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《阴律无情》

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Hier in unseren Höllen gibt es noch mehr Manifestationen Kṣitigarbhas. Bei deinem letzten Besuch hast du die ‚Dharma-Versammlungshalle Mingguang Chuzhuan‘ gesehen. Kṣitigarbha lehrt in der Hölle jeden Tag dreimal den Dharma: morgens, mittags und abends. Nachdem die schuldigen Geister den Dharma gehört haben, beginnen ihre heilsamen Wurzeln zu keimen. Dadurch entsteht in ihren Herzen Reue. Sobald sie bereuen, geleitet Kṣitigarbha sie aus der Hölle. In manchen Fällen, wenn die karmischen Segnungen eines schuldigen Geistes ausreichen, lässt Kṣitigarbha eine Manifestation an seiner Seite erscheinen, um ihn auf den Weg der Befreiung zu führen. Dies ist eine der Methoden, mit denen Kṣitigarbha die Wesen in der Hölle befreit. Jeden Tag gelingt es ihm, unzählige schuldige Geister aus der Hölle zu retten. Würden die leidenden Wesen der Hölle nicht durch Kṣitigarbha befreit, wäre ihre Zahl wohl um ein Vielfaches größer – wer weiß, um wie viel.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass Kṣitigarbha je nach dem Maß der kindlichen Pietät der Nachkommen die Rettung ihrer verstorbenen Angehörigen veranlasst. Die Nachkommen rezitieren also in der Welt der Lebenden das Kṣitigarbha-Sutra, sprechen Kṣitigarbhas Namen, erweisen dem Buddha Verehrung, verneigen sich vor ihm, bringen ihm Gaben dar, lassen Lebewesen frei, drucken buddhistische Sutren und Bücher zur Förderung des Guten, um die Menschen zum Guten zu bewegen, helfen einsamen Menschen ohne Angehörige, Verwitweten und Armen und vollbringen allerlei weitere Taten, die Menschen zum Guten führen und durch gutes Handeln Verdienste ansammeln. Wenn die Nachkommen die Kraft dieser Verdienste ihren Vorfahren in der Hölle widmen, wird der Bodhisattva die Rettung solcher schuldigen Geister aus der Hölle veranlassen.

Kṣitigarbha prüft auch, ob bei den schuldigen Geistern selbst alle Ursachen und Bedingungen für ihre Rettung gegeben sind. Manche schuldigen Geister haben keine Angehörigen oder Nachkommen, die durch gute Taten zu ihrer Befreiung beitragen. Doch sie besitzen aus früheren Leben gewisse heilsame Wurzeln, Verdienste und entsprechende karmische Verbindungen. So gibt es beispielsweise viele Ordinierte, die zwar wegen Verstößen gegen die Gebote in die Hölle gefallen sind, aber auch Zeiten hatten, in denen sie die Gebote rein hielten und Gutes taten. Manche haben in einem früheren Leben auch nur einen Augenblick ehrfürchtig zu Kṣitigarbha aufgeblickt, vielleicht beiläufig einen Augenblick mit stillem Herzen zugehört oder seinen heiligen Namen ausgesprochen. Zu all diesen Wesen kommt der Bodhisattva ungebeten, um sie auf den Weg der Befreiung zu führen.“

Ich sagte: „Dann wollen wir heute die Avīci-Hölle besichtigen, vor der sich jeder schon fürchtet, wenn er nur von ihr hört! Ob Kṣitigarbha wohl heute auch in die Avīci-Hölle kommen wird?“

Der Richter der Unterwelt sagte: „Kṣitigarbha besucht jede Hölle. Ayu, du hast die Avīci-Hölle noch nicht besichtigt. Dann folge mir!“

Um zur Avīci-Hölle zu gelangen, mussten wir mehrere Gänge durchqueren. Schon unterwegs waren unablässig die verschiedensten Schmerzensschreie und Klagerufe zu hören. Die Hölle war voller tiefster Trauer, Angst und Qual. Nun verstand ich, weshalb der Bodhisattva mich vor dem Schreiben von Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt dazu angehalten hatte, ernsthaft und mit Eifer zu praktizieren: Wer etwas weniger meditative Festigkeit besitzt, wird von dem stark negativen Magnetfeld der Hölle überwältigt. Dies ist wahrhaftig kein Ort für Menschen. Mögen die leidenden Wesen der Hölle bald daraus befreit werden und emporsteigen! Wäre ich nicht von der Kraft des Buddha umgeben und durch ihren Segen davor bewahrt worden, überwältigt zu werden, hätte ich auch mehr als die Hälfte meiner Lebenskraft aufgebraucht. Ich bin dankbar für den Beistand der Kraft des Buddha! Ich muss diese Arbeit unbedingt gut machen, um die Güte des Buddha zu vergelten!95

