Manche stellen ihren Körper entblößend zur Schau, säen durch ungeordnete Liebschaften Verfehlungen und verlieren schon vor der Ehe ihre Keuschheit.
„Sich zur Schau stellen“ bedeutet, sich wenig zurückhaltend zu zeigen und auffällig durch die Straßen zu schreiten. „Ungeordnete Liebschaften“ sind unstatthafte Liebesbeziehungen: Männer und Frauen gehen wahllos Beziehungen ein, betrachten Vergnügungen als das Gewöhnliche und geraten so in Unordnung. „Verfehlungen säen“ bedeutet, leidbringende Saat hervorzubringen, etwa wenn eine Frau schon vor der Heirat schwanger wird oder wenn die Partner aufgrund ihrer Generationenstellung nicht zusammengehören, aber bereits die Grenzen überschritten und „Jade auf dem Feld von Lantian gepflanzt“ haben. All dies schafft Verbindungen aus Verfehlung und bringt oft unermessliches Unglück hervor. „Die Keuschheit verlieren“ heißt, dass Mann oder Frau die Jungfräulichkeit verlieren. Es besagt: Man trägt freizügige Kleidung und stellt seinen Körper zur Schau, oder man missachtet die sittliche Ordnung, geht ungeordnete Liebschaften ein und hat schon vor der Heirat eine Beziehung, die gegen die Schicklichkeit verstößt. Damit verliert man die Reinheit und kostbare Keuschheit seines Körpers.
Andere betreiben allerlei Gewerbe und bedienen sich tausenderlei seltsamer Kniffe.
„Allerlei Gewerbe“ bedeutet die verschiedensten Gewerbezweige. Das hier mit „sich bedienen“ wiedergegebene chinesische Verb wird in der Vorlage als „verändern“ erläutert. „Tausenderlei seltsam“ bedeutet die vielfältigsten, sonderbarsten Formen. „Kniffe“ sind Kunstgriffe, die die Augen verwirren. Es besagt, dass heutzutage viele Menschen die verschiedensten Gewerbe betreiben und ihr Geld nicht auf rechtschaffene Weise verdienen, sondern mit allerlei Kunstgriffen. Wie es heißt: Sie hängen einen Schafskopf aus und verkaufen Hundefleisch. Nach außen strahlt das Firmenschild, während sie insgeheim unter wechselnden Verkleidungen sexuelle Geschäfte betreiben. Das ist von äußerster Niedertracht.
Offen zeigen sie verführerischen Liebreiz und kokette Blicke; verborgen halten sie den verwirrenden Strudel, der zu sexuellem Fehlverhalten verleitet. Wie viele zielstrebige Menschen kommen darin zu Fall! Unzählige Lernende treiben dort umher und vergessen heimzukehren.
„Liebreiz“ bezeichnet ein betörendes Lächeln. „Kokette Blicke“ sind verführerische, anmutige Blicke. „Zu sexuellem Fehlverhalten verleiten“ heißt, Menschen zur Ausschweifung zu verführen. Es besagt: Geschäfte, die unter einer Verkleidung sexuelle Dienste anbieten, sind außen in bunten Farben ausgestattet; schöne Frauen versammeln sich dort und zeigen ihre verführerischen Reize. Sie wollen Menschen unter die großen Wellen in einen Strudel ziehen. Im Verborgenen liegt der Strudel, der zu sexuellem Fehlverhalten verführt und den Menschen schweren Schaden zufügt. Man weiß nicht, wie viele willensstarke Menschen mit Aussicht auf eine gute Zukunft dort versinken und verkommen. Auch viele junge Schüler und Studenten werden verführt, in Vergnügungslokalen umherzustreifen, statt zu lesen und zu lernen. Sie begehen sexuelles Fehlverhalten und verstoßen aufs Äußerste gegen die Pflichten gegenüber ihren Eltern.
Allerlei Geschäfte lassen sich betreiben; doch das Geschäft mit sexueller Ausschweifung trägt schwere Schuld. Es folgen grausame Qualen und strenge Strafen in Avīci; die Nachkommen erleiden schlechte Vergeltung, und der üble Ruf reißt nicht ab.
„Allerlei Geschäfte“ bedeutet die verschiedensten Handelsgeschäfte. Das „Geschäft mit sexueller Ausschweifung“ ist das Betreiben von Prostitution. „Avīci“ bezeichnet die Avīci-Hölle. Es besagt, dass man jedes Geschäft betreiben kann, nur das Geschäft mit Prostitution keinesfalls; andernfalls lädt man schwere Schuld auf sich. Nach dem Tod wird man gewiss in die Avīci-Hölle gesperrt und muss die strengsten Strafen erdulden. Die Nachkommen werden unweigerlich schlechte Vergeltung erfahren. Fragt jemand, welchem Gewerbe die Vorfahren nachgingen, und die Antwort lautet, sie hätten ein Bordell betrieben, so reicht dieser üble Ruf gewiss bis zum Himmel und hinterlässt zehntausend Jahre lang Schande.
Sagt nicht, zügelloses Umherschweifen berausche die Seele und das Suchen nach Vergnügen bringe Freude.
„Umherschweifen“ bedeutet, sich frei der Ausschweifung hinzugeben. „Die Seele berauschen“ heißt, die Seele zu verwirren. „Nach Vergnügen suchen“ bedeutet, Erregung und Freude zu suchen. Es besagt: Redet euch nicht ein, es sei etwas Erfreuliches, alle Zurückhaltung fallen zu lassen, sich von weiblicher Schönheit betören zu lassen, überall nach Erregung und Vergnügen zu suchen und sich dabei selbst zu gefallen.