Eine weitere Schrift heißt „Kostbare Unterweisung gegen sexuelles Fehlverhalten“ und trägt Wenchang Dijuns Namen. Diese Gottheit begründet ihre Mahnung durch einen bestimmten Auftrag: Auf Geheiß der höchsten himmlischen Instanz prüft sie an den Yin- und Mao-Tagen jedes Monats die Vergehen in den Höllen von Fengdu. Schwarze Register türmen sich dort wie Berge und enthalten die Taten ganzer Menschenleben. Die Prüfung solcher Akten begründet die Strenge der Unterweisung. Wenchangs Eröffnungsrede spricht daher aus einer göttlichen Amtstätigkeit, während Guandis Kommentar über familiäre Pflichten zu klassischen Lehren führt. Beide Überlieferungen verbinden eine verehrte Gestalt mit nachvollziehbaren Gründen verantwortlichen Handelns.
原节 4.6 · Treue zum Gemeinwohl und die Erinnerung an Yue Fei
Die Erinnerung an Yue Fei verbindet Treue mit Verantwortung für das Gemeinwesen. Der Heerführer der Südlichen Song kämpfte gegen die Jin; mit dem Hofpolitiker Qin Hui verbindet die Überlieferung seine Verleumdung und Tötung. Yinlü wuqing knüpft auch an eine Erinnerung aus dem Schulunterricht an. Als General der Unterwelt erläutert Yue Fei darin seine Haltung zu Dienst, Tod und Vergeltung. Über seinem Empfangsraum stehen die Worte „Dem Land in aufrichtiger Treue dienen“. Das Gespräch findet in der kurzen Zeit vor einer Sitzung statt. Amtlicher Alltag und überlieferter Leitspruch rahmen seine Erklärung dessen, was ihn auch nach dem Tod verpflichtet.
Nach Yue Feis eigener Antwort behinderte Qin Hui aus Eifersucht seine Feldzugspläne und führte schließlich seinen Tod herbei. Zunächst hatte er diesen Konflikt als Unterschied der Vorgehensweisen unterschätzt; seine Aufmerksamkeit galt dem Schutz des Landes. Vor dem Tod dachte er an die Mahnung seiner Mutter, an ihre noch nicht genügend erwiderte Fürsorge und an seine unvollendete Aufgabe. In einem weiteren Leben wollte er ihr besser entsprechen. Einen Wunsch nach Vergeltung hegte er nach seiner Aussage nicht. Auch Qin Hui wünscht er ein Ende des Leidens: Beide dienten demselben Herrscher, und die Sicherheit der Bevölkerung zähle mehr als das persönliche Wohlergehen.
Diesen letzten Gedanken nennt Yue Fei als Grund seiner Ernennung zum unterweltlichen General. Der Herrscher übertrug ihm militärische Aufgaben, weil er selbst nach ungerechter Tötung dem Wohl anderer verpflichtet blieb. Drei Monate vor einem menschlichen Krieg beginne die Vorbereitung in der Unterwelt. Sieg, Niederlage und Verluste würden gemäß den karmischen Beziehungen der Beteiligten festgelegt; Yue Fei ordne den Truppeneinsatz. Einige frühere Untergebene dienten weiterhin unter ihm. Seine Aufgabe wird damit durch die Verantwortung für Folgen beschrieben, die über ein einzelnes Leben hinausreichen. Auf weitere Fragen erklärt er, das ihm zugeschriebene berühmte Man Jiang Hong selbst verfasst zu haben; eine Wiedergeburt Zhang Feis sei er nicht.
Man Jiang Hong bezeichnet ein überliefertes Formschema für Liedgedichte. Verschiedene Dichter können unter demselben Namen unterschiedliche Werke verfassen. Das am Kapitelende tatsächlich abgedruckte Gedicht trägt Wen Zhengmings Namen und einen Untertitel über ein kaiserliches Schriftstück zu Yue Fei. Sein Anfang schildert das Abwischen einer verwitterten Inschrift. Der Dichter der Mingzeit blickt damit auf das Verhältnis des Kaisers zu seinem General zurück. Das Nationale Palastmuseum bewahrt eine entsprechende kalligrafische Niederschrift Wen Zhengmings mit der Datierung 1559. Dieses Datum gehört zum Schriftwerk. Die Selbstzuschreibung in Yue Feis Antwort und das später beigefügte Gedicht haben somit jeweils einen eigenen Verfasser und Zusammenhang.
Die Miaozheng zugeschriebenen Klagegedichte bewahren eine weitere Form des Gedenkens. Ein Vers nennt zwölf goldene Befehlszeichen und verdichtet damit die überlieferte Geschichte wiederholter dringlicher Rückbefehle. Ein solches Zeichen trägt die Autorität des Kaisers und verlangt die Rückkehr des Generals. Die Zahl zwölf steht hier innerhalb der poetischen Erinnerung an den Tod eines treuen Dieners. Trauer und Urteil erhalten in den Gedichten eine eigene Sprache. Yue Feis Unterweisung richtet die Aufmerksamkeit dagegen auf seine Mutter, seine noch offene Verpflichtung und das Wohl der Bevölkerung. Loyalität bewährt sich in dieser Erklärung im Dienst an anderen und in einer Haltung, die auch nach erlittenem Unrecht nicht auf Rache zielt.
原节 4.7 · Ahnentafeln, Schreine und die Empfänger einer Gabe
Eine Ahnentafel trägt den Namen eines verstorbenen Angehörigen und gibt der religiösen Zuwendung einen bestimmten Empfänger. Vor ihr stehen Speisen, Räucherwerk und andere Gaben; Angehörige erinnern sich, sprechen Gebete und bitten um Schutz. In chinesischen Formen der Ahnenverehrung kann die Tafel zugleich als Ort der Gegenwart des Ahnengeistes gelten. Die Beziehung umfasst daher Fürsorge für den Verstorbenen und Hilfe, die von ihm erbeten wird. Erinnerung, Versorgung und religiöse Verbindung gehören zusammen. Das benannte Familienmitglied bleibt in dieser Praxis Teil eines Beziehungsgefüges, das mit dem Tod seine Form verändert, aber weiterhin gepflegt werden kann.
Ein Schrein bietet einer Tafel oder einem Bild einen Platz. Seine konkrete Bedeutung ergibt sich daraus, wem die Einrichtung gilt und was Menschen dort tun. Im Haus stehen häufig Vorfahren der Familie im Mittelpunkt. Eine buddhistische Halle verbindet Darbringungen mit Schriftrezitation und der Widmung von Verdiensten. Eine Kapelle des Erdgottes richtet sich auf örtlichen Schutz, ein Tempel des Stadtgottes auf dessen weiter reichende Aufgaben. Ähnliche Gegenstände können dadurch sehr verschiedene Beziehungen tragen. Name, angesprochene Bitte und religiöse Tätigkeit bestimmen gemeinsam, ob es um familiäre Versorgung, Unterweisung oder den Schutz eines Wohngebiets geht.