Früher gab es in der Unterwelt eine kleine Hungerhölle. Diejenigen, die zur Bestrafung in sie hinabstürzten, waren allesamt Menschen gewesen, die in der Welt der Lebenden verhältnismäßig gute Segnungen besessen hatten: wohlhabende Menschen aus reichen Häusern, Ehefrauen reicher Männer oder Geschäftsleute. Weil sie gute Segnungen hatten, verschwendeten und vergeudeten sie nach Belieben Getreide und andere Lebensmittel. Nach dem Ende ihres Lebens stürzten sie in die Hungerhölle hinab. Auch wer Geld hatte, aber Bettlern und Armen nichts geben wollte, würde nach dem Ende seines Lebens ebenfalls zur Bestrafung in die Hungerhölle hinabstürzen. Dort ließ man die schuldigen Seelen die Qualen des Hungers auskosten, damit sie die Kostbarkeit von Getreide und Nahrung erfuhren und zugleich ihre Gier und ihren Geiz ablegten. Früher waren die Strafen in der Hungerhölle stets sehr kurz: Sie begannen bei drei Jahren und dauerten höchstens fünfzig Jahre. Doch nur wenige Menschen stürzten dorthin hinab, und die meisten von ihnen waren ältere, wohlhabende Menschen.
Gegenwärtig gibt es im Süden der Unterwelt einen Bereich der Lingxing-Höllen. In diesem Bereich befindet sich eine große Hölle namens ‚Reiche Ernte der fünf Getreidearten‘. In der Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten sind überwiegend junge Menschen. Dort findet sich jede Art verschwendeter Nahrung; sie hat sich in solchen Mengen angesammelt, dass sie endlosen Gebirgsketten gleicht. Früher wurden Menschen, die Lebensmittel verschwendeten, nach dem Ende ihres Lebens gemäß den Gesetzen der Unterwelt zur Bestrafung durch Hunger verurteilt. Wesen, die heute Lebensmittel verschwenden, werden nach dem Ende ihres Lebens hingegen die Vergeltung in der Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten erleiden. Jede Nahrung, die sie in der Welt der Lebenden verschwenden, wird von den mitgeborenen Gottheiten vollständig aufgezeichnet. Wenn sie nach dem Ende ihres Lebens in die Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten kommen, müssen sie dort alles, was sie zu Lebzeiten an Nahrung verschwendet haben, Stück für Stück vollständig aufessen. In der Welt der Lebenden kaufen viele junge Menschen gern immer wieder große Mengen an Lebensmitteln und werfen weg, was sie nicht aufessen können. Durch die Strafe nach den Gesetzen der Unterwelt sollen die schuldigen Seelen erfahren, dass sie nichts kaufen und verschwenden dürfen, was sie nicht aufessen können. Sobald sie es gekauft haben, gehört es zu ihren Segnungen und muss aufgegessen werden. Ayu, folgen Sie mir. Ich führe Sie jetzt zur Besichtigung dorthin.“
Schon rieche ich etwas Saures, den Gestank von Lebensmitteln und von Erbrochenem. Dazu höre ich Erbrechen und Husten. Jetzt sehe ich die großen Schriftzeichen für ‚Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten‘. Auch diese Hölle ist riesig! Darin herrscht wirklich eine reiche Ernte der fünf Getreidearten: Es gibt so viele Lebensmittel, dass man ihr Ende nicht sehen kann. Sie bilden Berge und Täler – ein erschreckender Anblick! Unzählige Mahlzeiten, Kekse und vieles mehr liegen dort, in großen und kleinen Packungen. Es gibt viel, viel zu viele Lebensmittel aller möglichen Arten, um sie einzeln aufzuzählen. Auch Wasser, Getränke und Ähnliches sind vorhanden, jeweils in ganzen Behältern.
Der Richter sagt, dass jede schuldige Seele ihren eigenen Bereich mit Lebensmitteln hat. In jedem dieser persönlichen Bereiche befinden sich genau die Lebensmittel, welche die betreffende Seele zu Lebzeiten verschwendet hat; dabei gibt es nicht die geringste Verwechslung. Ich sehe viele junge Menschen in der Hölle der reichen Ernte der fünf Getreidearten. Der Richter sagt, dass sie neben den Vergehen, für die sie zu dieser Hölle verurteilt wurden, auch sexuelles Fehlverhalten und andere Vergehen begangen haben.
Jetzt gehe ich dort hinüber, um eine junge weibliche Seele zu befragen! Schon der Anblick der Lebensmittel in ihrem weitläufigen Bereich ist äußerst erschreckend. Wer weiß, in welchem Jahr und Monat sie das alles aufgegessen haben wird. Die weibliche Seele hat noch ein recht feines, hübsches Gesicht. Gerade erbricht sie sich unter großen Qualen!
„Amitābha! Wie fühlen Sie sich? Können Sie mir sagen, weshalb Sie hierhergekommen sind?“
Die weibliche Seele sagte: „Es ist unendlich, unendlich qualvoll! Jede einzelne Sekunde empfinde ich als unerträglich schmerzhaft! Ich kann vor lauter Erbrechen kaum noch! Wer sind Sie? Bitte, können Sie mich retten und hier herausholen?“
„Können Sie mir sagen, weshalb Sie hierhergekommen sind?“
„Ich erzähle es! Ich erzähle es! Zu Lebzeiten kaufte ich gern viele Lebensmittel, besonders alle möglichen köstlichen Speisen. Doch ich selbst aß nicht besonders viel, weil ich Angst hatte, dick zu werden und meine Figur und mein Aussehen zu beeinträchtigen. Trotzdem kaufte ich jeden Tag die Lebensmittel, die ich mochte, und brachte sie nach Hause. Ich hatte die Gewohnheit, niemals ältere Lebensmittel zu essen, sondern ausschließlich frische. Sobald ich ein neues Produkt sah, musste ich es kaufen. Was ich nicht aufessen konnte, warf ich weg. So sammelte sich Tag für Tag immer mehr an. Jetzt bin ich deshalb in der Hölle und muss zur Strafe alles aufessen. Es ist wirklich schrecklich! Dazu kommt noch das viele Wasser, das ich beim Zähneputzen und Waschen meines Gesichts verschwendet habe, weil ich den Wasserhahn die ganze Zeit laufen ließ!“ Die weibliche Seele brach in lautes Weinen aus! Tatsächlich vergeht einem jeder Appetit beim Anblick dieser sauren, stinkenden, verschimmelten Lebensmittel, die voller großer Würmer sind.
Nun schaue ich mir die etwas ältere weibliche Seele daneben an. Ihr Bereich mit Lebensmitteln ist noch um ein Vielfaches größer als der der eben befragten Seele und wirkt noch erschreckender! Ihr Bereich ist nicht nur groß; die Unmengen an Lebensmitteln stinken zudem extrem sauer und sind widerlich. Alles ist verdorben, stark verschimmelt, verfärbt und voller Würmer und Keime. Wie soll man so etwas nur essen! Schon beim Anblick schaudert es mich bis ins Herz!