigong, den die Unterwelt entsandt hat. Diese Tudigong unterstehen dem Tudigong des jeweiligen Gebietes. Auch die Tudigong vor Einkaufszentren und Geschäften werden von der Unterwelt entsandt. Denn dort kommen mehr Menschen zusammen, und Einkaufszentren und Geschäfte brauchen Tudigong mit vergleichsweise großen Segnungen und Verdiensten, die die Weihrauchopfer empfangen können. Gut, Ayu, für heute soll es genug sein. Kehren Sie erst einmal zurück.“ Amitābha! Ich, Ayu, werfe mich ehrerbietig vor dem Richter der Unterwelt nieder! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück. Bevor ich nach Hause gehe, begrüße ich noch den Tudigong, der für das nahe gelegene Gebiet zuständig ist. Ich sage: „Amitābha! Guten Abend, Großvater Tudigong!“ Großvater Tudigong sagt: „Ayu! Es ist schon so spät. Gehen Sie rasch nach Hause und passen Sie auf sich auf!“ Ich sage: „Vielen Dank, Großvater Tudigong. Wird Ihnen nicht langweilig, wenn Sie jeden Tag hier sitzen?“ Großvater Tudigong sagt: „Ich habe heute viel mehr zu tun als früher!“ Ich sage: „Als ich vor einiger Zeit hier vorbeikam, habe ich Sie doch gar nicht hier sitzen sehen?“ Großvater Tudigong sagt: „Mit früher meine ich die Zeit, bevor Sie, Ayu, geboren waren: vor 150 Jahren. Damals hatte ich nicht so viel zu tun wie heute. Das Gefühlsleben der Menschen ist heute kompliziert und voller Probleme. Auch die verschiedensten Angelegenheiten rund um Krankheit, Tod und Geburt sind deutlich mehr geworden als früher.“ Ich sage: „Großvater Tudigong! Wenn Menschen krank sind, lassen sie sich behandeln; nach dem Tod werden sie eingeäschert, und zur Geburt geht man ins Krankenhaus. Damit braucht man Sie doch nicht zu bemühen. Wieso macht Ihnen das so viel Arbeit?“ Großvater Tudigong sagt: „Ayu, Sie wissen es nicht: Ich bin dafür zuständig, dass die Wesen in der Menschenwelt sicher ein- und ausgehen. Wenn einem Wesen etwas bevorsteht, weiß ich es im Voraus. Manche Ereignisse gehen mit einer Zu- oder Abnahme der Segnungen einher. Um diese muss ich mich schon kümmern, bevor sie eintreten. Dafür müssen Zeiten und beteiligte Personen aufeinander abgestimmt werden. Jeder Mensch hat sein eigenes Licht, das vom Körper ausgeht, und jeder hat seine karmischen Gläubiger, ob einstige Feinde oder Nahestehende. Sehen Sie sich die Wesen auf der Straße an und achten Sie darauf, ob sie nicht alle verschieden sind.“ Gut! Ich sehe, dass jedem Wesen viele karmische Gläubiger, einstige Feinde oder Nahestehende, folgen, Reihe um Reihe. Einige sind überaus wütend! Manche schlagen einem Lebenden unaufhörlich auf den Kopf, und der Geschlagene spürt ständig Kopfschmerzen. Viele haben von den Körpern der Lebenden Besitz ergriffen. Manche reiben sich schon die Fäuste und Hände und bereiten sich darauf vor, Menschen zu schlagen oder zu kneifen. Da sehe ich einen Mann, von dem etwas weißes Licht ausgeht. Er besitzt etwas mehr aufrechtes Qi. Als er in eine dunkle, unbeleuchtete Gasse kommt, machen die Geister ihm Platz. Nachdem er vorbeigegangen ist, kehren sie in die Gasse zurück. So betrachtet gibt es tatsächlich Unterschiede. Großvater Tudigong sagt: „Hier gibt es seit einiger Zeit einen unverheirateten Mann, der sexuelles Fehlverhalten und Betrug begangen hat. Er hat eine Frau um ihre Gefühle und ihr Geld betrogen und sie mehrmals zu einer Abtreibung angestiftet. Auch diese Frau ist keineswegs rechtschaffen. In ihr ist bereits der Gedanke aufgekommen, ihn zu töten; sie plant, mit ihm gemeinsam in den Tod zu gehen. Doch die Segnungen dieses Mannes sind noch nicht erschöpft, und sein Leben soll noch nicht enden. In seinem vorherigen Leben war er ein Praktizierender, der die Gebote nicht rein eingehalten und sexuelles Fehlverhalten begangen hatte. In diesem Leben begeht er es erneut. Ich wende gerade einige Mittel an, um ihm zu helfen und ihn zu mahnen. In den letzten Tagen hat er selbst schon bemerkt, dass ihm manches nicht recht gelingt. Als er beispielsweise vor einigen Tagen Geld am Automaten abheben wollte, kam kein Geld heraus. Später konnte er zwar erfolgreich welches abheben, doch es ging nicht reibungslos. Obwohl er alle Schritte richtig ausführte, traten Probleme auf, für die die Menschen keine Erklärung finden konnten. Die Hilfe, die ich ihm diesmal gewähre, kann ihn allmählich zur Selbstbesinnung bringen. Das ist nur ein einziges Wesen. Jeden Tag gibt es viele ganz unterschiedliche Wesen und ebenso viele Ereignisse; deshalb habe ich natürlich sehr viel zu tun. Sie haben gerade selbst gesehen, dass die Geister manchen Wesen Platz machen. Tatsächlich helfe auch ich solchen Wesen. Wenn jemand wirklich zu stürzen droht, stütze ich ihn kurz oder helfe ihm so gut wie möglich, nicht hinzufallen. Der Lebende spürt meine Gegenwart jedoch nicht. Er denkt nur: Zum Glück bin ich nicht gestürzt! Fast wäre ich hingefallen, was für ein Glück! Dass er gerade noch einem Sturz entgangen ist, verdankt er in Wirklichkeit seinen eigenen Segnungen.“ Ich sage: „Sie geben sich so viel Mühe, Großvater Tudigong! Sie haben uns also die ganze Zeit im Hintergrund still geholfen; das erfahre ich, Ayu, erst heute. Ich bin Ihnen wirklich außerordentlich dankbar! Auf Wiedersehen, Großvater Tudigong!“ Ich, Ayu, lege die Handflächen aneinander! 14. Eine Lüge kann schwer oder leicht wiegen – Besuch in der Eishölle des Zungenausreißens und der Körperzertrümmerung Dank für den Beistand der Kraft des Buddha! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf! „Amitābha! Ich, Ayu, lege die Handflächen aneinander und werfe mich ehrerbietig vor dem Richter der Unterwelt nieder! Darf ich fragen, welche karmischen Folgen in der Hölle einen Lebenden erwarten, der lügt? Als Kind hörte ich meine Großmutter väterlicherseits sagen, dass man für Lügen in die Hölle käme und dort von Geistern geschlagen würde und dergleichen. Heute möchte ich Sie bitten, mich dorthin mitzunehmen und es mir zu zeigen.“ Der Richter sagt: „Über das Lügen ließe sich viel sagen. Heute werde ich es in groben Zügen erläutern. Tatsächlich kann eine Lüge sehr weitreichende Auswirkungen haben. Eine einzige Lüge kann das Leben eines Menschen oder sogar unzähliger Menschen gefährden. Lügen geht mit Gier, Hass und Verblendung einher. Wenn ein Lebender lügt, zieht er damit karmische Folgen in der Hölle auf sich. Beim Lügen kommt es vor allem darauf an, welche Gedanken und Absichten sich in dem Lebenden regen: Welchem der drei Gifte – Gier, Hass oder Verblendung – neigt sein Gedanke in dem Augenblick am stärksten zu, in dem er lügt? Bei manchen ist nur eines der drei Gifte vorhanden, beispielsweise allein Gier, ohne die anderen Bestandteile. Bei anderen ist es nur Hass oder nur Verblendung. Wieder andere tragen zwei oder alle drei Bestandteile in sich. Im Allgemeinen unterscheidet man zwei Arten: echte Lügen und scheinbare Lügen. Echte Lügen ziehen karmische Folgen auf unterschiedlichen Stufen der Hölle nach sich. Wie schwer diese Folgen ausfallen, richtet sich natürlich danach, wie groß der Schaden ist, den die betreffende Lüge anderen zufügt. Für scheinbare Lügen muss man dagegen keine karmischen Folgen in der Hölle erleiden; manche begründen sogar Verdienste. Was ist eine scheinbare Lüge? So nennt man eine Lüge, die ausschließlich dazu ausgesprochen wird, Wesen zu retten und zu erlösen, ohne auch nur die geringste Spur von Selbstsucht oder Eigennutz. Es gibt noch eine ähnliche Form, die der scheinbaren Lüge recht nahekommt und von vielen Lebenden häufig verwendet wird. Ein Beispiel: Jemand fragt Sie, Ayu, ob Sie schon gegessen haben. Nur weil Sie dem anderen die Mühe des Kochens ersparen möchten und befürchten, ihm einen Gefallen zu schulden, sagen Sie wahrheitswidrig, Sie hätten bereits gegessen. Das nennt man eine zweckdienliche Lüge. Darin liegt ein Gedanke des Eigennutzes. Sobald eine Lüge einen eigennützigen Gedanken enthält, ist sie keine scheinbare Lüge. Wer zweckdienliche Lügen ausgesprochen hat, kann sie noch vor dem Ende seines Lebens durch aufrichtige Reue reinigen. Man muss sie unbedingt bereuen, denn zweckdienliche Lügen sind die Vorstufe echter Lügen. Wer sie häufig ausspricht, verunreinigt seine ursprüngliche geistige Natur und gewöhnt sich allmählich daran, echte Lügen zu sagen. Um zweckdienliche Lügen zu bereuen, kann man vor dem Buddha darlegen, wann, wo und aus welchem Anlass man eine solche Lüge ausgesprochen hat, und sie nun von Herzen aufrichtig bereuen. Falls man die betreffende Angelegenheit vergessen hat, kann man den aufrichtigen Entschluss fassen, seine früheren Fehler entschieden abzulegen und sie nie wieder zu begehen. Bitte merken Sie sich: Auch wenn die Gesetze der Unterwelt Verrat und Böses unerbittlich bestrafen, hat der Himmel stets Mitgefühl mit fühlenden Wesen, die ihre Verfehlungen aufrichtig bereuen. Er lässt ihnen gewiss eine Stufe, auf der sie sich langsam dem Licht zuwenden und ihre ursprüngliche Helligkeit wiedererlangen können, die sie bei ihrem ersten Herabkommen in die Menschenwelt besaßen. Außerdem sollen sie um den Beistand der Kraft des Buddha bitten, sich darauf stützen, ihre karmischen Hindernisse beseitigen lassen und von nun an den Entschluss fassen, den Namen des Buddha zu rezitieren und die Geburt im Reinen Land zu suchen. Wer zu Hause kein Buddha-Bildnis hat, kann sich zum Himmel wenden und sein Anliegen vortragen. Es kommt nur darauf an, aufrichtig zu bereuen; Buddhas und Bodhisattvas sind überall gegenwärtig. Neben jedem Menschen stehen bereits die beiden Wuchang, der Schwarze und der Weiße, und zeichnen Tag für Tag die guten und bösen Taten aller auf. Ist der Ausgangspunkt der Ursache nicht wahrhaftig, wird die Frucht von Umwegen und Verwicklungen geprägt. Auch eine zweckdienliche Lüge zieht die karmischen Folgen des Lügens nach sich. Deshalb muss man sie unbedingt durch Reue vollständig reinigen. Mit der Kraft aufrichtiger Reue und der Buddha-Kraft, die durch das Rezitieren des Buddha-Namens wirkt, muss man die unwahrhaftige Ursache restlos läutern; andernfalls wird man unweigerlich verwickelte karmische Folgen erleiden. Mit welcher Absicht man eine zweckdienliche Lüge ausspricht, bestimmt, welche dieser ursprünglichen Absicht entsprechenden karmischen Folgen man auf sich zieht. Es gibt viele Höllen für das Vergehen des Lügens. Ich werde Ihnen eine vergleichsweise neue Hölle für Lügen zeigen. Ayu, folgen Sie mir!“ Vielen Dank für Ihre Mühe, Richter der Unterwelt! Ich machte mich mit ihm auf den Weg, und wir gelangten sehr schnell in ein Gebiet der Hölle. Der Richter der Unterwelt erklärte: „Dies ist der Norden unserer Unterwelt. Alle Höllen in diesem Gebiet gehören zur Kategorie der Höllen für Lügen.“ Was für ein ungeheuer ausgedehntes Gebiet das wieder war! So weit ich sehen konnte, war kein Ende zu erkennen. Und dies war sogar eine Erweiterung! Unvorstellbar! Der Richter der Unterwelt sagte: „Ayu, heute besichtigen Sie zunächst eine dieser Höllen für Lügen. Später werden wir einen passenden Zeitpunkt finden, an dem Sie die anderen besichtigen können.“ Ich dankte dem Richter der Unterwelt! Die Temperatur hier war viel zu niedrig. Wie kalt es war! Ich konnte mich nur schwer daran gewöhnen. In der Welt der Lebenden konnte ich mich sogar an die gewaltigen Temperaturunterschiede zwischen dem Norden und dem Süden im Winter anpassen, doch in dieser Hölle war die Temperatur wirklich viel zu niedrig. Es war so kalt! Ich musste sofort den Namen des Buddha rezitieren und meine Geisteskraft darauf einstellen, um mich an diese äußerst eisige Umgebung zu gewöhnen! Der Richter der Unterwelt sagte: „Die Temperatur hier beträgt minus 150 Grad. Dieses Gebiet der Höllen für Lügen wurde ab dem Jahr 2000 nach der Zeitrechnung der Welt der Lebenden neu hinzugebaut. Wir befinden uns jetzt in der Eishölle des Zungenausreißens und der Körperzertrümmerung, in der die schwersten Strafen dieses Gebiets vollzogen werden. Hier ist es außerordentlich kalt und schmerzvoll. Im alten Gebiet der zehn Gerichtshallen im Süden der Unterwelt gibt es eine ältere Hölle für Lügen, deren Strafen eine Stufe weniger schmerzhaft sind. Ach! Heute verfällt die Welt, und die Herzen der Menschen sind ohne Mitgefühl. Hier sind viele, die zu Lebzeiten durch ihre Lügen andere Menschen in der Welt der Lebenden dazu brachten, ihr reines Leben der Selbstschulung und der Pflege ihrer inneren Natur aufzugeben. Die Betroffenen glaubten diesen Lügen, jagten überall ihren Wünschen nach und verfielen einem Leben in den fünf Begierden, in dem sie wie im Rausch und im Traum dahinlebten. Mit solchen Lügen schnitten die Täter anderen das Leben der Weisheit ab. Nach ihrem Tod führte dies zum Sturz dieser Täter in die Eishölle des Zungenausreißens und der Körperzertrümmerung. Ayu, heute besichtigen Sie zunächst diese Eishölle des Zungenausreißens und der Körperzertrümmerung!“ Auch ohne meine Erklärung weiß jeder, was die Hölle kennzeichnet: Heulen, Schmerzenslaute und entsetzliche Schreie hören niemals auf. Doch das Leiden hier vermittelte mir das Gefühl, als würden selbst Raum und Zeit durch die Kälte verlangsamt. Alles schien ganz langsam zu sein. Die großen, altbronzefarbenen Schriftzeichen „Eishölle des Zungenausreißens und der Körperzertrümmerung“ fielen mir ins Auge. Der Eingang dieser Hölle wirkte sehr modern. Als die Yakṣas am Eingang uns kommen sahen, warfen sie sich ehrerbietig vor dem Richter der Unterwelt nieder und öffneten das Tor, um uns einzulassen. Diese Hölle war riesig. Ich sah unzählige Menschen darin unter qualvollen Strafen leiden. Auf der linken Seite erlitten einige der schuldigen Geister beinahe die gleichen karmischen Folgen. In der Hölle gab es viele Computer, die als Foltergeräte dienten. Jeder dieser Computer arbeitete automatisch und schoss Folterwerkzeuge aus seinem Inneren, um die schuldigen Geister zu verfolgen. Sie trafen ihre Ziele mit hundertprozentiger Genauigkeit und verfehlten niemals einen einzigen schuldigen Geist. Auch in den Wänden und an der Decke waren Vorrichtungen verborgen, aus denen Folterwerkzeuge hervorschossen. Es war eine moderne Hölle. Die Yakṣas gingen nicht nur zornig gegen die schuldigen Geister vor, die sich verstecken wollten, sondern waren auch damit beschäftigt, zahlreiche Computer zu bedienen und die Geister zu bestrafen. Die schuldigen Geister hier litten wahrhaft grenzenlose Qualen. Sie mussten sich nicht nur den äußerst grausamen Yakṣas stellen, sondern auch den erbarmungslosen Foltercomputern. In dieser Hölle gab es viele schuldige Geister und Foltercomputer, aber nur wenige Yakṣas. Zuerst betrachtete ich die beiden schuldigen Geister dort an der Wand. Ein Mann und eine Frau erlitten die gleichen karmischen Folgen. Der schuldige weibliche Geist begann vor Kälte ein wenig zu zittern. Sie litt entsetzlich und richtete sich mit äußerst langsamen Bewegungen vom Boden auf. Endlich hatte sie wieder das Aussehen eines normalen Menschen angenommen. Sofort stieß ihr ein sehr grausamer Yakṣa einen langen Speer in den Rücken. Sie schrie vor Schmerz, als er sie auf dem Speer zu einem danebenstehenden Desktopcomputer beförderte. Im selben Augenblick flogen zwei Schlangen aus dem Bildschirm, eine schwarze und eine rote. Beide stürzten sich wild auf den Mund des schuldigen Geistes. Die rote Schlange biss den Mund auf, und die schwarze packte mit ihren Zähnen die Zunge und zog sie heraus. Sie riss die Zunge ab und warf sie auf den Boden. Danach konnte sie tatsächlich wieder zielsicher in den blutigen, zerfetzten Mund des schuldigen Geistes zurückfliegen.10 Aus dem Computer flogen außerdem zahlreiche spitze Gegenstände auf den schuldigen Geist zu. Sie sahen wie sehr scharfe Messer aus, zugleich aber auch wie Nägel. In der Welt der Lebenden hatte ich solche Gegenstände noch nie gesehen. Nachdem sich diese Folterwerkzeuge in ihren Körper gebohrt hatten, brach der weibliche Geist unter unerträglichen Schmerzen zusammen und verlor das Bewusstsein. Danach kamen noch viele Würmer, die ihren Körper auffraßen. Ihr Blut spritzte überallhin, und auch das Blut, das über den Boden floss, wurde schließlich von den Würmern vollständig aufgesogen. Aufgrund der karmischen Kraft kam der schuldige Geist anschließend wieder zu sich. So erlitt sie diese Qualen in einem unaufhörlichen Kreislauf. Der schuldige männliche Geist erlitt die gleichen karmischen Folgen. Manche schuldigen Geister wurden von Yakṣas mit Eisenstangen, die mit Nägeln versehen waren, von beiden Seiten auf den Mund geschlagen. Nach wenigen Schlägen waren ihre Münder zerfetzt und bluteten. Danach wurden sie zu einer anderen Art von Computertisch geschleppt. Dort gab es schreckliche Würmer, die wie schwarze Hundertfüßer aussahen und das Blut aus den Mündern der schuldigen Geister vollständig aufsogen. Gleichzeitig fraßen sie langsam deren Zungen auf. Anschließend flogen Nadeln heraus und nähten die Münder der schuldigen Geister zu. Andere wurden von Yakṣas mit Haken an Mund und Kopf gepackt und zum Computertisch geschleift. Dabei floss unaufhörlich sehr viel Blut. Nun sah ich einen schuldigen weiblichen Geist, der von einem Haken festgehalten wurde und vor Schmerz laut schrie. Dieser Computer war an der Wand aufgehängt. Er gab schreckliche, kaum erträgliche Laute von sich, und kleine, feuerrote, spitze Gegenstände flogen aus ihm heraus. Sobald sie den Mund des schuldigen Geistes berührten, schmolz dieser unter einem zischenden „Zisch – zisch – zisch“ augenblicklich dahin. Ach! Wie entsetzlich, was für gewaltige Schmerzen! Es war so grausam! Der Richter der Unterwelt wies nun einen der Yakṣas, die die Strafen vollstreckten, an, zu uns zu kommen und zu erklären, welche Vergehen die schuldigen Geister begangen hatten, die in die Eishölle des Zungenausreißens und der Körperzertrümmerung gefallen waren und hier bestraft wurden. Der Yakṣa nahm seinen grausamen Gesichtsausdruck zurück und sagte zu mir: „Ayu, der schuldige weibliche Geist, den Sie eben gesehen haben, hatte zu Lebzeiten aus Neid Lügen verbreitet und einen Praktizierenden verleumdet, der die reinen Gebote gewissenhaft einhielt. Sie wollte absichtlich dessen Verbreitung des rechten Dharma zunichtemachen. Viele Menschen schenkten ihren Lügen Glauben. Dadurch verloren viele ihre grundlegende Überzeugung, den Buddha-Weg zu erlernen, Gutes zu tun und die Gebote einzuhalten. Eben diese Lügen führten dazu, dass sie nach ihrem Tod in diese Hölle fiel und hier bestraft wurde. Yanwang, der höchste König und Herrscher der Unterwelt, geriet in großen Zorn und warf sie für ein Kalpa in diese Hölle. Nach Ablauf dieser Zeit muss sie noch in andere Höllen gehen und dort weiter die karmischen Folgen erleiden. Der schuldige männliche Geist hingegen war zu Lebzeiten im Geschäft mit medizinischer Werbung tätig. Durch seine Lügen verdiente er in kurzer Zeit viel schmutziges Geld. Viele Menschen in der Welt der Lebenden glaubten seinen lügnerischen Werbebotschaften, wodurch verschiedene Funktionen ihrer inneren Organe geschädigt wurden. In leichteren Fällen führte dies zu lebenslangen chronischen Funktionsschwächen der inneren Organe; in schweren Fällen verschlechterten sich die Körperfunktionen innerhalb kurzer Zeit drastisch, bis hin zum Tod. Doch die Menschen kamen nie auf den Gedanken, dass seine medizinische Werbung sie irregeführt hatte. Die Unterwelt minderte die Segnungen und die Lebensspanne dieses männlichen Geistes. Er erlitt einen Verkehrsunfall und gelangte vorzeitig in die Hölle, um seine Strafe zu empfangen. Alle, die in diese Hölle fallen, haben zu Lebzeiten gelogen: Sie haben mit Lügen Menschen verleumdet, die den rechten Dharma verbreiteten; mit böswilligen Lügen das Leben und Eigentum anderer geschädigt; andere durch Lügen zu allerlei Verstößen gegen die Gebote angestiftet; mit Lügen verschiedenste Waren verkauft, die Körper und Geist der Menschen in der Welt der Lebenden schädigen; oder andere durch Lügen um ihr Vermögen, ihre Keuschheit und Ähnliches gebracht. Hier gibt es viel zu viele Fälle schuldiger Geister, die gelogen haben, als dass man sie alle aufzählen könnte. Was ich gerade genannt habe, sind lediglich die Vergehen, die gegenwärtig besonders häufig zu einem Sturz in diese Hölle führen.“ Der Richter der Unterwelt fuhr fort: „Kurz gesagt: Jede zu Lebzeiten absichtlich ausgesprochene Lüge, die Körper, Geist, Leben oder Gesundheit von Menschen in der Welt der Lebenden schädigt, führt zu einem Sturz in die Hölle und einer entsprechenden Strafe. Wer durch eine günstige Fügung diesen Bericht liest, möge den aufrichtigen Entschluss fassen, seine früheren Fehler entschieden abzulegen, und andere dazu ermutigen, wiederum weitere Menschen zum Rezitieren des Buddha-Namens anzuhalten. Dabei stützt man sich auf den Beistand der Kraft des Buddha, um die schwarze karmische Kraft früher begangener Lügen zu beseitigen. Man soll jederzeit die Reinheit von Körper, Geist und Gedanken bewahren und die Menschen lehren, keinesfalls zu lügen. Mit jeder einzelnen Lüge wird unsere ursprüngliche Helligkeit ein wenig trüber. Wenn die ursprüngliche Helligkeit eines Menschen in der Welt der Lebenden getrübt ist, können ihm sehr leicht unerfreuliche Dinge widerfahren. Er zieht verschiedene Krankheiten auf sich, und sogar allerlei Katastrophen können eine nach der anderen über ihn kommen. Nun gut, Ayu, für heute belassen wir es vorerst bei diesen Besichtigungen. Ich muss gleich an einer Sitzung teilnehmen. Wenn die Umstände morgen günstig sind, kommen Sie wieder!“ „Amitābha! Ich danke Ihnen, Richter der Unterwelt! Ich kehre sofort nach Hause zurück, um den Bericht zu schreiben. Sobald ich diesen Bericht fertiggestellt habe, werde ich Sie wieder behelligen.“ Auf der weißen Lotusblüte kehrte ich nach Hause zurück! 15. Die qualvolle Strafe für Qiyu – Die Hölle der gläsernen Computer, in der Stachelschlangen die Zungen umwinden und abtrennen Ich danke für den Beistand der Kraft des Buddha! Auf der weißen Lotusblüte machte ich mich auf den Weg! „Amitābha! Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und werfe mich ehrerbietig vor dem Richter der Unterwelt nieder!“ „Richter der Unterwelt! Heute habe ich auf einer Website einen Beitrag über gesunde Ernährung gesehen. Dieser Ernährungsexperte hatte eigene Überlegungen zu einer gesunden Ernährungsweise entwickelt, verfügte über wissenschaftliche Daten aus verschiedenen Bereichen und kannte sich mit gesunder Ernährung eingehend aus. Er hatte einen Artikel geschrieben, in dem er anhand eines Vergleichs erklärte, wie man Lebensmittel in wohlschmeckende, gesunde Speisen verwandelt, die Freude bereiten. Seine Formulierungen waren knapp und treffend, seine Schilderungen anschaulich und lebendig, und er hatte sich viele Gedanken gemacht. Die Menschen dazu anzuleiten, auf gesunde Ernährung zu achten, ist an sich ein sehr gutes Thema. Doch er verglich den gesamten Vorgang mit einem gesunden Ablauf sexueller Betätigung. Seine Worte waren unverhüllt und weckten allerlei trügerische Fantasien, durch die man die rechte Achtsamkeit verlor. Als ich diesen Artikel las, tat es mir um den Verfasser wirklich leid. Er hatte so viel Zeit darauf verwendet, verschiedenste Überlegungen zu gesunder Ernährung zu erforschen, und veröffentlichte dann ausgerechnet einen solchen Artikel im Internet.“ Ich, Ayu, wollte den Richter der Unterwelt fragen: „Wenn Menschen in der Welt der Lebenden solche Worte benutzen und dadurch bei anderen verwerfliche Gedanken und Handlungen hervorrufen, müssen sie dann in die Hölle fallen und bestraft werden? Falls es eine solche Hölle gibt, möchte ich sie ebenfalls besichtigen.“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Wenn Menschen in der Welt der Lebenden übertriebene, aufgeblasene Worte benutzen, die bei anderen verwerfliche Gedanken und Handlungen hervorrufen und deren geistige Natur stärker beflecken; wenn sie mit schönen Worten schmeicheln, hinter einem Lächeln ein Messer verbergen und Unwahres sagen; wenn sie den Menschen zu Gefallen haltlose, scheinbar einleuchtende, aber falsche Erörterungen vorbringen, andere verspotten oder sonstige zerstreuende, nutzlose Dinge sagen; wenn sie im Alltag anzügliche Witze erzählen, die Herzen der Menschen verwirren, sexuelles Verlangen wecken und sie in Begierde und Anhaftung verstricken; oder wenn sie Lieder, Liebesromane, Filme, Fernsehsendungen, Gesangs- und Tanzdarbietungen, Musik, Gemälde und Ähnliches schaffen, die Begierden steigern und deren Inhalt und Sprache unanständig sind, sodass bei zahlreichen Jugendlichen Gier, Hass und Verblendung zunehmen, Töten, Stehlen, sexuelles Fehlverhalten und Lügen gefördert werden und sie die rechte Achtsamkeit verlieren – all dies gilt als das Vergehen Qiyu. Menschen in der Welt der Lebenden, die Qiyu begehen, fallen nach ihrem Tod zur Bestrafung in die Hölle der gläsernen Computer. Sie ist eine der Höllen im Gebiet der Höllen für Lügen. Qiyu ist mit Gier, Hass, Verblendung und Hochmut verbündet und verunreinigt unbemerkt die geistige Natur der Menschen. Da unsere Zeit begrenzt ist, gehen wir jetzt dorthin, um sie zu besichtigen.“ Gut! Wir flogen rasch über den mittleren Teil der Hölle hinweg. Als die beiden großen Schlangen im Gebiet der Höllen für Lügen undeutlich sichtbar wurden – ach, es waren die beiden großen Schlangen der Hölle für verletzende Rede! –, begannen wir, langsam zum Boden hinabzusinken. Beim Hinabsinken sah ich deutlich eine Hölle aus spiegelndem Glas, ein sehr modernes Bauwerk. Diese Hölle wirkte ausgesprochen modisch. Doch das schrille Klirren von Glas und die qualvollen Schreie störten den Eindruck ganz erheblich. Es war unerträglich laut! Die Gestaltung des Eingangs dieser Hölle wirkte prachtvoll. Weder die Schriftzeichen noch die Farben und ihre verschiedenen Kombinationen wirkten furchterregend. Hätte es nicht die schrillen, unangenehmen Schmerzenslaute und das der Hölle eigene Yin-Qi gegeben, hätte man beim Stehen vor diesem Eingang kaum das Gefühl gehabt, sich in der Hölle zu befinden. Wir folgten einem Yakṣa hinein, um die Hölle zu besichtigen. Im Inneren gab es viele kleine Räume aus durchsichtigem Glas. Jeder schuldige Geist litt in seinem eigenen Glasraum. Die Geschwindigkeit, mit der sie gequält wurden, war unterschiedlich. Auf der linken Seite waren die meisten Computer vom roten Typ, und die schuldigen Geister erlitten ihre Qualen schneller. Auf der rechten Seite waren alle Computer schwarz, und es ging langsamer. Zuerst betrachtete ich die schuldigen Geister auf der linken Seite. Ein schuldiger weiblicher Geist hatte in seinem durchsichtigen Glasraum gerade wieder die normale, gesunde Gestalt eines Menschen angenommen und war aufgestanden. Ein feuerroter Kristallcomputer lockte sie mit einem schwachen, unheimlichen grünen Licht und Lauten wie „Ding – ding – tschiu – tschiu – kling – kling“ an. Als sie sich dem Computer näherte, flog sofort eine kleine rote Schlange mit einem spitzen Maul und einem von Stacheln bedeckten Körper aus dem Bildschirm und biss sich an ihrer Zunge fest. Der schuldige Geist schrie entsetzt auf! Sobald die Zunge gepackt war, umwand die kleine rote Schlange sie mit ihrem stacheligen Körper, bis sie durch dieses Umschlingen abgetrennt wurde und auf den Boden fiel. Der Mund des schuldigen Geistes war voller Blut. Dann zerbarst plötzlich der ganze Kristallcomputer mit einem Geräusch, als würde Glas explodieren und zersplittern. Sämtliche Bruchstücke des Computers trafen den Körper des schuldigen Geistes. Entsetzt versuchte sie auszuweichen, doch der Glasraum war so klein, dass es nirgends eine Ausweichmöglichkeit gab. Der schuldige Geist konnte nur hilflos und unter Schmerzen diese Strafe in einem endlosen Kreislauf erdulden. Bei den schwarzen Computern, die ich auf der rechten Seite sah, war das ausgestrahlte Licht grauschwarz, und aus ihnen flogen schwarze Hundertfüßer. Die übrigen Strafen waren gleich; nur die Geschwindigkeit war etwas geringer. Der Richter der Unterwelt wies einen Yakṣa an, den schuldigen weiblichen Geist zu mir zu bringen, damit ich sie befragen konnte. Weinend erzählte sie, dass sie zu Lebzeiten in der Firma und unter Freunden gern und gewohnheitsmäßig anzügliche Witze erzählt hatte, die plausibel klangen, aber irreführend waren. Damit hatte sie absichtlich die Aufmerksamkeit aller auf sich lenken wollen, damit sie ihre schöne Figur bewunderten. Sie sagte: „In meiner Wohnung waren an allen vier Wänden Spiegel angebracht. Ganz gleich, in welchem Winkel ich stand, konnte ich meinen Körper sehen. Außerdem hatte ich die Gewohnheit, zu Hause oft völlig nackt umherzugehen. Manchmal lud ich gute Freundinnen zu einem Treffen bei mir ein und ließ sie meinen nackten Körper bewundern. Auch sonst schmückte ich gern alle möglichen Dinge übertrieben aus. Eine Sache, die ursprünglich gar nicht besonders beängstigend war, ließ ich durch meine aufgeblasenen Schilderungen beängstigend erscheinen. Wenn ich sah, dass mein Gegenüber voller Angst war, sagte ich: ‚Ich habe doch nur zum Spaß mit dir geredet. Du bist so ängstlich, das macht überhaupt keinen Spaß.‘ Ich setzte gern meine Schlauheit ein, um die Menschen um mich herum zu necken und mich auf ihre Kosten zu amüsieren. Als mein Leben zu Ende war, schleppten mich Ochsenkopf und Pferdegesicht in die Hölle. Yanwang, der König der Unterwelt, geriet in großen Zorn. Er sagte, meine anzüglichen Witze und mein entsprechendes Verhalten in der Firma hätten die Herzensnatur einiger junger Menschen erschüttert, die gerade die Schule verlassen und eine Arbeit aufgenommen hatten. Daraufhin hätten sie schweres sexuelles Fehlverhalten begangen. Er sagte, ich hätte zu Lebzeiten Qiyu begangen, und verurteilte mich zu 500 Jahren Strafe in dieser Hölle für Qiyu, der Hölle der gläsernen Computer. Buhuhu! Damals wollte ich doch nur allen ein wenig Freude machen. Ich hatte nicht gedacht, dass die Folgen so schwerwiegend wären und ich zur Bestrafung in die Hölle fallen müsste. Sie wollen ein Buch schreiben. Bitte sagen Sie den Menschen, dass sie auf keinen Fall anzügliche Witze erzählen, keine aufgeblasenen Reden führen und erst recht andere nicht zum eigenen Vergnügen zum Narren halten sollen. Buhuhu! Ich werde es nie wieder wagen. Ich flehe diesen Richter der Unterwelt an, mich zu retten und herauszulassen. Ich will von hier fort!“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Je nachdem, welche Art von unheilsamem Karma man zu Lebzeiten schafft, zieht man die entsprechenden karmischen Folgen in der Hölle auf sich. Überprüfen Sie gründlich Ihre verschiedenen Gedanken und Handlungen. Da unsere Zeit begrenzt ist, beenden wir es für heute hier.“ Ich fragte den Richter der Unterwelt: „Warum lassen die Computer auf der rechten Seite der Hölle die schuldigen Geister ihre Qualen etwas langsamer erleiden?“ Der Richter der Unterwelt erklärte: „Von den Worten derjenigen, die Qiyu begehen, schaden manche den fühlenden Wesen verhältnismäßig schnell, während andere deren ursprüngliche gute Herzensnatur allmählich erschüttern. Nichts, was geschieht oder besteht, ist von Ursache und Wirkung getrennt. Deshalb müssen wir im Alltag auf unsere Worte und Handlungen achten. Gerade wenn wir allein sind, müssen wir umso mehr die Gebote für unsere innere Natur beachten und dürfen keinesfalls gegen die Gesetze der Unterwelt verstoßen. Heute findet in der Unterwelt eine große Versammlung statt. Ayu, Sie sind willkommen, an einem anderen Tag wiederzukommen.“ Amitābha! Ich, Ayu, legte die Handflächen zusammen und dankte dem Richter der Unterwelt! Auf der weißen Lotusblüte kehrte ich nach Hause zurück! 16. Fliegende Nägel schneiden die Zunge ab – Erste Einblicke in die Höllenstrafen für Doppelzüngigkeit Ich dankte für den Beistand der Kraft des Buddha und machte mich auf der weißen Lotusblüte auf den Weg! „Amitābha! Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und grüße den Richter der Unterwelt ehrerbietig! Richter der Unterwelt! Heute möchte ich fragen: Wenn Menschen in der Welt der Lebenden sich doppelzüngig verhalten, müssen sie dann zur Bestrafung in die Hölle fallen?“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Wenn Menschen in der Welt der Lebenden sich doppelzüngig verhalten und der Fall schwerwiegend ist, müssen sie zur Bestrafung in die Hölle fallen. Mit Doppelzüngigkeit ist gemeint, dass jemand zwei oder mehr Menschen jeweils gegensätzliche Versionen eines Geschehens erzählt, um sie böswillig zu entzweien, ihre Beziehungen zu zerstören und die beiden Seiten zu Streit oder feindseligen Auseinandersetzungen zu treiben. Für die karmischen Gesetze der Unterwelt steht die innere Absicht an erster Stelle. Damit sind die Gedanken gemeint, die einer Handlung vorausgehen. Diese Gedanken treiben sämtliche sprachlichen Äußerungen und körperlichen Handlungen an. Schon wenn man darüber nachdenkt, wie man sich böswillig doppelzüngig verhalten kann, legt man die ersten, noch schwachen Ursachen und Bedingungen für die Hölle. Doppelzüngigkeit ist mit den drei Giften Gier, Hass und Verblendung sowie mit der Lüge verbündet. Bei Doppelzüngigkeit wird ebenfalls zwischen schweren und leichten Fällen unterschieden. Ein schwerer Fall liegt vor, wenn das körperliche und seelische Wohlergehen der Menschen in der Welt der Lebenden bereits geschädigt oder zerstört worden ist. Dann fällt man mit Sicherheit in die Hölle und erleidet die karmischen Folgen. Bei einem leichten Fall von Doppelzüngigkeit kann es dagegen etwa nur um die Interessen beider Seiten gehen, ohne dass man selbst irgendeinen Vorteil hat: Man will lediglich anderen helfen und erzählt den beiden Seiten entsprechend ihrem Charakter und Temperament unterschiedliche Versionen. Der Ausgangspunkt ist dabei die Absicht, unter allen Eintracht herzustellen. Wer mit diesem Ziel eine doppelzüngige Rolle übernimmt, begeht einen leichten Fall von Doppelzüngigkeit. Wer eine solche leichte Verfehlung begeht, kann sie noch zu Lebzeiten durch Reue vollständig reinigen und muss dann nicht zur Bestrafung in die Hölle fallen. Der Inhalt dieser Reue ist derselbe, der weiter oben bei der Reue für zweckdienliche Lügen erklärt wurde. Man ersetzt lediglich die Worte ‚zweckdienliche Lüge‘ durch ‚Doppelzüngigkeit‘; der übrige Inhalt der Reue bleibt gleich. Gegenwärtig verhalten sich viele Menschen in der Welt der Lebenden doppelzüngig. Sogar kleine Kinder folgen dem Beispiel ihrer Eltern, verhalten sich doppelzüngig und lügen. Dies ist einer der wichtigen Gründe für das schlechte gesellschaftliche Klima. Sprache ist ein wichtiges Mittel der Verständigung im Zusammenleben. Mit Worten zu lehren ist weniger wirksam, als durch das eigene Verhalten ein Beispiel zu geben. Eltern müssen ein gutes Vorbild sein, dessen Worte und Taten übereinstimmen. Dann werden die Kinder ihnen ganz von selbst allmählich folgen und sich zum Guten wandeln. Am Anfang des menschlichen Lebens ist die Natur des Menschen gut. Ein gutes Vorbild durch das eigene Verhalten muss bei jedem von uns selbst beginnen. Wenn alle ihre Pflichten erfüllen, sich an die Gesetze halten und nicht gegen die Gesetze von Ursache und Wirkung der Unterwelt verstoßen, gibt es gewiss Rettung für die Menschheit, und Katastrophen werden mit Sicherheit vorläufig aufgeschoben. Der Himmel besitzt die Tugend, das Leben zu lieben. Er wird den fühlenden Wesen, die aufrichtig bereuen, gewiss eine Stufe mit einem Schimmer von Licht lassen, auf der sie sich allmählich bessern können. Zu fürchten ist nur, dass Sie in sich kein Herz der Reue entstehen lassen. Ayu! Jetzt führe ich Sie zu einer Hölle für diejenigen, die sich zu Lebzeiten doppelzüngig verhalten haben.“ Da unsere Zeit begrenzt war, gelangten wir in großer Geschwindigkeit in den äußersten Norden des Gebiets der Höllen für Lügen und landeten vor einem Wegweiser mit einer Karte. Zur Hölle des Hin- und Herrennens wies er nach links, zur Hölle der schwarzen Nadeln, die Zungen durchstechen und Münder verschließen, nach rechts. Welche der beiden Richtungen sollte ich wählen? Mithilfe meines geistigen Auges, unterstützt durch die Kraft des Buddha, betrachtete ich die Unterschiede zwischen den beiden Höllen. Die Hölle auf der linken Seite war größer, und dort litten mehr fühlende Wesen. In der Hölle rechts war das Elend jedoch noch schlimmer. Also ging ich nach links! Zufällig wollte auch der Richter der Unterwelt, dass ich die Hölle des Hin- und Herrennens besichtigte. Wir erreichten sie sehr schnell. Der Richter der Unterwelt erklärte dem Yakṣa am Eingang, worin meine Aufgabe bestand. Das Tor öffnete sich. Was für eine riesige Hölle das wieder war! Zuerst betrachtete ich, was unmittelbar vor mir lag. Was ich überblicken konnte, war in einen linken und einen rechten Teil gegliedert. Auf der linken Seite rannten viele Geistkörper unter Schmerzen und völlig hilflos nach links und rechts. Aus ihren Mündern floss Blut. Wie sie auch rannten, sie konnten den Computern nicht entkommen, die ihre Zungen verfolgten und an sich rissen. In der Hölle sorgten zahlreiche äußerst grausame Yakṣas mit Eisenhämmern, langen Schwertern und Speeren für Ordnung unter den schuldigen Geistern. Sie ließen sie nicht den Bereich der Computer verlassen, an denen sie gequält wurden. Die Folterwerkzeuge, die aus den Computern schossen, verfolgten zielsicher die Zunge jedes Geistkörpers. Jeder Computer bestrafte automatisch die Geistkörper innerhalb eines festgelegten Bereichs. Sobald irgendein Geistkörper in seinen Bereich gelangte, schoss der Computer fünf nagelförmige Klingen heraus, um seine Zunge abzuschneiden. Zuerst wurde die Zunge mit den Nägeln herausgezogen. Ich betrachtete diesen leidenden weiblichen Geistkörper, der gerade neu angekommen war. Ihr Gesicht war voller Entsetzen, und ihre Beine hatten keine Kraft zum Gehen. Ein grausamer Yakṣa stieß sie mit seinem Speer in den Strafbereich hinein. Ach! Ihr Rücken tat sehr weh und blutete noch. Der Computer gab sofort zweimal „Piep“ von sich und nannte den Namen des schuldigen Geistes. Gleich darauf schoss er nagelförmige Klingen auf ihren Mund ab. Als sie das sah, unterdrückte sie mit aller Kraft die Schmerzen in ihrem Rücken, schrie laut und floh nach links und rechts. Ich hatte den Eindruck, der Computer frage den schuldigen Geist, ob sein Name xxx sei. Die Geisterfrau wollte gerade antworten. Sobald sie den Mund öffnete, flogen die Nägel hinein und zogen ihre Zunge heraus. Vor Schmerz versuchte sie, die Nägel mit den Händen zu entfernen. Seltsamerweise wurden die Nägel plötzlich weich und verletzten ihre Hände nicht. Daraufhin ließ sie los und floh nach links und rechts. Doch ob sie nach links oder nach rechts lief: Mit jedem Schritt wurde ihre Zunge von den fünf Nägeln in die Länge gezogen. Den verlängerten Teil schnitten die Klingen an den hinteren Enden der Nägel ab, sodass er auf den Boden fiel. Diese Schmerzen ließen die Geisterfrau mit aller Kraft versuchen, aus dem Bereich des Computers zu entkommen. Schließlich hob sie den Kopf und floh nach links. Ach! Die grausamen Yakṣas auf beiden Seiten würden sie keinesfalls davonkommen lassen. Links stand ein wütend brüllender Yakṣa mit einem Eisenhammer. Voller Zorn schlug er ihr mit dem Hammer auf den Kopf, und schon nach einem Schlag verlor sie das Bewusstsein. Doch der Yakṣa ließ sie nicht bewusstlos bleiben. Grob hakte er ihr mit einem Eisennagel in den Mund und gab ihr dann noch eine Ohrfeige. Wieder floss Blut. Benommen kam die Geisterfrau zu sich, rappelte sich auf und floh nach rechts. Auch dort stand ein eiskalter Yakṣa von unheimlich grüner Farbe. Sofort stieß er kaltes Gas und Eisbrocken aus, die auf Menschen einschlagen konnten. Der Geisterfrau gehorchten die Beine augenblicklich nicht mehr. Vor Angst wich sie zurück zum Computer, wo ihre Qualen von Neuem begannen. Mir wurde schon vom Zuschauen schwindlig. Welch ein Leid, dem es kein Entrinnen gab! Ich sah den Yakṣa an und fragte: „Yakṣa mit dem Eisenhammer, könnten Sie bitte etwas Milde walten lassen? Die alten Verletzungen dieser Geisterfrau sind noch nicht verheilt, und schon schlagen Sie wieder auf sie ein. Sie ist doch schon elend genug dran und hat nicht einmal die Gelegenheit, sich kurz auszuruhen.