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《阴律无情》

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Der Richter der Unterwelt: „Abtreibung wird von der Unterwelt streng bestraft. Die Gesetze der Unterwelt bestimmen drei Arten verborgener Tugend: erstens Menschenleben retten; zweitens Witwen dabei unterstützen, ihre Keuschheit zu bewahren; drittens das höchste Gute tun, ohne dass andere davon erfahren. Nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung reicht verborgene Tugend aus, um das Schicksal zu verändern. Von alters her bis heute gibt es viele berühmte Beispiele von Menschen, die durch verborgene Tugend in der Menschenwelt zu hohen Würdenträgern und angesehenen Persönlichkeiten wurden und deren Nachkommen große Ehren erlangten. Als Di Renjie, der spätere Kanzler der Tang-Dynastie, in jungen Jahren zur Prüfung in die Hauptstadt reiste und in einem Gasthaus übernachtete, versuchte die schöne verwitwete Wirtin, ihn spät in der Nacht zu verführen. Das ließ ihn wachsam werden. Dank seiner aufrechten Gesinnung hütete er sich nicht nur streng vor sexuellem Fehlverhalten, sondern ermahnte die schöne Witwe auch, die sittlichen Regeln für Frauen einzuhalten. Er lehrte sie geduldig die Betrachtung der Unreinheit des Körpers, mit der er selbst sein sexuelles Begehren zum Erlöschen brachte. Nachdem die Frau den Körper auf diese Weise betrachtet hatte, empfand sie Scham und hielt ihr Leben lang an Treue und Rechtschaffenheit fest. Gerade weil Di Renjie der unverhofft gebotenen Verlockung nicht nachgegeben hatte, wurde sein Name später im ganzen Reich berühmt. Wenn Menschen in der Welt der Lebenden die ihnen durch ihr Schicksal bestimmten karmischen Prüfungen überwinden, die reinen Gebote standhaft einhalten und ihre edle Persönlichkeit unversehrt bewahren, wird der Himmel sie gewiss nicht benachteiligen. Auch nach den Gesetzen der Unterwelt werden ihnen in ihrem persönlichen Buch von Leben und Tod gewiss große verborgene Verdienste aus guten Taten als zusätzliche Belohnung eingetragen, wodurch ihre Segnungen und ihre Weisheit zunehmen. Abtreibung bedeutet in Wahrheit, einem Wesen das Leben zu nehmen und gegen das Gebot zu verstoßen, nicht zu töten. Das Kind wird noch vor seiner Geburt getötet, obwohl seine angeborene Natur gut ist. Dies ist ebenso schwerwiegend wie das Töten der Eltern oder das Vergießen des Blutes eines Buddha. Außerdem schafft man dadurch eine schlechte karmische Verbindung zum Kind. Es heißt: Ohne Dankesschuld oder Groll wird man nicht zu Angehörigen.

Die karmische Verbindung zwischen Kindern und Eltern kennt zwei Arten von Beziehungen: Schulden einfordern und Schulden zurückzahlen. Wenn ein Kind kommt, um Schulden zurückzuzahlen, aber durch seine Tötung Groll entwickelt, wird daraus eine schlechte karmische Verbindung. Wenn das Kind ohnehin gekommen ist, um Schulden einzufordern, wird es noch schwieriger: Zur schlechten karmischen Verbindung tritt Hass hinzu, wodurch die karmische Bindung der Verschuldung noch tiefer wird.

Bei Abtreibungen gibt es drei Fälle. Erstens: Die Eltern führen die Abtreibung nicht absichtlich herbei, sondern die karmischen Segnungen des Kindes reichen nicht aus. Verschiedene Ursachen, etwa der Tod der Leibesfrucht im Mutterleib, eine Blasenmole oder eine Erkrankung der Schwangeren, verhindern, dass das Kind geboren werden kann. Liegt eine solche Ursache vor, müssen die Erwachsenen Reue üben, Sutren rezitieren, um dem Kind zur Befreiung zu verhelfen, und ihm die Verdienste widmen, damit es bald dem Leid entkommt und Glück erlangt.1

Zweitens: Eine Abtreibung erfolgt wegen schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse. Das ist nach den Gesetzen der Unterwelt nicht erlaubt; man darf nicht wegen wirtschaftlicher Probleme töten. Es ist sehr wichtig, wie man mit einer Angelegenheit umgeht. Wie beschwerlich das Leben in der Menschenwelt auch sein mag, es ist immer noch zehnmillionenmal besser, als nach einer Abtreibung in die Hölle zu kommen und dort Vergeltung zu erleiden. Merkt euch das gut! Es ist auch möglich, dass dieses Kind kommt, um eine Wohltat zu vergelten, und dass sich nach seiner Geburt die wirtschaftlichen Verhältnisse ändern und die Familie wohlhabend oder gut situiert wird. Natürlich kommt es auf den konkreten Einzelfall an. Bei einer solchen Abtreibung werden bereits zu Lebzeiten die karmischen Segnungen geschmälert – Gesundheit, berufliches Fortkommen, finanzielles Glück und alles Weitere nehmen ab –, und man muss 1.000 Jahre lang in der Hölle des Schwerterwaldes Vergeltung erleiden. Wer unverheiratet ist, muss zuvor 500 Jahre lang in der Hölle der Peitschen und Stöcke Vergeltung erleiden. Nach der späteren Wiedergeburt als Mensch muss außerdem die verbleibende Vergeltung für das Töten abgetragen werden. Frauen bekommen beispielsweise gynäkologische Erkrankungen, und auch Männer bekommen Krankheiten im Bereich der Fortpflanzungsorgane.

