Befreiung bedeutet schließlich das Ende der Bindung an wiederholte Geburt und Tod. Das Bodhisattvagelübde verbindet den eigenen Weg zur Buddhaschaft mit der Hilfe für alle leidenden Wesen. Chenghuang fordert dafür Gebotstreue, Buddhanamenrezitation, verborgenes gutes Handeln und den großen Entschluss zum Erwachen: selbst den Buddhaweg verwirklichen und anderen aus dem Leid helfen. Schon der kleinste eigennützige Anteil eines guten Wunsches trägt nach seiner Unterweisung eigene Folgen. Wer noch schwer an alten Gewohnheiten trägt, soll aufrichtig bereuen, einen beständigen Willen zur Gebotstreue entwickeln und mit vegetarischem Leben, Buddhanamen und guten Taten fortfahren. So verbindet sich die Hoffnung auf eine bessere Welt mit dauerhaftem Wandel im eigenen Leben.
预定新第 4 章(原第 2 章) · Verantwortung in unseren Beziehungen
Eine Beziehung trägt frühere Hilfe ebenso wie gegenwärtige Verantwortung in sich. Eltern und Kinder, Lehrende und Lernende, Freunde und Vorfahren stehen auf unterschiedliche Weise miteinander in Verbindung. Yinlü wuqing erweitert diese Beziehungen über ein einzelnes Leben hinaus: Wesen begegnen einander wieder, erwidern Wohltaten, tragen Groll weiter oder empfangen neue Hilfe. Was jetzt geschieht, kann die Richtung der Verbindung verändern. Fürsorge, aufrichtige Reue und beständige gute Taten erhalten deshalb einen konkreten Gegenstand in dem Menschen oder Wesen, dem sie zugutekommen sollen.
原节 2.1 · Fürsorge, Dankbarkeit und Verlässlichkeit
Fürsorge beginnt damit, die Bedürfnisse eines anderen wahrzunehmen und verlässlich auf sie zu antworten. Xiao, oft als kindliche Pietät bezeichnet, verbindet diese Aufgabe mit der Achtung vor Eltern und Vorfahren. Wer als Kind Nahrung, Schutz und Begleitung empfangen hat, übernimmt später selbst Verantwortung. Im Alter können ausreichendes Essen, Aufmerksamkeit und ein respektvoller Umgang besonders wichtig werden. Die Ehrung der Eltern erhält dadurch eine praktische Gestalt. Zugleich reicht Xiao über eine einzelne Pflegehandlung hinaus: Es bezeichnet eine Beziehung zwischen Generationen, in der frühere Hilfe erinnert und gegenwärtige Hilfe geleistet wird.
Wie schwer eine Verletzung dieser Verantwortung wiegt, erläutert der Richter am Großvater der Autorin. Nach dem Tod seiner Frau habe eine Schwiegertochter auf der Betreuung bestanden, weil sie an sein Vermögen gelangen wollte. Sie habe ihm Nahrung vorenthalten und ihn beschimpft. Der alte Mann habe darüber geschwiegen, um den Zusammenhalt der Familie zu bewahren. In der Antwort werden beide Handlungen beurteilt: Seine Geduld wird gewürdigt, ihre Misshandlung verurteilt. Das Bemühen eines Betroffenen, Streit zu vermeiden, steht damit neben der eigenen Verantwortung des Menschen, der ihm Schaden zufügt.
Die Enkelin hatte etwa alle sechs Monate Lebensmittel mitgebracht und gesehen, wie rasch er alles aß. Die Tante erklärte dies damit, dass sie seinen Geschmack besonders gut treffe. Erst die spätere Auskunft über seinen Hunger veränderte diese Erinnerung. Auch seinen Tod erklärt der Richter aus mehreren Zusammenhängen. Er sei zweiundneunzig geworden; von einer vorgesehenen Lebensdauer von hundertundzwei Jahren habe das langjährige Rauchen zehn Jahre aufgezehrt. Daneben nennt er das Verhungern. Seine religiöse Deutung umfasst folglich die Gewohnheit des Großvaters, die entzogene Nahrung und das Verhalten seiner Angehörigen als jeweils eigene Teile der Geschichte.
Bao’en, empfangene Wohltaten erwidern, bezieht weitere Menschen und Lebensbedingungen ein. Eltern ermöglichen das Aufwachsen, Lehrende geben Orientierung, Bauern gewinnen die Nahrung durch ihre Arbeit. Erde, Wasser, Luft und Sonne gehören zu deren natürlichen Voraussetzungen. Dank kann deshalb als Pflege, gewissenhaftes Lernen oder sorgsamer Umgang mit Lebensmitteln Gestalt annehmen. Die jeweilige Hilfe bestimmt mit, wie eine Antwort darauf aussehen kann. Bei verstorbenen Angehörigen treten das Erinnern und rituelle Ehren hinzu. Eine religiöse Widmung wiederum richtet den Ertrag einer guten Tat ausdrücklich an einen Verstorbenen und verbindet das gegenwärtige Handeln mit dessen weiterem Weg.
Verlässlichkeit zeigt sich auch dann, wenn niemand zusieht. Shendu meint die Aufmerksamkeit für das eigene Denken und Handeln in der Abgeschiedenheit. Die Autorin verbindet dies mit der Vorstellung, dass selbst verborgene Regungen die jenseitigen Aufzeichnungen erreichen. Ein verschwiegenes Geschehen behält innerhalb dieser Ordnung seine Folgen. Fürsorge, Dankbarkeit und Aufrichtigkeit greifen daher ineinander: Andere sollen sich auf eine Hilfe verlassen können, die ihnen tatsächlich zukommt. Die Bedürfnisse eines lebenden Menschen, die Erinnerung an Vorfahren und eine Widmung für Verstorbene verlangen jeweils eigene Handlungen. Alle drei setzen voraus, die betreffende Beziehung ernst zu nehmen.