“ Der Yakṣa mit dem Eisenhammer sagte: „Diese schuldige Geisterfrau hatte zu Lebzeiten eine besondere Vorliebe für Doppelzüngigkeit. Sobald sie von irgendeiner Angelegenheit erfuhr, schmückte sie sie aus und übertrieb sie so, dass daraus eine Sache wurde, die beiden Seiten schadete. Ihre Beziehungen zu anderen Menschen waren äußerst schlecht. Wo immer sie hinkam, zog sie sich Feindschaften zu und machte sich unbeliebt. Am schwersten wog, dass sie ihrer Schwiegermutter Schaden zufügte. Ihr Mann A war seiner Mutter gegenüber sehr pflichtbewusst und fürsorglich gewesen, bevor er diese Frau heiratete. Nachdem A drei Jahre alt geworden war, lebte seine Mutter als Witwe und zog ihn groß. Mutter und Sohn waren stets aufeinander angewiesen gewesen und hatten ein gutes Leben geführt. Als die schuldige Geisterfrau in die Familie einheiratete, begann sie, auf ihre Schwiegermutter eifersüchtig zu werden. Immer wieder beging sie Doppelzüngigkeit und zerstörte böswillig die Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Sie verleumdete ihre Schwiegermutter sogar absichtlich, indem sie ihr ein Verhältnis mit einem Mann unterstellte. Weil A beruflich sehr beschäftigt war, glaubte er den Worten, die seine Frau ihm im Bett zuflüsterte. Dadurch zerbrach die Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Schließlich starb die alte Mutter, die ihren Sohn liebte, von Kummer bedrückt. Als die Seele der Schwiegermutter in die Unterwelt zurückkehrte, erhob sie Klage gegen die schuldige Geisterfrau wegen ihrer Doppelzüngigkeit und Verleumdung. Weil diese Geisterfrau in der Menschenwelt Doppelzüngigkeit begangen hatte, muss sie nun in die Hölle des Hin- und Herrennens für Doppelzüngigkeit kommen, leiden und von uns geschlagen werden. Dies ist die erste Station ihrer Bestrafung in der Hölle. Wenn ihre Strafzeit hier abgelaufen ist, muss sie noch in anderen Höllen Strafen erleiden.“ In diesem Augenblick blickte ein grausamer Yakṣa, dessen Grün äußerst unheimlich wirkte, in unsere Richtung. Der Richter sagte: „Yakṣa mit dem Eisenhammer, kümmern Sie sich zunächst um Ihre Arbeit! Beim Geisterkönig, der die Seelen holt, warten dringende Angelegenheiten auf Bearbeitung.“ Der Yakṣa mit dem Eisenhammer verneigte sich vor dem Richter und sagte: „Bitte setzen Sie Ihren Rundgang fort, Herr Richter. Ich, der Yakṣa mit dem Eisenhammer, verabschiede mich fürs Erste.“ Der Richter sagte: „Ayu! Heute müssen wir uns beeilen, mehrere Katastrophen und Unglücksfälle in der Menschenwelt zu bearbeiten. Deshalb sind alle sehr beschäftigt. Sie sind herzlich willkommen, Ihren Besuch an einem anderen Tag fortzusetzen!“ „Amitābha! Ich, Ayu, lege vor dem Richter die Hände zusammen. Herr Richter, Sie haben sich viel Mühe gemacht! Gehen Sie nur Ihrer Arbeit nach! Vielen Dank!“ Auf der weißen Lotusblüte nach Hause! 17. Die Vergeltung für verletzende Rede – die äußerst schmerzhafte Hölle der Giftschlangen und der mit Nägeln durchbohrten Därme Dank für den Beistand der Kraft des Buddha! Auf der weißen Lotusblüte geht es los! „Amitābha! Ich, Ayu, lege vor dem Richter die Hände zusammen!“ „Darf ich Sie fragen, Herr Richter: Wenn Menschen in der Welt der Lebenden beim Sprechen jedes Maß verlieren, mit allerlei Worten die Selbstachtung anderer verletzen und sie wütend beschimpfen; wenn Eltern ihre Kinder schlagen und schelten, Eheleute miteinander streiten, mit ihren Worten niemanden schonen und andere mit bösartigen Worten verfluchen – führen solche Handlungen dazu, dass man in die Hölle fällt und bestraft wird?“ Der Richter antwortete: „Wenn jemand häufig böse Worte von sich gibt, Zorn im Herzen trägt, niemanden schont und andere mit bösartigen Worten verletzt und beschimpft, zählt all das als verletzende Rede. Dazu gehört zum Beispiel, jemanden ein Vieh zu nennen, ihm zu sagen, er solle sterben, ihn damit zu verfluchen, dass er ohne Söhne und Enkel bleiben oder nach seinem Tod nicht einmal einen Platz für sein Grab finden möge. Es kann sogar so weit gehen, dass man gerade die Dinge verflucht, die diesem Menschen am meisten am Herzen liegen. Nehmen wir etwa einen Mann, der sich sehr einen Sohn wünscht. Seine Frau kann in diesem Leben aber schon keine Kinder mehr bekommen, und er hat nur fünf Töchter. Wer verletzende Rede begeht, greift ihn absichtlich mit bösartigen Worten an: Er werde ohne Söhne und Enkel bleiben, habe zwar Geld und ein Haus, doch niemand werde darin wohnen, also solle er es den Geistern überlassen, und dergleichen mehr. Im leichteren Fall verdirbt das dem Mann die Stimmung; im schwereren Fall führt es zu Unfrieden in der Familie oder sogar dazu, dass er eine außereheliche Beziehung eingeht und eine andere Frau sucht, mit der er einen Sohn bekommen kann. Wenn in den einzelnen Familien keine Eintracht herrscht, entsteht daraus gesellschaftliche Unruhe. Gegenwärtig gibt es viele Menschen in der Welt der Lebenden, die durch ihre verletzende Rede andere so beschämen, dass diese nicht mehr wissen, wohin sie sich verkriechen sollen, sich ihres Lebens schämen und sich manche sogar das Leben nehmen. Alle groben und bösen Worte, die Körper, Psyche und Geist eines lebenden Menschen verletzen, gehören zur verletzenden Rede, insbesondere allerlei äußerst bösartige Äußerungen. Wer verletzende Rede begeht, fällt in die Hölle und erleidet dort Strafen. Verletzende Rede bildet einen Teufelskreis schlechter Gewohnheiten. Sie geht mit Gier, Zorn und Verblendung einher. Allen, die verletzende Rede begehen, ist Zorn gemeinsam; nur sind ihre Böswilligkeit und ihre karmische Belastung unterschiedlich stark. Schon ein einziges verletzendes Wort gegen einen Heiligen, der durch seine Praxis spirituelle Verwirklichung erlangt hat, genügt, um einen lebenden Menschen in die Hölle fallen und dort unermessliche, grenzenlose Qualen aller Art erleiden zu lassen. Selbst wenn seine Vergeltung in der Hölle erschöpft ist, wandert er weiter durch den Daseinsbereich der Tiere und erleidet all deren Leiden. Wird er danach wieder als Mensch geboren, lebt er ebenfalls in niedrigem Stand, bis die verbleibende Vergeltung für seine verletzende Rede vollständig getilgt ist. Während dieser langen Zeit, in der die karmische Vergeltung für verletzende Rede heranreift, lässt das übermäßige Leid sehr leicht neues Karma entstehen. Dadurch nimmt das Leiden erst recht kein Ende. Nur wenn man der Führung eines wahrhaft guten spirituellen Lehrers begegnet, den Entschluss fasst, seine vielfältigen falschen Handlungen zu berichtigen, Gutes tut und Verdienste sammelt, entstehen die heilsamen Ursachen und Bedingungen dafür, gerettet zu werden und das Meer des Leidens zu verlassen. Andernfalls ist es wahrhaft ein grenzenloses Meer des Leidens, in dem man zehntausend Kalpas lang versinkt! Unter denen, die in die Hölle fallen und dort Strafen erleiden, sind viele, die zu Lebzeiten als Eheleute, Freunde, Kollegen, Eltern oder Geschwister im Umgang miteinander verletzende Rede begangen haben. Am häufigsten kommt sie zwischen Eheleuten vor, und dort begeht man sie auch am leichtesten. Frauen machen dabei einen etwas größeren Anteil aus. Ich als Richter möchte deshalb allen Frauen ans Herz legen, gut über das Karma ihrer Rede zu wachen. Viele Frauen haben selbst schweres dunkles Karma. Von diesem dunklen Karma aus der Vergangenheit gelenkt, erleben sie im Laufe ihres Lebens körperliche und seelische Schwierigkeiten aller Art. Manche begehen, wenn sie jeden Monat unter Menstruationsbeschwerden leiden, unweigerlich allerlei verletzende Rede und schaden damit den Menschen um sie herum. Es liegt in den Gewohnheiten der Menschen, die Dinge immer aus einer für sie selbst vorteilhaften Perspektive zu betrachten. Sobald etwas auch nur ein wenig anders läuft, als sie es wünschen, beklagen sie sich leicht darüber, dass alle Menschen und Dinge um sie herum sowie Himmel, Erde und Umwelt nicht mitspielen. Niemals sind sie selbst im Unrecht. So lassen sie ihre schlechte Stimmung in einem Augenblick aufsteigen und im nächsten wieder abfallen und verletzen dabei andere mit allerlei bösen Worten. Um verletzende Rede zu vermeiden, muss man zunächst für einen ruhigen und ausgeglichenen Gemütszustand sorgen. Dafür wiederum muss man zuerst sich selbst prüfen und sich jederzeit fragen, ob man etwas falsch gemacht oder die falschen Worte gebraucht hat. In der gegenwärtigen Zeit schlechter gesellschaftlicher Sitten und Unruhe in der Menschenwelt ist es tatsächlich schwer, innerlich ruhig und ausgeglichen zu bleiben. Es gibt einfach zu viele äußere Verlockungen und Hindernisse. Doch selbst wenn es schwierig ist, müssen wir diese Hindernisse überwinden. Wenn wir sie nicht überwinden, stattdessen allerlei verletzende Rede begehen und nach dem Ende unseres Lebens in die Hölle fallen, sind wir selbst es, die leiden, und niemand sonst. Als der mitfühlende Buddha in der Welt lebte, sah er bereits die vielen Hindernisse voraus, die es den Lebewesen im Zeitalter des Niedergangs des Dharma erschweren würden, das Meer des Leidens zu verlassen. Weil es den Menschen schwerfallen würde, rechte Achtsamkeit aufzubringen und den Weg zu üben, hinterließ er eigens die Methode, den Namen des Buddha zu rezitieren, damit sie leichter gerettet werden könnten. Es genügt, auf einfache Weise den Namen des Buddha zu rezitieren, dies jeden Tag unablässig zu tun und vegetarisch zu essen. Im Vertrauen auf den Beistand der Kraft des Buddha können wir uns allmählich und unmerklich wandeln, Körper und Geist nach und nach reinigen und unsere Gedanken Tag für Tag ruhig halten. Unsere gewohnten negativen, irrigen Gedanken verwandeln wir augenblicklich in die heilsamen Gedanken der Buddha-Rezitation. Aus diesen heilsamen Gedanken entwickeln wir gute Gewohnheiten, und mit diesen ersetzen wir unsere vielfältigen schlechten Gewohnheiten aus der Vergangenheit. Dann wird auch unser Schicksal nach und nach umgeschrieben. Unsere Zukunft bewegt sich allmählich dem Licht entgegen, und wir erlangen die ursprüngliche Helligkeit unserer geistigen Natur zurück. Das Körperleuchten eines Menschen, der verletzende Rede begeht, wird mindestens rot. Bei schwereren Verfehlungen wechselt es von Rot zu Dunkelrot. Wer weiterhin nicht bereut und unablässig verletzende Rede begeht, dessen Leuchten wird von Dunkelrot allmählich schwarz. Schwarz bedeutet bereits einen sehr ernsten Zustand und zieht allerlei unerfreuliche Ereignisse an. Schon Menschen mit rotem Körperleuchten haben schlechte Beziehungen zu anderen, sind niedergeschlagen und verlieren leicht die Beherrschung. Lebewesen mit dunkelrotem Körperleuchten ziehen besonders leicht Wesen aus dem Geisterbereich in ihre Nähe. Diese Geisterwesen sind von starkem Groll erfüllt und werden besonders leicht zornig. Sobald ein Mensch in der Welt der Lebenden zornig wird, kommt sofort ein Geist, der Zorn liebt, wie auf einen Ruf herbeigestürmt. Dazu kommen einige karmische Gläubiger aus der Geisterwelt, ob einstige Feinde oder Nahestehende. Solche Wesen befinden sich in der Nähe jedes Menschen; nur ihre Zahl ist unterschiedlich. Sie gießen neben dem zornigen Menschen noch Öl ins Feuer. Sobald du zornig wirst, steht dieser zornliebende Geist neben dir und treibt dich zu noch größerem Zorn und zu noch maßloseren, beißenderen und gehässigeren Worten an. Unwillkürlich lodert das Feuer der Verblendung in dir himmelhoch auf. Dann lässt sich das Karma der verletzenden Rede nicht mehr aufhalten.“ „Vielen Dank, Herr Richter! Wie treffend Sie das erklärt haben! Endlich verstehe ich, weshalb ich mich mit meiner Familie nicht besonders gut verstand, bevor ich den Buddhismus kennenlernte. Ich wurde ständig aus unerfindlichen Gründen beschimpft und kontrolliert. Jedes Mal wurden meine Familienmitglieder ganz plötzlich sehr grausam, und das machte mir große Angst. Diese Angst begann erst allmählich zu vergehen, nachdem ich angefangen hatte, den Buddhismus zu praktizieren.“ Der Richter sagte: „Ja, Ayu! Ein Teil Ihrer Erfahrungen gehört zu dieser Art von Geschehen. Ein anderer Teil rührt daher, dass jenes weibliche Familienmitglied aus dem Daseinsbereich der Dämonen wiedergeboren wurde. In diesem Leben hat sie nur ein Ziel: Ihre Praxis zu behindern und Sie daran zu hindern, für den Schutz des rechten Dharma zu arbeiten. Sie müssen Feindschaft unbedingt mit Güte vergelten, sich gewissenhaft in Ihrer Praxis bemühen und reine Gebote einhalten, um sie nach und nach zum Guten zu bewegen. Wenn sie sich zu heftig verhält, können Sie ihr in angemessener Weise ausweichen. Gerade durch ihre vielen heftigen Verhaltensweisen hat sie unbemerkt auch Ihre besondere, von gewöhnlichen Menschen unterschiedene innere Stärke mitgeformt. Sie sollten ihr dennoch dafür dankbar sein, dass sie fortwährend die Festigkeit Ihres Entschlusses zur Praxis erprobt: ob Sie in widrigen Umständen diesen festen Geist des Erwachens, der nach der Befreiung aus Geburt und Tod strebt, wirklich bewahren können.“ „Ich verstehe. Vielen Dank für Ihre Unterweisung, Herr Richter! Ich, Ayu, werde mir die Lösung, die Sie mich gelehrt haben, gewiss merken: Feindschaft mit Güte vergelten, mich gewissenhaft in der Praxis bemühen und die Gebote einhalten, um mein Familienmitglied nach und nach zum Guten zu bewegen. Ich werde das ganz bestimmt in die Tat umsetzen.“ „Bemühen Sie sich weiter, Ayu! Jetzt führe ich Sie zur Besichtigung der Hölle für verletzende Rede. In der Nähe der Eishölle des Zungenausreißens und der Körperzertrümmerung gibt es noch einige Höllen für Lügen. Dort ist die Temperatur etwas höher, und es ist nicht ganz so kalt, doch das Leiden ist ebenso entsetzlich. Heute führe ich Sie in den zweiten Teil des Höllengebiets für Lügen. Dort ist es nicht kalt.“ Wir waren sehr schnell dort. Kurz bevor wir landeten, zeigte der Richter nach vorn und sagte, da sei es. Ich blickte hinunter. Oh! Dort lagen zwei furchterregende Schlangen mit riesigen Köpfen zusammengerollt. Diese Köpfe waren so groß, dass es einem Angst machte! Zum Glück bewegten sie sich nicht. Noch nie hatte ich Schlangen mit so großen Köpfen gesehen. Eine Schlange mit einem gewaltigen Kopf war dunkelrot, die andere mit einem ebenso gewaltigen Kopf schwarz. Beide hatten ihre Mäuler weit aufgerissen. Das Maul der furchterregenden roten Riesenkopfschlange bildete tatsächlich das Eingangstor dieser Hölle. Neben dem Tor befanden sich noch viele etwas kleinere, schreckliche Schlangen. Klein waren sie eigentlich auch nicht; nur waren die beiden zuvor so groß gewesen, dass diese am Eingang viel kleiner wirkten. Es gab rote, schwarze und grüne. Diese Hölle war in Gestalt von Schlangen erbaut. Über dem Eingang stand: „Hölle der Giftschlangen und der mit Nägeln durchbohrten Därme“. Oh! Nach dem Vergiften wurde man also auch noch mit Nägeln durchbohrt. Nachdem sich ein Yakṣa vor dem Richter verneigt hatte, öffnete er das Tor und führte uns hinein. Schon vor dem Betreten hörte ich äußerst furchterregende Geräusche: „Zisch, zisch! Ah, ah! Knack!“, als würde etwas durchgebissen, dazu ein lang gezogener, klagender Wind. Mir schien, dass die vielen schrecklichen Geräusche hier durcheinandergingen. Alles vermischte sich zu einem unerträglichen Lärm, der in den Ohren schmerzte. Wir gingen in das große Maul der furchterregenden Riesenkopfschlange hinein. Ein Yakṣa wies mich an, nicht zu weit nach innen zu gehen, sondern zum Zuschauen am Rand stehen zu bleiben. Drinnen gebe es viele mechanische Vorrichtungen. Auch in dieser Hölle standen viele Computer. Die grausamen Yakṣas waren alle beschäftigt und bedienten rasch zahlreiche Computer, um die schuldigen Geister zu bestrafen. Offensichtlich gab es hier zu wenig Personal. Die Yakṣas führten ihre Handgriffe an den Computern sehr schnell und geübt aus. Ohne die Hilfe der Computer wären sie sicherlich noch stärker beschäftigt gewesen. Tatsächlich befanden sich in dieser Hölle für verletzende Rede, wie der Richter gerade gesagt hatte, überwiegend weibliche schuldige Geister. Hier spürte ich einen besonders starken Druck im Kopf und auf der Seele. Ich hatte Kopfschmerzen und fühlte mich innerlich auf unbeschreibliche Weise unwohl. Doch weiter mit dem Rundgang! Angesichts der leidenden schuldigen Geister waren meine Beschwerden wahrhaft keiner Erwähnung wert. Hier waren viele schuldige Geister. Dunkelrote Giftschlangen flogen aus den Computern hervor und bissen ihnen in Mund und Zunge. Jeder Computer stieß furchterregende, äußerst unangenehme Geräusche aus. Wenn ein schuldiger Geist in Mund und Zunge gebissen wurde, durchdrang das Gift seinen ganzen Körper, der sich schwarz und violett verfärbte. Unter Schmerzen stürzte er zu Boden. Manche schrien laut, andere brachen stumm zusammen und verloren das Bewusstsein. Dann stießen die Giftschlangen allerlei schreckliche Geräusche direkt an ihren Ohren aus, um sie zu wecken. Sobald die schuldigen Geister erwachten, schossen spitze, glühend rote Haken vom Boden empor und packten sie an beiden Ohren. Mit einem „Zisch, zisch, zisch“ schmolzen ihre Ohren augenblicklich. Gleichzeitig zogen die Giftschlangen ihnen weiterhin Zungen und Därme heraus und warfen sie auf den Boden. Dann strömte dampfendes, kochendes Wasser aus den Computern und brühte die Zungen und Därme durch, bis sie ganz klein geworden waren. Aus manchen Computern flogen jedoch harte Eisbrocken hervor, die Zungen und Därme zu blutigen Fetzen zerschmetterten und das Blut in alle Richtungen spritzen ließen. Nachdem die Zungen und Därme der schuldigen Geister vom kochenden Wasser durchgebrüht und von den harten Eisbrocken zerschmettert worden waren, flogen kleine, an beiden Enden spitze Eisennägel aus den Computern und bohrten sich dicht an dicht in die Zungen und Därme. Dann packten die Giftschlangen diese mit dem Maul und stopften alles zurück in die Münder der schuldigen Geister. Diese schrien vor Schmerz und wälzten sich stöhnend auf dem Boden. So litten sie ohne Unterbrechung in einem immer wiederkehrenden Kreislauf, ohne jede Ruhepause. Die Bestrafung in dieser Hölle für verletzende Rede lief mit einer so ungeheuren Geschwindigkeit ab, dass einem beim Zuschauen die Augen flimmerten. Was sich mit Worten erklären lässt, ist immer noch sehr begrenzt. Ich, Ayu, versuche jedenfalls, so viel wie möglich zu schildern, damit alle davon erfahren. Bei diesem Besuch waren tatsächlich noch viel zu viele weitere Strafen zu sehen, um sie aus Zeitgründen eine nach der anderen beschreiben zu können. Da warf sich plötzlich eine schuldige Geisterfrau mit aller Kraft in meine Richtung auf die Knie und schlug ihre Stirn auf den Boden. Der Yakṣa ließ sie natürlich nicht gewähren, sondern trat sie grausam zurück neben den Computer. Ach! In der Hölle gab es wahrhaft keine Menschlichkeit! Die Geisterfrau tat mir so leid! Der Richter wies den Yakṣa nun an, sie zu mir zu bringen, damit ich sie für meinen Bericht befragen konnte. Der Yakṣa packte sie und brachte sie herüber. Die schuldige Geisterfrau kniete vor mir und sagte: „Xiao Yuzi, retten Sie mich! Xiao Yuzi, retten Sie mich! Xiao Yuzi, retten Sie mich! Sie müssen Xiao Yuzi sein!“ Xiao Yuzi war der Kosename, mit dem mich alle gewöhnlich riefen, als ich als Kind bei meiner Großmutter väterlicherseits wohnte. Ich hatte diese Stadt schon vor mehr als zwanzig Jahren verlassen. Wer war die Frau vor mir? Sicherlich eine Nachbarin aus meiner Kindheit. Ich war für einen Moment wie erstarrt und sagte: „Entschuldigen Sie! Wir müssen einander früher begegnet sein. Sind Sie eine Freundin meiner Großmutter? Es ist schon sehr lange her, dass mich jemand aus der älteren Generation so genannt hat. Darf ich fragen, wie Sie hierhergekommen sind?“ Mit dem Hinscheiden meiner Großmutter war dieser Kosename vollkommen verschwunden. Ich hätte nicht gedacht, dass ich ausgerechnet heute in der Hölle wieder jemanden hören würde, der mich so nannte. Bilder vergangener Tage tauchten auf, als liefe die Zeit rückwärts. Plötzlich überkam mich tiefe Trauer. Die schuldige Geisterfrau sagte: „Xiao Yuzi! Es ist ganz normal, dass Sie sich nicht an mich erinnern. Ich hatte nur wenig Umgang mit Ihrer Großmutter. Wir wohnten nicht weit voneinander entfernt, aber an meinem Haus führte der Weg vorbei, den alle nehmen mussten. Als Kind hüpften und sprangen Sie immer gern beim Gehen. Sobald Sie vorbeikamen, wusste ich allein an Ihren Schritten, dass Sie es waren. Sie kamen oft an meinem Haus vorbei, während ich im Wohnzimmer arbeitete, und dann konnte ich Sie von der Seite sehen. Damals fragten meine beiden Töchter immer: Warum darf Xiao Yuzi jeden Tag spielen, während wir jeden Tag unablässig so viel Hausarbeit erledigen müssen? Ich aber beschimpfte meine Töchter mit verletzenden Worten: ‚Selbst schuld, dass ihr von Geburt an so niederträchtige Geschöpfe mit einem erbärmlichen Schicksal seid und in eine arme Familie mit einem kleinen Haus hineingeboren wurdet! Ihr seid doch alle dem frühen Tod geweiht! Und dann enttäuscht ihr mich auch noch damit, dass ihr als Mädchen geboren seid! Wärt ihr Jungen, würde ich euch jeden Tag zum Spielen hinauslassen. Los, an die Arbeit! Was gibt es da zu beneiden? Xiao Yuzi hat zu Hause doch bloß ein bisschen mehr stinkendes Geld. Was nützt ein großes Haus, wenn niemand darin wohnt? Auch wenn sie jeden Tag spielt, was ist schon so Besonderes an ihr? Sie ist doch genau wie ihr dem frühen Tod geweiht und wird auch nicht zum Jungen.‘“ „Ihre Großmutter war bei uns für ihre Ehrlichkeit und Gutmütigkeit bekannt und half anderen gern. Alles, was sie besaß, lieh sie den Leuten stets aus; sie mussten es nicht einmal zurückgeben. Doch nachdem ihre Schwiegertöchter nach und nach ins Haus gekommen waren, musste sie anderen hinter deren Rücken Dinge leihen. Sonst wurde sie von ihnen beschimpft. Sie erduldete alle möglichen Schikanen ihrer Schwiegertöchter. Damals dachte ich immer: Ihre Großmutter wurde nur deshalb von mehreren Schwiegertöchtern in der Familie jahrelang schikaniert, weil sie so gutmütig war. Darum musste ich noch strenger und grausamer sein, damit mich niemand schikanieren konnte. Ihre Großmutter sagte, sie sei seit Ihrer Geburt viel glücklicher. Oft erzählte sie allen von Ihrer Willensstärke und davon, dass Sie besonders das Wesen eines Jungen hätten. Eben habe ich Sie von der Seite gesehen und plötzlich gespürt, dass Sie Xiao Yuzi sind. Erinnern Sie sich noch an den Vorfall vor zwanzig Jahren in Ihrer Heimatstadt, als eine Schwiegertochter ihrer Schwiegermutter einen Finger abbiss?“ Ayu: „Ah! Jetzt erinnere ich mich. Sie sind also diese Tante! Diese Geschichte war so bekannt, dass ich davon gehört hatte, aber ich wusste nicht, wer es gewesen war. Damals war ich noch klein und verstand nichts von den Angelegenheiten der Erwachsenen. Meine Großmutter erzählte, dass Sie und Ihre Schwiegermutter nicht miteinander auskamen. Anscheinend wünschte sich Ihre Schwiegermutter einen Enkelsohn, doch Sie bekamen ausgerechnet hintereinander zwei Töchter, zwei ‚goldene Blüten‘. Ich hörte auch, dass Sie beide offenbar häufig stritten. Aber Tante, Sie sind doch noch gar nicht so alt. Wie sind Sie so schnell in die Hölle gekommen?“ Die schuldige Geisterfrau weinte traurig und sagte: „Zu Lebzeiten hatte ich ein äußerst schlechtes Temperament und beschimpfte jeden Tag andere Menschen. Ich beschimpfte jeden, ganz gleich wen. Sobald mir etwas auch nur ein wenig nicht passte, überschüttete ich den Betreffenden unweigerlich laut und zornig mit bissigen, gehässigen Worten. Sogar wenn schlechtes Wetter etwas beeinträchtigte, das ich vorhatte, schimpfte ich: Verdammter, elender Himmel! Dieser verflixte Regen! Es ist zum Sterben ärgerlich! Meine Schwiegermutter und meine Töchter beschimpfte ich erst recht jeden Tag. Als Sie noch in Ihrer Heimatstadt lebten, hatte ich erst kurz zuvor in die Familie eingeheiratet. Meine Schwiegermutter war noch jung, und doch biss ich ihr schon einen Finger ab. Später, als ich keine Kinder mehr bekommen konnte, wurden meine Stimmung und mein Temperament noch schlechter. Meine Schwiegermutter war mir natürlich nicht gewachsen. Jeden Tag schimpfte ich sie eine alte Schachtel, die einfach nicht sterben wollte. Wenn sie ausgehen wollte, beschimpfte ich sie als alte Hure und alte Hexe: Du gehst doch nur Männer suchen! Wenn du draußen stirbst, werde ich deine Leiche nicht holen! Meine Schwiegermutter wurde jedes Mal so wütend, dass sie mir noch ein paar Schimpfworte entgegnete, bevor sie hinausging. Sie verlor jedes Mal gegen mich; stets behielt ich die Oberhand. Manchmal schlug ich ihr den Kopf blutig. Dass ich ihr einen Finger abbiss, war eine Machtdemonstration, mit der ich ihr gleich nach meiner Heirat zeigen wollte, wer das Sagen hatte. Ich starb zu Hause an Hepatitis. Ochsenkopf und Pferdegesicht zerrten mich in die Hölle. Yanwang wurde sehr zornig. Er sagte, ich hätte zu Lebzeiten andere durch verletzende Rede geschädigt, meine Schwiegermutter geschlagen und beschimpft und Himmel und Erde zornig verflucht. Damit hätte ich gegen kindliche Ehrfurcht, Rechtschaffenheit, Lauterkeit, Schamgefühl, Anstand und Respekt verstoßen. Er verurteilte mich zu vierhundert Jahren Strafe in der Hölle der Giftschlangen und der mit Nägeln durchbohrten Därme. Mir kommt es vor, als wäre ich schon sehr, sehr lange hier. Das Leiden hier ist wirklich unermesslich groß! Mein Leben lang hatte ich geglaubt, ich müsse nur laut und grausam genug sein, um die Menschen um mich herum niederzuhalten. Jetzt weiß ich endlich, dass ich im Unrecht war. Hu, hu, hu! Es tut so schrecklich weh! Xiao Yuzi! Wie sind Sie denn in die Hölle gekommen? Ich flehe Sie an, retten Sie mich hier heraus!“ Da brüllte der Yakṣa grimmig: „Kein weiteres Geschwätz! Zurück zur Strafe, sofort! Ayu ist gerade damit beschäftigt, die Höllen zu besichtigen. Sie will ein Buch schreiben, um die Menschen auf den Weg zur Erlösung zu führen. Sie hat keine Zeit für dein Geschwätz. Verschwinde endlich!“ Schon schlug der Yakṣa mit seiner Gabel nach ihr. Mir wurde ganz schwer ums Herz. Als der Richter der Unterwelt meinen traurigen Gesichtsausdruck sah, hielt er den Yakṣa zurück und ließ den schuldigen Geist noch eine Weile weiterreden. Er wollte hören, was sie noch zu sagen hatte. Der Körper des weiblichen Geistes zitterte. Unter Schmerzen weinte sie: „Xiao Yuzi! Können Sie mich mitnehmen, damit ich mit Ihnen das Buch schreibe? In unserer Heimat weiß jeder, dass Sie durch den Einfluss und die Erziehung Ihrer Großmutter väterlicherseits schon als Kind zu einem hilfsbereiten Menschen geworden sind. Ich glaube fest daran, dass Sie mich retten werden, Xiao Yuzi. Sie werden mich gewiss nicht dem Tod überlassen, ohne zu helfen. Wir hatten zwar nur wenig miteinander zu tun, aber immerhin waren wir einmal Nachbarinnen. Nehmen Sie mich doch mit, damit ich mit Ihnen das Buch schreibe und die Menschen dazu bewege, keine verletzende Rede zu führen. Ich werde für Sie bezeugen, wie ich durch all meine verletzenden Worte in die Hölle gestürzt bin und hier leiden muss. Ich werde Ihnen helfen, die Menschen davon abzuhalten. Bitte, bitte retten Sie mich hier heraus!“ „Tante, Amitābha! Es macht mich sehr traurig, Sie in der Hölle zu sehen. Auch ich möchte Sie so bald wie möglich retten, doch mir fehlt die Kraft, Sie von hier fortzubringen. Nur durch die Segenskraft des Buddha kann ich die Höllen besichtigen und das Buch Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt schreiben. Wer dieses Buch schreibt, bestimmt der Buddha; ich bin nicht befugt, darüber eigenmächtig zu entscheiden. Ich bin eine buddhistische Schülerin, halte die fünf Gebote ein, rezitiere den Namen des Buddha und ernähre mich rein vegetarisch. Tante, fassen auch Sie den Entschluss, den Namen des Buddha zu rezitieren und Ihre Verfehlungen zu bereuen! Ich werde Ihnen gewiss das Verdienst aus dem Schreiben dieses Buches widmen, damit Sie bald das Leid hinter sich lassen, Glück erlangen, ins Reine Land aufsteigen und dort aus einer Lotusblüte geboren werden. Ich werde versuchen, bei diesem Herrn Richter der Unterwelt für Sie um Gnade zu bitten. Hoffentlich kann ich Ihnen damit helfen!“ Da sagte der weibliche Geist: „Ich flehe Sie an, Herr Richter! Ich flehe Sie an! Ich werfe mich vor Ihnen nieder und schlage mit der Stirn auf den Boden. Ich habe den Tod verdient! Ich habe den Tod verdient! Zu Lebzeiten habe ich nichts Gutes getan. Jetzt wünsche ich mir sehr, wie Xiao Yuzi etwas Gutes für die Allgemeinheit zu tun. Ich flehe Sie an! Ich habe wirklich eingesehen, dass ich im Unrecht war!“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Zu Lebzeiten hast du andere durch verletzende Rede geschädigt und deine Schwiegermutter geschlagen, beschimpft und beleidigt. Diese schwere Verletzung der kindlichen Ehrfurcht verstößt gegen das Gesetz der Unterwelt. Die Gesetze der Unterwelt bestrafen Niedertracht und Böses. Sobald jemand das schlechte Karma geschaffen hat, das ihn in die Hölle stürzen lässt, halten ihn diese Gesetze fest. Erst wenn das gesamte schlechte Karma aufgezehrt ist, kann er die Hölle verlassen. Die Gesetze der Unterwelt gewähren dir keine Strafminderung aus persönlicher Gefälligkeit, weil du jemanden kennst, der hier arbeitet. Selbst bei so engen Angehörigen wie Vater und Sohn zählt keine verwandtschaftliche Bindung. Jeder, der gegen die Gesetze der Unterwelt verstößt, muss bestraft werden. Selbst wenn das Opfer dir verzeiht, selbst wenn deine Schwiegermutter dich in keiner Weise mehr zur Verantwortung zieht und dir deinen Mangel an kindlicher Ehrfurcht vergibt, lassen dich die unparteiischen und gerechten Gesetze der Unterwelt nicht davonkommen. Nach dem Kausalgesetz der Unterwelt werden Ochsenkopf und Pferdegesicht dich unerbittlich zur Bestrafung in die Hölle bringen, sobald deine Lebenszeit in der Menschenwelt und deine Segnungen erschöpft sind. Ich weiß durchaus, dass sich jetzt vorübergehend Reue in dir regt. Da du heute sehr bereitwillig mitgewirkt hast, werde ich den Yakṣa anweisen, dies als einmalige Mitwirkung und Reue zu verzeichnen und einem einmaligen Hören der Dharma-Lehre in der Unterwelt gleichzustellen. Weil du zu Lebzeiten die kindliche Ehrfurcht missachtet hast, ist es nun zu deiner karmischen Folge geworden, dass deine Nachkommen keine dem rechten Weg und dem Dharma entsprechenden guten Taten vollbringen, Verdienste sammeln und sie dir widmen. Du und Ayu wart einst entfernte Verwandte. Diese karmische Verbindung ist nun gereift und hat euch heute die Gelegenheit gegeben, für kurze Zeit zusammenzukommen. Ich hoffe, du weißt diese vergängliche gute Verbindung zu schätzen. Auch in der Unterwelt erhalten Menschen, die aufrichtig bereuen, die Gelegenheit, den Dharma zu hören und Befreiung zu erlangen. Voraussetzung ist jedoch, dass deine eigenen Gedanken der Reue eine bestimmte Helligkeit erreichen. Sobald die Yakṣas dies sehen, werden sie dich von selbst zu einer Dharma-Unterweisung durch Kṣitigarbha bringen. Diese besonders kostbare Gelegenheit, den Dharma zu hören, steht allen gleichermaßen offen. Wenn du eine gewisse Zeit lang aufrichtig bereut hast, wird dies ganz von selbst einen Yakṣa dazu bewegen, deine Strafe auszusetzen und dich zur Unterweisung zu bringen. Jedes Hören der Lehre wird von den Yakṣas der Unterwelt verzeichnet. Jedes Mal wird dein geistiges Wesen durch den Klang von Kṣitigarbhas mitfühlender Dharma-Lehre gereinigt, zum Guten gewandelt und gesegnet. Noch ist das Licht deiner Reue nicht hell genug. Geh zunächst zurück und trage dein Karma weiter ab.“ Wieder fuhr der Yakṣa den weiblichen Geist grimmig an: „Heute hast du Glück gehabt! Der Herr Richter ist gekommen und hat dir so vieles erklärt. Jetzt aber zurück zur Strafe, verschwinde!“ Wieder trat er nach ihr. Ach, ihr Yakṣas, ihr Yakṣas! Immer so grimmig und grob! Jeder Yakṣa hier hat dieses furchterregende Wesen! Ach! Man darf auf keinen Fall in die Hölle geraten und hier leiden müssen. Überall ist nur Elend! Nun fuhr der Richter der Unterwelt fort: „Wer in der Menschenwelt verletzende Rede geführt hat, nun diesen Text liest und das Leiden in der Hölle vermeiden möchte, kann dieses Karma noch zu Lebzeiten durch Reue bereinigen. Natürlich kommt es darauf an, wie schwer das Karma der verletzenden Rede ist, ob dadurch etwa Menschenleben zu Schaden gekommen sind. Selbst bei schwerem Karma lässt sich durch Reue noch vieles zum Besseren wenden. Gewöhnliches Karma aus verletzender Rede kann noch vor dem Lebensende durch Reue vollständig gereinigt werden. Die Methode ist dieselbe, die gestern für das Lügen erklärt wurde. Man muss lediglich das Vergehen des Lügens durch das der verletzenden Rede ersetzen. Zum Beispiel: Ich, so und so, habe zu dieser Zeit an diesem Ort bei dieser Gelegenheit verletzend gesprochen. Man ersetzt also einfach das Lügen durch die verletzende Rede. Denkt daran: Ihr müsst aufrichtig bereuen! Das ist sehr wichtig. Ein einziger aufrichtiger Gedanke reicht durch die drei Zeiten. Ein einziger aufrichtiger Gedanke genügt, um unermessliches schlechtes Karma aufzuzehren. Ein einziger aufrichtiger Gedanke reicht unmittelbar bis zu den Gesetzen von Himmel, Erde und Unterwelt! Wer die in diesem Buch Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt beschriebene Methode aufrichtiger Reue weiterveröffentlicht und anderen mitteilt, wird damit gewiss schlechtes Karma aus der Vergangenheit tilgen können. In der Unterwelt gibt es genaue Aufzeichnungen über alles Gute und Böse jedes Menschen. Unterlasst nichts Gutes, nur weil es klein ist. Reiche Segnungen entstehen tatsächlich aus kleinen guten Taten und Handlungen sowie aus der genauen und strengen Einhaltung der Gebote. Bitte merkt euch: Ihr sollt nicht nach der Lektüre dieses Textes und nach eurer Reue denken, mit dieser Methode könntet ihr beliebig tun und lassen, was ihr wollt, wieder Böses tun und anschließend immer wieder bereuen. Wer wissentlich immer wieder gegen die Gebote verstößt, dessen Schuld wiegt umso schwerer! Ayu! Für heute wollen wir es mit der Besichtigung der Höllen für verletzende Rede dabei belassen. Sie sind jederzeit willkommen, wenn Sie wieder Zeit dafür finden. Ich muss mich jetzt auch meinen Amtsgeschäften widmen.“ „Ayu verneigt sich vor Ihnen, Herr Richter! Ich danke Ihnen sehr dafür, dass Sie dieser Tante heute geholfen haben.“ Der Richter der Unterwelt sagte: „Keine Ursache! Für uns sind alle schuldigen Geister gleich. Wir in der Unterwelt hoffen, dass sie alle so bald wie möglich die Hölle verlassen. Ihnen bei Ihrem Buch zu helfen, gehört außerdem zu meinen Pflichten. Auch damit wollen wir verhindern, dass noch mehr Menschen nach ihrem Tod in die Hölle stürzen und leiden. Tatsächlich verringert das ja unsere Arbeitslast in der Unterwelt. Also habe auch ich Ihnen zu danken, Ayu! Am besten kommen Sie häufiger, damit das Buch bald erscheinen kann und die Menschenwelt all das Leiden in den Höllen zu sehen bekommt. Es soll die Menschen dazu bewegen, die Gebote einzuhalten, den Namen des Buddha zu rezitieren und Gutes zu tun. Enttäuschen Sie keinesfalls die Güte des Buddha, des Jadekaisers und der Könige der Unterwelt. Um die Wesen der Menschenwelt zu retten, haben sie dieses Mal die himmlischen Geheimnisse vollständig enthüllt und die Wahrheit über die Unterwelt und die verschiedenen Höllenstrafen öffentlich gemacht. Heute tun die Wesen in der Menschenwelt Böses, glauben nicht an Ursache und Wirkung und handeln nach Willkür. Sexuelles Fehlverhalten, Töten, Stehlen und Lügen haben beinahe ein nicht mehr beherrschbares Ausmaß erreicht. Damit vergehen sie sich schwer gegen den Himmel und stören das Gleichgewicht des aufrechten Qi von Himmel und Erde. Das Buch Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt erscheint in der Hoffnung, wenigstens einen Teil derer aus dem Meer des Leidens zu retten, die zwar Böses getan haben, deren Gewissen aber noch nicht erloschen ist.“ „Nun gut! Gehen Sie rasch nach Hause und schreiben Sie Ihren Text. Ich werde mich meinen Amtsgeschäften widmen!“ „Amitābha! Ich danke dem mitfühlenden Herrn Richter, der mir trotz seiner vielen Aufgaben geholfen hat. Ayu legt dankbar die Handflächen zusammen!“ Auf der weißen Lotusblüte geht es nach Hause! 18. Auf keinen Fall angeln – die Hölle Guhun Dudiao Jianhaiyu Namo Amitābha! Ich werfe mich ehrerbietig vor dem Richter der Unterwelt nieder! Ayu: „Heute möchte ich Sie fragen, Herr Richter, welche karmischen Folgen Wesen erwarten, die gern angeln. Ich habe in der Menschenwelt einige Angelfreunde gesehen, für die Angeln eine Freizeitbeschäftigung ist. Sie wissen auch, dass das Meerwasser bei den Städten durch Schwermetalle gefährlich verschmutzt ist. Sie angeln die Fische ans Ufer und haben ihren Spaß daran. Manche schaben ihnen einen Teil der Schuppen ab, stechen ihnen sogar die Augen aus oder schneiden Flossen und innere Organe heraus, bevor sie die Fische wieder ins Meer werfen. Führen solche Handlungen in die Hölle? Wenn es dafür eine Hölle gibt, würde Ayu sie gern besichtigen.“ Der Richter der Unterwelt: „Angeln ist Töten. Ob man zum Vergnügen angelt oder um die Fische zu essen: Beides ist schwarzes Karma des Tötens und führt zur Bestrafung in der Hölle. Es gibt folgende Unterschiede: Angelt jemand zum Vergnügen und wird der Fisch körperlich nicht verstümmelt oder verletzt, sodass er wieder ins Meer zurückschwimmen und normal weiterleben kann, fällt die karmische Vergeltung entsprechend geringer aus. Doch auch dann werden die Gedanken des Fisches, also sein geistiges Bewusstsein, geschädigt. Der Fisch wird in Angst und Schrecken versetzt, und zwischen ihm und dem Angler entsteht eine schlechte karmische Verbindung.