Die heilige Gottesmutter Maria lehrte: „Es ist gut, dass du dich von Grund auf bessern willst! Alle Verfehlungen entspringen dem Geist und werden allein vom Geist hervorgebracht. Du musst schon dort ansetzen, wo sich Gedanken und Regungen bilden, und stets rechte Achtsamkeit bewahren; dann wirst du ganz von selbst nicht von unrechten Gedanken verunreinigt. Dein Gelübde, die fühlenden Wesen dazu anzuhalten, die üble Gewohnheit sexuellen Fehlverhaltens aufzugeben, ist ein gutes Gelübde. Zu geloben, dass dir beide Hände abbrechen und der Mund verfault, wenn du es nicht schaffst, ist ein schlechtes Gelübde. Wer ein schlechtes Gelübde ablegt, verliert die rechte Achtsamkeit. Wir können Gelübde ablegen, doch es sollen gute und keine schlechten sein. Ob ein Gelübde gut oder schlecht ist, es bildet immer eine Ursache. Wo eine Ursache ist, gibt es auch eine Wirkung. Sobald ein Gelübde abgelegt wurde, wird der Tag kommen, an dem es sich erfüllt. Ein Gelübde ist eine unsichtbare Kraft. Diese unsichtbare Kraft treibt uns Leben um Leben voran. Gute Gelübde können wir immer wieder ablegen; sie lassen das Licht unseres geistigen Wesens zur Entfaltung kommen und wachsen. Schlechte Gelübde dürfen wir keinesfalls ablegen. Sie setzen einen üblen Kreislauf in Gang, in dem wir die Früchte unseres eigenen Tuns ernten; im schlimmeren Fall schaden wir anderen Menschen und Wesen, anderen und uns selbst. Schlechte Gelübde sind Ursachen des Niedergangs, gute Gelübde sind das Fundament auf dem Weg zu einem lichten Leben.“
Durch den Segen und die erlösende Führung des Bodhisattvas hatte sich das Licht im Herzen des Jungen von seinem anfänglichen Dunkelrot in ein blasses Weiß verwandelt. Sein Geistkörper stieg bereits in höhere Bereiche auf. Ich fragte den Richter der Unterwelt, warum der Junge so schnell aufsteigen konnte, obwohl er erst vor Kurzem in die Hölle gefallen war und seine Strafe noch nicht vollständig verbüßt hatte.
Der Richter der Unterwelt sagte: „Die Herzensnatur des Jungen ist an sich nicht besonders schlecht. Nur waren seine Eltern zu beschäftigt, um ihm rechtzeitig eine gute, förderliche Erziehung zu geben. So geriet er in einer Umgebung ohne rechtes Wissen und rechte Sicht auf Abwege und fiel in die Hölle. Nun ist ihm die rettende Hilfe Avalokiteśvaras begegnet, und durch die mächtige göttliche Kraft des Bodhisattvas kann er erlöst werden. Dazu kommt seine aufrichtige Reue. Nur weil beides zusammenkommt, kann er so schnell aufsteigen.“
Heute habe ich wieder sehr viel gelernt! Vielen Dank, verehrter Richter der Unterwelt, für die Mühe, mir all das zu erklären!
Ich, Ayu, legte vor dem Richter der Unterwelt die Handflächen zusammen und kehrte auf der weißen Lotusblüte zurück.
Nachwort
Die Gesetze der Unterwelt sind unerbittlich, doch der Buddha ist voller Mitgefühl
Ein Internetnutzer fragte, warum die Gesetze der Unterwelt „unerbittlich“ seien. Die Gesetze der Unterwelt lassen sich auch als Ursache und Wirkung bezeichnen: die Unveränderlichkeit von Ursache und Wirkung, ein Gesetz des Universums. „Unerbittlich“ bezeichnet die Zwangsläufigkeit von Ursache und Wirkung, die sich durch nichts ändern lässt. Wer eine bestimmte Ursache setzt, erntet die entsprechende Wirkung. Ursache und Wirkung erstrecken sich über vergangene, gegenwärtige und künftige Leben, weshalb ihre Folgen nicht immer schon im gegenwärtigen Leben sichtbar werden müssen. Doch Ursache und Wirkung sind wirklich und keineswegs trügerisch. Unterschiede in Identität, Stellung, Reichtum, Ansehen, Geschlecht, Alter oder Hautfarbe führen weder zu Ausnahmen noch zu einer unterschiedlichen Behandlung. Vor Ursache und Wirkung sind alle Wesen gleich. Deshalb kann man sie auch unerbittlich nennen.
Doch die Gesetze der Unterwelt sind unerbittlich, während der Buddha voller Mitgefühl ist. Das Gesetz von Ursache und Wirkung bleibt zwar unverändert, aber solange sich die guten oder schlechten karmischen Folgen noch nicht herausgebildet haben, lässt sich das Dazwischen, das man die mitwirkenden Bedingungen nennt, durch die Besserung eigener Fehler und die Hinwendung zum Guten umgestalten. Alle Buddhas und Bodhisattvas sind von großer Güte und großem Mitgefühl erfüllt. Sie wirken beständig und unermüdlich zum Wohl aller Wesen, lehren entsprechend deren Anlagen, weisen ihnen je nach den gegebenen Bedingungen den Weg und drehen unablässig das Rad des rechten Dharma. Dadurch haben die Wesen einen Halt, um sich vom Leid zu lösen und Glück zu erlangen, einen Weg zur endgültigen Befreiung und ein leitendes Licht, um rasch das andere Ufer zu erreichen.
In unserer heutigen Zeit gibt es zwar Menschen, die Gutes tun, doch noch stärker ist die Tendenz, aus Unkenntnis von Ursache und Wirkung schlechtes Karma zu schaffen. Katastrophen, Kriege und Krankheiten treten immer wieder auf. Selbst wenn die Kräfte göttlicher Macht, des Verdienstes, des Mitgefühls, guten Karmas und der Verdienstwidmung zusammenwirken, werden damit weiterhin nur die Symptome behandelt. Will man an die Wurzel gehen, muss jeder Ursache und Wirkung verstehen, vom falschen auf den rechten Weg zurückkehren, das Böse aufgeben und dem Guten folgen. Weil sich die äußeren Verhältnisse mit dem Geist wandeln, drehen die Buddhas unablässig das Rad des Dharma.