Namo Amitābha! Ich werfe mich ehrerbietig vor dem Richter der Unterwelt nieder!
Ayu: „Heute möchte ich Sie fragen, Herr Richter, welche karmischen Folgen Wesen erwarten, die gern angeln. Ich habe in der Menschenwelt einige Angelfreunde gesehen, für die Angeln eine Freizeitbeschäftigung ist. Sie wissen auch, dass das Meerwasser bei den Städten durch Schwermetalle gefährlich verschmutzt ist. Sie angeln die Fische ans Ufer und haben ihren Spaß daran. Manche schaben ihnen einen Teil der Schuppen ab, stechen ihnen sogar die Augen aus oder schneiden Flossen und innere Organe heraus, bevor sie die Fische wieder ins Meer werfen. Führen solche Handlungen in die Hölle? Wenn es dafür eine Hölle gibt, würde Ayu sie gern besichtigen.“
Der Richter der Unterwelt: „Angeln ist Töten. Ob man zum Vergnügen angelt oder um die Fische zu essen: Beides ist schwarzes Karma des Tötens und führt zur Bestrafung in der Hölle. Es gibt folgende Unterschiede: Angelt jemand zum Vergnügen und wird der Fisch körperlich nicht verstümmelt oder verletzt, sodass er wieder ins Meer zurückschwimmen und normal weiterleben kann, fällt die karmische Vergeltung entsprechend geringer aus. Doch auch dann werden die Gedanken des Fisches, also sein geistiges Bewusstsein, geschädigt. Der Fisch wird in Angst und Schrecken versetzt, und zwischen ihm und dem Angler entsteht eine schlechte karmische Verbindung.“
„Wer ausschließlich zum Vergnügen angelt und keinerlei Tötungsabsicht hat, verliert jedes Mal, wenn er angelt, die Segnungen eines Monats. Dazu gehören die Nahrung eines Monats und die verschiedenen Annehmlichkeiten, die ihm aufgrund seiner Segnungen zustehen. Sollte jemand beispielsweise im nächsten Monat eine Gehaltserhöhung bekommen, verhindert das schwarze Karma des Angelns diese Erhöhung. Stattdessen wird er von seinem Vorgesetzten grundlos zurechtgewiesen, von Kollegen abgelehnt und von anderen nicht gemocht. Weil das Karma der Schädigung von Fischen auf ihn zurückwirkt, treten in seinem Körper von selbst unvermittelte Schmerzen auf. Ein Geschäftsmann etwa hätte im nächsten Monat mit einem großen Kunden einen Vertrag abgeschlossen und damit beispielsweise eine Million verdient. Dieser Verdienst wird ihm genommen. Hat er aus einem früheren Leben reiche Segnungen, kann er unter großen Mühen und vielen Hindernissen noch dreihunderttausend verdienen.“
„Wer zum Vergnügen mit den geangelten Fischen spielt und sie dabei verletzt oder verstümmelt, verliert die Segnungen eines Monats und muss verschiedene körperliche Krankheiten und Schmerzen erleiden. Wie diese Vergeltung im Einzelnen aussieht, richtet sich danach, welche Qualen der verletzte Fisch erlitten hat: Das Karma wirft sie auf den Angler zurück. Er wird unter Kopfschmerzen, Schwindel, verschiedenen Erkrankungen des Mundraums, Symptomen psychischer Störungen und anderem leiden. Eine angeborene Lippenspalte ist die karmische Folge des Angelns in einem früheren Leben. Auch die anderen körperlichen Schmerzen entsprechen denen des verletzten Fisches. Wer angelt, um die Fische zu essen, verliert mit jedem Angeln mindestens sieben Tage Lebenszeit und die Segnungen dreier Monate. Wer viele Fische oder trächtige Fische angelt, wird nach den Gesetzen der Unterwelt auf Grundlage der genauen Aufzeichnungen der mitgeborenen Gottheiten strenger bestraft.“
„Bei Menschen, die häufig angeln, verändert sich das Licht um ihren Körper allmählich von Rot zu Grau. Wenn dieses Licht trüb wird, misslingt ihnen vieles. Sie schlafen unruhig, werden sehr misstrauisch und geraten leicht in Zorn.“
„Bei der Geburt ist das Licht um den Körper jedes Menschen kreisförmig. Wie kräftig oder blass seine Farbe ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Dieses Licht steht für die Segnungen sowie für das gute und schlechte Karma eines Menschen. Je vollkommener und heller es ist und je weiter es sich über eine große Fläche und Entfernung ausbreitet, desto mehr gutes Karma und Segnungen hat er und desto tugendhafter ist er. Das Körperlicht aller Buddhas und großen Bodhisattvas mit ihrer großen Weisheit ist am vollkommensten.“
„Wie bereits gesagt, begleiten zwei mitgeborene Gottheiten jeden Menschen von seiner Geburt an ununterbrochen Tag und Nacht. Wohin er auch geht, selbst zur Toilette, beim Baden oder beim Schlafen, folgen sie ihm bis zu seinem Tod. Die eine der beiden Gottheiten hat männliche, die andere weibliche Gestalt. Die männliche mitgeborene Gottheit befindet sich links neben dem Menschen; ihr Körperlicht ist blassweiß. Sie verzeichnet täglich seine guten Gedanken und Taten. Das Körperlicht der weiblichen mitgeborenen Gottheit ist blassschwarz. Sie befindet sich rechts neben dem Menschen und verzeichnet täglich seine schlechten Gedanken und Taten.“
„Wenn ein Mensch zu viel schwarzes Karma schafft, wird die weibliche mitgeborene Gottheit zornig und warnt ihn. Nur sehr wenige Menschen können davon schwache Botschaften wahrnehmen. Die meisten bemerken nichts. Jeden Monat übermitteln die beiden mitgeborenen Gottheiten der Unterwelt ihre Aufzeichnungen über das Gute und Böse des Menschen.“
„Wenn ein äußerst böser Mensch die Menschenwelt schädigt, trifft die Unterwelt dringende Maßnahmen, selbst wenn seine Lebenszeit noch nicht abgelaufen ist. Sie lässt ein Unglück über ihn kommen, damit seine Seele rasch zur Bestrafung in die Hölle gelangt. Neben dem bereits festgelegten Karma eines Menschen können seine Worte und Taten in diesem Leben auch neues Karma schaffen. Segnungen und Karma nehmen durch unsere guten und schlechten Handlungen Tag für Tag zu oder ab.“