“ „Wer ausschließlich zum Vergnügen angelt und keinerlei Tötungsabsicht hat, verliert jedes Mal, wenn er angelt, die Segnungen eines Monats. Dazu gehören die Nahrung eines Monats und die verschiedenen Annehmlichkeiten, die ihm aufgrund seiner Segnungen zustehen. Sollte jemand beispielsweise im nächsten Monat eine Gehaltserhöhung bekommen, verhindert das schwarze Karma des Angelns diese Erhöhung. Stattdessen wird er von seinem Vorgesetzten grundlos zurechtgewiesen, von Kollegen abgelehnt und von anderen nicht gemocht. Weil das Karma der Schädigung von Fischen auf ihn zurückwirkt, treten in seinem Körper von selbst unvermittelte Schmerzen auf. Ein Geschäftsmann etwa hätte im nächsten Monat mit einem großen Kunden einen Vertrag abgeschlossen und damit beispielsweise eine Million verdient. Dieser Verdienst wird ihm genommen. Hat er aus einem früheren Leben reiche Segnungen, kann er unter großen Mühen und vielen Hindernissen noch dreihunderttausend verdienen.“ „Wer zum Vergnügen mit den geangelten Fischen spielt und sie dabei verletzt oder verstümmelt, verliert die Segnungen eines Monats und muss verschiedene körperliche Krankheiten und Schmerzen erleiden. Wie diese Vergeltung im Einzelnen aussieht, richtet sich danach, welche Qualen der verletzte Fisch erlitten hat: Das Karma wirft sie auf den Angler zurück. Er wird unter Kopfschmerzen, Schwindel, verschiedenen Erkrankungen des Mundraums, Symptomen psychischer Störungen und anderem leiden. Eine angeborene Lippenspalte ist die karmische Folge des Angelns in einem früheren Leben. Auch die anderen körperlichen Schmerzen entsprechen denen des verletzten Fisches. Wer angelt, um die Fische zu essen, verliert mit jedem Angeln mindestens sieben Tage Lebenszeit und die Segnungen dreier Monate. Wer viele Fische oder trächtige Fische angelt, wird nach den Gesetzen der Unterwelt auf Grundlage der genauen Aufzeichnungen der mitgeborenen Gottheiten strenger bestraft.“ „Bei Menschen, die häufig angeln, verändert sich das Licht um ihren Körper allmählich von Rot zu Grau. Wenn dieses Licht trüb wird, misslingt ihnen vieles. Sie schlafen unruhig, werden sehr misstrauisch und geraten leicht in Zorn.“ „Bei der Geburt ist das Licht um den Körper jedes Menschen kreisförmig. Wie kräftig oder blass seine Farbe ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Dieses Licht steht für die Segnungen sowie für das gute und schlechte Karma eines Menschen. Je vollkommener und heller es ist und je weiter es sich über eine große Fläche und Entfernung ausbreitet, desto mehr gutes Karma und Segnungen hat er und desto tugendhafter ist er. Das Körperlicht aller Buddhas und großen Bodhisattvas mit ihrer großen Weisheit ist am vollkommensten.“ „Wie bereits gesagt, begleiten zwei mitgeborene Gottheiten jeden Menschen von seiner Geburt an ununterbrochen Tag und Nacht. Wohin er auch geht, selbst zur Toilette, beim Baden oder beim Schlafen, folgen sie ihm bis zu seinem Tod. Die eine der beiden Gottheiten hat männliche, die andere weibliche Gestalt. Die männliche mitgeborene Gottheit befindet sich links neben dem Menschen; ihr Körperlicht ist blassweiß. Sie verzeichnet täglich seine guten Gedanken und Taten. Das Körperlicht der weiblichen mitgeborenen Gottheit ist blassschwarz. Sie befindet sich rechts neben dem Menschen und verzeichnet täglich seine schlechten Gedanken und Taten.“ „Wenn ein Mensch zu viel schwarzes Karma schafft, wird die weibliche mitgeborene Gottheit zornig und warnt ihn. Nur sehr wenige Menschen können davon schwache Botschaften wahrnehmen. Die meisten bemerken nichts. Jeden Monat übermitteln die beiden mitgeborenen Gottheiten der Unterwelt ihre Aufzeichnungen über das Gute und Böse des Menschen.“ „Wenn ein äußerst böser Mensch die Menschenwelt schädigt, trifft die Unterwelt dringende Maßnahmen, selbst wenn seine Lebenszeit noch nicht abgelaufen ist. Sie lässt ein Unglück über ihn kommen, damit seine Seele rasch zur Bestrafung in die Hölle gelangt. Neben dem bereits festgelegten Karma eines Menschen können seine Worte und Taten in diesem Leben auch neues Karma schaffen. Segnungen und Karma nehmen durch unsere guten und schlechten Handlungen Tag für Tag zu oder ab.“ Ayu: „Vielen Dank für Ihre so klare und ausführliche Erklärung, Herr Richter. Ich möchte noch etwas fragen: Wenn schon das bloße Angeln zum Vergnügen die Segnungen so stark vermindert, muss es dann nicht furchtbar sein, wenn jemand, der ohnehin wenig davon hat, ständig angelt?“ Der Richter der Unterwelt: „Ja! Auch ein Fisch ist ein Lebewesen. Ein Angler beendet das Leben eines Fisches innerhalb kürzester Zeit. Das Karma dieses Verstoßes gegen das Gebot, nicht zu töten, wirkt schnell auf ihn selbst zurück, und er muss es erleiden. Manche sagen: ‚Ich gehöre keiner Religion an und muss mich auch an keine Gebote halten. Ich bin völlig frei. Ich ermorde doch niemanden und lege kein Feuer, sondern gehe nur in meiner Freizeit ein wenig angeln.‘ Diese Vorstellung ist jedoch falsch. Die Gesetze der Unterwelt halten jedes fühlende Wesen fest in ihrem Griff. Unabhängig davon, ob jemand einer Religion angehört oder nicht, wird jeder, der Böses tut, letztlich nach den Gesetzen der Unterwelt bestraft. Verstößt ein fühlendes Wesen, das nach den Geboten lebt, gegen sie, wiegt seine Schuld umso schwerer. Wer wissentlich dagegen verstößt, wird unweigerlich strenger bestraft. Es gibt nur einen Weg, den verschiedenen Höllenstrafen zu entgehen: die fünf Gebote einzuhalten und die zehn heilsamen Handlungen auszuüben. Wer die fünf Gebote einhält, kann die menschliche Daseinsform bewahren. Wer die zehn heilsamen Handlungen ausübt, kann seine Segnungen sichern und einen Fall in niedrigere Daseinsbereiche vermeiden. Mit ihren täglichen Worten und Taten begehen Menschen jedoch sehr leicht die verschiedenen zehn unheilsamen Handlungen. Die wirksamste Methode, die eigenen Segnungen vor einer Minderung zu bewahren, ist es, die Gebote einzuhalten und den Namen des Buddha zu rezitieren. Wer den Namen des Buddha unablässig und mit Ausdauer rezitiert, kann gewiss sein Karma aufzehren, alle emotionalen Verstrickungen hinter sich lassen und unsere ursprüngliche Helligkeit wiederherstellen.“ „Jeder Mensch ist von vielen karmischen Gläubigern umgeben, ob einstigen Feinden oder Nahestehenden, die auf eine Gelegenheit zur Vergeltung warten. Wer gegen die Gesetze der Unterwelt verstößt, gibt diesen karmischen Gläubigern zusätzliche Gelegenheiten, sich zu rächen. Selbst die rechtschaffenen Dharma-Schutzgottheiten greifen nicht in das Kausalgesetz der Unterwelt ein. Erst recht dulden sie keine Verstöße gegen die Gebote. Die rechtschaffenen Dharma-Schutzgottheiten, die das Gesetz der Unterwelt vollziehen, belohnen und bestrafen alle fühlenden Wesen mit mitfühlendem Herzen und unparteiisch.“ „Jeder Mensch bringt bei seiner Geburt gutes und schlechtes Karma aus früheren Leben mit. Solange er stets die fünf Gebote einhält, die zehn heilsamen Handlungen übt und die Gebote nicht verletzt, können ihn seine zahlreichen karmischen Gläubiger zwar begleiten, finden aber keine Gelegenheit zur Vergeltung. Warum genießen dann manche Menschen noch immer Reichtum und hohes Ansehen, obwohl sie immer wieder gegen die Gebote verstoßen, etwa durch Lügen, sexuelles Fehlverhalten oder ein ausschweifendes Leben mit Zechgelagen, und so auf vielerlei Weise im Widerspruch zu den Gesetzen der Unterwelt leben? Das liegt daran, dass sie in früheren Leben viel gutes Karma geschaffen haben und ihre Segnungen noch nicht erschöpft sind.“ „Wenn das gute Karma großes Gewicht hat, zieht ein Mensch die verschiedensten Segnungen dieses Karmas an. Seine Vorhaben gelingen, und er lebt froh und glücklich. Verstößt er fortwährend gegen die Gebote, ohne Gutes zu tun und Segnungen zu mehren, erschöpfen sich die Segnungen seines guten Karmas durch den ständigen Genuss. Ist das Süße aufgebraucht, kommt das Bittere. Hat ein Angler kein anderes gutes Karma und vollbringt er keinerlei gute Taten, vermehrt er durch das fortwährende Töten in diesem Leben sein schwarzes Karma. Zusammen mit seinem schlechten Karma aus früheren Leben ermöglicht dies den nichtmenschlichen karmischen Gläubigern um ihn herum, von ihm Besitz zu ergreifen und ihn massiv zu stören. Sie können allerlei unvermittelte Unglücksfälle herbeiführen und ihm sogar das Leben nehmen.“ „Da die Zeit drängt, wollen wir es vorläufig dabei belassen. Ayu, folgen Sie mir!“ Ayu: „Ja, Herr Richter!“ Der Richter der Unterwelt: „Diese Hölle wurde nach der Zeitrechnung der Menschenwelt 1995 hinzugebaut. Die meisten schuldigen Geister darin stammen aus dem Osten.“ Wir sanken rasch in ein weitläufiges Gebiet hinab. Es erinnerte mich ein wenig an die großen Industriegebiete in der Menschenwelt. Man musste genau auf die Wegweiser achten, sonst verirrte man sich leicht. Hier gab es viele Türen, doch vor keiner stand ein Yakṣa. An jeder stand der Name einer Hölle. Alle schweren Türen waren fest verschlossen. Hier war also schon wieder eine ganz neue Höllenwelt! Mir wurde schwindelig. In der Menschenwelt änderte sich ohnehin schon alles von einem Augenblick zum nächsten auf die verschiedensten Arten. Nun wurden sogar noch so viele Höllen neu hinzugebaut. Wann sollte ich denn jemals mit all den Besichtigungen fertig werden?! Der Richter der Unterwelt sagte: „Heute besichtigen wir nur den siebten Raum im siebten Gebäude: die Hölle Guhun Dudiao Jianhaiyu. In der Unterwelt fehlt es an Personal. Deshalb gibt es hier überhaupt keine Türwachen. Gehen wir direkt hin und läuten!“ Ayu: „Gut, Herr Richter!“ Mal sehen, wo es ist! Hier ist das erste Gebäude, dann das zweite, dritte, vierte, fünfte, sechste und siebte. Der erste, zweite, dritte, vierte, fünfte, sechste und siebte Raum. Da ist es! In heutigen chinesischen Langzeichen leuchtete der Name dunkelgrün: Hölle Guhun Dudiao Jianhaiyu. Ich trat vor und drückte auf die Türklingel. Ein Yakṣa öffnete die Tür und erwies dem Richter seine Ehrerbietung. Wir gingen hinein. Diese Hölle bestand aus einem großen Meer mit vielen großen und kleinen, scharf bewehrten und grimmigen Schwertfischen. Sie war in eine linke und eine rechte Seite geteilt. Links litten die schuldigen Geister einzeln, rechts gemeinsam in kleinen Gruppen von etwa drei bis fünf. Etwas war an dieser Hölle besonders: Es gab nur vier Yakṣas, zwei auf jeder Seite. Tatsächlich fehlte es an Personal. Auch diese vier Yakṣas hatten es schwer genug! Auch diese Hölle war keineswegs klein. Es war anders als am Meer in der Menschenwelt, wo ein Felsen am Ufer nur Platz für ein oder zwei Menschen bietet. An einem gewöhnlichen Strand in der Menschenwelt gilt es schon als voll, wenn dort mehr als fünfhundert Menschen sind. In dieser Hölle fraßen die eisernen Schwertfische im Meer Menschen. Die größten waren etwa zehn Meter lang. Mit weit geöffnetem Maul konnten sie zwölf schuldige Geister auf einmal verschlingen. Die kleineren fraßen sie Bissen für Bissen. Hier dagegen konnten sich auf einem einzigen Felsen erstaunlich viele schuldige Geister befinden. Schon auf dem winzigen Felsen neben mir waren es fünfundvierzig; auf anderen waren noch mehr. Die Geister auf der linken Seite standen oder saßen einzeln auf den Felsen am Meer und erlitten immer wieder die schwere Strafe der Qualen von Leben und Tod. Sehen wir uns doch den männlichen Geist neben mir an! Er war gerade wieder zu sich gekommen und wurde nun klarer. Er richtete sich auf und setzte sich auf den Felsen. Getrieben von der karmischen Vergeltung für sein Angeln schien er in diesem Augenblick den eben erlittenen Schmerz völlig vergessen zu haben. Ich sah, wie in seinem Geist Bilder verschiedenster Fische auftauchten, die im Meer schwammen. Er dachte, diese besonderen Meeresfische würde er ganz bestimmt fangen. Danach würde er sie gleich auf dem Boot grillen und essen und dabei die Landschaft bewundern. Er blickte voller Freude auf die Schwertfische im Meer. Neben ihm befand sich eine lange elektrische Angelrute. Sobald seine Hand sie berührte, hob sie sich von selbst und hakte sich blitzschnell und zielsicher am Kopf des schuldigen Geistes fest. Bei genauerem Hinsehen war es wohl so: An der Angelrute befand sich ein scharfer, halbkreisförmig gebogener Eisenhaken. Er drang durch den Mund ein und hakte sich im Kopf fest. Im Geist des schuldigen Geistes wurde nun alles schwarz. Vor Schmerzen konnte er nicht schreien. Blut begann aus seinem Mund zu fließen. Er schlug mit Armen und Beinen um sich, doch je mehr er sich wehrte, desto tiefer drang der Haken ein. Die Angelrute schleuderte den schuldigen Geist rasch ins Meer, in das Maul eines kleinen eisernen Schwertfisches. Dieser kleine Fisch war zwei Meter lang. Als die Angelrute den Geist ins Meer warf, landete er genau auf einem spitzen Eisenpfahl neben dem Maul des Fisches. In panischer Angst wurde er aufgespießt. Blut spritzte aus seinem ganzen Körper. Der eiserne Schwertfisch stieß ein schreckliches Gebrüll aus und biss ihm den Kopf auseinander. Zuerst fraß er Nase und Augen. Mit dem zweiten Bissen verschlang er die untere Hälfte des Kopfes bis hinunter zur Kehle. Vor Schmerzen zuckten und zitterten Hände und Füße des Geistes. Mit seinem spitzen Maul schlitzte der eiserne Schwertfisch ihm den Bauch auf. Dann fraß er nach und nach seine inneren Organe, bis er den ganzen schuldigen Geist aufgefressen hatte. Danach spie er sämtliche zerfetzten, verstreuten und blutigen Überreste wieder auf den Felsen von zuvor. Sobald der Geist dorthin zurückgespien worden war, wehte in der Hölle Guhun Dudiao Jianhaiyu ein karmischer Wind, der ihn wiederherstellte und zu Bewusstsein brachte. Sobald ihn dieser Wind des Karmas traf, wurde er von selbst wieder ganz und erwachte, nur um dieselbe Strafe erneut zu erleiden. Ach! Das war ein unvorstellbar großes, unvergleichliches Leiden! Der Richter der Unterwelt wies den Yakṣa an, diesen schuldigen Geist zu Ayu zu bringen, damit sie ihn befragen konnte. Er war noch bewusstlos. Als der Yakṣa ihn heranschleppte, war er weiterhin ganz benommen. Mir war meine Ratlosigkeit anzusehen: Wie sollte ich jemanden befragen, der bewusstlos war? Der Yakṣa erklärte sofort, er werde ihm jetzt eine Schale des die Seele zurückrufenden Ingwersuds der Unterwelt zu trinken geben. Sobald sich sein Körper etwas erwärmt habe und er wieder sprechen könne, sei die Befragung möglich. Danach werde er weiter dem karmischen Wind ausgesetzt und bestraft. Der Yakṣa schüttete kaltes Wasser über den schuldigen Geist und brachte ihn so zu Bewusstsein. Nachdem er den die Seele zurückrufenden Ingwersud getrunken hatte, begann er wieder normal zu wirken. Doch er sah immer noch sehr müde und gequält aus. Der Yakṣa forderte ihn auf, wahrheitsgemäß zu berichten, weshalb er in diese Hölle geraten war und hier leiden musste. Der schuldige Geist: „Zu Lebzeiten betrieb ich in einer Stadt im Osten einen Großhandel mit getrockneten Meeresprodukten und verdiente sehr viel Geld. Doch ich hatte nur sehr wenige enge Freunde. Ich hatte das Gefühl, dass es in meinem Umfeld niemand ehrlich mit mir meinte, und war eher ein einsamer Mensch. Geschäftsfreunde, mit denen ich essen und trinken ging, hatte ich dagegen viele. Es waren alles falsche Freunde; wir nutzten einander wohl nur aus. Jeden Tag musste man einander auch noch ein freundliches Gesicht zeigen. Das hatte überhaupt keinen Sinn. Ich wollte schon lange nicht mehr im Großhandel mit Meeresprodukten arbeiten. Nur liefen die Geschäfte immer sehr gut, und ich machte es eben um des Geldes willen. Außerdem hatte ich schon seit meiner Kindheit besonders gern geangelt. Der wichtigste Grund dafür, dass ich in diese Hölle gestürzt bin, war folgender: Damals dachte ich, ich sei noch so jung und finanziell bereits so gut gestellt. Warum sollte ich nicht versuchen, ein Geschäft zu betreiben, das mir selbst Freude machte? Selbst ein Verlust wäre kein großes Problem. Also begann ich, auf der ganzen Welt nach besonders professionellem Angelgerät zu suchen. Außerdem suchte ich nach allerlei hochwertigen Ausrüstungen, Kleidungsstücken, Werkzeugen und ähnlichen Produkten für Expeditionen und Bergtouren. Ich eröffnete ein Geschäft, das hauptsächlich auf Angelgerät spezialisiert war, aber auch einige Produkte für Expeditionen und Bergtouren verkaufte.“ „Ich gründete dieses Geschäft mit dem Gedanken, es einfach zu versuchen und einen etwaigen Verlust hinzunehmen. Wer hätte gedacht, dass das Angelgeschäft so gut laufen würde! Das stärkte mein Selbstvertrauen sehr. Ich lernte auch einige Angelfreunde mit denselben Interessen kennen. So kam ich auf die Idee, Angeltechniken bekannter zu machen, um den Umsatz der Firma zu steigern.“ „Seit ich dafür warb, machten die Geschäfte der Firma innerhalb kurzer Zeit einen weiteren großen Sprung nach vorn. Ich hielt mich selbst für einen geschickten Investor und warb deshalb noch stärker bei Firmen, Einzelpersonen und Gruppen. Ich veranstaltete vergnügliche Geburtstagsfeiern mit Angeln und Bootsausflügen auf dem Fluss sowie ähnliche Aktivitäten als Komplettpakete. Außerdem half ich interessierten Gleichgesinnten dabei, Angelrestaurants, Angelgeschäfte und Ähnliches zu eröffnen. Danach dachte ich, ich sollte mich ganz darauf konzentrieren, einen schönen Plan für die weitere Entwicklung meiner Angelfirma zu entwerfen.“ „Weil unser Vermögen ständig wuchs, verbesserte ich auch unsere Wohnverhältnisse immer weiter und zog in Gegenden, in denen reiche Menschen wohnten. So zogen wir drei als Familie in eine große Villa mit einer Größe von mehreren Tausend Chi. Wir hatten mehrere Hausangestellte. Doch die guten Zeiten währten nicht lange. Keine drei Monate nach unserem Einzug in die große Villa wurde mein Sohn empfindlich und sehr ängstlich. Den ganzen Tag lebte er in Angst und sagte, jemand wolle ihn schlagen. Dabei gab es im Haus überhaupt niemanden, der ihn schlagen wollte. Meine Frau litt unter Rückenschmerzen und Depressionen. Jeden Tag bekam sie heftige Wutanfälle und verdächtigte mich unter anderem, eine außereheliche Beziehung zu haben. Die Hausangestellten wechselten ständig.“11 „Meine Frau und mein Sohn suchten beide wegen ihrer psychischen Beschwerden ärztliche Hilfe, nahmen Medikamente und bekamen Spritzen. Doch ihr Zustand besserte sich nicht, sondern wurde noch schlimmer. Später versteckte sich mein Sohn schon vor Angst, wenn im Haus auch nur ein kleines unerwartetes Geräusch zu hören war. Früher war er unbefangen und lebhaft gewesen; nun fürchtete er sich vor hellem Licht und hielt sich gern an dunklen Orten auf. Damit kein Sonnenlicht direkt ins Haus fiel, mussten wir sämtliche Vorhänge zuziehen. Weil das Verhältnis zwischen meiner Frau und mir schlecht war und ich zu Hause immer beschimpft wurde, war ich niedergeschlagen. Ich begann, mich jeden Tag mit Freunden zum Trinken und Karaokesingen zu verabreden, um mich abzulenken. In einem Karaokelokal begann ich zudem eine außereheliche Beziehung mit einer jungen Frau. Ich machte sie zweimal schwanger und stiftete sie dazu an, die Schwangerschaften abzubrechen.“ „Ich begann ein ausschweifendes Leben mit Zechgelagen zu führen und kam manchmal nicht einmal mehr nach Hause. Doch in Gedanken war ich noch bei meinem Sohn. Einmal war ich betrunken, bekam Fieber und wurde ohnmächtig. Ein Krankenwagen brachte mich ins Krankenhaus. Kaum war ich eingeliefert worden, stellte man Leberkrebs im Endstadium fest. Nach drei Monaten voller Schmerzen und Qualen verließ ich hilflos und unter Leiden die Menschenwelt. Wuh … wuh … wuh … Noch ehe mir klar geworden war, was überhaupt geschehen war, zerrten mich Ochsenkopf und Pferdegesicht mit Eisenketten in die Hölle, während ich noch ganz benommen war.“ Yanwang, der oberste Herrscher der Unterwelt, schlug voller Zorn auf den Tisch und sagte: „xxx, erkennst du deine Schuld? Du wurdest mit reichen Segnungen in der Menschenwelt geboren. Statt sie gut zu nutzen und weiter Gutes zu tun, um deine Segnungen zu mehren, hast du sie missbraucht! Du hast ein Gewerbe betrieben, das Lebewesen tötet und ihnen das Leben nimmt, und auch noch andere dazu angestiftet. Damit hast du die Vorstellungen und Denkweisen der Menschen schwer geschädigt und ihr Mitgefühl abgeschnitten.“ „Dein schwerstes schlechtes Karma in diesem Leben ist das Töten durch Angeln. Führt ihn zunächst in die Hölle Guhun Dudiao Jianhaiyu ab, wo er zehntausend Jahre lang bestraft werden soll! Erst wenn alle Angelgeschäfte in der Menschenwelt, die deinetwegen eröffnet wurden, ihren Betrieb eingestellt haben, darfst du wieder vor mich treten. Dann werde ich über deine übrigen Vergehen urteilen.“ Damals schrie der schuldige Geist vor Angst um Hilfe, fiel auf die Knie und fragte Yanwang, den obersten Herrscher der Unterwelt: „Ich habe mein Angelgeschäft doch nur acht Jahre betrieben. Warum werde ich zu zehntausend Jahren Höllenstrafe verurteilt? Und dann muss ich auch noch warten, bis all die Angelgeschäfte aufhören! Was haben die anderen Angelgeschäfte denn mit mir zu tun? Ich bin doch kein Teilhaber.“ Yanwang, der oberste Herrscher der Unterwelt, fuhr zornig fort: „Bei den Angelgeschäften, die jetzt in der Menschenwelt bestehen, gilt: Wenn sie aufgrund deiner Werbung eröffnet wurden, musst du nach dem Kausalgesetz der Unterwelt fünfzig Prozent dieses Karmas tragen. Der Inhaber des Geschäfts trägt ebenfalls fünfzig Prozent. Eröffnet der Inhaber eine zweite Niederlassung, trägst du dreißig Prozent des Karmas und der Inhaber siebzig Prozent. Ohne den Einfluss deiner Werbung wären diese Geschäfte, die Karma des Tötens schaffen, nicht eröffnet worden. Geschäfte, die nicht durch deine Werbung zur Eröffnung veranlasst wurden, rechnet dir die Unterwelt auch nicht willkürlich an.“ „Die wichtigen Mitarbeiter der Unterwelt haben alle die Einhaltung der Gebote als Grundlage. Wer die Gebote einhält, besitzt Körperlicht. Je reiner die Tugend seiner Gebotstreue ist, desto höher ist sein Amt. Eigentlich solltest du jetzt in der Menschenwelt ein sehr reicher und angesehener Mensch sein, bei guter Gesundheit und mit einem blühenden Familienvermögen. In einem deiner früheren Leben warst du ein sehr guter Mensch. Durch freigebige Gaben hattest du reiche Segnungen angesammelt. In diesem Leben waren die Bedingungen für die Reifung dieser guten Früchte erfüllt. Deshalb hätte jedes Gewerbe, dem du dich in diesem Leben zugewandt hättest, geblüht und Erfolg gehabt. Auch hättest du gute Verbindungen zu anderen Menschen gewonnen, und dein Vermögen wäre doppelt so groß wie jetzt. Doch wer hätte gedacht, dass du nach deiner Wiedergeburt in der Menschenwelt ständig angeln würdest und nach deinem Schulabschluss sogar in den Großhandel mit Meeresprodukten einsteigen würdest! Alles Geld, das du in diesem Großhandel verdient hast, hast du durch eine Minderung deiner Segnungen erlangt.“ „Der Großhandel mit Meeresprodukten hat rasch die Hälfte deiner Segnungen für dieses Leben aufgezehrt. Die Unterwelt hat dir schon mehrfach Hinweise durch Träume geschickt: Du hast geträumt, dass dich die Meerestiere im Meer auffressen oder dich verfolgen, um dich zu töten. Diese Träume waren Hinweise und Warnungen, dass du aufhören solltest. Du solltest ein rechtschaffenes Gewerbe betreiben und deine Segnungen nicht weiter verschwenden, indem du das schlechte Karma des Tötens schaffst. Doch du hast nichts bemerkt, dich nicht besonnen und keinerlei Reue empfunden. Du hast deinen Hochmut und das Gift deiner Gier weiter vermehrt, weder Gutes getan noch Verdienste gesammelt. Stattdessen hast du unablässig Angelgeschäfte beworben und aufgebaut, in denen getötet wird, und damit indirekt auch die Entwicklung von Angelrestaurants in der Menschenwelt vorangetrieben. Diese karmische Schuld nach dem Gesetz der Unterwelt wirst du in den Höllen der Unterwelt unter langen Leiden abtragen müssen.“ „Hättest du in der Menschenwelt ein rechtschaffenes Gewerbe betrieben und keine schweren bösen Taten begangen, dann würdest du dank deiner Segnungen jetzt noch glücklich und zufrieden in der Menschenwelt leben, selbst ohne dich besonders um gute Taten, die Übung des Weges oder die Mehrung von Segnungen bemüht zu haben. Du wärst nicht wie jetzt in die Hölle gestürzt, um unermessliches und grenzenloses Leid zu erfahren.“ Yanwang, der oberste Herrscher der Unterwelt: „Guhun-Yakṣa!“ Der Guhun-Yakṣa: „Zu Befehl!“ Yanwang, der oberste Herrscher der Unterwelt: „Führe ihn sofort zur Bestrafung in die Hölle Guhun Dudiao Jianhaiyu ab, damit er seine karmischen Schulden vollständig begleicht!“ Der schuldige Geist: „Wuh … wuh … wuh … Jetzt bereue ich wirklich, dass meine Gier damals so groß war. Ich wollte mein Vermögen immer weiter vermehren, aber mein Weg war falsch. Verehrte Dame, Sie müssen unbedingt alles aufschreiben, was ich gesagt habe. Mögen meine Freunde, wenn sie es lesen, sich sofort bessern, nicht mehr angeln und ihre Angelgeschäfte nicht weiterbetreiben.“ „Verehrte Dame, ich flehe Sie an! Schreiben Sie nur auf, was ich eben gesagt habe. Wenn meine Freunde es lesen, werden sie bestimmt wissen, dass ich es bin, der in die Hölle gestürzt ist und hier leidet. Damals kannten sie alle meine Familienverhältnisse und einige meiner Gedanken. Sie werden gewiss glauben, dass das, was Sie schreiben, wahr ist, und werden sich nach der Lektüre bestimmt ändern. Wenn sie sich nur bald bessern und nicht mehr das schlechte Karma des Tötens durch Angeln schaffen, kann auch die Zeit meines Leidens in der Hölle verkürzt werden! Wuh … wuh … wuh … Niemand will später selbst unermessliches und grenzenloses Höllenleid ertragen. Wuh … wuh … wuh … Ich möchte wirklich so sehr von hier fort. Wie unendlich lang sind doch zehntausend Jahre! Wuh … wuh … wuh …“ Ayu: „Mein Herr, ich kenne die Stadt, von der Sie sprechen. Das Karma des Tötens ist in dieser Stadt sehr schwer. Nun erfahre ich, welch schweren Anteil an diesem schwarzen Karma Sie selbst auf Ihren Schultern tragen. Es ist meine Aufgabe, das Buch Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt gut zu schreiben. Alles, was Sie eben gesagt haben, werde ich ganz gewiss vollständig darin festhalten. Mein Herr, Sie sollten den Namen des Buddha rezitieren. Die mitfühlende Kraft des Buddha wird Ihnen ihren Segen schenken. Auch ich werde Ihnen das Verdienst aus dem Schreiben dieses Buches widmen, damit Sie bald das Leiden hinter sich lassen und Glück erlangen.“ Der schuldige Geist: „Wuh … wuh … wuh … Wenn wir uns so wie jetzt unterhalten, schmerzt mein Körper zwar, doch ich kann den Schmerz noch unter großer Anstrengung aushalten und den Namen des Buddha rezitieren. Aber gleich beginnt die Strafe wieder. Die Schmerzen werden gewaltig zunehmen und ohne Unterbrechung anhalten. Mir wird schwindelig, und mein Bewusstsein ist getrübt. Dann kann ich den Namen überhaupt nicht mehr aussprechen. Wuh … wuh … wuh … Mögen alle Menschen auf der Welt für immer vom Angeln ablassen und nicht zur Bestrafung in die Hölle stürzen! Mögen sie auf keinen Fall so leiden wie ich und selbst nach dem Tod noch Höllenstrafen ohne erkennbares Ende ertragen müssen! Wuh … wuh … wuh …“ Der Richter der Unterwelt: „Nun gut! Die Zeit drängt. Heute hast du sehr bereitwillig Auskunft gegeben, damit Ayu das Buch Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt schreiben kann. Außerdem hast du einen guten Wunsch gefasst: dass alle Menschen auf der Welt für immer vom Angeln ablassen und nicht zur Bestrafung in die Hölle stürzen mögen. Das berücksichtige ich. Gut also! Ich werde dir jetzt eine gute Tat anrechnen. Du darfst einmal eine Unterweisung Kṣitigarbhas hören und vorübergehend von deinen Schmerzen befreit sein.“ Der Guhun-Yakṣa: „Ja, Herr Richter! Ich werde ihn sofort hinbringen.“ Ayu: „Darf ich Sie fragen, Herr Richter, warum dieser Herr sofort eine Unterweisung Kṣitigarbhas hören darf? Die schuldigen Geister, die ich früher befragt habe, litten noch viel stärker und hatten noch mehr Angst als er. Warum haben Sie ihnen keine gute Tat angerechnet?“ Der Richter der Unterwelt: „Ach, Ayu! Die Höllen entstehen tatsächlich aus einer Art schwarzen Karmas, das die Menschen durch Verstöße gegen die Gebote schaffen. Wer in die Hölle stürzt, wird durch sein eigenes Handeln hierhergezogen. In einem seiner früheren Leben hat dieser Mann den Weg der Buddha-Rezitation geübt, allerdings ohne großen Eifer. In jenem Leben gab er auf vielerlei Weise freigebig, widmete die Verdienste jedoch nicht dem rechten Weg und dem Dharma entsprechend. Als die karmischen Früchte seiner verschiedenen guten Taten reiften, wurden sie zu Reichtum und Ansehen in diesem Leben. Leider schätzte er seine Segnungen nicht, zehrte sie vorzeitig vollständig auf und stürzte in die Hölle.“ „Auch zwischen Ihnen beiden besteht eine karmische Verbindung. Als Sie ihn eben befragten, weckten Sie in ihm den Wunsch nach Befreiung. Er war davon bewegt und fasste einen guten Wunsch. Seine eigenen guten Gedanken haben ihm dazu verholfen, dass ihm eine gute Tat angerechnet wird. Es ist keine besondere Begünstigung durch mich. Wer alle Buddhas der drei Zeiten erkennen möchte, sollte das Wesen des Dharmadhātu betrachten: Alles wird allein vom Geist geschaffen.“ Der Richter der Unterwelt: „Nun gut, Ayu! Es ist heute schon spät, und in der Menschenwelt ist wieder eine ganze Nacht vergangen. Gehen Sie zunächst zurück! Sie sind willkommen, bald wiederzukommen.“ Ayu: „Ich lege die Handflächen zusammen und verneige mich vor Ihnen, Herr Richter. Vielen Dank! Ich werde bestimmt so bald wie möglich wiederkommen!“ 19. Ayu besucht den Chenghuang Ich danke der Segenskraft des Buddha! Auf der weißen Lotusblüte geht es los! Namo Amitābha! Ayu legt die Handflächen zusammen und verneigt sich vor dem Richter der Unterwelt! Ayu: „Herr Richter! Heute möchte ich etwas fragen. In der Menschenwelt habe ich Chenghuang-Tempel und auch unzählige kleine Tempel des Tudigong gesehen. Was genau ist der Unterschied zwischen beiden? Wenn es einen Chenghuang gibt, führen Sie Ayu bitte zu ihm, damit sie ihn besuchen kann.“ Der Richter der Unterwelt: „Die Aufgaben des Chenghuang und der Tudigong erfüllen auf unterschiedliche Weise einen ähnlichen Zweck. Hauptsächlich schützen sie die Menschen bei ihrem Kommen und Gehen. Was die Tudigong betrifft, so verwenden die Menschen besonders in den letzten tausend Jahren gern diese Bezeichnung, und sie hat sich bis heute überliefert. Die Aufgaben der Tudigong in der Menschenwelt habe ich bereits kurz erläutert. Da sich die Verhältnisse in der Menschenwelt gegenwärtig verändern, erhöht auch die Unterwelt entsprechend die Zahl der Tudigong, damit sie die Menschen betreuen und schützen. In der Unterwelt gibt es eine Residenz des Chenghuang. Das höchste Amt in dieser Residenz bekleidet der Chenghuang. Unter ihm dienen außerdem einige Mitarbeiter der Unterwelt als Tudigong. Alle Tudigong unterstützen den Chenghuang und unterstehen seinen Weisungen. Der Chenghuang ist für die vielfältigen Aufzeichnungen über die Wiedergeburten aller Menschen auf dem südlichen Kontinent Jambudvīpa zuständig. In seiner Residenz gibt es einen Palast des verborgenen Verdienstes, in dem eigens die großen guten Taten der Menschen verzeichnet werden. Dieser Palast ist zugleich die Zentrale eines weiteren Bereichs der Aufzeichnungen über die Wiedergeburten der Menschen. Wenn Sie, Ayu, wissen möchten, wo Sie in Ihrem vorigen Leben gelebt haben, welchen Stand Sie hatten, ob Sie ein Mann oder eine Frau waren und ob Sie große gute Taten vollbracht haben, dann kann Ihnen der Chenghuang Ihre verschiedenen Identitäten und Ihr Karma aus Ihren fortwährenden Wiedergeburten genau nennen, sofern Sie Leben für Leben stets auf dem südlichen Kontinent Jambudvīpa geboren wurden. Natürlich bedeutet das nicht, dass der Chenghuang nichts davon weiß, wenn Sie nicht dort geboren wurden. Eine Geburt in einem anderen Land fällt lediglich nicht in seinen Zuständigkeitsbereich für die Aufzeichnungen. Als die Unterwelt erstmals errichtet wurde, entsandte der Himmel den Chenghuang hierher. Gleich können Sie ihn selbst befragen, Ayu, und einige Zweifel ausräumen, die Sie beschäftigen. Jetzt führe ich Sie zu seiner Residenz. Sie liegt im äußersten Osten der Unterwelt.“ Ayu: „Vielen Dank, Herr Richter! Bitte seien Sie so freundlich, mich zu führen.“ Wie schön! Gleich würde ich dem altehrwürdigen Chenghuang begegnen, von dem die Überlieferungen erzählen. Was sollte ich ihn bei meinem Besuch nur fragen? Ich schämte mich wirklich, dass ich nur ein gewöhnlicher Mensch auf niedriger Entwicklungsstufe war, ohne Tugend und ohne verdienstvolle Praxis. Ich wusste nicht recht, was ich fragen sollte. Vielleicht sollte ich ihn nach Yanwang, dem obersten Herrscher der Unterwelt, fragen. Warum bekleidet Yanwang dieses Amt in der Hölle? Jeder erschrak beim Anblick Yanwangs. Gleich würden sich meine Fragen klären. Wir waren fast da! Vor uns kam allmählich ein großes Haus im alten Stil in Sicht. Langsam sanken wir auf ebenen Boden hinab. Die braune Residenz des Chenghuang erschien vor uns, ganz im Stil vergangener Zeiten. An ihrem Tor standen keine Yakṣas, sondern zwei Krieger in altertümlicher Tracht mit Waffen in den Händen. Als sie den Richter sahen, begrüßten sie ihn lächelnd und ehrerbietig. Sie verneigten sich vor dem Richter und sagten: „Der linke Torgott entbietet Ihnen seine Ehrerbietung, Herr Richter! Der rechte Torgott entbietet Ihnen seine Ehrerbietung, Herr Richter!“ Der linke Torgott sagte: „Unser Herr Chenghuang hat uns bereits gesagt, Herr Richter, dass Sie die Verfasserin des Buches Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt, Shangguan Yuhua aus der Menschenwelt, die ein Befehlszeichen der Unterwelt bei sich trägt, zu einem Besuch bei unserem Herrn bringen würden. Die Dame an Ihrer Seite ist gewiss Shangguan Yuhua aus der Menschenwelt!“ Beide Torgötter blickten gleichzeitig kurz auf das Befehlszeichen, das an meinem Körper hing. Der Richter sagte: „Keine Förmlichkeiten! Dies ist tatsächlich die buddhistische Laiin Shangguan Yuhua, Ayu, die Verfasserin von Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt. Bitte führen Sie uns zu Herrn Chenghuang, linker Torgott.“ Die beiden Torgötter sahen nicht besonders grimmig aus. Sie waren eher von kräftiger Statur, wie große Krieger aus alter Zeit. Die Residenz des Chenghuang war sehr groß, wieder ein Anwesen vom Rang einer Amtsresidenz der Unterwelt. Ringsum gingen einige Mitarbeiter in der Tracht von Tudigong umher. Wenn sie den Richter sahen, grüßten sie ihn alle lächelnd und ehrerbietig. Ich sah geradeaus zwei große Ehrentore, eines links und eines rechts. Auf dem linken stand: „Verborgenes Verdienst bringt lang währenden Segen“, auf dem rechten: „Öffentliches Verdienst bringt flüchtigen Segen“. Mittig an dem Gebäude vor uns standen die drei großen Schriftzeichen für „Palast des Segens und der Tugend“.12 Der linke Torgott sagte: „Bitte treten Sie ein, Herr Richter und Laiin Ayu. Herr Chenghuang arbeitet gerade in der großen Halle.“ Der Chenghuang sah aus wie ein gütiger älterer Herr aus alter Zeit und trug schwere altertümliche Gewänder. Als er uns erblickte, lächelte er. „Ich, die einfache Bürgerin Shangguan Yuhua, entbiete Ihnen meine Ehrerbietung, Chenghuang! Bei meinem heutigen Besuch möchte ich Sie fragen: Durch welche Ursachen und Bedingungen gelangte Yanwang, der oberste Befehlshaber der Unterwelt, in das höchste Amt der Unterwelt? Seit meiner Kindheit weiß ich von einem König der Unterwelt, der gerecht handelt. In diesem Leben hörte ich zum ersten Mal durch meine Großmutter väterlicherseits von ihm. Ich erinnere mich, wie ich als Kind oft mit ansehen musste, dass meine Großmutter von ihren Schwiegertöchtern unterdrückt, geschlagen und beschimpft wurde. Sie ertrug es jedes Mal geduldig und klagte meinem Vater und den jüngeren Brüdern meines Vaters nie ihr Leid. Sie glaubte fest daran, dass es in der Unterwelt einen grimmigen König gab, und lehrte mich immer wieder, im Umgang mit anderen in allem auf Geduld zu bauen. Häufig kommen mir ihre mahnenden Worte in den Sinn: ‚Du kleines Dummerchen, merk dir: Fürchte dich nicht davor, den Kürzeren zu ziehen, zu Unrecht beschuldigt oder missverstanden zu werden. Der Himmel sieht, was wir tun. Jeder Mensch muss sterben, und in der Unterwelt gibt es einen König, der ganz von selbst alles gerecht regeln wird. Solange wir uns durch unser Handeln an niemandem vergehen, warum sollten wir uns dann daran stören, benachteiligt, zu Unrecht beschuldigt oder missverstanden zu werden? Wenn eine Familie zusammenlebt, muss immer jemand die verschiedenen Belastungen tragen und auflösen. Das Verhalten und die Worte der Frauen der jüngeren Brüder deines Vaters gehen zwar zu weit, doch ich bin die Ältere und ertrage es allein. Es genügt mir, wenn dadurch die Harmonie der Familie erhalten bleibt. Aber du, mein kleines Dummerchen, darfst auf keinen Fall ihr schlechtes Verhalten nachahmen und andere schlagen oder beschimpfen. Sonst wirst du, wenn du erwachsen bist und in die Familie deines Mannes einheiratest, Abneigung und Ablehnung hervorrufen. Als Frau muss man unbedingt geduldig sein können. Wir werden niemals etwas tun, das anderen schadet. Lieber sollen andere uns Unrecht tun, solange wir ihnen kein Unrecht tun. Wenn andere uns Unrecht tun, halten wir uns mit solchen Kleinigkeiten nicht auf, nehmen sie uns nicht zu Herzen und vergessen sie. Der Himmel und der König der Unterwelt werden es wissen.‘ Schon als kleines Kind hörte ich meine Großmutter immer wieder davon sprechen, wie gerecht Yanwang sei und dass er alles wisse. Ich möchte nach Yanwang, dem obersten Herrscher der Unterwelt, fragen: Warum bekleidet Yanwang dieses Amt in der Hölle?