Gerade unterweist Kṣitigarbha die Versammelten in den fünf Geboten. Ich sehe sehr viele Dharma-Meister in der Halle Mingguang Chuzhuan! Kaum ist dieser Gedanke in mir aufgekommen, erklärt mir der Richter der Unterwelt den Grund.
Der Richter der Unterwelt sagt: „Viele dieser Dharma-Meister haben gegen die Gebote verstoßen, sexuelles Fehlverhalten und Diebstahl zu unterlassen. Alle, die hierherkommen, um den Dharma zu hören, haben bereits Strafen in der Hölle erlitten; manche verbüßen ihre Strafen noch. Sie sind nur deshalb hierhergekommen, um den Dharma zu hören, weil in ihnen ein Gedanke der Reue aufgekommen ist. Wenn in einem Geist Reue entsteht, verändert sich das Licht seines Herzens ein wenig. Die Geisterschergen der Unterwelt setzen dann die Bestrafung des schuldbeladenen Geistes aus und bringen ihn in die Halle Mingguang Chuzhuan, um den Dharma zu hören. Alle Geister, die hierherkommen, um den Dharma zu hören, haben eines gemeinsam: Sie wissen, dass sie hier keine Strafe erleiden müssen. Deshalb schätzen sie diese Gelegenheit außerordentlich, und fast alle werden von Kṣitigarbhas Mitgefühl aufgenommen.“
Ich sehe, dass das Licht der Körper der Geister hier größtenteils dunkelgrau ist. Manche leuchten dunkelblaugrün, andere dunkelrot, einige sind schwarz. Sie wirken alle leicht und schwebend. Da sehe ich einen Geist, der bitterlich weint und tiefe Scham und Reue empfindet. Das Licht seines Körpers beginnt sich nun von Dunkelgrau zu einem blassen Grau zu wandeln. Der Geist wirkt deutlich leichter.
Der Richter der Unterwelt erklärt: „Dieser schuldbeladene Geist war in seinem vorherigen Leben ein Geist, der Lebensessenz und Qi stahl. Bevor er zu einem solchen Geist wurde, war er ein spirituell Praktizierender. Er war freigebig, hielt aber die Gebote nicht ein. Weil er die Gebote nicht einhielt, fiel er in den Geisterbereich und wurde zu einem Geist, der Lebensessenz und Qi stahl. Nachdem er in den Geisterbereich gefallen war, stahl er fortwährend Lebensessenz und Qi von Menschen in der Welt der Lebenden und von Praktizierenden, die die Gebote nicht einhielten, um sich davon zu ernähren. So fiel er sehr bald in die Hölle.“
Nun sehe ich, wie der schuldbeladene Geist bitterlich weint, vor Kṣitigarbha niederkniet und darum bittet, seine Reue bekunden zu dürfen. Er legt das Gelübde ab: „Mitfühlender Kṣitigarbha! Ich, dein Schüler, habe gefehlt! Ich will Leben um Leben den rechten Dharma praktizieren und schützen. Ich will Kṣitigarbhas Dharma für immer bewahren und unterstützen.“ Kṣitigarbha nimmt die Reue dieses Geistes freudig an. Daraufhin führen ihn die Geisterschergen hinaus. Der Richter der Unterwelt sagt, dass er bald in der Menschenwelt wiedergeboren werde.
Diese Halle Mingguang Chuzhuan ist der einzige Ort in der Hölle, der nicht düster und unheimlich wirkt. Sie ist ein wenig wie ein wärmender Ofen in der Hölle. Wenn ich mich sonst zu lange in der Hölle aufhalte, ist meine Körpertemperatur immer sehr niedrig. Heute fühle ich mich jedoch recht wohl. Ich bin Kṣitigarbha für die Kraft seines mitfühlenden Segens so dankbar!88
Mithilfe von Kṣitigarbhas gewaltiger spiritueller Kraft betrachte ich die Geister hier weiter und stelle fest, dass das Licht im Herzen vieler Geister bereits heller wird. Sie schweben alle nach oben.
Der Richter der Unterwelt sagt: „Alle Geister, deren Herzenslicht heller geworden ist, können in der Menschenwelt wiedergeboren werden. So erhalten sie erneut die Gelegenheit, ihre Herzensnatur zu läutern.“
Ich freue mich so sehr! Ich, Ayu, wünsche ihnen allen, froh und glücklich zu sein, vom Leiden frei zu werden, Glück zu erlangen und den rechten Dharma eifrig zu praktizieren.
Ich schaue noch einmal zum Eingang. Wieder sind viele neue Geister gekommen. Offenbar kann Kṣitigarbha keine Ruhe finden, denn es gibt noch so viele Wesen. Außerdem sind die Höllen grenzenlos weit. Ich weiß wirklich nicht, wann alle Wesen daraus befreit sein werden.