Für verstorbene ungeborene Kinder erklärt der Richter die Bedeutung des Aufstellungsorts besonders genau. Eine Tafel in der elterlichen Wohnung könne ihren Aufstieg verzögern; zudem könnten sich andere Geister darin niederlassen. Eine reine, nach der buddhistischen Lehre geführte Halle ermögliche dem Kind dagegen, Gaben zu empfangen und Unterweisungen zu hören. Diese Wirkung hängt an der tatsächlichen religiösen Praxis. Der Richter kritisiert bezahlte Angebote, die mit außergewöhnlichen spirituellen Fähigkeiten werben und die notwendige Arbeit am eigenen Verhalten verdecken. Vor allem die Eltern selbst sollen aufrichtig bereuen, denn gegen sie richtet sich der Groll des Kindes. Ihre persönliche Beziehung bleibt für die Hilfe wesentlich.
Auch Tafeln eines Tudigong, eines Erdgottes, können unterschiedliche Beziehungen bezeichnen. Regionale Schutzgottheiten erhalten einen Auftrag; ihnen sind die Gottheiten hoher Gebäude, Einkaufszentren und Läden zugeordnet. Ein Hausgeist kann hingegen schon vor den menschlichen Bewohnern im Gebäude gelebt haben. Wenn diese ihm eine Tafel errichten, ihn Tudigong nennen und Gaben darbringen, erwidert er ihre Zuwendung durch Schutz. Beim Verkauf des Hauses bleibt er dort, während die menschlichen Eigentümer wechseln. Der Name allein benennt somit noch nicht die Herkunft und Aufgabe des Verehrten. Der Auftrag eines Gebietsgottes und die bestehende Bindung eines Hausgeistes tragen jeweils eine eigene Form gegenseitiger Hilfe.
Die berufenen Schutzgottheiten waren nach der Erklärung Menschen, die schon zu Lebzeiten gern halfen und Gerechtigkeit achteten. Größeres Verdienst befähigt zur Betreuung eines größeren Gebiets. In ihrem Amt erhalten sie Nachrichten über Geburten, Todesfälle und Umzüge; beim Eindringen schädlicher Geister schützen sie die Bewohner. Dass sie öffentliche Gaben empfangen können, verbindet der Richter mit früherem hilfreichem Handeln und gegenwärtiger Verantwortung. Die Versorgung einer Gottheit steht dadurch in Beziehung zu einer Aufgabe für andere. Bei den Ahnen sind es Fürsorge, Bitte und Dank innerhalb der Familie, die durch die Tafel über die einzelnen Lebenszeiten hinaus weitergetragen werden.
原节 4.8 · Ehrerbietung, Darbringung und die Absicht des Gebens
Ehrerbietung wird durch Körperhaltung, Worte und die Beziehung zum Gegenüber ausgedrückt. Beim hezhang werden die Handflächen vor dem Körper zusammengelegt. Ein kniender Gruß verbindet das Niederlassen auf die Knie mit dem Beugen des Oberkörpers. Beim Koutou berührt die Stirn den Boden; eine volle Niederwerfung bezieht den ganzen Körper ein und drückt besonders tiefe Achtung aus. Dazu können Gruß, Dank, Bitte oder das Bekenntnis als Schüler gehören. Die äußere Form erhält durch diese Worte ihren Sinn. Sie kann die Würde eines Amtes anerkennen oder Vertrauen in die religiöse Hilfe einer verehrten Gestalt ausdrücken.
Das Buch verwendet solche Gesten in mehreren Beziehungen. Der Richter wird mit zusammengelegten Händen begrüßt. Vor dem Himmelskaiser erfolgt ein kniender Gruß mit gesenktem Kopf; er bittet die Besucherin aufzustehen und bespricht ihr Anliegen. Für seine stärkende Frucht wird gedankt, beim Abschied eine Verneigung vollzogen. Vor Dizang und vor Guanyins Erscheinung als Maria beschreibt der Text eine volle Niederwerfung. In diesen Beispielen verbinden sich Auskunft, Schutz und empfangene Hilfe mit einer Antwort der Achtung. Die gesprochenen Anreden machen zugleich deutlich, ob ein Amtsträger gewürdigt oder auf die Befreiungskraft eines Bodhisattvas vertraut wird.
Eine Darbringung ist eine Gabe an einen bestimmten Empfänger, die ihm unmittelbar oder durch religiöse Hilfe zugutekommen soll. Speisen an einer Ahnentafel versorgen nach der entsprechenden Überlieferung einen verstorbenen Angehörigen; Blumen drücken Achtung und Verbundenheit aus. Gaben an Buddhas unterstützen das religiöse Leben. Für die Hilfe an verstorbenen ungeborenen Kindern nennt der Richter eine Reihe guter Handlungen: Tiere freilassen, Schriften rezitieren, vor Buddha Gaben darbringen und spenden. Das daraus entstehende Verdienst wird dem Kind ausdrücklich gewidmet. Die Gabe gehört somit in eine weiter reichende Beziehung zwischen dem Handelnden, unmittelbar Begünstigten und einem Verstorbenen, dessen Lage sich durch die Widmung bessern soll.
Auch eine Brücke zu bauen oder einen Weg anzulegen kann nach seiner Erklärung solches Verdienst hervorbringen. Die Arbeit erleichtert anderen den Alltag. Für ihren religiösen Ertrag zählt die Absicht, Leiden zu lindern und Wohlergehen zu ermöglichen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Nach der Tat soll der Helfende innerlich an nichts festhalten. Selbstlosigkeit liegt deshalb sowohl im Anlass als auch im weiteren Umgang mit dem Getanen. Die Widmung bezeichnet anschließend, wem der Ertrag helfen soll. Eine öffentliche Hilfeleistung kann so mit der Sorge um einen bestimmten Verstorbenen verbunden sein, während die Menschen am Ort unmittelbar von Brücke oder Weg profitieren.
Die deutschen Wörter für solche Handlungen haben unterschiedliche Schwerpunkte. Gedenken betont die Erinnerung an einen Menschen, Ehrerbietung die Achtung und Verehrung eine möglicherweise dauerhafte religiöse Beziehung. Anbetung erhält ihren Sinn stärker aus der jeweiligen Gottesvorstellung. Die katholische Lehre unterscheidet etwa die Verehrung Marias von der Anbetung Gottes. Im Yinlü wuqing erklären Anrede und Bitte, welche Beziehung eine Geste trägt: Dank für Auskunft und Schutz bei einem Amtsträger oder Vertrauen auf Hilfe aus dem Leid bei einem Bodhisattva. Wie jemand seinen Körper hält, was er erhofft und wem er sich zuwendet, bildet zusammen die Bedeutung seines Handelns.