“ Der Chenghuang: „Willkommen in der Unterwelt, Ayu, um hier Ihre Gespräche zu führen. Alle Ränge unserer Unterwelt unterstützen die Veröffentlichung von Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt mit aller Kraft. Nichts in der Welt steht außerhalb von Ursachen, Bedingungen und karmischen Folgen. In einem früheren Leben waren Sie und Ihre Großmutter Mutter und Tochter. In jenem Leben verspottete Ihre Großmutter Sie dafür, dass Sie den Buddha verehrten. Zum Glück blieb es beim Spott; sie unternahm nichts Weiteres, um Sie daran zu hindern. Als das Karma aus diesem Spott über Ihre Buddha-Verehrung reifte, führte es dazu, dass sie in diesem Leben einen gekrümmten Rücken hatte und von ihren Angehörigen unterdrückt, geschlagen und beschimpft wurde. Zu ihren Gunsten sprach, dass sie angesichts der verschiedenen widrigen Bedingungen und Belastungen ihres Familienlebens in diesem Leben keinen Zorn hegte und ihr schwarzes Karma dadurch nicht vermehrte. Weil sie die Widerwärtigkeiten geduldig hinnahm, tilgte sie den jeweiligen Umständen entsprechend altes Karma und mehrte zugleich die Segnungen, die ihr später einen Aufstieg in die Himmelswelt ermöglichten. Jedes fühlende Wesen gestaltet selbst sein künftiges Leben. Alle Menschen unterliegen drei Arten von Karma: gutem Karma, schlechtem Karma und ethisch neutralem Karma. Nehmen wir etwa drei Menschen, die zur selben Zeit das gleiche schwarze Kleidungsstück kaufen. Person A kauft es, um es einem armen Nachbarn zu schenken: Auf Schwarz sieht man Schmutz weniger leicht, sodass das Kleidungsstück nicht ständig gewaschen werden muss; das ist praktisch. A schafft damit gutes Karma und wird künftig gute karmische Früchte erfahren. Person B hingegen denkt daran, dass dieses schwarze Kleidungsstück nachts beim Stehlen nützlich sein wird. B schafft schlechtes Karma und wird künftig schlechte karmische Früchte erfahren. Person C hat nichts zu tun, und es ist ihr gleichgültig, ob sie etwas kauft oder nicht. Weil der Ladeninhaber sie zum Kauf auffordert, kauft sie es. C schafft ethisch neutrales Karma und wird künftig die Folgen dieses neutralen Karmas erfahren. Überwiegt das gute Karma, folgen Wiedergeburten als Mensch oder in der Himmelswelt. Überwiegt das schlechte Karma, fällt man in die Daseinsbereiche der Höllen, hungrigen Geister oder Tiere. Überwiegt das ethisch neutrale Karma, gelangt man meist in den Menschen- oder Geisterbereich. Damit hat man die drei Welten noch nicht verlassen. Wer aus den drei Welten heraustreten, Geburt und Tod hinter sich lassen und die große, dauerhafte Befreiung erlangen will, muss die Gebote einhalten, den Namen des Buddha rezitieren und die verschiedensten guten Taten verborgenen Verdienstes vollbringen. Man muss den großen Bodhi-Geist und gute Gelübde hervorbringen: nach oben den unübertroffenen Buddha-Weg suchen und nach unten alle leidenden Wesen zum Heil führen. Es dürfen nur reine gute Gelübde vorhanden sein, ohne irgendwelche selbstsüchtigen Gedanken oder störenden Beimischungen. Wenn sich auch nur ein ganz geringer Anteil selbstsüchtiger Gedanken oder störender Beimischungen in diese guten Gelübde mischt, muss man künftig auch die karmischen Folgen dieses noch so geringen Anteils selbst tragen. Warum aber wurde Yanwang zum höchsten Herrscher der Unterwelt? In einem seiner früheren Leben war er in der Menschenwelt ein großer General von unerschütterlicher Rechtschaffenheit. Er befehligte mehrere große Truppenverbände. In einer großen Schlacht setzte der Feind hinterhältige und listige Strategien ein. Der rechtschaffene General war ihm dadurch unterlegen und erlitt eine schwere Niederlage. In tiefster Trauer schwor er damals dem Himmel: ‚Jetzt habe ich hilflos diese schwere Niederlage erlitten. Wenn sich mir künftig eine Gelegenheit bietet, werde ich unbedingt Rache nehmen und alle gesetzesbrecherischen, hinterhältigen und listigen Übeltäter streng bestrafen. Ich will sie dazu bringen, sich aufrichtig zu bessern und wieder gute Menschen zu werden.‘ Auch die Krieger, die dem General folgten, schlossen sich ihm an und legten gemeinsam mit ihm das Gelübde ab, alle gesetzesbrecherischen, hinterhältigen und listigen Übeltäter streng zu bestrafen. Als der General damals in tiefster Trauer dieses Gelübde ablegte, machte er sich selbst Vorwürfe, weil er unzureichend vorgesorgt und dadurch die schwere Niederlage seiner ihm unterstellten Truppen mitverursacht hatte. Sich selbst Vorwürfe zu machen gehört zu den geistigen Trübungen des Zorns. Es war eine Art guten Gelübdes, das mit einem bösen Rachegelübde vermischt war. Eben dieses Gelübde führte dazu, dass der General zu Yanwang, dem obersten Herrscher der Unterwelt, wurde. Jetzt muss Yanwang in der Unterwelt täglich morgens, mittags und abends jeweils fünfzehn Minuten lang die Qual erdulden, dass ihm heißer Sand in die Kehle gegossen wird. Sobald jeden Tag die Zeit der Bestrafung gekommen ist, packen ihn die beiden Yakṣas, die für seine Bestrafung zuständig sind, gemeinsam. Ein Yakṣa hält seinen Kopf fest, während der andere heißen Eisensand hervorholt und ihm unablässig in die Kehle schüttet. Yanwang verliert dabei das Bewusstsein und bricht zusammen; dann weckt ihn der karmische Wind wieder auf. Sobald er wieder erwacht ist, packen ihn die beiden Yakṣas erneut und schütten ihm wieder heißen Eisensand in die Kehle. So wiederholt sich die Bestrafung fünfzehn Minuten lang. Nach Ablauf der fünfzehn Minuten kommt Yanwang von selbst wieder zu Bewusstsein, und alles kehrt zum Normalzustand zurück. Dass Yanwang die Qual des heißen Eisensandes in seiner Kehle erleidet, ist die karmische Vergeltung für seinen einstigen Racheschwur. In der Menschenwelt legen täglich Menschen große und kleine böse Gelübde ab. Sobald jemand ein böses Gelübde ablegt, wird sein Körperlicht augenblicklich matt. Das negative Magnetfeld dieses Gelübdes bindet denjenigen, der es abgelegt hat, Leben für Leben fest an sich. Wird das angeborene Körperlicht eines Menschen beschädigt, so begegnet er im Leben Hindernissen auf Schritt und Tritt und muss weit mehr Mühsal ertragen, es sei denn, er bereut rechtzeitig aufrichtig, reinigt sich dadurch und begeht den Fehler künftig nie wieder. Wenn bei jemandem, der ein böses Gelübde abgelegt hat, vor dem Heranreifen seiner karmischen Vergeltung das gute Karma weniger wiegt als das böse und er auch weiterhin keine Gelegenheit hat, einem guten geistigen Weggefährten zu begegnen, der ihn zur Reue anleitet, dann bleibt sein Leben im negativen Magnetfeld dieses Gelübdes verstrickt, bis dessen böse Frucht herangereift ist. Das wird unermessliches Leid mit sich bringen. Ich hoffe, dass Ayu diesen Text möglichst bald fertigstellt und die Menschen darüber unterrichtet, dass sie zu keiner Zeit böse Gelübde ablegen sollen. Wer früher solche Gelübde abgelegt hat, soll dies möglichst bald bereuen. Gute Gelübde hingegen darf man in unbegrenzter Zahl ablegen; man soll sie auch in die Tat umsetzen und sich mit aller Kraft bemühen, sie zu erfüllen. Gegenwärtig gibt es in der Menschenwelt viel zu viele Menschen, die gegen die Gebote verstoßen, und nur sehr wenige, die sie einhalten. Das gesamte große Magnetfeld ist daher in einem schlechten Zustand. Auch dies ist ein wesentlicher Faktor dafür, dass die Gedanken der Menschen leicht auf Abwege geraten. Wenn fühlende Wesen wegen ihres allzu schweren dunklen Karmas vorläufig noch nicht über alle Ursachen und Bedingungen verfügen, die zur Einhaltung der Gebote erforderlich sind, brauchen sie sich weder zu sorgen noch den Mut zu verlieren: Wäre ihr Karma nicht schwer, würden sie nicht in der Sahā-Welt geboren. Zunächst sollen sie den Entschluss fassen, ihr früheres dunkles Karma zu bereuen. Dann sollen sie geloben, Leben für Leben den festen Willen zur Einhaltung der Gebote zu besitzen. Wenn sie zusätzlich den Buddha-Namen rezitieren, vegetarisch leben und sich tatkräftig um alle möglichen guten Handlungen bemühen, wird die Qualität ihres künftigen Lebens mit Sicherheit allmählich steigen. Nur diese Methode vermag schlechtes Karma wirklich und vollständig zu beseitigen, für immer vom Leid zu befreien und die Zukunft Schritt für Schritt dem Licht entgegenzuführen. Alle fühlenden Wesen, denen es vergönnt ist, diesen Text zu sehen, haben in früheren Leben einige Segnungen angesammelt. Wer ihn weiterverbreitet und andere davon unterrichtet, dem werden in der Unterwelt zwei gute Verdienste angerechnet. Wer lediglich seine eigenen Fehler berichtigt, dem wird in der Unterwelt ebenfalls ein gutes Verdienst angerechnet. Gut! Heute Abend habe ich, der Chenghuang, auch die Zusammenhänge erklärt, die mit bösen Gelübden verbunden sind. Es ist schon spät, und in der Menschenwelt wird es bald hell. Ayu, kehren Sie nun möglichst bald zurück und schreiben Sie diesen Text fertig. Wenn es künftig nötig ist, sind Sie jederzeit wieder willkommen.“ Ayu: „Ja, gern! Ich werfe mich ehrerbietig vor dem Chenghuang nieder! Ich danke dem Chenghuang! Ich werfe mich ehrerbietig vor dem Richter der Unterwelt nieder! Ich danke dem Richter der Unterwelt! Ayu kehrt nun zurück. Namo Amitābha!“ Auf der weißen Lotusblüte fahre ich nach Hause! Strafen der Unterwelt: Gesetze gegen sexuelles Fehlverhalten Unter allen bösen Verfehlungen gilt seit jeher sexuelles Fehlverhalten als die schwerste. Schon in der Menschenwelt wiegt diese Schuld schwer; in der Unterwelt wird sie besonders streng geahndet. Da es sehr viele Strafen gibt, werden hier die wesentlichen Bestimmungen zusammengestellt. Jeder, der diesen Abschnitt liest, möge sich warnen lassen und zur Selbstbeherrschung anhalten. Wer Blutschande begeht, wird für immer in der Hölle eingeschlossen. Wer dabei den Tod eines Menschen verursacht, stirbt durch einen Blitzschlag. Wer sich an einem Leichnam vergeht, trägt dieselbe Schuld. Wer bereits in der Menschenwelt bestraft wurde, bleibt von der Strafe des Blitzschlags verschont. Taten der Loyalität und kindlichen Pietät dürfen vier Anteile der Strafe aufwiegen. Eintausendfünfhundert große gute Taten, das heißt eintausendfünfhundert gute Taten, wiegen ebenfalls vier Anteile auf.22 Wer eine Witwe vergewaltigt, bleibt in seinem gegenwärtigen Leben ohne Nachkommenschaft. Er leidet fünfhundert Zyklen lang in der Hölle, wird anschließend für weitere fünfhundert Zyklen als Insekt oder Ameise und danach für weitere fünfhundert Zyklen als Vogel oder anderes Tier wiedergeboren. Bei seiner nächsten Wiedergeburt als Mensch erhält er das Dasein einer Prostituierten. Wer bereits in der Menschenwelt bestraft wurde, dem werden hundert Zyklen erlassen. Wer dabei den Tod eines Menschen verursacht, dessen Strafe wird um fünf Stufen erhöht. Taten der Loyalität und kindlichen Pietät dürfen die Hälfte aufwiegen. Fünfhundert große gute Taten wiegen ebenfalls die Hälfte auf. Wer eine Witwe zum unerlaubten Geschlechtsverkehr verführt, bleibt zwei Leben lang ohne Nachkommenschaft. Die oben genannten Zyklen betragen jeweils vierhundert, das heißt, er leidet vierhundert Zyklen lang in der Hölle und verbringt jeweils vierhundert Zyklen als Insekt oder Ameise sowie als Vogel oder anderes Tier. Bei seiner nächsten Wiedergeburt als Mensch erhält er ein Dasein mit Behinderung. Wer bereits in der Menschenwelt bestraft wurde, dem werden achtzig Zyklen erlassen. Wer dabei den Tod eines Menschen verursacht, dessen Strafe wird um vier Stufen erhöht. Taten der Loyalität und kindlichen Pietät dürfen sieben Anteile aufwiegen. Fünfhundert mittelgroße gute Taten wiegen ebenfalls sieben Anteile auf. Wer eine Witwe durch anzügliches Werben zum unerlaubten Geschlechtsverkehr bringt, bleibt drei Leben lang ohne Nachkommenschaft. Die oben genannten Zyklen betragen jeweils dreihundert, das heißt, er leidet dreihundert Zyklen lang in der Hölle und verbringt jeweils dreihundert Zyklen als Insekt oder Ameise sowie als Vogel oder anderes Tier. Bei seiner nächsten Wiedergeburt als Mensch erhält er ein Dasein in Armut und niedrigem Stand. Wer bereits in der Menschenwelt bestraft wurde, dem werden sechzig Zyklen erlassen. Wer dabei den Tod eines Menschen verursacht, dessen Strafe wird um drei Stufen erhöht. Taten der Loyalität und kindlichen Pietät dürfen neun Anteile aufwiegen. Fünfhundert kleine gute Taten wiegen ebenfalls neun Anteile auf. Wer eine Jungfrau vergewaltigt, dessen Söhne und Töchter führen ein sexuell ausschweifendes Leben. Die oben genannten Zyklen betragen jeweils vierhundert, das heißt, er leidet vierhundert Zyklen lang in der Hölle und verbringt jeweils vierhundert Zyklen als Insekt oder Ameise sowie als Vogel oder anderes Tier. Bei seiner nächsten Wiedergeburt als Mensch erhält er das Dasein eines Dieners. Wer bereits in der Menschenwelt bestraft wurde, dem werden hundert Zyklen erlassen. Wer dabei den Tod eines Menschen verursacht, dessen Strafe wird um vier Stufen erhöht. Taten der Loyalität und kindlichen Pietät dürfen die Hälfte aufwiegen. Vierhundert große gute Taten wiegen ebenfalls die Hälfte auf. Wer eine Jungfrau zum unerlaubten Geschlechtsverkehr verführt, bleibt zwei Leben lang ohne Nachkommenschaft. Die oben genannten Zyklen betragen jeweils zweihundertfünfzig, das heißt, er leidet zweihundertfünfzig Zyklen lang in der Hölle und verbringt jeweils zweihundertfünfzig Zyklen als Insekt oder Ameise sowie als Vogel oder anderes Tier. Bei seiner nächsten Wiedergeburt als Mensch erhält er ein von Krankheit geprägtes Dasein. Wer bereits in der Menschenwelt bestraft wurde, dem werden siebzig Zyklen erlassen. Wer dabei den Tod eines Menschen verursacht, dessen Strafe wird um drei Stufen erhöht. Taten der Loyalität und kindlichen Pietät dürfen sieben Anteile aufwiegen. Vierhundert mittelgroße gute Taten wiegen ebenfalls sieben Anteile auf. Wer eine Jungfrau durch anzügliches Werben zum unerlaubten Geschlechtsverkehr bringt, dessen Frau und Töchter müssen seine Schuld begleichen. Die oben genannten Zyklen betragen jeweils hundert, das heißt, er leidet hundert Zyklen lang in der Hölle und verbringt jeweils hundert Zyklen als Insekt oder Ameise sowie als Vogel oder anderes Tier. Bei seiner nächsten Wiedergeburt als Mensch erhält er ein Dasein in mäßiger Armut. Wer bereits in der Menschenwelt bestraft wurde, dem werden vierzig Zyklen erlassen. Wer dabei den Tod eines Menschen verursacht, dessen Strafe wird um zwei Stufen erhöht. Taten der Loyalität und kindlichen Pietät dürfen neun Anteile aufwiegen. Vierhundert kleine gute Taten wiegen ebenfalls neun Anteile auf. Wer eine verheiratete Frau vergewaltigt, dessen Frau und Töchter müssen seine Schuld begleichen. Die oben genannten Zyklen betragen jeweils dreihundertfünfzig, das heißt, er leidet dreihundertfünfzig Zyklen lang in der Hölle und verbringt jeweils dreihundertfünfzig Zyklen als Insekt oder Ameise sowie als Vogel oder anderes Tier. Bei seiner nächsten Wiedergeburt als Mensch erhält er das Dasein eines niederen Amtsdieners. Wer bereits in der Menschenwelt bestraft wurde, dem werden hundert Zyklen erlassen. Wer dabei den Tod eines Menschen verursacht, dessen Strafe wird um drei Stufen erhöht. Taten der Loyalität und kindlichen Pietät dürfen die Hälfte aufwiegen. Dreihundert große gute Taten wiegen ebenfalls die Hälfte auf. Wer eine verheiratete Frau zum unerlaubten Geschlechtsverkehr verführt, dessen Lebenszeit wird um zwei Ji gekürzt; ein Ji entspricht zwölf Jahren. Die oben genannten Zyklen dauern jeweils hundert Jahre, das heißt, er leidet hundert Zyklen lang in der Hölle und verbringt jeweils hundert Zyklen als Insekt oder Ameise sowie als Vogel oder anderes Tier. Bei seiner nächsten Wiedergeburt als Mensch erhält er ein einsames Dasein. Wer bereits in der Menschenwelt bestraft wurde, dem werden dreißig Zyklen erlassen. Wer dabei den Tod eines Menschen verursacht, dessen Strafe wird um zwei Stufen erhöht. Taten der Loyalität und kindlichen Pietät dürfen sieben Anteile aufwiegen. Dreihundert mittelgroße gute Taten wiegen ebenfalls sieben Anteile auf.13 Wer eine verheiratete Frau durch anzügliches Werben zum unerlaubten Geschlechtsverkehr bringt, dessen Lebenszeit wird um ein Ji gekürzt. Die oben genannten Zyklen betragen jeweils siebzig, das heißt, er leidet siebzig Zyklen lang in der Hölle und verbringt jeweils siebzig Zyklen als Insekt oder Ameise sowie als Vogel oder anderes Tier. Bei seiner nächsten Wiedergeburt als Mensch erhält er ein Dasein in mäßiger Armut. Wer bereits in der Menschenwelt bestraft wurde, dem werden zwanzig Zyklen erlassen. Wer dabei den Tod eines Menschen verursacht, dessen Strafe wird um eine Stufe erhöht. Taten der Loyalität und kindlichen Pietät dürfen neun Anteile aufwiegen. Dreihundert kleine gute Taten wiegen ebenfalls neun Anteile auf. Die drei oben behandelten Gruppen – Witwen, Jungfrauen und verheiratete Frauen – betreffen sämtlich Frauen aus anderen Familien. Handelt es sich um Verwandte, wird die Strafe verdoppelt. Bei Verwandten, für die eine Trauerpflicht besteht, steht das Vergehen der Blutschande an Schwere unmittelbar nach. Wird es während der Trauerzeit begangen, wird die Strafe um drei Stufen erhöht. Ob es sich um eine Dienstfrau oder um eine leibeigene Dienerin handelt: Sexuelle Vergehen werden sämtlich nach den obenstehenden Bestimmungen beurteilt. Kommt der unerlaubte Geschlechtsverkehr nicht zustande, wird die Lebenszeit um ein halbes Ji gekürzt. Wird dabei der Tod eines Menschen verursacht, wird das Vergehen so behandelt, als wäre der Geschlechtsverkehr vollzogen worden. Wer mit einer Prostituierten verkehrt, dessen Lebenszeit wird um ein halbes Jahr gekürzt. Wer sich dabei eine schwere Krankheit zuzieht, dessen Lebenszeit wird um ein Jahr gekürzt. Wer bereut und sich bessert, dem wird die Kürzung der Lebenszeit erlassen. Wer dabei einen Sohn oder eine Tochter hinterlässt, wird für ein Leben als Tier wiedergeboren. Wer bereut und sich bessert, bleibt von dieser Wiedergeburt als Tier verschont. Wer männlicher Schönheit nachjagt – damit sind homosexuelle Menschen gemeint –, wird nach denselben Bestimmungen wie bei Frauen beurteilt. Bei Personen ab sechzehn Jahren gelten die Bestimmungen für Jungfrauen, bei Personen bis sechzehn Jahren diejenigen für verheiratete Frauen. Für das im chinesischen Text als „挟幼童“ bezeichnete sexuelle Fehlverhalten gegenüber einem jungen Kind gelten die Bestimmungen über den Verkehr mit Prostituierten.14 Wer obszöne Bücher verfasst, dessen Lebenszeit wird um zwei Ji gekürzt. Entsteht durch die Lektüre solcher Bücher ein Schaden infolge sexuellen Fehlverhaltens, wird dem Verfasser die Schuld zugerechnet. Solange die Bücher nicht vernichtet sind, kann er niemals aus seinem leidvollen Dasein erlöst werden. Wer obszöne Schauspiele oder erotische Darstellungen filmt, trägt dieselbe Schuld. Wer einen Fall unerlaubten Geschlechtsverkehrs weitererzählt, dessen Lebenszeit wird um ein halbes Ji gekürzt. Wird dadurch der Tod eines Menschen verursacht, wird die Lebenszeit um ein Ji gekürzt. Wer über die privaten Angelegenheiten von Frauen plaudert, trägt dieselbe Schuld. Wer bereut und sich bessert, dessen Strafe wird in allen diesen Fällen herabgesetzt. Ergänzung des Richters Lu zu den Gesetzen gegen sexuelles Fehlverhalten (Der Richter hieß mit Vornamen Zhidao und lebte zur Zeit der Song-Dynastie.) Wird im Zusammenhang mit unerlaubtem Geschlechtsverkehr ein Mittel zur Abtreibung eingenommen und geht dabei ein Menschenleben verloren, wird die Strafe verdoppelt. Unerlaubter Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau ab zwölf Jahren wird stets als Vergewaltigung behandelt, auch wenn es sich um Verführung oder anzügliches Werben handelt. Wird dabei der Tod eines Menschen verursacht, wird die Strafe verdoppelt.15 Wer bereits einen Sohn hat und sich dennoch eine Nebenfrau nimmt, dessen Lebenszeit wird für jede Nebenfrau um zwei Jahre gekürzt. Wer Rang und Ämter innehat, dem werden davon acht Anteile entzogen; seine Lebenszeit wird nicht gekürzt. Wer eine Witwe, die nicht wieder heiraten möchte, durch eine List dazu verleitet, dessen Lebenszeit wird um drei Jahre gekürzt. Möchte sie wieder heiraten, entfällt die Kürzung der Lebenszeit. Wer eine Witwe heiratet, die einen Sohn oder eine Tochter bei der Familie ihres verstorbenen Mannes zurücklässt, dessen Lebenszeit wird um zwei Jahre gekürzt. Kommt das Kind dadurch zu Tode, wird die Lebenszeit des Mannes um ein Ji gekürzt. Wer bei Zusammenkünften mit Freunden über sexuelle Ausschweifungen spricht, dessen Lebenszeit wird für je drei solcher Fälle um einen Monat gekürzt. Verleitet er dadurch jemanden zu sexuellem Fehlverhalten, wird seine Lebenszeit um drei Jahre gekürzt. Wer Rang und Ämter innehat, wird mit dem Aufschub seiner Laufbahn bestraft. Wer unterwegs einer schönen Person begegnet und ihr beim Kommen und Gehen mit den Blicken folgt, dessen Lebenszeit wird für je drei solcher Fälle um einen halben Monat gekürzt. Wer Freundlichkeit vortäuscht, tatsächlich aber böse Absichten hegt, dessen Lebenszeit wird für jeden solchen Fall um ein Suan gekürzt. Ursprüngliche Anmerkung: Ein Suan entspricht drei Monaten. Wer gern obszönen Schauspielen lauscht, dessen Lebenszeit wird für jeden solchen Fall um drei Monate gekürzt. Wer Rang und Ämter innehat, wird mit dem Aufschub seiner Laufbahn bestraft. Wer ein obszönes Schauspiel zur Aufführung bestellt, dessen Lebenszeit wird für jeden solchen Fall um ein Suan gekürzt. Entsteht dadurch ein Schaden, wird er für ein Leben als Tier wiedergeboren. Wer gern obszöne Bücher liest, dessen Lebenszeit wird für je drei solcher Fälle um einen halben Monat gekürzt. Führt dies zu einer Krankheit, wird seine Lebenszeit um drei Jahre gekürzt. Wer andere zu sexuellem Fehlverhalten verleitet, erhält die für deren Vergehen vorgesehene Strafe, um zwei Stufen vermindert. Dasselbe gilt für Väter und ältere Brüder, die ihren Söhnen oder jüngeren Brüdern solches Verhalten durchgehen lassen, sowie für diejenigen, die es ihren Dienern und ähnlichen Personen gestatten. Richter Lu sagt: Nach diesen Strafbestimmungen der Unterwelt ist bei sexuellen Vergehen auch nur geringfügige Nachsicht kaum möglich; das Vergehen der Blutschande wiegt jedoch besonders schwer. Ob jemand von niedrigerem Rang einen Höhergestellten bedrängt oder ein Älterer einen Jüngeren missbraucht: Nach dem Tod kommen sie alle in die Hölle ohne Unterbrechung. Heute sind die Sitten in der Welt zutiefst verdorben. Gerade Angehörige von Beamtenfamilien und gebildete junge Männer begehen häufig solche Taten. Sie stecken einander seit Langem damit an, gewöhnen sich daran und halten es für normal. In ihrer Verblendung kennen sie keine Scham und wissen nicht, welches Ende sie nehmen werden. Den Gottheiten und Unsterblichen blieb nichts anderes übrig, als dem Jadekaiser zu berichten und die Strafen der Unterwelt offen in der Menschenwelt bekannt zu machen, ohne etwas zu verschweigen. Wer diese Strafbestimmungen liest, zur Einsicht kommt, bereut und sich bessert, dem wird die Strafe gemindert. Wer Loyalität und kindliche Pietät übt, dem wird die Strafe gemindert. Wer Verdienste und Tugend ansammelt, dem wird die Strafe gemindert. Wer diesen Abschnitt liest und dennoch weder bereut noch sich bessert, sondern ihn sogar verleumdet, wird gewiss böse Vergeltung oder einen Blitzschlag erleiden. Wer dagegen diesen Abschnitt liest, ihm folgt und vertraut und ihn weit verbreitet, erhält folgende Vergeltung: Wer ihn hundert Menschen übermittelt, dessen Lebenszeit wird um ein Ji verlängert. Wer ihn zweihundert Menschen übermittelt und keinen Sohn hat, erhält einen Sohn. Wer ihn dreihundert Menschen übermittelt, dessen Lebenszeit wird um zwei Ji verlängert. Wer ihn vierhundert Menschen übermittelt, dessen Nachkommen gedeihen. Wer ihn fünfhundert Menschen übermittelt, dessen Rang und Ämter dauern fort. Wer ihn tausend Menschen übermittelt, dessen Name wird in das Rote Register eingetragen. Wer ihn in der ganzen Welt verbreitet, wird nach dem Tod ein Unsterblicher. Die Weitergabe an zehn wohlhabende und mächtige Menschen zählt wie die Weitergabe an zweihundert Menschen. Die Weitergabe an einen Beamten zählt wie die Weitergabe an hundert Menschen. All dies wurde vom Kaiserlichen Herrn Fuyou dem Jadekaiser vorgetragen, von diesem genehmigt und zur Durchführung freigegeben. Anmerkung: Wenn von Zyklen in der Hölle die Rede ist, bedeutet ein Zyklus, dass man einmal in einer Hölle die Qual einer Bestrafung durchläuft. Das Erleiden von Strafen in der Unterwelt ist nicht mit dem in der Menschenwelt zu vergleichen. Schon bei einer einzigen Bestrafung stirbt der Körper; dann muss der Betroffene wieder menschliche Gestalt annehmen und wird erneut auf dieselbe Weise bestraft und getötet. Erst wenn die vorgeschriebene Zahl der Zyklen durchlaufen ist, gilt dieses Vergehen als abgegolten. Liegen noch weitere Vergehen vor, muss er anschließend entsprechend diesen Vergehen weitere Höllenstrafen erleiden. Im Dongming ji habe ich ausführliche Darstellungen darüber gelesen, dass Menschen, die sich sexueller Verfehlungen schuldig gemacht haben, nach ihrem Tod eine Anrechnung und Minderung ihrer Strafe erhalten, wenn sie noch zu Lebzeiten bereuen, sich bessern und dem Guten zuwenden. Wer sich dagegen bis zum Tod nicht bessert, wird nach dem Tod von einem Gerichtshof zu den verschiedenen anderen gebracht. Er muss die Strafen der Hölle der Bestrafung des Herzens, der Hölle des Kupfermenschen, der Hölle des Herausschneidens der Nieren sowie des Benagens durch Ratten, des Ölkessels und des Zerreißens durch Wagen und aller entsprechenden großen und kleinen Höllen durchlaufen. Wer Blutschande begangen hat, kommt zusätzlich in die Hölle der Blutschande und weitere Höllen oder bleibt für immer in der Hölle eingeschlossen und erleidet die verschiedenen Strafen. Denn unter den Strafen für sexuelle Verfehlungen wiegt die für Blutschande besonders schwer. In jeder der oben genannten Höllen ist eine bestimmte Zahl von Zyklen zu durchlaufen. Erst danach kann ein Wechsel in Zyklen der Wiedergeburt erfolgen. Bei solchen Zyklen zählt jede einzelne Geburt als ein Zyklus. Auch in den beiden Büchern Jinke jiyao und Lunke jiyao sind die einzelnen Bestimmungen zur Belohnung des Guten und zur Bestrafung des Bösen ausführlich aufgeführt. Die hier vorliegenden Gesetze der Unterwelt unterscheiden ebenfalls zwischen Minderung, Erlass, Erhöhung und Anrechnung von Strafen. Daran zeigt sich, dass Gut und Böse klar unterschieden werden und nicht die geringste Abweichung geduldet wird. Zieht man die beiden Regelwerke Jin und Lun sowie das Dongming ji vergleichend heran, wird die karmische Vergeltung noch glaubhafter und findet zusätzliche Belege.16 Anmerkung: Das Jinke jiyao geht darauf zurück, dass der Kaiserliche Herr Wenchang im sechsten Jahr der Ära Xianfeng der Qing-Dynastie in Leiguqiao Chengjinlin im Kreis Liling in Hunan herabkam. Dieses Regelwerk war ursprünglich vom Höchsten Herrscher festgelegt und in einer Jadeschatulle geheim verwahrt worden. Der Kaiserliche Herr der Literatur erbat inständig einen Erlass des Jadekaisers, damit es in der Menschenwelt verbreitet werde und die himmlischen Gesetze offenbare. Diese werden auch die Gesetze der Menschenwelt genannt: Sie bestrafen die bösen Taten der Menschen und senden Unheil und Katastrophen herab, um sie im Herzen zu treffen. Im dritten Jahr der Ära Guangxu der Qing-Dynastie erhielten die beiden Kaiserlichen Herren der Literatur und des Krieges auf ihre inständige Bitte die Genehmigung des Jadekaisers. Daraufhin wurde das Regelwerk Lun verkündet, um die Gesetze der Unterwelt deutlich darzulegen. Es prüft die Vergehen der Menschen; in der Hölle werden ihre Seelen bestraft. Die verschiedenen Unsterblichen legten es weiter dar und stellten es zusammen. Was das Regelwerk Jin noch nicht vollständig enthielt, wird in diesem Buch als Fortsetzung seiner Weisungen überliefert. Die Niederschrift erfolgte durch Feiluan, damit sie den Menschen überall bekannt gemacht werde. Kommentar zur Schrift des Heiligen Kaiserlichen Herrn Guan gegen sexuelles Fehlverhalten Vorwort des Verfassers Die gesellschaftlichen Strömungen nehmen von Tag zu Tag ungesündere Formen an; besonders verbreitet ist die sexuelle Zügellosigkeit. Seit Männer und Frauen offen gesellschaftlich miteinander verkehren, suchen Männer, die eine Familie haben, gern Liebschaften und halten sich für galante Liebhaber. Frauen gehen fremd und rühmen sich dabei ihrer Vornehmheit. Junge Männer und Frauen werden von westlichen Sitten beeinflusst: Sie lesen gern pornografische Bücher und Zeitschriften, die ihre Herzen in Unruhe versetzen, und sehen gern Liebesszenen in Filmen und Theaterstücken, die ihnen den Kopf verdrehen. Sie können ihre Gefühle kaum zügeln, und ständig hört man von Grenzüberschreitungen. Wenn die Liebenden schließlich nicht zusammenkommen können, entstehen immer wieder Tragödien. Wie unglücklich! Die heiligen menschlichen Beziehungen sinken zu tierischer Begierde herab. Hinzu kommen viele Niederträchtige, die Frauen erniedrigen und unschuldige Menschen sexuell missbrauchen. Ihre Schuld ist unverzeihlich. Unter den Geistern in der Hölle sind die der Wollüstigen am zahlreichsten. Wie könnten diejenigen, die solche Vergehen begehen, nicht gründlich zur Besinnung kommen und umkehren! Betrachtet man die belebten Straßen und Märkte, so stehen dort Betriebe des Sexgewerbes aller Art dicht an dicht. Manche betreiben ihr Geschäft ganz offen, andere bieten ihre berauschenden Vergnügungen im Verborgenen an. Obwohl die Behörden sie streng verbieten, sind die Betreiber noch gerissener. Von Gewinnsucht verblendet, scheuen sie nicht davor zurück, sich über das Gesetz hinwegzusetzen. Die Lüsternen wiederum strömen scharenweise zu ihnen, verweilen dort und vergessen die Heimkehr; sie nehmen Geldverlust und Schäden an ihrem Körper in Kauf. Die Unglücklichen ziehen sich eine Krankheit mit bleibenden Folgen zu, unter denen auch ihre Nachkommen leiden. Viele Ehen geraten deshalb in Zwietracht, und viele Familien zerbrechen. Die Nachrichten darüber reißen nicht ab, Skandal folgt auf Skandal, und die Fälle von Verstößen gegen die guten Sitten sind kaum zu überblicken. Es kommt sogar zu Tötungsdelikten, oder Menschen verlieren wegen abwegiger Liebesverhältnisse ihr Leben. Daran lässt sich erkennen, dass sexuelle Begierde den Menschen mehr schadet als Überschwemmungen und wilde Raubtiere. Schon die Alten sagten: ‚Sexuelles Fehlverhalten steht an der Spitze aller Übel; den Weg in den Tod darf man nicht beschreiten.‘ Wie könnte man dem nicht glauben! Der Kaiserliche Herr spricht. Der Kaiserliche Herr sagt. Sexuelles Fehlverhalten steht an der Spitze aller Übel. Prostituierte aufzusuchen und bei ihnen zu übernachten ist sexuelles Fehlverhalten; ebenso ist es sexuelles Fehlverhalten, mit Frauen anderer Familien unerlaubten Geschlechtsverkehr zu haben. „Alle Übel“ bezeichnet alle Arten böser Taten. „Spitze“ ist im Sinne des ersten Ranges zu verstehen. Es besagt: Auch wenn es in der Welt unzählige böse Taten gibt, gilt es doch als das größte Übel, mit der Frau oder Tochter eines anderen unerlaubten Geschlechtsverkehr zu haben und ihren guten Namen und ihre sittliche Ehre zu zerstören. Kindliche Pietät geht allen guten Handlungen voran. Den Eltern gut zu dienen nennt man kindliche Pietät. Sie ist die Tugend des Gehorsams: den Eltern zu dienen, ihnen zu folgen und sich in allem nach ihnen zu richten, um ihr Herz zu erfreuen. „Alle guten Handlungen“ bezeichnet die Ausübung aller Arten guter Taten. „Voran“ bedeutet, dass man dies zuerst tun soll. Es besagt: Im menschlichen Leben soll man vor allem kindliche Pietät und Gehorsam üben, um den Eltern ihre Mühen zu vergelten. Alle übrigen guten Taten, die man vollbringen sollte, können nach der kindlichen Pietät kommen. Im Klassiker der kindlichen Pietät des Konfuzius heißt es, unter den dreitausend Vergehen, die den fünf Strafarten unterliegen, sei keines schwerer als mangelnde kindliche Pietät. Daran erkennt man, dass kindliche Pietät überaus großes Verdienst und ihr Gegenteil überaus große Schuld bedeutet. Schon das erste Buch der Gespräche des Konfuzius, Xue’er, nennt kindliche Pietät und brüderliche Achtung die Grundlage des Menschseins. Auch die erste Unterweisung der Unsterblichen und Buddhas lautet, kindliche Pietät und brüderliche Achtung zu stärken, um die menschlichen Beziehungen hochzuhalten. All dies belegt klar, dass in unzähligen Schriften und Klassikern kindliche Pietät und brüderliche Achtung an erster Stelle stehen. Wer mit anderen unerlaubten Geschlechtsverkehr hat, richtet drei Generationen zugrunde. Wenn jemand mit der Frau oder Tochter eines anderen unerlaubten Geschlechtsverkehr hat, gilt dies als die größte Schande in der Menschenwelt. „Drei Generationen“ bezeichnet drei Generationsebenen. Wer mit anderen unerlaubten Geschlechtsverkehr hat, bringt nach oben hin deren Vorfahren dazu, sich in der Unterwelt zu schämen; in der mittleren Generation nimmt er Vater, älteren Brüdern und Ehemann die Möglichkeit, anderen Menschen ohne Scham gegenüberzutreten; nach unten hin versperrt er den Kindern den Weg, im Leben voranzukommen. Wer auf diese Weise den guten Namen und die sittliche Ehre eines anderen zerstört, bringt über dessen Vorfahren, Nachkommen und ganzen Familienverband zugleich Schmach und Schande. Seine Schuld ist ungeheuer und sein Übel grenzenlos; es wiegt tatsächlich noch schwerer als die Schuld eines Mordes. Sobald es ans Licht kommt, verbreitet sich die Schande überall. „Ans Licht kommen“ bedeutet, dass der Ehebruch durch Nachforschungen entdeckt wird. „Schande“ bezeichnet den schlechten Ruf. „Sich überall verbreiten“ bedeutet, dass die Sache bisweilen in einer Zeitung erscheint und dann in allen Dörfern und Gegenden sowie in allen Kreisen und Städten weitererzählt wird. Der Vater erkennt sie nicht mehr als Tochter an, der Ehemann nicht mehr als Frau, der Sohn nicht mehr als Mutter. Wenn eine Frau sexuelles Fehlverhalten begeht, sind ihr Vater, ihr Ehemann und ihr Sohn bereits von Scham und Schande betroffen und können anderen Menschen nicht mehr offen gegenübertreten. Sie fürchten nur, die Sache nicht gut genug verbergen zu können. Wer wäre da bereit, vorzutreten und sie als Tochter, Ehefrau oder Mutter anzuerkennen? Es kommt sogar dazu, dass das Messer über ihren Hälsen schwebt und Mann und Frau beide sterben. Wenn jemand unerlaubten Geschlechtsverkehr mit Frau oder Tochter eines anderen hat und dies entdeckt wird, entwickelt sich daraus häufig ein Tötungsdelikt. In manchen Fällen verlieren der Ehebrecher und die ehebrecherische Frau deshalb ihr Leben. Die Leichen werden preisgegeben, die Gebeine bloßgelegt; die Schande trifft auch die Verwandtschaft. Ist ein Tötungsdelikt geschehen und ein Mensch ums Leben gekommen, muss die Obrigkeit zur Leichenschau herbeigerufen werden. Wie könnten dabei die Leiche und ihre Gebeine nicht bloßgelegt werden? Wenn andere fragen, aus welchem Geschlecht die Person stammt, die wegen Ehebruchs getötet wurde, können auch ihre Sippenangehörigen und Verwandten anderen Menschen nicht mehr ohne Scham gegenübertreten. Man fragt: Aus welcher Familie stammt diese Frau? Sie hat keinerlei Erziehung genossen. Aus welchem Geschlecht stammt dieser Mann? Er gleicht wahrhaftig Pferden und Rindern. „Keinerlei Erziehung“ bedeutet, keine Erziehung in der Familie erhalten zu haben. „Pferden und Rindern gleichen“ bedeutet, wie diese Tiere weder Anstand und Rechtschaffenheit noch Scham zu kennen. Wenn andere fragen, aus welcher Familie die Frau und aus welchem Geschlecht der Mann stammt, schämen sich alle Angehörigen der Familie und der Sippe. Wenn sie sich aber Pfingstrosen schenken und Orchideen pflücken, wird ihre Zuneigung noch inniger. Man pflückt Pfingstrosen oder Orchideen und schenkt sie heimlich dem geliebten Menschen. Dabei geht man äußerst behutsam vor, damit niemand davon erfährt. Dies führt dazu, dass sie den eigenen Ehemann vergiftet und zum Tode verurteilt wird.23 Wenn eine ehebrecherische Frau ihre Liebesbeziehung mit dem Ehebrecher auf Dauer fortsetzen will, wird sie zwangsläufig heimlich Gift kaufen und ihren eigenen Mann damit töten. Sobald die Beweise für das Verbrechen zur Anzeige gebracht werden, wird die Obrigkeit gemäß den Bestimmungen streng gegen sie vorgehen und die Höchststrafe verhängen, um das Vergehen der sexuellen Ausschweifung zu ahnden. Das Todesurteil steht fest; Seele und Lebensgeist zerstreuen sich und vergehen. Wer einen Menschen tötet, muss mit dem Leben dafür bezahlen; das sexuelle Vergehen wird nicht vergeben. Der Richter verhandelt den Fall und setzt die Todesstrafe fest. Sobald das Urteil gefällt und die Todesstrafe verkündet ist, sind alle außer sich vor Entsetzen und können nur schwer Erlösung finden. Vater und Sohn wehklagen, Mutter und Tochter tragen ihren Schmerz. Unzählige Menschen lachen und schmähen sie. Was hilft jetzt noch Reue? Die Eltern kommen zur Hinrichtungsstätte und sehen ihre Söhne oder Töchter unter der schweren Strafe sterben. Ihnen bleibt nur, vor Kummer laut zu weinen. Unzählige Menschen lachen oder schimpfen und sagen, eine ehebrecherische Frau und ihr Liebhaber, die den Ehemann ermordet haben, verdienten eben dieses Schicksal. Selbst wenn sie Reue empfinden, ist es bereits zu spät. Doch wer der sexuellen Ausschweifung zugetan ist, bleibt ungerührt und kennt keine Scham. „Ungerührt“ bedeutet hier, ruhig und unbekümmert zu sein. „Scham“ bezeichnet das Gefühl der Beschämung. Es besagt, dass Menschen, die der sexuellen Ausschweifung zugetan sind, sich im Gegenteil sicher und unbehelligt fühlen und keine Scham empfinden. Obwohl sie der sittlichen Lehre angehören, sind sie bereit, die sittliche Ordnung zu zerstören und die Bräuche zu verderben. Wer die Schriften studiert und die rechten Grundsätze versteht, gehört der sittlichen Lehre an. „Sittliche Ordnung“ bezeichnet die fünf beständigen Tugenden: Menschlichkeit, Rechtschaffenheit, Anstand, Weisheit und Vertrauenswürdigkeit. „Bräuche“ bedeutet Sitten und Gebräuche. Es besagt, dass es auch unter den Gebildeten, die die rechten Grundsätze verstehen, Menschen gibt, die wissentlich gegen die Regeln verstoßen, unerlaubten Geschlechtsverkehr mit Frauen anderer Familien haben und bereitwillig Taten begehen, die die guten Sitten verderben. Da nimmt der ältere Bruder die Frau des jüngeren in Besitz; der jüngere treibt mit der Frau des älteren Ehebruch. Die eine Schwägerin ist die Ehefrau des jüngeren Bruders, die andere die Ehefrau des älteren Bruders. „In Besitz nehmen“ bedeutet, sie gewaltsam an sich zu nehmen; „Ehebruch treiben“ bedeutet, heimlich unerlaubten Geschlechtsverkehr zu haben. Wenn der ältere Bruder die Frau des jüngeren gewaltsam an sich nimmt oder der jüngere heimlich mit der Frau des älteren verkehrt, sind solche Brüder wahrhaftig Sünder innerhalb der sittlichen Lehre. Da begehrt der Onkel die Frau des Neffen; der Neffe geht mit der Frau seines Onkels eine unerlaubte Verbindung ein. 28 Sowohl Blutschande als auch eine Verbindung, die den Regeln des Anstands widerspricht, werden als unerlaubte Verbindung bezeichnet. Ein Onkel sieht, dass die Frau seines Neffen schön ist, entwickelt unlautere Gedanken und verkehrt mit ihr. Oder ein Neffe sieht, dass die Frau seines Onkels schön ist, und sucht nach Mitteln und Wegen, mit ihr eine unerlaubte Verbindung einzugehen. Sie alle sind Tiere im Gewand von Menschen. 