Über die persönlich angenommene Verpflichtung hinaus beansprucht der Richter eine allgemeine Geltung der Folgen. Beim Angeln erklärt er, dass auch Menschen ohne religiöses Bekenntnis daran teilhaben; wissentliches Brechen bereits angenommener Gebote wiege zusätzlich schwer. Die fünf Gebote sollen eine menschliche Geburt bewahren, die zehn guten Handlungen günstige Lebensbedingungen stärken. Beständiges Buddha-Gedenken und das Halten der Gebote werden miteinander verbunden. Auch schützende Gottheiten würden aus Mitgefühl gerecht urteilen und die ursächliche Ordnung achten. Hilfe soll Wesen zur Änderung ihres Verhaltens befähigen und begleitet so die Verantwortung, die aus dem eigenen Handeln entsteht.
原节 3.3 · Menschliches Handeln in einer gemeinsamen Welt
Menschliches Handeln kann in einer religiösen Weltauffassung mit der Ordnung von Himmel und Erde verbunden sein. Tianren ganying bezeichnet dieses Aufeinanderwirken menschlicher und kosmischer Verhältnisse. Das Bild eines kleinen und eines großen Kosmos hebt Entsprechungen zwischen dem einzelnen Leben und der umfassenden Welt hervor. Gongye betrifft wiederum die Bedingungen, die mehrere Wesen gemeinsam erfahren. Die Begriffe setzen an verschiedenen Seiten einer geteilten Wirklichkeit an. Persönliche Gedanken und Taten gehören darin zum Leben des Einzelnen und können zugleich für einen weiteren Kreis von Wesen Bedeutung erlangen. Verantwortung erhält auf diese Weise einen Umfang über die unmittelbar Beteiligten hinaus.
Der Himmelskaiser beschreibt diese Verbindung an seiner Residenz. Schlechte Gedanken aus der Menschenwelt trübten ihren Glanz, die Kraft sexuellen Fehlverhaltens reiche bis zu seinem Palast. Die Wesen unterhalb der Himmelswelt nennt er seine Untertanen; ausgenommen seien Buddhas und Bodhisattvas, die aus anderen Ländern aufgrund ihres Gelübdes gekommen seien. Den Himmel bezeichnet er als Heimat dieser Wesen. Durch die Gewohnheiten aufeinanderfolgender Leben hätten sie sich davon immer weiter entfernt, und nur wenige kehrten zurück. Der schwindende Glanz der Residenz gehört in seiner Rede zu dieser Sorge um die fortgesetzte Entwicklung seiner Untertanen.
Die Autorin erläutert einen verwandten Gedanken vom Menschen aus. In ihrem Selbstvorwort erscheint er als kleiner Kosmos, der mit dem größeren verbunden ist. Die Helligkeit des Inneren sowie Gedanken und Handlungen wirken nach ihrer Erklärung in das Ganze hinein. Viele einzelne Veränderungen können so den Zustand einer gemeinsamen Welt beeinflussen. Ihr Ausgangspunkt ist die Tätigkeit des eigenen Geistes; der Himmelskaiser hatte die Lage seiner Residenz beschrieben. Beide Erklärungen verbinden persönliche Lebensführung mit einem umfassenden Zusammenhang. Die Möglichkeit, im eigenen Denken und Tun etwas zu ändern, erhält darin zugleich Bedeutung für die Umgebung.
Der Herr des Östlichen Gipfels führt Wetter und Naturereignisse als weitere Zeichen an. Innerhalb eines Tages könnten Sonne und Regen rasch wechseln und die Temperaturen so stark schwanken, als durchlaufe man alle vier Jahreszeiten. Er nennt außerdem Tsunamis, Überschwemmungen, Brände, Erdbeben und große ansteckende Krankheiten. Diese Vorgänge deutet er als Warnungen vor einem gestörten rechten Gleichgewicht der Natur. Als Ursache bezeichnet er die aufsteigende Kraft sexuellen Fehlverhaltens. Wetter, Landschaft und menschliche Gesundheit werden dadurch in seiner Unterweisung zu Teilen derselben religiösen Ordnung, an deren Zustand menschliches Verhalten Anteil habe.
Die gewünschte Änderung betrifft deshalb auch das Zusammenleben. Der Herr des Östlichen Gipfels verbindet die Veröffentlichung von Yinlü wuqing mit Einsicht, der Achtung der fünf Beziehungen und einer Verbesserung der gesellschaftlichen Lebensführung. Daraus erhofft er die Abwendung von Katastrophen und eine Entlastung der überfüllten Höllen. Für fortgesetztes sexuelles und anderes Fehlverhalten kündigt er eine gegenteilige Entwicklung an: Große Katastrophen würden rasch aufeinanderfolgen, sämtliche Täter vom lückenlosen Netz der Unterwelt erfasst und Höllenstrafen unterworfen. Seine Warnung verlangt das Aufgeben dieser Handlungen. Die künftige gemeinsame Lage wird damit ausdrücklich an das weitere Verhalten der Menschen gebunden.
原节 3.5 · Der Umfang sexuellen Fehlverhaltens
Xieyin bezeichnet sexuelles Fehlverhalten innerhalb der im Werk ausgeführten Regeln. Der Begriff umfasst voreheliche und außereheliche Beziehungen, wechselnde Partner, bestimmte Handlungen zwischen Eheleuten sowie Zwang und schwere Schädigung. Auch pornografische Inhalte und fortgesetztes Begehren gehören zu den behandelten Gegenständen. Die Bewertung richtet sich daher auf mehrere Seiten eines Geschehens. Für zwei Menschen, die vor ihrer Ehe ausschließlich miteinander Geschlechtsverkehr hatten und später heirateten, nennt der Richter dennoch eine Minderung günstiger Lebensbedingungen. Er begründet sie mit der zuvor verletzten Ordnung. Eine einzige Partnerschaft kann somit innerhalb seiner Erklärung mehrere zeitlich unterschiedliche Handlungen enthalten.
Anschauen, gedankliches Festhalten, Ausführen, Herstellen und Weitergeben haben jeweils eine eigene Wirkung. Beim bloßen Betrachten nennt eine Antwort rechtzeitige Reue als Grund zur Minderung, sofern die Betroffenen unverheiratet sind, zuvor keinen Geschlechtsverkehr mit dem anderen Geschlecht hatten und keine weitere Handlung folgt. Eine andere Unterweisung verlangt bereits bei feinsten begehrenden Regungen unmittelbare Umkehr und das Beseitigen der fördernden Umstände. Für Hersteller und Verbreiter kommt die Wirkung auf diejenigen hinzu, die den Inhalt später aufnehmen. Beginn, Fortsetzung und Unterbrechung eines Vorgangs gehören deshalb ebenso zur Beurteilung wie die Personen, die dadurch erreicht werden.