Innerhalb der Texte kommen weitere Unterschiede hinzu. Die Autorin berichtet von eigener Wahrnehmung; jenseitige Amtsträger erläutern Handlungen und Folgen; Verfasser von Vor- oder Nachworten sprechen aus einer zusätzlichen Perspektive. Angeführte Sutra-Sätze haben ihre ursprünglichen Adressaten. Übernommene Anmerkungen erläutern beispielsweise einen Ausdruck oder eine Zeiteinheit. Eine kulturgeschichtliche Einführung beschreibt wiederum die Bedeutung eines Begriffs oder seinen Gebrauch in einer bestimmten Überlieferung. Diese Stimmen tragen jeweils eigene Angaben bei. Eine Aussage über einen einzelnen Beteiligten erhält ihre Reichweite aus dem betreffenden Zusammenhang, während ein allgemeiner Lehrsatz ausdrücklich einen größeren Kreis ansprechen kann.
Zum Anhang gehört etwa der Bericht eines Lesers, der nach der Weitergabe von Büchern einen Traum erlebt habe. Er spricht aus dieser Erfahrung, während die Autorin ihre eigenen Besuche als wach erlebt beschreibt. Andere Beteiligte bleiben hinter Kürzeln wie BLX oder XXX namenlos. Bekannt werden nur die jeweils mitgeteilten Handlungen und Merkmale. Auch Zeitangaben haben einen bestimmten Ort: Eine Überschrift nennt die Westliche Han-Zeit und mehr als neunzehnhundert Jahre; die anschließenden Schilderungen umfassen außerdem moderne Medienhersteller. Der alte Zeitbezug und die späteren Gruppen stehen nebeneinander.
原节 1.9 · Überlieferte Regeln und die Herkunft ihrer Texte
Eine überlieferte Regel hat einen Wortlaut, einen angesprochenen Personenkreis und eine Geschichte ihrer Weitergabe. In Yinlü wuqing stehen Sutra-Zitate neben älteren Mahnschriften, übernommenen Anmerkungen und gegenwärtigen Unterweisungen. Sie können denselben Gegenstand aus verschiedenen Zusammenhängen erklären. Eine Anmerkung bestimmt etwa die Bedeutung einer Strafzeiteinheit; eine andere erläutert, wie eine Schrift den Menschen zugänglich geworden sei. Die Herkunftsangaben gehören dabei zum religiösen Anspruch des jeweiligen Textes. Zugleich machen sie sichtbar, dass die Unterweisung über Niederschrift, Sammlung und erneute Veröffentlichung weitergegeben wird. Frühere Formulierungen erhalten dadurch einen Platz in späteren Erklärungen des Handelns.
Die übernommene Herkunftserzählung des Jinke jiyao nennt das sechste Regierungsjahr des Kaisers Xianfeng. Die Ordnung sei zuvor in einem Jadebehältnis verborgen gewesen; Wenchang habe ihre Veröffentlichung beim höchsten Himmelsgott erbeten. Darauf sei sie in Liling in Hunan herabgegeben worden. Die Anmerkung bezeichnet sie als himmlische und zugleich als menschliche Ordnung: Sie solle das Verhalten in der Menschenwelt regeln und dessen Folgen bekannt machen. Verborgene Aufbewahrung, erbetene Zustimmung und öffentliche Weitergabe bilden in dieser Erzählung aufeinanderfolgende Schritte. Wenchang erscheint als Vermittler, durch dessen Bitte die Menschen Zugang zur zuvor bewahrten Unterweisung erhalten.
Für das Lunke jiyao wird ein weiterer Vorgang genannt. Im dritten Regierungsjahr des Kaisers Guangxu hätten der Gott der zivilen und der Gott der militärischen Ordnung erneut die Zustimmung des Himmelskaisers erhalten. Unsterbliche hätten die Sammlung ausgearbeitet; Feiluan, eine Form religiös vermittelter Niederschrift, habe den Text festgehalten. Er solle die noch nicht ausgeschöpften Inhalte des früheren Werkes fortsetzen. Während dem Jinke jiyao besonders die Ordnung menschlichen Verhaltens zugeschrieben wird, rückt das Lunke jiyao die Prüfung von Verfehlungen in der Unterwelt in den Vordergrund. Beide Bücher werden deshalb bei den überlieferten Regeln über Belohnung und Strafe gemeinsam angeführt.
Bei einem Sutra-Zitat bestimmt der ursprüngliche Adressat ebenfalls einen Teil des Sinns. Eine Passage kann voll ordinierte Mönche ansprechen und bestimmte Forderungen an deren Lebensweise stellen. Wird sie später für die Unterweisung von Laien verwendet, kommt eine weiter gefasste Anwendung hinzu. Der angeführte Satz und diese Anwendung erfüllen verschiedene Aufgaben innerhalb derselben Erklärung. Entsprechend kann eine Originalanmerkung ein einzelnes Wort bestimmen, während eine spätere kulturgeschichtliche Erläuterung seinen weiteren Gebrauch beschreibt. Die menschliche Überlieferung eines Textes umfasst somit auch das erneute Fragen nach seinem Gegenstand und nach den Lebensverhältnissen, auf die er bezogen wird.
Bei örtlichen Gottheiten tritt die Überlieferung ihres jeweiligen Ortes hinzu. Aufgaben, Benennungen und Formen der Verehrung erhalten dort ihre nähere Bedeutung. Die unterschiedlichen Quellen verbinden sich in der Frage, wie Wesen miteinander leben und was ihre Handlungen nach sich ziehen. Das gegenwärtige Verhältnis zu Eltern, Kindern oder anderen Helfenden kann innerhalb dieser Weltauffassung Teil einer längeren Folge von Existenzen sein. Gute Handlungen sollen günstigere Geburten ermöglichen; darüber hinaus werden das Reine Land und die Befreiung aus dem Wiedergeburtenkreislauf genannt. Der Gedanke der Umkehr richtet sich damit auf ein Leben, dessen weitere Entwicklung über den Tod des gegenwärtigen Körpers hinausreicht.
预定新第 2 章(原第 5 章) · Wie das Leben weitergeht
Ein menschliches Leben steht in einem größeren Zusammenhang von Handlungen, Beziehungen und weiteren Geburten. Was mit dem Körper endet, was als Gewohnheit oder Wirkung fortbesteht und wodurch sich die nächsten Lebensbedingungen verändern, gehört deshalb eng zusammen. Die Begriffe von Himmel, Geisterwelt, Zwischenzustand und Wiedergeburt beschreiben verschiedene Seiten dieser Fortsetzung. Aus ihnen entsteht zugleich eine praktische Frage: Wie kann ein Leben, das von früheren Taten geprägt ist, durch aufrichtige Umkehr und neues gutes Handeln eine andere Richtung erhalten?