28 Beide empfinden Freude und Vergnügen und denken nur an das augenblickliche Wohlbehagen. „Freude“ bedeutet Frohsinn, „Vergnügen“ bedeutet Lust, und „Wohlbehagen“ bedeutet Bequemlichkeit und Behaglichkeit. Es besagt, dass Mann und Frau sich freuen und vergnügen, wenn sie miteinander unerlaubten Geschlechtsverkehr haben können. Sie kennen jedoch nur das gegenwärtige Wohlbehagen und kümmern sich überhaupt nicht um den späteren Ruin. Ein halbes Leben voller Missgeschick – und sie ahnen nicht den Niedergang nach ihrem Tod. „Ein halbes Leben“ bedeutet eine halbe Lebenszeit. „Missgeschick“ bedeutet, dass die Dinge nicht gelingen. „Niedergang“ bezeichnet Verfall und Absturz. Es besagt, dass Menschen, die der sexuellen Ausschweifung zugetan sind, häufig ihre Stellung und ihren guten Namen verlieren. Schon zu Lebzeiten verläuft die Hälfte ihres Lebens unglücklich; nach ihrem Tod müssen auch ihre Nachkommen den Untergang der Familie und den Tod ihrer Angehörigen erleiden. Entweder erlischt der Weihrauch der Ahnenverehrung, oder die Nachkommen sinken zu Bettlern herab. Die Nachkommen sind gleichsam die Füße, auf denen das Räuchergefäß der Alten steht. Gibt es keine Nachkommen mehr, erlischt auch der Weihrauch. Wer um Getreide und Nahrung bittet, ist ein Bettler. Selbst wenn Menschen, die der sexuellen Ausschweifung zugetan sind, Nachkommen haben, müssen diese zu Bettlern herabsinken. Entweder müssen Frau und Töchter die Schuld vergelten, oder die Nachkommen verelenden. „Vergelten“ bedeutet, eine Schuld zurückzuzahlen. Es besagt, dass die eigene Frau und die eigenen Töchter eines sexuell ausschweifenden Menschen unweigerlich seine sexuelle Schuld für ihn begleichen müssen, indem sie sich willig dem unerlaubten Geschlechtsverkehr mit anderen hingeben. „Verelenden“ bedeutet, dass die Zeiten schlecht werden und das Glück schwindet, alles verfällt und man völlig den Mut verliert. Ein einsames Grab, ein umherirrender Geist – wer verbrennt für ihn Papiergeld? Nach seinem Tod nennt man einen Menschen einen Geist; aufgeschüttete Erde bildet das Grab. Wenn ein sexuell ausschweifender Mensch in der Fremde stirbt, auf einem verlassenen Berg begraben wird und zu einem umherirrenden Geist mit einem einsamen Grab wird, wer wird dann für ihn Papiergeld verbrennen und Opferpapier aufhängen? Ein leichtfertiger, zügelloser Sohn – wer bringt ihm Speisen dar? Es besagt, dass leichtfertige junge Männer, die ein unstetes und sexuell ausschweifendes Leben führen, häufig ohne Nachkommen bleiben. Wer wird ihnen dann an Geburtstagen und Jahresfesten Speisen darbringen? Wenn man dies ausspricht und daran denkt, wie könnte man nicht traurig sein? „Aussprechen“ bedeutet reden, „daran denken“ bedeutet nachdenken. Als der Kaiserliche Herr in seiner Rede zu diesem Punkt kommt und über diese Dinge nachdenkt, empfindet auch er tiefes Mitgefühl und Trauer um die Menschen. Auch Menschen aus hart arbeitenden Bauernfamilien werden leichtfertig und arbeitsscheu. „Bauernfamilien“ sind Haushalte, die vom Ackerbau leben. „Leichtfertig“ bedeutet hier, oberflächlich zu sein und Mühsal nicht ertragen zu können. Es besagt, dass neben den jungen Gelehrten auch die Söhne aus Bauernhaushalten leichtfertige Gewohnheiten annehmen und ihren Körper nicht anstrengen oder schwere Arbeit leisten wollen. Sie denken nicht daran, den Eltern kindliche Pietät und den Älteren Achtung zu erweisen, sondern bohren Löcher und steigen über Mauern. „Nicht daran denken“ bedeutet, es nicht in Erwägung zu ziehen. „Eltern“ bezeichnet Vater und Mutter; „Ältere“ bezeichnet die ältere Generation. „Loch“ bedeutet eine Öffnung. „Löcher bohren“ heißt, eine Wand mit großen oder kleinen Öffnungen zu durchbrechen, um heimlich Frauen aus dem Nachbarhaus zu beobachten. „Übersteigen“ bedeutet, hinüberzusteigen. Manche klettern sogar über die Mauer, um mit den Frauen anderer unerlaubten Geschlechtsverkehr zu haben. Es besagt, dass leichtfertige junge Männer nichts von kindlicher Pietät und brüderlicher Achtung wissen wollen, sondern stattdessen Ehebruch, Diebstahl und sexuelles Fehlverhalten begehen. Die Äcker im Süden, die Felder im Osten – alles verdorrt. „Die Äcker im Süden“ bezeichnet die südlich gelegenen Felder; „die Felder im Osten“ bezeichnet das Land im Osten. „Werden“ bedeutet sich verändern. „Verdorren“ bedeutet, dass die jungen Feldpflanzen verkümmern und sterben. Es besagt, dass die Feldpflanzen überall, weil niemand Unkraut jätet oder düngt, selbst wenn sie zuvor üppig gediehen, später vertrocknen und absterben.24 In den Türmen von Qin und den Häusern von Chu fragt man nicht nach Frühling und Herbst. „Die Türme von Qin“ sind die Türme und Terrassen des Staates Qin; „die Häuser von Chu“ sind die Häuser des Staates Chu. Beide bezeichnen Orte, an denen Prostituierte leben. Es besagt, dass die Söhne aus Bauernfamilien sich in den Vergnügungsvierteln verlieren, lange dort verweilen, die Rückkehr vergessen und nicht mehr wissen, ob Frühling oder Herbst ist. Sie verkaufen den angestammten Familienbesitz, um die Schulden ihrer Liebesabenteuer zu begleichen; die Versorgung der Eltern kommt vollständig zum Erliegen. „Zum Erliegen kommen“ bedeutet hier, eingestellt zu werden. „Versorgung“ meint die Speisen und das Getreide, mit denen man seine Eltern ernährt. „Schulden“ sind ausstehende Verbindlichkeiten. „Schulden der Liebesabenteuer“ sind geliehene Geldbeträge, die für den Umgang mit Prostituierten ausgegeben wurden. Sind die Schulden erst zahlreich geworden, bleibt nichts anderes übrig, als den gesamten angestammten Familienbesitz zu verkaufen. So wird schließlich auch die Versorgung der Eltern mit Speisen und Getreide vollständig eingestellt. Er verpfändet die Mitgift, um morgens wie abends zu schlemmen und sich zu betrinken; für die Kinder bleibt der Herd lange kalt. „Verpfänden“ bedeutet, etwas als Sicherheit für Geld zu hinterlegen. Die „Mitgift“ sind die Kleider und Schmuckstücke, die die Ehefrau bei der Heirat mitgebracht hat. Weil er Tag und Nacht im Haus der Prostituierten schlemmt und sich betrinkt, hat er die Mitgift schon längst vollständig verpfändet. Dadurch erlischt zu Hause das Herdfeuer; es gibt keinen Reis mehr für den Topf, und auch die Kinder müssen fortan frieren und hungern. Das Geld am Kopfende des Bettes ist aufgebraucht; Krankheiten aus eigener Verfehlung haften ihm an. Das „Kopfende des Bettes“ ist die Stelle neben dem Kissen. „Das Geld ist aufgebraucht“ bedeutet, dass alles Geld ausgegeben wurde. „Krankheiten aus eigener Verfehlung“ sind etwa Syphilis oder Tripper, mit denen man sich im Haus der Prostituierten angesteckt hat, oder Krankheiten wie Bluterbrechen und Auszehrung infolge übermäßiger sexueller Begierde, die einem dann anhaften. Da man dieses Unheil selbst verursacht hat, heißen sie „Krankheiten aus eigener Verfehlung“. Niedergestreckt liegt er auf der Straße; Verwandte und Freunde halten sich die Nase zu. Hat sich ein der Unzucht verfallener Mensch durch den Verkehr mit Prostituierten eitrige Geschwüre und andere Krankheiten aus karmischer Schuld zugezogen, verweigern ihm die Prostituierten den weiteren Umgang und weisen ihn zur Tür hinaus. Da er nicht mehr gehen kann, bleibt ihm nur, auf der Straße zu liegen. Der üble Geruch ist unerträglich; Verwandte und Freunde, die dort vorbeikommen, halten sich allesamt die Nase zu. Sein Leben währt noch einen kurzen Augenblick; alte Vertraute sind von Schmerz erfüllt. „Leben“ meint das menschliche Leben. „Währen“ bedeutet hier, noch zu bleiben. Ein „kurzer Augenblick“ ist nicht einmal ein halbes Shichen. „Alte Vertraute“ sind langjährige Verwandte und Freunde. „Von Schmerz erfüllt“ bedeutet traurig zu sein. Es besagt: Auch wenn das Leben des der Unzucht Verfallenen noch einen kurzen Augenblick anhält und er noch nicht gestorben ist, empfindet jeder seiner alten Vertrauten, der ihn sieht, Kummer um ihn. Aus der Ferne denkt er an die damaligen Jahre zurück; wie sollte er diesen Rückblick ertragen? „Aus der Ferne“ bedeutet weit entfernt. „Zurückdenken“ heißt, sich Vergangenes in Erinnerung zu rufen. Die „damaligen Jahre“ sind die früheren Tage. „Wie sollte er es ertragen?“ bedeutet, dass er es nicht über sich bringt. „Zurückblicken“ heißt, den Kopf zurückzuwenden. Es besagt: Wenn er aus seiner gegenwärtigen Lage an die Zeit zurückdenkt, als ihn die schlimme Vergeltung noch nicht getroffen hatte, und daran, wie glücklich er damals war, bringt er es wahrlich nicht über sich, den Kopf zu wenden und zurückzuschauen. Bei einem solchen Ende bedarf es keines Seufzens. „Ein solches“ heißt so geartet. „Ende“ bedeutet hier den Niedergang. „Es bedarf nicht“ heißt, es ist nicht nötig. Es besagt: Dass der der Unzucht Verfallene schlimme Vergeltung erfährt und auf diese Weise zu Fall kommt, ist auch das, was ihm gebührt. Man braucht seinetwegen weder zu seufzen noch Mitleid zu empfinden. Auch tüchtige Handwerker und geschickte Kunsthandwerker sollen sich an die Regeln halten. „Handwerker“ und „Kunsthandwerker“ bezeichnen beide Menschen mit handwerklichen Fertigkeiten, beispielsweise technische Fachkräfte in den verschiedenen Gewerben. „Tüchtig“ bedeutet vorzüglich und fein gearbeitet. „Geschickt“ bedeutet kunstvoll und meisterhaft. „Regeln“ sind Vorschriften und Maßstäbe. Es besagt: Wer eine Fertigkeit erlernt hat, soll sich selbstverständlich an die Vorschriften und Maßstäbe halten, die ihm sein Meister vermittelt hat. Keinesfalls darf er sich der Unzucht und der Begierde nach Schönheit hingeben. Mancher missachtet die Lehren des Meisters und verabredet heimlich eine Nacht im Gasthaus. Auf die Worte der Freunde hört er nicht; schon sehnt er sich nach Freuden im Mondschein. Die „Lehren des Meisters“ sind die Mahnungen des Lehrmeisters an seinen Lehrling, sich nicht der Unzucht und der Begierde nach Schönheit hinzugeben. „Missachten“ bedeutet, ihnen nicht zu folgen. „Heimlich verabreden“ heißt, sich im Verborgenen mit Frauen anderer Haushalte in einem Gasthaus oder einer Herberge zu treffen, um dort unerlaubten Geschlechtsverkehr zu haben. Auch wenn Freunde ihn ermahnen, nicht der Unzucht nachzugehen, hört er nicht auf sie, sondern will unbedingt im Mondschein die Frauen anderer Haushalte verführen. Seid ihr auch anmutige Mädchen und zarte Frauen, dem eisernen Netz entkommt ihr schwer. Mag sie ein Gesicht wie eine Blume und Schönheit wie der Mond haben: Der goldene Haken wird ausgeworfen. „Anmutige Mädchen“ sind hübsche junge Frauen. „Zarte Frauen“ sind zierliche Frauen. Ein „Gesicht wie eine Blume“ ist ein Gesicht, das so schön anzusehen ist wie eine Blüte. „Schönheit wie der Mond“ meint ein Gesicht, das so zartweiß ist wie der Mond. Ein „eisernes Netz“ ist ein Netz aus Eisendraht, aus dem gefangene Vögel und Tiere nicht mehr entkommen können. Ein „goldener Haken“ ist ein Haken aus Kupfer oder Eisen, von dem sich gefangene Fische und Schildkröten nicht mehr lösen können. Es besagt: Keusche Frauen werden oft von Schürzenjägern mit raffinierten Plänen umgarnt oder mit Geld gelockt. Immer wieder geraten sie in deren Fallen, werden geschändet und verlieren ihren guten Ruf und ihre sittliche Ehre. Daran zu denken lässt einen vor Hass und Schmerz die Zähne zusammenbeißen. Die junge Frau trägt Scham im Herzen und will sich am Dachbalken erhängen. Die junge Schönheit ist geschändet und bereit, ins Wasser zu springen und sich in den Fluss zu stürzen. Eine Frau in jungen Jahren heißt „junge Frau“; ein junges Mädchen, das sein Gesicht mit rotem Puder schminkt, heißt „junge Schönheit“. Werden sie eines Tages von jemandem geschändet und ihr guter Ruf und ihre sittliche Ehre zerstört, schämen sie sich, anderen unter die Augen zu treten. Nicht selten erhängen sie sich an einem Dachbalken oder ertränken sich, nur um dem Spott und den Beschimpfungen anderer zu entgehen. Der bittere Groll lässt sich nicht stillen; weinend klagen sie am Geistertor. Die Seelen der zu Unrecht Geschädigten finden keine Ruhe und reichen in der Unterwelt Klage ein. „Weinend klagen“ bedeutet, unter Tränen zu berichten. „Klage einreichen“ heißt, eine Klageschrift vorzulegen. Das „Geistertor“ ist der Zugang zur Verwaltung der Unterwelt. Die „Unterwelt“ meint hier den Amtssitz des Unterweltkönigs. Es besagt: Frauen, die geschändet wurden und voller Scham starben, finden sich mit ihrem Tod nicht ab. Das ihnen zugefügte Unrecht, das ihr ganzes Inneres erfüllt, verdichtet sich zuerst zu Qi des Grolls und wird dann zu unheilvollem Qi. Sie wollen unbedingt zu rachsüchtigen Geistern werden und den Mann, der die Unzucht beging, lebend ergreifen, um ihren Hass zu stillen. Wenn sie nicht am Geistertor unter Tränen klagen, in der Unterwelt eine Klageschrift einreichen und den Unterweltkönig bitten, ihnen die Vergeltung zu erlauben, wie sollte sich dieser böse Groll legen? Wie sollte dieses Unrecht ans Licht kommen? Bei solcher Rache geschädigter Geister wird der betreffende Mann etwa dazu gebracht, sich zu erhängen und selbst zu töten, oder er wird so erschlagen, dass er aus den sieben Körperöffnungen des Kopfes blutet und stirbt. Belege für derartige Fälle finden sich häufig in den Aufzeichnungen ungewöhnlicher Begebenheiten bei den Beamtenprüfungen vergangener Dynastien. In der fünften Halle herrscht Strenge; das Gesetz duldet keinen Aufschub. Mit der „fünften Halle“ ist die fünfte Gerichtsbehörde der Unterwelt gemeint. „Strenge“ bezeichnet die außerordentliche Strenge der Gesetze des Königs Yanluo. Es besagt: Stirbt ein Mensch, der sexuelles Fehlverhalten begangen hat, und gelangt er in die Unterwelt, so tadelt ihn der Unterweltkönig sogleich nach dem Grundsatz, dass sexuelles Fehlverhalten an der Spitze aller Übel steht. Er lässt sich keinesfalls von persönlichen Gefühlen leiten. Wie könnte er da auch nur einen Augenblick Nachsicht oder Aufschub gewähren? Kupferhammer und eiserne Schneide: Blut fließt, Fleisch wird zerfetzt. Schwertbäume und Messerberge: Leib und Geist werden zerstreut. Mit einem Hammer aus Kupfer wird der Körper zerschlagen, mit einer eisernen Schneide wird er zertrennt. Wie sollte da nicht Blut strömen und Fleisch überall verstreut werden? Ja, man wird sogar auf Schwertbäume geschleudert und auf Messerberge geworfen. Der Leib wird unweigerlich in der Hölle zerstreut, die geistige Lebenskraft stürzt unweigerlich ins Meer des Leidens. Ist ein solches Ende für den der Unzucht Verfallenen nicht beklagenswert? Ein einziger fehlgeleiteter Gedanke lässt sich ein Leben lang nicht mehr sühnen. „Fehlgeleitet“ bedeutet falsch. „Sühnen“ heißt hier, etwas mit einem Gegenwert zurückzukaufen. „Ein Leben lang“ meint die gesamte Lebenszeit. Es besagt: Weil man damals einen falschen Gedanken fasste und sexuelles Fehlverhalten beging, kann man sich ein ganzes Leben lang nicht mehr von dem früheren Vergehen freikaufen und der schlimmen Vergeltung in der Hölle entkommen. Jener Mensch – wie sollte er dies im Herzen ertragen? „Jener Mensch“ bezeichnet diesen Menschen. Es besagt: Wie sollte ein solcher Lüstling, wenn es erst so weit gekommen ist, innerlich darüber hinwegkommen? Wie sollte sein Herz durch Reue noch eine Wendung finden? Verabscheuungswürdig sind jene, die an Flüssen und Seen Handel treiben und Geld wie Erde verschleudern. „Handel treiben“ bedeutet, Geschäfte zu machen. Es besagt: Am verabscheuungswürdigsten sind jene, die an den drei Flüssen und fünf Seen Handel treiben, der Unzucht nachgehen und Prostituierte aufsuchen. Sie geben Gold und Silber aus, als wären es Mist und Erde. Sie halten eine Prostituierte im Arm und flirten mit ihr – was kümmern sie lange Nachtwachen oder kurze Nächte? Eine „Prostituierte“ ist eine Frau, die ihren Körper verkauft. Es besagt: Sie halten Prostituierte im Arm und reizen durch Trinken und Lachen ihre ausschweifenden Begierden an. Tag und Nacht verweilen sie dort, ohne heimzukehren, und haben keine Muße, auf die Länge oder Kürze der Nacht zu achten. Verliebt in Wind und Blumen, schwelgen sie im Vergnügen; völlig vergessen sie, dass der Mond untergeht und die Krähen rufen. „Verliebt“ bedeutet, sich begierig an etwas zu klammern und nicht davon lassen zu können. „Wind und Blumen“ sind Blumen im Wind, deren reizvolle Bewegung die sexuelle Begierde weckt. Wenn der Mond untergeht und die Krähen rufen, ist dies das Zeichen, dass es bald hell wird. Es besagt: Sie kennen nur die Liebesfreuden des Frühlings und sehen ihr Vergnügen darin, sich an Prostituierte zu klammern. Sie vergessen, dass es bald Tag wird, und wollen sich immer noch nicht trennen. Lange von Heimat und Nachbarn getrennt, schicken sie selten einen Fischbrief. Fernen Orten bleiben sie lange verbunden; kaum gelangt eine Gänsebotschaft nach Hause. „Fischbrief“ bezieht sich darauf, dass Menschen in alter Zeit Briefe im Bauch eines Fisches übermittelten. „Gänsebotschaft“ meint einen Brief an die Familie, der an den Fuß einer Wildgans gebunden und so in die Heimat gesandt wurde; dies ist die Geschichte von Su Wu aus der Han-Dynastie. Es besagt: Wer in der Fremde, fern der Heimat, Handel treibt und sich in Prostituierte verliert, kümmert sich nicht darum, wie viel Zeit verstreicht, und schickt auch keinen Brief nach Hause. Das angeborene Nierenwasser ist aufgezehrt; er nimmt Arznei, doch die Arznei wirkt nicht. Erst als die Krankheit ausgebrochen ist, bereut er; er bittet die Gottheiten, doch die Gottheiten helfen nicht. Ist die Essenz des angeborenen Nierenwassers durch Unzucht und die Begierde nach Schönheit vollständig aufgezehrt, so muss dies unweigerlich zu einem ausgemergelten Äußeren führen. Die Krankheit wird unheilbar, Arznei bleibt wirkungslos. Erst jetzt zu bereuen ist zu spät; auch die Gottheiten anzuflehen und Gelübde abzulegen ist dann vergeblich. Weinend blickt er zum Ende der Welt – wer kommt noch, nach ihm zu sehen? Das „Ende der Welt“ bedeutet so viel wie weit entfernt am Rand des Himmels. „Nach jemandem sehen“ heißt, ihn zu besuchen. Es besagt: Wenn du zu dieser Zeit krank geworden bist, wer wird dich dann besuchen, selbst wenn du zum Ende der Welt hin weinst? Nach dem Tod wird er zum Geist an fremdem Ort; als Seele bleibt er in der Fremde. Ist er in einer fremden Gegend gestorben, so bleiben seine Seele und sein Geist unweigerlich lange in der Fremde, ohne zurückzukehren. „Gegend“ bedeutet ebenfalls einen Ort. Tausend Li Berge und Flüsse – wer erbarmt sich der dürren Gebeine? Ein Haufen wildes Gras – vergeblich sucht man nach Verwandten und Freunden. Liegt ein Gerippe dürrer Knochen tausend Li weit entfernt begraben, wer erbarmt sich dann seiner und bringt es in die Heimat zurück? Sein Grab ist nur noch ein Haufen Gras. Wenn keine Verwandten oder Freunde kommen, es zu besuchen, wer soll sich dann seiner erbarmen, ihm Papiergeld verbrennen und Opferpapier aufhängen sowie verhindern, dass Rinder und Pferde sein Grab zertrampeln? „Suchen“ bedeutet, nach jemandem oder etwas Ausschau zu halten. Die Vergeltung tritt klar zutage und verfehlt ihr Ziel nicht um Haaresbreite. „Klar zutage treten“ bedeutet deutlich sein. Es besagt, dass die Vergeltung ganz offensichtlich ist und nicht im Geringsten irrt. Ich aber mahne und warne eindringlich; meine Hoffnung gilt den vier Ständen. „Ich“ meint mich, also den Kaiserlichen Herrn. „Eindringlich“ bedeutet beharrlich und von Herzen. „Mahnen und warnen“ heißt, verständlich zu unterweisen. Die „vier Stände“ sind Gelehrte, Bauern, Handwerker und Kaufleute. Es besagt: Ich ermahne euch, eure Fehler zu berichtigen und euch dem Guten zuzuwenden; gebt euch keinesfalls der Unzucht hin. Wer wahrhaft Herz und Wesen zu pflegen vermag, begeht kein sexuelles Fehlverhalten. „Wahrhaft“ bedeutet mit festem Entschluss. „Pflegen“ hat den Sinn, etwas wie mit Wasser zu durchtränken. Es besagt: Wer sein Herz und Wesen entschlossen durch Menschlichkeit, Rechtschaffenheit und sittliche Tugend pflegt und sich nicht von sexueller Begierde verblenden lässt, begeht von selbst auch nicht das schwerste Übel, das sexuelle Fehlverhalten. Dann werden Dichtung und Riten in der Familie weitergegeben; Speicher und Truhen verheißen Freude. Ruhm wird erworben, Wohlstand erreicht; hohes Alter und reicher Segen werden zuteil. Auch kann man Dichtung, Schriften, Riten und Musik als Regeln des Familienlebens weitergeben und Kinder und Enkel dazu anhalten, eifrig zu studieren und fleißig den Acker zu bestellen. Zum einen können tausend Speicher und zehntausend Truhen Wohlstand bringen, zum anderen kann man Erfolge erzielen und sich einen Namen machen sowie Glück und ein langes Leben genießen. „Hohes Alter“ bedeutet ein langes Leben. „Reicher Segen“ bedeutet überreiches Glück. Der Türsturz erstrahlt in hellem Glanz – wahrlich ein Haus von Reichtum und Rang. Der „Türsturz“ ist der Querbalken über der Tür. „In hellem Glanz erstrahlen“ bedeutet, dass dort eine Tafel mit goldenen Schriftzeichen hängt, deren Glanz prächtig anzusehen ist. So zeigt sich wahrlich das Erscheinungsbild von Reichtum und Rang. Das Viertel gewinnt an Glanz; wahrhaft würdig sind solche Menschen, tragende Säulen zu sein. Das „Viertel“ sind die Tore und Gassen der Verwandtschaft und Nachbarschaft. „Tragende Säulen“ meint Menschen, die hohe Beamte werden und den tragenden Balken eines Staates gleichen. Gibt es solche Menschen im Viertel, so fällt auf jedes Haus etwas von ihrem Glanz; es ist eine unvergleichliche Ehre. „Wahrhaft würdig“ heißt, dieser Bezeichnung gerecht zu werden. Vor dem Hof wachsen glückverheißende Kräuter; Orchideen und Osmanthus verströmen ihren Duft. „Vor dem Hof“ bedeutet vor den Stufen. „Glückverheißende Kräuter“ sind duftende Kräuter. Es besagt: Orchideen und Osmanthusblüten füllen den Hof und duften allesamt. Nur ein Haus von Reichtum und Rang bietet ein solches Bild. Vor der Tür steigt glückverheißender Dunst auf; Chun-Baum und Taglilie gedeihen gemeinsam. „Glückverheißender Dunst“ ist eine glückbringende Ausstrahlung. Das Gedeihen des Chun-Baums steht dafür, dass der Vater noch lebt; das Blühen der Taglilie dafür, dass die Mutter noch am Leben ist. Es besagt: Sind beide Eltern noch da, so zieht vor der Tür oft eine glückverheißende Ausstrahlung ihre Kreise. Erforscht man den Grund dafür, so rührt dies zur Hälfte vom Verzicht auf sexuelles Fehlverhalten her. „Erforschen“ bedeutet untersuchen. Es besagt: Geht man den Gründen nach, so handelt es sich meist um Menschen, die kein sexuelles Fehlverhalten begehen. Woher es kommt, lässt sich daher von selbst erkennen. Doch an Menschen, die der Unzucht verfallen waren, hat es seit alters her ebenfalls nicht gefehlt. „Nicht fehlen“ bedeutet, dass es nicht wenige sind. Es besagt, dass es seit alters her nicht wenige Menschen gibt, die der Unzucht und der Begierde nach Schönheit verfallen sind. Jie von Xia missachtete den rechten Weg: Indem er Meixi verhätschelte, richtete er sein Reich zugrunde. Zhou von Shang fehlte es an Menschlichkeit: Durch seine Liebe zu Daji zerstörte er den Staat. „Jie von Xia“ ist König Jie der Xia-Dynastie. Meixi ist seine Gemahlin. „Zhou von Shang“ ist König Zhou der Shang-Dynastie. Daji ist seine Gemahlin. „Berge und Flüsse“ und „Altäre der Erde und des Getreides“ sind andere Bezeichnungen für das Reich. Es besagt, dass sowohl Jie als auch Zhou ihr Reich verloren, weil sie sich in der Begierde nach Frauen verloren hatten. Herzog Zhuang von Qi verlor wegen Tang Jiang sein Leben – ein unsagbares Elend. Herzog Ling von Chen kam wegen der Frau Xia um – eine Schande, nach der zu fragen man nicht erträgt. Herzog Zhuang war der Herrscher des Staates Qi. Tang Jiang war die Ehefrau des Herrn Tang, eines Gefolgsmanns von Qi. Herzog Zhuang von Qi wurde wegen seines unerlaubten Verhältnisses mit Tang Jiang ermordet. Herzog Ling war der Herrscher des Staates Chen. Die Frau Xia war die Mutter von Xia Zhengshu, einem Gefolgsmann von Chen. Herzog Ling von Chen wurde wegen seines unerlaubten Verhältnisses mit ihr ermordet. Das Geschehen war elend, ihr Ruf schändlich; nach beidem zu fragen ist unerträglich. Auch die übrigen Fälle: „Xintai“, „Qiangci“, die Ufer des Pu und Sangjian – wer ihre Gedichte liest, wird ihr Treiben ausnahmslos dem von Tieren gleichsetzen. Das Gedicht „Xintai“ aus den „Liedern von Bei“ tadelt Herzog Xuan von Wei dafür, dass er als Vater seine Schwiegertochter zu sich nahm. Das Gedicht „Qiangci“ aus den „Liedern von Yong“ tadelt Prinz Tou für sein unerlaubtes Verhältnis mit der Landesmutter. Ferner gab es am Fluss Pu im Staat Wei einen Ort namens Sangjian. Dort herrschten zügellose sexuelle Sitten; man kannte weder Riten noch Rechtschaffenheit und unterschied sich in der Tat nicht von Tieren. Darum bezeichnet jeder, der diese Gedichte liest, ihr Verhalten als dem von Tieren gleich. Die vergangenen Geschehnisse lassen sich zurückverfolgen – so weit ist es damit gekommen. Die „vergangenen Geschehnisse“ sind die oben geschilderten Ereignisse um Jie, Zhou und die Herrscher von Qi und Chen. Es besagt: Dass ihre Unzucht so weit führte, dass ihr Verhalten dem von Tieren glich, lässt sich alles in der Erinnerung nachvollziehen. Als ich dem Hause Han diente, konnte ich mein Herz bis in den kleinsten Winkel offenlegen. Der Kaiserliche Herr sagt: Ich war ein Diener der Han und widmete mich mit ganzem Herzen der Stützung des Hauses Han. Was mein Herz bewegte, konnte ich in jedem noch so kleinen Teil vor aller Welt offenlegen. Mit einer Kerze in der Hand wartete ich auf den Morgen; Cao Man wollte ich mich nicht anschließen. „Morgen“ bedeutet Tagesanbruch. Der Kaiserliche Herr sagt: In früheren Jahren begleitete und beschützte ich die kaiserliche Schwägerin auf einer Reise, als wir vom Lager Cao Caos aufgehalten wurden. Cao Cao wollte Zwietracht zwischen mir und meinem Herrn säen. Er sperrte mich und meine Schwägerin gemeinsam in ein Zimmer, um uns als Schwager und Schwägerin zu einem unerlaubten Verhältnis und zum Verrat am kaiserlichen Onkel zu verleiten. Ich wollte mich jedoch nicht zur Ruhe legen, sondern hielt eine Kerze, saß da und las die „Frühlings- und Herbstannalen“, während ich auf den Tagesanbruch wartete. Da ich mich Cao Man nicht anschließen wollte, ließ ich mich nicht auf seinen hinterhältigen Plan ein. Ich erschlug Generäle und durchbrach die Pässe; ich suchte meinen Bruder und beschützte meine Schwägerin. Danach verließ ich Cao Caos Lager, durchquerte fünf Pässe und erschlug sechs Generäle. Ich beschützte die kaiserliche Schwägerin und suchte meinen älteren Bruder, den kaiserlichen Onkel. Genau darin zeigte sich, dass mein Herz ganz den Han gehörte. Liuxia Hui blieb unberührt, als eine Frau auf seinem Schoß saß – welch reine Erhabenheit! Lu Zhonglian hielt die Tür geschlossen und gewährte keinen Einlass – welch ehrenhafte Haltung! Liuxia Hui war ein Weiser aus der Zeit der vielen Staaten. Einst kam eine Frau zu ihm und setzte sich auf seinen Schoß. Sein Herz geriet nicht in ungehörige Erregung; seine Reinheit und Erhabenheit sind kaum zu übertreffen. Lu Zhonglian war ein tugendhafter Mann aus der Zeit der Streitenden Reiche. Einst begegnete ihm eine Frau, deren Dach während eines nächtlichen Regens undicht geworden war. Sie bat darum, in seinem Haus vor dem Regen Schutz zu finden. Er hielt jedoch die Tür geschlossen und wollte sie nicht aufnehmen. Seine ehrenhafte Haltung ist kaum zu übertreffen. Ich wünsche, dass die jungen Begabten auf ihr Dantian achtgeben. „Begabte“ sind heldenhafte, herausragende Menschen mit Talent. Doch solche jungen Menschen verkürzen oft durch ihre Begierde nach Schönheit ihr Leben. Daher wünscht der Kaiserliche Herr, dass begabte Menschen unbedingt ihr Dantian bewahren, um ihre geistige Lebenskraft zu nähren. Das Dantian ist der Ort, an dem diese Lebenskraft gespeichert wird, etwa ein Cun unterhalb des Nabels. Wer sich nicht von sexueller Begierde schädigen lässt, darf auf ein hohes Greisenalter hoffen. Wer sich nicht von Röcken und Haarnadeln verleiten lässt, dessen Tugend kommt Kindern und Enkeln zugute. „Sexuelle Begierde“ meint das eigennützige Verlangen nach Schönheit. Die Alten sagten, dass es viele Dinge gibt, die dem Leben schaden, doch wer der Begierde nach Schönheit folgt, schädigt unweigerlich seinen Körper. Wer sich nicht von sexueller Begierde schädigen lässt, darf von selbst auf ein hohes Alter von achtzig, neunzig oder hundert Jahren hoffen. Achtzig nennt man „mao“, neunzig „die“; beides bezeichnet hochbetagte Menschen. „Röcke und Haarnadeln“ meint schöne Frauen, die seidene Röcke und goldene Haarnadeln tragen. „Verleiten“ bedeutet, dass ein Mann irrtümlich in die Grube der Lust gerät, sich von ihnen betören lässt, das schwerste Übel begeht und dadurch seine Nachkommen nicht gedeihen. Wer sich nicht von Röcken und Haarnadeln betören lässt, erwirbt sehr großes verborgenes Verdienst. Dieses kommt unweigerlich den Nachgeborenen zugute und lässt Kinder und Kindeskinder gedeihen und erfolgreich sein. Beim Eintreten hört man keine Witwe klagen: lange wie Himmel und Erde währt das Leben. Beim Hinausgehen sieht man kein Witwerleid: weißes Kranichhaar und ein Gesicht wie das eines Kindes. Werden Menschen nicht durch sexuelle Begierde geschädigt, so werden Männer und Frauen allesamt ein hohes Alter genießen, so dauerhaft wie Himmel und Erde. Daher hört man beim Eintreten in ihr Haus von selbst keine trauernde Witwe. Auch wenn die Männer hinausgehen, sieht man keinen Witwer in elender Trauer. Bei hochbetagten Menschen ist das Haar so weiß wie ein weißer Kranich; deshalb heißt es „Kranichhaar“. Ihr Gesicht ist jedoch weiterhin rosig wie das Gesicht eines Kindes; deshalb heißt es „Kindergesicht“. Im ganzen Haus herrscht vollkommene Harmonie; man merkt nicht, dass das Alter naht. Das „ganze Haus“ meint eine Familie. Wenn Männer und Frauen in einer Familie weder Krankheit noch Schmerzen kennen und Glück sowie ein langes Leben genießen, spüren sie nur, wie ihre Eintracht günstige Fügungen hervorbringt. Die alten Menschen leben ruhig und zufrieden und bemerken deshalb selbst nicht, dass das Alter auf sie zukommt. Niemand kennt den Schüler besser als der Lehrer; niemand kennt den Sohn besser als der Vater. „Schüler“ meint den Lernenden, „Lehrer“ den Unterrichtenden. Das Wesen des Schülers kennt allein sein Lehrer. Die Neigungen des Sohnes kennt allein sein Vater genau. Ich sehe, dass die Lehrer über das Bücherstudium hinaus keineswegs die Lehre zur Bewahrung des eigenen Leibes vermitteln. Die „Lehre zur Bewahrung des eigenen Leibes“ ist die Lehre, auf das Dantian achtzugeben und sich nicht von weiblicher Schönheit betören zu lassen. Ich sehe, dass die Lehrer ihren Schülern zwar das Bücherstudium beibringen, sie aber nicht lehren, auf Unzucht zu verzichten und so ihren Leib zu bewahren. Das ist wahrlich bedauerlich. Manchmal lassen sie die jungen Leute wegen ihrer Klugheit übermütig und unbesonnen werden. „Übermütig und unbesonnen“ bezeichnet leichtfertige junge Leute, die hochmütig auftreten und ihre Oberflächlichkeit noch nicht abgelegt haben. Solche Schüler sollte man eigentlich beharrlich ermahnen und warnen, damit sie zu Ernsthaftigkeit und Würde finden. Wie kann man sie aber nur deshalb schonen und nicht unterweisen, weil sie klug und gewandt sind, und sie dann ungebändigt ihrer Leichtfertigkeit überlassen? Manchmal lassen sie die jungen Leute wie Schmetterlinge spielen und wie Bienen schwärmen, weil der Hausherr sie verhätschelt. Der „Hausherr“ ist der Auftraggeber, das Familienoberhaupt. „Verhätscheln“ bedeutet, die Fehler der Seinen zu decken. Wenn Schmetterlinge spielen und Bienen wild ausschwärmen, um Blumen aufzusuchen, so bezeichnet dies leichtfertige junge Leute, die Vergnügungsviertel besuchen. Weil das Familienoberhaupt seine jungen Angehörigen liebt, lässt es sie anmaßend der Unzucht nachgehen und will sie nicht ernsthaft unterweisen und ermahnen. Wenn die Liebesgefühle eben erwachen, geht das angeborene Gewissen allmählich verloren. Die „Öffnung der Liebesgefühle“ ist eine Öffnung, aus der sexuelle Begierde entsteht. „Eben erwachen“ bedeutet, dass jemand zum ersten Mal verführt wird und Gedanken der Begierde nach Schönheit aufkommen. Sind solche Gedanken einmal entstanden, so kümmert er sich nicht mehr darum, den guten Ruf und die sittliche Ehre anderer zu zerstören. Er begeht Unzucht mit ihren Frauen und Töchtern und verliert damit das himmlische Prinzip und sein gutes Gewissen. Eigentlich ein Mann für die Jadehalle, wird er zu einem Jüngling auf verderblichen Abwegen. Die „Jadehalle“ ist der Amtssitz der Hanlin-Akademie. „Verderbliche Abwege“ meint sexuelles Fehlverhalten und verirrtes Tun. Es besagt: Ein begabter junger Mann besitzt eigentlich die Eignung für die Hanlin-Akademie. Weil er jedoch plötzlich der Unzucht und der Begierde nach Schönheit verfällt, verdirbt er seine Zukunft und wird zu einem Schürzenjäger, der bis ans Ende seines Lebens so bleibt. Mag er noch so aufgeschlossen und außergewöhnlich begabt sein: Sein Weg zu Rang und Amt wird unweigerlich voller Hindernisse sein. „Aufgeschlossen“ bedeutet offen und herausragend. „Außergewöhnlich begabt“ meint ungewöhnliche Fähigkeiten und Gelehrsamkeit. „Voller Hindernisse“ bedeutet, dass die Dinge durch unglückliche Fügungen anders laufen als erhofft und Vorhaben nicht gelingen. Es besagt: Auch wenn ein junger Mensch außergewöhnlich begabt ist, werden seine Unternehmungen und sein Weg zu Rang und Amt gewiss nicht glatt verlaufen, sobald er sexuelles Fehlverhalten begeht. Die Fehler eines mittelmäßigen Lehrers schaden anderen nicht wenig. „Mittelmäßig“ bedeutet gewöhnlich und oberflächlich. Es besagt: Wenn ein oberflächlicher Lehrer die jungen Leute nicht die Bewahrung des eigenen Leibes lehrt, sondern sie der Unzucht nachgehen und ihren Weg zu Rang und Amt verderben lässt, sind dies alles Fehler eines solchen Lehrers. Wie sollte der Schaden, den er anderen zufügt, gering sein? Auch sehe ich Väter, die in blinder Nachgiebigkeit verharren und mit Zurechtweisung und Strafe zögern. „Blinde Nachgiebigkeit“ bedeutet übermäßiges Gewährenlassen. „Zögern“ hat den Sinn von Nachlässigkeit und Verzögerung. „Zurechtweisung und Strafe“ bedeutet Ermahnen, Schlagen und Schelten. Der Kaiserliche Herr sagt: Oft sehe ich Väter, denen es an klarem Verständnis fehlt und die ihre jungen Angehörigen immer wieder gewähren lassen. Wenn diese einen Fehler machen und zurechtgewiesen und bestraft werden sollten, zögern sie stattdessen und unterlassen die Zurechtweisung. Was wäre dies anderes als blinde Nachgiebigkeit? Kaum versteht das Kind ein wenig, rühmen sie es vor jedem als vorzügliches Kind. Wegen einer noch so geringen Fertigkeit oder kleinen Stärke preisen sie überall um die Wette ihren vortrefflichen Nachwuchs. „Ein wenig verstehen“ bedeutet, nur ein oder zwei Dinge ansatzweise zu kennen. Eine „geringe Fertigkeit“ ist ein oberflächlich erlerntes Handwerk. Eine „kleine Stärke“ ist ein einzelner Vorzug. „Vorzügliches Kind“ und „vortrefflicher Nachwuchs“ meinen beide gute Kinder. Es besagt: Sobald die jungen Angehörigen auch nur einen kleinen Vorzug besitzen, lobt man sie draußen vor jedem, dem man begegnet, um zu zeigen, was für gute Nachkommen man hat. Nicht zum Erhalt eines Hauses geeignet, wird er doch wie ein kostbarer Schatz auf der Tafel betrachtet. Ein „Gerät“ ist ein Gefäß, das man gebraucht. Ein „Schatz auf der Tafel“ sind dort ausgestellte Perlen und schöne Jadestücke. Es besagt: Dieser Sohn ist kein geeignetes Werkzeug, um die Familie zu erhalten; sein Vater betrachtet ihn dennoch wie einen kostbaren Schatz auf der Tafel, verhätschelt ihn und lässt ihn gewähren. Von nun an entzieht er sich jeder Kontrolle, überschreitet die Schranken, verletzt die Regeln des Anstands und missachtet die ihm gebührenden Grenzen. „Kontrolle“ meint hier die Überprüfung des Verhaltens der jungen Leute. „Schranken“ sind Vorkehrungen gegen Verfehlungen der Kinder. „Regeln des Anstands“ sind die Regeln, die Männer und Frauen sowie den inneren und äußeren Bereich voneinander unterscheiden. „Gebührende Grenzen“ sind die festgelegten Stellungen in den grundlegenden sittlichen und familiären Beziehungen. Die vier Ausdrücke „sich entziehen“, „überschreiten“, „verletzen“ und „missachten“ bedeuten allesamt, sich nicht nach Regeln und Vorschriften des Anstands zu richten. Leichtfertigkeit wird ihm zur zweiten Natur; mit Nonnen und Witwen schläft er nach Belieben. Eine „Nonne“ ist eine Frau, die das Hausleben verlassen hat und buddhistische Ordensfrau geworden ist. Eine „Witwe“ ist eine Frau, die im Witwenstand lebt. Es besagt: Die Gewohnheiten der jungen Leute bestehen ganz aus Leichtfertigkeit und Rücksichtslosigkeit. Nach Belieben verführen sie Nonnen und Witwen, um mit ihnen zu schlafen und sich daran zu erfreuen. Den Mund voller vorgetäuschten Unsinns, sucht er in den Vergnügungsvierteln nach Herzenslust Freude. Er stellt sich absichtlich verrückt und dumm und redet lauter verworrenes Zeug. In welchem Vergnügungsviertel auch immer: Er treibt sich nach Belieben dort herum, wohin seine Lust ihn führt. Er sagt: „Mein Vater lehrt mich den rechten Weg, doch mein Vater selbst wandelt nicht auf dem rechten Weg.“ „Mein Vater“ bezeichnet seinen Vater. „Recht“ meint den rechten Weg. „Nicht auf dem rechten Weg wandeln“ bedeutet, ihn nicht zu gehen. Es besagt: Wenn sein Vater ihn lehrt, den rechten Weg zu gehen, entgegnet er, sein Vater gehe ebenfalls nicht den rechten Weg, und hört überhaupt nicht auf dessen Unterweisung. Den Zorn hinunterschlucken und schweigen – wohin soll das führen? „Wohin es führt“ meint den Ausgang. Es besagt: Weil der Vater seine Kinder seit jeher gewähren ließ und bei allem ihre Fehler deckte, hat er ihr Wesen verdorben. Will er nun seinen Sohn den rechten Weg lehren, widerspricht ihm dieser mit bösen Worten. Es bleibt ihm nur, seinen Zorn hinunterzuschlucken und zu schweigen. Wie soll dies enden? Ich denke an die berühmten Berge und großen Ströme: An welchem Ort gäbe es keine Menschen von hoher Einsicht? „Berühmte Berge“ sind weithin bekannte Berge. „Große Ströme“ sind sehr große Flüsse. Der Kaiserliche Herr sagt: Ich denke, dass an all diesen Orten Menschen mit sehr hoher Einsicht zu Gast sind. Doch wenn es um den Verzicht auf Unzucht geht, halten es nur wenige nicht für schwierig. Warum ist das so? „Wenige“ bedeutet eine geringe Zahl. Es besagt: Spricht man vom Verzicht auf Unzucht, so halten die meisten Menschen dies für schwierig; diejenigen, die es nicht schwierig finden, sind wahrlich wenige. Was ist letztlich der Grund dafür? Meist lässt sich das Pferd der Gedanken schwer anbinden, weil es schon lange an weltliche Verstrickungen gebunden ist. Der Affe des Herzens ist nicht gebändigt, sondern von der Welt der sinnlichen Reize umstrickt. Das „Pferd der Gedanken“ und der „Affe des Herzens“ sind Bilder dafür, dass Menschen unbeständig sind und wirr umherdenken: wie ein Pferd, das wild umherläuft und sich nicht anbinden lässt, oder wie ein Affe, der umherspringt und sich nicht einschließen lässt. Meist sind sie schon lange von unheilvollen weltlichen Verbindungen festgehalten und von der Schönheit dieser Welt umstrickt. Deshalb erscheint es ihnen schwierig, wieder umzukehren. Sie unterscheiden Nutzen und Schaden nicht, halten an ihrem Irrtum fest und kommen nicht zur Einsicht. Es besagt: Solange die Vergeltung den der Unzucht Verfallenen noch nicht erreicht hat, vermag er Nutzen und Schaden noch nicht zu unterscheiden und handelt nach Belieben zügellos. Ist er erst auf den Irrweg geraten und ermahnt ihn jemand, so beharrt er stattdessen eigensinnig auf seiner Ansicht und weiß nichts von Reue und Einsicht. Wissen sie denn nicht, dass weiße Gesichter wie Furong-Blüten unzählige Helden gefangen haben? Seht nur, wie schön geschminkte Frauen so vielen großen Männern geschadet haben. Ein „weißes Gesicht wie eine Furong-Blüte“ ist das helle Gesicht einer Frau, schön anzusehen wie eine Furong-Blüte. „Schön geschminkt“ bedeutet, dass eine Frau sich prächtig schminkt und durch Rouge und roten Puder noch schöner erscheint. „Helden“ und „große Männer“ sind allesamt Menschen mit großen Fähigkeiten. Dass sie ihre Zukunft verderben, liegt tatsächlich daran, dass sie von weiblicher Schönheit gefangen und geschädigt werden. Wer weiß, wie viele es davon auf der Welt gibt? Meidet es, meidet es! Wo soll sonst das Unheil enden? „Meidet es, meidet es!