In den Schriften erklärt der Buddha allen mit unermüdlicher Geduld, dass sexuelle Ausschweifungen den verkehrten Vorstellungen im eigenen Geist entspringen. Die geistige Regung entsteht durch Gedanken; jeder trägt diesen Samen des Kreislaufs von Geburt und Tod in sich. Der Buddha lehrt uns, die Triebkraft der sexuellen Begierde sowohl im Körper als auch im Geist vollständig zu durchtrennen. In einer buddhistischen Schrift heißt es: „Ich schaffe unheilsames Karma und bin wie ein verkohlter Holzpfahl; in diesem Leben fehlt mir die Würde, und in einem anderen Leben wird es ebenso sein. Im Haus fehlt mir die Würde, und außerhalb ist es ebenso; aus bösen Ursachen schaffe ich böses Karma und gelange dadurch auf die schlechten Daseinswege. In einem späteren Leben erleide ich Schmerzen und weiß nicht, wo ich verweilen werde; alle Himmelswesen hören mein Schluchzen und Weinen; niemand ist da, der mich rettet und beschützt, unweigerlich werde ich in die Hölle gelangen.“55
Ich hoffe, dass alle, die durch ihre karmischen Verbindungen diesen Text zu Gesicht bekommen, rechten Glauben und rechte Achtsamkeit entwickeln, den rechten Dharma praktizieren und sich vom Leid befreien und Glück erlangen können.
Dankbar für den Beistand durch Buddhas Kraft! Auf der weißen Lotusblüte breche ich auf!
Ich, Ayu, lege die Handflächen zusammen und erweise dem Richter der Unterwelt meine Ehrerbietung!
Der Richter der Unterwelt sagt mit ernster Miene: „Heute sind zwei schuldige Seelen in die Gerichtshalle gekommen, ein Mann und eine Frau, über die verhandelt werden soll. Der Mann war Zuhälter, die Frau Bordellwirtin.“
Ich sage: „Gut! Danke, Richter der Unterwelt, dass Sie es mir, Ayu, ermöglichen, bei der Verhandlung zuzuhören.“
Ah! Wir sind da. Sofort höre ich einen heftigen Schlag auf den Richtertisch.
Ah! Ich sehe König Taishan aus der siebten Halle der Unterwelt. Er wirkt äußerst zornig und wütend. Er hält es kaum noch auf seinem Sitz aus, steht auf, beugt sich nach unten vor und herrscht die schuldigen Seelen laut an: „Ihr unverschämten schuldigen Seelen! Nun sind eure Seelen in die Unterwelt zurückgekehrt, und noch immer verdreht ihr mit fadenscheinigen Argumenten das Recht! Was soll das heißen: beide Seiten seien einverstanden, Essen und Sexualität gehörten zur menschlichen Natur, und ihr hättet die Sorgen des Lebens gelindert? Das ist nichts als Unsinn! Ihr beide habt als Ehepaar in der Menschenwelt in bescheidenem Wohlstand gelebt und ein gesichertes Leben geführt. Doch statt einer ehrbaren Arbeit nachzugehen, habt ihr des Geldes wegen unwissende Mädchen und Frauen angeworben und getäuscht, damit sie sich prostituierten. Das ist euer erstes Vergehen. Außerdem habt ihr sie mit ausgeklügelten Täuschungen in eure Fallen gelockt und sie anschließend um das Geld gebracht, das sie mit ihrem eigenen Fleisch und Blut verdient hatten. Das ist euer zweites Vergehen. Ihr habt die Mädchen und Frauen absichtlich dazu gebracht, Drogen zu nehmen, um Geld zu spielen, zu trinken und zu rauchen, sodass sie hohe Schulden anhäuften. Damit habt ihr sie unter Kontrolle gehalten und verhindert, dass sie die Prostitution aufgeben konnten. Das ist euer drittes Vergehen. Wenn sie unglücklicherweise schwanger wurden, habt ihr gezielt Abtreibungen für sie organisiert und unschuldiges Leben geschädigt. Das ist euer viertes Vergehen. Solche Handlungen verletzen die Ordnung des Himmels und die menschliche Moral. Sie sind zutiefst schändlich!“
Neben König Taishan befinden sich zwei hohe Beamte der Unterwelt. Einer ist der Leiter des Amtes zur Belohnung des Guten. Ich sehe, dass er ein purpurschwarzes langes Gewand trägt. Sein Gesicht ist friedlich, mit einem leichten Lächeln. In der Hölle ist ein solcher Gesichtsausdruck schon eine große Seltenheit. Alle Beamten der Unterwelt, die ich, Ayu, bisher gesehen habe, sehen sehr streng, furchteinflößend und äußerst grimmig aus. Der andere ist der Leiter des Amtes zur Bestrafung des Bösen. Er trägt ein dunkelgrünes langes Gewand und hat einen äußerst grimmigen, zornigen Gesichtsausdruck. Seine Augen verströmen ein fahles weißes, geisterhaftes Licht. Schon ein einziger Blick von ihm lässt einen am ganzen Körper Unbehagen verspüren. Die Kopfbedeckungen der beiden Amtsleiter haben dieselbe Form und stimmen jeweils farblich mit ihren Gewändern überein.
Da höre ich König Taishan sagen: „Legt das Register zur Bestrafung des Bösen vor und lest es unverzüglich vor!“ Nun sehe ich das Aufzeichnungsbuch, das der Leiter des Amtes zur Bestrafung des Bösen hervorholt. Oh! Es ist wirklich ein sehr langes Register. Auch dieser Amtsleiter wirkt äußerst streng. Er beginnt, sämtliche Vergehen dieser beiden schuldigen Seelen vorzulesen. Das Maß ihrer bösen Taten ist wahrhaft übervoll. Ich möchte euch einen Teil davon erläutern, damit ihr es versteht.