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Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt

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Seid ihr auch anmutige Mädchen und zarte Frauen, dem eisernen Netz entkommt ihr schwer. Mag sie ein Gesicht wie eine Blume und Schönheit wie der Mond haben: Der goldene Haken wird ausgeworfen.

„Anmutige Mädchen“ sind hübsche junge Frauen. „Zarte Frauen“ sind zierliche Frauen. Ein „Gesicht wie eine Blume“ ist ein Gesicht, das so schön anzusehen ist wie eine Blüte. „Schönheit wie der Mond“ meint ein Gesicht, das so zartweiß ist wie der Mond. Ein „eisernes Netz“ ist ein Netz aus Eisendraht, aus dem gefangene Vögel und Tiere nicht mehr entkommen können. Ein „goldener Haken“ ist ein Haken aus Kupfer oder Eisen, von dem sich gefangene Fische und Schildkröten nicht mehr lösen können. Es besagt: Keusche Frauen werden oft von Schürzenjägern mit raffinierten Plänen umgarnt oder mit Geld gelockt. Immer wieder geraten sie in deren Fallen, werden geschändet und verlieren ihren guten Ruf und ihre sittliche Ehre. Daran zu denken lässt einen vor Hass und Schmerz die Zähne zusammenbeißen.

Die junge Frau trägt Scham im Herzen und will sich am Dachbalken erhängen. Die junge Schönheit ist geschändet und bereit, ins Wasser zu springen und sich in den Fluss zu stürzen.

Eine Frau in jungen Jahren heißt „junge Frau“; ein junges Mädchen, das sein Gesicht mit rotem Puder schminkt, heißt „junge Schönheit“. Werden sie eines Tages von jemandem geschändet und ihr guter Ruf und ihre sittliche Ehre zerstört, schämen sie sich, anderen unter die Augen zu treten. Nicht selten erhängen sie sich an einem Dachbalken oder ertränken sich, nur um dem Spott und den Beschimpfungen anderer zu entgehen.

Der bittere Groll lässt sich nicht stillen; weinend klagen sie am Geistertor. Die Seelen der zu Unrecht Geschädigten finden keine Ruhe und reichen in der Unterwelt Klage ein.

„Weinend klagen“ bedeutet, unter Tränen zu berichten. „Klage einreichen“ heißt, eine Klageschrift vorzulegen. Das „Geistertor“ ist der Zugang zur Verwaltung der Unterwelt. Die „Unterwelt“ meint hier den Amtssitz des Unterweltkönigs. Es besagt: Frauen, die geschändet wurden und voller Scham starben, finden sich mit ihrem Tod nicht ab. Das ihnen zugefügte Unrecht, das ihr ganzes Inneres erfüllt, verdichtet sich zuerst zu Qi des Grolls und wird dann zu unheilvollem Qi. Sie wollen unbedingt zu rachsüchtigen Geistern werden und den Mann, der die Unzucht beging, lebend ergreifen, um ihren Hass zu stillen. Wenn sie nicht am Geistertor unter Tränen klagen, in der Unterwelt eine Klageschrift einreichen und den Unterweltkönig bitten, ihnen die Vergeltung zu erlauben, wie sollte sich dieser böse Groll legen? Wie sollte dieses Unrecht ans Licht kommen? Bei solcher Rache geschädigter Geister wird der betreffende Mann etwa dazu gebracht, sich zu erhängen und selbst zu töten, oder er wird so erschlagen, dass er aus den sieben Körperöffnungen des Kopfes blutet und stirbt. Belege für derartige Fälle finden sich häufig in den Aufzeichnungen ungewöhnlicher Begebenheiten bei den Beamtenprüfungen vergangener Dynastien.

In der fünften Halle herrscht Strenge; das Gesetz duldet keinen Aufschub.

Mit der „fünften Halle“ ist die fünfte Gerichtsbehörde der Unterwelt gemeint. „Strenge“ bezeichnet die außerordentliche Strenge der Gesetze des Königs Yanluo. Es besagt: Stirbt ein Mensch, der sexuelles Fehlverhalten begangen hat, und gelangt er in die Unterwelt, so tadelt ihn der Unterweltkönig sogleich nach dem Grundsatz, dass sexuelles Fehlverhalten an der Spitze aller Übel steht. Er lässt sich keinesfalls von persönlichen Gefühlen leiten. Wie könnte er da auch nur einen Augenblick Nachsicht oder Aufschub gewähren?

Kupferhammer und eiserne Schneide: Blut fließt, Fleisch wird zerfetzt. Schwertbäume und Messerberge: Leib und Geist werden zerstreut.

Mit einem Hammer aus Kupfer wird der Körper zerschlagen, mit einer eisernen Schneide wird er zertrennt. Wie sollte da nicht Blut strömen und Fleisch überall verstreut werden? Ja, man wird sogar auf Schwertbäume geschleudert und auf Messerberge geworfen. Der Leib wird unweigerlich in der Hölle zerstreut, die geistige Lebenskraft stürzt unweigerlich ins Meer des Leidens. Ist ein solches Ende für den der Unzucht Verfallenen nicht beklagenswert?

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