Amitābha! Ayu grüßt den Richter der Unterwelt mit aneinandergelegten Handflächen.
Heute führte mich der Richter der Unterwelt zur Besichtigung der Hölle der Peitschen und Stöcke, einer der Höllen für sexuelles Fehlverhalten. Was ist die Hölle der Peitschen und Stöcke? Ein kleiner Teil des Geistbewusstseins jener Wesen, deren Lebenszeit in der Menschenwelt noch nicht abgelaufen ist, die also noch unter den Menschen leben und sexuelles Fehlverhalten begehen, wird von den Geisterschergen der Unterwelt ergriffen und zur Bestrafung in die Hölle gebracht. Der Mensch hat drei Hun-Seelen und sieben Po-Seelen. Die Geisterschergen ergreifen die drei Hun-Seelen der schuldigen Wesen und bringen sie zur Vollstreckung der Strafe in die Hölle. In der Menschenwelt empfinden diese Wesen Schwindel und Kopfschmerzen; sie fühlen sich sehr benommen und verwirrt. Manche spüren, wie sie in ihrer Benommenheit geschlagen werden, doch die meisten glauben, sie hätten einen Albtraum. In schweren Fällen bekommen sie Fieber und müssen im Bett liegen und schlafen. Wenn sie nach der Bestrafung in die Welt der Lebenden zurückkehren, haben manche am ganzen Körper heftige Schmerzen, die ihnen bis in die Knochen zu gehen scheinen.2139
Diese Hölle der Peitschen und Stöcke ist wirklich riesig! Man kann geradezu sagen, dass sie sich bis zum Horizont erstreckt. Es ist wie beim Blick auf das Meer in der Menschenwelt: Nirgendwo ist ein Ende zu sehen. Von allen Höllen, die ich bisher besichtigt habe, ist sie die größte. In dieser Hölle der Peitschen und Stöcke befinden sich Menschen aus vielen verschiedenen Ländern, etwa aus China, Großbritannien, den USA, Frankreich, Japan und Thailand, aber auch aus Indien, Afrika, Pakistan und so weiter. Es sind Menschen so vieler Nationalitäten! Besonders traurig ist, dass auch unzählige Jugendliche und kleine Kinder in dieser Hölle bestraft werden.41
Ich fragte den Richter der Unterwelt, warum hier so viele Menschen seien. Diese Hölle war wirklich erschreckend groß!
Der Richter der Unterwelt sagte: „Gerade weil die Technik so weit fortgeschritten ist und die Menschen Computer erfunden haben, vergiftet und verunreinigt eine erschreckend große Zahl pornografischer Websites die Jugendlichen und kleinen Kinder. Sie begehen alle sexuelles Fehlverhalten und schaffen damit die Ursachen für die Hölle. Die Zahl dieser Wesen, die unheilsames Karma schaffen, steigt unaufhörlich rasant an. Deshalb hat der Buddha gerade Sie zur Besichtigung der Höllen entsandt, damit Sie nach Ihrer Rückkehr die Wesen ermahnen, die fünf Grundtugenden und die acht Tugenden gewissenhaft zu wahren. Besonders die jungen Menschen dürfen keinesfalls meinen, all dies sei veraltet und überholt. Sie müssen unbedingt rein leben und sich selbst achten, vom falschen auf den rechten Weg zurückkehren und das Böse zugunsten des Guten aufgeben. Sonst werden sie später den grausamen Strafen der Hölle kaum entkommen können. Dann wird es für Reue zu spät sein!“40
Da sah ich, wie sämtliche Wesen in der Hölle der Peitschen und Stöcke von den Geisterschergen heftig mit Peitschen und Stöcken geschlagen wurden. Die Geisterschergen hier schlagen die schuldigen Seelen ohne Unterlass. Diese schreien vor Schmerz, und ihre Schreie steigen in immer neuen Wellen auf. Die Schläge sollen die schuldigen Seelen dazu bringen, über ihre eigenen Verfehlungen nachzudenken. Ein kleiner Teil von ihnen bereut nach der Rückkehr der Seele in die Welt der Lebenden, sobald sie wieder bei klarem Bewusstsein sind, gründlich die früheren Fehler und bessert sich. Die meisten jedoch begehen nach der Rückkehr ihrer Seele in die Welt der Lebenden dieselben Verfehlungen erneut.
Ich, Ayu, möchte den Richter der Unterwelt fragen: Wie kann man die Wesen in der Welt der Lebenden dazu bringen, zu glauben, dass das Buch „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ die heutigen Zustände in der Hölle vollkommen wahrheitsgetreu schildert? Manche halten vielleicht alles, was ich erzähle, für meine eigene Einbildung oder für frei erfunden. Sie lesen es wie einen Roman und können es nur schwer glauben.
Der Richter der Unterwelt sagte: „Im Verborgenen unterliegt alles Ursache und Wirkung. Etwas ist nicht schon deshalb unwahr, weil man es nicht sehen kann. Keiner von uns kann sehen, wie die eigene Mutter ihn zur Welt bringt, und doch ist dies eine unumstößliche Tatsache. Dass man etwas nicht sehen kann, bedeutet nicht, dass es nicht existiert. Drei Chi über unseren Köpfen sind göttliche Wesen. In dieser großen Welt gibt es sehr viele Dinge, die wir nicht sehen können und die dennoch eng mit unserem Leben verbunden sind und es unmittelbar berühren. Wir nehmen die Existenz der Buddhas, Bodhisattvas, Geister und Gottheiten lediglich nicht wahr. Jeder Mensch hat andere Gelegenheiten und andere Segnungen; deshalb unterscheiden sich auch seine Empfindungen und Erfahrungen. Ursache und Wirkung von Gut und Böse folgen einem wie der Schatten dem Körper. Wenn die Vergeltung ausbleibt, dann nur, weil ihre Zeit noch nicht gekommen ist. Das Netz des Himmels ist weit gespannt; seine Maschen sind groß, doch nichts schlüpft hindurch. Auch dass Sie, Ayu, diesmal die tatsächlichen Zustände in den verschiedenen großen Höllen besichtigen, wurde vom Buddha bestimmt und angeordnet. Sie sind eine buddhistische Schülerin, die die Gebote hält und die Voraussetzungen mitbringt, diese Aufgabe zu übernehmen. Vollbringen Sie diese gute Tat zum Nutzen aller gewissenhaft und mit ganzem Ernst.“42
Vielen Dank für Ihre Ermutigung, Richter der Unterwelt. Ich, Ayu, werde gewiss alles in meiner Macht Stehende tun, um diese heilige Aufgabe zu erfüllen.
In diesem Moment sah ich einige Beamte der Unterwelt auf die Hölle der Peitschen und Stöcke zukommen. Ah! Yanwang, der Herrscher der Unterwelt, war gekommen. Ich, Ayu, legte die Hände zusammen und grüßte ihn ehrerbietig! Es stellte sich heraus, dass die Unterwelt diese Hölle der Peitschen und Stöcke noch weiter ausbauen musste und der Herrscher Yanwang zu einer Besichtigung vor Ort gekommen war. Yanwang verfolgte aufmerksam das große gesellschaftliche Problem des sexuellen Fehlverhaltens Jugendlicher in der Menschenwelt. Nun stellte sich heraus, dass dies nicht allein ein Problem der Menschenwelt war: Auch die Unterwelt war unmittelbar davon betroffen und musste weiter ausgebaut werden. Erstaunt sagte ich: „Diese Höllenebene ist doch jetzt schon so groß, dass sie keinerlei Grenzen erkennen lässt. Muss sie trotzdem noch weiter ausgebaut werden?“