Vater und Sohn wehklagen, Mutter und Tochter tragen ihren Schmerz. Unzählige Menschen lachen und schmähen sie. Was hilft jetzt noch Reue?
Die Eltern kommen zur Hinrichtungsstätte und sehen ihre Söhne oder Töchter unter der schweren Strafe sterben. Ihnen bleibt nur, vor Kummer laut zu weinen. Unzählige Menschen lachen oder schimpfen und sagen, eine ehebrecherische Frau und ihr Liebhaber, die den Ehemann ermordet haben, verdienten eben dieses Schicksal. Selbst wenn sie Reue empfinden, ist es bereits zu spät.
Doch wer der sexuellen Ausschweifung zugetan ist, bleibt ungerührt und kennt keine Scham.
„Ungerührt“ bedeutet hier, ruhig und unbekümmert zu sein. „Scham“ bezeichnet das Gefühl der Beschämung. Es besagt, dass Menschen, die der sexuellen Ausschweifung zugetan sind, sich im Gegenteil sicher und unbehelligt fühlen und keine Scham empfinden.
Obwohl sie der sittlichen Lehre angehören, sind sie bereit, die sittliche Ordnung zu zerstören und die Bräuche zu verderben.
Wer die Schriften studiert und die rechten Grundsätze versteht, gehört der sittlichen Lehre an. „Sittliche Ordnung“ bezeichnet die fünf beständigen Tugenden: Menschlichkeit, Rechtschaffenheit, Anstand, Weisheit und Vertrauenswürdigkeit. „Bräuche“ bedeutet Sitten und Gebräuche. Es besagt, dass es auch unter den Gebildeten, die die rechten Grundsätze verstehen, Menschen gibt, die wissentlich gegen die Regeln verstoßen, unerlaubten Geschlechtsverkehr mit Frauen anderer Familien haben und bereitwillig Taten begehen, die die guten Sitten verderben.
Da nimmt der ältere Bruder die Frau des jüngeren in Besitz; der jüngere treibt mit der Frau des älteren Ehebruch.
Die eine Schwägerin ist die Ehefrau des jüngeren Bruders, die andere die Ehefrau des älteren Bruders. „In Besitz nehmen“ bedeutet, sie gewaltsam an sich zu nehmen; „Ehebruch treiben“ bedeutet, heimlich unerlaubten Geschlechtsverkehr zu haben. Wenn der ältere Bruder die Frau des jüngeren gewaltsam an sich nimmt oder der jüngere heimlich mit der Frau des älteren verkehrt, sind solche Brüder wahrhaftig Sünder innerhalb der sittlichen Lehre.
Da begehrt der Onkel die Frau des Neffen; der Neffe geht mit der Frau seines Onkels eine unerlaubte Verbindung ein. 28
Sowohl Blutschande als auch eine Verbindung, die den Regeln des Anstands widerspricht, werden als unerlaubte Verbindung bezeichnet. Ein Onkel sieht, dass die Frau seines Neffen schön ist, entwickelt unlautere Gedanken und verkehrt mit ihr. Oder ein Neffe sieht, dass die Frau seines Onkels schön ist, und sucht nach Mitteln und Wegen, mit ihr eine unerlaubte Verbindung einzugehen. Sie alle sind Tiere im Gewand von Menschen. 28