“ hat den Ton einer nachdrücklichen Aufforderung, unbedingt darauf zu verzichten. Wer nicht darauf verzichtet, sondern es begeht, zieht Unheil und Katastrophen auf sich – wann sollten diese je aufhören? „Wo“ ist hier ein Fragewort. „Enden“ bedeutet aufhören. Die Menschen der Welt sind zahlreich und mannigfaltig; ihre Stände und Arten sind nicht gleich. Die Menschen auf der Welt sind sehr zahlreich. Ihre gesellschaftlichen Stellungen und ihre verschiedenen Arten können nicht alle gleich sein. Manche verlieren schon jung den Vater und damit ihren Halt; sie scheren ihr Haar und werden Mönche. „Halt“ bedeutet etwas, auf das man sich stützen kann. Wer als Kind keinen Vater mehr hat, heißt vaterlos und hat damit niemanden, auf den er sich verlassen kann. Ihm bleibt nur, das Haar zu scheren, in einen Tempel einzutreten und Mönch zu werden, um auf den Schutz der Gottheiten zu bauen. Manche lernen das Dao in berühmten Bergen, verlassen den Staub der Welt und lösen sich vom Gewöhnlichen. Andere haben die Vergänglichkeit der Welt durchschaut und möchten nicht mit weltlichen Menschen zusammenleben. Ihnen bleibt nur, berühmte Berge aufzusuchen und den Weg der Unsterblichen zu erlernen und zu üben, um ein langes Leben zu erlangen. Ihr Herz sollte fest wie Eisen und Stein sein; die Pforte der Meditation sollten sie fest verschließen. Da sie Mönche oder Daoisten geworden sind, sollte ihr Herz selbstverständlich fest wie Eisen und Stein sein. Sie sollten die Türen der Meditationshalle fest geschlossen halten und keinen Umgang mit Frauen pflegen. Wer hätte erwartet, dass sie Alkohol trinken und Fleisch essen und heimlich die früheren Fastenregeln und Gebote brechen? Mönche und Daoisten legen großen Wert auf Fastenregeln und Gebote; grundsätzlich dürfen sie weder Alkohol trinken noch Fleisch essen. Warum brechen sie eines Tages diese Regeln und Gebote? Das kommt unerwartet und ist wahrlich unbegreiflich. Sie geben sich unerlaubtem Geschlechtsverkehr hin, nur um heute ihr Verlangen zu befriedigen. Luan und Phönix paaren sich nicht wahllos; damit lassen sich Frauen vergleichen, die nicht wahllos einen Partner wählen. Nun aber gibt es Mönche und Daoisten, die sich nach unerlaubtem Geschlechtsverkehr sehnen und Frauen aus ehrbaren Familien verführen. Sie trachten entweder deren Ehemännern nach dem Leben oder fliehen heimlich mit diesen Frauen; sie trennen Paare und bringen die Partnerbindungen durcheinander, als würden sie die Paarung von Luan und Phönix verkehren. Dabei suchen sie im Herzen nur einen Augenblick des Vergnügens. Sie verunreinigen den Lotusteich. Die Himmelsgötter werden zornig. Der Lotusteich ist der Teich mit Lotusblumen im Tempel, ein Ort der Reinheit. Wenn nun Mönche und Daoisten dort unerlaubten Geschlechtsverkehr treiben, verunreinigen sie gewiss diesen reinen, heiligen Ort. Wie sollten die Himmelsgötter darüber nicht zornig werden? Sie werden in das Meer der Verfehlungen geworfen und auf lange Zeit darin versinken. Das „Meer der Verfehlungen“ ist das Meer des Leidens. „Auf lange Zeit“ bedeutet lang andauernd. „Stürzen“ bedeutet hinabfallen. „Versinken“ bedeutet untergehen. Es besagt: Da Mönche oder Daoisten den Lotusteich verunreinigt haben, werden die Himmelsgötter den betreffenden Menschen unweigerlich in das Leidensmeer der Hölle werfen. Dort wird er lange Zeit versinken, ohne zu einer neuen Geburt gelangen zu können. Vor den Pforten der Hölle stehen viele Mönche und Daoisten. Ist das etwa eine leere Behauptung? Ist es nicht gewiss wahr? Die Hölle ist das Gefängnis der Unterwelt. Ein alter Ausspruch besagt, dass diejenigen, die vor den Pforten der Hölle Strafe erleiden, zum großen Teil Mönche und Daoisten sind. Diese Worte sind keineswegs leer; ihr Inhalt erscheint umso glaubwürdiger. In jüngster Zeit dringen westliche Sitten und neue Moden in das Land der Mitte ein. „In jüngster Zeit“ bedeutet in den letzten Jahren. „Westliche Sitten“ bezeichnet die leichtfertigen Umgangsformen des Westens. „Neue Moden“ sind modische Spielereien, gleich einer neu heranrollenden Strömung. „Eindringen“ bedeutet angreifen und eindringen. Das „Land der Mitte“ ist das Gebiet Chinas. Es besagt, dass in den letzten Jahren die schlechten, leichtfertigen und ausschweifenden Sitten des Westens nach China herüberwehen und uns sehr großen Schaden zufügen. Männer und Frauen verändern ihr Erscheinungsbild, kleiden sich sonderbar und werfen Anstand und Scham völlig von sich. „Das Erscheinungsbild verändern“ bedeutet, eine andere Gestalt anzunehmen. „Sonderbar“ bezeichnet bizarre Kleidung, die weder das eine noch das andere ist. Es besagt: Männer und Frauen verändern ihr ursprünglich rechtschaffenes und keusches Wesen, tragen bizarre Kleidung und sehen kaum noch wie Menschen aus; auf ihr Ansehen und ihr Schamgefühl geben sie nichts mehr. Manche stellen ihren Körper entblößend zur Schau, säen durch ungeordnete Liebschaften Verfehlungen und verlieren schon vor der Ehe ihre Keuschheit. „Sich zur Schau stellen“ bedeutet, sich wenig zurückhaltend zu zeigen und auffällig durch die Straßen zu schreiten. „Ungeordnete Liebschaften“ sind unstatthafte Liebesbeziehungen: Männer und Frauen gehen wahllos Beziehungen ein, betrachten Vergnügungen als das Gewöhnliche und geraten so in Unordnung. „Verfehlungen säen“ bedeutet, leidbringende Saat hervorzubringen, etwa wenn eine Frau schon vor der Heirat schwanger wird oder wenn die Partner aufgrund ihrer Generationenstellung nicht zusammengehören, aber bereits die Grenzen überschritten und „Jade auf dem Feld von Lantian gepflanzt“ haben. All dies schafft Verbindungen aus Verfehlung und bringt oft unermessliches Unglück hervor. „Die Keuschheit verlieren“ heißt, dass Mann oder Frau die Jungfräulichkeit verlieren. Es besagt: Man trägt freizügige Kleidung und stellt seinen Körper zur Schau, oder man missachtet die sittliche Ordnung, geht ungeordnete Liebschaften ein und hat schon vor der Heirat eine Beziehung, die gegen die Schicklichkeit verstößt. Damit verliert man die Reinheit und kostbare Keuschheit seines Körpers. Andere betreiben allerlei Gewerbe und bedienen sich tausenderlei seltsamer Kniffe. „Allerlei Gewerbe“ bedeutet die verschiedensten Gewerbezweige. Das hier mit „sich bedienen“ wiedergegebene chinesische Verb wird in der Vorlage als „verändern“ erläutert. „Tausenderlei seltsam“ bedeutet die vielfältigsten, sonderbarsten Formen. „Kniffe“ sind Kunstgriffe, die die Augen verwirren. Es besagt, dass heutzutage viele Menschen die verschiedensten Gewerbe betreiben und ihr Geld nicht auf rechtschaffene Weise verdienen, sondern mit allerlei Kunstgriffen. Wie es heißt: Sie hängen einen Schafskopf aus und verkaufen Hundefleisch. Nach außen strahlt das Firmenschild, während sie insgeheim unter wechselnden Verkleidungen sexuelle Geschäfte betreiben. Das ist von äußerster Niedertracht. Offen zeigen sie verführerischen Liebreiz und kokette Blicke; verborgen halten sie den verwirrenden Strudel, der zu sexuellem Fehlverhalten verleitet. Wie viele zielstrebige Menschen kommen darin zu Fall! Unzählige Lernende treiben dort umher und vergessen heimzukehren. „Liebreiz“ bezeichnet ein betörendes Lächeln. „Kokette Blicke“ sind verführerische, anmutige Blicke. „Zu sexuellem Fehlverhalten verleiten“ heißt, Menschen zur Ausschweifung zu verführen. Es besagt: Geschäfte, die unter einer Verkleidung sexuelle Dienste anbieten, sind außen in bunten Farben ausgestattet; schöne Frauen versammeln sich dort und zeigen ihre verführerischen Reize. Sie wollen Menschen unter die großen Wellen in einen Strudel ziehen. Im Verborgenen liegt der Strudel, der zu sexuellem Fehlverhalten verführt und den Menschen schweren Schaden zufügt. Man weiß nicht, wie viele willensstarke Menschen mit Aussicht auf eine gute Zukunft dort versinken und verkommen. Auch viele junge Schüler und Studenten werden verführt, in Vergnügungslokalen umherzustreifen, statt zu lesen und zu lernen. Sie begehen sexuelles Fehlverhalten und verstoßen aufs Äußerste gegen die Pflichten gegenüber ihren Eltern. Allerlei Geschäfte lassen sich betreiben; doch das Geschäft mit sexueller Ausschweifung trägt schwere Schuld. Es folgen grausame Qualen und strenge Strafen in Avīci; die Nachkommen erleiden schlechte Vergeltung, und der üble Ruf reißt nicht ab. „Allerlei Geschäfte“ bedeutet die verschiedensten Handelsgeschäfte. Das „Geschäft mit sexueller Ausschweifung“ ist das Betreiben von Prostitution. „Avīci“ bezeichnet die Avīci-Hölle. Es besagt, dass man jedes Geschäft betreiben kann, nur das Geschäft mit Prostitution keinesfalls; andernfalls lädt man schwere Schuld auf sich. Nach dem Tod wird man gewiss in die Avīci-Hölle gesperrt und muss die strengsten Strafen erdulden. Die Nachkommen werden unweigerlich schlechte Vergeltung erfahren. Fragt jemand, welchem Gewerbe die Vorfahren nachgingen, und die Antwort lautet, sie hätten ein Bordell betrieben, so reicht dieser üble Ruf gewiss bis zum Himmel und hinterlässt zehntausend Jahre lang Schande. Sagt nicht, zügelloses Umherschweifen berausche die Seele und das Suchen nach Vergnügen bringe Freude. „Umherschweifen“ bedeutet, sich frei der Ausschweifung hinzugeben. „Die Seele berauschen“ heißt, die Seele zu verwirren. „Nach Vergnügen suchen“ bedeutet, Erregung und Freude zu suchen. Es besagt: Redet euch nicht ein, es sei etwas Erfreuliches, alle Zurückhaltung fallen zu lassen, sich von weiblicher Schönheit betören zu lassen, überall nach Erregung und Vergnügen zu suchen und sich dabei selbst zu gefallen. Selbst wenn das Geschäft mit Geld abgewickelt wird, bleibt das geistige Wesen nicht unbefleckt. Auch wenn keine fremden Augen und Ohren zusehen und zuhören, regt sich im verborgenen Zimmer das schlechte Gewissen. „Geschäft“ bedeutet Kauf und Verkauf. Das „geistige Wesen“ ist die ursprüngliche Natur der Seele. „Verunreinigt“ bedeutet nicht sauber. Das „verborgene Zimmer“ bezeichnet das Verborgene. Es besagt: Auch wenn die Suche nach Vergnügen und weiblichen Reizen als Kauf gegen Geld erfolgt, ist das eigene geistige Licht bereits von Staub und Schmutz befleckt. Selbst wenn kein Außenstehender zusieht, fühlt man sich im Verborgenen unruhig und kann anderen Menschen kaum noch unter die Augen treten. Sobald unrechte Gedanken aufkommen, wachsen böse Regungen. Man selbst und die Familie verlieren ihre Unbescholtenheit; im Feld des Herzens schlägt eine giftige Saat Wurzeln. „Unrechte Gedanken“ sind verkehrte Gedankenströmungen. „Wachsen“ bedeutet sich vermehren. „Man selbst und die Familie“ umfasst die eigene Person und die Familie. Das „Feld des Herzens“ ist der Herzensgrund, der geistige Berg. Eine „giftige Saat“ ist der giftige Keim der Schuld, aus dem der Baum des Karmas wächst. Es besagt: Sobald Gedanken an sexuelles Fehlverhalten aufkommen, folgen ihnen böse Regungen. Verliert man die Vernunft, wagt man Inzest und andere sittlich verwerfliche Taten. Unmerklich verlieren die eigene Person und die Familie ihre Reinheit und ihren guten Ruf. Zugleich pflanzt man einen unreinen, giftigen Baum des Bösen, der Wurzeln schlägt und an die Nachkommen weitergegeben wird. Von da an verstrickt einen das leidbringende Karma durch zahllose Leben; durch immer neue Katastrophen hindurch nimmt der Kreislauf der Wiedergeburten kein Ende. „Zahllose Leben“ bedeutet Leben um Leben. „Verstricken“ heißt, sich an jemanden zu heften und ihn nicht loszulassen. „Durch immer neue Katastrophen“ bedeutet, viele Heimsuchungen zu durchleben. Es besagt: Die Schuld aus Leben um Leben bleibt einem von nun an anhaften. Wie viele Katastrophen man auch durchläuft, man wird immer wieder geboren und erleidet Vergeltung. Wie furchtbar das ist! Zum Glück ist man auf dem Irrweg noch nicht weit gelangt: Heute recht handeln und das Unrecht von gestern erkennen. Zum Glück ist man, nachdem man irrtümlich auf einen falschen Weg geraten ist, noch nicht weit gegangen, bevor im Herzen Klarheit aufkommt. Erst dann erkennt man, dass die gestern beschrittenen Wege sämtlich nicht die rechten waren. Heute einen anderen, richtigen Weg einzuschlagen, ist das Vernünftige. Wer nach der Weisheit der Heiligen und Weisen strebt, geizt nicht damit, seine Fehler zu bessern. „Geizen“ bedeutet Knauserigkeit und Trägheit. Die Heiligen und Weisen lehren die Menschen, die Besserung ihrer Fehler an die erste Stelle zu setzen. Wer beim Bessern seiner Fehler weder träge noch knauserig ist, strebt nach den Heiligen und Weisen. Dann schwindet selbst Schuld, die den Himmel erfüllt, mit einem einzigen Bereuen. „Den Himmel erfüllen“ bedeutet, den ganzen Himmel auszufüllen. Es besagt: Selbst wenn man so große Schuld trägt, dass sie den Himmel ausfüllt, kann die Schuldakte getilgt werden, sobald man bereit ist, seine Fehler zu bereuen und sich zu erneuern. Scheut man jedoch die Mühe und sucht nur bequeme Ruhe, wird die Schuld Tag für Tag tiefer. Kennt man den Geschmack und will nicht davon lassen, verschiebt man das diesjährige Vorhaben auf das nächste Jahr. Hält man es für zu schwer, seine Fehler zu bessern, und lebt bequem in den Tag hinein, so wird die Schuld unweigerlich von Tag zu Tag schwerer. Obwohl man bereits weiß, dass die sexuelle Begierde kaum etwas Reizvolles bietet, will man sie dennoch nicht aufgeben. Auch wenn jemand dazu rät, noch in diesem Jahr eilig zu bereuen und sich zu bessern, sagt man hartnäckig: Ich will bis zum nächsten Jahr warten. Hundert Rückschläge bringen keine Umkehr; das eigene Treiben ist noch immer nicht beendet. Erst wenn der Sarg für immer geschlossen wird, erst im Tod hört es auf. Es besagt: Wer sexuelles Fehlverhalten liebt, will selbst nach den verschiedensten Rückschlägen nicht umdenken und hält körperlich weiterhin begierig an sexuellen Reizen fest. Wie sollte er je aufhören, wenn nicht seine Todesstunde kommt und der Sarg sich für immer über ihm schließt? „Für immer geschlossen“ bedeutet, für immer im Sarg eingeschlossen zu sein und nicht wieder lebendig werden zu können. Der üble Ruf bleibt für immer im Umlauf und wird auf tausend Jahre zum Gegenstand des Geredes. Ein „übler Ruf“ ist ein schlechter, verrufener Name. Ein „Gegenstand des Geredes“ ist etwas, woran sich Gerede festmacht. Es besagt, dass sich der üble Ruf immer weiter verbreitet, wie Wasser, das unaufhörlich weiterströmt. „Auf tausend Jahre“ bedeutet tausend Jahre. Die üblen Taten lassen sich schwer verbergen; in alle Himmelsrichtungen verbreiten sie sich als willkommener Gesprächsstoff. „Üble Taten“ sind tatsächliche sexuelle Verfehlungen. „Schwer verbergen“ bedeutet, sie nur schwer zudecken zu können. Es besagt, dass die Menschen im Osten, Westen, Süden und Norden diese tatsächlichen sexuellen Verfehlungen sämtlich als erfreuliche Neuigkeit aufnehmen und unablässig darüber reden. Ist der geborene Sohn seinem tugendhaften Vater nicht ähnlich, wäre es erfreulicher, keine Nachkommen zu haben. Es besagt: Der geborene Sohn hat nicht die Tugend seines Vaters. Ein solcher unwürdiger Sohn kennt nur sexuelle Begierde, richtet die Tugend der Ahnen zugrunde und bereitet einem ständig Kummer und Ärger. Ohne einen solchen Nachkommen wäre einem wohler. Doch Flüsse ändern leichter ihren Lauf, als der Mensch seine angeborene Natur ändert. Die „angeborene Natur“ ist die Gewohnheit, mit der man auf die Welt kommt. „Schwer zu ändern“ bedeutet, sie nur schwer verändern zu können. Es besagt: Selbst Ströme und Flüsse verändern sich zuweilen und verlegen ihren Lauf; nur diese angeborene schlechte Wesensart lässt sich schwer wandeln. Nicht der Alkohol berauscht den Menschen; der Mensch berauscht sich selbst. Nicht die Schönheit betört den Menschen; der Mensch betört sich selbst. Der Alkohol im Krug kann von sich aus niemanden berauschen. Man wird betrunken, weil man selbst den Alkohol liebt und gierig danach trinkt. Ist das nicht Selbstberauschung? Die schöne Frau einer anderen Familie ist ursprünglich nicht gekommen, um einen zu umgarnen und zu betören. Weil man selbst Schönheit begehrt und sexuelles Fehlverhalten sucht, verführt man die Frau dazu, einen zu betören. Ist das nicht Selbstbetörung? Auch ich erscheine in leiblicher Gestalt und verkünde die Lehre, in der Hoffnung, dass ihr das Alte ablegt und euch erneuert. Der Kaiserliche Herr sagt: Dass ich nun in sichtbarer Gestalt erscheine und Worte der Lehre verkünde, hat allein den Zweck, euch, das Volk, dazu zu bringen, eure alte Neigung zu sexuellem Fehlverhalten abzulegen, eure Tugend zu erneuern und neue Menschen zu werden. Befolgt ihr die heilige Unterweisung in eurem Handeln, werde ich euch die fünf Segnungen aus Jizis Ordnungen sichern. Der Kaiserliche Herr sagt: Wenn Menschen mit dieser Schrift andere ermahnen oder sie selbst befolgen, werde ich ihnen den Genuss der fünf Segnungen aus Jizis Ordnungen sichern. „Jizis Ordnungen“ bezeichnet die neun Ordnungen des Großen Plans, die Jizi erläuterte. Die fünf Segnungen sind: erstens langes Leben, zweitens Reichtum, drittens Gesundheit und Frieden, viertens die Liebe zur Tugend und fünftens, das Leben zu seinem natürlichen Ende zu führen. Wenn ihr weder abschweift noch euch entfernt, werde ich euch den Segenswunsch der dreifachen Fülle sichern. „Abschweifen“ bedeutet sich absondern. „Sich entfernen“ bedeutet sich weit ausdehnen. Wenn ihr diese Schrift befolgt und zu keiner Zeit davon abweicht, oder wenn ihr sie nicht beiseitelegt, sondern morgens und abends lest, werde ich euch den dreifachen Segenswunsch sichern: viel Segen, ein langes Leben und viele Söhne. Dies ist die „dreifache Fülle“, mit der der Grenzwächter von Hua dem Herrscher Yao Glück wünschte. Seid ihr wie schöne Jade ohne Makel, so wird man gewiss vom Tiantai kommen, um euch abzuholen. „Schöne Jade“ ist ein guter Jadestein; „ohne Makel“ bedeutet ohne Fehler und Risse. „Tiantai“ ist der Ort, an dem die Unsterblichen wohnen. Es besagt: Wenn Männer und Frauen in der Welt kein sexuelles Fehlverhalten begehen, sind sie schöne Jade ohne Makel. Wenn ihre Verdienste vollkommen geworden sind, ist ihnen zugesichert, dass Unsterbliche und Buddhas kommen, sie abholen und mit ihnen zur Höchsten Glückseligkeit aufsteigen. Haltet ihr euch rein und dem Guten zugewandt, so ist euch gewiss ein Empfang durch die Unterwelt zugesagt. „Rein“ bedeutet sauber und unbefleckt wie Wasser. „Dem Guten zugewandt“ bedeutet, selbst das Gute zu lieben und das Böse zu entfernen. Es besagt: Wenn solche Menschen nach ihrem Tod in die Unterwelt gelangen, werden die Könige der Unterwelt aus den einzelnen Hallen gewiss von ihren Sitzen herabsteigen, um sie zu empfangen. Wasser, Feuer, Klingen und Krieg bleiben der ganzen Familie erspart. Schädlinge, Heuschrecken und Seuchen verschwinden allesamt im Verborgenen. „Im Verborgenen verschwinden“ bedeutet, im Stillen beseitigt zu werden. Es besagt: Wer diese Schrift befolgt, kann allen Heimsuchungen durch Wasser, Feuer, Klingen und Krieg entgehen. Auch Katastrophen wie Schädlinge, Heuschreckenplagen und Seuchen werden gemeinsam beseitigt. Blickt nun zurück auf die Narren, die den sinnlichen Reizen nachjagen. „Zurückblicken“ bedeutet, den Kopf zu wenden und hinzusehen. „Narren“ sind die anmaßenden jungen Leute, die sexuelles Fehlverhalten lieben. Blinde Augen und taube Ohren gehen gewiss auf schwere Schuld im vorigen Leben zurück. „Schuld“ bedeutet Schuld aus Verfehlungen. Das „vorige Leben“ ist das vorausgegangene Leben. Wer mit den Augen nicht sehen kann, wird blind genannt; wer mit den Ohren nicht hören kann, wird taub genannt. Es besagt: Weil solche Menschen im vorigen Leben zu schwere Verfehlungen begingen, erhalten sie in diesem Leben die Vergeltung von Blindheit und Taubheit. Ein lahmer Fuß und eine abgetrennte Hand gehen unweigerlich auf tiefe Verstrickung in Unrecht aus einem früheren Leben zurück. Es besagt: Weil die Verstrickung in Unrecht und Schuld im früheren Leben schwer wog, ist man in diesem Leben ein Mensch mit Behinderung. Im kalten Tempel herrscht trostlose Einsamkeit, ohne Kleidung und Nahrung. In der verfallenen Höhlenbehausung ist alles düster; man leidet Hunger und Kälte. Nicht nur das: Man hat auch keinen festen Aufenthaltsort und kann sich kaum das tägliche Essen beschaffen. Man kann nur in einem kalten Tempel Unterschlupf suchen und in einer verfallenen Höhlenbehausung verweilen, wo man unermessliche Leiden erduldet. Wie könnte man sagen, dies sei nicht die karmische Folge sexuellen Fehlverhaltens im vorigen Leben? In äußerster Armut ist das Leben nicht mehr zu ertragen. Wie soll man da noch bereuen können? „Äußerste Armut“ heißt, bis zum Äußersten verarmt zu sein. „Das Leben nicht mehr ertragen“ bedeutet, nicht mehr leben zu können. „Reue“ bedeutet, die eigene Schuld zu bekennen und die Fehler zu bereuen. Es besagt: Wer in diese Lage geraten ist, erleidet tatsächlich Vergeltung für das vorige Leben oder die hinterlassene Schuld der Vorfahren. Man möchte bereuen, kann es aber nicht; wie sollte man dann noch seine Schuld bekennen? Ihr seid im Land der Mitte geboren und aufgewachsen und gleicht nicht den Barbaren. „Ihr“ bezeichnet euch. „Nicht gleichen“ bedeutet nicht so sein wie. Das „Land der Mitte“ ist China. „Barbaren“ bezeichnet Orte, an denen man nichts von sittlicher Ordnung und Moral weiß. Es besagt: Da ihr in China geboren und aufgewachsen seid, dürft ihr nicht wie die Menschen an jenen barbarischen Orten ohne Kenntnis von Anstand und Rechtschaffenheit sein! Warum nehmt ihr euch dies nicht zum Spiegel und kehrt zur Schlichtheit und zum Wahren zurück? Ein „Spiegel“ ist ein Gegenstand, in dem man sich betrachtet. „Schlichtheit“ bedeutet reine Einfachheit. Das „Wahre“ ist der rechte Weg. Es besagt: Warum nehmt ihr euch solche Menschen nicht zum Spiegel, in dem ihr euch betrachtet, und kehrt zur Schlichtheit und zum rechten Weg zurück! Diese Worte sind Heilmittel; auch sie sollt ihr als Richtschnur hochhalten. „Heilmittel“ sind Dinge, mit denen Krankheiten behandelt werden. Eine „Richtschnur“ ist das Werkzeug, mit dem Handwerker Flächen eben und Linien gerade ausrichten. Es besagt: Jeder Satz dieser Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten ist ein guter Rat, der die Krankheit eines nach sexuellem Fehlverhalten verlangenden Herzens heilen kann, gleich einer Richtschnur, die ebnet und gerade ausrichtet. Jedes Schriftzeichen ist eine kostbare Perle. Wie könntet ihr diese Schrift in einem hohen Gebäude ablegen? „Kostbare Perlen“ bezeichnet Perlen, Achate und ähnliche äußerst wertvolle Dinge. „Ablegen“ bedeutet aufbewahren. Ein „hohes Gebäude“ ist ein großes, leerstehendes Gebäude, in das niemand ohne Anlass geht. Es besagt: In dieser Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten ist jedes Schriftzeichen kostbar wie eine Perle und wohltuend für Körper und Geist. Wie könnte man sie für nutzlos halten, in einem leeren Gebäude aufbewahren und weder mit dem Mund rezitieren noch im Herzen bedenken? Obwohl ich unbegabt bin, komme ich zum Altar, hinterlasse Unterweisungen und wecke die Verirrten auf. „Hinterlassen“ bedeutet zurücklassen. Der Kaiserliche Herr sagt: Obwohl ich weder Begabung noch Gelehrsamkeit besitze, bin ich nun an den Luan-Altar gekommen, um diese Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten niederzuschreiben und zu hinterlassen, um die Menschen zu unterweisen. Ich will mit diesen guten Worten allein die Menschen der Welt wecken, die von weiblicher Schönheit betört sind, damit sie so früh wie möglich umkehren. Trägt jemand sie bei sich und bewahrt sie im Herzen, werde ich seine Segnungen mehren und sein Leben verlängern. Etwas bei sich zu tragen heißt „bei sich tragen“. Sich etwas fest im Herzen einzuprägen heißt „im Herzen bewahren“. Es besagt: Wenn jemand die Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten bei sich trägt, sie gewissenhaft im Herzen behält und zu keiner Zeit von ihr abweicht, werde ich ihn beschützen, seine Segnungen und seine Weisheit mehren und seine Lebensspanne verlängern. Erklärt jemand sie mit dem Mund und zeigt sie mit der Hand, werde ich seine Schuld streichen und seine Verfehlungen tilgen. Es besagt: Wenn jemand die Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten anderen mündlich erklärt und mit dem Finger darauf zeigt, damit andere sie lesen, kann ich, selbst wenn dieser Mensch früher sexuelles Fehlverhalten begangen hat und mit Schuld und schuldhaften Verstrickungen belastet ist, seine im Register verzeichneten Verfehlungen allesamt streichen und restlos tilgen, um ihm den Weg zur Erneuerung zu öffnen. Haltet ihr meine Worte nicht für leeres Gerede, werde ich euch in der Lingxiao-Halle dankbar sein. „Leeres Gerede“ sind haltlose Behauptungen. „Lingxiao“ ist der Name der Halle, in der der Kaiserliche Herr wohnt. Der Kaiserliche Herr sagt: Wenn ihr alle die von mir verkündete Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten nicht für haltloses Gerede haltet, bin ich euch auch in der kostbaren Lingxiao-Halle dankbar. Haltet ihr meine Worte nicht für eine Irrlehre, werde ich im Goldenen Palast eure Fehler ausgleichen. Eine „Irrlehre“ ist eine unrechte Lehre. Der „Goldene Palast“ ist der Name der Halle, in der der Höchste Herrscher wohnt. „Ausgleichen“ bedeutet, Fehler wiedergutzumachen. Es besagt: Wenn ihr meine Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten nicht für eine Irrlehre haltet, werde ich, da der Höchste Herrscher wegen der schlechten Herzen der Menschen immer wieder Heimsuchungen über sie verhängt, im Goldenen Palast gewiss für euch eure Fehler ausgleichen und die Heimsuchungen mindern oder abwenden. Sollten die Gedanken nicht genau und ausführlich genug gefasst sein, hoffe ich auf die Berichtigung durch begabte Menschen. Es besagt: Sollten die in der Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten dargelegten Gedanken stellenweise nicht sorgfältig und ausführlich genug erklärt sein, hoffe ich, dass begabte und gelehrte Menschen sie für mich prüfen und berichtigen, damit sie vollkommen gut und schön werden. Sollte die Wortwahl noch nicht ganz rein und treffend sein, bitte ich angesehene Gelehrte um Kritik. Die „Wortwahl“ bezeichnet die Gestaltung der Sätze und Wörter in der Schrift. Sollte sie noch nicht ganz ausgereift, anmutig und rein sein, bitte ich die nah und fern berühmten Literaten und Gelehrten, mir dies kritisch aufzuzeigen und es auch für mich zu berichtigen, damit die Schrift ebenfalls vollkommen gut und schön wird. Ach, ihr Menschen der Welt! Morgens und abends verbrennt ihr Weihrauch und rezitiert meine Schrift des Pfirsichgartens. Bei Tagesanbruch und bei Einbruch der Dunkelheit werft ihr euch ehrfürchtig nieder und lest meine mit Herzblut verfasste Unterweisung. „Morgen“ bezeichnet die Frühe und „Abend“ die späte Tageszeit. Auch „Tagesanbruch“ bedeutet Morgen und „Einbruch der Dunkelheit“ Abend. Der Kaiserliche Herr seufzt: Ihr Menschen auf der Welt entzündet wohlriechenden Weihrauch oder verneigt euch ehrfürchtig, rezitiert meine Schrift des Pfirsichgartens und lest meine mit Herzblut verfasste Unterweisung. Euer zum Guten strebendes Herz verdient wahrlich Anerkennung. Da ihr mich als Gottheit verehrt, wie dürfte ich euch nicht als Säuglinge betrachten? Ein neugeborenes kleines Kind wird „Säugling“ genannt; es braucht jederzeit Schutz. Da die Menschen der Welt mich als Gottheit verehren, wie dürfte ich sie nicht wie Säuglinge beschützen? Da ihr dem Meer des Leidens entrinnen wollt, müsst ihr die Verbindung zu den unrechten Dämonen durchtrennen. Die Vergeltung für sexuelle Verfehlungen ist äußerst grausam und schmerzhaft; deshalb wird sie das „Meer des Leidens“ genannt. „Entrinnen“ bedeutet entkommen. Die „unrechten Dämonen“ bezeichnen das Menschenherz, das von Alkohol und sinnlichen Reizen betört ist, als wäre es von Dämonen umschlungen. Es besagt: Da ihr dem Meer des Leidens entkommen wollt, müsst ihr die wahnhaften Gedanken und unrechten Dämonen abschneiden und dürft euch nicht wieder von ihnen umschlingen lassen. Da ihr frühere Verfehlungen überdecken wollt, müsst ihr die Hindernisse eurer Schuld beseitigen. „Frühere Verfehlungen“ sind die Verfehlungen früherer Leben und früherer Tage. „Überdecken“ bedeutet verhüllen. „Hindernisse der Schuld“ bedeutet, dass schwere Schuld wie eine Schranke das gute Herz eines Menschen verdecken kann. „Beseitigen“ heißt vernichten. Es besagt: Da ihr daran denkt, sämtliche früheren Verfehlungen zu überdecken, solltet ihr unverzüglich sexuelles Fehlverhalten aufgeben, viele gute Verdienste sammeln und die Hindernisse früherer Schuld beseitigen. Hört ihr nicht auf meine Ermahnungen, kann auch ich nichts mehr tun. Es besagt: Da ich euch schon mit guten Worten eindringlich ermahnt habe, ihr aber trotzdem nicht auf meine Ratschläge hört, was kann ich dann noch mit euch tun? Über den Berg der Klingen mögt ihr rollen, im Ölkessel mögt ihr kochen. Im Blutfluss mögt ihr sitzen, flüssiges Eisen mögt ihr schlucken. Sobald die schlechte Vergeltung euch trifft, befiehlt der König der Unterwelt den Geistersoldaten, euch auf den Berg der Klingen zu werfen, wo ihr umherrollen müsst. Er lässt euch in den Ölkessel werfen, wo ihr gekocht werdet. Oder er lässt euren Körper im Blutfluss untertauchen, damit ihr Kälte und den Gestank des Blutes erleidet. Oder er lässt euch flüssiges Eisen in den Mund gießen, sodass Leber, Darm, Magen und Lunge gepeinigt werden, als siedeten sie in einem Kessel kochenden Öls. All diese Qualen müsst ihr dann erdulden. Wenn ihr erst dann daran denkt, meine Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten zu lesen, werdet ihr wohl der Feuergrube nicht mehr entkommen. Wenn ihr erst dann daran denkt, meine Unterweisungen gegen sexuelles Fehlverhalten zu lesen, werdet ihr wohl nicht mehr zum Himmelshof aufsteigen können. Die „Feuergrube“ bezeichnet das Erdulden von Strafen auf dem Berg der Klingen und im Ölkessel, als befände man sich in einer Feuergrube. „Der Feuergrube nicht mehr entkommen“ besagt, dass sich dann nichts mehr rückgängig machen lässt, selbst wenn man die Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten lesen möchte. Der „Himmelshof“ bezeichnet den Aufstieg eines schuldfreien Menschen nach dem Tod in die Welt der Höchsten Glückseligkeit, als stiege er in den Himmel auf. „Nicht mehr zum Himmelshof aufsteigen können“ besagt, dass man dann nicht mehr emporsteigen kann, selbst wenn man die Unterweisungen gegen sexuelles Fehlverhalten lesen möchte. Ich in der Lingxiao-Halle fürchte euren Groll; ihr in der Hölle erleidet grausame Strafen. Der Kaiserliche Herr sagt: Während ihr in der Hölle die verschiedensten grausamen Strafen erleidet, fürchte ich in der Lingxiao-Halle noch, dass ihr mir grollt, weil ich euch nicht früher ermahnt habe. Ihr wollt entkommen und könnt nicht entkommen; ihr wollt fortgehen und könnt nicht fortgehen. Zum Bessern ist es zu spät, und auch zum Bereuen bleibt keine Zeit mehr. Es besagt: Da man in der Hölle bereits Strafe erleidet, kann man nicht entfliehen, auch wenn man fliehen will, und nicht fortgehen, auch wenn man fortgehen will. Ist es so weit gekommen, ist es zum Bessern zu spät, und auch die Reue kommt zu spät. Habt ihr alle Leiden erduldet, werdet ihr fortgeschickt und zu Tieren. Mit Fell bedeckt und mit Hörnern versehen, gehört ihr zu Vögeln und anderen Tieren. Es besagt: Nachdem man in der Hölle alle Arten von Strafen und Qualen erduldet hat, wird man entlassen, um zum Tier zu werden. Man trägt entweder Fell oder Hörner und gesellt sich zu fliegenden Vögeln und umherlaufenden Tieren. Wieder sterbt ihr unter dem Messer, werdet in der Pfanne gebraten und im Feuer verbrannt. Wann erst ist alles abgegolten, sodass ihr wieder als Mensch geboren werden könnt? „Wieder“ bedeutet weiterhin wie zuvor. Es besagt: Nachdem man zu Vögeln oder anderen Tieren geworden ist, stirbt man weiterhin unter dem Messer, wird in der Pfanne gebraten oder im Feuer verbrannt. Erst wenn die Schuldakte abgeschlossen ist, kann man wieder Mensch werden; wann wird das sein? Geht die menschliche Gestalt einmal verloren, folgen zehntausend Kalpas des Leidens. Wie viel besser wäre es, sich zu üben, Verdienste zu sammeln und zu den Wolken emporzusteigen! Es besagt: Wenn ein Mensch seine Fehler kennt und sie nicht bessert, muss er, sobald er die menschliche Gestalt verliert, die Qualen zehntausender Kalpas erdulden und kann nicht gleich wieder Mensch werden. Wie viel besser wäre es, Gutes zu tun und Verdienste zu sammeln; dann könnte man noch in den Himmel und zu den Wolken aufsteigen. Ist der vordere Wagen gestürzt, sei es dem hinteren eine Warnung. Darin liegt erst das Elixier des langen Lebens ohne Altern. Der „vordere Wagen“ ist der Wagen, der vorausfährt. „Gestürzt“ bedeutet, beim Sturz beschädigt zu werden. Der „hintere Wagen“ ist der nachfolgende Wagen. „Warnung“ bedeutet Vorsicht. Es besagt: Wer sich die früheren Menschen, die sexuelles Fehlverhalten liebten und dadurch ausnahmslos sich selbst und ihre Familien zugrunde richteten, zur Warnung nimmt, handelt wie der hintere Wagen, der sich durch den vorderen warnen lässt. Dadurch kann er Segnungen und Lebenszeit mehren, als hätte er das Elixier der Unsterblichen für langes Leben ohne Altern eingenommen. Einst offenbarte ich mich durch das Fliegen des Luan-Pinsels; Zweifel und Glaube waren miteinander vermischt. „Einst“ bedeutet in früheren Tagen. Es besagt: Früher richteten Menschen eine Luan-Halle ein, um mittels des fliegenden und tanzenden Luan-Pinsels Unterweisungen herabkommen und die Offenbarung unter den Menschen erscheinen zu lassen. Doch unter den Menschen waren Zweifel und Glaube vermischt; wenige glaubten, viele glaubten nicht. Deshalb kamen immer wieder Heimsuchungen; Waffen und Krieg stifteten Unruhe. Himmel und Erde wurden auf den Kopf gestellt, und Millionen Menschen traf das Unheil.25 „Heimsuchungen“ bezeichnet die verschiedensten Katastrophen durch Wasser, Feuer und Seuchen. „Immer wieder kommen“ bedeutet häufig eintreten. Hinzu kommt die Heimsuchung durch Klingen und Krieg, die Unruhe in der Welt stiftet. So werden Himmel und Erde auf den Kopf gestellt, und Tausende und Millionen Menschen erleiden gemeinsam Unglück und Schaden. Ist das nicht entsetzlich? „Zhao“ bedeutet eine Million. „Hinterlassen“ bedeutet zurücklassen. Gemeint ist, dem Volk Unheil und Schaden zu hinterlassen. Lampen und Kerzen strahlen; überall werden Altäre errichtet, um die Lehre zu verkünden. In Stadt und Land herrscht reges Mitwirken; in allen Gruppen werden Reuetexte rezitiert und Schriften ehrfürchtig verehrt. „Strahlen“ bedeutet, dass Lampen und Kerzen hell leuchten. „Altäre errichten“ heißt Luan-Altäre aufstellen. „Die Lehre verkünden“ bedeutet, die Grundsätze der sittlichen Unterweisung zu erklären. Es besagt: Weil immer wieder Heimsuchungen herabkommen, spenden die Menschen in Stadt und Land gleichermaßen voller Eifer Geld, errichten Altäre und veranstalten Jiao-Riten, um die Heimsuchungen abzuwenden. All dies heißt nur, nach dem Verlust der Schafe den Pferch auszubessern und den Willen des Himmels umzustimmen. Altäre zu errichten und die Lehre zu verkünden dient allein dem Bemühen, den Willen des Himmels umzustimmen. Es gleicht einem Haushalt, der Schafe hält und, nachdem ihm Schafe abhandengekommen sind, nachträglich den Pferch ausbessert: Man tut damit lediglich, was in menschlicher Macht steht. Auch ich scheue keine Mühe und keine eindringlichen Worte, um die Lehre zu verkünden und Menschen hinüberzuführen. Der Kaiserliche Herr sagt: Ich scheue weder Mühe noch Anstrengung, um die heiligen Schriften und die Regeln des rechten Verhaltens mündlich zu erklären. Ich will dadurch allein die Menschen hinüberführen, damit sie im Herzen umkehren und dem Guten folgen. Betrachtet jemand dies als bloße Formsache, wird er sogleich Unglück und Unheil gemeinsam hereinbrechen sehen. „Bloße Formsache“ bezeichnet etwas, das lediglich der Vollständigkeit dient, gerade die Zahl auffüllt und keine Bedeutung hat. Es besagt: Wenn jemand diese Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten als unbedeutenden Text betrachtet und andere daran hindert, ihr zu glauben und zu folgen, wird er sogleich Katastrophen und Unheil gemeinsam eintreten sehen. Erst dadurch lässt sich seine Vermessenheit zurechtweisen. Bezeichnet jemand dies als abwegig und haltlos, wird er sogleich erleben, wie ein Blitz seinen Leib zerreißt. „Abwegig und haltlos“ bedeutet ohne Grundlage. Es besagt: Wenn jemand diese Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten als abwegige, unbegründete Behauptung bezeichnet und dadurch andere zum Zweifeln bringt, sodass sie ihr nicht glauben und folgen wollen, wird sogleich ein feuriger Blitz seinen Leib in mehrere Stücke schlagen und so sein böses Tun offenbar machen. Vor solch mütterlichem Herzen legen die Acht Unsterblichen ehrerbietig die Hände ineinander; vor solcher leidenschaftlichen Aufrichtigkeit heben die Fünf Alten das Haupt. Der Kaiserliche Herr verfasst diese Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten, um die Welt zu ermahnen. Die volle Aufrichtigkeit seines Herzens unterscheidet sich nicht von der Liebe einer alten Mutter zu ihren Kindern. Selbst die Unsterblichen der acht Grotten würden beim Anblick dessen gewiss die Hände ehrerbietig ineinanderlegen und es loben. Auch die Fünf Alten, die am Fluss wandeln, würden das Haupt erheben und bewundernd aufblicken, um die Güte und Schönheit seiner Lehre zu preisen. Ohne mich ihrer Schlichtheit und Unvollkommenheit zu schämen, zeige ich sie allen Menschen. „Alle Menschen“ bezeichnet das schwarzhaarige Volk. Der Kaiserliche Herr sagt: Ich scheue mich nicht, euch, dem schwarzhaarigen Volk, diese schlichte und unvollkommene Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten überall zu zeigen. Ich will tatsächlich euch Menschen zur Umkehr bewegen, damit ihr kein sexuelles Fehlverhalten begeht. Ich übergebe sie Jujuben- und Kastanienholz und hege dabei große Hoffnungen. Die beiden Holzarten Jujube und Kastanie eignen sich zum Schneiden von Druckstöcken. Der Kaiserliche Herr sagt: Da ich euch Menschen die Schrift zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten