←Zurück

Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt

Deutsch · Das Buch
Einstellungen
Leseeinstellungen
18
Version wird geladen…

Text

Text
Inhalt

Beim Eintreten hört man keine Witwe klagen: lange wie Himmel und Erde währt das Leben. Beim Hinausgehen sieht man kein Witwerleid: weißes Kranichhaar und ein Gesicht wie das eines Kindes.

Werden Menschen nicht durch sexuelle Begierde geschädigt, so werden Männer und Frauen allesamt ein hohes Alter genießen, so dauerhaft wie Himmel und Erde. Daher hört man beim Eintreten in ihr Haus von selbst keine trauernde Witwe. Auch wenn die Männer hinausgehen, sieht man keinen Witwer in elender Trauer. Bei hochbetagten Menschen ist das Haar so weiß wie ein weißer Kranich; deshalb heißt es „Kranichhaar“. Ihr Gesicht ist jedoch weiterhin rosig wie das Gesicht eines Kindes; deshalb heißt es „Kindergesicht“.

Im ganzen Haus herrscht vollkommene Harmonie; man merkt nicht, dass das Alter naht.

Das „ganze Haus“ meint eine Familie. Wenn Männer und Frauen in einer Familie weder Krankheit noch Schmerzen kennen und Glück sowie ein langes Leben genießen, spüren sie nur, wie ihre Eintracht günstige Fügungen hervorbringt. Die alten Menschen leben ruhig und zufrieden und bemerken deshalb selbst nicht, dass das Alter auf sie zukommt.

Niemand kennt den Schüler besser als der Lehrer; niemand kennt den Sohn besser als der Vater.

„Schüler“ meint den Lernenden, „Lehrer“ den Unterrichtenden. Das Wesen des Schülers kennt allein sein Lehrer. Die Neigungen des Sohnes kennt allein sein Vater genau.

Ich sehe, dass die Lehrer über das Bücherstudium hinaus keineswegs die Lehre zur Bewahrung des eigenen Leibes vermitteln.

Die „Lehre zur Bewahrung des eigenen Leibes“ ist die Lehre, auf das Dantian achtzugeben und sich nicht von weiblicher Schönheit betören zu lassen. Ich sehe, dass die Lehrer ihren Schülern zwar das Bücherstudium beibringen, sie aber nicht lehren, auf Unzucht zu verzichten und so ihren Leib zu bewahren. Das ist wahrlich bedauerlich.

Manchmal lassen sie die jungen Leute wegen ihrer Klugheit übermütig und unbesonnen werden.

„Übermütig und unbesonnen“ bezeichnet leichtfertige junge Leute, die hochmütig auftreten und ihre Oberflächlichkeit noch nicht abgelegt haben. Solche Schüler sollte man eigentlich beharrlich ermahnen und warnen, damit sie zu Ernsthaftigkeit und Würde finden. Wie kann man sie aber nur deshalb schonen und nicht unterweisen, weil sie klug und gewandt sind, und sie dann ungebändigt ihrer Leichtfertigkeit überlassen?

Wird geladen…

Quelle und Version