Ich, Ayu, möchte den Richter der Unterwelt fragen: „Wie wird das nächste Leben des Geistes aussehen, den die Geisterschergen gerade fortgeführt haben?“
Der Richter der Unterwelt sagt: „Ich führe dich hin, damit du es dir ansehen kannst!“
Sofort gelangen wir in die große Gerichtshalle der Unterwelt. Dort sehen wir den Geist, der bitterlich geweint hat. Er kniet auf dem Boden und dankt Yanwang für dessen Urteil. Ich höre ihn sagen: „Ich danke Yanwang für sein Urteil! Ich danke Kṣitigarbha für sein Mitgefühl! Von nun an werde ich ganz gewiss mein Herz reinigen, mich von Grund auf ändern und wahrhaftig den rechten Dharma praktizieren.“ Danach wird der Geist fortgeführt, um Meng-Po-Suppe zu trinken und wiedergeboren zu werden.
Ich frage den Richter der Unterwelt: „Was wird künftig aus diesem Geist werden?“ Daraufhin schlägt der Richter das Buch von Leben und Tod auf, sieht hinein und sagt: „Der Geist wurde dazu verurteilt, in einer Familie ohne rechte Erkenntnis und rechte Sichtweise wiedergeboren zu werden. Er wird in Wohlstand leben, doch sein Leben lang bei schlechter Gesundheit sein. Schwere Krankheiten wird er nicht haben, dafür unablässig kleinere Leiden. Es ist ihm vorherbestimmt, immer wieder von anderen betrogen zu werden. Mit dreißig Jahren wird er zu praktizieren beginnen und einer auf Erden lebenden Manifestation Kṣitigarbhas begegnen, die ihn auf den Weg der Befreiung führen wird. In diesem Leben wird er bei seiner Praxis vielen dämonischen Hindernissen begegnen und keinen Sohn haben, der ihm am Lebensende das letzte Geleit gibt. Dies sind die verbleibenden karmischen Folgen seines Daseins als Geist, der Lebensessenz und Qi stahl. Sein Wohlstand hingegen ist die karmische Frucht der Gaben, die er als Praktizierender gespendet hat. Seine schlechte Gesundheit und die vielen dämonischen Hindernisse bei seiner Praxis sind die karmischen Früchte davon, dass er anderen Essenz, Lebenskraft und geistige Energie ausgesaugt hat. Dieses Leben wird für ihn eine große Bewährungsprobe sein – eine Prüfung seines Herzens. Trotz seines Wohlstands wird in ihm häufig der Wunsch zu stehlen aufkommen; das bewirkt seine karmische Kraft. Wenn er sich an seine Pflichten hält, die Gebote gewissenhaft einhält, bei schlechter Gesundheit nicht klagt, sich nicht rächt, wenn er betrogen wird, auch dämonischen Hindernissen mit Gelassenheit begegnet und bereut, sobald in ihm der Gedanke ans Stehlen aufkommt, kann sich sein Geist nach diesem Leben weiterentwickeln. Verhält er sich dagegen entgegengesetzt, könnten wir uns in der Hölle wiedersehen.“88
Ich sage: „Das kann doch nicht sein! Wieder in die Hölle?“
Der Richter der Unterwelt sagt: „Daran sind wir längst gewöhnt. Wesen, die Kṣitigarbha gerade erst aus der Hölle befreit hat und die erfolgreich in der Menschenwelt wiedergeboren wurden, kehren schon nach kurzer Zeit zurück. Deshalb befreit Kṣitigarbha hier unablässig die Wesen. Weil der Geist von eben den großen Entschluss gefasst hat, den rechten Dharma zu schützen und zu unterstützen, hat Kṣitigarbha sogar eigens eine Manifestation in die Menschenwelt entsandt, um ihn auf den Weg der Befreiung zu führen. Deshalb dürfen wir auch einen einzigen Gedanken großen Bodhicittas in uns nicht unterschätzen. Schon dieser eine Gedanke bewegt die Buddhas und Bodhisattvas dazu, zu kommen und euch zu befreien. Nur wissen die Wesen nicht, dass die Buddhas und Bodhisattvas an ihrer Seite sind.“
„Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar, Richter der Unterwelt! Heute habe ich, Ayu, wieder vieles gelernt!“
Ich lege die Hände zusammen und danke dem Richter der Unterwelt! Auf der weißen Lotusblüte kehre ich zurück.
29. Die grenzenlose Macht des Juwels und des heiligen Mantras – Ich sehe mit eigenen Augen, wie die Drei Heiligen des Südens die Wesen von den großen Qualen der Hölle befreien
Seit ich, Ayu, beschlossen habe, „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ zu schreiben, begegnen mir ständig viele Hindernisse. Wenn wir den Entschluss fassen, eine Arbeit zu leisten, die die Herzen der Menschen läutert und sie zum Guten ermahnt, werden wir gewiss allerlei Prüfungen begegnen. Doch ein vollkommen aufrichtiges und reines Herz, das dem Guten folgt, fürchtet keinerlei Prüfungen oder Hindernisse. Ich glaube fest daran: Wenn ich mit standhaftem, vollkommen aufrichtigem und reinem Herzen die Gebote wahre, werden die Buddhas und Bodhisattvas mir gewiss ihren Segen schenken, sodass ich die Hindernisse durchbrechen kann. All diese Hindernisse sollen mich davon abbringen, „Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt“ weiterzuschreiben.