gezeigt habe, hoffe ich auch, dass ihr sie einer Druckerei übergebt, Druckstöcke anfertigen und sie drucken und verschenken lasst, um die Menschen der Welt zu ermahnen. Doch wenn ich diese Absicht hege und große Hoffnungen in euch setze, erwarte ich in Wahrheit, dass ihr Menschen sie schleunigst befolgt. Gedicht zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten Den klar erkennbaren Weg in den Tod sucht man sich selbst; man prahlt mit tiefer Liebe, doch tiefer noch wird die Schuld. Betrachtet die schöne Gestalt am besten im Bild eines Dämons; täuscht nicht die Götter und Geister, indem ihr unrechte Gedanken hegt. Ein Traum auf Yangtai – welche Freude bleibt davon? Drei Satzungen der Unterwelt – die Qual ist kaum zu ertragen. Fragt jene, die mit den Ehefrauen und Töchtern anderer unerlaubten Verkehr haben: Wer würde willig dulden, dass andere mit seiner Frau und Tochter solchen Verkehr haben? Kostbare Unterweisungen des Kaiserlichen Herrn Wenchang zur Mahnung gegen sexuelles Fehlverhalten Ich habe vom höchsten Herrscher im Goldenen Palast den Auftrag erhalten, an den Yin- und Mao-Tagen jedes Monats die Höllen von Fengdu zu inspizieren und die tatsächlichen Taten der schuldbeladenen Menschen unter dem Himmel zu prüfen und festzustellen. Ich sehe schwarze Register, die sich wie Berge auftürmen; sie enthalten sämtlich die Karmaakten aus dem ganzen Leben der Menschen auf der Welt. Darin finden sich die verschiedensten bösen Taten. Unter allen Übeltaten ahndet das Gesetz des Himmels sexuelle Verfehlungen am strengsten. Wer unerlaubten Geschlechtsverkehr mit der Frau oder Tochter eines anderen hat und dessen Frauengemächer befleckt, muss in der Hölle fünfhundert Kalpas lang leiden. Erst dann darf er ihr entkommen und als Maultier oder Pferd geboren werden. Nach weiteren fünfhundert Kalpas folgt die Wiedergeburt als Mensch, und zwar als Prostituierte oder Schauspieler. Wer Pläne schmiedet und Listen ersinnt, um mit Witwen oder buddhistischen Nonnen unerlaubten Geschlechtsverkehr zu haben und ihren sittlichen Lebenswandel zu verderben, muss in der Hölle achthundert Kalpas lang leiden. Erst dann darf er ihr entkommen und als Schaf oder Schwein geboren werden, um von Menschen geschlachtet zu werden. Nach weiteren achthundert Kalpas erhält er wieder einen menschlichen Körper und wird blind oder stumm oder ein Mensch, dessen fünf Gesichtsorgane und vier Gliedmaßen unvollständig sind. Wer als Niedrigerstehender mit Höherstehenden oder als Älterer mit Jüngeren sexuelles Fehlverhalten begeht und die grundlegenden sittlichen Beziehungen zerstört, muss in der Hölle eintausendfünfhundert Kalpas lang leiden. Erst dann darf er ihr entkommen und als Schlange oder Ratte geboren werden. Nach weiteren eintausendfünfhundert Kalpas erhält er erst wieder einen menschlichen Körper; er stirbt jedoch entweder im Mutterleib oder als Säugling auf dem Arm. In keinem Fall erreicht er ein hohes Alter. Hinzu kommen diejenigen, die obszöne Bücher verfassen und die Gesinnung der Menschen verderben. Nach ihrem Tod gehen sie in die Hölle ohne Unterbrechung des Leidens ein. Erst wenn ihre Bücher vollständig verschwunden sind und die Schuld und ihre Vergeltung bei allen, die ihretwegen Böses taten, ganz abgegolten sind, dürfen sie ihr entkommen und im Geisterreich geboren werden. Dort herrscht tiefe, finstere Dunkelheit; keines der drei Himmelslichter ist zu sehen. Sie nähren sich vom Wind und liegen auf Eis, ihre Haut reißt grausam auf. Selbst wenn sie Unsterblichen oder Buddhas begegnen, können diese sie nicht retten und hinüberführen. Man weiß nicht, wie gewaltig das Unheil ist, das obszöne Bücher den Menschen der Welt zufügen. Ursprünglich ehrbare, wohlerzogene Töchter aus angesehenen Häusern können lesen und kennen die Schrift. Wenn sie nun hinter einem grünen Fenster in der Stille des Tages oder bei einer bläulichen Lampe in später Nacht ein solches Buch aufschlagen und hineinsehen, geraten ihre Hun- und Po-Seelen in Aufruhr. Sie können dem Brennen des Begehrens nicht widerstehen und begehen plötzlich Taten des heimlichen Entlaufens und unerlaubter Verbindungen. So verlieren sittsame Frauen ihre Treue und keusche Mädchen ihre Keuschheit. Oder es gibt kluge, literarisch gebildete junge Männer, deren Wahrnehmungen und Gedanken beim ersten Blick in ein solches Buch verunreinigt werden. Entweder masturbieren sie ohne Selbstbeherrschung, oder sie werfen lüsterne Blicke und geben sich leichtfertigen Verbindungen hin. Im geringeren Fall schädigen sie ihr ursprüngliches Yang und sterben schon in jungen Jahren; im schwereren Fall verletzen sie die sittliche Ordnung der Beziehungen und werden von den Gelehrten nicht mehr als ihresgleichen anerkannt. Andere ersinnen geschickt Bühnengeschichten und führen sie vor Publikum auf, bilden Lustknaben aus und betrachten immer wieder obszöne Gebärden. Wie viele Menschen dadurch ihre reine sittliche Haltung verlieren, lässt sich nicht zählen. Geht man den Ursachen nach, ist all dies der Schaden obszöner Bücher. Wie können Gelehrte, die aus früheren Leben eine Wurzel der Weisheit besitzen und einen Pinsel von sieben Cun führen, nicht daran denken, der Welt zu nützen und die eigenen Segnungen zu mehren, sondern nur endlose Schuld schaffen und den Zorn des Höchsten Herrschers herausfordern? Sie treten selbst in eisige Abgründe und Feuergruben, ohne sich darum zu kümmern. Das ist zutiefst beklagenswert. Tabelle der Zeiten sexueller Enthaltsamkeit zum Schutz des Körpers und zur Sicherung des Lebens sowie der Tabutage von Himmel, Erde und Mensch aus dem von Meister Yinguang ergänzten und überarbeiteten „Kostbaren Spiegel für Langlebigkeit und Gesundheit“ Anmerkung der chinesischen TXT-Vorlage: „Die Tabelle lässt sich in der TXT-Datei nicht aufbereiten. Bitte suchen Sie im Internet danach; diese Tabelle ist sehr wichtig, besonders für Eltern, die ein Kind mit Segnungen und Weisheit wünschen.“ Das Buch „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ wird tatsächlich von der Unterwelt herausgegeben und seine Verbreitung durch ihren Segen unterstützt – Meine Geschichte mit „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ Ich habe lange gezögert und wusste nicht, ob ich die kleine Geschichte aufschreiben sollte, die sich zwischen mir und dem Buch „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ ereignet hat. Denn ich bin nur ein gewöhnlicher Mensch und weiß nicht, was sich hinter den Kulissen der drei Welten abspielt oder wie tief die Wahrheit über die sechs Wege der Wiedergeburt reicht. Dieses Erlebnis lag tatsächlich jenseits meiner persönlichen Erwartungen. Früher las ich immer nur die Geschichten anderer; der „Kostbare Spiegel für Langlebigkeit und Gesundheit“, „Die wilde Strömung im Meer der Begierden zurückwenden“ und „Die erste Grundlage für zehntausend gute Taten“ berichten von vielen Menschen, die derartige Erlebnisse mit der Unterwelt hatten. Bei mir aber hing es diesmal ganz besonders mit „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ zusammen. Weil außerdem mein künftiges Leben davon berührt wird, wagte ich lange nicht, alles offen darzulegen, und ließ gegenüber Menschen in meiner Umgebung nur ein wenig davon durchblicken, wenn ich ihnen das Buch vorstellte. Doch als ich sah, dass etliche Menschen große Vorurteile gegen „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ haben, dachte ich, ich sollte es erzählen. Zwar fürchte ich mich noch etwas und weiß nicht, welche Folgen es haben wird. Aber ich denke, dass ich nur wahrheitsgemäß von meinen eigenen Erlebnissen berichte. Welche Gedanken und welchen Standpunkt ihr auch habt und wie ihr es auch seht: Was sich in den drei Welten tatsächlich ereignet, bleibt eine Tatsache, und es ist für alle Menschen eine Tatsache. Ich hoffe lediglich, dass alle wissen: „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ hat tatsächlich einen bedeutenden Ursprung und ist wahr, nicht erfunden. Ich denke, die Buddhalehre enthüllt den Lebewesen die Wahrheit der Tatsachen und leugnet die Tatsachen nicht. Im „Diamant-Sutra“ heißt es ganz klar: „Wer den Geist der unübertroffenen vollkommenen Erwachung erweckt, spricht hinsichtlich der Dharmas nicht vom Merkmal der Vernichtung.“ Manche schwingen gern den großen Knüppel und spielen sich zum obersten Richter über die Buddhalehre auf. Doch wenn ihr die Tatsachen nicht versteht, habt ihr gewiss auch die Buddhalehre nicht wirklich verstanden! Ihr könnt die Wahrheit der Tatsachen nicht in einer Schau jenseits aller Gegensätze erfassen und seid immer noch gewöhnliche Menschen. Wenn ihr dennoch wagt, euch auf der Grundlage eurer durch Augen, Ohren, Nase, Zunge, Körper und Bewusstsein begrenzten Gedanken und Ansichten als Richter aufzuspielen, ist das nicht allzu vermessen? Habt ihr über die Schuld nachgedacht, euch selbst und andere damit in die Irre zu führen? Vor zwei Monaten, also Mitte März, erhielt ich an einer buddhistischen Vertriebsstelle ein Exemplar von „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ als kostenlose Gabe. Ich glaube, ich hatte das Buch schon früher gesehen. Obwohl ich es gut fand, hielt ich es, vielleicht unter dem Einfluss bestimmter Ansichten, immer nur für ein Buch zur Ermahnung zum Guten und las es deshalb nicht gründlich. Als ich diesmal an der Vertriebsstelle darin las, fand ich die Ausführungen sehr gut. Zumindest wurde mir klar, was es mit einer Zeit vor vielen Jahren auf sich gehabt hatte, in der ich wie ohne Seele gewesen war: Auf der Straße konnte ich schon in gut zehn Metern Entfernung nichts klar erkennen, hatte nicht die geringste Energie und war benommen und völlig umnebelt. Es war, als ginge nur ein fleischlicher Körper umher, der gerade noch zu ein paar einfachen gedanklichen Reaktionen fähig war. Offenbar war das wohl das schlechte Karma aus sexuellem Fehlverhalten: Die Lebenszeit in der Menschenwelt war noch nicht abgelaufen, doch die drei Hun-Seelen waren bereits fortgeholt worden! Nachdem ich das Buch nach Hause gebracht hatte, las ich es nochmals gründlich und fand es tatsächlich sehr gut. Meine persönlichen Erfahrungen über viele Jahre ließen mich erkennen, dass es wirklich so war: Die Folgen sexuellen Fehlverhaltens sind tatsächlich sehr schlecht und sehr furchterregend. Ich dachte, es wäre schön, einer örtlichen Kṣitigarbha-Praxisstätte noch eine Lieferung zu bringen, damit mehr Menschen darin lesen könnten. Dieser beiläufige Gedanke ging vorüber, und ich maß ihm keine weitere Bedeutung bei. Ich erledigte meine Arbeit, aß und ging schlafen. Doch in jener Nacht hatte ich einen Traum: Ich trug einen Stapel Bücher zum Dizang Tanlin, und zugleich sagte eine Stimme zu mir: „Wenn du einen Stapel von ‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ zum Dizang Tanlin bringst, wirst du ewiges Leben erlangen.“ Als ich erwachte, fand ich das recht merkwürdig und auch interessant. Es war nur ein beiläufiger Gedanke am Tag gewesen, den ich selbst schon vergessen hatte, und dann hatte ich einen solchen Traum. Was ist denn ewiges Leben? Doch wie auch immer: Einen Stapel von „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ zum Dizang Tanlin zu bringen, war in jedem Fall eine gute Sache; also wollte ich es einfach tun! Nach Arbeitsbeginn fand ich am Computer Shangguan Yuhuas Blog und dann auch die Website „Shanxin Lianxin Zhengfa Shenghuo“. Doch anscheinend begegnen guten Vorhaben viele Hindernisse: Mein Zertifikat für das Onlinebanking war abgelaufen. (Neben „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ bestellte ich bei der Gelegenheit auch „Die kostbare Kṣitigarbha-Reueliturgie des Mitgefühls“ und weitere Bücher, nach denen ich schon lange vergeblich gesucht hatte; „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ wurde kostenlos abgegeben.) Gleichgültig, was ich tat, das Zertifikat ließ sich nicht erneuern; ständig stimmte die Zeitsynchronisierung nicht. Auch nach mehreren Kontakten und Versuchen mit dem Kundendienst der Bank ließ sich das Problem nicht lösen. Wir waren in einem Industriegebiet und tagsüber weit vom Stadtzentrum entfernt. Die wiederholten Versuche waren recht lästig. Doch ich tat dies nicht wegen jenes Traums; damals hatte ich ihn wirklich nicht ernst genommen. Ich dachte nur: Wenn ich schon etwas Gutes tun will, muss ich entschlossen bleiben und es zu Ende bringen. Ich darf nicht bei der geringsten Schwierigkeit die Sache fallen lassen. Deshalb fuhr ich später eigens in die Schalterhalle der Bank im Stadtzentrum und ließ das Zertifikat erneuern. Zurück im Büro bekam ich es endlich hin und bestellte drei Kartons Bücher, darunter „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“, die „Huian Mingdeng – ausgewählte gesammelte Schriften“ und „Die kostbare Kṣitigarbha-Reueliturgie des Mitgefühls“. Als die Bücher eintrafen, brachte ich einen Stapel zum Dizang Tanlin. Meinen vorherigen Traum hatte ich nicht wichtig genommen, ja nicht einmal für wahr gehalten; ich hatte ihn beinahe vergessen. Ich erledigte diese Angelegenheit einfach als eine gute Tat. Doch in jener Nacht hatte ich wieder einen Traum. Darin erschienen zwei Gestalten, die wie Amtsschergen aussahen: Ihre Gesichter waren rot und schwarz, ihre Stirnen von Falten durchzogen, ihre Gesichtsform ungefähr viereckig. Sie sahen den Amtsschergen der Unterwelt im „Yuli Baochao“ äußerst ähnlich. Auf einen Blick war zu erkennen, dass sie keine Menschen aus der Welt der Lebenden waren. Ihnen fehlte jede Nachgiebigkeit und Zugänglichkeit. Der Eindruck, den sie vermittelten, war „unparteiisch“ und „unerbittlich“: Keine Gefühlsregung schien sie rühren zu können; sie erledigten ihre Aufgaben streng unparteiisch. Es war noch jemand dabei, der offenbar die örtliche Zuständigkeit innehatte. (Ich weiß nicht, ob es der Erdgott oder der Herdgott war.) Die beiden Amtsschergen übergaben mir ein großes Blatt Papier. Zeile um Zeile war es vollständig mit Aufzeichnungen über mich gefüllt. Ganz links in jeder Zeile stand mein Name in überaus klar erkennbarer Schrift; rechts davon folgten die Aufzeichnungen. Vor den Augen der drei begann ich, das beschriebene Papier zu zerreißen, Streifen für Streifen. Doch es schien sehr fest zu sein und ließ sich nur schwer zerreißen. Da bat derjenige, der offenbar der örtliche Zuständige war, die beiden Schergen beiseite, um etwas zu besprechen. Ich riss weiter. Nach einer Weile kamen alle zurück und ließen mich dann Feuer entzünden und das Papier vollständig verbrennen, offenbar um meine Bedenken ein für alle Mal auszuräumen. Als alles verbrannt war, standen die beiden Schergen auf und sahen mich noch einmal an, mit demselben rein amtlichen Gesichtsausdruck, der keinerlei Zugänglichkeit oder Entgegenkommen zuließ; dann gingen sie. Ich erwachte. Wie seltsam! Ich hatte tatsächlich einen solchen Traum gehabt; eine so wirkliche Szene hatte sich eben erst ereignet. Ich weiß nicht, was sich hinter den Kulissen der drei Welten abspielt, und kenne die Tiefe der Wahrheit über die Wiedergeburt auf den sechs Wegen nicht. Deshalb wagte ich nicht, anderen davon zu erzählen. Aber ich wusste nun, dass „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ tatsächlich von der Unterwelt herausgegeben wird und seine Verbreitung durch ihren Segen unterstützt wird. Bei ihren Angelegenheiten nimmt die Unterwelt ein Versprechen so ernst, als wäre es tausend Goldstücke wert: Was sie sagt, das tut sie. In „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ heißt es: „Wer die Gesetze der Unterwelt unterstützt, wird zum Himmel aufsteigen und aus den Registern der Hölle gestrichen werden.“ Und es ist wirklich so, wie das Buch sagt: „Glaubt nicht, eine sehr private Handlung bliebe unbekannt. Ein einziger guter oder böser Gedanke wird unmittelbar in das Register guter und böser Taten der Unterwelt eingetragen.“ Ich hatte gedacht, damit sei es vorbei, und wirklich nicht erwartet, diesem Amtsschergen bald darauf noch einmal zu begegnen. Diesmal kam er nicht zu mir, sondern ich wurde nach unten gerufen. Dafür muss ich von vorn anfangen und zunächst eine Begebenheit einschieben. Vor zwei Jahren war ich auf dem Jiuhua-Berg und wohnte im Xitian-Tempel. Sobald ich mich eingerichtet hatte, ging ich in die große Halle, um dem Buddha meine Verehrung zu erweisen. Als ich mich danach erhob und hinausgehen wollte, hielt mich eine ältere Nonne an, die hinter einem Tisch neben der Tür saß. Sie fragte: „Du liest zu Hause das ‚Diamant-Sutra‘, nicht wahr?“ Damals trug ich ein kleines Exemplar des „Diamant-Sutras“ in der inneren Brusttasche meiner Jacke. Also sagte ich: „Ja, ich trage das ‚Diamant-Sutra‘ bei mir“, und zog es beim Sprechen heraus. Die ältere Nonne sagte: „Ich sage nicht, dass du das ‚Diamant-Sutra‘ bei dir trägst. Ich sage, dass du das ‚Diamant-Sutra‘ liest, und zwar schon seit mindestens drei Monaten.“ Ich war sehr erstaunt. Es war das erste Mal, dass ich jemandem begegnete, der so etwas sagen konnte. Tatsächlich las ich damals das „Diamant-Sutra“. Ich rief meinen Sohn, meinen Neffen und meine Nichte herbei, die mit mir reisten. Die ältere Nonne sprach knapp und treffend; alles, was sie sagte, war sehr genau, und alle fühlten sich sehr ermutigt. Als wir am frühen Abend zurückkehrten, ging ich erneut in die große Halle. Dort sah ich eine junge Frau vor dem Buddha knien und das „Kṣitigarbha-Sutra“ lesen; an der Tür stand offenbar ihre Mutter. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass sie aus Nordostchina kamen. Auch ihnen hatte die ältere Nonne sehr Zutreffendes gesagt, woraufhin die junge Frau beschlossen hatte, auch während ihrer Reise auf dem Berg das „Kṣitigarbha-Sutra“ zu lesen. Die ältere Nonne war sehr mitfühlend. Unermüdlich ermahnte sie uns eindringlich, erläuterte uns die Dinge von den verschiedensten Seiten und hielt uns dazu an, gewissenhaft zu praktizieren. Auch sprach sie meiner Frau gut zu, über das Leben, die Familie und den Beruf, vom früheren Leben bis zum jetzigen. Sie schenkte uns viele Schriften, Gebetsketten, Schmuckstücke und anderes. Meine Frau war sehr bewegt und las nach unserer Rückkehr eine Zeit lang gewissenhaft das „Kṣitigarbha-Sutra“. Bevor wir den Berg verließen, fragte ich die ältere Nonne, ob mir in der Zukunft Katastrophen oder Schwierigkeiten bevorstünden. Sie nahm ein „Kṣitigarbha-Sutra“ und ein Bildnis Kṣitigarbhas, schenkte sie mir und sagte: „Frag nichts weiter. Wenn du unter der Woche arbeiten musst und keine Zeit hast, lies zu Hause am Samstag und Sonntag jeweils einmal das ganze ‚Kṣitigarbha-Sutra‘, dann wird alles gut.“ Nach unserer Rückkehr hielt ich eine Zeit lang daran fest, wurde dann aber tatsächlich nachlässig. Doch immer wenn ich an ihre unvergleichlich gütige Stimme, ihr Gesicht und ihr Lächeln dachte und daran, wie sie mich immer wieder ermahnt und mir ans Herz gelegt hatte, was ich tun sollte, schämte ich mich sehr. Etwa in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres begann ich wieder, mich im Großen und Ganzen daran zu halten, an jedem Tag des Wochenendes einmal das ganze „Kṣitigarbha-Sutra“ zu lesen. Doch zurück zur Geschichte: Einige Tage nachdem ich Exemplare von „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ verschenkt und jenen Traum gehabt hatte, wurde ich in meiner Praxis etwas träge und nachlässig. Meine gewohnten Neigungen sind wirklich sehr stark! Mehrmals las ich das „Kṣitigarbha-Sutra“ nicht, obwohl es an der Zeit gewesen wäre; an meiner selbst festgelegten Morgenübung hielt ich jedoch weiter fest. Eines Nachts, nachdem ich eingeschlafen war, schien ich nach unten in einen Raum zu gelangen. Darin stand ein rechteckiger Konferenztisch; offenbar fand eine Besprechung statt. Vorne in der Mitte saß wohl der Vorsitzende. Er sah aus wie derselbe Amtsscherge, mit dem ich im vorigen Traum zu tun gehabt hatte. Als ich eintrat, trug er wieder diesen unbeugsamen, unparteiischen, peinlich genauen und sehr ernsten Gesichtsausdruck. Er fragte mich: „Warum hast du in letzter Zeit keine Schriften gelesen?“ In einer solchen Umgebung schien man unwillkürlich die Wahrheit zu sagen. Ich antwortete: „An den Nachmittagen des Wochenendes habe ich das ‚Kṣitigarbha-Sutra‘ nicht gelesen; morgens lese ich weiterhin die ‚Zehn großen Gelübde Samantabhadras‘ und das ‚Diamant-Sutra‘.“ Plötzlich erschien auf dem Gesicht des Amtsschergen tatsächlich ein freudiges, strahlendes Lächeln, das etwas von Erleichterung und Genugtuung vermittelte. Ich war in diesem Augenblick ungeheuer erstaunt; so etwas war wirklich selten. Nach dem Eindruck, den ich von ihm hatte, war es geradezu außergewöhnlich, einen solchen Ausdruck auf seinem Gesicht zu sehen, als sähe man die Sonne am nächtlichen Himmel. Nur weil ich buddhistische Schriften las, zeigte er ein solches erleichtertes Lächeln! Ich hätte nicht gedacht, dass das Rezitieren buddhistischer Schriften hier sofort eine derart andere Behandlung bewirken konnte. Anschließend schien man noch einmal nachzusehen, wie es um das Verschenken von „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ stand. Insgesamt wirkte man offenbar recht zufrieden. Da ich spürte, dass das Studium und die Verbreitung von „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ einen sehr wirklichen, unmittelbaren persönlichen Nutzen hatten, den man mit noch so viel Geld nicht kaufen konnte, wollte ich auch meine Brüder und Schwestern dazu bringen, das Buch zu studieren und zu verbreiten, damit sie etwas von diesem seltenen, mit Geld nicht zu erkaufenden persönlichen Nutzen erhielten. Doch wir Geschwister lebten nicht am selben Ort, weshalb dies nicht leicht zu bewerkstelligen war. Ich dachte mir, ich könnte die Bücher meinen Eltern schenken; wenn sie eines ihrer Kinder besuchten, könnten sie einige Exemplare mitnehmen. Damals wohnten meine Eltern bei meinem älteren Bruder. An einem Freitagnachmittag, irgendwann nach zwei Uhr, kam mir dieser Gedanke, und ich beschloss, zu meinen Eltern zu fahren. Ich nahm den Zug in eine andere Stadt und kam irgendwann nach sechs Uhr nachmittags bei meinem älteren Bruder an. Als ich eintrat, war ich sehr erstaunt: Mein älterer Bruder selbst war ausgegangen und nicht zu Hause, doch alle anderen waren im Wohnzimmer versammelt. Als ich fragte, sagten alle: „Wir warten auf dich!“ Ich fragte den älteren meiner jüngeren Brüder: „Wieso bist du hier?“ Er arbeitete nämlich nicht in dieser Stadt. Er sagte: „Am Nachmittag sollte eigentlich eine Besprechung stattfinden, aber sie wurde kurzfristig abgesagt. Also bin ich mit dem Auto hergefahren, um unsere Eltern zu besuchen.“ Ich fragte meine jüngere Schwester: „Wieso bist du hier?“ Sie sagte: „Ich musste am Nachmittag etwas erledigen. Als ich fertig war, war es fast fünf Uhr, also bin ich nicht mehr an meinen Arbeitsplatz zurückgegangen, sondern zu unseren Eltern gekommen.“ Ich fragte meinen jüngsten Bruder: „Wieso bist du hier?“ Er sagte: „Zum Qingming-Fest konnten unsere Eltern nicht in den Heimatort zurückkehren, also bin ich hingefahren. Ich bin erst heute Nachmittag zurückgekommen und wollte zuerst nach ihnen sehen.“ Normalerweise kamen wir Geschwister nur selten alle gleichzeitig zusammen. Selbst wenn in einer Familie etwas stattfand und alle hinkamen, trafen wir kaum jemals im selben Shichen gleichzeitig ein. Wir wechselten also ein paar Worte, und jeder bekam einige Exemplare von „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ geschenkt. Weil jeder zu Hause etwas zu erledigen hatte und einige sogar wieder in eine andere Stadt zurückmussten, brachen alle eilig wieder auf. Ich dachte: Dass die Bücher schließlich auf dem schnellsten Wege in ihre Hände gelangen konnten, musste wohl das Ergebnis des Segens der göttlichen Kräfte von Buddhas, Himmels- und Erdgottheiten sein, nachdem in mir der Gedanke entstanden war, sie zum Studium und zur Verbreitung von „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ zu bewegen! Einige Tage später rief meine jüngere Schwester plötzlich an und fragte, wo „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ gedruckt werde: Ihr Sohn wolle Geld für den Druck spenden. Ihr Sohn besuchte die dritte Klasse der unteren Sekundarstufe und war ein kleiner Tyrann, der sich nur sehr schwer bändigen ließ. Ich wunderte mich und fragte, was geschehen sei. Meine Schwester sagte: „‚Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt‘ ist wirklich sehr gut. Ursprünglich habe ich es zu Hause nur selbst gelesen und es dem Kind nicht zum Lesen gegeben. Doch irgendwann hat er es selbst gelesen, und plötzlich sagte er zu mir: ‚Mama, ich habe Schuld auf mich geladen.‘ Ich fragte ihn, was los sei. Er sagte: ‚Früher habe ich absichtlich viele Ameisen verletzt, nur zum Spaß. Ich will mein ganzes eigenes Geld für den Druck von »Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt« spenden. Ich will vor dem Buddha ein Gelübde ablegen und die Buddhas und Bodhisattvas bitten, jene kleinen Lebewesen, denen ich geschadet habe, zu segnen und aus ihrem Leiden zu befreien.‘“ Meine Schwester fuhr fort: „Dieses Buch hat wirklich große Verdienste erworben und uns sehr geholfen! Dieser Mensch, den niemand bändigen konnte, hat sich tatsächlich stark verändert!“ Mein kleiner Neffe ist zwar sehr klug, stellt aber ständig Unfug an und macht Schwierigkeiten. Er lässt sich nur schwer erziehen, und die Erwachsenen haben große Sorgen mit ihm. Sein Geld gibt er immer selbst aus; er lässt die Erwachsenen nicht einmal darüber bestimmen. Diesmal aber fasste er aus eigenem Antrieb einen solchen Entschluss, sammelte alles zusammen und spendete sein gesamtes Geld, ohne irgendetwas für sich zu behalten. Im „Saṃyukta-Āgama“ steht ein Gleichnis: „Wie die Erde auf einem Fingernagel – so sind die Lebewesen auf dem Weg der Menschen. Wie die Erde auf dem ganzen Erdboden – so sind die nichtmenschlichen Wesen.“ Auch das „Nirvana-Sutra“ berichtet: Einmal nahm der Buddha ein klein wenig Staub vom Boden auf und fragte den ehrwürdigen Kāśyapa: „Ist die Menge dieses Staubs auf meiner Hand größer oder die Menge der Erde auf dem Boden der Welten in den zehn Richtungen?“ Der ehrwürdige Kāśyapa antwortete: „Natürlich ist die Menge der Erde auf dem Boden der Welten in den zehn Richtungen größer.“ Der Buddha sagte: „Diejenigen, die einen menschlichen Körper erlangen und heilsame Handlungen ausüben, sind so selten wie der Staub auf meiner Hand. Diejenigen aber, die keinen menschlichen Körper erlangt haben und schlechtes Karma erzeugen, sind so zahlreich wie die Erde auf dem Boden der Welten in den zehn Richtungen.“ Außerdem heißt es in buddhistischen Schriften: „Diejenigen, die einen menschlichen Körper erlangen, sind wie die Erde auf einem Fingernagel; diejenigen, die einen menschlichen Körper verlieren, sind wie die Erde auf dem ganzen Erdboden.“ Seit anfangsloser Zeit haben wir tatsächlich unermesslich viel Karma geschaffen, das in die Hölle führt. Wer diesem Problem nicht ins Auge sehen kann, hat meines Erachtens keinen klaren Kopf. „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ ist nicht, wie andere Bücher, von jemandem aus weit verstreuten Materialien zusammengestellt worden, geschweige denn das schöpferische Werk irgendeines Menschen. Die verehrte Dharma-Schwester Shangguan Yuhua ist lediglich die Erzählerin, die Erzählerin tatsächlicher Ereignisse; sie erfüllt eine Aufgabe. Diese erschütternden Tatsachen offenbaren uns, wie wirklichkeitsbezogen, dringlich und wichtig es ist, heilsame Handlungen auszuüben, die Gebote einzuhalten und die Buddhalehre zu üben. Zum Schluss noch dies: Einige Menschen akzeptieren folgende Aussagen aus „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ nicht: „Die Gottesmutter Maria ist eine Manifestation Avalokiteśvaras“ und „Ich sah, dass der Bodhisattva in der mitfühlenden Gestalt der katholischen Gottesmutter Maria erschien. Der Richter der Unterwelt sagte, die Gottesmutter Maria sei tatsächlich eine der Erscheinungsformen Avalokiteśvaras.“ Sie sagen sogar: „Das ist falsch.“ Ich denke, die Dharma-Schwester Shangguan Yuhua schildert Tatsachen, die sie erlebt hat. Sie hat nichts Falsches gesagt; ihr versteht es nur nicht. Im „Diamant-Sutra“ heißt es: „Subhūti! Was meinst du? Kann man den Tathāgata an seiner körperlichen Gestalt erkennen?“ – „Nein, Erhabener! Man kann den Tathāgata nicht an seiner körperlichen Gestalt erkennen. Warum? Was der Tathāgata körperliche Gestalt nennt, ist keine körperliche Gestalt.“ Der Buddha sagte zu Subhūti: „Alle Merkmale sind trügerisch. Sieht man, dass alle Merkmale keine Merkmale sind, sieht man den Tathāgata.“ Ferner: „Subhūti! Was meinst du? Kann man den Buddha an seinem vollkommen ausgestatteten materiellen Körper erkennen?“ – „Nein, Erhabener! Man sollte den Tathāgata nicht an seinem vollkommen ausgestatteten materiellen Körper erkennen. Warum? Der Tathāgata sagt: Ein vollkommen ausgestatteter materieller Körper ist kein vollkommen ausgestatteter materieller Körper; deshalb wird er ein vollkommen ausgestatteter materieller Körper genannt.“ – „Subhūti! Was meinst du? Kann man den Tathāgata an der Vollständigkeit seiner Merkmale erkennen?“ – „Nein, Erhabener! Man sollte den Tathāgata nicht an der Vollständigkeit seiner Merkmale erkennen. Warum? Der Tathāgata sagt: Die Vollständigkeit aller Merkmale ist keine Vollständigkeit; deshalb wird sie die Vollständigkeit aller Merkmale genannt.“ Weiter heißt es: „Wer mich durch die Gestalt sieht und mich durch den Klang der Stimme sucht, der geht einen falschen Weg und kann den Tathāgata nicht sehen.“ Welche körperliche Gestalt soll der Buddha eurer Meinung nach also zeigen, und welche soll er nicht zeigen? Welche Gestalt allein würde als Erscheinung des Buddha gelten? Euer eigenes Herz hängt an der Vorstellung von Selbst und anderen; eure Gefühle halten am Selbst und an anderen fest. Ihr greift in den zehntausend Erscheinungen der Welt nach Merkmalen und macht Unterscheidungen, haltet das Unwirkliche für wirklich und das Falsche für existent und entwickelt die einseitige Sicht der Vernichtung. Wie könnt ihr da vermessen urteilen, dass die in allen Dharmas letztlich vollkommenen und frei wirkenden übernatürlichen Fähigkeiten und die Weisheit der Buddhas und Bodhisattvas sich nicht in einer bestimmten Gestalt zeigen würden? Im Kapitel „Das allumfassende Tor des Bodhisattva Avalokiteśvara“ des „Sutras von der Lotusblume des wunderbaren Dharma“ heißt es ausdrücklich: „Der Buddha sagte zum Bodhisattva Wujinyi: ‚Guter Sohn! Wenn es in einem Land Lebewesen gibt, die durch die Gestalt eines Buddha hinübergeführt werden sollen, zeigt sich der Bodhisattva Avalokiteśvara sogleich in der Gestalt eines Buddha und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt eines Pratyekabuddha hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt eines Pratyekabuddha und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt eines Śrāvaka hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt eines Śrāvaka und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt des Brahmā-Königs hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt des Brahmā-Königs und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt Śakras hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt Śakras und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt Zizaitians hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt Zizaitians und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt Da Zizaitians hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt Da Zizaitians und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt eines großen Himmelsgenerals hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt eines großen Himmelsgenerals und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt Vaiśravaṇas hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt Vaiśravaṇas und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt eines Königs geringeren Ranges hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt eines Königs geringeren Ranges und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt eines Ältesten hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt eines Ältesten und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt eines Laienpraktizierenden hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt eines Laienpraktizierenden und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt eines Beamten hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt eines Beamten und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt eines Brahmanen hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt eines Brahmanen und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt eines Mönchs, einer Nonne, eines männlichen Laienanhängers oder einer weiblichen Laienanhängerin hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt eines Mönchs, einer Nonne, eines männlichen Laienanhängers oder einer weiblichen Laienanhängerin und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt eines Ältesten, eines Laienpraktizierenden, eines Beamten, eines Brahmanen oder einer Frau hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt einer Frau und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt eines Jungen oder eines Mädchens hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt eines Jungen oder eines Mädchens und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch die Gestalt eines Deva, eines Drachen, eines Yakṣa, eines Gandharva, eines Asura, eines Garuḍa, eines Kiṃnara, eines Mahoraga, eines Menschen oder eines nichtmenschlichen Wesens und anderer solcher Wesen hinübergeführt werden, zeigt er sich in all diesen Gestalten und legt ihnen die Lehre dar. Sollen sie durch eine Gottheit, die einen Vajra trägt, hinübergeführt werden, zeigt er sich in der Gestalt einer Gottheit, die einen Vajra trägt, und legt ihnen die Lehre dar.‘“ Daraus ist ersichtlich, dass die Buddhas und Bodhisattvas ganz entsprechend den jeweiligen Umständen der Lebewesen erscheinen und die Lehre darlegen. Das heißt: In welcher Gestalt die Lebewesen auch hinübergeführt und befreit werden sollen, genau in dieser Gestalt erscheinen sie, um sie hinüberzuführen und zu befreien. Es gibt keine feste Erscheinungsform, an der man festhalten könnte! Wenn also Wesen durch die Gestalt der Gottesmutter Maria hinübergeführt werden sollen, erscheinen sie in dieser Gestalt und legen ihnen die Lehre dar. Wie könnte es angesichts des großen Mitgefühls und der großen Unparteilichkeit der Buddhas und Bodhisattvas Lebewesen geben, die sie aufgeben? Sie machen keinen Unterschied zwischen den sechs Wegen der Wiedergeburt – wie viel weniger zwischen den Religionen der Menschenwelt! Welche Gestalt könnten die letztlich vollkommenen und frei wirkenden übernatürlichen Fähigkeiten und die Weisheit der Buddhas und Bodhisattvas nicht annehmen, um dem Herzen der Lebewesen zu entsprechen? Denkt sorgfältig darüber nach! Missversteht das Herz des Buddha nicht aufgrund eurer eigenen ungleichen Haltung gegenüber den Lebewesen! Deutet das Herz des Buddha nicht vermessen aufgrund eures eigenen Haftens an Erscheinungen, eures Greifens nach äußeren Bedingungen und eurer Unterscheidung zwischen Selbst und anderen!26 Dank den Buddhas und Bodhisattvas! Dank dem Himmel, der Erde, den Geistern und Gottheiten! Dank der Lehrerin Shangguan Yuhua! Dank dem Lehrer Wenshu Mojie! Dank allen, die zur Verbreitung von „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ in der Welt beitragen! Miaosheng Vers zur Widmung der Verdienste Durch diese Verdienste möge das Karma vergangener und gegenwärtiger Leben getilgt werden; mögen alle Segnungen und alle Weisheit wachsen und die vortrefflichen Wurzeln des Guten vollkommen werden. Alle Heimsuchungen durch Waffen und Krieg und auch Hungersnöte und dergleichen mögen restlos beseitigt werden; jeder Mensch möge Anstand und Rücksichtnahme üben. Für alle, die den Druck unterstützen, und alle, die das Werk weiterverbreiten: Mögen ihre lebenden Angehörigen alle Frieden und Freude erfahren und ihre bereits Verstorbenen emporsteigen. Mögen Wind und Regen stets im rechten Maß kommen und alle Menschen in Frieden und Gesundheit leben. Mögen alle fühlenden Wesen im Dharmadhātu gemeinsam den unübertroffenen Weg verwirklichen. Redaktionelle Anmerkungen Die folgenden Hinweise stammen aus der Bearbeitung dieser deutschen Ausgabe. Sie gehören nicht zum chinesischen Original. 1. ZH-L0462 Die Vorlage zählt in diesem Abschnitt auch den nicht absichtlich herbeigeführten Verlust einer Schwangerschaft zu den hier behandelten Fällen. Diese Einteilung gibt den Wortgebrauch des Buches wieder, nicht eine medizinische Gleichsetzung. Die karmischen Erklärungen und Forderungen nach Reue gehören zur religiösen Erzählung, nicht zu einer medizinischen Diagnose oder Schuldzuweisung. 2. ZH-L0504 Für die hier erwähnten Untersuchungen nennt die Vorlage keine überprüfbaren bibliografischen Angaben. Ihre Wiedergabe dokumentiert die Aussage des Buches; diese Ausgabe bestätigt damit weder die Studien noch ihre Schlussfolgerungen. 3. ZH-L0656 Die Vorlage spricht zunächst vom Kind aus der früheren Ehe des jetzigen Mannes, später jedoch wörtlich vom „Kind des früheren Ehemanns“. Diese Abweichung in der Verwandtschaftsbezeichnung bleibt in der Übersetzung erhalten. 4. ZH-L0674 Lingxing-Höllen gibt die chinesische Kategorienbezeichnung 灵性地狱 wieder, wörtlich etwa „Höllen der geistigen Natur“. Die Bezeichnung wird hier nicht mit dem Daseinsbereich der Geister gleichgesetzt. 5. ZH-L0762 Die chinesische Textvorlage schreibt in beiden klassischen Zitaten 秧. Die Übersetzung versteht diese Stellen aufgrund des Zusammenhangs im Sinn von 殃 („Unglück“); der chinesische Wortlaut wurde nicht stillschweigend berichtigt. 6. ZH-L0768 Die Antwort wiederholt zunächst die Formel aus der Frage. Da die folgenden Sätze eine andere Begründung entfalten, bleibt hier eine Spannung im Wortlaut der Vorlage bestehen; die Übersetzung fügt keine Verneinung hinzu. 7. ZH-L0970 „Man Jiang Hong“ bezeichnet ein dichterisches Formschema, nach dem verschiedene Gedichte verfasst werden können. Das folgende Gedicht trägt in der Vorlage ebenfalls die Bezeichnung „Man Jiang Hong“, wird jedoch ausdrücklich Wen Zhengming zugeschrieben. Es ist nicht als das zuvor erwähnte Werk Yue Feis ausgewiesen. 8. ZH-L1070 Die Anfangssätze sind eine vorläufige, am Wortlaut orientierte Übersetzung. Die Gliederung von „滅道制“ und der Sinn von „當不識者,謂萬物“ sind nicht geklärt; insbesondere bleibt offen, wie sich die Wendung über die Dinge auf die elf Bedingungen bezieht. Auch bei Punkt 6 ist der Zusammenhang zwischen „Zusammenkommen“ und „bei der Meditation“ unklar. Daraus lässt sich kein bestimmtes Verbot gemeinsamer Meditation ableiten. Die Übersetzung ergänzt keine vermeintlich fehlenden Wörter. 