„Richter der Unterwelt! Heute möchte ich fragen, welche karmische Vergeltung die Verschwendung von Lebensmitteln nach sich zieht.“
Der Richter der Unterwelt sagte: „Wer Lebensmittel verschwendet, wird in eine Hölle hinabstürzen und dort karmische Vergeltung erleiden. Jeder Mensch sollte jeden Bissen Nahrung mit Dankbarkeit und einem Bewusstsein der eigenen Unzulänglichkeit zu sich nehmen: dankbar dafür, dass Himmel und Erde die Nahrung hervorbringen, dankbar für die harte Arbeit der Bauern, dankbar für die Fürsorge der Eltern und dankbar für die Segnungen in Gestalt von Nahrung, die man selbst in früheren Leben angesammelt hat. Um zu leben, brauchen Menschen Nahrung, Luft, Wasser und Sonnenlicht. Dies sind äußere Ursachen und Bedingungen. Ohne diese entsprechenden äußeren Ursachen und Bedingungen gäbe es in der Menschenwelt keine guten Lebensmittel. Deshalb müssen wir zuerst Himmel und Erde danken. Woher sollten die fünf Getreidearten und andere Lebensmittel kommen, wenn die Natur nicht Sonnenlicht und Luft bereitstellte und die Erde sie nicht hervorbrächte? Selbst wenn die natürlichen Voraussetzungen erfüllt sind, müssen die fünf Getreidearten noch durch die harte Arbeit der Bauern die entsprechenden Schritte durchlaufen: Bodenbearbeitung, Aussaat, Bewässerung, Ernte, Verpackung und so weiter. Im Frühling wird gesät, im Herbst geerntet; das dauert die drei Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst. Treffend heißt es:
Beim Jäten des Getreides steht die Sonne im Zenit,
Schweiß tropft auf die Erde unter den Halmen.
Wer weiß schon bei der Mahlzeit auf dem Teller,
dass jedes einzelne Korn harter Mühe entstammt!
Wie mühsam lassen die Bauern unter sengender Sonne und strömendem Regen die Nahrung langsam und mit großer Sorgfalt heranwachsen! Wir müssen ihnen für ihre harte Arbeit danken!
Jeder Mensch kommt aus dem Samen des Vaters und dem Blut der Mutter hervor und wird in der Menschenwelt als Mensch geboren. Als kleine Kinder mussten wir alle nur die Arme ausstrecken, um angezogen zu werden, und den Mund öffnen, um zu essen. Deshalb müssen wir unseren Eltern für ihre fürsorgliche Erziehung dankbar sein. Außerdem müssen wir die Segnungen schätzen, die wir in früheren Leben durch Geben, das Einhalten der Gebote und gute Taten allmählich angesammelt haben. Menschen mit unzureichenden Segnungen, etwa in Afrika, Äthiopien, im Kongo, in abgelegenen, dünn besiedelten und rückständigen Gebieten Chinas und in anderen armen Ländern und Regionen, leiden unter schwerem Nahrungsmangel. Viele Erwachsene und Kinder verhungern oder sind vor Hunger ausgezehrt und haben eine fahle Gesichtsfarbe. Sie leiden zudem unter schwerem Nährstoffmangel und müssen auf die Hilfe anderer warten. Manchmal verhungern sie bereits, bevor diese Hilfe sie erreicht! 125
Wenn ein Mensch in der Menschenwelt geboren wird, steht bereits fest, wie viel Nahrung und Kleidung er im Laufe seines Lebens verbrauchen wird, ob er groß oder klein, dick oder dünn sein wird, welchen hohen oder niedrigen gesellschaftlichen Rang er haben wird, welche Katastrophen ihn treffen werden, welchen Besitz er haben wird und wann seine Lebenszeit endet, und so weiter. Deshalb bedeutet jeder Bissen Nahrung, den wir zu uns nehmen, zugleich, dass wir einen Teil der für dieses Leben vorherbestimmten Segnungen genossen haben. Für unser verbleibendes Leben steht uns damit eine Gelegenheit weniger zur Verfügung, diese Segnungen zu genießen. Gewöhnliche Menschen in der Welt der Lebenden können dieses festgelegte Karma nicht durchbrechen. Nur zwei Arten von Menschen können es beeinflussen: Menschen von großer Güte und Menschen von großer Bosheit.
Bei den Menschen von großer Güte gibt es zwei Gruppen. Zur ersten gehören die heiligen Wesen, Buddhas und Bodhisattvas, die aus Mitgefühl ihren Gelübden folgend wiederkommen, um die fühlenden Wesen in der Menschenwelt zur Befreiung zu führen. Buddhas und Bodhisattvas können frei kommen und gehen; sie sind nicht an festgelegtes Karma gebunden. Manchmal zeigen heilige Wesen absichtlich allerlei Leiden, um noch mehr fühlende Wesen in der Menschenwelt, mit denen sie karmisch verbunden sind, zur Befreiung zu führen. Durch ihr eigenes Beispiel legen sie die Lehre dar und führen die Menschen. Tatsächlich können solche Leiden den Geist eines heiligen Wesens überhaupt nicht binden. Nur gewöhnliche Menschen lassen sich von den fünf Sinnesbegierden und den leidbringenden Umständen der Menschenwelt verwirren. Zur anderen Gruppe von Menschen großer Güte gehören gewöhnliche Menschen, die jedoch ein Herz voller großer Güte und großen Mitgefühls besitzen und fortwährend große Segnungen und verborgene Verdienste ansammeln. Auch solche guten Menschen können die Fesseln des Schicksals sprengen und unmittelbar aufsteigen. Die andere Art sind Menschen von großer Bosheit. Wegen der Schwere ihres bösen Karmas sinken auch sie unmittelbar bis in die Hölle hinab. Deshalb sollten wir jede Art von Nahrung mit einem Bewusstsein der eigenen Unzulänglichkeit zu uns nehmen. Nahrung dient lediglich dazu, unseren physischen Körper zu nähren. Dieser Körper ist ein Werkzeug, das uns bei der Übung des Weges hilft. Wir sollten dem Essen keine übermäßige Bedeutung beimessen und nicht zu Sklaven köstlicher Speisen herabsinken, die sich vom Essen beherrschen lassen. Ebenso wenig dürfen wir Lebensmittel verschwenden und damit die fünf Getreidearten vergeuden.