In diesem Augenblick begann mein Herz schneller zu schlagen! Ein entsetzliches Geräusch drang zu uns. Hier sah es menschenleer und sehr primitiv aus, ganz anders als in der vergleichsweise modernen Hölle des sexuellen Fehlverhaltens. Diese Hölle lag hinter mehrfachen, fest verschlossenen Toren. Ach! Die Temperatur war sehr hoch! Es fühlte sich unglaublich heiß an!

Der Richter der Unterwelt sagte: „Für die schuldigen Geister hier gibt es einen Weg hinein, aber keinen hinaus. Alle, die in diese Hölle kommen, sind schuldige Geister, deren Maß an Übeltaten voll ist. Das unterirdische Magma hier hat eine Temperatur von über tausend Grad. Man kann dies wohl als eine der äußersten Strafen unserer Höllen bezeichnen!“96

Was! Tausend Grad? Wie schrecklich! Um Die unerbittlichen Gesetze der Unterwelt schreiben zu können, musste ich meinen ganzen Mut zusammennehmen und hinsehen! Dank des Beistands der Kraft des Buddha konnte ich durch ein kleines Eisenfenster in die Avīci-Hölle schauen. Diese Hölle war nicht besonders groß. Ihre äußere Form erinnerte ein wenig an eine menschliche Nase, und innen befand sich eine schwarze Öffnung. Diese schwarze Öffnung führte zum unterirdischen Magma. Das Magma rauchte und sah unvorstellbar heiß aus. Die schuldigen Geister wurden darin durch und durch gekocht und dann wieder hochgeschleudert. Mit Hochgeschleudertwerden ist nicht gemeint, dass sie an einen anderen Ort geschleudert wurden. Sie wurden vielmehr in die glühend heißen Rauchschwaden über dem Magma geschleudert, um darin versengt zu werden. Noch bevor sich ihre Geistkörper erholt hatten, während sie vor äußerster Qual noch jammerten und schrien, wurden sie erneut von dem glühend heißen Magma eingesogen, um weiter bestraft zu werden. Dabei stießen ihre Geistkörper wieder einen entsetzlichen Schrei aus. So wurden sie in der Avīci-Hölle ohne jede Unterbrechung immer wieder gequält. Es war unbeschreiblich grausam!96

Eben war es noch so dunkel und heiß gewesen. Woher kam plötzlich dieses Gefühl unvergleichlicher Kühle? Ich blickte auf und sah, dass der verehrte Kṣitigarbha in seinem Mitgefühl herabgekommen war. Ich warf mich ehrerbietig vor Kṣitigarbha nieder! Heute zeigte er sich nicht in einer sanftmütigen Gestalt, sondern als stehender, zornvoller Kṣitigarbha. Hinter ihm erschien ein großer, runder, goldgelber Lichtkranz. Seine Füße ruhten auf einer blaugrünen Lotusblüte, unter der heftige Flammen loderten. Doch diese Flammen verbreiteten keinerlei drückende Hitze; im Gegenteil, sie vermittelten das Gefühl, verblendete Gedanken zu vertreiben. Das Juwel in Kṣitigarbhas linker Hand war feuerrot, und an der Spitze des goldenen Ringstabes in seiner rechten Hand befand sich heute zusätzlich eine rote Lotusblüte. Kṣitigarbha strahlte heute eine machtvolle übernatürliche Kraft aus, die Dämonen bezwang. Bei seinem Anblick wagte man keinen einzigen verblendeten Gedanken zu hegen. Man empfand tiefen Respekt und ehrfürchtige Scheu. Zum ersten Mal sah ich Kṣitigarbha so streng. Der Dharma-Meister Daoming und der Dharma-Beschützer Min Gong unterschieden sich dagegen kaum von ihrem sonstigen Erscheinungsbild. Dharma-Meister Daoming zeigte sich in der würdevollen Gestalt eines Bhikṣu und kreuzte die Hände zur Mudra der Dämonenbezwingung. Der Dharma-Beschützer Min Gong stand mit zusammengelegten Händen neben dem Bodhisattva. Kṣitigarbhas Reittier Di Ting war heute jedoch größer und zeigte ebenfalls eine zornvolle Gestalt.

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