9. ZH-L1115 Die Angabe „350. Jahr nach der Song-Dynastie“ wird aus der Vorlage übernommen. Ein genaues Ausgangsjahr wird dort nicht genannt; deshalb erfolgt keine Umrechnung in ein bestimmtes Kalenderjahr. 10. ZH-L1187 Im letzten Satz nennt die Vorlage nicht ausdrücklich, ob die Schlange oder die abgetrennte Zunge zurückfliegt. Der Bezug bleibt daher in der Übersetzung offen. 11. ZH-L1334 Die Vorlage beschreibt die Größe der Villa mit „mehreren Tausend Chi“, ohne die Flächeneinheit genauer zu bestimmen. Eine Umrechnung wurde nicht vorgenommen. 12. ZH-L1375 Zuvor nennt die Vorlage einen „Palast des verborgenen Verdienstes“; die hier wiedergegebene Inschrift lautet dagegen „Palast des Segens und der Tugend“. Die unterschiedlichen Bezeichnungen bleiben erhalten. 13. ZH-L1413 Diese Bestimmung nennt zunächst „hundert Jahre“, in ihrer anschließenden Erläuterung jedoch „hundert Zyklen“. Die unterschiedliche Zeitangabe der Vorlage wurde nicht vereinheitlicht. 14. ZH-L1417 Die Altersgrenzen der Vorlage lauten wörtlich „ab sechzehn“ und „bis sechzehn“ und überschneiden sich damit beim Alter von sechzehn Jahren. Die Wendung 挟幼童 bezeichnet hier eine Kategorie sexuellen Fehlverhaltens. Das Verb 挟 kann unter anderem ein An-sich-Nehmen oder eine Kontrolle beziehungsweise Nötigung ausdrücken; welcher Handlungssinn an dieser Stelle genau gemeint ist, lässt sich aus dem vorliegenden Zusammenhang nicht sicher bestimmen. Die Wiedergabe legt daher weder das Vorliegen noch das Fehlen von Zwang fest. 15. ZH-L1424 An dieser Stelle steht in der Vorlage ausdrücklich „ab zwölf Jahren“, nicht „unter zwölf Jahren“. 16. ZH-L1434 Dieser Anhang definiert jie selbst: In der Hölle bezeichnet es einen einzelnen Strafdurchgang, bei der Wiedergeburt eine einzelne Geburt. Deshalb steht hier „Zyklus“ und nicht „Kalpa“, wie an anderen Stellen des Buches. 17. ZH-L0764 Die Wendung „千万亿劫“ in diesem Zitat bezeichnet eine außerordentlich große Zahl von Kalpas. Sie wird hier nicht durch Multiplikation der Zahlwörter in eine exakt bestimmte Zeitspanne umgerechnet. 18. ZH-L1062 Die Häufung sehr großer Zahlwörter („亿亿万倍“) wird hier als Steigerung ins außerordentlich Große wiedergegeben, nicht als rechnerisch festgelegter Faktor. Die ausdrücklich genannten dreihundert Speerwunden bleiben unverändert. 19. ZH-L0215 婆婆 und 公公 werden in dieser Aufzählung vorläufig als Großmutter und Großvater mütterlicherseits verstanden; 奶奶 und 爷爷 bezeichnen die Großeltern väterlicherseits. Im Hochchinesischen bezeichnen die ersten beiden Wörter gewöhnlich die Mutter und den Vater des Ehemanns, im Kantonesischen können sie die mütterlichen Großeltern bezeichnen. Für die vorläufige Lesart sprechen hier die gepaarten Großelternbezeichnungen und die gesonderte Nennung von Verwandten des Ehepartners. Damit ist die dialektale Herkunft des Textes nicht bewiesen; die Lesart gilt nicht automatisch für andere Stellen. 20. ZH-L0047 Jiuxuan Qizu gibt die feste chinesische Wendung 九玄七祖 wieder. Welche Personen und Generationen sie hier genau umfasst, erläutert die Vorlage nicht. Eine feste Zahl von Ahnen- oder Nachkommengenerationen wird deshalb nicht ergänzt. 21. ZH-L0262 Die Formulierung 少部分 lässt offen, ob ein kleiner Teil des Geistbewusstseins dieser Wesen oder das Geistbewusstsein eines kleinen Teils dieser Wesen gemeint ist. Die bestehende Lesart wird beibehalten; die anschließende Aussage über die drei Hun-Seelen und sieben Po-Seelen löst den Bezug nicht eindeutig auf. 22. ZH-L1405 In diesen Bestimmungen bezeichnet die Vorlage die anrechenbaren oder abzuziehenden Mengen als vier, sieben, neun bzw. acht Fen (分, „Anteile“). Eine Bezugsgröße wird nicht bei jeder Bestimmung ausdrücklich festgelegt. Die Übersetzung setzt daher keinen Nenner hinzu und rechnet die Angaben nicht in Prozentsätze um. Ausdrücklich genannte Hälften bleiben dagegen als Hälften wiedergegeben. „Aufwiegen“, „entziehen“ und „um Stufen erhöhen“ sind unterschiedliche Vorgänge. 23. ZH-L1465 Die Vorlage hat hier die auffällige Formulierung 問成剿罪. Die Wiedergabe als Verurteilung zum Tode folgt der unmittelbar anschließenden Erläuterung über die Höchststrafe; damit wird keine bestimmte Korrektur der chinesischen Schriftzeichen als gesichert ausgegeben. 24. ZH-L1498 Die Vorlage erklärt das Verdorren mit der auffälligen Wendung 禾苗不畏而死. Die deutsche Fassung orientiert sich an der anschließenden Erläuterung über ausbleibendes Jäten und Düngen sowie das Vertrocknen der Pflanzen. Die Schreibweise 不畏 wird damit nicht als geklärt oder im chinesischen Text berichtigt behandelt. 25. ZH-L1767 Die chinesische Verszeile hat 劫遲, während ihre unmittelbar folgende Erläuterung 劫運 („Heimsuchungen“) erklärt. Die deutsche Fassung gibt den durch diese Erläuterung gestützten Sinn wieder. Welche Schriftzeichen an dieser Stelle im chinesischen Text ursprünglich beabsichtigt waren, ist damit nicht abschließend geklärt. 26. ZH-L1817 Die chinesische Buchvorlage nennt in dieser Aufzählung 長者、居士、宰官、婆羅門、婦女身 („Gestalt eines Ältesten, Laienpraktizierenden, Beamten, Brahmanen oder einer Frau“). Die deutsche Fassung folgt hier dem unmittelbar vorliegenden chinesischen Wortlaut; die parallelen Sutraausgaben können bei der Zeichensetzung abweichen. In einer gängigen Lesart dieser Stelle des Lotussutras bezieht sich „Frauen“ auf die vier zuvor genannten Gruppen: auf deren Ehefrauen oder, in einer weiteren Auslegung, auf weibliche Familienangehörige beziehungsweise auf Frauen, die selbst diesen Gruppen angehören. Dieser Bezug wird durch die hier beibehaltene Zeichensetzung des zitierten Buches nicht deutlich. 27. ZH-L0374 Der im Buch angeführte Ausschnitt setzt ohne ausdrücklich genanntes Subjekt ein. Im Kontext des Sūtras (T11, Nr. 310, S. 264b19–25) werden Bodhisattvas beschrieben; „sie“ wird hier in diesem Sinn verstanden. Die anschließenden Wünsche der Erzählerin stehen außerhalb des Zitats. 28. ZH-L1477, ZH-L1478 Hier bezeichnet shu (叔) den jüngeren Bruder des Vaters; shenniang (婶娘), in der Erläuterung shuniang (叔娘), dessen Ehefrau. Zhi (侄) ist hier der Sohn eines Bruders. Die Verwandtschaftsbezeichnungen betreffen damit die väterliche Familienseite. 29. ZH-L0165 Die chinesischen Begriffe Jing, Qi und Shen lassen sich hier näherungsweise mit „Essenz“, „Lebensenergie“ und „Geist“ wiedergeben. 30. ZH-L0172 Feijing ist die Umschrift des chinesischen Ausdrucks 飞精 in dieser Passage. Wie dieser Vorgang ablaufen soll, erläutert die Vorlage nicht näher. 31. ZH-L0179 Bei der hier genannten rituellen Niederwerfung berühren beide Knie, beide Ellenbogen und der Kopf den Boden. 32. ZH-L0071 Tathāgata ist eine Bezeichnung des Buddha, die er auch für sich selbst verwendete. 33. ZH-L0078 Di Shi Tian ist die chinesische Bezeichnung für Śakra, den Herrscher des Himmels der Dreiunddreißig in der buddhistischen Kosmologie. 34. ZH-L0085 Mit den „drei niederen Daseinswegen“ sind hier die Bereiche der Höllen, der hungrigen Geister und der Tiere gemeint. 35. ZH-L0204 Die Formulierung 身份不服不用 ist in der chinesischen Vorlage an dieser Stelle unklar. Die Übersetzung folgt der unmittelbar anschließenden Erläuterung mit ihren Beispielen für Lebensmittel und Kosmetika, ohne damit den ursprünglichen chinesischen Wortlaut als geklärt auszugeben. 36. ZH-L0227 Yang und Yin sind zwei miteinander verbundene Prinzipien der traditionellen chinesischen Philosophie. Die Wendung „Körper von reinem Yang“ gehört hier zu dieser traditionellen Begriffswelt. 37. ZH-L0250 Shenkui (肾亏), hier mit „Nierenschwäche“ wiedergegeben, ist eine Bezeichnung aus der traditionellen chinesischen Medizin. Die Übersetzung ordnet diesem Ausdruck keine moderne medizinische Diagnose zu. 38. ZH-L0253 Das Bild der Weißhaarigen, die einen Schwarzhaarigen zu Grabe tragen, bezeichnet hier Eltern, die ihr Kind überleben. 39. ZH-L0258, ZH-L0262 Hun (魂) und Po (魄) bezeichnen in traditionellen chinesischen Vorstellungen unterschiedliche Arten von Seelen. Die Formel „drei Hun-Seelen und sieben Po-Seelen“ gehört insbesondere zum Daoismus. 40. ZH-L0265, ZH-L0271, ZH-L1474 Die fünf Grundtugenden sind Menschlichkeit, Rechtschaffenheit, Anstand, Weisheit und Vertrauenswürdigkeit, wie das Buch an späterer Stelle erläutert. Auch die „acht Tugenden“ bezeichnen eine Gruppe traditioneller chinesischer moralischer Werte; welche acht hier gemeint sind, wird an dieser Stelle nicht ausgeführt. 41. ZH-L0263 Die chinesische Vorlage nennt Afrika in einer Aufzählung von Ländern. Diese Aufzählung wird beibehalten, ohne einen Ländernamen an die Stelle Afrikas zu setzen. 42. ZH-L0268 Chi (尺) ist eine chinesische Längeneinheit. Für diese Redewendung wird kein fester Gegenwert in Metern ergänzt. 43. ZH-L0278 „Pfauen-Weisheitskönig“ bezeichnet hier Mahāmāyūrī, eine mit dem Pfau verbundene Gestalt des esoterischen Buddhismus. Das hier genannte Pfauenmantra ist ihr zugeordnet. 44. ZH-L0298 Die „sechs Vollkommenheiten“ im Mahāyāna-Buddhismus sind Großzügigkeit, ethische Selbstdisziplin, Geduld, Ausdauer, Konzentration und Weisheit. 45. ZH-L0318 Pāpīyas ist ein anderer Name für Māra, eine Gestalt, die in buddhistischen Erzählungen das Erwachen behindert. 46. ZH-L0321 „Zhendan“ ist eine alte Bezeichnung für China. Jambudvīpa ist der südliche Kontinent der buddhistischen Kosmologie. 47. ZH-L0346 Mit der Geisterschrift ist hier fuji gemeint: eine Wahrsagepraxis, bei der mit einem Schreibgerät erzeugte Zeichen als göttliche Mitteilungen gedeutet werden. 48. ZH-L0347 Qiling gibt den chinesischen Ausdruck 启灵 wieder, der in manchen volkstümlichen Praktiken zur Verbindung mit der Geisterwelt verwendet wird. Das Buch beschreibt das Verfahren hier nicht näher. 49. ZH-L0351 Der Schwarze und der Weiße Wuchang sind in chinesischen Volksvorstellungen Boten der Unterwelt, die die Seelen Verstorbener geleiten. 50. ZH-L0358 Lingzhi bezeichnet Pilze der Gattung Ganoderma, die in der traditionellen chinesischen Heilkunde verwendet werden. 51. ZH-L0373 Mahāsattva bedeutet „großes Wesen“ und ist hier ein Beiwort zu Bodhisattva. 52. ZH-L0377 Der Name Yanhua Fangun wird in Umschrift beibehalten; damit ist keine abschließende etymologische Übersetzung des chinesischen Höllennamens gemeint. 53. ZH-L0392 Die Drei Juwelen sind Buddha, Dharma (seine Lehre) und Sangha (die buddhistische Gemeinschaft). 54. ZH-L0398 Das Buch nennt siebzig, neunzig und bis zu hundert Jahre. Die elektronische CBETA-Ausgabe des Sūtra über das vollständige Erlöschen des Dharma (T 396) nennt außerdem achtzig Jahre. Die Übersetzung behält die Zahlen des Buches bei und berichtigt dessen Zitat nicht stillschweigend. 55. ZH-L0401 Das hier mit „Würde“ wiedergegebene Wort führt das Bild eines verkohlten Holzpfahls fort, der kein Gebäude mehr schmücken kann. Im Saṅghāṭa-Sūtra (T 423, erster Faszikel) spricht in diesen Versen ein Mensch, der seine Taten bereut; es handelt sich nicht um ein Schuldbekenntnis des Buddha. 56. ZH-L0411, ZH-L0414 Die hier geschilderten Zusammenhänge zwischen Abtreibungen, Unfruchtbarkeit und neurologischen Störungen gehören zur Darstellung des Erzähltextes; sie sind keine medizinische Diagnose. Die WHO unterscheidet eine Versorgung nach ihren Empfehlungen von unsicheren Abtreibungen, die schwere Komplikationen verursachen können. 57. ZH-L0425 In diesem Zitat ist Arhat ein Beiname des Buddha. Die Abhandlung erklärt ihn hier durch das Bild des Sieges über die geistigen Verunreinigungen, die mit Räubern verglichen werden. 58. ZH-L0432 Die hier behauptete Verbindung zwischen diesen Beschwerden und einer Höllenstrafe gehört zu den Worten des Richters in der religiösen Erzählung. Der Abschnitt ist keine medizinische Diagnose und erlaubt keinen Rückschluss auf die Ursache von Kopfschmerzen, Fieber oder Verwirrtheit. 59. ZH-L0432 Die Zeichenfolge zizhuan (自传) ist an dieser Stelle nicht eindeutig. „Persönlich weiterreichen“ folgt dem Gegensatz zur Verbreitung über Computer; der chinesische Text wird nicht stillschweigend berichtigt. 60. ZH-L0443 Yang ist ein Grundbegriff der chinesischen Tradition, der mit Yin zusammengehört. „Ursprüngliches Yang“ und geistiges Licht werden hier im religiösen Rahmen der Erzählung verwendet; die behaupteten Zusammenhänge mit Lebensdauer und Krankheiten sind weder eine medizinische Diagnose noch eine biologische Messung. 61. ZH-L0471 Die Erzählung setzt hier die Pille danach mit einer Abtreibung gleich. Nach den Informationen der WHO und des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit verhindert oder verschiebt sie den Eisprung. Sie ist kein Abtreibungsmittel und beendet keine bereits bestehende Schwangerschaft. 62. ZH-L0472 Die Angabe von 90 Prozent wird im Bericht dem Richter zugeschrieben. Die Vorlage nennt keine statistische Quelle, anhand deren sie überprüft werden könnte; ihre Übersetzung bestätigt diese Zahl nicht. 63. ZH-L0475 Das Zwischenwesen wird in diesen Zitaten im Hinblick auf eine neue Geburt beschrieben, innerhalb der Lehre des Sutra. Dies ist keine medizinische Beschreibung eines Embryos. 64. ZH-L0489 Diese Szene wird von einem Säuglingsgeist innerhalb der religiösen Erzählung berichtet. Die beschriebenen Instrumente und Empfindungen sind kein überprüfter klinischer Bericht über eine Abtreibung. 65. ZH-L0491 Die Aussagen über Erinnerungen, Schmerzen und Erkrankungen der Mütter stammen vom Richter innerhalb der Erzählung; sie sind keine medizinische Diagnose. Der Forschungsüberblick des RCOG von 2022 hält eine Schmerzwahrnehmung vor einem Schwangerschaftsalter von 28 Wochen für unwahrscheinlich und unterscheidet Reaktionen auf Reize vom subjektiven Schmerzerleben. Damit lassen sich weder die hier erzählten Erinnerungen bestätigen noch die Erkrankungen medizinisch auf Geister zurückführen. 66. ZH-L0493 Die „zehn Monate“ geben die chinesische Wendung 十月怀胎 wieder. Sie sind hier keine festgelegte geburtshilfliche Frist. Medizinische Zeitangaben unterscheiden unter anderem zwischen Wochen seit der letzten Monatsblutung und Wochen seit der Befruchtung. Der Text nennt keine Berechnungsweise, die eine genaue Umrechnung erlauben würde. 67. ZH-L0504 Eine Sekundärzitierung der Studie von 1986 in Richter Coffeys zustimmendem Sondervotum von 2002 spricht von Suizidversuchen, nicht von Suizidtodesfällen. Die Originaldaten wurden nicht eingesehen; damit sind weder die Zahl im Buch noch ein ursächlicher Zusammenhang bestätigt. Die aktuellen Patienteninformationen des RCOG bestätigen keine durch Abtreibung verursachte Erhöhung des Risikos psychischer Probleme und erkennen zugleich unterschiedliche emotionale Reaktionen an. 68. ZH-L0506 Das vorherige Zitat steht im Upāsaka-Gebotesutra, Rolle 3, Kapitel 14 (T1488); das lange Leben dort gehört zur Höllenqual. Die beiden folgenden Zitate stehen in Rolle 2 des Brahmajāla-Sutras (T1484), beim zwanzigsten leichten und beim ersten schweren Gebot. 自殺 bedeutet hier eigenhändiges Töten anderer Lebewesen, nicht Selbsttötung. Die getrennte Nennung von Töten durch Mittel und Lob des Tötens wird durch eine Variante der Ming-Ausgabe gestützt. Pārājika bezeichnet hier ein schweres Vergehen im Rahmen dieser Bodhisattva-Gebote. 69. ZH-L0513 Die Aussagen über Krankheiten, geistige Ursachen und die Unwirksamkeit von Arzneimitteln gehören zur religiösen Deutung der Erzählung. Sie sind keine gesicherten medizinischen Schlussfolgerungen und rechtfertigen weder einen Behandlungsabbruch noch das Aufschieben einer ärztlichen Untersuchung. 70. ZH-L0503 Die Tempelzahlen und die Zahlen für Taiwan werden als Angaben des Buches wiedergegeben. Die zugrunde liegenden Erhebungen wurden nicht gefunden; die Übersetzung bestätigt diese Zahlen nicht. 71. ZH-L0525 Der chinesische Ausdruck umfasst in diesem Kapitel auch nicht beabsichtigte Schwangerschaftsverluste; „Abort“ wird hier entsprechend als Oberbegriff verwendet. Die Erklärung durch Karma und Segnungen gehört zum religiösen Bericht, nicht zu den medizinisch belegten Ursachen einer Fehlgeburt und ist kein Beweis einer Schuld der Eltern. 72. ZH-L0528 Die den Säuglingsgeistern zugeschriebenen Schmerzen und ihr Groll gehören zur religiösen Vorstellung der Erzählung. Die angenommene Zunahme mit der Größe des Fötus ist keine klinische Regel zur Messung fötalen Schmerzes. 73. ZH-L0529 思覺失調 bezeichnet hier psychotische Störungen, nicht notwendigerweise Schizophrenie. Die geistigen Ursachen und eine Heilung allein durch Reue sind Aussagen der Erzählung, keine gesicherten medizinischen Erkenntnisse. Körperliche oder psychische Beschwerden bedürfen ärztlicher Abklärung; der Text rechtfertigt keinen Behandlungsabbruch. 74. ZH-L0530 Dass jede Mutter nach einem Abbruch zwangsläufig Schuldgefühle habe, ist eine Aussage des Richters. Die emotionalen Reaktionen sind unterschiedlich, wie auch der RCOG erläutert. Aus berichteter Abwesenheit von Schuldgefühlen lässt sich weder eine Schuld noch Gefühllosigkeit ableiten. 75. ZH-L0530 Das Freilassen von Lebewesen wird hier als religiöse Praxis beschrieben. Unbedachtes Aussetzen kann Ökosysteme schädigen, insbesondere bei gebietsfremden Arten. Das Bundesamt für Naturschutz empfiehlt Privatpersonen, das Ausbringen neuer Arten in die Natur zu unterlassen. 76. ZH-L0545 Die Aufteilung der Verdienste in sechs Anteile für die Lebenden und einen für den Verstorbenen steht im siebten Kapitel des Sutras der ursprünglichen Gelübde Kṣitigarbhas (T412). Dort werden auch die 49 Tage nach dem Tod genannt. Die konkrete Anwendung auf abgetriebene Kinder und den hier geschilderten Fall gehört jedoch zur vorliegenden Erzählung. 77. ZH-L0546 Die Formel fasst Kṣitigarbhas Gelübde zusammen. Im ersten Kapitel des Sutras der ursprünglichen Gelübde Kṣitigarbhas (T412) wird gelobt, leidende Wesen zu befreien, bevor der Gelobende selbst Buddha wird. Die hier angeführte Kurzform ist nicht als wortgleiches Zitat dieser Passage nachgewiesen. Die 49 vollständigen Rezitationen und der vom Tag der Abtreibung an gerechnete Zeitraum bleiben Aussagen dieses Buches. 78. ZH-L0550 „Nahrung durch Berührung“ (觸食) ist ein buddhistischer Begriff für eine der vier Nahrungen, belegt im Saṃyukta-āgama (T99, Rolle 15, Sutra 371). Die Aufnahme der Essenz von Opfergaben durch Geister ist die Erklärung dieser Erzählung, nicht die vollständige Definition des Begriffs in jenem Sutra. 79. ZH-L0546 Die geistigen Ursachen von Krankheiten und Unglück gehören zur religiösen Deutung des Berichts; sie sind keine gesicherten medizinischen Ursachen. Rezitation und Reue ersetzen keine Behandlung. Auch das Freilassen von Tieren erfordert ökologische Vorsicht: Das Bundesamt für Naturschutz rät Privatpersonen davon ab, neue Arten in die Natur auszubringen. 80. ZH-L0558 Die drei Gehorsamspflichten bezeichnen traditionell den Gehorsam gegenüber dem Vater, dann dem Ehemann und nach dessen Tod dem Sohn. Die vier Tugenden betreffen in dieser älteren Vorstellung Verhalten, Rede, Erscheinungsbild und weibliche Arbeiten. Diese Normen sowie die Wertung eines männlichen Körpers als günstige Vergeltung gehören zur wiedergegebenen Rede, nicht zu einer von der Übersetzung übernommenen Rangordnung des menschlichen Werts. 81. ZH-L0561 Jungfräulichkeit und geistiges Licht stehen hier in einem moralisch-religiösen Zusammenhang. Die WHO betont, dass Jungfräulichkeit kein medizinischer oder wissenschaftlicher Begriff ist und keine Untersuchung feststellen kann, ob vaginaler Geschlechtsverkehr stattgefunden hat. Der Bericht liefert keinen medizinischen Beleg dafür, dass vorehelicher Geschlechtsverkehr die Lebensspanne verkürzt. 82. ZH-L0575 Die Deutung des Blitzschlags als Strafe der Unterwelt gehört zum religiösen Bericht. Meteorologisch ist ein Blitz eine elektrische Entladung; eine Verletzung kann unter anderem durch direkten Einschlag, leitende Gegenstände oder Ströme im Boden entstehen. Ein Blitzunfall belegt keine moralische Schuld der Betroffenen. Das Innenministerium Baden-Württemberg rät, Schutz in einem Gebäude zu suchen und bei Gewitter offene Flächen, Gipfel, Bäume und Masten zu meiden. Die Erzählung ersetzt keine Sicherheitshinweise. 83. ZH-L0585 Das Zitat verbindet und ordnet Auszüge aus dem Avataṃsaka-Sūtra in der achtzigbändigen Fassung, Rolle 58, neu: die zehn reinen Formen der Güte, die zehn reinen Formen des Mitgefühls und die zehn Buddha-Tätigkeiten. Im Zusammenhang des Sūtras spricht Samantabhadra zu Puhui und den anderen Bodhisattvas. Die Übersetzung bewahrt die Zuschreibung an den Buddha im vorliegenden Buch. Diese Passage ist nicht die Quelle der späteren Aussagen dieses Kapitels über Homosexualität. 84. ZH-L0588 Die Wertungen und Strafen gehören zur religiösen Erzählung. Homosexualität ist keine psychische Störung; die WHO erinnert daran, dass sie 1990 aus dieser Klassifikation gestrichen wurde. Die Erklärungen durch frühere Leben und das Beseitigen von Gedanken sind weder gesicherte medizinische Erklärungen noch Behandlungsempfehlungen. Sie rechtfertigen weder Gewalt noch Diskriminierung gegenüber homosexuellen Menschen. 85. ZH-L0589 Die Initialen BLX bleiben unverändert. Die Übersetzung identifiziert keine reale Person und stellt die Szene nicht als überprüfte biografische Tatsache dar. 86. ZH-L0595 Das wahre und das aufrechte Qi gehören hier zur energetischen und religiösen Begriffswelt des Buches. Die Aussage ist kein medizinischer Nachweis dafür, dass ein sexueller Gedanke körperliche Schäden verursacht. 87. ZH-L0607 Das Gelübde erinnert an das des Sohns eines angesehenen Mannes im Sūtra der ursprünglichen Gelübde Kṣitigarbhas, Rolle 1: die leidenden Wesen zu retten, bevor er selbst Buddha wird. Dies ist eine inhaltliche Entsprechung, kein wortgetreuer Beleg für die hier zitierte Formel. Die Worte an Yanwang und die Halle Mingguang Chuzhuan gehören zur Erzählung dieses Buches. 88. ZH-L0616 Die berichtete niedrige Körpertemperatur wird nicht durch Messwerte belegt, die eine Diagnose ermöglichen. Eine ungewöhnlich niedrige Körpertemperatur bedarf medizinischer Beurteilung und ist kein Nachweis eines Höllenbesuchs. Die französische Krankenversicherung definiert Hypothermie als eine Körperkerntemperatur unter 35 °C. Auch die später im Kapitel genannten karmischen Krankheitsursachen erlauben weder eine medizinische Diagnose noch die Zuschreibung einer Schuld an erkrankte Menschen und ersetzen keine medizinische Versorgung. 89. ZH-L0634 Schlafmangel, Erschöpfung und körperliche Schmerzen werden aus der spirituellen Sicht der Erzählerin geschildert. Eine medizinische Ursache lässt sich daraus nicht feststellen. Die französische Krankenversicherung empfiehlt ärztlichen Rat, wenn Müdigkeit trotz Erholung und veränderter Alltagsgewohnheiten anhält, den Alltag erheblich beeinträchtigt oder mit weiteren Beschwerden einhergeht. Religiöse Praxis ersetzt keine medizinische Versorgung. 90. ZH-L0648 Der Titel des Dharmakāya-Siegelmantras Kṣitigarbhas findet sich in der Dhāraṇī-Sammlung, Rolle 6, Abschnitt 6 (T 901). Dort lautet die chinesische Umschrift mit Aussprachehinweisen „唵 波囉末馱儞 莎訶“ und unterscheidet sich von der Vorlage dieses Buches. Die vorliegende Wiedergabe verbindet die gebräuchlichen Formen Oṃ und Svāhā mit einer Umschrift der chinesischen Mittelsilben; sie ist keine vollständig überprüfte Sanskrit-Rekonstruktion. Die Titelentsprechung bestätigt auch nicht die hier beschriebenen außergewöhnlichen Wirkungen. 91. ZH-L0653 Die Wiedergeburt als Frau und die Scheidung werden hier innerhalb der karmischen Deutung der Erzählung dargestellt. Die Übersetzung übernimmt daraus weder eine Rangordnung des menschlichen Werts nach Geschlecht noch eine Schuldzuweisung an geschiedene Menschen. 92. ZH-L0672 Eine chinesische Fassung des Yuli Baochao in moderner Sprache nennt Danchi und Wumi ebenfalls in ihrer Überlieferungserzählung. Diese Entsprechung betrifft eine vom Werk selbst erzählte Tradition. Sie ist kein unabhängiger historischer Beleg für eine Höllenreise, die Entstehungszeit oder die hier behauptete Echtheit. 93. ZH-L0674 Die Zahl von fünfhundert Menschen gehört zur moralischen Einschätzung des Richters innerhalb der Erzählung. Es werden weder eine Stichprobe noch ein Erhebungsverfahren angegeben. Der Absatz stellt keine überprüfte Bevölkerungsstatistik dar. 94. ZH-L0687 Kapitel 2 des Sutras der ursprünglichen Gelübde Kṣitigarbhas (T 412) beschreibt sehr viele Manifestationen, die in verschiedenen Welten wirken. Diese Entsprechung belegt nicht die Einzelheiten des vorliegenden Berichts, etwa heutige Verkörperungen oder täglich drei Unterweisungen. Das zitierte Gelübde entspricht dem Sinn nach dem Gelübde eines vornehmen Mannessohnes in Kapitel 1, ohne dessen Wortlaut genau wiederzugeben. 95. ZH-L0695 Das „negative Magnetfeld“ und die Lebenskraft gehören hier zur spirituellen Beschreibung der Erzählerin. Der Bericht enthält keine Messungen, die diese Angaben als physikalische Phänomene oder als Nachweis eines körperlichen Schutzes vor Hitze bestätigen würden. 96. ZH-L0697 Die Vorlage nennt Grad, ohne die Temperaturskala anzugeben. Die Übersetzung ergänzt daher nicht „Celsius“ und behandelt die Temperaturangaben nicht als überprüfte Messwerte. 97. ZH-L0703 Die Aussagen über körperliche und lebensbedrohende Schäden durch Selbstbefriedigung gehören zur wiedergegebenen religiösen Rede; sie werden nicht als gesicherte medizinische Tatsachen dargestellt. Die französische Gesundheitsbehörde Santé publique France beschreibt Selbstbefriedigung als möglichen Teil der Erkundung des eigenen Körpers und empfiehlt ein Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer erwachsenen Vertrauensperson, wenn sie im Alltag zu viel Raum einnimmt. 98. ZH-L0718 Die „zehn Räder“ erinnern an die Terminologie des Sutras von Kṣitigarbhas zehn Rädern (T 411), dessen zweites Kapitel zehn Buddha-Räder behandelt. Diese Verbindung bedeutet nicht, dass die gesamte Verehrungsformel als wörtliches Zitat einer aufgefundenen kanonischen Stelle nachgewiesen ist. 99. ZH-L0728 Der Name Tathāgata des Lichtes des rechten Dharma entspricht 正法明如來 in T 1060. Dort gilt Avalokiteśvara als früherer Buddha, der aus Mitgefühl als Bodhisattva erscheint. Dies bestätigt nicht sämtliche Erklärungen dieses Kapitels. Die Bezeichnung „Mutter der sieben Buddhas“ bleibt unverändert; ihre genaue Quelle ist noch nicht geklärt. 100. ZH-L0729 Das Gefängnis im Mutterleib und die karmische Erklärung vorgeburtlicher Todesfälle gehören zur Kosmologie der Erzählung, nicht zu gesicherten medizinischen Erklärungen. Schwangerschaftsverluste können unterschiedliche medizinische Ursachen haben, die nicht immer festzustellen sind. Aus diesem Bericht lässt sich keine Schuld eines Kindes oder seiner Eltern ableiten. 101. ZH-L0731 Die beiden Zitate aus dem Kapitel vom universellen Tor entsprechen Kapitel 25 des Lotussutras (T 262, Rolle 7): Sie betreffen das Anrufen des Namens und die den Wesen angepassten Erscheinungsformen. Die Verbindung mit Maria stammt aus dem vorliegenden Bericht, nicht aus diesen zitierten Stellen. 102. ZH-L0733 Die Gleichsetzung Marias mit einer Manifestation Avalokiteśvaras ist die religiöse Deutung des Richters in diesem Buch, keine hier bestätigte katholische Lehre. Das Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche, Frage 95, bezeichnet Maria als Mutter Jesu und Mutter Gottes. 103. ZH-L0740 Der Bericht belegt nicht, dass Masturbation die beschriebenen Beschwerden oder den Tod verursacht. Anhaltende Schläfrigkeit bei einem Kind, besonders zusammen mit Müdigkeit oder Schmerzen, verlangt medizinische Abklärung; darauf weist die französische Krankenversicherung Assurance Maladie hin. „Nierenmangel“ bezeichnet hier das chinesische shenkui und ist nicht mit einer modernen medizinischen Diagnose gleichzusetzen. 104. ZH-L0739 ZH-L0739 und ZH-L0741 werden ausdrücklich als nicht explizite Zusammenfassungen wiedergegeben. Sie bewahren die Notlage, den familiären Zusammenhang und das Hilfegesuch, ohne Einzelheiten sexueller Verhaltensweisen eines sehr jungen Kindes wiederzugeben. Diese beiden Abschnitte sind daher keine vollständige Übersetzung. 105. ZH-L0735 Über denselben Jungen heißt es zunächst, seine Lebenszeit sei beendet gewesen, später dagegen, ihr Ende sei noch nicht erreicht gewesen. Diese Abweichung der chinesischen Vorlage bleibt erhalten. 106. ZH-L0762 Das Zitat folgt mit Kürzungen und abweichenden Formulierungen dem zweiten Tag von Yinguangs Unterweisungen zum Schutz des Landes und zur Abwendung von Katastrophen. Die gelesene Transkription hat zweimal 殃 („Unglück“), wo dieses Buch 秧 schreibt; siehe Anmerkung 5. Die chinesische Vorlage wird nicht stillschweigend geändert. Der dem Buddha zugeschriebene Vers steht in diesen Unterweisungen; seine früheste Sutraquelle wurde hier nicht ermittelt. 107. ZH-L0764 Das Yinguang-Zitat steht im dritten Sammelband seiner Schriften, Rolle 4, in der Unterweisung des achten Tages über die drei Zufluchten, fünf Gebote und zehn guten Handlungen, im vollständigen Absatz über sexuelles Fehlverhalten. Die ebenfalls gelesene Fassung der Unterweisungen zum Schutz des Landes bietet dort einen abweichenden Wortlaut; beide Transkriptionen werden nicht gleichgesetzt. 108. ZH-L0764 Die hier behaupteten Verbindungen zwischen sexuellem Fehlverhalten, Masturbation, Krankheit und Unfruchtbarkeit gehören zur religiösen Argumentation des Verfassers, nicht zu einer medizinischen Diagnose. Die WHO nennt verschiedene weibliche, männliche und ungeklärte Ursachen von Unfruchtbarkeit. Unbehandelte Infektionen können eine Ursache sein; Unfruchtbarkeit beweist jedoch keine moralische Schuld. Masturbation allein belegt die hier behaupteten körperlichen Schäden nicht. 109. ZH-L0810 Die zusätzliche Schuld wird im Zusammenhang mit dem vorangehenden Satz über einen Gebotsverstoß verstanden. Yinguang unterscheidet in seiner Darstellung der fünf Gebote zwischen der Schuld der Handlung und dem Verstoß gegen empfangene Gebote. Diese Parallele erklärt den Zusammenhang, fügt aber keine hier nicht erwähnte förmliche Zeremonie der Gebotsannahme hinzu. 110. ZH-L0812 Das Freilassen von Lebewesen wird hier als religiöse Praxis genannt. Daraus folgt nicht, dass jedes Aussetzen ökologisch unbedenklich wäre. Das Bundesamt für Naturschutz betont die Vorbeugung gegen die Einbringung problematischer gebietsfremder Arten. Der Text erteilt keine pauschale Erlaubnis, Tiere an beliebigen Orten auszusetzen. 111. ZH-L0815 Die Geburt aus einer Lotusblüte gehört hier zur Vorstellungswelt des Reinen Landes; gemeint ist keine Verwandlung des menschlichen Körpers in eine Pflanze. Das Sutra des Unermesslichen Lebens (T 360, Rolle 2) beschreibt bei der Wiedergeburt im Buddha-Land eine spontane Geburt in einer kostbaren Blüte. Diese Parallele bestätigt nicht sämtliche besonderen Zusagen des vorliegenden Buches. 112. ZH-L0831, ZH-L0833 Der Text formuliert zunächst, dass lebende Menschen nicht in die Unterwelt kommen können, und beschreibt anschließend außergewöhnliche lebende Besucher. Die Übersetzung bewahrt beide Aussagen, ohne eine Einschränkung wie „im Allgemeinen“ hinzuzufügen. 113. ZH-L0836 Die „acht Zeichen“ (bāzì) bezeichnen Geburtsjahr, Geburtsmonat, Geburtstag und Geburtszeit im traditionellen chinesischen Kalender. Jede dieser vier Angaben besteht aus zwei Zeichen: einem „Himmelsstamm“ und einem „Erdzweig“. 114. ZH-L0844, ZH-L0845, ZH-L0846 Die Aussagen über Ernährung, Schlaf und Lebensdauer stammen vom Richter innerhalb der Erzählung. Ihre Übersetzung ist keine Empfehlung, auf Nahrung oder Schlaf zu verzichten. 115. ZH-L0869 Der hier hergestellte Zusammenhang zwischen Verleumdung und Krebs gehört zur religiösen Deutung der Erzählung, nicht zu einer medizinischen Diagnose. Eine Krebserkrankung ist kein Beweis für moralisches Fehlverhalten. 116. ZH-L0859 Dharmadhātu (chinesisch fajie) bezeichnet den umfassenden Bereich der Wirklichkeit, also die Gesamtheit der Erscheinungen. 117. ZH-L0861 Kapitel 2 beschreibt Menschen, bei denen sich gute und schlechte Taten die Waage halten, als Bewohner des Geisterwegs. Hier werden Geistwesen, die als weder gut noch böse beschrieben werden, wieder als Menschen geboren. Wie sich diese beiden Aussagen zueinander verhalten, erläutert der Text nicht. 118. ZH-L0892 Eine Erkältung wird durch Viren verursacht, nicht allein durch Temperaturschwankungen. 119. ZH-L0896 Die Anwesenheit von Geistwesen an Menschen und der unmittelbare Einfluss von Gedanken auf das Klima gehören hier zu Ayus religiöser Deutung. Diese Passage ist weder eine medizinische Diagnose noch eine naturwissenschaftliche Erklärung des Wettergeschehens. 120. ZH-L0900 „Bruder“ ist hier eine respektvolle Anrede; Ochsenkopf wird damit nicht als Ayus leiblicher Bruder bezeichnet. 121. ZH-L0959 Wumu ist ein Yue Fei nach seinem Tod verliehener Ehrentitel; gemeint ist also dieselbe Person. 122. ZH-L0970 Siling ist der Name des Mausoleums des Song-Kaisers Gaozong und bezeichnet hier den Kaiser selbst. Hui und Qin stehen für die Kaiser Huizong und Qinzong. 123. ZH-L1027 Der Zusammenhang mit einem früheren Leben gehört zur religiösen Deutung der Erzählung, nicht zu einer medizinischen Diagnose. Fußschmerzen oder Halsbeschwerden sind kein Nachweis einer früheren Verfehlung. 124. ZH-L1008 Zuvor heißt es, nur die Flugfähigkeit sei verloren gegangen; später wird das allmähliche Schwinden der anderen Kräfte beschrieben. Hier spricht der Text ohne diese Einschränkung vom Verlust der Kräfte. Die unterschiedlichen Formulierungen bleiben erhalten. 125. ZH-L1039 Die Verbindung zwischen Hunger und früheren Leben gehört zur religiösen Deutung der Erzählung. Sie ist keine wissenschaftlich belegte Erklärung für Hungersnöte, zu deren Ursachen unter anderem Konflikte, Klimaextreme und wirtschaftliche Ungleichheit zählen. 126. ZH-L1055 Dieser Rat bleibt als Aussage der Figur erhalten, nicht als praktische Handlungsanweisung. Füttern Sie Tiere nicht mit verdorbenen Lebensmitteln und werfen Sie diese nicht in die Natur oder ins Wasser. Entsorgen Sie sie nach den örtlichen Vorgaben für Abfälle. 128. ZH-L1063 Die zitierte Erzählung ist keine Aufforderung, verunreinigte oder verdorbene Lebensmittel zu essen. Im vorigen Kapitel heißt es ausdrücklich, dass man Lebensmittel, die unbemerkt oder unbeabsichtigt verdorben sind, nicht essen soll. 127. ZH-L1065 Mahāsattva bedeutet „großes Wesen“ und ist eine buddhistische Ehrenbezeichnung, meist für einen Bodhisattva. Die zitierte Stelle nennt keine bestimmte Person. E1. Die Gesundheitsrisiken des Rauchens sind nachgewiesen; die karmischen Erklärungen von Krankheiten und die der vorgeburtlichen Ernährung zugeschriebenen Wirkungen gehören hier zur religiösen Erzählung. Starke Menstruationsschmerzen sowie anhaltende oder ungewöhnliche Blutungen bedürfen ärztlicher Abklärung; religiöse Praktiken ersetzen keine medizinische Versorgung. Diese Beschwerden sind kein Beweis für eine moralische Schuld. CDC; NHS — Period pain; NHS — Heavy periods; NHS — Bleeding between periods. E2. Das „aufrechte Qi“ (zhengqi, 正气) gehört hier zum energetischen und religiösen Wortschatz des Buches; auch das „angeborene geistige Licht“ wird in diesem Rahmen verwendet. E3. Die „zehn Monate“ geben die chinesische Wendung 十月怀胎 wieder; der Text nennt keine Berechnungsweise, die eine genaue Umrechnung in eine geburtshilfliche Zeitangabe erlaubt. Begriffe und Namensformen Redaktionelle Orientierung zum Wortgebrauch dieser Ausgabe. Die Erläuterungen beschreiben die Verwendung in der bereitgestellten Vorlage und beanspruchen keine eigenständige Lehr- oder Autorenauslegung. Ayu Selbstbezeichnung der Erzählerin Shangguan Yuhua. Aufrechtes Qi Wiedergabe von zhengqi: die im Buch als aufrecht bezeichnete Energie. Buch von Leben und Tod Das Register der Unterwelt, in dem die Vorlage Lebensspanne sowie gute und böse Taten verzeichnet. Chenghuang Im Text als zuständige Gottheit der Stadt und ihrer Umgebung bezeichnet. Daseinsbereiche / Daseinswege Bezeichnungen für die im Buch behandelten Wege der Wiedergeburt; nicht mit den „drei Welten“ gleichgesetzt. Dharmadhātu Beibehaltener Ausdruck für fajie, den im Buch genannten allumfassenden Dharma-Bereich. Drei Welten Wiedergabe von sanjie; von den sechs Daseinswegen sprachlich unterschieden. Geistiges Wesen / geistige Natur Wiedergaben von lingxing, der inneren geistigen Natur; nicht gleichbedeutend mit einem eigenständigen Geistwesen. Heiliger Kaiserlicher Herr Guan Die in einem klassischen Anhang verwendete Anrede; im ursprünglichen Inhaltsverzeichnis erscheint die Titelvariante „Heiliger Herr Guandi“. Himmlischer Kaiser Wiedergabe von Tiandi. Die abweichende Bezeichnung „Jadekaiser“ für Yudi bleibt erhalten. Juwel Wiedergabe von baozhu. Ein zusätzlicher Wunsch- oder Erfüllungssinn wird nicht allein aus diesem Wort abgeleitet. Kaiser von Fengdu Die Bezeichnung Fengdu Dadi, die der Text mit dem obersten Herrscher der Unterwelt verbindet. Karmische Gläubiger Bezeichnung für yuanqin zhaizhu: Wesen, zu denen nach dem Text aus früherer Feindschaft oder Nähe karmische Schuldbeziehungen bestehen. Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen Einheitliche Bezeichnung für wangsi kucheng. König Yanluo / Yanwang Die Bezeichnungen Yanluowang und Yanwang werden nicht allein aufgrund einer angenommenen Gleichsetzung in eine einzige Namensform umgewandelt. Lingxing-Höllen Beibehaltener Name einer Höllenkategorie der Vorlage; nicht der Daseinsbereich der Geister. Mingguang Chuzhuan Eigenname der Halle, die der Text mit der anfänglichen Wandlung des inneren Lichts verbindet. Plattform des Vergessenstranks Einheitliche Bezeichnung für Yuwangtai im Bericht über Meng Po. Podest des Schuldspiegels Bezeichnung für niejingtai; „Schuldspiegelpodest“ ist eine gleichbedeutende deutsche Kurzform. Rechter Dharma Bezeichnung für zhengfa als Inhalt der Lehre. Aussagen über Zeitalter der Lehre behalten ihren zeitlichen Sinn. Segnungen / Verdienst / Segen Segnungen bezeichnet in der Regel fu beziehungsweise fubao; Verdienst gibt gongde wieder. Segen kann bei Beistand oder Segnung stehen. Feste Inschriften und klassische Verse bewahren passende kontextuelle Varianten. Selbstbefriedigung Durchgehende Hauptbezeichnung für shouyin. Sutra / Sutren Deutsche Grundform und Plural. In überlieferten Eigennamen kann die Langvokal-Schreibung Sūtra stehen. Tudigong Die in der Vorlage behandelte örtliche Landgottheit. Yakṣa Einheitliche Umschrift der im Text genannten yecha; nicht pauschal durch „Geisterscherge“ ersetzt. Zyklus / Kalpa / Heimsuchung Kontextabhängige Wiedergaben von jie. Ein Anhang definiert es eigens als einzelnen Strafdurchgang oder einzelne Geburt; an anderer Stelle erläutert der Text es als Katastrophe. Dharma-Beschützer Bezeichnung für hufa, die Beschützer des Dharma. Geisterscherge / Geisterschergen Bezeichnung für guicha, die Vollzugsdiener der Unterwelt. Beamte und Yakṣas bleiben davon unterschieden. Meng-Po-Suppe Einheitliche Wiedergabe von Mengpo tang, der im Buch beschriebenen Suppe vor der Wiedergeburt. Meng Po bezeichnet die Gottheit; der Meng-Po-Pavillon ihren Pavillon.