Drittens kommt der Fall, der heutzutage in der Menschenwelt am häufigsten ist. Viele unverheiratete Männer und Frauen lassen eine Abtreibung vornehmen, sobald sie ein Kind erwarten. Dieses Verhalten zieht die schwerste karmische Vergeltung nach sich. Zu Lebzeiten werden ihre karmischen Segnungen geschmälert; nach dem Tod kommen sie zunächst in die Hölle der Peitschen und Stöcke und erleiden dort 800 Jahre lang Vergeltung, anschließend 2.000 Jahre lang in der Hölle des Schwerterwaldes. Die Schuld der Frau, die abtreibt, wiegt schwerer als die des Mannes, denn sie trifft letztlich die Entscheidung für die Abtreibung. Deshalb ist ihre Schuld etwas schwerer. Wenn dagegen der Mann von der Frau eine Abtreibung verlangt, sie das ungeborene Kind aber schließlich schützt und zur Welt bringt, wird dem Mann eine böse Tat eingetragen, der Frau hingegen ein verborgenes Verdienst aus einer guten Tat. Wenn der Mann später Reue empfindet, gut für das Kind sorgt und Menschen in der Welt der Lebenden nachdrücklich davon abrät, abzutreiben, kann dieses schlechte Karma der Anstiftung anderer zur Abtreibung aufgehoben werden. Ayu, möchtest du es dir ansehen?“

Ich sagte: „Ja, gern!“ Sehr schnell waren wir dort. Hier war es anders als in der Hölle für sexuelles Fehlverhalten. Diese ist voller lüsterner Gedanken an sexuelles Fehlverhalten und Schmerzenslaute; hier hingegen waren die Schreie und das Weinen von tiefem Groll und Schmerz erfüllt. Ich sah nach oben, wo vier große Schriftzeichen standen: „枉死哭城“ – „Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen“.

Oh! So viele kleine Menschen! Sie waren dicht an dicht gedrängt und weinten alle. Ihr Weinen war so herzzerreißend! Als ich sie sah, kamen auch mir die Tränen. Manche Säuglinge schrien laut, andere sahen wie eine Kugel aus Blut aus.

Der Richter der Unterwelt sagte, der Arzt habe dieses Wesen bei der Abtreibung so zugerichtet. Ein Säuglingsgeist hatte sich so sehr gefürchtet, dass er noch immer zusammengerollt dort lag. Eigentlich konnte er sich jetzt schon ausstrecken, doch er verharrte noch immer in jener schmerzlichen Anhaftung und konnte sich nicht daraus lösen. Ich fragte den Richter der Unterwelt, wann er denn nicht mehr so leiden müsse. Der Richter sagte, das hänge davon ab, ob die Eltern dieses Säuglingsgeistes ihm gegenüber Reue zeigten oder Verdienste erwarben und sie ihm widmeten. Da war noch ein anderer, ein Mädchen, das nach seiner Mutter rief. Ich fragte den Richter der Unterwelt, wie ein Säuglingsgeist, der noch gar nicht geboren worden war, schon „Mama“ rufen könne. Der Richter sagte, würden diese Kinder als Menschen in der Welt der Lebenden geboren, müssten sie erst ein Jahr alt werden, bevor sie sprechen lernten. Doch nun seien sie nicht mehr in der Menschenwelt. In die Hölle seien sie als Geistwesen gekommen, und Geistwesen hätten übernatürliche Fähigkeiten und verständigten sich durch Gedanken. Jedenfalls waren die Säuglingsgeister hier wahrhaftig erbarmungswürdig; sie weinten und schrien unaufhörlich. Ach! Der Himmel besitzt die Tugend, das Leben zu lieben. Wir dürfen auf keinen Fall aus bloßem Eigennutz unschuldiges junges Leben grausam töten.

Der Richter der Unterwelt sagte mir, diese „Klagestadt der zu Unrecht Gestorbenen“ sei neu errichtet worden. Während wir sprachen, kamen fortwährend weitere Säuglingsgeister herein. Es waren wirklich so unendlich viele!

Da sah ich eine große Schar von Säuglingen herausfliegen, die jeweils ein gelbes Blatt Papier in der Hand hielten. Während ich mich noch darüber wunderte, sagte der Richter der Unterwelt, sie hielten ein von Yanwang, dem Herrscher der Unterwelt, genehmigtes Befehlszeichen in Händen. Mit diesem Befehlszeichen würden die Geisterschergen sie von hier fortlassen, damit sie ihre Eltern aufsuchen könnten. Meistens setzten sie sich im Körper ihrer Mutter fest und verursachten ihr körperliche Beschwerden. An welcher Stelle genau sie sich festsetzten, hänge von den Vorlieben des Säuglingsgeistes ab. Manche wollten gern in den Bauch ihrer Mutter zurück und setzten sich deshalb in der Gebärmutter fest. Andere setzten sich gern im Brustbereich ihrer Mutter fest und so weiter. Manche folgten ständig ihrer Mutter oder ihrem Vater, andere ließen ihre Eltern nicht schlafen. Kurzum, sie verursachten jederzeit Schwierigkeiten. Wenn weitere Kinder geboren würden, störten die Säuglingsgeister die Harmonie der Familie, indem sie zum Beispiel ihre jüngeren Geschwister schlügen und absichtlich allerlei Unruhe stifteten, um ihren Eltern ihren Groll zu zeigen.

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