Ich gelangte sogleich in die siebte Halle, wo gerade über eine männliche Seele gerichtet wurde. Sie wirkte recht kultiviert. Ich wusste zunächst nicht, welches Vergehen sie begangen hatte, doch der Richter verurteilte sie dazu, 500 Jahre lang Kupferkugeln zu schlucken. Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass dieser Mann zu Lebzeiten eine rechtmäßige Ehefrau und zwei feste Geliebte gehabt hatte. Er hatte gern sexuelle Handlungen zu unzulässigen Zeiten, an unzulässigen Orten und an unzulässigen Körperstellen vollzogen. Diese drei Personen hatten seine Begierden genau befriedigen können. Sein ganzes Leben lang hatte er nur mit diesen drei Personen intime Beziehungen gehabt.
Nun hörte ich die männliche Seele zu ihrer Verteidigung sagen: „Warum kann meiner rechtmäßigen Ehefrau die Strafe von 500 Jahren Umarmen der Kupfersäulen erlassen werden, während mir die Strafe von 500 Jahren Schlucken von Kupferkugeln nicht erlassen werden kann?“ Der Richter sagte: „Sieh dir die Aufzeichnung an!“ Es stellte sich heraus, dass der Mann damals von seiner Ehefrau sexuelle Handlungen an unzulässigen Körperstellen verlangt hatte. Sie hatte dies abgelehnt und ihm außerdem zugeredet, es nicht zu tun, weil es gegen den Anstand verstoße. Seine Ehefrau hatte mit ihm nur zu unzulässigen Zeiten und an unzulässigen Orten sexuell verkehrt. Außerdem war ihre Begierde gering gewesen. Deshalb war ihre Schuld etwas leichter, und lediglich ihre Segnungen wurden gemindert. Weil sie sexuelle Handlungen an unzulässigen Körperstellen abgelehnt und ihm davon abgeraten hatte, hatte sie auch wieder einige Segnungen angesammelt.
Der Mann hatte seine rechtmäßige Ehefrau zwar nicht gezwungen, doch mit seinen beiden außerehelichen Geliebten hatte er alle drei Arten sexuellen Fehlverhaltens begangen. Der Richter sagte, da er Reue zeige, seine Eltern ehrerbietig behandelt, seine öffentlichen Pflichten treu erfüllt und die Gesetze eingehalten habe und lediglich diese drei Arten sexuellen Fehlverhaltens begangen habe, würden ihm die 500 Jahre des Umarmens der Kupfersäulen erlassen. Darauf wusste die männliche Seele nichts mehr zu erwidern und wurde von den Geisterschergen in die Hölle des Schluckens von Kupferkugeln gebracht. Als ein Geisterscherge sie hineinstieß, sah sie eine dieser beiden Personen kommen und ging sofort auf sie zu. In Wirklichkeit war es ein großer Vogel, dessen großer Schnabel das Geschlechtsorgan der männlichen Seele ganz umfassen konnte. Sobald er es umfasst hatte, zog er nach vorn und riss es ab. Die männliche Seele schrie laut vor unermesslichem Schmerz. Weil die Szene so blutig war, konnte ich nicht länger hinsehen.
Nachdem ich die Halle verlassen hatte, stellte ich dem Richter einige Fragen zu den Strafen für sexuelles Fehlverhalten. Wie er mir erklärte, müsse man zunächst rechtes Erkennen und rechte Achtsamkeit bewahren und sich jederzeit dazu anhalten, sich rein zu halten und sich selbst zu achten. Wenn man sexuelles Fehlverhalten nur in Gedanken begeht, ohne zu handeln, werden die Segnungen um eine Woche gemindert. Wenn man pornografische Publikationen betrachtet, werden schon durch das bloße Betrachten Segnungen und Lebensspanne um eine Woche vermindert. Setzt man sexuelles Fehlverhalten in die Tat um, werden Segnungen und Lebensspanne um einen Monat vermindert. Begeht man ein zweites Mal tatsächlich sexuelles Fehlverhalten, werden Segnungen und Lebensspanne um zwei Monate vermindert, und so weiter.
Voreheliche sexuelle Handlungen von Männern und Frauen führen sämtlich zu einer Minderung der Segnungen und einer Verkürzung der Lebensspanne. Die Einzelheiten unterscheiden sich von Fall zu Fall; grob lassen sich drei Kategorien unterscheiden.
Erstens: Jemand hat im ganzen Leben nur einen Partner, dessen Begierde zudem gering ist, und heiratet ihn später. Wenn in einem solchen Fall nicht gegen die Verbote zu unzulässigen Zeiten, unzulässigen Orten und unzulässigen Körperstellen verstoßen wird, werden lediglich die Segnungen gemindert. Durch möglichst frühzeitige Reue kann man außerdem das Karma abbauen.
Zweitens: Jemand hat vor und nach der Heirat nur einen Partner, verstößt jedoch gegen die Verbote zu unzulässigen Zeiten, unzulässigen Orten und unzulässigen Körperstellen und hat starke Begierden. Sowohl vor als auch nach der Heirat werden Segnungen und Lebensspanne gemindert. Nach dem Tod kommt dieser Mensch in die Höllen und muss 500 Jahre lang Kupfersäulen umarmen und 500 Jahre lang Kupferkugeln schlucken. Wenn er noch zu Lebzeiten bereut, ist die Wirkung etwas stärker. Wenn er darüber hinaus anderen eindringlich von solchen Verstößen abrät und durch Verdienste seine Verfehlungen ausgleicht, kann er möglicherweise von der Vergeltung in den Höllen befreit werden.
Drittens: Jemand begeht sowohl vor als auch nach der Heirat wahllos sexuelles Fehlverhalten, hat besonders starke Begierden und verbringt seine Tage in Rausch und gedankenlosem Genuss. In diesem Leben werden ihm mit Gewissheit Segnungen und Lebensspanne gemindert. Nach dem Tod kommt er in die Höllen, wo er Kupfersäulen umarmen, auf Eisenbetten schlafen, Kupferkugeln schlucken und weitere Strafen erleiden muss. In jeder dieser Höllen beträgt die Strafe mindestens 10.000 Jahre; das Urteil richtet sich nach dem jeweiligen Einzelfall. Wenn die Vergeltung in den Höllen beendet ist, wird er anschließend in den Tierbereich geworfen. Manche erfahren die Vergeltung einer Wiedergeburt als Mandarinenten, andere werden als Hunde, Schlangen und andere Tiere geboren.
Gegenwärtig ist in den Höllen die dritte Kategorie am stärksten vertreten. Außerdem sind die Höllen inzwischen gegenüber früher stark erweitert worden. Auch in der Menschenwelt gehören derzeit viele Menschen zur dritten Kategorie. Sie alle werden künftig in die Höllen kommen müssen, um Vergeltung zu erleiden.
Der Richter sagte weiter, während der Menstruation der Frau sei Eheleuten der Geschlechtsverkehr streng verboten. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit dürften sie keinen Geschlechtsverkehr haben, sonst würden ihre Segnungen gemindert. Außerdem locke Geschlechtsverkehr während der Menstruation allerlei Geister an, die Lebensessenz und Blut verschlingen und zum Blutsaugen kämen. Bei jedem sexuellen Verkehr kämen Geister, die Essenz und Lebensenergie verschlingen, um diese auszusaugen. Danach erkrankten die Menschen und erlebten häufig Unglück.